Verloren im Weltall – Die Grenzen unserer Vorstellung (Das Universum Teil 2)

Um es vorweg zu sagen, das Universum ist verdammt leer. Es gibt ungefähr ein Teilchen pro Kubikmeter. Immerhin ein Teilchen, mag da der ein oder andere sagen, doch ungeachtet dieser Leere ist das Universum, wie Douglas Adams schon wusste, auch noch verdammt groß. Sein Travelguide „Per Anhalter durch die Galaxis“ beginnt mit folgenden Worten:

„Das Universum ist groß. Verdammt groß. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gewaltig, ungeheuer, umwerfend groß es ist.“

Dennoch wollen wir hier mal beginnen uns das Universum vorstellbar zu machen. Damit beginnen wir heute und setzen das demnächst fort. Jahre sind wohl für solche Denkprojekte angemessener, denn allein schon unsere Milchstraße vorzustellen ist ein gigantisches Denkmanöver. Wir beginnen aber mal einfach damit und schauen, ob wir es demnächst mit ähnlichen Verfahren auch schaffen, uns das Universum vorzustellen.

Die Milchstraße ist Leer
Also, das Universum ist, wie schon gesagt, verdammt leer, aber auch die Milchstraße ist eine gähnende Leere. Stellen wir uns ein sehr, sehr leichtes Schneetreiben auf einer Fläche von 10 km Durchmesser vor. Das müssten, wenn ich mich nicht irre, ungefähr 70 Quadratkilometer sein. Dieses entspricht also ungefähr einer Fläche von Manhattan (und einer läuft lange durch Manhattan, das kann ich aus Erfahrung sagen). Nehmen wir als an, das Schneetreiben ginge ungefähr 1 Kilometer hoch, dann kämen wir, insofern es sich um unsere Galaxie die Milchstraße handelt, auf ungefähr 3 Schneeflocken pro Kubikmeter. Die Sonne wäre in diesem Modell 10 Nanometer groß. Sie befindet sich also knapp im Sichtbarkeitsspektrum eines Elektronenmikroskops. Sie ist allerdings kleiner als ein Virus. Das heißt wir würden das „wilde“ Schneetreiben um uns herum nicht einmal bemerken.

Das Universum ist  nun noch viel, viel, viel leerer (vergleiche entnommen von http://www.wer-ist-gott.org/fragen-antworten/blog-post/2009/11/17/unvorstellbare-groesse/). Es ist so einsam im Universum. Wochenendausflüge mit der Familie sind da nicht zu empfehlen. Es ist schlimmer als der Grand Canyon, während man dort wenigstens noch auf ein großes Loch starrt, gibt es im Universum einfach nur unglaubliche gähnende Leere. Metaphysische Obdachlosigkeit ist da wohl vorprogrammiert. Wir sind verloren im Universum, eine Nadel im Heuhaufen, wäre bei weitem, bei weitem einfacher zu finden als wir.

Gut, unsere Galaxie ist also ganz schön leer, wie groß ist aber nun unsere Galxie? Hoimar von Ditfurth verdeutlicht die Größe der Galaxie. In seinem Buch ist eine Abbildung eines Spiralnebels zu finden, der mit unserer Galaxie vergleichbar ist. Die längste Ausdehnung unserer Galaxie beträgt demnach circa 150.000 Lichtjahre. (Leider habe ich das Buch gerade nicht hier in Köln. Und es fehlt die Fotografie. Ich bitte das zu entschuldigen). Folgende Fotografie dürfte äquivalent sein.

ein Spiralnebel (Quelle: Wikimedia)

Zumindest sollten diese 150.000 Lichtjahre auf der Fotografie ungefähr 15 Zentimeter, also ein durchschnittliches Lineal lang sein. Wenn wir nun mit einer Stecknadel in diesen Spiralnebel hineinstechen, so ergibt sich ein ungefähr 1 Milimeter großes Loch. Dieses Loch würde in seiner Größe ungefähr 1000 Lichtjahren entsprechen. Ein Raumschiff also, das mit Lichtgeschwindigkeit fliegen würde, bedürfte mindesten 1000 Jahre, um dieses Loch zu durchqueren (vgl. Hoimar von Ditfurth: Am Anfang war der Wasserstoff).

Wir würden mit diesem Durchstechen im Übrigen auch einiges an Sternenschrott produzieren. Da ist es doch gut zu wissen, dass der nächste Stern Alpha Centauri nur 4,36 Lichtjahre entfernt liegt. Wenn wir dann noch wissen, dass der größte Komet und Himmelskörper im All mit 3 Lichtjahren Ausdehnung die Entfernung gut ausfüllen würde, dann hört sich das Universum doch wieder kuschelig nah an. Aber ich möchte nochmal an die Schneeflocken erinnern. Das Universum ist nun so groß, dass diese Biester da locker alle Platz haben. Es ist gänzlich unvorstellbar, dass wir selbst mit Lichtgeschwindigkeit das Universum jemals durchqueren.

Nun haben wir uns also unsere Galaxie vorgestellt. Doch wir haben bei unserer Vorstellungsreise durch das Universum noch nicht mal das Haus verlassen. Im galaktischen Maßstab sind wir noch nichtmal aus dem Bett aufgestanden (vgl. Lesch, Harald http://www.youtube.com/watch?v=yJkZMXKQehg). Selbst bei Andromeda, der nächsten Galaxie, wobei wir dorthin erstmal 2,6 Millionen Jahre durch ödes Nichts fliegen würden, wären wir noch nicht mal an der Gartentür unseres Hauses angekommen. Wir treffen hier auf Schwierigkeiten, wir können das nämlich nicht mal mehr mit irgendwelchen Kirschkernen und Verhältnissen erklären. Das Universum ist einfach mal so unvorstellbar groß, es ist eine natürliche Grenze unseres Denkens, weil es aller Vorstellungskraft davon eilt und ich rede nur vom beobachtbaren Universum.

Das folgende Video versucht dennoch die Größe des Universums zu verdeutlichen, aber irgendwann steigen wir einfach aus, wir verlieren den Faden, die Relation.

Wir sind also jetzt so weit, dass wir uns vorstellen, dass das Universum einsam und leer ist. Wir wissen nicht nur das, sondern wir wissen auch: Es ist auch verdammt schwer vorstellbar und ich rede nur vom sichtbaren Universum, wo jeden Lichttag neue Phänomene hinzukommen. An dieser Denkgrenze kommen wir dann schnell auf den Gedanken, dass wir doch alle verbunden sind, denn der Kosmos ist auch in uns. Wir sind Teil desselben, was überhaupt erst die beobachtbaren Gegenstände ausmacht. So fragen wir uns natürlich auch, was die einheitliche Substanz ist, die alles zusammenhält und so schauen wir nicht mehr ins Universum hinaus, sondern in uns hinein, in unsere Atomstruktur und unsere Erkenntnisfähigkeiten und fragen gelegentlich nach dem Sein. Vielleicht können wir ja, auch wenn wir uns nicht alles im Universum vorstellen können, wenigstens die darin vorkommenden Elemente gruppieren und sortieren und uns so eine Vorstellung von der Struktur des Universums erarbeiten. Dennoch bleibt hinsichtlich aller Einheit mit dem Kosmos und dieses Forscheroptimismus‘ immer die Frage, ob wir in uns einen Rest an Differenz haben, der nicht auf das All reduzierbar ist, einen Funken an Individualität, der von keinem Gedanken erfasst werden kann und damit nicht sortiert werden kann. Vielleicht sind wir die uns spezifische Raum-Zeit-Stelle, die doch von allem anderen verschieden sein muss, vielleicht gehört diese Differenz nicht ursprünglich zum Universum und ist Grundlage unserer Erkenntnis und somit ist das Universum prinzipiell nicht denkbar. Vielleicht ist es aber auch wieder nur unter der Einheit möglich und real, da wir ansonsten keiner Gegenstände teilhaftig werden könnten. Mit diesen Fragen verstricken wir uns in eines der Kernprobleme der Philosophie, der Frage nach dem Verhältnis zwischen Einheit und Differenz. Welches ist als das höhere und grundlegendere Element zu bezeichnen? Gibt es sie wirklich oder sind sie Teil unseres Verstandes? Die Antworten darauf können aber nicht durch Beobachtungen gewonnen werden, und das weder durch Beobachtungen des Universums noch durch Beobachtungen unserer Psyche. Nur eine Transzendentalphilosophie könnte hier etwas leisten, wenn sie denn möglich ist. Das Problem ist einfach: Wir sind Teil, der versucht das Ganze zu denken, das Ganze kann aber nicht in unsere Sinnlichkeit gebracht werden, noch in unseren Verstand, wie also das Ganze denken? Die Teilhaftigkeit mag als metapyhsische Obdachlosigkeit verstören, doch wie wir es schon aus dem letzten Blogbeitrag erfahren haben, vielleicht ist es auch die Grundlage dafür, dass unser Leben überhaupt spannend ist.

Optimistischer zeigen sich da auch wieder die Schwergewichte der Physik. In dem nächsten AutopitchingVideo „We are all connected“ steuert sogar Richard Feynman ein paar Rhythmen der „Symphony of Science“ bei (er sitzt an den Percussions;).

Im nächsten Teil werden wir also versuchen uns die Größe des Universums vorzustellen. Leider ist mein Computer heute automatisch runtergefahren (ohne mich zu fragen) und hat mal eben ein Word-Programm geschlossen, wodurch ich alles neu schreiben musste. Die Recoveryfunktion wurde seltsamer Weise nicht ausgeführt, wodurch nun 22 Dokumente futsch sind und auch dieser Blogbeitrag war hin. Vielen Dank! Aber diese Kleinheit des Denkens im letzten Winkel des Universums, das bisschen Staub und Schmutz, das sich anschickt, das Universum zu verstehen, sollte sich von diesen Ereignissen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Robert Gernhart wusste diesbezüglich schon: Schmutz kann man nicht beschmutzen. Das bisschen Sternenstaub sollte sich von seiner Kleingeistigkeit nicht verrückt machen lassen oder? :)

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