Nochmal die Zizek-Peterson-Debatte und der „Kampf der Rhetorik-Giganten“ – Zur Form ohne Inhalt

Auf dem Youtube-Channel „Redefabrik“ wird der „Kampf der Rhetorik-Giganten“ entsprechend aufgeblasen angek√ľndigt. Die hei√üe Luft entl√§sst sich dann in einer bedeutungslosen Schlu√üfolgerung nach der vermeintlich beide Duellanten gewonnen h√§tten. Dabei ist klar, dass Zizek sich nicht auf Petersons Konterlogik einlassen w√ľrde. Er hatte mit seiner oberfl√§chlichen Kommunismuskritik schlichtweg nichts zu tun, sondern konzentrierte sich auf das historisch Dialektische. 50 Jahre philosophischer Exegese lassen sich da nicht schnell bei Seite wischen. Peterson ist klar untergegangen.

In der ZEIT wird die zentrale Stelle des Diskussionsdebaleks so zusammgefasst. Schon zu Beginn der Debatte hat Peterson gestanden, dass er zur „Vorbereitung […] das¬†Kommunistische Manifest¬†gelesen“ habe. Das Manifest ist nat√ľrlich eine polemische Zusammenfassung von politischen Idealen der damaligen Zeit.¬†Nicht verwunderlich, dass Peterson daraus „seine hemds√§rmelige Dekonstruktion des Marxismus destilliert.“ Zizek reagierte hierauf gekonnt:

„Dass marxistische Sozialkritik nichts mit Moral zu tun hat, versuchte ŇĹiŇĺek Peterson sp√§ter immer wieder zu erkl√§ren. Aber Marx sei die Blaupause der LGBT-Identit√§tspolitik gewesen, meinte Peterson daraufhin, woraufhin ŇĹiŇĺek erwiderte: „Ich denke bei Marxisten an Leute, die √∂konomische Analysen durchf√ľhren. K√∂nnen Sie mir auch nur einen einzigen Marxisten nennen, der Ihrer Beschreibung entspricht? Ich frage das jetzt nicht, um auf h√∂fliche Art zu sagen, Sie sind ein Idiot und Sie wissen nicht, wor√ľber Sie reden“ https://www.zeit.de/kultur/2019-04/jordan-peterson-slavoj-zizek-toronto-debatte-philosophie

Zizek hatte Peterson hiermit schlichtweg ausgehebelt und seine Naivität entlarvt.

Die Analyse der Redefabrik ist daher eubfach falsch und zeigt wie unbedeutend rhetorische Analyse ohne Bezug auf die Inhalte ist. Wer behauptet, dass beide aufgrund rhetorischer Stilmittel Gleichstand erzielt hätten, zielt am Wesenskern von Rhetorik vorbei. Rhetorik ist die Frage nach der Form des Inhalts und dem Inhalt der Form, beide sind unzertrennlich. Hier die Analyse sture Formanalyse:

Auch wenn es bei der Rhetorik darum geht, das Gefallen der Menge zu gewinnen, kann es nicht ein inhaltsloses Phrasendreschen sein. Inhalte spielen eine Rolle und da ist Peterson untergegangen. Ebenso stellt sich die Frage, welche Menge denn am Ende gewonnen wurde. Ist es die Gemeinschaft derer, die schon vorher auf der Seite Petersons standen? Wenn ja, dann war die Rhetorik wie der gesamte Abend bedeutungslos. Es kann also nicht um die Peterson oder Zizek-Fans gehen, sondern um die Unentschlossenen, die eine Aufklärung der Wahrheit erwarten und nicht die Verteidigung ihrer angestammten Position. Hierbei hat Peterson schlichtweg verloren.

Vielleicht aber geht es auch nicht um gegenw√§rtige Zuschauer, sondern wie Schiller sagen w√ľrde, um den Gerichtshof der Geschichte. Genau dann relativiert sich die Rhetorik nochmals. Der n√ľchterne Zuschauer aus der Ferne der Zukunft ist eher an Inhalten interessiert und durchschaut die rhetorischen Tricks des historischen Moments, der Vergangenheit.

Im Gegensatz pr√§sentiert Gunnar Kaiser eine bessere Analyse und verf√§hrt dabei dialektisch. Obwohl er eher den Thesen von Peterson zugeneigt ist, stellt er sich weder auf die Seite des einen oder anderen, sondern sp√ľrt den komplizierten Inhalten nach. Die letztlich wahrhafte Rhetorik ist eben die Suche nach Wahrheit und wom√∂glich gewinnen diejenigen, die es mit der Wahrheit zu tun haben, am Ende doch. Das Video ist empfehlenswert:

 

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Dr. Norman Schultz, Juni 2019

 

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