Better Call Saul

Ich habe gerade Better Call Saul beendet der Spin-off (Ableger) der erfolgreichen Dramaserie Breaking Bad. Vom philosophischen Standpunkt her, geht es darum, wie unser Umfeld und unsere Ambitionen uns zum Schlechten bewegen k√∂nnen. In Breaking Bad zum Beispiel kann ein Chemielehrer seine Tumortherapie nicht bezahlen. Das Amerikanisches Krankenkassensystem! Daraufhin beginnt er mit einem Sch√ľler Chrystal Meth zu kochen und es zu verkaufen.

Crystal Meth
Ein Amphetamin mit hohem Abhängigkeitspotential. Bildnachweis: Radspunk [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

In kurzer Zeit steigt er zum Drogenbaron „Heisenberg“ auf. Aus einem harmlosen Lehrer, der eigentlich nur seine Tumortherapie bezahlen will, wird so ein skrupelloser Killer.

Das w√§re dann die Serie, wenn Breaking¬†Bad in Canada spielen w√ľrde. Dort wird die Behandlung schlicht von den Kassen √ľbernommen.

Die Serie zeigt, wie ein Mann mit guten Intentionen im Strudel des Verbrechens sich selbst mehr und mehr korrumpiert. Selbst glaubt er, er w√ľrde es f√ľr die Familie tun. Die freie Entscheidung aber ist immer von den Umst√§nden bewirkt.

Ebenfalls zeigt die Serie, wie die Parellelgesellschaften von brutaler Gewalt im Drogenmilleu, dem normalen Leben der Alltagsmenschen und der High Society in Amerika nebeneinander herlaufen und sich doch immer wieder unweigerlich √ľberschneiden.

Better¬†Call¬†Saul¬†setzt zeitlich vor Breaking¬†Bad¬†an und erz√§hlt die Geschichte des zwielichtigen Anwalts, der Heisenberg auf seinem Weg zum Drogenk√∂nig unterst√ľtzt. Jimmy McGill, sp√§ter Saul Goodman, ist der j√ľngere, zwielichtige Bruder des Staranwalts Chuck McGill. Er w√ľrde ihm gerne nacheifern, nur leider gelingt ihm dies nicht. Das Drama zwischen Chuck und Jimmy ist es wert zu schauen. Ic kann nicht die ersten beiden Staffeln empfehlen, aber die dritte Staffel hat es in sich. Die Erz√§hlmethode ist dabei wieder mal sehr langsam, um dann sp√§ter ins Extreme zu gehen.

Interessant ist auch eine Idee der vierten Staffel. F√ľr ein Jahr entzieht das Barkomittee Saul Goodman die Anwaltslizenz. Tats√§chlich ist √§hnliches einer meiner Freundinnen in den USA passiert. Beim Barexamen hatte sie 10 Sekunden l√§nger am Computer geschrieben und daher angeblich die Anwaltsehre verletzt. Sie wurde daraufhin suspendiert und es stand einige Zeit die Frage im Raum, ob sie jemals als Anwalt arbeiten k√∂nnen w√ľrde. Das nur, weil sie 10 Sekunden l√§nger eine Frage beantwortet hat. Gut 200.000 Dollar f√ľr die Ausbildung in den Sand gesetzt?

Aufgrund der Entziehung seiner Anwaltslizenz muss Saul gemeinn√ľtzige Arbeit leisten, nebenher f√§ngt er an Prepaid-Telefone an Drogendealer zu verkaufen. Er verkauft Privatheit. Sein Weg in den Untergrund ist damit geebnet. Die Ironie liegt darin, dass das System ihn mit M√ľllaufsammeln rehabilitieren soll, aber gerade das System ihn auf der schiefen Bahn h√§lt. Er kann keinen vern√ľnftigen Job annehmen und h√§ngt mit anderen Kriminellen bei einer sinnlosen T√§tigkeit ab.

Die Serie f√ľhrt emotional in die Charaktere und wenn ihr keine Angst mehr vor Spoilern habt, lohnt sich dieses Video von Mojo.com

Eine andere Frage ist √ľbrigens auch, ob Walther White oder als Drogenbaron „Heisenberg“ jemals gut war. Ein gutes Video:

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Ansonsten könnt ihr mich gerne anschreiben oder einen Kommentar hinterlassen. Norman Schultz, Neubrandenburg Februar 2019

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Ein Gesichtsverbrechen √ľber das die USA streiten

Seit kurzem hat ein Gesichtsverbrechen die USA ‚ersch√ľttert‘ und zeigt ‚wie gespalten das Land ist.‘ Eigentlich aber zeigt es nicht die Spaltung des Landes, sondern deutet Probleme der sogenannten Schwarmintelligenz an, die leider h√§ufig auch nur ein Herdentrampeln ist. Es geht darum, dass Teenager, einige davon mit Make-America-Great-Again-Basecaps (MAGA), einen Ureinwohner Amerikas bel√§stigt haben sollen.

Die Geschichte wird in linken Kreisen als Drama dargestellt: Jugendliche umzingeln den Marsch einer Ureinwohnergruppe, die einen traditionellen Song zelebrieren. Dabei gr√∂hlen sie √ľber den traditionellen Gesang hinweg. Schlie√ülich positioniert sich ein Junge mit MAGA-Basecap vor einem Ureinwohner, dr√§ngt radikal in seinen pers√∂nlichen Raum ein und provoziert ihn mit einem d√§mlichen Grinsen. Der Ureinwohner l√§sst sich von der offensichtlichen Gewalt jedoch nicht einsch√ľchtern und singt unbeirrt seinen traditionellen Gesang. Zu dem dramatischen Vorfall schrieb eine Kongressabgeordneter daher gleich auf Twitter:

„This Veteran put his life on the line for our country. The students‚Äô display of blatant hate, disrespect, and intolerance is a signal of how common decency has decayed under this administration. Heartbreaking.“

√úbersetzung: „Dieser Veteran hat sein Leben f√ľr unser Land riskiert. Die Sch√ľler, die offen hemmungslosen Hass, Abwertung und Intoleranz zeigen, sind ein Signal wie stark der Anstand unter dieser Regierung zerfallen ist. Herzzerbrechend.“

Andere vergleichen das Gesicht des weißen, privilegierten Jungen sogleich mit der Fratze des weißen Patriarchats:

Wieder andere fragen, ob man schon jemals ein Gesicht gesehen hat, in das man so direkt hätte reinschlagen mögen:

Während Phillips, der Ureinwohner, zu einem Meme des Widerstands aufgebaut wird, schauen sich die konservativen Medien und Kommentatoren das Videomaterial genauer an. Hier ist das umfangreichere Material, allerdings schon mit Kommentar:

Die Darstellung in den politisch eher rechten Kreisen ist durchaus umfangreicher. Zunächst gehen die Kommentare auf den Kontext ein. Es waren nämlich nicht nur die Teenager anwesend, sondern auch eine radikale Gruppe schwarz-hebräischer Israeliten:

„Was ich sah waren au√üerordentliche Borniertheit, Gewaltandrohungen, abscheuliche Frauenverachtung, absto√üender Rassismus, faule Schwulenfeindlichkeit und Anti-Katholizismus – nicht von den Sch√ľlern, sondern von erwachsenen M√§nnern … den schwarz-h√§brischen Iraeliten“

Dies schreibt Andrew Sullivan im Intelligencer¬†und f√ľhrt weiter aus:

„Sie glauben, dass wei√üe Sklaven sein werden, wenn Christus zur Erde zur√ľckkehrt“ Der Autor zeigt, dass weder die¬†Washington Post, noch die¬†New York Times¬†diese Umst√§nde ausreichend reflektiert haben.¬†Diese Israeliten hatten auch bereits die Ureinwohner mit Hasstiraden belegt.

Die Beleidigungen dieser Israeliten, die Sullivan zitiert, lasse ich ohne √úbersetzung stehen. Es ist m√ľ√üig, Beleidigungen in deutsche Entsprechungen zu √ľbersetzen:

‚ÄúYou ain‚Äôt no child of God. You are the Indian. You are a blue-eyed demon.‚ÄĚ Then: ‚ÄúYou‚Äôre still worshipping totem poles. You out of your mind! You have to repent. You worship the buffalo. You worship the eagle. You worship the phoenix. These are the idols you‚Äôve been worshipping. A damn buffalo ain‚Äôt gonna save you. You worship the creations and not the creator ‚Ķ That‚Äôs why you‚Äôre drunkards in the casinos and the damn plantation.‚ÄĚ Another: ‚ÄúDumb-ass niggers. Bunch of demons. You‚Äôre a bunch of Uncle Tomahawks.‚ÄĚ They snarled the word ‚Äúsavages‚ÄĚ at Native Americans.“

Das ganze Geschrei war bereits agressiv und bedrohlich. Warum also f√ľhrte das Grinsen eines Kindes zum Aufheulen? Hier sind die Beleidigungen, die die Schwarzen dann auf die Schuljungen losgelassen haben:

‚ÄúBring your cracker ass up here. Dirty ass crackers, your day coming. We can give a hell about your police. No one‚Äôs playing with these dusty-ass crackers.‚ÄĚ Another: ‚ÄúDon‚Äôt get too close or your ass gonna get punished ‚Ķ You crackers are some slithery ass bastards. You better keep your distance.‚ÄĚ And this, surveying the scene: ‚ÄúI see you, a bunch of incest babies ‚Ķ Babies made out of incest. If you‚Äôre the great damn nation, get rid of the lice on your back. ‚Ķ You‚Äôre a bunch of hyenas. You outnumber us but you keep your distance. You couldn‚Äôt touch us if you wanted to. You worship blasphemy. Look at these dirty-ass crackers. You‚Äôre a bunch of future school-shooters. You crackers are crazy. You crackers have got some damn nerve ‚Ķ‚ÄĚ And again: ‚ÄúWhen you guys gonna shoot up another school? You all gonna shoot up a school.‚ÄĚ Yes, the man was accusing a bunch of schoolboys from Kentucky of wanting to murder their classmates ‚ÄĒ solely because they‚Äôre white. Once the Israelites figured out the kids were Catholic, they offered this about what appeared to be a picture of the Pope: ‚ÄúThis is a faggot child-molester.‚ÄĚ And this about Donald Trump: ‚ÄúHe‚Äôs a product of sodomy and he‚Äôs proud. Your president is a homosexual. ‚Ķ It says on the back of the dollar bill that ‚ÄėIn God We Trust,‚Äô and you give faggots rights.‚ÄĚ At that homophobic outburst, the kids from the Catholic school spontaneously booed.

Die Jugendlichen, die auf ihren Bus warteten, beschlossen im Gegenzug ihre Schulhymnen zu singen. Aber sie entgegneten auch, dass die Beleidigungen der Israeliten rassistisch seien und fragten, warum sie sie Klansm√§nner nennen w√ľrden. Letztlich apellierten sie an die Toleranz der Israeliten.

Die 16-J√§hrigen Jugendlichen, auf Schulausflug in Washington, reagierten bedacht. Es sind immerhin Jugendliche. F√ľr viele Amerikaner jedoch ist eine Kopfbedeckung mit der Aufschrift „Make America Great Again“ bereits eine Unm√∂glichkeit, die man nicht verzeihen kann. Charles Blow zum Beispiel¬†schreibt,¬†dass diese Basecaps nicht einfach nur ein Symbol f√ľr Trump seien, sondern dass sie Ikonen f√ľr die wei√üe Vorherrschaft sind. Er vergleicht sie sogleich mit der Konfederierten-Flagge, wobei beide MAGA-Basecap und Flagge als Symbole dieselbe Funktion h√§tten. In anderen Worten: er assoziiert Trump mit einer Partei, die f√ľr die Skalverei stand. Viele Gegner Trumps sehen sich bereits als Teil des sogenannten Widerstands, denn die Republikaner repr√§sentieren eine Vorstufe des Nazi-Systems und Trump sei Hitler.

Begleitend zur Verrohung von Argumenten in postfaktischen Zeiten geht es nur noch um Narrative. Die Radikalisierung von politischen Ideen f√ľhrt zu diesem Ergebnis. Nun haben die linken Kreise in der Regel ein angebliches Monopol auf Intelligenz und so sind Analysen aus linken Kreisen in der Regel mit der vollst√§ndigen Wahrheit zu identifizieren. L√§ngst ist n√§mlich Rassismus nicht mehr die Abwertung eines anderen Menschen aufgrund seiner Rasse. Rassismus ist seit den einflussreichen Essays von Peggy McIntosh Anfang der 90er nur m√∂glich, wenn er mit Privileg kombiniert ist. Das hei√üt, Schwarze gelten als ewig Unterdr√ľckte, k√∂nnen nicht rassistisch sein. Wei√üe aber, weil sie von der Unterdr√ľckung bis heute profitieren, sind per se rassistisch.

F√ľr Sullivan ist die gespaltene Gesellschaft daher Restultat von immer haltloseren Begriffen, die nur im Jargon ihrer eigenen Gruppe genutzt werden, aber dar√ľber hinaus nicht zur Diskussion stehen. Es ist Begriffstribalismus.

Ein Freund von mir auf Facebook hatte dazu auch nur Folgendes mitzuteilen:

Is it tribalism to find fault with a gang of teenagers surrounding an elderly native man and pointedly donning the emblem of a prominent known racist?¬†That seems like a bar so low it’s meaningless.

„Ist es Tribalismus eine Gang von Teenagern abzulehnen, die einen alten Eingeborenen umzingeln und dabei das Emblem eines bekannten Rassisten zur Schau stellen? Hier erscheint der Standard sehr niedrig zu sein.“

Doch hier ist das Problem. Weil viele Amerikaner nur Informationen aus den eigenen Reihen zulassen, wird √ľbersehen, dass Phillips, der Ureinwohner, sich in die Gruppe der Teenager gedr√§ngt hat. Gefolgt von einer professionalisierten Youtube-Crew wurde das Video dann als Angriff zurechtgeschnitten. Das komplexere Material jedoch zeigt, dass wir nicht sagen k√∂nnen, dass Phillips umzingelt worden ist. Phillips behauptete im Nachgang, dass er Gewalt verhindern wollte. Aber warum pickt Phillips sich dann die Teenager¬† und nicht die Isrealiten raus? Dass Phillips mit seiner Trommel in eine Gruppe von Teenagern gegangen ist, wird reinterpretiert als ein Versuch, die aufgebrachten Teenager zu beruhigen. An Deeskalationsseminaren hat er daher sicher nicht teilgenommen. Dass er dabei aufdringlich einen Jungen herauspickt und ihm die Trommel vors Gesicht h√§lt, ist besch√§mend. W√§hrenddessen¬†lie√üen sich die anderen Ureinwohner in Debatten verwickeln: die wei√üen Teenager w√§ren Besetzer des Landes. Sie h√§tten daher keine Rechte. Ich will hier nicht so weit gehen und die Ureinwohner als Anti-Immigranten bezeichnen. Der historische Sachverhalt ist komplex. Aber besonnen sind sie auch nicht.

Rassismus existiert noch heute, vor allem in den USA, aber mit der gegenw√§rtigen Tendenz, Argumente f√ľr die eigene Gemeinschaft zu servieren, wird Donald Trump ein zweites mal wiedergew√§hlt werden. Die Demokraten glauben, sie m√ľssten nur lauter rufen und picken sich daher individuelle Einzelf√§lle heraus. Rassismus jedoch ist ein makro-soziologisches und makro-√∂konomisches Ph√§nomen. Es ist das Resultat von einer historischen Benachteiligung der Schwarzen. Martin Luther King hatte bereits angemerkt, dass die Wei√üen freies Land in den 50ern bekamen, w√§hrend die Schwarzen sich nur in den Vorst√§dten verdingen konnten. Das Bildungsniveau blieb bis heute niedriger als bei Wei√üen. Entsprechend ist die sozio-√∂konomische Teilhabe am Wohlstand geringer. Dennoch hat die Gesellschaft sich weiter entwickelt und Schwarze k√∂nnen Pr√§sident werden. Individuell, so auch meine Erfahrung, findet Diskriminierung nicht mehr in der Weise statt, dass die Gesellschaft gespalten w√§re. Rassismus ist immer weniger das Problem von individuellen Begebenheiten.

Die gröbere Teil der Debatte verläuft emotional in der Weise wie eben die Amerikaner auch ihre Hollywood-Filme produzieren.

 

Die Zeitkritik zum Film lohnt sich, denn Rassismus als Konfrontation zwischen Individuen ist selektiv und ein Problem der 50er. Heute ist Rassismus subversiver.¬†Das Emotionskino bildet den Rassenkonflikt als Geschichte zwischen zwei unterschiedlichen Protagonisten ab. Rassenkonflikte sind nur keine Frage von rassistischem Alltag mehr, sondern bilden sich nur noch im Aggregat als Folge von √∂konomischer Benachteiligung ab. Wie Trump k√∂nnen wir uns alle in der Sicherheit wiegen, dass wir selbst keine rassistischen Einstellungen haben. Dennoch ist die dominante Stellung der Wei√üen ein Problem. Dazu ein Beispiel: Als ich in Amerika lebte, wurde ich gefragt, ob ich an der Universit√§t Deutsch unterrichten m√∂chte. Das ist tats√§chlich sehr vorteilhaft, denn man kann je nach Intensivit√§t der Vorbereitung gut 50 bis 90 Dollar die Stunde verdienen. Ich habe dennoch abgelehnt. Ich wurde dann gefragt, ob ich jemanden kennen w√ľrde, der vielleicht Deutsch unterrichten k√∂nnte. Ich bin dann meine Bekannten durchgegangen. Am Ende war es ein Portugiese, der wirklich sehr gut Deutsch kannte und der dann den Job auch bekam. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch alle meine Freunde, die Deutsch konnten wei√ü. Da die Schwarzen weniger Kontakt mit Wei√üen haben, die Wei√üen aber vorrangig das Universit√§tsgeschehen dominieren, werden die Schwarzen tats√§chlich benachteiligt. Ich habe einen Wei√üen in die Stelle vermittelt. Zwar war ich nicht intentional rassistisch, dennoch war es aber eine Form der Benachteiligung. Kein Alltagsrassismus, aber systematischer Rassismus. Ich habe sp√§ter zwei Schwarze kennenglernt, die sich auch sehr f√ľr die Stelle geeignet h√§tten. Mein Freundeskreis als Ausl√§nder war sehr international. Der Durchschnittsamerikaner aber hat weniger als einen schwarzen Freund.

Man k√∂nnte dies nun alles differenziert darstellen. Nachdem sich die Schleusen des Internets aber f√ľr jeden ge√∂ffnet haben, haben wir es mit einem Medium ohne Qualit√§tskontrolle zu tun. Das bedeutet auch, dass die Begriffe, die im intellektuellen Diskurs gesch√§rft wurden, nun zum Alltagsmobbing durchsickern. Wei√ües Privileg, toxische Maskulinit√§t oder wei√üe Fragilit√§t eignen sich alle hervorragend, um Individuen im Alltag klein zu reden. Leider aber und das ist meine Meinung, ist das Problem auf einer gesellschaftlichen Ebene zu betrachten. Es ist weniger individuell. Da die Amerikaner sich aber weniger auf derartige Diskussionen einlassen, wird die Spaltung genau an der Frage des komplexen Diskurses scheitern.¬†Zwar gibt es Schwarmintelligenz, aber auch Schwarmdummheit. So wie Schafe, die sich nur um die Herde bem√ľhen, sind auch die Begrifflichkeiten im Diskurs leider nicht kritisch gebraucht, sondern als Waffen. Mit dem zus√§tzlichen Eintreten von Schultz in den Wahlkampf wird das demokratische Lager weiter geschw√§cht werden. Ein zweiter Wahlsieg von Donald Trump ist daher leider m√∂glich.

Dr. Norman Schultz, Neubrandenburg, Februar 2019

 

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Von der Globalisierung und dem Verschwinden unserer Kultur – Interview mit Alfred Eisleben

Ich bin wieder zur√ľck in Deutschland. Derzeit f√ľhre ich ein paar Interviews und konzentriere mich aufs Publizieren. So wird ein Artikel von mir zur Sloterdijk-Habermas-Debatte in Philosophy Today erscheinen.

Alfred Eisleben

Hier ist ein Interview-Ausschnitt von Gespr√§chen, die ich derzeit mit dem Philosophen Alfred Eisleben f√ľhre. Es geht um den Zustand unserer Kultur:

Norman Schultz: Glauben Sie, es gibt unsere Zeit noch?

Alfred Eisleben: Ich bin nicht der J√ľngste, aber ich habe manchmal das Gef√ľhl, dass bis in die 90er noch ein distinktives Lebensgef√ľhl vorherrschte. Sicher war dies auch eine mit Plattit√ľden √ľbers√§ttigte Kultur, doch ab ab dem Jahr 2005 setzte eine Art internationale Multiplizit√§t ein: Keine gemeinsame Musik, eine unglaubliche Diversifizierung in unendliche Subkulturen, so dass Subkulturen selbst verschwanden.

Norman Schultz: Das heißt, es gibt unsere Zeit nicht mehr?

Alfred Eisleben: Enzensberger sagte schon, dass die Realit√§t ein P√ľree sei. Wom√∂glich ist es aber so, dass wir unsere Zeit erst mit Abstand erkennen. Wir sind einfach zu nah am Bild, um im Bild zu sein.

Norman Schultz: Aber könnten wir nicht sagen, dass unsere Zeit gerade in der Diversifizierung besteht?

Alfred Eisleben: Sehen Sie, das ist merkw√ľrdig. Auf der einen Seite erscheint es, als k√∂nnten wir immer mehr Unterschiede ausmachen, jeder hat einen Trend und eine Fangemeinde, auf der anderen Seite ist alles der Effekt einer endlosen Globalisierung. Wo das Internet in jede Ecke des Individuums kriecht und es ausleuchtet, dort gruppieren sich Individuen als Individuen, die allesamt sehr √§hnlich sind. Kulturen verschwinden im¬† Medium der √∂ffentlichen Pr√§sentation. Auf der Moraloberfl√§che des √Ėffentlichen kann eigentlich nicht viel wirklicher Lebensunterschied Bestand haben.

Norman Schultz: Aber es gibt doch noch Unterschiede.

Alfred Eisleben: Wenn dann nur, um die Individualit√§t zu betonen. Der gr√∂bere Teil der Menschheit hat sich auf Konsumpr√§sentation eingeschworen. Identit√§t besteht heute aus einer bunten Instagram-Wand, wo Mode und Lifestyle pr√§sentiert wird. Von Europa √ľber Afrika und Asien gibt es da nur Nuancen in der Pr√§sentation.

Norman Schultz: Woher kommt dieser Trend zur Einheit?

Alfred Eisleben: Wir haben das Internet als Lagerfeuer entdeckt und weil wir gerne unsere eigene Geschichte erz√§hlen, nutzen wir es genau daf√ľr. Es ist der potentielle¬† Versammlungsort der Menschheit. In die sozialen Hallen von Facebook k√∂nnen ja eigentlich alle aufgenommen. Das Internet ist ein Club ohne Aufnahmebeschr√§nkung.

Norman Schultz: Aber so harmonisch geht es dort ja nicht zu.

Alfred Eisleben: Nat√ľrlich grenzen sich Individuen voneinander ab. Sprachen trennen noch zu gro√üen Teilen. √úber die Familiebande hinaus werden aber vor allem Zweckfreundschaften gesucht.¬†Anhand dieser Freundschaften werden dann verschiedene sozio-kulturelle Bereiche aufgeteilt. Subkulturen etablieren sich nun eher in Bezug auf verschiedene politische B√ľndnisse und Konsumbed√ľrfnisse.

Norman Schultz: Es sind also viele Lagerfeuer geworden.

Alfred Eisleben: Und doch ist in allen dieselbe Flamme der Identitätssuche am Werk. Identität aber wird im Rahmen von gesellschaftlichen Vorgaben produziert. Es gibt keine Freiheit ohne Gesellschaft, in der wir uns produzieren. Je mehr das Internet eine Weltgemeinschaft ohne Grenzen ist, destwo weniger gibt es wirkliche Unterschiede.

Norman Schultz: Aber gegen den Trend der Monokultur gehen doch viele Menschen an?

Alfred Eisleben: Das Problem ist vielschichtig. Die Abgrenzung von¬† der Monokultur ist n√§mlich Teil der Monokultur selbst. Niemand kann sich vern√ľnftig als Individuum inszenieren, wenn er nicht gleichzeitig sich abgrenzt. Abgrenzung ist ein wichtiges Kriterium.

Norman Schultz: Beispiele?

Alfred Eisleben: Gegen die Globalisierung setzt sich zum Beispiel eine Flat-Earth-Society an die Spitze. Sie ist selbst ein Sammlungsort. Viele glauben, es handele sich dabei um Internetrolle, aber hinter Verschw√∂rungstheorien steht eine ultra-rechte oder radikale Theorie, die der Globalisierung entgegen tritt. Flat-Earthers sind nur ein Symptom von Menschen, die die Welt im Wesentlichen nicht mehr verstehen. Wir beobachten im Grunde genommen,¬†wie sich der erste Mob im Internet immer effektiver versammelt. Im Weiteren m√ľssen wir hierzu alle Verschw√∂rungstheorien z√§hlen.

Norman Schultz: Das heißt die Verschwörungstheorie ist die eigentliche Verschwörung?

Alfred Eisleben: Menschen, die sich auf eine eindeutige Theorie festlegen, sind innerhalb dieser Theorie sehr leicht manipulierbar, ja. Die Instrumentalisierung von Klimaleugnern in Trumps Präsidentschaft zeigt dies sehr klar. Im Grunde genommen gibt es nur wenige effektive Verschwörungen, die echt sind. Das meiste beruht auf einem falschen Verständnis von Wissenschaft.

Norman Schultz: Aber kommen wir nochmal zu unserer Zeit. Einerseits sagen Sie, unsere Zeit existiert nicht mehr, auf der anderen Seite sagen Sie, unsere Zeit ist eben eine Monokultur.

Alfred Eisleben: Unsere Zeit kann nicht mehr eindeutig existieren. Was aber existiert, ist der Effekt, den das Internet auf unsere Identitätsbildung hat. Das ist weniger Zeitgeist als vielmehr Ungeist.

Norman Schultz: Was ist die wesentliche Funktion des Internets beim Aufkommen des Ungeists?

Alfred Eisleben: Im digitalen Spiegel √ľbernehmen wir die Rolle des Anklagenden, des Angeklagten und letzlich auch des Richters. Kant bezeichnete diese Dreiteilung des Denkens als die kritische Funktion der Vernunft, die M√∂glichkeit auf uns zu reflektieren. Kants Ideal reflektierte auf die Spaltung des Selbsts w√§hrend der Herausbildung einer neuen moralischen √Ėffentlichkeit innerhalb des st√§dtischen B√ľrgertums. Kant zeigte damit ein Selbst, das sich als ein verantwortungsvoller B√ľrger vor einer lokalen √Ėffentlichkeit verstehen musste. Unter dem gegenw√§rtigen Konformit√§tsdruck des digitalen Auges wird ein anderes Selbst geformt. √Ėffentlichkeit ist nun zu gro√ü geworden, um noch ein klares Selbst hervorzubringen.

Norman Schultz: Das Internet ist also zu vielfältig, so dass wir uns darin finden könnten?

Alfred Eisleben: Es ist ein Spiegelkabinett, in dem vor allem eitle Menschen sich verlieren.

Norman Schultz: Alles ist eitel. Wie können wir damit aber umgehen?

Alfred Eisleben: Kultur bedeutete urspr√ľnglich pflegen und anbauen. Ein Garten zum Beispiel repr√§sentiert Kultur als eine Optimierung der Natur durch menschliche Pflege. Mit unserer Geburt werden wir in ein √§hnliches Kultivierungsprogramm geboren.¬† Wir sind dazu angehalten, unsere Naturanlagen optimal auszubeuten. Wir sind nicht mehr nur wir selbst, ein St√ľck Natur, das aus seiner Mitte in die Natur und den Tag hineinlebt, sondern wir sollen jemand anderes werden. Wir sollen √ľber unsere Natur hinauswachsen. Aus dem rohen Naturstein, der sich wie ein Findling vor unserem Auge vorfindet, sollen wir eine √∂ffentliche Statue formen. Ein √∂ffentliches Profil, das der √∂ffentlichen Anerkennung eines sozialen Netzwerkes entspricht. Jener Zwang zum digitalen Lebensplan wirft seinen Schatten auf unsere nat√ľrliche Form. Ich kann nicht sagen, wie wir damit umgehen k√∂nnen.

Norman Schultz: Gut, vielleicht k√∂nnen Sie es f√ľr uns weiter analysieren. Was ist der heutige Kultuvierungsauftrag, der ja noch wirksam sein muss. Wir sind ja nicht kulturlos.

Alfred Eisleben: Der implizite Kultivierungsauftrag beginnt in der Schule als explizite Anleitung ein Anderer zu werden. Spieltriebe m√ľssen unterdr√ľckt werden und Lernen bedeutet sein Gehirn an der Schmerzgrenze zur Langeweile zu trainieren. Das Verfahren des Lernens hat sich dabei selbst gewandelt. L√§ngst sind Zuchtmittel auf der gesamten Welt verp√∂hnt. Lehrer schlagen nicht mehr, werden nicht mehr laut oder bestrafen. Der effektive Lehrer ist eher ein Moralinstallateur. Er muss sich in die noch weiche Psyche seiner Sch√ľler schleichen und ihnen beibringen, wie sie sich bei Misserfolgen selbst verachten und innerlich durch Scham und Selbstmissachtung bestrafen. Dieses Erziehungsmodell ist schlicht effizienter als jede Art Pr√ľgel. Der Sch√ľler, der sich selbst bestraft, ist das Modell unserer Gegenwart. Der Sch√ľler muss sich vor allem an sich selbst abh√§rten.

Norman Schultz: Aber dieses Modell w√ľrde doch kein Lehrer, der an einer Schule lehrt unterschreiben.

Alfred Eisleben: Nat√ľrlich ist es nicht so, dass Lehrer diese Lebensmoral bei vollem Bewusstsein verordnen. Wir folgen alle einer gesellschaftlichen Logik.¬†Es hei√üt nicht mehr ‚Du sollst!‘ Derlei Gebote sind wie die christliche Religion au√üer Mode geraten. Die Kultivierung ist effizienter und subtiler geworden: „wenn du lieber du selbst bleiben willst, dann ist es deine Sache. Dein Misserfolg ist deine Schuld.“ Wer das Abt√∂ten der unordentlichen Natur nicht annimmt, wer seinen inneren Garten nicht trimmt, wer ein wildes Gew√§chs bleibt, der kann kein vollwertiges Mitglied einer digitalen Entwicklungsgemeinschaft sein. Die Moderne ist ein T√∂tungsprojekt, dass Natur mit kultivierter Pr√§sentierbarkeit ersetzt. Lehrer achten vor allem auf diese Pr√§sentierbarkeit und sind damit Schergen einer Eitel- und Aufmerksamkeits√∂konomie. In der digitalen √Ėkonomie gewinnen die Vorzeigebiografien. Dabei entwickeln wir jene Monokulturen, die am Ende nicht mehr √ľberlebensf√§hig sind.

Norman Schultz: Ist es also doch eine Verschwörung?

Alfred Eisleben: Nein, keine Verschw√∂rung. Niemand in der Welt beteiligt sich offensiv am B√∂sen. Diese Identifikation mit dem B√∂sen gelingt nur ganz wenigen Psychopathen. Stattdessen beteiligen wir uns alle. Niemand will aber von seinem Tod wissen, deswegen kommt dieser selbst auf leisen Sohlen. Niemand sitzt in einer Verschw√∂rungskommandozentrale und spielt den H√ľter und Treiber des Kapitalismus. Eher ist es die soziale Kontrolle, die als undeutliche Macht in allen Alltagsformen auf uns einwirkt. Wenn wir es mit einer Verschw√∂rung zu tun haben, dann mit einer Verschw√∂rung einer unbekannten Macht, die in jedem von uns in minimaler Dosis wirkt.

Norman Schultz: Das h√∂rt sich nach Foucault an. Die Frage ist nun aber, wie sich die Transformierung der sozialen Macht vom physischen Strafen √ľber das psychische Selbstbestrafen in die digitale Pr√§sentations√∂konomie vollzogen hat.

Alfred Eisleben lacht: Ja, das hat mein alter Freund Foucault so gesehen.¬†Nach wie vor ist Lernen ein langsamer Prozess. Gehirne werden nur langsam in die gew√ľnschte Form gebracht.¬† Laute Gewalt ist in Verruf geraten. W√§hrend einige Abgeh√§ngte noch auf die klassische Tracht Pr√ľgel setzen, ignorieren die Softies den toxischen Rest einer ineffizienten Gewaltgemeinschaft. Nach der Verordnung des Femminismus ist toxische Maskulinit√§t nun das √úbel, das nach und nach durch eine angeblich sanfte Kommunikationsgemeinschaft ersetzt werden soll. Das Physische wird nach und nach durch das angeblich gewaltlose Argument ersetzt und so reden wir √ľber Probleme, bis unser alter K√∂rper verschwindet und ein neuer, hormonloser Einheitsk√∂rper im Spiegel der Kulturdebatten erscheint. M√§nnlichkeit ist nun Rohheit, w√§hrend die sanfte Form der Weiblichkeit sich als neue gewaltlose Gewalt feiert. #metoo ist eine Kampagne, die zwar zu Recht auf Seiten der Unterdr√ľckten steht, zugleich aber Teil einer Selbstunterdr√ľckungsentwicklung ist. Der Konformit√§tsdruck einer durch und durch moralischen Lebensform kommt nun zum Ausdruck und brennt als das aggressivste Feuer im Internet. Alle Formen menschlicher Beziehungen werden zu einer √∂ffentlichen Facebook- und Twitterdebatte umgeschmolzen. Jede Abweichung muss nun unter dem Verdacht eines der schrecklichsten Verbrechen stehen. Die, die am lautesten schreien, sehen die Vergewaltigung √ľberall. Man muss da schon auf Zehenspitzen durchs Internet schleichen. Ein Mann im Internet zu sein bedeutet als Elefant im Porzellanladen zu leben. Im selben Diskurs ist jede Abweichung von der √Ėffentlichkeitsnorm Vergewaltigung, Gewalt und Rohheit. Die Bewegung verdeutlicht, dass unser gesamtes Verhalten moralisiert werden wird. Die digitale √Ėffentlichkeit erzeugt einen wesentlich h√∂heren Moraldruck.

Norman Schultz: Haben Sie keine Angst, dass Ihre √Ąu√üerungen auch solche Effekte auf den Plan rufen k√∂nnen?

Alfred Eisleben: Es ist besser, Kritik in eher unerreichbarer Theorie zu verstecken. Das habe ich in China auch immer so gemacht. Aber mittlerweile bin ich zu alt, als dass ich mich noch f√ľr meinen Ruf interessiere. Ein Shitstorm weht auch nur im Internet.

Norman Schultz: Das Hauptproblem besteht also darin, dass wir nicht mehr auf die Effektivit√§t setzen, sondern wir richten uns eher nach einer moralisierten Lebensform, die in der digitalen √Ėffentlichkeit entsteht.

Alfred Eisleben: Ja, das ist das Hauptproblem. Trotz der allgemeinen Forderung nach Achtsamkeit und der √úberbelegung von Yoga-Kursen bringen wir unseren eigentlich gesunden K√∂rper nicht in √úbereinstimmung mit einem gesunden Geist. Ein gesunder Geist muss seinen K√∂rper nicht sinnlos √ľberoptimieren. Effektivit√§t bedeutet, die Arbeit zu erledigen, die den gr√∂√üten Erfolg bringt. Der Rest kann vernachl√§ssigt werden. Im Rahmen des √∂ffentlichen Lebenswerkes m√ľssen Menschen jedoch nach h√∂chster moralischer Effizienz streben. Das digitale Selbst hat keine Fehler. Genau hier machen wir uns zum Athleten einer kapitalistischen Selbstausbeutung.

Norman Schultz: Können Sie diese Selbstausbeutung an einem Beispiel näher erläutern?

Alfred Eisleben: Am Beispiel der Gesundheit wird dies am deutlichsten. Wir schlie√üen Gesundheitsvertr√§ge mit Krankenkassen und unseren Arbeitgebern. B√ľros werden zu kleinen Fitnessstudios umgearbeitet, es gibt Meditationsr√§ume und es gibt Gesundheitsbeauftragte. Letztlich ist alles Gesundheitsausbeutung,¬†zus√§tzliche Arbeit, die wir in unseren K√∂rper investieren m√ľssen. Gagdets, die wir heute tragen, h√§tten fr√ľher Strafgefangene √ľberwacht. Langsam √ľbergeben wir daher unsere K√∂rper einer h√∂heren Produktivit√§t. Zun√§chst zeigt sich das in den kleinen, unsichtbaren Sozialzw√§ngen. Nach und nach wird die Kontrolle so stark, dass wir sie nur mit einem Burnout zerbrechen k√∂nnen.

Norman Schultz: Aber ist es nicht gut, wenn wir ges√ľnder werden?

Alfred Eisleben: Das Problem ist nicht der Wille gesund zu sein, sondern das Problem ist die ideologische Biopolitik, die die Subjekte vereinnahmt.¬†Schauen wir im politischen Diskurs auf korpulente Mitb√ľrger, so schleicht sich der Gedanke von Versagern ein. Sie haben versagt, sich in das sportliche Gesundheitssystem zu integrieren. Faul, gef√ľhlsduselig und nur mit einem schwachen Willen beseelt, so sehen wir es. Die Armen degenieren. Dabei, so hei√üt es, m√ľssten wir ihnen in der Schule nur beibringen, wie man vern√ľnftig kocht. So ist es kein Zufall, dass die Vielfalt an Ern√§hrungsformen mit der sozialen Teilhabe an sozialen Netzwerken korreliert. Unser t√§glich Brot wird zunehmend fotografiert und inszeniert. Es gibt schon keinen Winkel mehr auf der Welt, der nicht von einem Instagrammer ausgeleuchtet worden ist. Wer dann auch noch vegan ist, kann dies als alternative Lebensmode pr√§sentieren. Wer im Gegenzug nicht zur ethischen Lebensform taugt, inszeniert brutale Fleischorgien. Das Selbst hat einen digitalen Spiegel gefunden, in dem es sich nun anders inszeniert als vor 20 Jahren. Unser Selbstverst√§ndnis befindet sich in einer radikalen Neubegr√ľndung. Wenden wir diese kapitalistische Selbstausbeutung im Weiteren auf das Wellness-syndrom an, so wird unser Konzept von Gesundheit derationalisiert. Viele Studien zeigen zum Beispiel, dass organische Bio-Ern√§hrung nur minimal Einfluss auf die Gesundheit hat. F√ľr viele ist¬† diese Ern√§hrungsform jedoch moralisch essentiell. Wer nicht √∂kologisch isst, verdient beinah den Krebs. Obwohl es allgemein bekannt ist, dass √§u√üere Umweltfaktoren,¬†Alkohol, Rauchen aber auch genetische Faktoren einen viel h√∂heren Effekt auf unser Krebsrisiko haben, isst eine angemessene Ern√§hrung Teil einer gesunden Biographie. Die digitale Selbstver√∂ffentlichung steht mit diesen Trends im Einklang. Ern√§hrung ist heute Identit√§t. Jedwede Form von Ern√§hrung. In diesem Sinn sind wir divers, aber allen ist gemein, dass sie Abgrenzungsrituale betreiben.

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Wer mit Alfred Eisleben in Kontakt treten möchte, kann das hier.

Norman Schultz, Neubrandenburg, Januar 2019

Bildattribution: Helgi Halldórsson from Reykjavík, Iceland [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

 

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DoktorUpgrade – Auf der Suche nach neuen Ideen

Vor ungefähr 6 Jahren habe ich meine Doktorarbeit in den Vereinigten Staaten begonnen. Zunächst mit einer Assistentenstelle, später dann mit einer Ergänzungsstelle (adjunct professor). Genug zum Leben.

Mit dem Abschluss meiner Dissertation bin ich froh, dass Pittsburgh mittlerweile als das Zentrum der Philosophie gilt. Ich bin froh, dass ich meine Dissertation zu einigen der zentralen Figuren der heutigen Philosophie- Geschichte schreiben konnte und ich bin dankbar, ich bin wirklich dankbar, dass ich das Leben in Amerika erleben durfte. Ich habe gesehen wie Obama President geworden ist und ich habe auch gesehen, wie Trump ihn abgelöst hat. Das sind gut 10 Jahre Erfahrungen aus erster Hand in einem Land, das so gespalten ist, wie kein Zweites.

Mein Dissertationskommitee. Dean Swindal, Dr. Selcer und Dr. Rockmore. Ich bin sehr froh, dass Dr. Rockmore es von der Beijing university geschaft hat, meine Dissertation zu besuchen.

Und nun? Weiterlesen

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Zur Forderung nach einer neuen Intellektuellenkultur – Warum Sloterdijk doch besser als Precht ist.

Reader

Die Alphabetisierung war ein intellektuelles Programm, dass sich nicht an den praktischen Bed√ľrfnissen der damaligen Gemeinschaft orientierte. Photographer: Ichut Title: Reader Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0)

Wir brauchen eine neue Intellektuellen-Kultur schreibt Krisha Kops in The European, dem Debattenmagazin. Schlie√ülich, so werden wir anekd√∂telnd eingef√ľhrt, w√ľrde es auch Ernst Cassirer so sehen, der damals Albert Schweitzer als einen „Mann der Tat“ entdeckte. Kops Thesen sind simpel und alt. Wir h√§tten das Gleichgewicht von Theorie und Praxis verloren. Im Moment w√ľrde die Theorie regieren. Ganz im Gegensatz br√§uchten wir wieder Philosophen mit ‚ÄěSchwielen an den H√§nden‚Äú. Philosophen, die wieder die Sprache ihrer Mitmenschen sprechen. Denn, wie sagte Schweitzer, ‚Äě[a]lles Tiefe ist zugleich ein Einfaches und l√§√üt sich als solches wiedergeben, wenn nur die Beziehung auf die ganze Wirklichkeit gewahrt ist.‚Äú Eigentlich ein Text, der in jedes Jahrhundert passt. Beispiele oder soziologische Evidenz f√ľhrt Kops daher nicht an. Ein wenig Plausibilit√§t gen√ľgt. Ein Text, der plausibel genug ist, um auf einer kurzen Fahrt von der Arbeit nach Hause zu √ľberzeugen. Wie eben auch bei Argumenten f√ľr Hom√∂opathie, gegen die EU oder f√ľr Trump ist dies eine ausreichende Strategie. Hier ein Thesen√ľberblick:

  • Unsere Zeit wird von Theoretikern beherrscht.
  • ¬†Die Wirklichkeit sei im Grunde genommen einfach.
  • ¬†Philosophen m√ľssen Praktiker sein.

  Jede These ist problematisch, lässt sich aber bei allgemeiner Akzeptanz wunderbar in einen Syllogismus verpacken:

  • Pr√§misse (1): Theoretiker missverstehen die Wirklichkeit
  • ¬†Pr√§misse (2): Die Wirklichkeit ist ein einfach und durch Praxis zu verstehen.
  • ¬†Konklusion: ¬† Philosophen m√ľssen Praktiker sein.

¬†Das gesamte Textkonstrukt ist schon ein wenig naiv. Als erstes w√§re schlie√ülich die Frage zu stellen, warum Theorie und Praxis √ľberhaupt in einem extremen Verh√§ltnis zueinander stehen k√∂nnen. Wie kommt es, dass wir Theorie und Praxis √ľberhaupt gegeneinander ausspielen k√∂nnen? Hier m√ľssten wir eigentlich auf ein bew√§hrtes Konzept der Philosophie zur√ľckgreifen: Dialektik. Wenn Philosophie n√§mlich die R√ľckkehr von den Extremen ist, wie es seither in der Dialektik der Fall ist, dann m√ľsste Kops zun√§chst erstmal auf die Gr√ľnde reflektieren, warum Theorie und Praxis als Gegenspieler auftreten. Stattdessen zitiert er, wie bei diesem Thema schon Standard, die These Feuerbachs (nicht etwa die Engels‘ oder Marx‘):¬†

„Es komme auf die „Marx‚Äôsche (und Engel‚Äôsche) These an, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie tats√§chlich zu ver√§ndern.“

Nun ist Marx mit seiner Frage nach der Revolution jedoch nicht so einfach einzuordnen. Klar ist, dass er irgendwie meinte Hegel vom Kopf auf die F√ľ√üe zu stellen.¬†So weit die simple Interpretation von Marx.¬†Die sp√§te Publikation der fr√ľhen Manuskripte von Marx im Jahre 1932 entfaltete sich jedoch als eine Revolution in der Marx-Exegese. Zeigte sich doch, dass Marx zutiefst Hegelianischer Denker war. Praxis und Theorie waren in einer Weise aufeinander bezogen und verschlungen, die er von Hegel lernte und dann an dessen Logik kritisierte. Marx war somit eben auch ein zutiefst theoretischer Denker, der Dialektik von Hegel nicht als These, Antithese und Synthese verstand, so wie es oftmals von den Marxisten falsch verstanden worden ist. Ganz im Gegensatz konnte er Hegels Ph√§nomenologie fortf√ľhren. Das hei√üt, er verstand Hegels Dialektik, n√§mlich eine Theorie aus der praktischen Beobachtung heraus zu entwickeln und die gewonnenen Einsichten immer nur als vorl√§ufig anzusehen. Gegen die Misinterpretation der an den Universit√§ten herrschenden Rechtshegelianer verstand Marx es daher die Dialektik an der Gesellschaft nachzuvollziehen. Das hei√üt, Marx war erstens kein Praktiker und zweitens waren seine Thesen eben auch nicht einfach, sondern wissenschaftlich komplex. Nun gut, auch Kops geht √ľber seine Einfachheitsthese hinaus: „Sie [die Gesellschaft] wiederum lediglich ver√§ndern zu wollen, ist, wie die Geschichte bezeugt, auch nicht die L√∂sung.“ Die Einsicht in die Komplexit√§t von Ver√§nderung bringt Kops daher zu seiner Schlussfolgerung, es m√ľsse Gleichgewicht zwischen Theorie und Praxis geben.

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Photographer:Kim, Title: A Reader, Paris 2017 Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Mit jener Position kann er dann auch √ľber Sloterdijk und Precht urteilen. Da Sloterdijk im Elfenbeinturm wohne, w√§re er abzulehnen. Precht als Praktiker (warum er nun Praktiker ist erschlie√üt sich mir nicht) w√§re demnach vorzuziehen. Sloterdijk, ganz im Gegensatz zu Kops Beurteilung und Vorgehen, erkennt jedoch, dass Philosophie eben die R√ľckkehr von Extremen ist. Bei Weitem ist er Kops simpler Forderung nach mehr Praxis √ľberlegen. F√ľr Sloterdijk w√§re sofort klar, dass die Philosophie weder in Praxis noch in Theorie anzusiedeln ist, sondern das beides Begriffe sind, die erst einer philosophischen √úberlegung entspringen. Hier ist auch das Problem mit Precht, den Kops ja lobend hervorhebt. Ganz im Gegensatz zu Kops These ist Precht Theoretiker, der sich als Praktiker verkauft, weil er Dinge einfach sagt. Wenn man nun jedoch Dinge einfach sagt, die in Wahrheit kompliziert sind, dann abstrahiert man zu stark, ein Fehler, der eigentlich dem Theoretiker widerf√§hrt. Wie verh√§lt es sich aber dar√ľber hinaus mit Kops These, dass die Welt eigentlich ganz einfach ist? Erwarten wir wirklich, dass ein hochkomplexer, mathematischer Beweis einfach ist? Es ist sch√∂n, wenn er vereinfacht werden kann, aber es ist nicht notwendig der Fall, dass Mathematik am Ende einfach ist? Einfachheit ist nicht notwendig ein Kriterium f√ľr Wahrheit. Dinge, die wir behaupten, sollten eher in einer bestimmten Weise wahr sein. Lieber etwas Kompliziertes, das wahr ist als etwas Einfaches, das falsch ist.

Kops hingegen folgt seiner Einfachheitsthese und benutzt die steife und simple Unterscheidung von Schul- und Weltbegriff, eine wenig reflektierte Unterscheidung, um die Situation auf den Begriff zu bringen:

Schulbegriff: „die streng akademische, fachorientierte, mit Fachtermini durchsetzte Philosophie“ (Kant).

Weltbegriff: „fach√ľbergreifenden, f√ľr alle (oder zumindest viele) relevante Thematiken auseinandersetzt“

Gemessen an der simplen und ihm n√ľtzlichen Unterscheidung, kann Kops dann ihm genehm schlussfolgern: der „‚Äěpublic intellectual‚Äú, ist hierzulande oft mehr dem Schul- als dem Weltbegriff verschrieben.“ Weltbegriffsphilosophen wie Richard David Precht wiederum w√ľrden f√ľr ihre Popphilosophie von den Schultheoretikern angefeindet werden. „Dabei…“, so Kops weiter, „versucht er genau das, was Schweitzer tat und Cassirer forderte: das thematisieren, was alle betrifft, und zwar mit einem Duktus, der nicht nur f√ľr eine Bildungselite zug√§nglich ist.“ Ein paar Argumente streut Kops dann: „Precht hat sicherlich mehr Menschen dazu gebracht, √ľber ihren Fleischkonsum oder das archaische Schulsystem nachzudenken.“

Ein paar Beweise zur Wirksamkeit von Precht w√§ren schon ganz hilfreich. Und Schulreformen gibt es leider schon immer und bei allen Zeiten haben Philosophen √ľber starre akademische Betriebe geschimpft. Dass Precht sich die Schule als Kritikgegenstand herausgreift, ist daher kein Novum. Ob Philosophie im √úbrigen wirklich Menschen zum Vegetarismus inspiriert, ist ebenso fragw√ľrdig. Die Freiheit unserer Erscheinungen determiniert sich an vielen Objekten unserer Umgebung. Lebenswandel sucht sich seine Gr√ľnde. Ich bezweifle daher, dass ein allein philosophisches Argument Leben so grundlegend ver√§ndert. Ich glaube eher Leben ver√§ndern sich und dann finden wir philosophische Argumente in der Reflexion. Precht wird vor allem von Vegetarieren zustimmend verdaut. Letztlich sind es Ideen, die uns ergreifen und zur Praxis bewegen, die hat aber Precht nicht erfunden, sondern sie zirkulieren in unseren Debatten.

Aber gut, wie sieht es damit aus. Sollte ein Philosoph einfache Lebensmaximen vorgeben? Kops These dazu: Intellektuelle (Weltbegriffbesitzer) m√ľssen den Massen praktisch helfen. Er schreibt konkret:

„Die Aufgabe der Intellektuellen sei es daher, die Massen intellektuell zu f√∂rdern, um so die erw√ľnschte Ver√§nderung in der Gesellschaft bewirken zu k√∂nnen.“

Hegel war schon immer skeptisch gegen den √ľberaktiven Weltverbesserer. Nicht, dass er diesen als Gutmenschen disqualifiziert h√§tte. Das ethische Leben ist auch notwendig, weil es einem inneren Willen folgt. Problematisch ist jedoch, wenn der einzelne Intellektuelle glaube, mit seiner Idee die Gesellschaft zum Besseren zu ver√§ndern. Das Problem des Radikalismus spielt hier hinein, worauf Sloterdijk zum Beispiel sehr weise in seinem Buch ¬†Die schrecklichen Kinder der Neuzeit¬†hinweist: Wir haben vielleicht mehr zu verlieren als nur unsere Ketten, verweist er einem seiner Artikel. Hegel w√ľrde hier fortf√ľhren, dass wir Individuen maximal Konzepte sch√∂pfen, die sich praktisch vielleicht im weiteren Weltgeschehen √ľber die Jahrhunderte realisieren. F√ľr Hegel sch√∂pft sich Ver√§nderung daher beim praktischen Theoretisieren. Der Theoretiker, der die Welt erst verstehen will, bevor er √ľber sie urteilt, ist Ursprung der Ver√§nderung. Precht hingegen will nicht verstehen, sondern ver√§ndern oder besser Ver√§nderung fordern.

Am Ende wird klar, dass Kops sich eher einer populistischen Argumentation bedient, um letztlich die Eliten abzuurteilen. Seine Thesen: Aufgrund verschwindender Klassen, und dem Aufkommen der Popkultur tendieren nach Kops die Eliten zum asketischen R√ľckzug. Zur Kunst formuliert er folgende These: „Kunst wird intellektualisiert und l√§sst ‚Äěungebildeten‚Äú, anders als in der klassischen Moderne, gar nicht erst einen Schritt in das Museum oder die Galerie wagen.“

F√ľr meine Gegenthese w√§re es nicht schwer Argumente zu finden: Es gibt sehr wohl noch Kunst, die es mit der Gegenwart aufnimmt. Ganze Sinfonische Orchester verkaufen ihre Zeit an Popmusik und Kollaborationen sind an der Tagesordnung.

Weitere These Kops um R√ľckzug der Eliten ins Unverst√§ndliche: „Das Gedicht hermetisiert sich zunehmend, hinterl√§sst immer mehr Wei√ü auf dem Papier und Unverst√§ndnis beim Leser.“

Meine Gegenthese: Gedichtformen haben sich pluralisiert. Es wird mit mehr und mehr Formen des Ausdrucks experimentiert. Hip Hop ist alltäglich.

Warum Kops nun gerade, die Forschung am Instrument und am Wort in den Mittelpunkt r√ľckt ist fragw√ľrdig. Sollen wir alle Kindergedichte schreiben und nur noch Hip Hop veranstalten? Sollen sich sinfonische Orchester lieber um den ESC sorgen? Oder darf es noch erlaubt sein, auch im lyrisch- und musikalisch-praktischen Sinn zu „forschen“?

Letztlich ist auch Kops Elitebegriff absurd. Das Gedicht war doch noch nie Teil der Elite. Eliten sind doch eher diejenigen, die Marktglitches ausbeuten und sich daran ungerechter Weise bereichen. Wahrscheinlich haben nur Robert Gernhard und Hans Magnus Enzensberger Geld mit Gedichten verdient, ansonsten sind die geschm√§hten Theoretiker des Gedichts und der Musik eher Hungerk√ľnstler und keine wirklichen Eliten. Diese Eliten ins Visier zu nehmen hilft nun wirklich niemanden. Sollten wir so zum Beispiel Kant, einem der Gr√ľndungsv√§ter der aufkl√§rerischen Freiheit, seine Intellektualit√§t vorwerfen?

Fazit: Kritik am Establishment ist alt, unglaublich alt. Kritik an der Theorie ist mindestens ebenso alt. Daher eine Gegenfrage: Was wäre wohl aus unserer Gesellschaft, wenn Kant sich dazu entschieden hätte ein Precht seiner Zeit zu werden? Kop bedient sich einer einfachen Analyse um der Denkfaulheit eines Populargebildeten das Wort zu reden. Weniger Pop und ein mehr and Intellektualität wäre seiner Analyse jedoch nicht abträglich.

Warum ist Peter Sloterdijk also die interessantere Figur? Weil Precht einfache Antworten mit simplen Analysen anbietet, welche zu h√§ufig zu sehr simplifizieren. Sloterdijk bietet weniger L√∂sungen, sondern baut gro√üartige Analysen. Im Hegelianischen Sinne bedeutet dies, der Gesellschaft neue Konzept f√ľr die Zukunft zur Verf√ľgung zu stellen.

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Sonnenuntergang Winter

Mein Philosophie-Projekt neigt sich dem Ende entgegen, sowohl Dr.-Arbeit als auch die Beschäftigung mit Epistemologie.

Norman Schultz, Pittsburgh Juni 2017 (155, 45)

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Ein kurzes Gespräch zur Zeit mit Alfred Eisleben РÜber das kausale Verständnis der Gesellschaft und Trump

L√§sst sich der Trend der Globalisierung zur√ľckdrehen? K√∂nnen wir zu nationalstaatlichem Denken zur√ľckkehren? Ich glaube, dass hier die Einfalt eines Kausaldenkens dominiert, dass sich nicht auf komplexe Gesellschaftsmuster √ľbertragen l√§sst. Im Folgengenden daher ein fiktes Gespr√§ch mit Peter Sloterdijk, mir un Alfred Eisleben

Zu einer Theorie der Kaualität in Gesellschaft:

Norman Schultz: Aus wissenschaftlicher Perspektive erkennen wir die Komplexit√§t von Realit√§tsstrukturen. Wir interpretieren viel, k√∂nnen jedoch wenig voraus sagen. Donald Trumps Wahlsieg war von wenigen vorhergesagt, die sich nun als Propheten r√ľhmen. Wie k√∂nnen wir unser Umfeld, den Staat, Staaten und soziale Gebilde verstehen?

Alfred Eislebe

n: Da das Soziale keine eindimensionale Kausalit√§t besitzt, l√§sst es sich auch nicht mit √ľblichen Experimenten erfassen. Wir k√∂nnen nicht kausal bestimmen, was einen Krieg bedingt oder eine Revolution entstehen l√§sst. Kausalit√§t ist gemacht f√ľr ein Universum, zusammengesetzt aus Billiardkugeln. Unsere soziale Realit√§t hingegen ist ein Wechselwirkungsfeld, wobei vielleicht ein gutes Ma√ü an Zufall mit hineinwirkt. Es ist wie mit einem Baum, bei dem sich nicht sagen l√§sst, ob die Bl√§tter der Grund f√ľr die Wurzeln oder die Wurzeln der Grund f√ľr die Bl√§tter sind. Donald Trump hat gewonnen. Nun aber einzelne Ereignisse als kausal zu bestimmen ist schwierig und ist eher ein weniger intelligentes Unterfangen. Die Ironie an der Sache ist, dass Trump sich dieser Erkl√§rungsmuster gerne bedient.

Sloterdijk: „Es gibt in den Sozial- und Politikwissenschaften seit Langem ein gewisses Bedauern dar√ľber, dass man mit Gesellschaften, Kulturen und Staaten im Ganzen keine kontrollierten Experimente durchf√ľhren kann. Stets bleibt man auf die Beobachtung von Originalgeschehnissen aufgrund wirklichkeitsbildender Entscheidungen angewiesen, ohne eine vergleichbare Zweitwirklichkeit studieren zu k√∂nnen, in der alternative Entscheidungen zu anderen Geschehnissen f√ľhren.“ w√ľrden.“ http://www.zeit.de/campus/2012/04/kapitalismus-liebe-soziolgie/komplettansicht

Alfred Eisleben: Das kontrollierte Experiment ist eben auch nur ein Erfindung und das Experiment „Experiment“ scheitert an der Komplexit√§t der Gesellschaften. Hier lassen sich erstens aufgrund aller Risiken keine Experimente durchf√ľhren. Die ethischen Konsequenzen w√§ren einfach zu dramatisch. Zweitens sind die Ereignisse ohnehin nicht durch korrekte Beobachtung isolierbar. Stattdessen leben wir in einer Zweitwirklichkeit der Gedanken und fragen uns st√§ndig in Gedankenexperimenten, wie die Welt denn nun wirklich aussieht oder h√§tte aussehen k√∂nnen. Unser diskursives Denken f√ľhrt entlang relativ starrer Schienen und selbst viele, die sich kritischen Denkens r√ľhmen, fallen dabei auf diese Strukturen herein.

Norman Schultz: Der Witz ist ja gerade der, dass gerade gebildetere Menschen sich schneller aufgrund einer bestimmten, vermeintlich besseren Grundausbildung zu einem radikalen Paradigma bekennen. Das Bildung daher eine kritische Dimension besitzt, gilt mittlerweile als empirisch problematisch. Es ist eher so, dass je gebildeter ich bin, desto geschickter w√§hle ich die passende Antwort oder Statistik. Ein √§hnlicher Fall sind die Treppenwitze. Im intellektuellen Kapazit√§tsvergleich verfolgt uns st√§ndig ein zu sp√§t gekommenes Genie, das die zuvorige Situation schon h√§tte richtig behandeln k√∂nnen. Sp√§ter auf der Treppe f√§llt uns dann der richtige Witz ein. In der Reflexion korrigieren wir kognitive Dissonanzen und f√ľhren unsere Argumente unter der Dusche zu Ende.

Sloterdijk: „Konjektural-Geschichte“, die Frage nach dem „[w]as w√§re gewesen, wenn“. Das sind die „rationalen Spekulationen“, die versuchen, die „Plastizit√§t des Zuf√§lligen in der Geschichte“ zu verstehen. Aber in Wirklichkeit ist das „Reale selbst variantentr√§chtig“. In den „Centenar-Ver√∂ffentlichungen zum „Ausbruch“ des Ersten Weltkrieges“ „wird die Geschichte eines „v√∂llig √ľberfl√ľssigen“ Krieges klar, „dessen Ausl√∂sung der Zufall, die Fahrl√§ssigkeit und die Verblendung“ war.

Alfred Eisleben: Das Wirkliche ist in seiner Explosion in die M√∂glichkeit eben nicht vollst√§ndig entschl√ľsselbar. Die Geschichtssplitter fliegen uns wie von einer Explosion ausgel√∂st um die Ohren. Wir versuchen noch in einer gewaltigen Anstrengung die Vergangenheit zu ordnen und zu erfassen. Daher kann ich auch die Zukunft nicht vollst√§ndig prognostizieren, wir sind noch immer mitten im Urknall der Geschichte involviert. Es kommt daher darauf an, in dieser Chaoswelle intelligent zu raten.

Norman Schultz: Sloterdijk referiert an dieser Stelle pathetisch auf Macbeth und betont, dass „das Leben […] ein M√§rchen [sei], erz√§hlt von einem Idioten, voller Klang und Raserei, signifying nothing.“ Es sei ein „offene[s] Spiel des Werden-K√∂nnenden auf dem Weg zur Gerinnung ins Faktische“. Alfred Eisleben sieht daraufhin die Zeit als eine Temperaturbewegung, einen K√§ltesturm, der √ľber eine hei√üe Gegenwart hinwegfegt, die ein gefrorenes Eismeer von Faktizit√§t hinterl√§sst. Dieser „gefrorene Eisblock der Vergangenheit“ ist auch in der Menschheit angelegt, die sich daraus eine Art Zeitpalast gebaut hat, der durch die Tore von Archiven betreten wird. Zeit wird f√ľr den Menschen nutzbar und instrumentalisierbar. Geschichten sind Propagandainstrumente, die V√∂lker kausal gegen imagin√§re Feinde mobilisieren. In der Tat aber werden sie gegen sich selbst mobilisiert, wenn sie dann den Diktatoren ihre Stimme leihen.

In der Krise werde uns allerdings bewusst, dass diese Geschichten nur endliche Fabrikate des Menschen sind. Sloterdijk argumentiert zum Beispiel: Krisen bedeuten, dass „das komplizierte System der St√ľtzen und Halterungen, die das un√ľberschaubare Ganze verfugen, viel deutlicher hervortritt als zu ’normalen Zeiten‘.“ In der Krise werden die Experten dankbar in ihr Amt gehoben: „Das gibt den Experten f√ľr politische Dinge einen Zuwachs an Deutungskompetenz.“

Alfred Eisleben: Der Experte hat allerdings keine Deutungskraft, sondern ist ein fahrlässiger Urlaubsreisender, der gerne Anhalter mitnimmt und sie wie eine Oma berät.

Sloterdijk stimmt zu: [Der ] „Baader-Meinhof-Komplex [sei] eine systemisch bedingte Niederlage des Journalismus, ja des Mediensystems im Ganzen […]. Faktisch funktionierte¬†die mediale Spiegelung der Anschl√§ge¬†als der intensivste Terror-Reklame-Service.“

Norman Schultz: Experten sind also Nutznießer, Parasiten des eigentlichen Weltbetriebes?

Alfred Eisleben: „Da das Fernsehen in seinem 24 Stunden-Betrieb Informationen erzeugen muss, werden verschiedene Ereignisse ins Licht gezerrt, die statistisch eine untergeordnete Rolle spielen m√ľssen. Was die Menschheit am Ende bedroht ist nicht der Terror, sondern die Umw√§lzung des √Ėkosystems. Die wahren Massenverbrechen sind in der Ausbeutung des Tieres und der Pflanzen zu suchen. Experten aber spezialisieren sich auf emotionale Nahkatastrophen. Dar√ľberhinaus widmet sich die Blogosph√§re der Produktion von Aufmerksamkeit. Hier wird eine irreale, zuweilen surreale Zweitwirklichkeit monetarisiert. Monetarisierung bedeutet aber die Zweitwirklichkeit des Internets in eine Erstwirklichkeit umzubauen.

Norman Schultz: Sloterdijk empfiehlt „Lenins Dekrete √ľber den Roten Terror von 1918 wieder zu lesen, um zu begreifen, dass Terror nichts anderes als eine Version der Publizistik darstellt.“
Terror ist ein historisches Fabrikat, das B√∂se hat sich in den Bereich der Medien √ľbersetzt. Mit kausaler Deutungshoheit √ľbernimmt Trump daher sein Amt.
Wir werden einer neuen geschichtlichen Radikalisierung entgegen gehen. Die Diversifizierung im wissenschaftlichen Bereich bedeutet auch eine Amplifikation des Debilen, der Dummheit. Die intellektuellen Unterschichten haben diese Medien unter Kontrolle gebracht. Leider bedeutet eine Revolution der Masse auch immer eine Revolution der intellektuell Herausgeforderten. Selbst Bildung kann dabei nicht mehr die kritische Funktion in unserer Gesellschaft √ľbernehmen.

F√ľr das Hintergrundrauschen und eine Erinnerung an die Komplexit√§t empfehle ich den Nasa Lifestream, der bei mir jetzt regelm√§√üig als Bildschirmschoner l√§uft.

Ansonsten ist meine Photographie nun auf meinem Instagram-Account zu entdecken:


Doktorarbeit:

Meine Doktorarbeit ist etwas ins Stocken geraten. Ich versuche gerade darzustellen, dass der fr√ľhe Marx zwischen Idealismus und Materialismus in Auseinandersetzung mit Hegel anzusiedeln ist. In diesem Sinne untersuche ich Habermas, der Marx in „Zur Rekonstruktion des Historischen Materialismus“ als Materialisten voraussetzt. Lesen wir Marx derart, so wird er von einer philosophischen Auseinandersetzung mit der Entfremdung durch Arbeit abgetrennt und als Empiriker betrachtet. Ich halte das f√ľr problematisch, denn ich glaube, dass Marx doch normative Gehalte vertritt, die sich nicht empirisch begr√ľnden lassen.

Norman Schultz

Pittsburgh 2016

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Die verlorene Wahrheit – Von der Wertlosigkeit der Philosophie

Nicholas Rescher 2

Rescher, eine lebende Enzyclopädie, picture By Rescherpa (Own work) CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons


Ich hatte heute eine Unterhaltung mit Nicholas Rescher. Der Mann hat seine hundert B√ľcher und Tausende von Artikeln ver√∂ffentlicht. Hat zu dem ein Arsenal an Ehrendoktorw√ľrden (9). W√§re ich er, w√ľrde ich darauf bestehen, dass jeder, der mit mir spricht, diese Dr.Titel nennt und falls nicht, w√ľrde ich so tun, als h√∂rte ich ihn nicht.

Wie dem auch sei. Die Epistemologie, Reschers Hauptbet√§titigungsfeld, die Lehre vom Wissen, ist derweil ein wenig in Verruf gerraten und viele behaupten wir br√§uchten diese nicht mehr. Rescher ist nun einer der wenigen, die glauben, dass wir noch die Ausarbeitung einer Epistemologie bewirken m√ľssten und stellt hierzu die These auf, dass es noch koher√§nter Systeme bedarf.

Ich habe ihn ausgiebig zu einer Epistemologie und ihrer sozialen Relevanz befragt. Ich zweifle zum Beispiel stark daran, dass uns eine bessere Theorie von Dreiecken eine bessere Politik beschert. Ich glaube im Gegensatz, dass das Gute jeder Theorie vorausgesetzt sein muss.

Reschers Buch zur Epistemologie ist eine Zusammenfassung aller epistemologischen Probleme unter der Idee dass wir keine repr√§sentationalistischen Wahrheitstheorien bed√ľrfen, sondern Koher√§nzsysteme. Nat√ľrlich schreibt der Mann im analytischen Feld (was auch seine erste Frage war, ob ich denn auch analytisch geschult sei). Dennoch ist Rescher im kontinentalen Bereich unglaublich belesen und auf den Hinweis, dass er sich ja auf Leibniz beziehe, antwortete er nur, dass dieser immer noch sein gro√üer Held w√§re. Das Buch zur Epistemologie ist Beitrag zur Philosophie und Lehrbuch zugleich:

Was sonst?

Ich habe soviel an Cybermonday nach Thanks Giving gekauft. Nach 6 Jahren kann ich sagen, dass Thanks Giving der wichtigste, amerikanische Feiertag ist, weil hier alle Familien zusammen kommen. Weihnachten wir nicht von allen gefeiert und selbst Christen fliegen eher an Thanks Givin als an Weihnachten nach Hause. Ich habe endlich einen neuen PC, so dass ich meine Fotographie endlich wieder schneller bearbeiten kann. Ich habe mich f√ľr ein Mittelklassemodell entschieden und fahre damit wirklich, wirklich gut. Ich denke nach langen Recherchen, dass das wirklich das beste Preisleistungsverh√§ltnis ist:

DSC_0107

Ich suche √ľbrigens auch fake Converse-Schuhe. Ich will hier nicht 50 Dollar f√ľr die ausgeben.


Zur gegenwärtigen Bedeutung der Philosophie 

Im folgenden Artikel geht es eben darum, dass die Philosophie ihre epistemologische Zentralfunktion verloren hat.

Kernthese des verlinkten Artikels:

Philosophie wurde gereinigt und zu einer Wissenschaft unter vielen. Damit ist die Philosophie keine Tugend mehr und der Philosoph ein Durchschnittsdetlef, der sich wie ein fauler Beamter in Archiven ein Biotop aus abzuarbeitenden B√ľchern errichtet hat und in der Zwischenzeit auf einen Monitor starrt.

Bewertung:

Simple Darstellung historischer Zusammenhänge innerhalb der Philosophie. Der Artikel hat beinahe Precht-Niveau. Die historische Transformation der Tugendphilosophie in das Archivars- und Verwaltungsleben ist leider nur allgemein dargestellt. Der Artikel verpasst es, einen reflektierten Standpunkt zu erreichen, das heißt auf die eigenen Voraussetzungen der eigenen historischen Position einzugehen oder interessante Beobachtungen einzustreuen.

Zusammenfassung:

Philosophie wurde insitutionalisiert¬†und damit „gereinigt“. Der Artikel verortet die Abspaltung der Philosophie um 1870. Die Naturwissenschaften ¬†ebenso wie die Sozialwissenschaften werden zu eigenst√§ndigen Wissenschaften entwickelt, die sich nicht mehr vor der Philosophie verantworten m√ľssen. Unter dem Druck der Abspaltung muss sich die Philosophie als eigene Wissenschaft rechtfertigen (dies wird als Demarkation bezeichnet). Unter der Neuausrichtung bleiben verschiedene Bet√§tigungsfelder:

  1. Synthese verschiedener Erkenntnisse aus Regionaldisziplinen
  2. Entwicklung des formalen Grundvokabulars (Logik)
  3. √úbersetzung von Erkenntnissen f√ľr die Gesellschaft
  4. Disziplinspezialisten
  5. Kombination aller

Nach dem Artikel hätte Philosophie niemals gereinigt werden sollen, denn mit dem Fokus auf Wissensproduktion wurde die Philosophie ebenfalls von der Tugend abgegespalten.

„The individual scientist is no different from the average Joe; he or she has, as Shapin has written, ‚Äúno special authority to pronounce on what ought to be done.‚ÄĚ For many, science became a paycheck, and the scientist became a ‚Äúde-moralized‚ÄĚ tool enlisted in the service of power, bureaucracy and commerce.

Philosophie ist zu einem Gehaltsscheck geworden, einem Beruf unter vielen. In diesem Sinne ketten sich Philosophen an ihre Computer und produzieren angeblich wissenschaftliche Artikel, die von ihren peers bewertet werden.

„Today, a hyperactive productivist churn of scholarship keeps philosophers chained to their computers.“

Ich stimme damit √ľberein, dass die Philosophie unn√∂tig, verwissenschaftlicht worden ist, denke aber dass die Reduktion auf den Wahrheitsgehalt problematisch ist. Ich glaube ich habe zuviel Rorty gelesen und kann nur mit einem Zitat von Tom Rockmore zur Relevanz der Theorie enden. F√ľr ihn sind Platon, Kant und Husserl Verteidiger, dass wir nur praktisch handeln k√∂nnen, wenn wir eine gesicherte Wissenschaft haben, w√§hrend Aristoteles, Hegel und Marx der Praxis den Vorrang geben:

‚ÄúOn the one hand, there are those, such as Plato, Kant, Husserl and even Whitehead [‚Ķ] on the other hand there are those, such as Aristotle, Hegel, and Marx, who are concerned to limit, or even to reject, some claims for the relevance of reason.‚ÄĚ (Rockmore, Tom Habermas on Historical Materialism¬†1989:173)

Sonnenuntergang Winter

Mein Philosophie-Projekt neight sich dem Ende entgegen, sohwohl Dr.-Arbeit als auch die Beschäftigung mit Epistemologie.

 

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Kinoreflexionen: Suicide Squad, Jason Bourne und Bicycle Thieves

Jason Bourne – CIA-M√ľll, st√§ndiger Alzheimer-Patient, Elitem√∂rder mit moralischen Anfl√ľgen kehrt ein korruptes System gegen sich selbst. Jason Bourne in der Wiederholungsschleife, ein 2 st√ľndiger Crash-Kurs in amerikanischer Au√üenpolitik. Jason Bourne eine Verschw√∂rungsphantasie auf Leinwand, ein bewegliches Stillleben. Ein durchtrainierter, potentieller Edward Snowden mit Bud-Spencer-Faust-Niveau.

Drei Bourne-Filme machten insgesamt 1 Milliarde Dollar.

Als Zwischenspiel ein Bourne-Spektakel ohne Jason Bourne. Die Hollywood-Reste-Verwertung kapitalisiert: 125 Millionen Kosten, Einspielergebnis: $276,144,750 (8 November 2012).

Investoren, die sich schnell ihr Geld vermehren wollen, gibt es genug. Als Otto-normal-Investierer, keine Chance! Der neue Born bei 138 Millionen Kosten, Einspielergebnis: $194,078,274 (7 August 2016).

Der Plot gibt nichts Neues her: Bourne, der sich nach eigener¬†Aussage an alles bereits erinnerte, findet nun in einer Ged√§chtnisrumpelkammer heraus, dass sein Vater, der mysteri√∂s, mysteri√∂s in einem Autounfall ums Leben kam, in die √ľblichen CIA-Umtriebe verstrickt war. Was folgt sind ein paar gebrochene Kiefer, gesplitterte Arme, Platzwunden, Tote, geschrottete Autos und demolierte Hausfasaden. Folgende Fragen stellen sich dabei:

  • Nachdem Bourne nun schon so viele¬†alte¬†CIA-Verschw√∂rer get√∂tet hat, wieviele Strippenzieher und Puppenspeiler bleiben da noch √ľbrig um eine Fortsetzung zu¬†inszenieren?
  • Kann der CIA wirklichauf¬†alle¬†Kameras der Welt zugreifen und spontan¬†in jede Wohnung hineinspionieren? Hacker haben unwahrscheinliche F√§higkeiten, die alle Szenen wie Pokemon-Jagd aussehen lassen. Verschwommene Gesichter werden dabei schnell mal mit einem „Enhance“ kenntlich gemacht. Die sollten mal Photoshop entwickeln, k√∂nnten wahrscheinlich mehr verdienen als mit so plumpen Bourne-Filmen
  • Warum hat der Kameramann von Bourne-Filmen¬†Parkinson?
  • Protestgruppen in Griechenland protestieren wild durch die Stra√üen ohne¬†konkret f√ľr etwas zu sein. Keine Schilder, keine Symbole. Passt schlie√ülich nicht¬†in dieVermarktungsstrategie
  • Bourne hat bereits viele¬†Sch√ľsse in den Prequels weggesteckt. Neuerdings kann¬†er auch¬†Sch√ľsse in seinen Bauch verdauen.
  • Wieviele Erinnerungsbruchst√ľcke sind noch in Bournes Gehirn vergraben? Spontan erinnert er sich daran, dass das Auto seines Vaters explodiert ist? Der Plot f√ľr die Fortsetzung ist damit gekl√§rt, denn wir wissen noch nichts √ľber seine Mutter

Bicycle Thieves: Meine Meme Meme dazu hier.

Credentials:

Plot: Verzweiflung in Rom nach dem zweiten Weltkrieg. Man bekommt Arbeit, aber braucht ein Fahrrad. Seine Gattin verkauft das letzte Gut. Den nächsten Tag wird sein Fahrrad während der Arbeit gestohlen. Mit seinem Sohn macht er sich auf die Suche nach dem Fahrrad. Seine Verzweiflung wirkt sich zunehmend mehr auf seine Werte und die Beziehung zu seinem Kind aus.

Fazit: Es ist schwer einzusehen, warum dieser Film einer der besten Filme aller Zeiten sein soll. Das Erz√§hltempo des Films ist sehr tr√§ge.Gem√§√ü des Neo-Realismus verwendete der Regisseur nur Laienschauspieler und verzichtete Rom gro√ü in Szene zu setzen. Was den Film aber dar√ľber hinaus einzigartig macht, ist einerseits der Einblick in das Nachkriegsrom und andererseits die intime Vater-Sohn-Beziehung. Der Vater, der letztlich zum Fahrraddieb wird, kann doch noch auf die Unterst√ľtzung seines vielleicht 5 j√§hrigen Kindes hoffen und das obwohl er seinen Sohn mehr und mehr vernachl√§ssigt hat. W√§hrend Antonio zun√§chst als umsichtig und f√ľrsorglich f√ľr seine Familie dargestellt wird, wirkt sich seine Verzweiflung auf seine Empathie aus. In einer der Szenen fliehen Antonio und sein Sohn vor dem Regen, w√§hrend sein Sohn ausrutscht und auf den Boden f√§llt. Antonio bemerkt dieses nicht mehr, weil er zu sehr von den existentiellen Problemen, einen Lebensunterhalt zu verdienen, abgelenkt ist. Sein Sohn aber rettet ihn schlie√ülich vor der Strafverfolgung. In der letzten Szene gehen beide in den Abend und der Sohn ergreift die Hand seines Vaters.

Suicide Squad – Gewalt im MTv-Format, √§sthetisch-erotisch inszeniert, ¬†√ľberladen mit Macker-Spr√ľchen, f√ľr die sich arm-ritzende Emos und die zuhausgebliebenen Gamer warm halten. Wer wegen Chemtrails nicht mehr auf die Stra√üe geht, bekommt hier seine gr√ľndliche Portion Verschw√∂rungspudding f√ľrs Puddinggehirn serviert. Die Idee ist nicht schlecht: Superschurken m√ľssen Welt retten. Aber ethische Kompromisse muss man als Zuschauer nicht eingehen, weil alle Schurken nur eine harte Schale, aber doch ein Emo-Herz zu verschenken haben. Das Gute gewinnt und der Dumme ist der B√∂se.

„Sympathy for the Devil“, „Bohemian Rhapsody“ als Wohlf√ľhlmucke f√ľr den Punk-Metaller = Vekraufsstrategie der Studios.

6 ¬†tiefgr√ľndig-abgr√ľndige Superschurken, zu viel Material f√ľr Charaktereinf√ľhrungen. Fast wirkt die Mehrzahl unserer Superschurkenhelden wie aufgelesene Streuner von der Stra√üe. Daher: Viele Charaktere habe ich vergessen und einige machen absolut keinen Sinn: Boomerang? Der Mann wirf Boomerangs und soll unsere letzte Waffe gegen Superman-B√∂sewichte sein? Da h√§tte ich auch noch gut in die Truppe gepasst.

Will Smith als ProfiKiller darf wieder seine Rolle als Mr. Nice Guy √ľbernehmen. Wirklich √ľbel kann man ihm ja auch seine schlechten Filme nicht nehmen. Nicht einmal f√ľr seine nepotistische Kinopromotion seines untalentierten Wunderknabensohnemanns, der bei Gefahr die Augenbrauen hoch und bei Traurigkeit tief stellen kann. Aber egal, Will Smith ist obercool, so wie der Film, alles obercool, alles Pallettie daher auch gutes Einspielergebnis bisher:¬†$161,087,183 (USA) (9 August¬†2016), bei einem Kostenpunkt von¬†$175,000,000 (estimated), nicht schlecht Herr Specht.

Am Wichtigsten? Hinter schwedischen Gardinen verknallt sich Harley Quinn in einen alzu starren Joker (wahrscheinlich wegen der Gebissprothese mit breitem Grinsen aber geschm√§lerter Ausdruckskraft (Leto- leider kein Oscar diesmal)). Die Squad-Mitglieder tragen wie Harley Quinn auff√§llig bunte Kost√ľme und lieb√§ugeln mit plumpen Accessoires. Baseballschl√§ger und Holzhammer, Boomerang und Einhorn, das alles, um eine Zombie-Armee niederzukn√ľppeln, die sonst allen Special-Forces standh√§lt. Sorry aber das macht absolut keinen Sinn: Warum kann eine aufgegeilte Clownsgehilfin ohne Superkr√§fte eine Zombie-Armee kurz und klein schlagen, w√§hrend die amerikanische Armee wie Ameisen zertreten wird?

Egal, denn je weiter wir uns in der Story verlieren, desto sinnloser und l√ľckenhafter wird der Film. Selbst beim Cutting wurde man faul. Der finalen Szene fehlt deutlich die Rhythmik. Gerade nach dem Endkampf fragt man sich, wieso Superhelden eigentlich so viel Zeit haben, sich zu unterhalten, w√§hrend der st√§rkste Gegener aller Zeiten wie ein Sparringspartner um sie herumt√§nzelt? Die schreiben da glatt ihre Memoiren nieder. Auch die B√∂sewichtin f√§llt am Ende aus der Rolle, indem sie einem Mitglied des Squads vorwirft, keine Eier zu haben. Hallo, die Dame kommt aus dem Urwald hat sich aber unseren Unterschichtenslang schon angew√∂hnt? Die Idee von Suicide Squad wurde also grundlegend versaut.


Andere Filme, die es noch gilt zu √ľberstehen:

Batman and Friends – Neuester Trend: Buddyhelden auf der Leinwand zu versammeln und mit Spr√ľchen fehlenden Plot kitten.

Zudem ganzen Bandenkram kommt dann noch eine andere Buddy-Kom√∂die hinzu. Leider nicht mehr mit der Musik von Bernstein. Daf√ľr wurden die Charaktere als sozialer Sprengstoff erweitert. Das Remake von „The magnificent Seven“ (das Remake von Kurosawas „Seven Samurai“, wahrscheinlich schauen wir die alle in Folge) bald in ihren Kinos:

Soviel dazu… Ich fotografiere so vor mich her.

Outdoor Meditation Techniques

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Norman Schultz, Pittsburgh, August

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„Star Trek – Beyond“ und seine existentiale Parallele zu Melvilles „Moby Dick“ – Berichte aus Pittsburgh

Wieder habe ich eine längere Zeit nichts von mir blicken lassen. Hier sind die Punkte um die es mir heute geht:

  • Ver√∂ffentlichung meines Artikels zur Freiheit und Kausalit√§t im Journal Philosophy Pathways
  • Fotografieprojekt in Pittsburgh mit Lauren und Christian
  • Star Trek -Beyond und seine Paralelle zu Melvilles Moby Dick
  • Weitere Filmempfehlungen und unser Halket-House Kinoprojekt

 

1. Online Journal Philosophy Pathways

Dank an Matthew Sims f√ľr seine Arbeit an dem Online-Journal Philosophy Pathways. Darin ist ein Artikel von mir zu dem Problem von Freiheit und Kausalit√§t ver√∂ffentlicht. Ich freue mich vor allem √ľber das qualitative Lektorat, wobei er viele interessante Fragen aufgeworfen hat, die mich in meinem Dissertationsprojekt weitervoranbringen. Der Artikel stellt einen Auszug aus meiner Dissertationsarbeit dar und hei√üt:

Freedom in Hegel ‚Äď Why the Concept of Self-Consciousness is a Precondition for a Theory of Causality ‚Äď

Ich argumentiere, dass sowohl unser Kausalit√§ts- als auch unser Freiheitsbegriff Abstraktionen von einem grundlegenderen Problem der Wirklichkeit („actuality“) menschlicher Existenz sind. Wir sind weder kausal-determinierte Maschinen, noch handlungsfreie, transzendental-g√∂ttliche Seelen, sondern unsere Existenz ist das Problem zwischen diesen beiden Abstraktionen die Wirklichkeit zu bilden. Wir leben den Konflikt zwischen Kausalit√§t und Freiheit als reales Dilemma. Danke an Matt.

2. Fotografie

Ich war mit Lauren (22 und Designstudenten in Pittsburgh) und Christian (24, Schauspiel- und Designstudent aus Los Angelos) in Pittsburgh unterwegs. Hier ein paar Resultate unserer Fototour:

Pittsburgh Skaters from LA

Wie man sieht habe ich mich perspektivisch weiterentwickelt. Zudem unterbelichte ich Fotos nun, um später verschiedene Effekte zu erreichen. Ich habe noch ein paar Schwierigkeiten mit chromatischen Farbverschiebungen, die dabei auftauchen und weiß nicht, wie ich das am effizientesten löse.

3. Star Trek – Beyond und das existentielle Dilemma des Forschers – Eine Parallele zu Moby Dick

Ich habe es nun mal endlich wieder ins Kino geschafft. Hier mein Review zum neuen Star Trek-Beyond¬†und ein partieller Vergleich mit dem Roman Moby Dick.¬† Star Trek einst intellektueller Gipfel meiner Kinderzimmerzeit. Damals, ich schob eine Videokassette in den Rekorder, schon schlug Logikk√ľhlschrank Spock vor, die Enterprise um die Sonne zu steuern. Mit Transzendentalschwung des Sterns landete Star Trek im San Fransisco unserer Zeit (naja gut der 80er). Aus unserem Blick auf die Zukunft heraus unsere Gegenwart betrachten, das hat mein Kindergehirn irgendwie umgehauen und wochenlang fasziniert. In einem anderen Kino-Schinken fragte Captain Kirk noch nach Gottes Personalausweis:

 

  • Kirk: Wozu braucht Gott ein Raumschiff?
  • McCoy: Jim, was tust du denn?
  • Kirk: Ich stell‘ ihm ’ne Frage.
  • ¬†Gott: Du zweifelst an mir?
  • Kirk: Ich will einen Beweis!
  • McCoy: Jim, was soll das? Willst du seinen Personalausweis sehen?

 

So eine Audienz mit Gott, das hat mich zugegeben schon in den Sessel gedr√ľckt:

Die Frage nach der Sch√∂pfung als Grenze unserer Forschung, die Sch√∂pfung von Planeten und der Zorn Khans als die Rache eines diesseitigen Gottes bildete das philosophische R√ľckgrat der Serie:

Dann aber die Borg mit ihrer anonymen Assimilierungskultur, meine favourisierten B√∂sewichte und so auch Star Trek – Der erste Kontakt. Piccard mit den Borg verschmolzen, musste nicht nur mit ihnen k√§mpfen, sondern auch in eine kriegerische Vergangenheit der Erde zur√ľckreisen, um den ersten Kontakt zu den Vulkaniern herzustellen. Dabei ging es um das Verh√§ltnis von Frieden, Freiheit und Kausalit√§t.

Star Trek hat mich schon fr√ľh zum Philosophen erzogen. Dennoch Star¬†Trek alterte und die philosophischen Dialoge konnten mit dem Haudrauf-Kino, den aufgeblasenen Actionschlachten und den jugendlichen Anabolikaboliden nicht mehr mithalten. Aus diesem Grund musste JJ Abrahms das ganze Epos um ein paar Explosionen erneuern und alle Charaktere von Grund auf neu heranz√ľchten. Der Wiederstart der Serie lie√ü daher eine alternative Zeit entstehen, die immer noch in unserer Welt mit genau den gleichen Charakteren spielt, nur dass es ein Paralleluniversam ist. Und wir haben Gl√ľck, denn in diesem Universum kracht und knallt es mehr, daf√ľr aber gibt es weniger philosophische Dialoge. Doch schon in der zweiten Fortsetzung stellt „Star Trek“ sich selbst die Sinnfrage, weil es nicht immer nur knallen und krachen kann:

„Das mit den beiden epischen Abrams-Filmen gestartete „Star Trek“-Projekt der Kino-Neuzeit geht jetzt, da die neuen Darsteller und ihre Rollen etabliert sind, etwas weniger hochglanzpoliert in Serie, in die M√ľhen der Ebene des kontinuierlichen Kassemachens. .“¬†http://www.spiegel.de/kultur/kino/star-trek-beyond-die-teuerste-tv-episode-aller-zeiten-a-1103750.html

Die endlose Reise zu anderen, zerm√ľrbenden Alltags-Abenteuern zerren an Captain Kirks (Chris Pines) Identit√§t. Ist ein Mann wie er nicht f√ľr die heroischen Abenteuer im Weltall gemacht? Ist Star Trek nicht eine nie endende Weltraumschlacht, ein Krieg des Forschens und Forschen des Krieges?

Genau hier habe ich f√ľr einen Moment geglaubt, der neue Star Trek w√ľrde tats√§chlich etwas riskieren, seinen explosiven √úberschwang zur√ľcknehmen. Aber der erste Trailer zeigt dann doch eher, worum es in Star Trek nun geht:

Genau Explosionen sind wichtig, um die Handlung voranzutreiben.¬†Star Trek-Beyond¬†verf√§llt ins episodische Wiederholen. Der Kniff f√ľr Episoden ist doch h√§ufig, dass ein sinnloses Artefakt die Hauptmotivation der Handlung ausmacht. Das l√§uft dann ungef√§hr so ab:

  • Der Gute findet ein Artefakt
  • B√∂ser will Artefakt, um Welt zu zerst√∂ren
  • Der Gute findet das nicht gut
  • Beide k√§mpfen, Statisten sterben, Guter ist heroisch, alle sterben fast
  • Guter l√§sst mit gutmenschlicher √úberheblichkeit den B√∂sen nicht sterben
  • Guter gewinnt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ja und leider ist dies auch die Handlung des neuen Star Trek, nur dass einem halt alles CGI-technisch um die Ohren fliegt. Aber nochmal zur√ľck zur philosophischen Eigenheit des Anfangs. Kirk ist selbst verwundert √ľber die Banalit√§t eines Artefakts, das er einer minderen Kultur als Friedensangebot mitbringt. Alles geht schief, weil die primitiven Au√üerirdischen einfach nicht vern√ľnftigen Diskurs halten wollen (das ist wohl eine Analogie zum gegenw√§rtigen Zustand der Politik) und so muss er aus der minderen Gefahr herausgebeamt werden. Nach dieser episodischen und wenig bombastischen Einleitung setzt er zu dem vorher erw√§hnten, verzweifelten Monolog √ľber die Sinnlosigkeit seiner Aufkl√§rungsmission an und sehnt sich nach Abenteuern. Was macht das Ganze so gut? Nun, in diesen anf√§nglichen Selbstzweifeln, der Zerworfenheit zwischen Abenteuer und Sinnlosigkeit erinnert der Film zun√§chst an Melvilles Meisterwerk „Moby Dick“.

Dort will sich Ismael von seiner Depression l√∂sen. Er ist ein durchschnittlicher Mann, der dem Pathos von Erfolg auch in seiner Generation nicht gerecht werden kann. Ismael will sich stattdessen dem Meer anvertrauen, das Abenteuer finden. Er vernimmt den Ruf des Meeres in sich und versteht seine Existenz vor jenem √ľbermenschlichen Horizont als g√∂ttlicher Held. Der Sklave der Erde meint, er k√∂nnte Herrscher der Meere sein. „Moby Dick“ bleibt damit der ironische Erfolg √ľber die Abenteuerromane seiner Zeit, weil er urkomisch (was die meisten nicht bemerken) √ľber jene erfolglose Sucht nach Gr√∂√üe erz√§hlt. Es passt ebenso zu unserer Zeit, in der jede Biografie als die gr√∂√üte ihrer Zeit angepriesen werden muss, wobei unser einer hinter der aufger√ľsteten Mediensph√§re in individueller Isolation wenig Gl√ľck findet. Was aber ist dieses „tiefe Denken“ Ismaels? Melville gibt Antwort. Ich meine, tut er das?

„Die Wahrheit, dass alles tiefe, ernsthafte Denken nur das unerschrockene Streben der Menschenseele ist, sich die hohe Freiheit ihrer Meere zu bewahren; dieweil die wildesten Winde zwischen Himmel und Erde sich verschworen haben, uns an der elenden Knechtschaft der K√ľste scheitern zu lassen. http://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick, Zitat von Melville, S. 192

Die Komik des Romans wird dabei von vielen nicht erkannt. Dieses Zitat ist eben pathetisch inszeniert und demonstriert unsere hoffnungslose Eitelkeit. Ismael ist erb√§rmlich von der Sucht nach Gr√∂√üe getrieben, kann aber zugleich mit keiner Unbequemlichkeit der Natur umgehen. Ein paar Beispiele: Ismael ist arm. Bevor er also auf einem Walf√§nger anheuern kann, braucht er eine billige Bleibe f√ľr die Nacht. Schon als er jedoch die erste Spilunke betritt, wird sein Pathos durch das Geb√∂lke einer wilden Horde ersch√ľttert. Weinerlich wie er ist, kann er Vulgarit√§t des Banalen nicht ertragen und entschlie√üt sich, eine andere Unterkunft zu finden. Verzweifelt und nach erb√§rmlicher Reflexion kehrt er in die Spilunke zur√ľck, weil er das uns√§gliche Wetter nicht ertragen kann. Nun aber muss er erfahren, dass er sich das Bett mit dem Harpunier teilen muss. Auch das wirft einiges an innerer Verzweiflung hervor. Ismael legt sich nach inneren Widerst√§nden ins Bett und wartet auf den Harpunier. Als dieser erscheint, traut er sich nicht etwas zu sagen und bleibt im Dunkeln liegen. Dieser vollk√∂rpert√§towierte Wilde, versteht offensichtlich nichts von Abenteuern und Zivilisation. Ismael aber sagt nichts. Als der Wilde sich schlie√ülich √ľber seinen Bettkumpanen ebenso erschreckt, kann Ismael gl√ľcklich sein, dass er nicht get√∂tet wird. Am n√§chsten Morgen erwacht Ismael dann, umarmt vom Harpunier, und kann sich allerdings nicht aus seiner Umarmung befreien, geschweige denn den Versuch unternehmen. Er traut sich nicht etwas zu sagen. Stattdessen folgen wir einem weiteren, inneren Monolog, der sich mit der Vulgarit√§t des Wilden auseinandersetzt. Ismael h√§tte ¬†eben einfach ein hygienisches und heldenhaftes Abenteuer verdient. Sp√§ter im Buch als Ismael sp√§ter seinen Blick √ľber die Reiling wandern l√§sst, um einem der Captain zu berichten, kann er nur feststellen:

‚Äěgrenzenlos, aber √ľber alle Ma√üen eint√∂nig und absto√üend; nicht die kleinste Abwechslung ‚Äď nichts als Wasser‚Äú. http://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick

Die Schifffahrt ist ein endlosen Unterfangen, ein Solaris(Stanislaw Lem) ohne Sinn, ein Krieg gegen sich selbst und so ist auch Captain Ahab zu verstehen:

‚ÄěMan glaubt, ich sei von Sinnen; ich aber bin besessen, bin die au√üer sich geratene Besessenheit selber! Jene Raserei, die nur abflaut, um sich selbst zu begreifen.‚Äúhttp://www.jagenholz.de.rs/literatur/moby-dick

Ahab sucht den Feind im Meer. Die Sucht, einen wei√üen Wal zu erlegen, ist der Sinnlosigkeit seiner menschlichen Existenz einverleibt. Es ist die Sucht nach Krieg, der absolut √ľbersteigerte Kampf nach Bedeutung und der Krieg mit sich selbst. Letztlich wird er genau an diesem Krieg scheitern.

Thich Nath Hanh: Um den Krieg zu beenden, m√ľssen wir erst den Krieg in uns selbst beenden.

Buddhisten sind Gro√ümeister der Empathie. Die Action wird hier durch echtes Gef√ľhl ersetzt. Lesen sch√§rft diesen Sinn als auch Lesen, das Eintauchen in fiktionale Charaktere, am besten unsere Intelligenz f√∂rdert (ein Artikel dazu von mir hier auf Bewusstes-Lernen).

Star Trek und der Sinn

Auch die Crew-Mitglieder der Enterprise sind dieser Sinnlosigkeit ausgeliefert und da ist es nur gut, das der Superschurke Krall (Idris Elba) die vereinsamten Existential-Helden vom Selbstmord bewahrt und sie wieder in altbew√§hrter Manier den Frieden durch m√§chtiges Geballer herstellen d√ľrfen. Genau hier verliert der Film seine Qualit√§t und auch die Logik kommt zeitweise abhanden. Meines Erachtens braucht ein Superschurke keine zurechtgezimmerten Intention, denn die machen in dem Film ohnehin nur eingeschr√§nkt Sinn. Terror folgt keiner Logik. W√§re es deshalb nicht geschickter und anspruchsvoller, das B√∂se in den Friedensstifter-Wahn der F√∂rderation zu verpacken? Einzig das Faz-Feuilleton erkennt:

„was amerikanische Kriegswissenschaftler neuerdings ‚Äěfourth generation warfare‚Äú nennen, womit das momentan weltersch√ľtternde Durcheinander von gar nicht mehr erkl√§rten Kriegen, tief ins Hinterland verlegten Schlachtfeldern und nur noch fakultativer Uniformierung der Kombattanten gemeint ist.“¬†http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/kritik-zu-justin-lins-kinofilm-star-trek-beyond-14347985.html

F√ľr Krall ist das Bestehen der F√∂rderatio ein aggressiver Akt und dies ist das „Dilemma des Interventionshumanismus“ (http://www.nzz.ch/feuilleton/kino/star-trek-beyond-die-zukunft-jetzt-ld.106519). Die Sucht nach Abenteuer und Expansion mit den Menschenrechten im R√ľcken r√ľckt den anderen in den Rahmen des unmenschlichen Feindes, der keinerlei Anspruch als Chaos hat. Worum also geht es in Star Trek? Nun die Frage kann der Film nicht beantworten, aber hier findet sich eine Antwort:

„Das Spannende ist nun, dass der Feind hier ein diffuser, nicht zu greifender Komplex ist, ganz wie das wabernde Chaos aus Terror, Populismus und Irrsinn, in dem wir heute leben. Etwas, was kaum aufzuhalten ist und einen mit schleichender Ohnmacht erf√ľllt.“¬†http://www.nzz.ch/feuilleton/kino/star-trek-beyond-die-zukunft-jetzt-ld.106519

Ich teile diese Auffassung nicht ganz, denn daf√ľr bleibt der Superschurke Krall einfach zu blass, unbestimmt und platt. Er wird auf kriegerische Intentionen heruntergebrochen, versucht sich zu erkl√§ren, aber wirklich nimmt man ihm seinen ganzen Kult nicht ab. Zumal sich einige Fragen zu seiner Biographie stellen, die einfach keinen Sinn ergeben, aber ich will hier keine Spoiler aufbringen. Star Trek zeigt sich damit als ein Kassenmagnet, der seine Investoren gl√ľcklich macht. Das Startsignal f√ľr den vierten Teil ist mit dem kommerziellen Erfolg bereits gefallen. Nun gibt es viele Projekte im Sommer: Ich habe mich entschieden in Pittsburgh nun eine Filmnacht in meinem Haus zu veranstalten. Am Donnerstag werden wir den Klassiker „The Bycicle Thieves“ schauen. Au√üerdem kommt einiges an Filmen diesen Sommer. Als n√§chstes steht Jason Bourne auf dem Programm, den wir heute Abend im Kino sehen werden. Mit 120 Millionen Dollar Budget fragt, wohl √§hnlich aufgeblasen wie Star Trek. In Zukunft muss ich wohl noch die Balance zwischen Action-Kino und Anspruch finden, aber was erwartet man von Hollywood. Es bringt Geld und das ist Rechtfertigung genug f√ľr die Studios.

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Norman Schultz, Pittsburgh, August

 

Cognize Yourself

 

 

 

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Von meiner Philosophie zur Kunst – Hiken mit Emily und Mireille und der Songwriter Bob Bennett.

Zusammen mit dem Songwriter Bob Bennett (rechts)

Zum Stand der Dinge: Es ist viel passiert, vierter Juli, Leute wurden dabei in Downtown erschossen, dann die Proteste der Schwarzen wegen der weiteren Polizeigewalt gegen sie. Was soll ich dazu sagen? Nun, es sind zunächst Dinge, die banal erscheinen. Ich habe einerseits Bob Bennett, einen Songwriter, getroffen und andererseits war ich mit Mireille und Emily hiken, wobei ich mir hier etwas mit meiner Fotografie auseinandersetze und meiner oberflächlichen Art Dinge als schön zu sehen.

Bob Bennett entstammt einem Amerika, das uns in Deutschland selten begegnet. W√§hrend in Deutschland der Schlager und die Countrymusik eher in die Nebengleise der Unter-Unterhaltung verschoben werden und dementsprechend unmotiviert auf Konsumentenw√ľnsche zugeschneidert werden, hat sich die Amerikanische Liedermacherszene seit Jahrzehnten als authentisch gehalten. Die Liedermacher gehen eben auf Tour, durch kleine Clubs und Kirchen. Sie erz√§hlen dort von ihrem Leben, versuchen ber√ľhrende und originelle Geschichten zu finden. Sie machen Kontakt mit den Menschen. Der Folksong hat dabei eine erz√§hlerische Dimension, die das Lebensgef√ľhl einer anderen Region durch Amerika √ľbermittelt. Die Songs verbinden ein r√§umlich zerkl√ľftetes Amerika, das sich in Melodien und Songs wiederfindet. Es war sch√∂n Bob Bennett bei der Familie von George Mazariegos zu treffen.

Irgendwie bin ich gl√ľcklich, so viele Leute hier zu treffen, die so Gro√ües erreichen. George transplantiert kleinen Kindern und Babys Lebern und Nieren, wobei ich es wirklich faszinierend fand, dass er dies bei solche kleinen „organischen Entit√§ten“ durchf√ľhren kann.

 

 

 

 

Ich möchte gerne die folgenden Songs von Bob Bennett teilen und hoffe, dass ihr Zeit findet, sie zu hören. Die Art und Weise, wie er mit wenigen Worten so erlebbare Geschichten schreibt, ist beeindruckend.

Im ersten Song geht es um die Freundschaft zweier Kinder, die mit ihrer Fantasie ihrer Kindheit begegnen. Der zweite Teil des Songs beschreibt dann den √ľberraschend banalen Tod seines Freundes im mittleren Alter. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die Lyrics lassen sich hier finden:¬†https://www.musixmatch.com/de/songtext/Bob-Bennett/The-Kings-of-Summer-Street

Ich wei√ü nicht warum, aber das Lied „The View from Here“ erinnert mich an die Einsamkeit des Reiselebens. Manchmal liege ich in Betten, die gerade frisch bezogen in einem doch sehr kargen Zimmer stehen. In Amerika h√∂rt man dann nachts die Grillen enorm laut Zirpen und die Z√ľge dr√∂hnen in der Ferne. Bob schafft es in diesem Lied, den kleinen Dingen im Leben eine Bedeutung zu geben und das ohne viele Worte oder eben so plakativ wie ich zu sein:¬†¬†http://lyrics.christiansunite.com/lyrics_1621_1.shtml

Bobs erfolgreichster Song ist „The heart of the matter„, was soviel hei√üt wie das Wesen der Dinge. Es ist nicht mein Favourit, aber zeigt eine sehr rhythmische Seite von ihm.

2. Ich empfinde in Bennetts Musik eine erz√§hlerische Komponente, die mir Dinge √ľber das Leben sagt, ohne sie sogleich konkret zu erfassen. Es ist ein Gef√ľhl, das nicht oberfl√§chlich Klischees bedient, sondern eine fragende Haltung zur√ľckl√§sst. Ist das nun Kunst? Meiner Auffassung ergibt sich Kunst aus einem bestimmten, gelebten Leben und kann nicht √ľber die technische Finessen erworben werden. Mit der steigenden „Denkkraft“ von Computern, die H√∂chstleistungen (wie zum Beispiel im Go) erreicht, werden wir uns auf eine pers√∂nliche Komponente, das hei√üt auf das Zwischenmenschliche besinnen m√ľssen. Wir werden in Zukunft einfach keine Genies mehr oder brilliant sein. In diesem Sinne ger√§t Ethik zu dem uns auszeichnenden Charakteristikum. Da ich mich nun dem Fotografieren widme, ist diese Frage der Kunst f√ľr mich relevant.

Hier sind daher ein paar Bilder, die ich mit Mireille und Emily während einer Wanderung aufgenommen habe.
And in the Midst of Everything there is a river
Das Problem ist, dass meine Fototechniken genau darauf basiert, bestimmte Harmonien herauszuheben. Ich isoliere und versuche Momente zu entdecken, die einem allgemeinen Klischee von „Sch√∂n“ entsprechen und genau in diesem Sinne bin ich kein K√ľnstler. Jeder, der sich hier auf die Technik fixiert, hat die eigentliche Aufgabe seiner Kunstnicht verstanden. Nun ist dieses √Ąsthetische eben deswegen mein Hobby. ‚Hobby‘ ist ein wirklich unsch√∂nes Wort und bezeichnet eine Nebens√§chlichkeit. Was kann nun wirkliche Kunst?

Sie kann verbinden, Menschen zu ihren Emotionen herausfordern und die Empathie in ihnen aufzeigen, wie es in einem Artikel auf Quarz angemerkt wird. Kunst muss nicht schön sein, sondern sie zeigt an und bringt uns zu neuen Einsichten in unsere Persönlichkeit.

Bennett ist¬†deswegen¬†ein K√ľnstler, weil er mich empathisch macht, weil er mit dem √Ąsthetischen etwas in mir ber√ľhrt. Das Sch√∂ne kann etwas in uns aufbrechen und unsere Herzen wieder erleichtern, uns f√ľr das, was nicht sch√∂n ist, vorbereiten, uns Momente des Schmerzes abnehmen. Vielleicht ist darin eine letzte Funktion des √Ąsthetischen zu finden: es kann uns zur√ľck zur Empathie f√ľhren. So legen es auch¬†neuere Forschungen dar: Empathie ist eine Wahl. Das Problem ist auch, dass wir oftmals dem einzelnen Schicksal Mitgef√ľhl entgegen bringen k√∂nnen, w√§hrend sich bei dem statistischen Umstand kaum Wimpernzucken einstellt. Kunst kann das √§ndern und unsere Empathie durch das √Ąsthetische schulen. In Amerika sagt man: One death is a tragedy. One million deaths are a statistic.“ Kunst aber geht √ľber die Statistik hinaus. Vielleicht hilft uns das auch irgendwann den Rassismus in Amerika zu verstehen?

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Norman Schultz, Pittsburgh Ende Juni

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