Archiv fü Kategorie Grenzen der Philosophie

Zur Forderung nach einer neuen Intellektuellenkultur – Warum Sloterdijk doch besser als Precht ist.

12. Juni 2017
Reader

Die Alphabetisierung war ein intellektuelles Programm, dass sich nicht an den praktischen Bedürfnissen der damaligen Gemeinschaft orientierte. Photographer: Ichut Title: Reader Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)

Wir brauchen eine neue Intellektuellen-Kultur schreibt Krisha Kops in The European, dem Debattenmagazin. Schließlich, so werden wir anekdötelnd eingeführt, würde es auch Ernst Cassirer so sehen, der damals Albert Schweitzer als einen “Mann der Tat” entdeckte. Kops Thesen sind simpel und alt. Wir hätten das Gleichgewicht von Theorie und Praxis verloren. Im Moment würde die Theorie regieren. Ganz im Gegensatz bräuchten wir wieder Philosophen mit „Schwielen an den Händen“. Philosophen, die wieder die Sprache ihrer Mitmenschen sprechen. Denn, wie sagte Schweitzer, „[a]lles Tiefe ist zugleich ein Einfaches und läßt sich als solches wiedergeben, wenn nur die Beziehung auf die ganze Wirklichkeit gewahrt ist.“ Eigentlich ein Text, der in jedes Jahrhundert passt. Beispiele oder soziologische Evidenz führt Kops daher nicht an. Ein wenig Plausibilität genügt. Ein Text, der plausibel genug ist, um auf einer kurzen Fahrt von der Arbeit nach Hause zu überzeugen. Wie eben auch bei Argumenten für Homöopathie, gegen die EU oder für Trump ist dies eine ausreichende Strategie. Hier ein Thesenüberblick:

  • Unsere Zeit wird von Theoretikern beherrscht.
  •  Die Wirklichkeit sei im Grunde genommen einfach.
  •  Philosophen müssen Praktiker sein.

  Jede These ist problematisch, lässt sich aber bei allgemeiner Akzeptanz wunderbar in einen Syllogismus verpacken:

  • Prämisse (1): Theoretiker missverstehen die Wirklichkeit
  •  Prämisse (2): Die Wirklichkeit ist ein einfach und durch Praxis zu verstehen.
  •  Konklusion:   Philosophen müssen Praktiker sein.

 Das gesamte Textkonstrukt ist schon ein wenig naiv. Als erstes wäre schließlich die Frage zu stellen, warum Theorie und Praxis überhaupt in einem extremen Verhältnis zueinander stehen können. Wie kommt es, dass wir Theorie und Praxis überhaupt gegeneinander ausspielen können? Hier müssten wir eigentlich auf ein bewährtes Konzept der Philosophie zurückgreifen: Dialektik. Wenn Philosophie nämlich die Rückkehr von den Extremen ist, wie es seither in der Dialektik der Fall ist, dann müsste Kops zunächst erstmal auf die Gründe reflektieren, warum Theorie und Praxis als Gegenspieler auftreten. Stattdessen zitiert er, wie bei diesem Thema schon Standard, die These Feuerbachs (nicht etwa die Engels’ oder Marx’): 

“Es komme auf die “Marx’sche (und Engel’sche) These an, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie tatsächlich zu verändern.”

Nun ist Marx mit seiner Frage nach der Revolution jedoch nicht so einfach einzuordnen. Klar ist, dass er irgendwie meinte Hegel vom Kopf auf die Füße zu stellen. So weit die simple Interpretation von Marx. Die späte Publikation der frühen Manuskripte von Marx im Jahre 1932 entfaltete sich jedoch als eine Revolution in der Marx-Exegese. Zeigte sich doch, dass Marx zutiefst Hegelianischer Denker war. Praxis und Theorie waren in einer Weise aufeinander bezogen und verschlungen, die er von Hegel lernte und dann an dessen Logik kritisierte. Marx war somit eben auch ein zutiefst theoretischer Denker, der Dialektik von Hegel nicht als These, Antithese und Synthese verstand, so wie es oftmals von den Marxisten falsch verstanden worden ist. Ganz im Gegensatz konnte er Hegels Phänomenologie fortführen. Das heißt, er verstand Hegels Dialektik, nämlich eine Theorie aus der praktischen Beobachtung heraus zu entwickeln und die gewonnenen Einsichten immer nur als vorläufig anzusehen. Gegen die Misinterpretation der an den Universitäten herrschenden Rechtshegelianer verstand Marx es daher die Dialektik an der Gesellschaft nachzuvollziehen. Das heißt, Marx war erstens kein Praktiker und zweitens waren seine Thesen eben auch nicht einfach, sondern wissenschaftlich komplex. Nun gut, auch Kops geht über seine Einfachheitsthese hinaus: “Sie [die Gesellschaft] wiederum lediglich verändern zu wollen, ist, wie die Geschichte bezeugt, auch nicht die Lösung.” Die Einsicht in die Komplexität von Veränderung bringt Kops daher zu seiner Schlussfolgerung, es müsse Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis geben.

a reader

Photographer:Kim, Title: A Reader, Paris 2017 Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Mit jener Position kann er dann auch über Sloterdijk und Precht urteilen. Da Sloterdijk im Elfenbeinturm wohne, wäre er abzulehnen. Precht als Praktiker (warum er nun Praktiker ist erschließt sich mir nicht) wäre demnach vorzuziehen. Sloterdijk, ganz im Gegensatz zu Kops Beurteilung und Vorgehen, erkennt jedoch, dass Philosophie eben die Rückkehr von Extremen ist. Bei Weitem ist er Kops simpler Forderung nach mehr Praxis überlegen. Für Sloterdijk wäre sofort klar, dass die Philosophie weder in Praxis noch in Theorie anzusiedeln ist, sondern das beides Begriffe sind, die erst einer philosophischen Überlegung entspringen. Hier ist auch das Problem mit Precht, den Kops ja lobend hervorhebt. Ganz im Gegensatz zu Kops These ist Precht Theoretiker, der sich als Praktiker verkauft, weil er Dinge einfach sagt. Wenn man nun jedoch Dinge einfach sagt, die in Wahrheit kompliziert sind, dann abstrahiert man zu stark, ein Fehler, der eigentlich dem Theoretiker widerfährt. Wie verhält es sich aber darüber hinaus mit Kops These, dass die Welt eigentlich ganz einfach ist? Erwarten wir wirklich, dass ein hochkomplexer, mathematischer Beweis einfach ist? Es ist schön, wenn er vereinfacht werden kann, aber es ist nicht notwendig der Fall, dass Mathematik am Ende einfach ist? Einfachheit ist nicht notwendig ein Kriterium für Wahrheit. Dinge, die wir behaupten, sollten eher in einer bestimmten Weise wahr sein. Lieber etwas Kompliziertes, das wahr ist als etwas Einfaches, das falsch ist.

Kops hingegen folgt seiner Einfachheitsthese und benutzt die steife und simple Unterscheidung von Schul- und Weltbegriff, eine wenig reflektierte Unterscheidung, um die Situation auf den Begriff zu bringen:

Schulbegriff: “die streng akademische, fachorientierte, mit Fachtermini durchsetzte Philosophie” (Kant).

Weltbegriff: “fachübergreifenden, für alle (oder zumindest viele) relevante Thematiken auseinandersetzt”

Gemessen an der simplen und ihm nützlichen Unterscheidung, kann Kops dann ihm genehm schlussfolgern: der “„public intellectual“, ist hierzulande oft mehr dem Schul- als dem Weltbegriff verschrieben.” Weltbegriffsphilosophen wie Richard David Precht wiederum würden für ihre Popphilosophie von den Schultheoretikern angefeindet werden. “Dabei…”, so Kops weiter, “versucht er genau das, was Schweitzer tat und Cassirer forderte: das thematisieren, was alle betrifft, und zwar mit einem Duktus, der nicht nur für eine Bildungselite zugänglich ist.” Ein paar Argumente streut Kops dann: “Precht hat sicherlich mehr Menschen dazu gebracht, über ihren Fleischkonsum oder das archaische Schulsystem nachzudenken.”

Ein paar Beweise zur Wirksamkeit von Precht wären schon ganz hilfreich. Und Schulreformen gibt es leider schon immer und bei allen Zeiten haben Philosophen über starre akademische Betriebe geschimpft. Dass Precht sich die Schule als Kritikgegenstand herausgreift, ist daher kein Novum. Ob Philosophie im Übrigen wirklich Menschen zum Vegetarismus inspiriert, ist ebenso fragwürdig. Die Freiheit unserer Erscheinungen determiniert sich an vielen Objekten unserer Umgebung. Lebenswandel sucht sich seine Gründe. Ich bezweifle daher, dass ein allein philosophisches Argument Leben so grundlegend verändert. Ich glaube eher Leben verändern sich und dann finden wir philosophische Argumente in der Reflexion. Precht wird vor allem von Vegetarieren zustimmend verdaut. Letztlich sind es Ideen, die uns ergreifen und zur Praxis bewegen, die hat aber Precht nicht erfunden, sondern sie zirkulieren in unseren Debatten.

Aber gut, wie sieht es damit aus. Sollte ein Philosoph einfache Lebensmaximen vorgeben? Kops These dazu: Intellektuelle (Weltbegriffbesitzer) müssen den Massen praktisch helfen. Er schreibt konkret:

“Die Aufgabe der Intellektuellen sei es daher, die Massen intellektuell zu fördern, um so die erwünschte Veränderung in der Gesellschaft bewirken zu können.”

Hegel war schon immer skeptisch gegen den überaktiven Weltverbesserer. Nicht, dass er diesen als Gutmenschen disqualifiziert hätte. Das ethische Leben ist auch notwendig, weil es einem inneren Willen folgt. Problematisch ist jedoch, wenn der einzelne Intellektuelle glaube, mit seiner Idee die Gesellschaft zum Besseren zu verändern. Das Problem des Radikalismus spielt hier hinein, worauf Sloterdijk zum Beispiel sehr weise in seinem Buch  Die schrecklichen Kinder der Neuzeit hinweist: Wir haben vielleicht mehr zu verlieren als nur unsere Ketten, verweist er einem seiner Artikel. Hegel würde hier fortführen, dass wir Individuen maximal Konzepte schöpfen, die sich praktisch vielleicht im weiteren Weltgeschehen über die Jahrhunderte realisieren. Für Hegel schöpft sich Veränderung daher beim praktischen Theoretisieren. Der Theoretiker, der die Welt erst verstehen will, bevor er über sie urteilt, ist Ursprung der Veränderung. Precht hingegen will nicht verstehen, sondern verändern oder besser Veränderung fordern.

Am Ende wird klar, dass Kops sich eher einer populistischen Argumentation bedient, um letztlich die Eliten abzuurteilen. Seine Thesen: Aufgrund verschwindender Klassen, und dem Aufkommen der Popkultur tendieren nach Kops die Eliten zum asketischen Rückzug. Zur Kunst formuliert er folgende These: “Kunst wird intellektualisiert und lässt „ungebildeten“, anders als in der klassischen Moderne, gar nicht erst einen Schritt in das Museum oder die Galerie wagen.”

Für meine Gegenthese wäre es nicht schwer Argumente zu finden: Es gibt sehr wohl noch Kunst, die es mit der Gegenwart aufnimmt. Ganze Sinfonische Orchester verkaufen ihre Zeit an Popmusik und Kollaborationen sind an der Tagesordnung.

Weitere These Kops um Rückzug der Eliten ins Unverständliche: “Das Gedicht hermetisiert sich zunehmend, hinterlässt immer mehr Weiß auf dem Papier und Unverständnis beim Leser.”

Meine Gegenthese: Gedichtformen haben sich pluralisiert. Es wird mit mehr und mehr Formen des Ausdrucks experimentiert. Hip Hop ist alltäglich.

Warum Kops nun gerade, die Forschung am Instrument und am Wort in den Mittelpunkt rückt ist fragwürdig. Sollen wir alle Kindergedichte schreiben und nur noch Hip Hop veranstalten? Sollen sich sinfonische Orchester lieber um den ESC sorgen? Oder darf es noch erlaubt sein, auch im lyrisch- und musikalisch-praktischen Sinn zu “forschen”?

Letztlich ist auch Kops Elitebegriff absurd. Das Gedicht war doch noch nie Teil der Elite. Eliten sind doch eher diejenigen, die Marktglitches ausbeuten und sich daran ungerechter Weise bereichen. Wahrscheinlich haben nur Robert Gernhard und Hans Magnus Enzensberger Geld mit Gedichten verdient, ansonsten sind die geschmähten Theoretiker des Gedichts und der Musik eher Hungerkünstler und keine wirklichen Eliten. Diese Eliten ins Visier zu nehmen hilft nun wirklich niemanden. Sollten wir so zum Beispiel Kant, einem der Gründungsväter der aufklärerischen Freiheit, seine Intellektualität vorwerfen?

Fazit: Kritik am Establishment ist alt, unglaublich alt. Kritik an der Theorie ist mindestens ebenso alt. Daher eine Gegenfrage: Was wäre wohl aus unserer Gesellschaft, wenn Kant sich dazu entschieden hätte ein Precht seiner Zeit zu werden? Kop bedient sich einer einfachen Analyse um der Denkfaulheit eines Populargebildeten das Wort zu reden. Weniger Pop und ein mehr and Intellektualität wäre seiner Analyse jedoch nicht abträglich.

Warum ist Peter Sloterdijk also die interessantere Figur? Weil Precht einfache Antworten mit simplen Analysen anbietet, welche zu häufig zu sehr simplifizieren. Sloterdijk bietet weniger Lösungen, sondern baut großartige Analysen. Im Hegelianischen Sinne bedeutet dies, der Gesellschaft neue Konzept für die Zukunft zur Verfügung zu stellen.

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Sonnenuntergang Winter

Mein Philosophie-Projekt neigt sich dem Ende entgegen, sowohl Dr.-Arbeit als auch die Beschäftigung mit Epistemologie.

Norman Schultz, Pittsburgh Juni 2017 (155, 45)

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Die verlorene Wahrheit – Von der Wertlosigkeit der Philosophie

7. Dezember 2016
Nicholas Rescher 2

Rescher, eine lebende Enzyclopädie, picture By Rescherpa (Own work) CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


Ich hatte heute eine Unterhaltung mit Nicholas Rescher. Der Mann hat seine hundert Bücher und Tausende von Artikeln veröffentlicht. Hat zu dem ein Arsenal an Ehrendoktorwürden (9). Wäre ich er, würde ich darauf bestehen, dass jeder, der mit mir spricht, diese Dr.Titel nennt und falls nicht, würde ich so tun, als hörte ich ihn nicht.

Wie dem auch sei. Die Epistemologie, Reschers Hauptbetätitigungsfeld, die Lehre vom Wissen, ist derweil ein wenig in Verruf gerraten und viele behaupten wir bräuchten diese nicht mehr. Rescher ist nun einer der wenigen, die glauben, dass wir noch die Ausarbeitung einer Epistemologie bewirken müssten und stellt hierzu die These auf, dass es noch koheränter Systeme bedarf.

Ich habe ihn ausgiebig zu einer Epistemologie und ihrer sozialen Relevanz befragt. Ich zweifle zum Beispiel stark daran, dass uns eine bessere Theorie von Dreiecken eine bessere Politik beschert. Ich glaube im Gegensatz, dass das Gute jeder Theorie vorausgesetzt sein muss.

Reschers Buch zur Epistemologie ist eine Zusammenfassung aller epistemologischen Probleme unter der Idee dass wir keine repräsentationalistischen Wahrheitstheorien bedürfen, sondern Koheränzsysteme. Natürlich schreibt der Mann im analytischen Feld (was auch seine erste Frage war, ob ich denn auch analytisch geschult sei). Dennoch ist Rescher im kontinentalen Bereich unglaublich belesen und auf den Hinweis, dass er sich ja auf Leibniz beziehe, antwortete er nur, dass dieser immer noch sein großer Held wäre. Das Buch zur Epistemologie ist Beitrag zur Philosophie und Lehrbuch zugleich:

Was sonst?

Ich habe soviel an Cybermonday nach Thanks Giving gekauft. Nach 6 Jahren kann ich sagen, dass Thanks Giving der wichtigste, amerikanische Feiertag ist, weil hier alle Familien zusammen kommen. Weihnachten wir nicht von allen gefeiert und selbst Christen fliegen eher an Thanks Givin als an Weihnachten nach Hause. Ich habe endlich einen neuen PC, so dass ich meine Fotographie endlich wieder schneller bearbeiten kann. Ich habe mich für ein Mittelklassemodell entschieden und fahre damit wirklich, wirklich gut. Ich denke nach langen Recherchen, dass das wirklich das beste Preisleistungsverhältnis ist:

DSC_0107

Ich suche übrigens auch fake Converse-Schuhe. Ich will hier nicht 50 Dollar für die ausgeben.


Zur gegenwärtigen Bedeutung der Philosophie 

Im folgenden Artikel geht es eben darum, dass die Philosophie ihre epistemologische Zentralfunktion verloren hat.

Kernthese des verlinkten Artikels:

Philosophie wurde gereinigt und zu einer Wissenschaft unter vielen. Damit ist die Philosophie keine Tugend mehr und der Philosoph ein Durchschnittsdetlef, der sich wie ein fauler Beamter in Archiven ein Biotop aus abzuarbeitenden Büchern errichtet hat und in der Zwischenzeit auf einen Monitor starrt.

Bewertung:

Simple Darstellung historischer Zusammenhänge innerhalb der Philosophie. Der Artikel hat beinahe Precht-Niveau. Die historische Transformation der Tugendphilosophie in das Archivars- und Verwaltungsleben ist leider nur allgemein dargestellt. Der Artikel verpasst es, einen reflektierten Standpunkt zu erreichen, das heißt auf die eigenen Voraussetzungen der eigenen historischen Position einzugehen oder interessante Beobachtungen einzustreuen.

Zusammenfassung:

Philosophie wurde insitutionalisiert und damit “gereinigt”. Der Artikel verortet die Abspaltung der Philosophie um 1870. Die Naturwissenschaften  ebenso wie die Sozialwissenschaften werden zu eigenständigen Wissenschaften entwickelt, die sich nicht mehr vor der Philosophie verantworten müssen. Unter dem Druck der Abspaltung muss sich die Philosophie als eigene Wissenschaft rechtfertigen (dies wird als Demarkation bezeichnet). Unter der Neuausrichtung bleiben verschiedene Betätigungsfelder:

  1. Synthese verschiedener Erkenntnisse aus Regionaldisziplinen
  2. Entwicklung des formalen Grundvokabulars (Logik)
  3. Übersetzung von Erkenntnissen für die Gesellschaft
  4. Disziplinspezialisten
  5. Kombination aller

Nach dem Artikel hätte Philosophie niemals gereinigt werden sollen, denn mit dem Fokus auf Wissensproduktion wurde die Philosophie ebenfalls von der Tugend abgegespalten.

“The individual scientist is no different from the average Joe; he or she has, as Shapin has written, “no special authority to pronounce on what ought to be done.” For many, science became a paycheck, and the scientist became a “de-moralized” tool enlisted in the service of power, bureaucracy and commerce.

Philosophie ist zu einem Gehaltsscheck geworden, einem Beruf unter vielen. In diesem Sinne ketten sich Philosophen an ihre Computer und produzieren angeblich wissenschaftliche Artikel, die von ihren peers bewertet werden.

“Today, a hyperactive productivist churn of scholarship keeps philosophers chained to their computers.”

Ich stimme damit überein, dass die Philosophie unnötig, verwissenschaftlicht worden ist, denke aber dass die Reduktion auf den Wahrheitsgehalt problematisch ist. Ich glaube ich habe zuviel Rorty gelesen und kann nur mit einem Zitat von Tom Rockmore zur Relevanz der Theorie enden. Für ihn sind Platon, Kant und Husserl Verteidiger, dass wir nur praktisch handeln können, wenn wir eine gesicherte Wissenschaft haben, während Aristoteles, Hegel und Marx der Praxis den Vorrang geben:

“On the one hand, there are those, such as Plato, Kant, Husserl and even Whitehead […] on the other hand there are those, such as Aristotle, Hegel, and Marx, who are concerned to limit, or even to reject, some claims for the relevance of reason.” (Rockmore, Tom Habermas on Historical Materialism 1989:173)

Sonnenuntergang Winter

Mein Philosophie-Projekt neight sich dem Ende entgegen, sohwohl Dr.-Arbeit als auch die Beschäftigung mit Epistemologie.

 

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“Star Trek – Beyond” und seine existentiale Parallele zu Melvilles “Moby Dick” – Berichte aus Pittsburgh

1. August 2016

Wieder habe ich eine längere Zeit nichts von mir blicken lassen. Hier sind die Punkte um die es mir heute geht:

  • Veröffentlichung meines Artikels zur Freiheit und Kausalität im Journal Philosophy Pathways
  • Fotografieprojekt in Pittsburgh mit Lauren und Christian
  • Star Trek -Beyond und seine Paralelle zu Melvilles Moby Dick
  • Weitere Filmempfehlungen und unser Halket-House Kinoprojekt

 

1. Online Journal Philosophy Pathways

Dank an Matthew Sims für seine Arbeit an dem Online-Journal Philosophy Pathways. Darin ist ein Artikel von mir zu dem Problem von Freiheit und Kausalität veröffentlicht. Ich freue mich vor allem über das qualitative Lektorat, wobei er viele interessante Fragen aufgeworfen hat, die mich in meinem Dissertationsprojekt weitervoranbringen. Der Artikel stellt einen Auszug aus meiner Dissertationsarbeit dar und heißt:

Freedom in Hegel – Why the Concept of Self-Consciousness is a Precondition for a Theory of Causality –

Ich argumentiere, dass sowohl unser Kausalitäts- als auch unser Freiheitsbegriff Abstraktionen von einem grundlegenderen Problem der Wirklichkeit (“actuality”) menschlicher Existenz sind. Wir sind weder kausal-determinierte Maschinen, noch handlungsfreie, transzendental-göttliche Seelen, sondern unsere Existenz ist das Problem zwischen diesen beiden Abstraktionen die Wirklichkeit zu bilden. Wir leben den Konflikt zwischen Kausalität und Freiheit als reales Dilemma. Danke an Matt.

2. Fotografie

Ich war mit Lauren (22 und Designstudenten in Pittsburgh) und Christian (24, Schauspiel- und Designstudent aus Los Angelos) in Pittsburgh unterwegs. Hier ein paar Resultate unserer Fototour:

Pittsburgh Skaters from LA

Wie man sieht habe ich mich perspektivisch weiterentwickelt. Zudem unterbelichte ich Fotos nun, um später verschiedene Effekte zu erreichen. Ich habe noch ein paar Schwierigkeiten mit chromatischen Farbverschiebungen, die dabei auftauchen und weiß nicht, wie ich das am effizientesten löse.

3. Star Trek – Beyond und das existentielle Dilemma des Forschers – Eine Parallele zu Moby Dick

Ich habe es nun mal endlich wieder ins Kino geschafft. Hier mein Review zum neuen Star Trek-Beyond und ein partieller Vergleich mit dem Roman Moby Dick.  Star Trek einst intellektueller Gipfel meiner Kinderzimmerzeit. Damals, ich schob eine Videokassette in den Rekorder, schon schlug Logikkühlschrank Spock vor, die Enterprise um die Sonne zu steuern. Mit Transzendentalschwung des Sterns landete Star Trek im San Fransisco unserer Zeit (naja gut der 80er). Aus unserem Blick auf die Zukunft heraus unsere Gegenwart betrachten, das hat mein Kindergehirn irgendwie umgehauen und wochenlang fasziniert. In einem anderen Kino-Schinken fragte Captain Kirk noch nach Gottes Personalausweis:

 

  • Kirk: Wozu braucht Gott ein Raumschiff?
  • McCoy: Jim, was tust du denn?
  • Kirk: Ich stell’ ihm ‘ne Frage.
  •  Gott: Du zweifelst an mir?
  • Kirk: Ich will einen Beweis!
  • McCoy: Jim, was soll das? Willst du seinen Personalausweis sehen?

 

So eine Audienz mit Gott, das hat mich zugegeben schon in den Sessel gedrückt:

Die Frage nach der Schöpfung als Grenze unserer Forschung, die Schöpfung von Planeten und der Zorn Khans als die Rache eines diesseitigen Gottes bildete das philosophische Rückgrat der Serie:

Dann aber die Borg mit ihrer anonymen Assimilierungskultur, meine favourisierten Bösewichte und so auch Star Trek – Der erste Kontakt. Piccard mit den Borg verschmolzen, musste nicht nur mit ihnen kämpfen, sondern auch in eine kriegerische Vergangenheit der Erde zurückreisen, um den ersten Kontakt zu den Vulkaniern herzustellen. Dabei ging es um das Verhältnis von Frieden, Freiheit und Kausalität.

Star Trek hat mich schon früh zum Philosophen erzogen. Dennoch Star Trek alterte und die philosophischen Dialoge konnten mit dem Haudrauf-Kino, den aufgeblasenen Actionschlachten und den jugendlichen Anabolikaboliden nicht mehr mithalten. Aus diesem Grund musste JJ Abrahms das ganze Epos um ein paar Explosionen erneuern und alle Charaktere von Grund auf neu heranzüchten. Der Wiederstart der Serie ließ daher eine alternative Zeit entstehen, die immer noch in unserer Welt mit genau den gleichen Charakteren spielt, nur dass es ein Paralleluniversam ist. Und wir haben Glück, denn in diesem Universum kracht und knallt es mehr, dafür aber gibt es weniger philosophische Dialoge. Doch schon in der zweiten Fortsetzung stellt “Star Trek” sich selbst die Sinnfrage, weil es nicht immer nur knallen und krachen kann:

“Das mit den beiden epischen Abrams-Filmen gestartete “Star Trek”-Projekt der Kino-Neuzeit geht jetzt, da die neuen Darsteller und ihre Rollen etabliert sind, etwas weniger hochglanzpoliert in Serie, in die Mühen der Ebene des kontinuierlichen Kassemachens. .” http://www.spiegel.de/kultur/kino/star-trek-beyond-die-teuerste-tv-episode-aller-zeiten-a-1103750.html

Die endlose Reise zu anderen, zermürbenden Alltags-Abenteuern zerren an Captain Kirks (Chris Pines) Identität. Ist ein Mann wie er nicht für die heroischen Abenteuer im Weltall gemacht? Ist Star Trek nicht eine nie endende Weltraumschlacht, ein Krieg des Forschens und Forschen des Krieges?

Genau hier habe ich für einen Moment geglaubt, der neue Star Trek würde tatsächlich etwas riskieren, seinen explosiven Überschwang zurücknehmen. Aber der erste Trailer zeigt dann doch eher, worum es in Star Trek nun geht:

Genau Explosionen sind wichtig, um die Handlung voranzutreiben. Star Trek-Beyond verfällt ins episodische Wiederholen. Der Kniff für Episoden ist doch häufig, dass ein sinnloses Artefakt die Hauptmotivation der Handlung ausmacht. Das läuft dann ungefähr so ab:

  • Der Gute findet ein Artefakt
  • Böser will Artefakt, um Welt zu zerstören
  • Der Gute findet das nicht gut
  • Beide kämpfen, Statisten sterben, Guter ist heroisch, alle sterben fast
  • Guter lässt mit gutmenschlicher Überheblichkeit den Bösen nicht sterben
  • Guter gewinnt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja und leider ist dies auch die Handlung des neuen Star Trek, nur dass einem halt alles CGI-technisch um die Ohren fliegt. Aber nochmal zurück zur philosophischen Eigenheit des Anfangs. Kirk ist selbst verwundert über die Banalität eines Artefakts, das er einer minderen Kultur als Friedensangebot mitbringt. Alles geht schief, weil die primitiven Außerirdischen einfach nicht vernünftigen Diskurs halten wollen (das ist wohl eine Analogie zum gegenwärtigen Zustand der Politik) und so muss er aus der minderen Gefahr herausgebeamt werden. Nach dieser episodischen und wenig bombastischen Einleitung setzt er zu dem vorher erwähnten, verzweifelten Monolog über die Sinnlosigkeit seiner Aufklärungsmission an und sehnt sich nach Abenteuern. Was macht das Ganze so gut? Nun, in diesen anfänglichen Selbstzweifeln, der Zerworfenheit zwischen Abenteuer und Sinnlosigkeit erinnert der Film zunächst an Melvilles Meisterwerk “Moby Dick”.

Dort will sich Ismael von seiner Depression lösen. Er ist ein durchschnittlicher Mann, der dem Pathos von Erfolg auch in seiner Generation nicht gerecht werden kann. Ismael will sich stattdessen dem Meer anvertrauen, das Abenteuer finden. Er vernimmt den Ruf des Meeres in sich und versteht seine Existenz vor jenem übermenschlichen Horizont als göttlicher Held. Der Sklave der Erde meint, er könnte Herrscher der Meere sein. “Moby Dick” bleibt damit der ironische Erfolg über die Abenteuerromane seiner Zeit, weil er urkomisch (was die meisten nicht bemerken) über jene erfolglose Sucht nach Größe erzählt. Es passt ebenso zu unserer Zeit, in der jede Biografie als die größte ihrer Zeit angepriesen werden muss, wobei unser einer hinter der aufgerüsteten Mediensphäre in individueller Isolation wenig Glück findet. Was aber ist dieses “tiefe Denken” Ismaels? Melville gibt Antwort. Ich meine, tut er das?

“Die Wahrheit, dass alles tiefe, ernsthafte Denken nur das unerschrockene Streben der Menschenseele ist, sich die hohe Freiheit ihrer Meere zu bewahren; dieweil die wildesten Winde zwischen Himmel und Erde sich verschworen haben, uns an der elenden Knechtschaft der Küste scheitern zu lassen. http://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick, Zitat von Melville, S. 192

Die Komik des Romans wird dabei von vielen nicht erkannt. Dieses Zitat ist eben pathetisch inszeniert und demonstriert unsere hoffnungslose Eitelkeit. Ismael ist erbärmlich von der Sucht nach Größe getrieben, kann aber zugleich mit keiner Unbequemlichkeit der Natur umgehen. Ein paar Beispiele: Ismael ist arm. Bevor er also auf einem Walfänger anheuern kann, braucht er eine billige Bleibe für die Nacht. Schon als er jedoch die erste Spilunke betritt, wird sein Pathos durch das Gebölke einer wilden Horde erschüttert. Weinerlich wie er ist, kann er Vulgarität des Banalen nicht ertragen und entschließt sich, eine andere Unterkunft zu finden. Verzweifelt und nach erbärmlicher Reflexion kehrt er in die Spilunke zurück, weil er das unsägliche Wetter nicht ertragen kann. Nun aber muss er erfahren, dass er sich das Bett mit dem Harpunier teilen muss. Auch das wirft einiges an innerer Verzweiflung hervor. Ismael legt sich nach inneren Widerständen ins Bett und wartet auf den Harpunier. Als dieser erscheint, traut er sich nicht etwas zu sagen und bleibt im Dunkeln liegen. Dieser vollkörpertätowierte Wilde, versteht offensichtlich nichts von Abenteuern und Zivilisation. Ismael aber sagt nichts. Als der Wilde sich schließlich über seinen Bettkumpanen ebenso erschreckt, kann Ismael glücklich sein, dass er nicht getötet wird. Am nächsten Morgen erwacht Ismael dann, umarmt vom Harpunier, und kann sich allerdings nicht aus seiner Umarmung befreien, geschweige denn den Versuch unternehmen. Er traut sich nicht etwas zu sagen. Stattdessen folgen wir einem weiteren, inneren Monolog, der sich mit der Vulgarität des Wilden auseinandersetzt. Ismael hätte  eben einfach ein hygienisches und heldenhaftes Abenteuer verdient. Später im Buch als Ismael später seinen Blick über die Reiling wandern lässt, um einem der Captain zu berichten, kann er nur feststellen:

„grenzenlos, aber über alle Maßen eintönig und abstoßend; nicht die kleinste Abwechslung – nichts als Wasser“. http://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick

Die Schifffahrt ist ein endlosen Unterfangen, ein Solaris(Stanislaw Lem) ohne Sinn, ein Krieg gegen sich selbst und so ist auch Captain Ahab zu verstehen:

„Man glaubt, ich sei von Sinnen; ich aber bin besessen, bin die außer sich geratene Besessenheit selber! Jene Raserei, die nur abflaut, um sich selbst zu begreifen.“http://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick

Ahab sucht den Feind im Meer. Die Sucht, einen weißen Wal zu erlegen, ist der Sinnlosigkeit seiner menschlichen Existenz einverleibt. Es ist die Sucht nach Krieg, der absolut übersteigerte Kampf nach Bedeutung und der Krieg mit sich selbst. Letztlich wird er genau an diesem Krieg scheitern.

Thich Nath Hanh: Um den Krieg zu beenden, müssen wir erst den Krieg in uns selbst beenden.

Buddhisten sind Großmeister der Empathie. Die Action wird hier durch echtes Gefühl ersetzt. Lesen schärft diesen Sinn als auch Lesen, das Eintauchen in fiktionale Charaktere, am besten unsere Intelligenz fördert (ein Artikel dazu von mir hier auf Bewusstes-Lernen).

Star Trek und der Sinn

Auch die Crew-Mitglieder der Enterprise sind dieser Sinnlosigkeit ausgeliefert und da ist es nur gut, das der Superschurke Krall (Idris Elba) die vereinsamten Existential-Helden vom Selbstmord bewahrt und sie wieder in altbewährter Manier den Frieden durch mächtiges Geballer herstellen dürfen. Genau hier verliert der Film seine Qualität und auch die Logik kommt zeitweise abhanden. Meines Erachtens braucht ein Superschurke keine zurechtgezimmerten Intention, denn die machen in dem Film ohnehin nur eingeschränkt Sinn. Terror folgt keiner Logik. Wäre es deshalb nicht geschickter und anspruchsvoller, das Böse in den Friedensstifter-Wahn der Förderation zu verpacken? Einzig das Faz-Feuilleton erkennt:

“was amerikanische Kriegswissenschaftler neuerdings „fourth generation warfare“ nennen, womit das momentan welterschütternde Durcheinander von gar nicht mehr erklärten Kriegen, tief ins Hinterland verlegten Schlachtfeldern und nur noch fakultativer Uniformierung der Kombattanten gemeint ist.” http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/kritik-zu-justin-lins-kinofilm-star-trek-beyond-14347985.html

Für Krall ist das Bestehen der Förderatio ein aggressiver Akt und dies ist das “Dilemma des Interventionshumanismus” (http://www.nzz.ch/feuilleton/kino/star-trek-beyond-die-zukunft-jetzt-ld.106519). Die Sucht nach Abenteuer und Expansion mit den Menschenrechten im Rücken rückt den anderen in den Rahmen des unmenschlichen Feindes, der keinerlei Anspruch als Chaos hat. Worum also geht es in Star Trek? Nun die Frage kann der Film nicht beantworten, aber hier findet sich eine Antwort:

“Das Spannende ist nun, dass der Feind hier ein diffuser, nicht zu greifender Komplex ist, ganz wie das wabernde Chaos aus Terror, Populismus und Irrsinn, in dem wir heute leben. Etwas, was kaum aufzuhalten ist und einen mit schleichender Ohnmacht erfüllt.” http://www.nzz.ch/feuilleton/kino/star-trek-beyond-die-zukunft-jetzt-ld.106519

Ich teile diese Auffassung nicht ganz, denn dafür bleibt der Superschurke Krall einfach zu blass, unbestimmt und platt. Er wird auf kriegerische Intentionen heruntergebrochen, versucht sich zu erklären, aber wirklich nimmt man ihm seinen ganzen Kult nicht ab. Zumal sich einige Fragen zu seiner Biographie stellen, die einfach keinen Sinn ergeben, aber ich will hier keine Spoiler aufbringen. Star Trek zeigt sich damit als ein Kassenmagnet, der seine Investoren glücklich macht. Das Startsignal für den vierten Teil ist mit dem kommerziellen Erfolg bereits gefallen. Nun gibt es viele Projekte im Sommer: Ich habe mich entschieden in Pittsburgh nun eine Filmnacht in meinem Haus zu veranstalten. Am Donnerstag werden wir den Klassiker “The Bycicle Thieves” schauen. Außerdem kommt einiges an Filmen diesen Sommer. Als nächstes steht Jason Bourne auf dem Programm, den wir heute Abend im Kino sehen werden. Mit 120 Millionen Dollar Budget fragt, wohl ähnlich aufgeblasen wie Star Trek. In Zukunft muss ich wohl noch die Balance zwischen Action-Kino und Anspruch finden, aber was erwartet man von Hollywood. Es bringt Geld und das ist Rechtfertigung genug für die Studios.

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Norman Schultz, Pittsburgh, August

 

Cognize Yourself

 

 

 

Meine Studentenevaluationen, obwohl ich ja eigentlich nicht so viel davon halte. (Journaling und das richtige Schreibwerkzeug)

27. Juni 2016

Heute geht es um 3 Punkte. Zunächst war ich mit Hwan und ihrem 5 monatigem Sohn bei der Siegesparade der Pittsburgh Penguins, die tatsächlich die amerikanisch-kanadische Eishockeymeisterschaft gewonnen haben. Dazu gibt es ein paar Bilder in der Galerie unten. Dann stelle ich in Zukunft meine Studenten-Evaluationen online und versuche daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Am Ende schreibe ich noch darüber, welche Stifte ich für mein Journal benutze.

1. Das erste Bild in der Galerie zeigt Crosby, einen der weltbesten Hockeyspieler und wie er den Stanley Cup hochhält. Wenn ihr die Galerie durchklickt, findet ihr noch die Bilder von Hwan und ihrem Sohn, mit denen ich zusammen auf der Parade war.

Pittsburgh City of Champions

 

2. Wie angekündigt, habe mich dazu entschieden meine Bewertungen von meinen Studenten zu veröffentlichen. Natürlich sind die auf Englisch. Im Großen und Ganzen bin ich mit der Bewertung ganz zufrieden. Die sehr guten Werte kommen dadurch zu Stande, dass ich diesmal niemanden hatte, der mir etwas reinwürgen wollte. Die Fragen kann man im folgenden nach Domänen durchschauen.

Questions by Domain

I.Instructional Design

Question Instructor Average Department Average (UCOR) School Average (AR) University
Mean Median Mean Median Mean Median Mean Median
3. The assignments were helpful in acquiring a better understanding of course objectives. 4.43 5.00 4.05 4.00 4.17 4.00 4.17 4.00
7. The instructor made it clear how student learning would be assessed. 4.33 4.00 4.15 4.00 4.25 5.00 4.25 5.00
11. The instructor provided constructive feedback on course assignments and exams. 4.52 5.00 4.13 4.00 4.24 5.00 4.16 4.00
Overall 4.43 - 4.11 - 4.22 - 4.19 -
Instructional Design ist eigentlich mein schwächster Punkt, da ich den Studenten möglichst großen Spielraum lassen möchte. Ich denke auch nicht, dass das Feedback derart wichtig ist, wobei das motivierende Moment meiner Kommentare wichtiger ist. Im Folgenden sind die Tabellen zu finden, wobei 5 höchster und 0 niedrigster Wert ist.

II. Instructional Delivery

Question Instructor Average Department Average (UCOR) School Average (AR) University
Mean Median Mean Median Mean Median Mean Median
2. The instructor was enthusiastic about teaching. 4.71 5.00 4.43 5.00 4.52 5.00 4.47 5.00
9. The instructor helped me to understand the relevance of this course. 4.62 5.00 3.97 4.00 4.17 4.50 4.26 5.00
13. The instructor used a variety of instructional strategies. 4.33 5.00 3.94 4.00 4.03 4.00 4.06 4.00
14. The instructor was well prepared for the course. 4.81 5.00 4.39 5.00 4.43 5.00 4.41 5.00
16. The instructor’s explanations were clear. 4.29 5.00 4.00 4.00 4.15 4.00 4.14 4.00
19. The objectives of the course were well explained. 4.62 5.00 4.12 4.00 4.24 5.00 4.25 5.00
Overall 4.56 - 4.14 - 4.26 - 4.27 -

Mein bester Wert ist paradoxer Weise die Vorbereitung, wobei ich hier zugeben muss, dass ich mich fast überhaupt nicht mehr auf meine Klassen vorbereite, sondern versuche alles zu improvisieren und nach den Studenten und ihren Bedürfnissen zu organisieren. Einen Stundenplan schreibe ich 5 Minuten vor der Klasse und dann beginne ich zumeist mit einem Quiz, währenddessen ich mir den Rest der Stunde überlege. Das klingt sehr faul, allerdings investiere ich viel Zeit, mich mit Studenten individuell zu treffen und mit konkreter Essaybewertung (meine Kurse finden in der Regel 3x die Woche statt).

III. Attitudes Towards Student Learning

Question Instructor Average Department Average (UCOR) School Average (AR) University
Mean Median Mean Median Mean Median Mean Median
1. The instructor helped me to understand the material in this course. 4.52 5.00 4.10 4.00 4.23 5.00 4.22 4.00
4. The instructor treated students with respect. 4.67 5.00 4.42 5.00 4.51 5.00 4.46 5.00
6. The instructor created a learning environment in which students felt comfortable asking questions. 4.48 5.00 4.22 5.00 4.36 5.00 4.34 5.00
8. The instructor returned graded materials within an appropriate time frame. 4.62 5.00 4.09 4.00 4.25 5.00 4.27 5.00
15. The instructor stimulated my thinking. 4.76 5.00 4.13 4.00 4.25 5.00 4.24 5.00
18. The instructor was concerned with whether or not the students learned the material. 4.57 5.00 4.17 4.00 4.30 5.00 4.30 5.00
Overall 4.60 - 4.19 - 4.32 - 4.31 -

Leider erreiche ich keinen höheren Wert bei der Frage nach Respekt, wobei ich in der Regel einer der wenigen bin, die nicht über ihre Studenten lästern. Ich bin allerdings immer froh darüber, dass ich das Denken anderer stimulieren kann. In der Regel ist dies mein höchster Wert.

IV. Faculty Availability

Question Instructor Average Department Average (UCOR) School Average (AR) University
Mean Median Mean Median Mean Median Mean Median
5. The instructor encouraged students to seek help if needed. 4.62 5.00 4.30 5.00 4.39 5.00 4.37 5.00
10. Assistance from the instructor was readily available if I sought help. 4.62 5.00 4.24 4.00 4.34 5.00 4.32 5.00
12. The instructor responded to my communications in a timely manner. 4.57 5.00 4.20 4.00 4.31 5.00 4.29 5.00
17. Communication with the instructor was helpful. 4.52 5.00 4.11 4.00 4.25 5.00 4.22 5.00
Overall 4.58 - 4.21 - 4.32 - 4.30 -

Eigentlich erhoffe ich mir bei der Zugänglichkeit für Studenten bessere Werte, aber ich bin immer noch bei weitem besser als der Universitätsdurchschnitt.

Ich komme also auf einen Durchschnittswert von 4.56 und das bei sehr hohen Durchschnittswerten für die Professoren an Duquesne überhaupt. Für eine Low-Level-Undergraduate-Class ist das ein enorm guter Wert, da dort die Bewertungen bei bis an die 30 Studenten immer eher negativ ausfallen. Es gibt darüber hinaus noch qualitative Bewertungen, die ich in der Zukunft auch sammeln möchte. Hierbei selektiere ich vor allem die positiven Einschätzungen, da ich nach meiner Theorie vor allem von positivem Feedback lerne und dementsprechend auch bewerte. Die negativen Bewertungen fasse ich nach den positiven zusammen. Diese fallen allerdings in der Regel wesentlich kürzer aus: Die ersten Bewertungen beziehen sich auf die Einbindung der Studenten, die mir wohl gelungen ist:

  • He was very interested in our classroom and learning. I have never had a teacher that has been so interested in the students overall learning. Amazing experience
  • He didn’t just stand and lecture the students the whole time. He included the students and made sure everyone understood the material
  •  The teacher had a lot of office hours which helped add to the understanding of the courses outside of the classroom. He was also very personable.
  • engaging the student with critical thinking. the quizzes done in groups was helpful because a lot of the time some students completely didn’t understand the reading even though they did it so it helped to have insight from other students to help clarify things. using the board to write key points was helpful. discussing the interpretation of the texts instead of just reading them in front of class. overall generally an effective teaching strategy.
  • Professor Schultz conducted group quizzes in the class that I found to be extremely helpful. It helped me understand the content more by hearing what my peers thought and their understandings of the reading. Professor Schultz also conducted debates that were interesting and helped with the understanding of the material. In addition to this, I always felt that Professor Schultz was readily available if I needed help.

Mein Unterricht ist tatsächlich sehr stark auf Interaktion und Studentenbetätigung ausgelegt, was bei 30 Studenten schwierig ist. Beim nächsten Punkt geht es um die Materialien, die ich benutze und wie es mir gelingt, die Studenten zu erreichen.

  • I believe that the notes on the board with diagrams are very helpful. I also believe that the debates were also helpful in stimulating thoughts about the concepts we were discussing. Professor Schultz’s enthusiasm and personal thoughts and stories made the class easy to engage in.
  • He frequently uses diagrams and webs to connect his notes together. He does not place a strong emphasis on grades and would rather have the students learn the content.
  • I always felt like I knew what was expected of me, he made it clear how he wanted responses written. I could tell overall he is passionate about what he is teaching and that helped to pass on some of that passion to the students. He also made us aware that we could go to him at any point for help/questions which was necessary for this class and I appreciated that.
  • His powerpoints and notes

Meine PowerPointPresentationen werden immer weiter verbessert, enthalten jedoch eine Menge Bildmaterial, so dass ich sie nicht im Internet zur Verfügung stellen kann. Ich muss weiterhin an diesen Folien arbeiten, da viele Studenten sie benutzen, um damit zu lernen. Eigentlich mag ich den Einsatz von PowerPoint nicht. Der Vorteil meines Unterrichts ist im Gegensatz meine Diagramm-Methode, die ich tatsächlich nach dem Buch der Michelmanns in Kombination mit Birkenbiehl noch zu Schulzeiten ausgearbeitet habe. Später dann habe ich mich ja mit den Michelmanns getroffen und dabei dann festgestellt, dass meine Methode stark ihrer Methode ähnelt.. Die Methode ist eine Veranschaulichung von abstrakten Konzepten in Diagrammen. Die Methode erlaubt eine bildliche Verknüpfung durch Netzwerke, wobei die Bilder fast unbegrenzt ergänzt werden können. Ich kann damit ganze Vorlesungen auf eine Seite bringen. Bei den Studenten hat es den Vorteil, dass ich flexibel ihre Kommentare und Diskursbeiträge in mein Tafelbild einbinden kann, ohne damit die Kernbotschaft aus den Augen zu verlieren. Dadurch entsteht jedes mal ein sehr individuelles Tafelbild. Im nächsten Punkt geht es darum, wie ich auf die Studenten im Hinblick auf Philosophie Einfluss genommen habe.

  • Norman Schultz was very effective at teaching. Even though this class was an elective and thus, given the title as a BASIC philosophical class, he went beyond the basics and really stimulated my thinking. He stressed the importance of why we need philosophy in life and why it is significant for everyone to study to it. This illustrated the relevance of this course to the real world. Before assigning papers, he went over in detail how to structure an argument, how arguments will be assessed, and how we can achieve success on papers. He looked at students based on their intelligence and not as a letter grade. He valued student’s thoughts and arguments and encourage shy students to participate in the class. Overall, Normal Schultz is a great educator for this course and I highly recommend any student to take one of his courses.
  • The lectures we had everyday were interesting therefore effective. I also liked having the quizzes because it shows how much we learned from the reading and we can always use it to refer back to help us with the midterm, papers, and final. I went into this class with a closed mind on philosophy, but now I am leaving this class with a whole new perspective. I truly enjoyed this class and having you as my teacher. I would recommend you to future students. Your office hours were very helpful too.

Ich bin sehr froh, dass viele Studenten es so wahrnehmen, dass mein Kurs ihre Sicht auf die Dinge verändert. Mittlerweile werde ich sehr häufig weiterempfohlen und habe bei Undergraduates einen sehr guten Ruf. Ich hoffe, dass auch bei meiner nächsten Universität so ausbauen zu können. Negative Kommentare gibt es natürlich auch. Zumeist beziehen diese sich auf den Schwierigkeitsgrad meiner Klassen. Ich muss dazu sagen, dass ich fast allen Studenten ein A gebe und damit viel Druck von Anfang an raus nehme. Wer deswegen glaubt, dass meine Studenten nichts lernen würden, versteht wenig von Bildung. Im Vergleich zu den Professoren, bei denen ich hier in Amerika als Assistent gearbeitet habe, ist mein Unterricht erstens komplexer und zweites bekomme ich bessere Essays. Die Qualität der Essays hat sich übrigens nachweislich erhöht, je weniger Wert ich auf Noten gelegt habe. Wenn ein Student eine schlechte Arbeit abliefert, hat er solange Zeit zu korrigieren, bis die Arbeit ein A- ist, damit lernt er schließlich auch, was Qualität ist. Dennoch bedeutet das nicht, dass mein Unterricht einfach ist:

  • He is very complex, he should be teaching philosophy majors and minors because he has such a great passion. He is not for ucor classes because some of us don’t wanna go that deep.

Ich werde den Unterricht nicht vereinfachen, denn ich denke, dass das Level notwendig ist und würde gerne das Level noch weiter erhöhen.

3. Journaling und die richtige Schrift entwickeln

Es ist ja nun so, dass der Trend der Journals den markt erobert.  Journaling ist dabei tatsächlich ein sehr wichtiger Teil meiner täglichen Arbeit, worin ich wesentliche Fortschritte nach eigenen, selbstorganisierten Regeln festhalten kann. Das Journaling bereitet sich ja gerade den Weg, weil der Computer doch eher ein Prokrastinationswerkzeug ist. So wird das Journal zu einer meditativen Erfahrung, wenig Ablenkung und viel Zeit, um sich auf Schrift und sich selbst zu konzentrieren. Journals gibt es dabei in Hülle und Fülle, wobei ich diese nie so wirklich in Schreibwarenläden fand. Bei Amazon gibt es dafür eine ganze Palette und sie eignen sich auch immer gut als Geschenk.

Das Schreiben mit der Hand gibt mir dabei auch Ruhe. Mit einem ordentlichen Füllfederhalter oder eben mit einer Feder kann mein sein Schriftbild entwickeln. Ich habe dies die letzten Monate gemacht und viele schauen mir über die Schulter und bewundern meine Schrift, aber dazu wann anders mehr. Zwar haben die Gelschreiber den Markt erobert aber für das richtige Journal empfehle ich dann doch einen Füllfederhalter oder eben eine Feder mit der Stärke 1.5 von Lamy. Eine Feder hat den Vorteil, dass das Schriftbild sich verfeinern lässt und man sich mehr Zeit nimmt.

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Norman Schultz, Pittsburgh Ende Juni

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Meine letzten Monate in Deutschland, Pittsburgh und die Eishockeymeisterschaft und Einfachheit im Verhältnis zum Terrorismus

13. Juni 2016
Pittsburgh at the Convention Center during the 5th Play-Off-Game

Pittsburgh und die Penguins - Pittsburgh will die Eis-Hockey-Meisterschaft gewinnen

1. Was geschah in den letzten Monaten?

 

  • Pittsburgh versucht sich gerade in diesem Moment daran, die Eishockey-Meisterschaft mit den Penguins zu gewinnen.
  • Wir haben den dritten Platz in der Trivia-Stadt-Meisterschaft (100 Dollar) belegt: Ellen (Frankreich, Philosophin), Roly (Großbritanien, Philosoph), Ashok (Indien-Amerika, Statistiker), Ben (Cancer-Research, Amerikaner), John Harvey (Philosophie-Professor, Amerikaner).
  •  Habe bei der Pittsburgh Piano-Group Rachmaninoffs Cis Moll- Prelude vorgetragen
  • Wurde zum Hot Professor gerated, dazu gleich mehr
  • Dr. Swindal hat meine Stunde abgenommen, meinte dass ich ein natürliches Unterrichtstalent hätte
  • Habe sehr gute Ratings für meinen Unterricht bekommen
  • Mitgliedschaft bei den Moral Conversations
  • Philosophie Trivia für die Philosophie-Party vorbereitet
  • Im Mai war ich in Deutschland zum Hegel-Kongress und habe gute Kommentare für meinen Vortrag bekommen (dazu wann anders mehr)
  • Semester Abschlussparty organisiert und dazu ein Philosophie-Trivia veranstaltet (dazu auch wann anders mehr)

          Ich war mit Emily und Mireille im Frick Park hiken. Hier sind die Bilder.

Tree-Roots-Movement

ansonsten bereite ich das Fantasy-Impromptu von Chopin vor. Ansonsten? Ich möchte über Einfachheit sprechen, die ja ein Kriterium der Wissensvermittlung ist. Wobei die Einfachheit meiner Kurse stets angezweifelt wird, auch wenn ich auch andererseits sehr gute Evaluationen bekomme:

“Schultz is super laid back and comes off as a very boring man, but don’t be fooled, Normy is the boy. He is super easy and does not really care about the grades. He really cares that you will learn. As I was writing this he came in with a mini pizza, looked at one of the students and just went “Haha it’s a pizza”. You’ll like him.” “Love him! He started the class and said he was a very boring person, but he’s actually hilarious!”

Immerhin erfülle ich das studentische Hotness-Kriterium. Wie unterrichte ich? Ich fange das Semester tatsächlich mit der bedeutungsschwangeren Frage an, warum wir eigentlich hier sind, was die Studenten regelmäßig amüsiert. Danach führe ich dann aus, dass ich eigentlich zu den langweiligsten Personen der Welt gehöre und ich mit meiner Doktorarbeit an der Lizenz zum Langweilen arbeite. Wenn ich sie aber zu sehr langweile, so führe ich zumeist aus, könne ich ihnen auch wirklich coole Bilder von Schachfiguren zeigen. Nun ja, aber warum sage ich das alles? Ich will bei meinen Studenten Akzeptanz schaffen, dass, obwohl ich ein wirklicher Easy-Grader bin, ich keine Rücksicht nehme auf konzeptionelle Schwierigkeiten. Der interessante Stoff ist nicht einfach und gerade hier lernen wir. Meine Kurse sind schwierig und schwer verständlich, vor allem, wenn man sich nicht hineindenken will. Dass meine Kurse schwierig sind, bedeutet jedoch im Gegensatz nicht, dass ich viele, schlechte Noten verteile. In der Regel bekommen meine Studenten alle ein A, wobei ich mein Grading im Laufe der Jahre im mehr in diese Richtung verschoben habe, die Resultate im gleichen Sinne, aber auch immer besser geworden sind.

 

2. Der Glaube an einfache Erklärungsmodelle macht anfällig für Extremismus

In dem Buch Engineers of Jihad wird die These untersucht, ob ein vereinfachendes Denken zu Terrorismus führe.

„Engineers of Jihad“. The Curious Connection between Violent Extremism and Education, Princeton University Press 2016).

- 45% Ingenieure bei allen Terrorangriffen. 1% Ingenieure an Gesamtbevölkerung.

“Vergleiche zwischen gewaltbereiten und friedlichen Islamisten sowie zwischen religiösen und laizistischen Widerstandsgruppen in Entwicklungsländern führen auf denselben Umstand: Überproportional ist die Beteiligung der Ingenieure an gewaltbereiten Gruppen und am religiösen Extremismus.” (Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/viele-terroristen-sind-scheinbar-ingenieure-14148612-p3.html)

Erklärungshypothese:

Neigung zu simplen Lösungen. Ingenieure haben ein mechanisches Weltbild, das den Glauben an simple Erklärungen begünstigt. Hieraus folgt eine “größere Irritierbarkeit durch [...] abweichendes Verhalten, Normverstöße [und] Regellosigkeit” (Quelle, siehe oben) Angenommen die Hypothese ist richtig, so sollte dies auch eine längere Betrachtung der Verschwörungsnaivität nach sich ziehen. Verschwörungstheorien, so raffiniert sie manchmal erscheinen, verfahren zumeist nach einem simplen Erklärungsmuster, wonach einzelne Akteure das Weltgeschehen direkt beeinflussen. Soziologisch wird diese These stark bezweifelt und gilt in vielen Bereichen als unwissenschaftlich, denn soziale Komplexe funktionieren nicht kausal, sondern durch eine Vielzahl an schwer identifizierbaren Wechselwirkungen, so dass sie in der Soziologie zumeist nur durch schwache Korrelationen identifiziert werden können. Im Gegensatz dazu halte ich folgende These für angemessen: Realität ist ein Komplexist, den es nicht zu durchschauen gilt, sondern mit dem wir umgehen müssen.

Beispiele für Einfahcheitsglauben
a) ‘Professor Whitcomb’ und der Bibelglaube:
  • Leiter des UPMC im Bereich Bauchspeicheldrüsenkrebs und Diagnostik von Leber und Nieren-Krankheiten
  • Weltweit geachteter Experte
  • Im Gegensatz starker  Bibelglaube, um die Entstehung der Welt erschöpfend zu erklären
  • Whitcombs Vater veröffentlichte eine sehr dichte “ingenieurstheoretische” Abhandlung (vorgelegt in den 60ern) zur Kritik der Evolutionshypothese
  • Bei Bibelkundlern gilt diese seit den 80er Jahren als Standard (siehe auch:https://en.wikipedia.org/wiki/John_C._Whitcomb)
  • Jene Wissensanhäufung lässt sich für Laien aufgrund der ingenieurstheoretischen Komplexität schwer widerlegen, entspricht aber dennoch einem simplizistischen Weltbild
Aus dem Gespräch mit Dr. Whitcomb habe ich auch erfahren, dass er angeblich Steve Jobs sehr leicht hätte retten können.
b) Steve Jobs
  • verlässt sich bei der Bekämpfung seines Krebses auf Möhrensafttherapie
  • Nach Dr.Whitcomb können jene Krebsvarianten wie Steve Jobs sie hatte in 95% der Fälle erfolgreich therapiert werden
  • Selbst nachdem Jobs eine neue Niere bekommen habe, hätte er seinen Krebs nicht mit der üblichen Chemotherapie bekämpfen wollen
  • Krebs ist ein komplexes Gebilde und das Wort ‘Krebs’ ist der Sammelbegriff für viele, verschiedene Zellwucherungen, die unterschiedliche Ursachen haben
  • Eine eindeutige Vitamin- oder Fruchtsafttherapie entspricht daher einem simplizistischen Weltbild
Auch diese Vitamintheorien folgen hier einem ingenieurstheoretischen Erklärungsmodell.
c) Klimawandelskeptiker
  • Vertreter können hohe Universitätsabschlüsse haben und ihre Argumente sind für Laien schwer zu verstehen noch zu durchschauen
  • Im Gegensatz aber haben selbst Klimaforscher kein abschließendes Wissen und keinen eindeutigen Beleg (Siehe meine Artikel zum Klimawandel hierzu)
  • Im Gegenteil: Wissen um den Klimawandel speist sich aus dem Diskurs speist und nicht die Argumente, sondern die Resultate des Diskurses belegen Klimawandel
  • Diskursresultate sind keine verstehbaren und perfekt rekonstruierbaren Theorien, sondern entstehen in einem Diskurszusammenhang, der auf freier Wissenschaft basieren muss
Klimawandelskeptiker reduzieren einen komplexen Diskurs auf wenige, für sie klare Argumente.
Der Glaube an einfache Regeln ist Grundlage für terroristische Ansichten.
Das ganze begegnet einem übrigens auch im Alltag. Nachts war ich mit dem Fahrrad in Pittsburgh unterwegs:
Passant: “Why don’t you ride on the street, you fuckin’ asshole?”
Ich: “I am sorry.”
Passant: “I said, why don’t you ride on the street, you fucking asshole?”
Ich bleibe stehen und rufe: “Because the cardrivers shout at me: Get of the fuckin’ street you fuckin’, you dumb shit.”
Er ruft zurück “Huh, what’s wrong with you get off the fucking sidewalk, you fuckin’ asshole!”
Ich rufe zurück “You asked me for a reason. Do you have Tourette-syndrom?”
“You fucking asshole.”
Ich fahre weiter. Episodische Erkenntnis ich weiß. Dennoch glaubt er, dass jemand der auf der Straße fährt, einfach die Straßenverkehrsordnung bricht und deswegen ein Arschloch sein muss. Simple Erklärung: Wer Gesetze in dieser Art und Weise bricht ist unwürdig und kann verbal attackiert werden.
Nun, ich behaupte, dass vorherige Beispiele alle miteinander zusammenhängen. Sie sind alle Konsequenzen von einem nur analytischen Denken, wobei hier die Gründe für bestimmte Erscheinungen mechanistisch reduziert werden. Darüber hinaus behaupte ich, dass alle, die sich eingehend mit Verschwörungstheorien beschäftigen, zum Erfolg von Dummheit beitragen.
Hiermit meine ich im Übrigen nicht die kritische Auseinandersetzung mit tatsächlichen Vorfällen, wie diese Sendung verwechselt:

Problem an der Sendung ist, dass sie versucht Verschwörungstheorien zu immunisieren. Die Sendung behauptet, dass die Kritik an Verschwörungstheorien dem Establishment dient. Die Verschwörungstheoretiker stilisieren sich mit solcherlei Aussagen als Außenseiter, die sich gegen das Establishment abarbeiten. Den Erfolg dieser Immunisierungsstrategie sehen wir nun bei der AfD oder auch bei Donald Trump. Bei der AfD glaubt man mit Verschwörungstheorien die Wahrheit zu vertreten, die zum Beispiel ein SPD oder CDU-Wähler stillschweigend ignoriert.
Abschließende Thesen daher:
  • Alle, die sich mit Verschwörungstheorien beschäftigen und diese weiterspinnen, beteiligen sich an einer simplizierenden Verblödung der Gesellschaft, die schließlich auch zu dem Weltbild der AfD führt. Die AfD folgt genau der Vorstellung, dass komplexe Sachverhalte mit simplen Verschwörungstheorien erklärt werden können oder dass es für komplexe soziale Missstände einfache Lösungen geben würde.
  • Generell gilt daher: Beteilige dich nicht an Verblödung, aber bleibe kritisch. Beteilige dich nicht an Verschwörungstheorien, sondern nutze deine Energien eher um positive Sachverhalte zu schaffen wie zum Beispiel Tich Na Than sagt: Wir müssen den Krieg erst in uns selbst beenden.
So viel dazu, ich mache mich dann mal auf den Weg nach Downtown um die Feier über den Sieg zu sehen :)

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Norman Schultz

Pittsburgh, Mitte Junie 2016

 

Playstation4 und meine Dissertation, Männerstarren und Mindawareness: Märzbruchstücke

28. März 2016

Unser Trivia-Erfolg, wir haben eine Playstation 4 gewonnen

Dissertationen verschlingen Zeit und verdauen langsam wie Schlangen. Irgendwo sind Großprojekte auch immer beständiger Planungsschmerz. Dennoch die große Linie ist schon an den Horizont geschrieben. Ich hoffe ich habe meine Dissertation nicht nur geträumt, aber mein Computer beherbergt 300 Seiten, was mich zu nächtlichen Panikattacken führt, ob noch alles da ist. Und wie lebt der Philosoph aus Amerika sein Leben? Nun wir haben bei Trivia eine Playstation 4 gewonnen.

 

1. Sich den kulturellen Gebräuchen weiter anpassen und bei American Trivias gewinnen

“March Madness” bedeutet: die besten College-Basketballmannschaften im Land gegeneinander. K.O.-Modus. Überall versammeln sich die Amerikaner vor ihren Abspielgeräten. Die NBA ist jetzt auch in unserem Haus, allerdings in anderer Weise, denn die Playstation 4 bestimmt jetzt unser Freizeitverhalten (zuvor gewannen wir ja ein Hoverboard). Wir haben uns für die Konsole nun auch auch NBA 2014 gekauft (für 4 Dollar) und viele, die unser Haus betreten, glauben, dass wir tatsächlich Basketball im Fernsehen schauen. An den Nahaufnahmen ist zwar noch zu arbeiten, aber das Spiel sieht dann täuschend realistisch aus.

Mit all den Kommentaren und mit Ashok’s Basketball-Kenntnissen poliere ich nun mein nutzloses Wissen auch in diesem Bereich auf. Eigentlich wollte ich mir ja das Leben für die Zeit nach der Dissertation aufsparen.

http://pin.it/XmFZ9u3

2. Ansonsten lese ich über Deutschland

Reporterpreis in 5 Kategorien für die Die Zeit – “Die Schlachtordnung” von Anne Kunze im Bereich “investigativ”.

Kunze zeichnet darin Gastarbeiterschicksale, die wie Geisterarmeen innerhalb des Marktgetriebes  der Fleischproduktions-industrie zerrieben werden:

“ein Prinzip: immer billiger [...] eine Himmelsrichtung: Osten.”

Polen sei schon ausgeschöpft, die Arbeiter “zerschlissen”. Erst die Polen, dann die Ungarn, dann die Rumänen. “Jetzt die Bulgaren.” heißt es in ihrem Artikel.

“Mittlerweile suchen Anwerber in der Ukraine nach Söldnern.”

In den Schlachtbetrieben bilden sich soziale Hierarchie nach Herkunft. Oben die Polen und Ungarn, unten die Sinti und Roma:

“Die anderen Arbeiter sagen über sie, sie ließen alles mit sich machen, könnten nicht lesen, nicht schreiben, schufteten für drei Euro in der Stunde.”

Aufs nackte Dasein reduziert leben einige als Waldmenschen und füllen Wasser aus Hähnen ab. Nehmen es mit in den Wald. Warum wehrt sich niemand? Bei Aufruhr werde die gesamte Stammbelegschaft ausgetauscht. Es gibt genug BilligArbeiter.

“ein gestandener Fleischermeister, weint während des Gesprächs, als er sich an die Demütigungen erinnert.”

Zudem: Jeder im Umkreis dieser Betriebe soll an der Geisterarmee verdienen. So bieten Hausfrauen verschiedene “Dienstleistungen” an: Begleitung zum Arzt (50 Euro), Kindergeldanträge ausfüllen= 150 Euro. Auch Raumausstatter verdienen:

“Helmut Ebbrecht vermietet in Quakenbrück Wohnungen in zwei ehemaligen Kasernen, die seit 1933 nicht saniert wurden. 350 Euro im Monat nimmt er pro Wohnung. Weil die Fenster nicht dicht sind, stellen die Bewohner Heizkörper auf und haben Stromrechnungen von bis zu 140 Euro. Es stinkt. An den Wänden stockt der Schimmel. “Die Leute müssten halt lüften”, sagt Ebbrecht, “aber die haben natürlich andere Sauberkeitsstandards als wir.”

Die Behandlung der Arbeiter im Betrieb ist unter der Menschenwürde:

“Ein Mann, dem schon der Finger abfault, den der Vorarbeiter aber nicht zum Arzt lässt – weil der Kranke keine Krankenversicherung hat.”

Fleischermeister Schürmann beweist dabei die fehlende Empathie, die ihm sonst auch bei Tieren fehlt:

“Als ich meine Fleischerlehre gemacht habe, habe ich mir auch eine Matratze auf den Boden gelegt.”

Er fügt hinzu, dass er Christ sei, wenn auch nicht gläubig. Der Mindestlohn wird in den Betrieben leicht umgangen: Arbeiter zahlen für Kleidung, Arbeitsgerät und Reinigung. Dazu kommen allerdings dubiose Kosten für Miete und Transport.

Der Artikel ist wirklich lesenswert, weil er über unmögliche Zustände in Deutschland informiert:
Folge Normans Pinnwand „Critical Thinking – What has to be said in Pictures“ auf Pinterest.

3. Ich helfe moralische Konversationen zu organisieren, Stichwort: Man-gaze – Das Männergestarre

Ich mitorganisiere hier eine Reihe, die heißt “Moral Conversations”. Praktisch: die betreffende Minderheit versammelt sich und entfaltet einen Powerdiskurs auf Grundlage ihrer Ressentiments gegenüber der Mehrheit. Ja, das klingt sehr negativ, aber ich bin teilweise schockiert, wie dort mit den vermeintlichen Mehrheiten umgegangen wird.

Eine Studentin berichtete von einem Werbespot, in dem 5 Männer sich um 2 Bikinifrauen in einem Pool versammelten hatten. Sie betonte dann, dass die Männer nicht einfach nur geschaut hätten, sondern sie sagte mit abfälligem Ton “they had this man-gaze”. Nun habe ich schon vorm Spiegel geübt und ich frage mich, ob dieser Man-Gaze ontologisch in mir verwurzelt ist. Ich frage mich zudem, ob es auch einen Christ-Gaze oder Muslim-Gaze gibt. Bei diesen Vergleichen wird klar, dass es Männern auch missfällt, wenn ihr Dasein ontologisch auf eine brutal biologische Daseinsweise reduziert wird. Warum ist der Körper von Männern immer böse und bedeutet Gewalt? Bei Foucault ist dann dieser Gegendiskurs nichts anderes als ein Erwachen der Macht unter neuen Umständen. Kritik muss wohl auch schonend vorgetragen werden, insofern sie ein Diskurs werden soll, der nicht ein neues Machtzentrum installiert. Ansonsten finde ich solche Diskurse doch sinnvoll, warum ich sie auch helfe, zu organisieren. Dennoch Frauen akkumulieren Macht in den neuen, gesellschaftlich bestimmenden Diskursen.

4. Mindawareness-Fare

Auf einer Veranstaltung hier traf ich einen Anhänger, der sich als Anhänger von Techno Khan ausgab. Ich habe dabei an eine Kombination von Techno und …

…gedacht.

Nun ja, sein richtiger Name ist Tich Na Hanh. Er ist Vietnames und wurde 1964 von Martin Luther Kind für den Friedensnobelpreis nominiert. Sein engagierter Buddhismus zielt allerdings nicht darauf in erster Linie die Welt zu verändern. Sondern uns zu verändern. Als er zu einer Grenze in einem Kriegsgebiet reiste und nicht durchgelassen wurde, setzte er sich in der Nähe auf den Boden und trank Tee. Als ihn seine Anhänger fragten, was er damit nun tue, antwortete er, dass er den Krieg beende. “Wie das?” fragten seine Anhänger erneut und er antwortete: “Ich beende den Krieg in mir selbst.”

Eine Klimawende bedeutet zunächst eine moralische Wende in uns. Eine andere Welt, muss zuerst eine Wende in uns bedeuten. Spiritualität ist in diesem Sinne der Weg, weil sie keine Gegenkraft oder Gegenmacht installiert, sondern mit der Masse des Guten, die Welt zum Maß nehmen bringt.

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Das war’s. Im Mai bin ich in Deutschland auf dem Hegelkongress, falls mich irgendwer gerne sehen möchte, dann schreibt mir bitte auf Facebook. Vielleicht passt es ja. Wenn ihr mir anderweitig folgen wollt, dann added mich doch bitte bei Facebook oder tretet der Facebookgruppe oder der Googleplus Gruppe oben rechts bei. Ein RSS-Feed ist natürlich auch vorhanden. Ansonsten könnt ihr mich gerne anschreiben oder einen konstruktiven (!) Kommentar hinterlassen.

Norman Schultz

Pittsburgh, Ende März 2016

 

 

Blognotizen: Mensch gegen Maschine – Go und Deeplearning und ein paar andere Notizen

10. März 2016

1. Notiz: Mensch gegen Maschine

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Alpha-Go schlug im Januar den europäischen Meister. Ein Überraschung. Vor einem Jahr wäre dies noch undenkbar gewesen. Nun wenige Monate später spielt AlphaGo gegen einen der stärksten, menschlichen Gegner. Lee Sedol besitzt den neunten Dan auf dem professionellen Level. Es gibt nur wenige, die das Spiel so sehr beherrschen wie er. Sedol kündigte im Vorfeld bereits an, dass er das Match klar für sich entscheiden würde und AlphaGo selbst um einen Punkt kämpfen müsste. Die Kommentaren, Michael Redmond, selbst 9-dan Professional und Chris Garlock, waren ähnlich überzeugt von der Stärke Sedols. Gestern die Überraschung: Während AlphaGo nur noch 5 Minuten auf der Uhr hat, positioniert Sedol, selbst die schwarzen Steine führend, einen weißen Stein merkwürdig auf dem Brett. Garlock und Redmond, noch in die Analyse vertieft, bemerken es nicht, doch Sedol hatte mit diesem Zug  aufgegeben. Nach einiger Verwirrung stellt Redmond verblüfft fest, Sedol hätte wohl resigniert, während Garlock antwortet, dass Sedol noch zu zählen scheine. Redmond bekräftig jedoch: Sedol hat aufgegeben. Mit einem Schlag war es Gewissheit und Redmond musste eingestehen: AlphaGo hat gewonnen, gefolgt von der Feststellung, dass nun wohl viele Siege folgen würden.

Heute, am zweiten Tag gestaltet sich das Spiel wesentlich langsamer und Sedol begegnet AlphaGo mit Respekt. Eine vorsichtige Spielweise, ein konservatives Spiel des Menschen. Der überraschende Punkt ist, dass AlphaGo ähnlich intuitiv spielt wie ein Mensch, nur besser. Dadurch, dass AlphaGo Deeplearning anwendet, ist es ein anderer Ansatz, der einen Durchbruch in der A.I.-Forschung darstellt. Ich habe mich dazu heute mit Michelle unterhalten, die hier bei Google arbeitet und selbst an der CMU (einer der großen Kaderschmieden für Computer-Scientists) studiert hat. Deeplearning würde nach ihr auf viele andere Prozesse noch nicht übertragbar sein. Vor allem bei Open-World-Problems würden sie bei Google tendentiel auf Deep-Learning-Ansätze verzichten oder zumindest sie nur zu sehr kleinen Teilen anwenden. Dennoch ist dies ein weiterer Durchbruch in der Entwicklung der A.I. So stellte Redmond heute in seiner Analyse fest, dass er den Stil von AlphaGo möge und davon womöglich noch viel lernen könne. Für jeden der dem Go-Spiel näher kommen möchte, dem sei diese japanische Anime-Serie “Hikaru No Go” zu empfehlen. Natürlich etwas übertrieben (da wird man ja panisch), geht es darum, den besten Go-Move aller Zeiten zu finden.

Ergänzung: Nachdem zweiten Verlust erscheint es so als würde es ein kompletter Durchmarsch für das Go-Programm werden. Hinzu kommt, dass das Program eher sicher spielt und nicht auf viele Punkte setzt, so dass der Abstand zwischen Go und dem Profi unklar ist, aber wahrscheinlich wird es niemals mehr knapp zwischen Mensch und Go-Maschine werden.

2. Notiz zur Ernährung

Im Moment esse ich Sardinen. Aus nachhaltigem Fischfang in kaltgepressten Olivenöl. Eine gute Zwischenmahlzeit ohne viel Zeit für die Zubereitung zu verlieren. Ich kombiniere es mit meinen vorbereiteten, veganen Gemüselasagnen und ich wünschte diese Variante würde es als gut gewürzten Tofu geben, denn es spart mir viel Vorbereitungszeit.

3. Meine Fotografie

Ich habe mich mit Marwa (Tunesien) und Alexa (China) in Pittsburgh Downtown getroffen:

Pittsburgh

 

Ich komme nun besser mit der Feststelllinse klar und kann genauere Fotos machen. Vor allem bei meinen Schärfeeinstellungen mache ich nicht mehr so viele Fehler wie früher. Meine Kamera ist dabei eher “old-fashioned”:

4. Philosophische Notizen

Im Moment bearbeite ich Hegel für meine Dissertation und bin im Mai beim internationalen Hegelkongress in Deutschland. Mich interessiert dabei vor allem der Zusammenhang zwischen ewigen logischen Gesetzen und ihrer zeitlichen Feststellung, das heißt der Idee, dass Logik etwas Ewiges, vom Menschen Unabhängiges sei.

Ich verfolge jedoch weniger die konservative Interpretation, und glaube dass Logik zwar universal verstanden werden muss, die Kategorien dieser Logik aber durch Bewegung charakterisiert sind und deswegen nicht genau als unzeitlich festgestellt werden können.

Hegel betont hierzu in der Philosophie der Natur, dass die Logik einen diamantenen Kern darstellen könnte. Wobei meine These darauf zielt, dass dieser Diamant, die höchste Kompression von Gedanken sei, die wir bisher erreicht haben, aber deswegen nicht als unzerstörbar gelte. Denken und seine Kategorien sind die Höhepunkte unserer Zeit, wichtiger aber als ihr totes Skelett ist die Frage, ob sie sich in der Zeit realisieren lassen und wie sie sich realisieren.

Hierzu ist auch Hegels Geschichtsauffassung interessant, die ich der Einfachheit halber mit ein paar Notizen von Sparknotes darstelle:

http://www.sparknotes.com/philosophy/hegelphilhist/summary.html

Hegel unterscheidet in seinen Geschichtsvorlesungen 3 Arten von Geschichte:

1. die ursprüngliche Geschichte, geschrieben während ihrer Zeit

2. Reflektierte Geschichte: Nachdem die Geschichte bereits vergangen ist

3. Philosophische Geschichte, wobei a priori Gedanken genutzt werden, um Geschichte als rationalen Prozess zu verstehen

Wir wollen Geschichte nicht als zufällige Abfolge von Ereignissen verstehen, sondern sie nach einem inneren Plan charakterisieren. Wenn wir diese Art der Geschichtskonstruktion nicht verstehen, dann sind wir einer ungenauen Geschichtsschreibung hilflos ausgeliefert. Ich behaupte, dass unphilosophische Geschichtsschreibung auch zu Chemtrail-Theorien, Anti-Impf-Kampagnen, Auslandsverschwörungen und Antiamerikanismus führt. Letztlich ist es auch diese unreflektierte Geschichtsphilosophie, wonach die verlässlicheren Medien als Lügenpresse geschmäht werden und was letztlich den Erfolg von Programmen wie der AfD ebnet. Ich behaupte, dass jeder, der Pseudotheorien vertritt, auch für die politischen Konsequenzen verantwortlich ist. Aber das sind zunächst nur Thesen über die ich in der Zukunft nachdenken möchte. Für die philosophische Geschichtsschreibung müssen wir über den inneren Geist der Geschichte nachdenken. Dieser Geist ist Vernunft:

  • Vernunft ist unendlich frei, da sie sich selbst genügt
  • Vernunft ist in und für sich selbst (bitte nicht fragen, was das bedeutet :) , nichts ist außerhalb des Prozesses
  • Vernunft ist demnach die Substanz der Weltgeschichte. “since world history is caused and guided by a rational process” (http://www.sparknotes.com/philosophy/hegelphilhist/summary.html), denn andernfalls könnten wir es nicht verstehen

Was ist Freiheit für Hegel? Geist ist Freiheit realisiert in der menschlichen Geschichte. Menschen sind das Mittel in dem sich der Geist über ihre Köpfe hinweg realisiert. Auf der anderen Seite sind Menschen aber auch Subjekte und nur dadurch dass der Geist seiner selbst im Menschen bewusst wird, realisiert sich Geschichte (see http://www.sparknotes.com/philosophy/hegelphilhist/summary.html).

Wie kommen also dieses Subjektive, das Partikuläre des Individuums und das Objektive der Universalien zusammen? Für Hegel erscheint dieses Dritte im Staat, der Gesamtheit aller Individuen und der Regierung (see http://www.sparknotes.com/philosophy/hegelphilhist/summary.html). [Ein Staat ist daher für Hegel immer gut, oder im platonischen Sinne zumindest besser als der völlige Zerfall. Die Umwälzung durch Revolutionen wird dabei auch immer als Gefahr interpretiert, dass alles riskiert werden würde]. Im Staat realisiert sich etwas, das allen Indivduen doch gemeinsam sein sollte und zugleich universal verschieden. Etwas, dass die meisten nicht verstehen, denn der Staat repräsentiert die Menschen nur, aber drückt nicht direkt ihren Willen aus (auch ein längeres Thema). Er ist eine Synthese von partikularen und universalen Interessen.

Natürlich bleibt der Staat niemals in seiner optimalen Form. Geist muss über die Modi der Zerstörung in immer stärkeren Formen zurückkehren. Alle Selbstnegationen bringen Geist zu einer kompletten Realisierung im Selbstbewusstsein als rationale Freiheit und dies ist Vernunft.

Soviel Unklarheit mit Hegel für heute. Es ist aber ersichtlich, dass sich meine Forschung zunehmend von epistemologischen Problemen in den ethisch-politischen Bereich verschiebt.

 

5. Motivation zum Trainieren und Weitergehen:

Da das alles schwer genug war: Ich lese gerade ein Buch zum Flow und Steph Curry, der letztes Jahr mit Golden State die NBA gewann, scheint zu wissen wie das geht. Seine Vorspielroutine hier:

 

Zum Flow-Buch bald mehr

 

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Norman Schultz

Pittsburgh, März 2016

 

Trivia, Donald Trump, Waterboarding, Oscars und mehr: Unphilosophischer Bericht aus Pittsburgh – Meine Woche in 5 Punkten

22. Februar 2016

Ashok und Ben demonstrieren unser neues Hover-Board

1. Trivia-Erfolge

Amerika ist die optimistische Alpha-Kultur, die das Banale zum höchsten Gut erklärt und seriöse Fragen wie zum Beispiel Klimawandel Europa überlässt. Dem Banalen werden Oscars und Grammies verliehen und auf Superbowlparties feiern die Amies ihre Skandälchen mit Beyonce. Ansonsten hält der Amerikaner gerne die die Hand auf der Herz-Brust. Ganz ehrlich, erst letzte Woche habe ich mir ein LaCrosse-Spiel unserer Duquesne Frauen angeschaut. Durchweg blond standen sie am Anfang mit der Hand auf dem Herz und lauschten der Nationalhymne. Das wird hier bei jedem Spiel sogar bei der Jugend zelebriert.

Deswegen gibt es auch Trivias, also Spiele, bei denen man banale Fragen zu einer eigentlich banalen Kultur beantworten muss. Es gibt Trivias natürlich auch in Deutschland, aber die Amerikaner waren womöglich die ersten, die das Triviale zum Aushängeschild ihrer Kultur umfunktioniert und kommerzialisiert haben (noch vor Herr Tutorial). In Amerika ist Trivia keineswegs trivial, sondern eine ernste Angelegenheit und deswegen haben wir bei unserem letzten großen Erfolg völlig überraschend
ein Hoverboard gewonnen.

Bis zu dem Zeitpunkt als wir die Treppen hinaufstiegen, wussten wir nicht, dass es überhaupt etwas zu gewinnen gab.

Natürlich haben wir hierfür ein Team einzigartiger Individuen zusammengestellt, so dass wir einen möglichst breiten trivialen Bereich abdeckten. Roly, Experte für asiatische Kultur, und Go-Spieler, Ellen, Ballettänzerin, Cellospielering und Philosophin, Ashok, Statistik in Berkley studiert und Sportenthusiast, Ben, Krebsforscher, Ian, ehemals beim Militär und Globetrotter, meine Wenigkeit und John Harvey.

The smartes man of Pittsburgh

 

John Harvey unser Mann für ernste Angelegenheiten. Er spricht fließen Deutsch, Französisch und übersetzt fehlerlos Latein und Griechisch. Er ist beseelt in Mathematik, Geschichte, Chemie, Biologie, Physik und allen anderen Wissenschaften, die interessant sind und ist natürlich auch Professor für Philosophie. Als der Moderator verkündete, dass die nächste Frage zur Antike wäre, jubelten wir bereits und ich begann Johns Schultern zu massieren. John parierte die Frage (die ich überhaupt nicht beantworten konnte und deswegen vergessen habe) selbstbewusst mit Attila. John wusste alles über Attila und und zog ein selbstverfasstes Theatherstück aus der Tasche zu ziehen, betitelt mit “Attila, der Hunnenkönig”.

Nicht nur die Hoverboards hovern

 

Doch das ist nicht die ganze Geschichte. Natürlich waren wir zu spät in der Bar, weil das Trivia in einer anderen Bar gecancelt war und wir verpassten eine ganze Runde (aus 6 Runden a drei Fragen). Wir holten aber Runde um Runda auf. In der finalen Frage konnte ich mit meinem exorbitanten Tom Cruise Wissen glänzen (mein ganzes Leben belächelt dafür, dass ich Tom Cruise Filme als gut einstufte). Wir setzten volle Punkte und zogen mit der letzten Frage an die Spitze und gewannen mit einem Punkt Vorsprung ein Hoverboard im Wert von 300 Dollar, das Ian dann gleich im Anschluss die Treppe hinunter schmiss. Nun fahren wir in meiner WG täglich mit dem Hoverboard durch das Haus. Und billig sind die Dinger nicht:


2. Nicht ganz so trivial: Der Wahlkampf wird heiß

Die rhetorische Verrohung feiert die Befreiung von den Fesseln der politischen Korrektheit und sinkt dabei ins banale Stammtischgebrabbel. In den sozialen Medien bündeln die Gerade-so-Alphabetisierten ihre Energien und setzen die klassischen Demokratieorgane unter Druck. Das Internet wird zum globalen Stammtisch und als Alternative zur intellektualisierten Lügenpresse gefeiert. Sarah Palin will so zum Beispiel Terroristen mit Waterboarding taufen und erntet dafür den erwarteten Social-Media-Applaus.

Natürlich ergibt die Aussage keinen Sinn. Werden Menschen etwa durch derart Taufen zu Terroristen? Oder anders herum, haben sie mit Waterboarding die Chance Christ zu sein? Vergibt sie ihnen damit die Sünden? Ähnliches Entrücktheit gilt dann auch für Donald Trump, der gerne noch weitere Techniken einführen möchte und Waterboarding als zu sanft einstuft.

Der Trend geht also dank Social Media dahin, dass sich nicht nur Wissen vermehrt, sondern auch Dummheit potenziert. Wer daher Verschwörungstheorien unterstützt und sich zuvor nicht mit Wissenschaftstheorie auseinandersetzt, der unterstützt eben auch die Stammtischparolen.

3. Journaling

Neben diesen Lebensereignissen empfehle ich dringensT mit dem Journaling zu beginnen.  Mein Journal folgt dabei einer bestimmten Routine. Wahrscheinlich interessant anzusehen, ein paar Beispiele.

Hier ist die beste Einleitung, was so ein Journal erreichen kann. Es geht dabei vor allem um den Aufbau. Ein Journal hat den Vorteil, dass es nicht wie ein Planer jeden Tag einzeln geführt werden muss.

Das folgende Journal ist absolut überwältigend und sicher nicht notwendig für den Beginner, aber es zeigt, was damit in der Zukunft möglich ist.

Der Vorteil eines selbstentworfenen Journals ist die Flexibilität und es verfährt kontinuierlich. Lässt man es einen Tag aus, so geht es eben den nächsten Tag weiter. Ebenfalls eine wunderbare Idee ist ein Kinderjournal. Hier das Beispiel eines Vaters, der all die Lebensereignisse seines Sohnes festgehalten hat, erklärt von seinem Sohn. Wirklich emotional, leider alles auf English.

Hier ein etwas weniger elaboriertes Modell, das gute Ideen enthält, die man für sein eigenes Journal im Hinblick auf die Struktur nutzen kann.

Bei Amazon gibt es ganz gute Produkte. Beim letzten sieht man, dass es nicht so übersichtlich war. Ich glaube, dass es auch an den Kästchen liegt. Beim Bulletjournal ist liniert ganz sinnvoll und man kann damit auch wunderbar seine Schrift üben.

 

4. Oscarparty

Nächste Woche Sonntag finden die Oscars statt und wir organisieren dafür bereits unsere Oscarparty. Es gibt einen roten Teppich. Und wer die meisten Oscarvorhersagen macht gewinnt unseren kleinen Oscar.

 

Gemein wie ich bin, hoffe ich insgeheim, dass Leonardo DiCaprio nicht den Oscar gewinnt. Aber nehmen wir an, er gewinnt ihn sein ganzes Leben nicht und dann machen sie einen Film über diesen guten Schauspieler, der niemals den Oscar gewann und dann gewinnt ihn der Schauspieler, der ihn in diesem Film spielt. Das wäre eine Tragik des Lebens und der Stoff aus dem gute Geschichten sind.

Ach und zum Film Deadpool. Der Film passt zu oben erwähnten Stammtischparolen, denn er besticht vor allem darauf Witze im Vulgär- und Fäkalbereich auszuschlachten und dabei mit diesem Image auch noch zu kokettieren. Im Grunde ist Deadpool ein platter Actionreißer zurückgeschrumpft auf Bud Spencer und Terence Hill-Humor. Nicht das Bud Spencer und Terence Hill-Filme schlecht wären, aber sie gehören eher in den Bereich des wirklich Trivialen.

Krankheit

Letzter Punkt: ich war mal wieder krank, aber mittlerweile verstehe ich mehr worum es geht. Der Grund warum ich krank war, ist nicht notwendig eine Infektion, sondern kann zu großen Teilen durch Stress bedingt. Was mir nun im weiteren aufgefallen ist, dass ich ca. 2 mal im Jahr für jeweils 3 Tage krank bin. Das ist ein absolut normaler Wert und nicht bedenklich, allerdings merke ich, dass es immer genau der gleiche Ablauf ist. Erst Jucken nachts meine Ohren, der Hals schmerzt etwas, und dann fängt meine Nase unnormal an zu laufen. Einen Tag später habe ich leichten Husten. Wenn ich sofort meine Nase mit Schnupfenspray behandle schwillt nichts mehr an und auch das Fieber hält sich in Grenzen. Ich lutsche gute Halsbonbons, was vielleicht meinen Hals etwas desinfiziert und nicht viel zur Ausbreitung der Keime beiträgt und ich trinke viel Wasser. Früher waren diese Infekte viel schlimmer, was auch daran liegen mag, dass ich mittlerweile kalt dusche, jeden Tag mit dem Fahrrad einen Berg erklimme und nebenbei noch laufen gehe. Außerdem habe ich mein Frühstück und Mittag standardisiert, so dass immer Gemüse auf dem Essensplan steht. Da der Ablauf meiner Krankheiten jedoch immer derselbe ist, habe ich nun folgende These: Da unser Körper mit vielen Bakterienkulturen besiedelt ist, lösen bestimmte Infektionen ein Ungleichgewicht aus, so dass bestimmte Bakterienkulturen in meinem Körper, oder meinetwegen auch Viren, sich rasant vermehren und vom Körper nicht mehr im Gleichgewicht gehalten werden. Dieses führt dann zu der immer gleichen Krankheit. Man könnte es auch eine Immunschwäche nennen. Ich will mich also in Zukunft darauf konzentrieren, diese Krankheit zu bekämpfen, die ich offenbar chronisch habe, so dass es im Alter nicht schlimmer wird.

Warum erzähle ich das? Nun ich glaube in diesem Sinne an Naturheilverfahren, aber nicht an Homöopathie. Hierzu ist wieder eine Meta-Studie erschienen, die feststellt, dass Homöopathie nicht wirkt. Aber die Lügenwissenschaft ist ja von der Lügenpresse gekauft und Donald Trum weiß auch, dass man Kinder nicht impfen sollte.

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Norman Schultz

Pittsburgh, Februar 2016

 

 

Zum Tode meines Professors Edmund Braun

31. Dezember 2015

Rembrandt Harmensz. van Rijn - Jeremia treurend over de verwoesting van Jeruzalem - Google Art ProjectAm 20. März 2015 diesen Jahres verstarb mein Professor, Dr. Edmund Braun.

Als ich im Winter 2007 nach Köln kam, da hatte mich so eben Freiburg wegen eines enormen Verwaltungsfehlers abgelehnt. Die Umstellung nach der Bolognese-Reform hatte für mich erhebliche Konsequenzen. Ich wollte eigentlich Phänomenologie in den Fokus nehmen und mich darauf in Freiburg konzentrieren. Nun gut, immerhin hatte Köln ein Husserl-Archiv und ich besuchte dort auch die Oberseminare.

Bald aber entdeckte ich ein Oberseminar bei einem sehr alten Professor, der schon damals mit erheblichen, gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. Professor Braun war damals um die 80 Jahre und hatte schon eine sehr steife Statur. Drehte er sich um, wenn ein Student zu spät in den Seminarraum kam, so grüßte er ihn sehr freundlich, allerdings nur, indem er steif seinen ganzen Oberkörper zu ihm drehte. Wie er damals trotz seiner Gebrechen noch selbstständig mit dem Auto zu den Seminaren kam, schärfte in mir den Gedanken: Philosophie-Professoren wollen bis ins Grab hinein unterrichten. Jedenfalls galt dies für Professor Braun. Kurzzeitig erblindet, ließ er sich meine Magisterarbeit vorlesen und ließ es sich auch nicht nehmen, meine Prüfungen abzunehmen. Akademisch war Professor Braun bereits von den einflussreichen Schnittstellen abgeschnitten, aber intellektuell fühlte ich mich sehr zu ihm hingezogen. Vor allem sein fortwährender Kontakt zu seinem guten Freund Apel machte seine Philosophie lebendig. Was also enthielt seine Philosophie?

Sprache, die zwar schon immer einen wichtigen Gegenstand der Philosophie darstellte, aber bis zum 20. Jahrhundert nie im Zentrum dieser Disziplin stand, hatte in Edmunds Braun Transzendentalpragmatik den höchsten Rang [1]. Sein Buch “Der Paradigmenwechsel in der Sprache” war für mich das Zeugnis von dem umfassenden Verständnis, dass er sich über die Sprach- Philosophie erworben hatte. Seine 20-Jährige Forschung zu Aristoteles wendete sich spät, auch dank Apels Einfluss. Nun versuchte er, eine kantisch verstandene Sprachphilosophie als erste Wissenschaft zu etablieren und dabei auch den Verweis auf ein Transzendentales zu erhalten.

Immer wieder ging es in Professor Brauns Seminaren zur Sache. Die These, dass Sprache der unhintergehbare Kern unseres Denkens war, galt unter Kölnern streng analytischer Lehre als zu radikal. Einmal verließen zwei wütende Studenten das Seminar und riefen noch über den Flur, dass sein Seminar unmöglich wäre. Dennoch war mir Professor Brauns herausfordernde Art zutiefst sympathisch. Nein, er polemisierte nicht, sondern er erlaubte Studenten sich zu artikulieren, den Inhalten selbst nachzuspüren. Interaktivität und Diskurs prägten seine Seminare. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir zwar sehr kleinschrittig vorangingen, dennoch fühlte ich immer einen Kontakt zu den großen Themen der Philosophie, die er mit Sachverstand. doch zugleich verständlich aufschlüsseln konnte.

Für Professor Braun war die instrumentale Auffassung von Sprache, die Sprache nur als bloßes Mittel zur Beschreibung und Übertragung von Gedanken betrachtet, zurückzuweisen und ihre fundamentale Funktion in allen kognitiven Akten aufzuklären.[2] So heißt es etwa bei ihm: „Sprache begleitet, begründet, stützt und formt unser Denken und Handeln.“[3] Folglich konnte es für ihn kein sprachfreies Denken geben. Alles Gedachte vollzog sich in Sprache oder noch genauer im Diskurs.

Hier kam Edmung Braun bald schon auf die Spuren von Robert B. Brandom, der die Auffassung, die Sprache nicht ausschließlich über Repräsentationsleistungen definiert, sondern die fundamentale (Be-)Deutungsleistung der Sprache im semantisch-pragmatischen Vokabular ausbuchstabierte. Auch dies brachte mich schließlich auf die Spur nach Pittsburgh.

Das letzte und wichtigste Ziel der Transzendentalpragmatik war für Professor Braun jedoch, eine universale, normative Ethik zu begründen. Um jedoch überhaupt eine angemessene Diskussion eines sprachlichen Vernunftbegriffes in der Transzendentalpragmatik im Hinblick auf eine normative Ethik gewährleisten zu können, musste für ihn erst die Einsicht erfolgen, dass ein Sein-Sollen nur in der Regelhaftigkeit einer dialogischen Sprache fußen kann [4]. Denn über die Sprache als Bedingung der Möglichkeit und Gültigkeit der kognitiven Vollzüge  hinaus ist diese zudem eine normative Institution, da für die Regeln des Sprachvollzuges konstitutive Voraussetzungen in einer Kommunikationsgemeinschaft anerkannt werden müssen. Insofern Äußerungen sinnvoll sein und Geltung beanspruchen sollen, ist diese Anerkennung notwendig. Diese stets anzuerkennenden Voraussetzungen sind also Bedingungen und somit immer Grundnormen für eine Kommunikationsgemeinschaft. Gesetzt sind damit diese Grundnormen durch die Institution der Sprache. Begründungen können so nur Begründungen sein, wenn Sprache immer als relatives Sinn– und universales Geltungsapriori besteht [5]. 

Sinn ohne Sprache gab es für Prof. Braun daher nicht. Die Sprache als unhintergehbare normative Instanz und für jedwede normative Ethik war für ihn die Grundlage einer normativen, universalen Ethik.

Die frühe Einsicht der Transzendentalpragmatiker, zunächst den semantisch-syntaktischen Sprachbegriff, der sich aus der Annahme einer ausschließlichen Repräsentationsfunktion der Sprache herleitet, pragmatisch zu integrieren, was grob gesagt die Berücksichtung einer Kommunikationsgemeinschaft bedeutet, hatte diese Strömung den gegenwärtigen, führenden Strömungen wie Robert Brandoms Expressivismus/ dem kognitiven Realismus bereits vorweggenommen.

In der Folge dieser Einsichten begann für Prof. Braun eine neue Schaffensperiode, die ihn zu immer neuen Artikeln und Büchern über eine Ethik auf Grundlage transzendentalpragmatischer Einsichten trieb. Ich erinnere mich, wie er selbst im hohen Alter und geplagt von verschiedenen Strahlentherapien an seinen letzten Büchern teilweise bis in die Morgenstunden hinein arbeitete. Müde, aber doch mit voller Energie und Diskussionsleidenschaft erschien er dann dennoch bei den Seminaren. Es war immer sein Ziel noch letzte Bücher auf den Weg zu bringen und so widmete er sich zunächst der Anthropologie und dann vermehrt ethischen Themen, wobei er vor allem die instrumental geleiteten Ethiken angriff und sich auch versuchte gegen die relativistischen Strömungen zu wehren. Ethik war für ihn begründet in einer unbegrenzten Kommunikationsgemeinschaft.

Leider entfielen seine letzten Seminare, weil der Gesundheitszustand, es ihm nicht mehr erlaubte, zum Seminar zu kommen. Leider verließ ich Köln bereits im Jahr 2011. Dennoch behalte ich Prof. Braun nicht als alten Professor in Erinnerung, sondern als jemanden, der auch im Alter und trotz Krankheit noch viel Lebensfreude und Inspiration für seine Studenten aufbrachte. Ich behalte ihn als einen der engagiertesten Professoren in Erinnerung, der immer auf der Höhe der Zeit seine Theorien entwickelte, was auch die rege Teilnahme vieler Studenten an seinen Oberseminaren bezeugte. Ich bin ihm dankbar für die Philosophie der Transzendentalpragmatik, die er für mich aufgeschlossen und entschlüsselt hat. Ich wünschte, ich hätte die Zeit, zu intensiverem Kontakt genutzt.

Norman Schultz, Pittsburgh, 31. Dezember 2015

Quellen:

Braun, Edmund 1996: Der Paradigmenwechsel in der Sprachphilosophie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt

Braun, Edmund 2007: Sprachapriori in der Kunst.  in Aufgang – Jahrbuch für Denken, Dichten, Musik – Band 4 – Eros, Schlaf, Tod – Herausgegeben von José Sánchez de Murillo und Martin Thurner.

Braun, Edmund 12/2007: K.-O. Apel – Transzendentalpragmatik als normativ-semiotische Transformation der Transzendentalphilosophie. http://www.philosophieren.de/menu1/philosophePERSÖNLICHn/apel/apel.pdf

Kuhlmann, Wolfgang 1992: Sprachphilosophie – Hermeneutik – Ethik. Königshausen & Neumann

 

[1] Vgl. Kuhlmann 1992: 9

[2] Vgl. Braun 2007: 413

[3]  Braun 2007: 413

[4] Vgl. Braun 12/2007: 3

[5] Vgl. Braun 12/20007: 8

[6] Vgl. Braun 12/2007: 8

Oberflächliche Ideen und konzentriertes Arbeiten im Detail – Zum Stand meiner Dissertation in Pittsburgh

15. Juli 2015

Vierter Juli, das ist schon etwas vorbei, ja, ich schreibe selten und mittlerweile weicht sich das Profil auf, mit dem ich hier ursprünglich begonnen hatte zu schreiben. Mein eigentliches Projekt war es ja Grenzen der Menschheit anzudenken. Das war vor 5 Jahren und in der Zwischenzeit habe ich einen Magister, was mich wohl auch damals zu dem Thema bewogen hat, und außerdem arbeite ich mittlerweile an meiner Dissertation. Was also passiert hier nun? Zunächst muss ich sagen, dass sich in Pittsburgh das Gefühl von amerikanischer Unabhängigkeit einstellt. Ich war zum ersten Mal im Sommer hier und bin nicht zurück nach Deutschland geflogen und so habe ich auch den Unabhängigkeitstag zum ersten Mal als wirklich nationales Event kennengelernt.

Im Weiteren ist meine Tochter nun eingetroffen und wir haben ein paar Kinder eingeladen und ihren Geburtstag nachgefeiert.

Hier sind sie beim Versteckspiel:

Außerdem, wie man sehen kann, habe ich mir für diesen Anlass eine neue Linse für meine Kamera besorgt. Eine Feststelllinse mit der ich bestimmte Unschärfeeffekte hervorrugen kann und darüber hinaus, das Licht sehr gut einstellen kann.

Nun aber zum eigentlichen: Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, hier weniger über meine philosophische Arbeit zu berichten und stärker reflektierende Kulturphilosophie zu betreiben. Dies hatte auch einen einfachen Grund: Philosophisches Handwerk ist in den konkreten Begriffen zäher als ungekochte Schuhsohle. Mir fiel schon seit längerer Zeit auf, dass sich dabei philosophische Werke einerseits aus leicht zu verstehenden Slogans, andererseits aus konkreter Detailarbeit zusammensetzen. Mit Slogans meine ich Schlachtrufe, wie “zu den Sachen selbst”, eine Husserlianische Aufforderung, die verstaubten Begriffe von Gott sowie haltlose Spekulation hinter sich zu lassen, der Slogan “Identität der Identität und Differenz”, eine kompliziertere Deutsch-idealistische Formulierung, die davon ausgeht, dass Sein sich nur verstehen lässt, wenn wir eine Einheit aus Sein und Nicht-Sein konstruieren, was natürlich auch Slogans wie das parmenidische “Alles ist Eins”, was eben diese Differenz in der Identität nicht zulässt, oder Slogans wie das heraklitische “Alles fließt” umfässt, wobei die Heraklitische Idee besagt, dass es keine stabilen Realitäten gibt, sich alles verändert und somit neben der Differenz keine Identität sein darf. Von hier aus ist es nicht weit bis zur Hausfrauenapothekenphilosophie: Wo Licht ist, ist auch Schatten, wo Sonne ist, muss es auch Regen geben oder man muss das alles ganzheitlich sehen.

Problematisch ist, dass wir mit solchen Slogans für gewöhnlich unsere Weltbilder zimmern. So ist zum Beispiel das Wort “ganzheitlich” zum tödlichen Schlagwort für Impfgegner und ihre Rechtfertigung in der Regel nicht mit Details begründen, sondern auf Slogans hereinfallen. Daher fällt mir nur immer wieder ein, was mein erster Professor Rainer Enskat damals sagte, dass Wissenschaft bei der Genauigkeit beginne. Ich glaube, ich verstehe das von Jahr zu Jahr besser. Im Gegensatz zur Hausfrauen- oder meinetwegen Hausmannphilosophie ist die Philosophie die Wissenschaft vom Ganzen und beschränkt sich nicht nur darauf, verschiedene Slogans in einen Topf zu werfen und dann einmal kräftig zu rühren. Es geht auch nicht um Schlagworte wie “ganzheitlich”, denn ich behaupte, dass jeder der genuin an Wissen interessiert ist, auch eine ganzheitliche Betrachtung verfolgt. Vielleicht ist gerade der im Unrecht, der eine ganzheitliche Perspektive für sich ohne Weiteres in Anspruch nimmt?

Nun bemerke ich bei meinen Texten, dass ich oftmals diesen Sloganbrei selbst zusammenrühre und die konkrete Arbeit am Begriff hinterherhinkt. So weiß ich zum Beispiel, dass Brandom eine pragmatische Integration der Referenz-Semantik anstrebt, wie er das aber konkret mit anaphorischen Begriffen macht, habe ich noch nicht ganz erarbeitet. Auch seine Unterscheidung zwischen De-Re und De-Dicto-Aussagen ist noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Dennoch weiß ich: Making it Explicit ist Brandoms Meilenstein, was die ganzheitliche Ausarbeitung in Bezug auf das Repräsentationsproblem angeht und selbst Habermas überschüttet es gerne mit Lob. Aber das ist Oberfläche.

Aber damit tauche ich auch schon in die Schwierigkeiten. Also abgesehen von diesen Slogans hat mich immer schon das Detail interessiert. Hier aber kommen wir in eine Welt, die sich vom ersten Anschein verabschiedet und in einen haltlosen Boden driftet. Warum das? Wo Erklärungen immer wieder überworfen werden und keine Wahrheiten bestehen bleiben, weil sich im Detail der Slogan einfach als zu oberflächlich zeigt, dort bleiben wir nicht bei Resultaten stehen. Die Befriedigung, die sich oftmals im Alltag einstellt, weil ein gemeinsamer Nenner gefunden wurde, ist nicht unbedingt das Resultat der Philosophie. Mittlerweile kann ich sagen, das Vorsicht bei Menschen geboten ist, die einem simple Wahrheiten verkaufen. Dabei ist übrigens auch jene angebliche Wahrheit, dass Wahrheit einfach sei, ziemlich verdächtig. Es haben sich schon viele mit Ockhams Rasiermesser geschnitten (Vorsicht: Kalauer).

Nun ja aber warum das alles? Eigentlich hatte ich einen Nachruf auf meinen Professor aus Köln verfasst und dort viele Slogans zusammengezimmert. Leider habe ich vergessen zu speichern. Auf jeden Fall ist der Artikel jetzt mal weg und die Zeit drängt. Nun, was passiert also gerade in meiner Philosophie? Ich frage mich wirklich, ob es Individuen wie Stühle gibt. Das ist natürlich bescheuert, denn natürlich gehen wir damit tagtäglich um und stellen sie von A nach B, aber abgesehen von diesem Resultat, dass wir mit Phänomenen wie “Stuhl” operieren, erscheint mir die Überlegung, dass es Dinge an sich gibt oder dass dort Materie sein soll, doch sehr abstrakt.

Moment ich sage nicht, dass es keine Materie gibt oder keine Gegenstände, aber ist mit den Worten “Materie” und “Dinge” schon alles oder überhaupt etwas gesagt? Wie man die Brille auf seiner Nase nicht mehr sieht, ein hochkomplexes Gerät, ebenso wie man sein Auge nicht sieht oder ebenso wie viele Menschen im Mittelalter nicht wussten, dass sie ein Gehirn haben, so erscheint mir auch der Begriff “Materie” als nahezu unbekannt, denn wir haben Materie einfach nicht erfahren. Es ist ein äußerst schwammiger Begriff, der keine genaue Bestimmung hat. Irgendwie verfahren wir mit dem Resultat, dass Aristoteles unter dem Stichwort Hyle (Holz) als erstes fasste. Ja damals hieß Materie noch Holz, was ein Ausdruck einer Verlegenheit ist, aber diese Verlegenheit haben wir mittlerweile auch wegen der Informationsfülle unserer Alltagswelt vergessen (Wer das Internet benutzt, fühlt sich dabei oftmals nur schlauer, wie Forscher jetzt herausfanden. Das habe ich übrigens gegoogelt und ich fühle mich jetzt tatsächlich schlauer). Was aber soll Materie sein?

Eine Studentin im Seminar bei mir zeigte sich ganz schockiert, dass ich den Begriff Materie nicht voraussetze und ihn auch herleiten möchte. Sie schaute mich an und meinte, dass doch alle Dinge Materie hätten. Daraufhin fragte ich sie, ob sie mir Materie mal zeigen könnte oder ob sie welche zu Hause hätte und mal mitbringen könnte.

Mir erscheint, dass hier oftmals vieles auf sogenannter externer Reflexion fußt, zum Beispiel, dass wir mit Dingen umgehen als wären sie Materie. Was aber heißt “mit einem Ding umgehen”? Und was ist ein Ding? Ich sage dabei nicht, dass es diese nicht gibt, aber wie Russel zum Beispiel behauptet, er habe eine Eimer-mit-Schrot-Theorie während Hegel eine Schüssel-voll-Marmelade-Theorie hätte, so erscheint es mir absurd, zu behaupten, unser Universum wäre ein Eimer gefüllt mit individuellen Schrot-teilchen, denn wie stehen diese Teilchen in Beziehung? Hegel behauptet übrigens nicht, dass gemäß einem Marmeladentopf alles zusammenklebt, sondern seine Kritik entspringt eher daran, einen unbegründeten Atomismus zu behaupten, eben diesen den Russel gleich wieder beginnt, nachdem Russel Hegel wie eine wehrlose Strohpuppe abgeschossen hat (eine sehr gute Analyse des Gründungsmythos bietet hier Redding).

Nun ist es bei Hegel tatsächlich so, dass er sich von einem semantischen Atomismus verabschiedet und damit einen sogenannten holistischen Pragmatismus vorwegnimmt. Für ihn müssen Dinge auch in ihrer Relation geklärt werden. Wäre zum Beispiel dieser Stuhl nur für sich, ein In-sich-sein, dann würde er nicht in Bezug auf anderes sein können. Er würde wie Sein in sich zusammenstürzen, keine Beziehung zu nichts aufweisen und wäre damit für uns nichts. In-sich-sein wie Sein wäre dann epistemologisch nichts. Es würde wie Leere zerfallen, daher muss eine Differenzierung ein Übergang zu dem Sein-für-anderes stattfinden. Der Kniff aber an Hegels Theorie ist nicht, dass er nun behauptet, dass der Stuhl nicht an-sich in-sich wäre, sondern dass Hegel terminologisch einfach die Herkunft unserer Begriffe begründen will, wobei diese Selbstbewegung des Begriffes die ihm angenehme Ontologie und den Inhalt jeder Logik ausmacht. Wir reden also nicht über Identitäten, sondern erst einmal über differente Dinge, die uns auffallen und versuchen sie in immer höherer Auflösung zu beschreiben. Das wäre dann die Arbeit am Detail und stattdessen einen Slogan von Realität vorauszusetzen, versuche ich diese Details mit ein paar historischen Slogans in Berührung zu bringen. Das ist gerade Gegenstand meiner Dissertation.

Soviel also zu dem, was mich philosophisch gerade beschäftigt, ansonsten ist, wie oben gesagt, meine Tochter hier, die sich übrigens von einem Genie drei Dinge wünschen würde: ein Einhorn, eine Prinzessin zu sein und eine Banane.

Weil sie gekommen ist, habe ich die neue Linse gekauft, die diese Unschärfeeffekte gut erzeugen lässt und ich habe auch eine Party für sie gemacht.

Gil, ist übrigens Musiker und wir bei unserer nächsten Party einen Musikworkshop mit alternativen Instrumenten organisieren.


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Norman Schultz, Pittsburgh Juli 2015

Norman Schultz

Pittsburgh, Juni 2015

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