Anschlag auf Berlin am Sonntag – Verschwörungstheorien auf dem Prüfstand – Teil 4

Licorne
Die Frage nach einem atomaren Terroranschlag Foto: Pierre J.

Nun habe ich mich ja in meinen letzten Beiträgen aus logischer Sicht mit den Argumentationslinien von Conrebbi auseinandergesetzt. Dieser behauptete ja, Obama hätte eine Gesichtstransplantation hinter sich und wir würden die Zeichen nicht richtig deuten, da wir wie die Römer einst sich nicht vorstellen konnten, dass Archimedes Sonnenreflexionswaffen gegen ihre Schiffe aufbringen würden, wir uns heute nicht vorstellen können, dass es Weltverschwörer gibt. Heute geht es, um Conrebbis Einwürfe zu den angeblichen Atombombenanschlägen auf das Fußballweltmeisterschaftseröffnungsspiel morgen in Berlin. Wir wollen heute nicht die gesamte Argumentation von Conrebbi auseinandernehmen, sondern nur auflisten und kurz kommentieren. Zu lernen gibt es dabei nicht mehr viel. 

Conrebbi zu den angeblichen Anschlägen auf die Fußballweltmeisterschaft
Zunächst das Video und dann mein ausführlicher Kommentar:


  • Conrebbi: Die Daten des Anschlags in London (7.7. 05) und dem atomaren Unfall in Fukushima (11.3.11) seien verdächtig. Mein Komemntar: Bei einer großen Menge an historischen Ereignissen und der Flexibilität der Zahlendreherei gibt es notwendig Ereignisse, die auf den Zahlenlinien stattfinden. Ein Beweis wäre nur, wenn jemand mittels dieser Zahlenmystik präzise Voraussagen machen könnte und das in mehr als nur einem Fall (am besten wären 1024). Rückwirkende Erklärungen sind keine Wissenschaft.

  • Conrebbi: Merkel hab
    football
    Spekluationen über Anschläge auf die Fussbal-WM Foto von 

    e am 33. (eine von den Millionen verdächtigen Zahlen) Kirchentag in Bezug auf Globalisierung gesagt, dass man nicht immer Demokratie haben könne. Mein Kommentar: Die Zahlen vermehren sich bei Conrebbi ja beinah wilkürlich, somit sind dann nicht mehr nur die Ereignisse 1932, sondern auch 1933, sowie 1939 für ihn relevant (wie ich in einem vorherigen Postzu seiner Kabbalistik Theorie und den Illuminati schon dargestellt habe). Mit der willkürlichen Zitation, dass Merkel so etwas gesagt habe, ist es problematisch, da ich nun die Nadel im Heuhaufen suchen muss. Ein Wissenschaftler könnte sich nicht leisten, zu behaupten Kant hätte einen bestimmten kontroversen Satz gesagt, ohne die Stelle anzugeben. Er ist nämlich dazu verpflichtet, den anderen den Rechercheaufwand zu ersparen. Zudem könnte durch eine Nichtangabe Verschleierung unterstellt werden. Ich habe übrigens auch ein Zitat, das schön aus dem Zusammenhang gerissen ist:

  • Conrebbi: Aus diesem Grund habe Merkel auch die Freiheitsmedaille der U.S.A. bekommen und habe dann jenen ominösen Satz gesagt: „Wenn das Brandenburger Tor noch steht“. Mein Kommentar: Die Aussage von Merkel verstehe ich allerdings auch nicht. Nur was dürfen wir jetzt daraus schlussfolgern? Nicht viel, denn es ist nur ein Konjunktiv und vielleicht ein diplomatischer Witz. Also spekulieren wir besser nicht und warten auf Beweise.
  • Da Conrebbi selbst erkennen muss, dass er keine harten Beweise hat, muss er auf irgendwelche Nasa-Warnungen zurückgreifen. Die Nasa  habe demnach eine Terrorwarnung am 10.06.11 herausgegeben. Formulierungen der Nasas wie, dass man sich auch zuständig für die Menschen im Orbit fühle, und dass etwas in der Größenordnung vom 11.09 passieren werde, geben Conrebbi naturgemäß Grundlagen für seine Spekulation. Mein Kommntar: Dazu kann ich nicht viel sagen, denn wir haben es hier nicht mit einem Argument zu tun, sondern nur noch mit Kaffeesatzleserei von irgendwelchen Aussagen, die schlecht zitiert sind. Wir können immer irgendetwas aus der Erinnerung hervorziehen, aber wir müssen es auch wirklich deutlich machen. Mir fällt zum Beispiel dabei ein, dass ich den Chef der Nasa sogar kenne (irgendwie bin ich darauf ein wenig Stolz). Dieser ging nämlich regelmäßig in eine Kirche in der Nähe Washington, wo ich mit ihm oft einen Plausch während meiner Zeit in Washington hatte. Natürlich kann ich seine Fassade von diesen Treffen nicht durchblicken, aber er hat sich sehr eingesetzt für seine Kirche. Was kann ich daraus schlussfolgern? Nicht viel. Aber ich bin mir sicher, ich würde ein paar dubiose Sätze schon finden, da er naturgemäß viel über die Marsroboter gesprochen hat und das in Verbindung mit der Schöpfung Gottes gebracht hat. Wahrscheinlich bestätigt aber, dass ich diesen Herren dunkel kenne, Conrebbis Verschwörungstheorie, da ich mit den Verschwörern unter einer Decke stecke. Schließlich bin ich ja mit ihm per Du. Aber wie ihr wisst ist das in Amerika nichts Ungewöhnliches ;)

Konkrete Anschlagspläne in Deutschland
In einem Punkt aber hat Conrebbi recht, nämlich dass in Deutschland konkret offizielle Terrorwarnungen herausgegeben werden. Aus diesem Grund ist es auch nicht abwegig über Anschläge nachzudenken, allerdings muss dies in einer vernünftigen Art und Weise geschehen. Alles andere kostet nur Zeit und bringt niemanden weiter. Ich analysiere Conrebbis Videos nur, weil ich hoffe, dass einige Prinzipien des Denkens deutlich werden. Ich habe die Hoffnung, dass einige meine Argumentationen nachvollziehen können und in Zukunft ähnliche Denkmuster anwenden, wenn sie versuchen Sachverhalte zu beurteilen. Dieses verstehe ich frei nach Habermas: Der Mensch kann nicht nicht lernen.

Conrebbi verlangt vom BKA-Chef nun mal „Butter bei die Fische -was passieren soll, wenn er das so genau weiß“. „“Wen wundert’s“ fügt er hinzu, wenn Spekulationen ins Kraut schießen. Hier muss aber gesagt werden, dass der Warnende nicht verantwortlich ist für debile Spekulationen gemacht werden kann, dafür sind die Verrückten schön selbst verantwortlich. Dass der BKA-Chef laufende Ermittlungen nicht durch konkrete Informationen stören will, ist ohnehin klar. Darüberhinaus hatten wir schon genügend Terrorversuche in Deutschland, womöglich aber ist das für Conrebbi auch nur Verschwörungspropaganda.


Weitere Argumentationsbruchstücke von Conrebbi

  • Conrebbi: Kabbalistik sei für die Illuminati Gottes Plan und stelle nicht ein Muster beliebiger Zahlen dar, die „man sich mal zusammenschustern kann“. Mein Kommentar: Zu der Schwierigkeit anhand von Zahlen Pläne nachzuvollziehen, hatte ich im letzten Post geschrieben. Und ja ich glaube, dass wir uns Zahlen zusammenschustern können. Darauf fiel aber sogar Phytagoras rein als er behauptete, alles sei Zahl. Heute sind Mathematiker mit solchen Aussagen vorsichtiger. Philosophen wie Descartes schon haben nämlich festgestellt, dass Zahlen nicht etwas Reales abbilden, sondern genutzt werden um Verhältnisse anzugeben. Daraus entstand dann ja die Descartesische Lehre der Mathematik, die uns heut so wunderbare Gleichungssysteme schenkt wie 12=3x+5y. Nach dieser Gleichung sind die Zahlen nur in Abhängigkeit von einer Realität als Verhältnis zu bestimmen. Demgemäß umgeben wir uns nicht mehr mit einer Zahlenmystik, insofern wir Wissenschaft betreiben, sondern verstehen den konstruktiven Gehalt der Zahlen selbst oder aber zumindest die Schwierigkeit ihre Realität aus einem menschlichen Verstand heraus zu verstehen. Natürlich gibt es immer Wissenschaftler, die glauben, die Realität von Zahlen nachweisen zu können. Ich glaube aber, dass diese mittlerweile in der Minderheit sind. Mathematik ist daher auch keine Naturwissenschaft; sie bedarf nämlich nicht der Natur, um sich selbst betreiben zu können. Mathematik ist eine Geisteswissenschaft und Mathematiker haben es dementsprechend selten mit Gegenständen zu tun. 
  • Mein Kommentar zu Conrebbis Farbenlehre: Spekulationen auf Farbensymbolik sind nun noch verrückter als Zahlenmystik, da die Anzahl der Farben noch geringer ist und wir überall diese Farben finden werden. Dass die Atomrakete im Illuminati-Kartenspiel in Rosa daher kommt, sagt mir daher nichts. Ich vermute damit nicht gleich neben jeder Pink-Rosa-Style-Tante eine Verschwörung wie es vielleicht Conrebbi tun würde.

Zu Conrebbis blauen Weg im Stadion, der auch in Barcelona blau sei und dass dort schließlich ein Terroranschlag stattgefunden habe, möchte ich eigentlich nichts mehr sagen. Auch dass er das Tartan (weil er sich in der Nordseeölförderung auskenne) sofort mit einem Vorfall bei einer Bohrinsel „Tartan“ in Verbindung bringen könne, tut überhaupt nichts zur Sache. Ich frage mich, warum wir in einer Welt leben, da so etwas ernsthaft noch argumentiert werden müsste. Der Argumentationsstrang, da Tartan ein schottisches Muster sei, irgendwo in Schottland das Schwert Claymore in einer Sage vorkomme und beim Rechtsanwalt eine Organisation Gladio (das römische Schwert, eine Geheimarmee die schon Terrorakte gegen Zivilisten durchgeführt hat) ist wohl an Dibilität kaum zu überbieten. Der schlechteste Porno enthält höhere Logik. Hier das Beispiel:

Es nützt auch nichts, wenn Conrebbi sogar zugibt, dass das Spekulation sei, wenn er im Nachgang wiederum feststellt: „Man kann zwar was konstruieren, aber dafür bedarf es auch eines gewissen Wissens.“ Warum spekulieren, wenn man nichts genaues weiß? Was soll bei dieser sinnlosesten Gedankenverkrüppelung noch sinnvolles herauskommen?

 Conrebbis fehlerhafte Argumentation am Beispiel der Farbe Blau als Hinweis auf Ufos

  • Conrebbi bringt die Farbe Blau mit Ufos in Verbindung und ist der Meinung, dass alles was damit zu tun habe, mit Blau gekennzeichnet würde. Mein Kommentar: Das kann natürlich sogar tatsächlich so sein. Das heißt aber nicht, dass wenn ich in irgendeinem Stadion auf der Welt etwas Blaues entdecke oder wenn ich irgendwo überhaupt etwas Blaues sehe, es mit Ufos zu tun hätte. Dieser Fehler wird jedem Logikstudenten bereits im ersten Semester ausgetrieben. Und es ist eigentlich meines Erachtens von sich aus logisch. Aber vielleicht sollte es in der Schule unterrichtet werden, da mir dieser Fehler häufig bei Studenten in meinen Tutorien unterkommt. Schauen wir uns das daher mal an.

Ein logischer Fehlschluss

Die logische Form: „Wenn A, dann B“ bedeutet, dass wenn A eintritt definitiv auch B eintreten muss. Das heißt aber nicht, dass wenn ich B beobachte auch A sein muss. Machen wir mal ein Beispiel draus:

Prämisse 1: Wenn es regnet, dann wird die Straße nass.
Prämisse 2: Die Straße ist nass.
Konklusion: Also?

Wir können nicht sagen, es hätte geregnet, denn die nasse Straße könnte auch von etwas anderem wie einer gebrochenen Wasserleitung verursacht worden sein. Das Argument ist daher nicht deduktiv gültig. Wenn es hingegenregnet und Prämisse 1 wahr ist, nur dann könnten wir schlussfolgern, dass die Straße nass sein muss. Schauen wir uns mal an, was Conrebbi macht:

Prämisse 1: Wenn etwas mit Ufos zu tun hat, dann ist es blau.
Prämisse 2: Ich sehe etwas Blaues
Konklusion: Also hat es mit Ufos zu tun ???

Diese Konklusion, lieber Herr Conrebbi, ist einfach falsch. Es ist auch nicht so, dass wir mit der Farbe Blau einen statistisch signifikanten Hinweis hätten, wenn sie so argumentieren wollten. Denn angesichts der Mengen an Blau, die es gibt, müssten wir verrückt werden, wenn wir jedes mal damit Verschwörungen identifizierten. Aber sie haben Recht (um bei der Logik zu bleiben): Nur weil Sie verrückt sind, heißt das nicht, dass SIE Sie nicht verfolgen. 

  • Conrebbi fügt noch hinzu, dass das auch zufällig sein könnte. Soviel Einsicht hätten wir ihm nicht zugetraut und so viel Einsicht hat er auch nicht, wenn er gleich wieder kontert: „Nur einige Sachen sind nicht zufällig.“ Dankbarer Weise macht er uns dann noch auf einen enormen Denkfehler aufmerksam, den wir angeblich alle begehen würden. Normale Menschen würden nämlich schlussfolgern, dass, was sie sich nicht tun würden, weil es so abstrus wäre, auch andere nicht tun würden, er fügt hinzu: „Und das ist ein fataler Denkfehler“. Mein Kommentar: Ich glaube, wir wissen schon alle sehr gut, zu welcher Bestialität andere Menschen in der Lage sind. Wir aber wollen Logik und Beweise und keine Spekulationen, die nicht mal logisch stimmig sind.

Das WM-Motivationsvideo von Lira Bajramaj

  • Das WM-Motivationsvideo von Lira Bajramaj gibt dann noch weiteren Anlass zu Spekulationen, denn dort gäbe es ein Werbeplakat mit Huxleys „Neue Welt“ im Hintergrund. Und da könne Conrebbi mit Sicherheit sagen, dass das nicht zufällig sei. Wie schwierig es aber ist Zufälligkeit überhaupt auszuschließen, habe ich immer wieder in Blogbeiträgen zum Zufall und Schicksal dargelegt. Nur weil etwas gut auf unsere kausalen Interpretationen passt, heißt das nicht, dass etwas nicht zufällig sei.
  • Im weiteren redet Conrebbi noch von einem Flughafen in Denver, wo irgendwie so etwas wie ein Berliner Fernsehturm in Brand stehen könnte, darauf aber gehe ich jetzt nicht mehr ein. Ich vertraue darauf, dass alle Leser, die bis hierher durchgehalten haben, das Video selbst entlarven konnten

Ein Video zu Lira Bajramajs Werbefilm habe ich auch noch gefunden (das allerdings nicht von Conrebbi ist). Ich hoffe, dass sich auf diesem Blog nun keine Leser mehr befinden, die sich von den Argumenten überzeugen lassen und kritisch prüfen können, ob die Argumentation stimmig ist.

Conrebbi steht unter Druck
Conrebbi steht natürlich nach öffentlicher Kritik deutlich unter Druck, schließlich werde sogar die Kanzlerin im Stadion sitzen (was nicht gerade seine These unterstützt, dass die Kanzlerin damit unter einer Decke stecke). Dass die Verballhornung von irgendwelchen aufgefundenen Informationen zu nichts führt, dürfte ich meinen Beiträgen mehr als deutlich gemacht haben. Prinzipiell möchte ich atomare Anschläge nicht ausschließen, zumal Schäuble als Verteidigungsminister bereits warnte, dass dieses nicht eine Frage sei, ob es passiert, sondern nur noch wann. Die Bedrohung ist real. Mir allerdings geht es um die Form, wie Beweise geführt werden. Hinweise in dieser Art gleichen eher Schamanismus und Wahrsagekunst als tatsächlich in irgendeiner Weise logisch oder gar wissenschaftlich zu sein. Ich gehe davon aus, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass morgen etwas passiert, aber wie die ganzen Ufo-Sekten, so wird dann das Weltuntergangsdatum einfach verschoben. Dieses Weltuntergangsdatum muss dann natürlich wieder so nah wie nötig sein, um genügend Angst zu produzieren, aber auch so fern wie möglich, um die Angst lange Zeit aufrecht zu erhalten. 2025 ist immer so ein Datum bei Conrebbi.

Hier also noch das Video, da Conrebbi selbst in Erklärungsschwierigkeiten kommt. Er verweist im Weiteren nur noch darauf, dass Leute, die ein Buch nicht gelesen hätte, darüber nicht sprechen sollten, dem kann ich nur entgegensetzen, wir müssen nicht allen Schwachsinn der Welt gelesen haben, um diesen abzulehnen, denn dazu würde unsere Zeit mit einer Millionen Leben nicht ausreichen.

Damit belassen wir es zunächst mit Conrebbis Verschwörungskunst und freuen uns morgen auf ein schönes Fussballspiel. Warum sich aber mit Conrebbi auseinandersetzen? Nun ich denke, wir haben viel über Argumentation und Logik gelernt und zum Anderen haben wir eine unterschwellige Bewusstseinsverfassung in unserer Gesellschaft wahrgenommen. Es schadet meines Erachtens nicht, zu wissen, was die Sorgen, Ängste und Nöte von den Internetgemeinschaften sind. Daher wird auch in Zukunft nochmal der ein oder andere Beitrag über Verschwörungstheorien auftauchen. Die Verschwörungsidee macht sich ja immer die Grenzen der Menschheit in falscher Weise bewusst und hier gilt es die Grenzen unseres Verstandes auf die wirklich zu betrachtenswerten Grenzen der Menschheit zu richten. Dieses geschieht durch kritisches Denken. Was das genau ist, werde ich in einem anderen Beitrag klären. Es bedeutet nämlich nicht, alles zu hinterfragen.

Bis dann erstmal Norman und abonniert doch diesen Blog oder liked diesen Artikel.

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