Star Trek und die Frage nach den Grenzen von Geschichten

1966 ... 'Star Trek' set tidy
Wie passen verschiedene Welten zusammen? Fot von x-ray delta one

Mittlerweile haben sich die Geschichten um das Raumschiff Enterprise zu einer Saga entwickelt und werden in 2.000 Jahren vermutlich wie heute die Sagen der Antike erz√§hlt werden. Die Gr√∂√üe der Sage mittlerweile bringt viele Widerspr√ľche mit sich, wobei die Bestrebung besteht, alle Geschichten immer im Rahmen einer gro√üen Ez√§hlungen erz√§hlen zu k√∂nnen. Dar√ľber hinaus soll das Star-Trek Universum nicht nur Zeugnis einer Geschichte sein, sondern alle Science-Fiction-Geschichten unserer Zeit umfassen. So versuchen zumindest Fans, auch artfremde Science-Fiction-Sagas zu integrieren. So k√∂nnte sich der Krieg der Sterne nach George Lucas nur in einem anderen Teil zu einer anderen Zeit des Universums abspielen und theoretisch w√§re ein Aufeinandertreffen von Spock und Meister Yoda m√∂glich. Theoretisch k√∂nnte Darth Vader gegen Captain Jean-Luc Picard zu Felde ziehen. Die Fans gehen gar so weit, dass sie gar „Alf“ in ihren Star-Trek-Horizont miteinbeziehen m√∂chten. Daraus ergeben sich vollkommen neue Geschichten. Man √ľberlege sich, dass Captain Picard Alf auf der Enterprise versteckt, um ihn vor Versuchen durch Geheimdienste zu besch√ľtzen, w√§hrend Darth Vader mit dem Todesstern Jagd auf sie macht. Witzig w√§re es mit Sicherheit auch, Jerry Seinfeld einzubauen oder Homer Simpson (Klick auf den Link, denn so k√∂nnte er aussehen) den technischen Ingenieur sein zu lassen.

Wenn ihr nun denkt, dass das eine tolle Idee w√§re, dann kann ich euch anspornen, denn irgendwo im Netz gibt es immer schon einen verr√ľckten Fan, der dazu eine Geschichte schon umgesetzt hat. Meine beiden Favouriten sind diese hier, wobei verschiedene Serien der 80er vereint worden sind. Der Assimilationsvorgang geht sogar soweit, dass versucht wird alle anderen Serienerz√§hlungen zu integrieren, wovon ich immer ein gro√üer Fan bin. Meine beiden Favouriten hierzu k√∂nnt ihr im Folgenden beobachten:


Vielleicht fasziniert es mich, weil ich schon immer Serienmusiken der 80er gesammelt habe. Warum der 80er? Weil es damals zumeist noch Kompositionen waren. Im Zuge der Kommerzialisierung der 90er sollte ein Titelsong zugleich auch immer verkauft werden, also entschieden sich die Produzenten immer h√§ufiger f√ľr Bandsongs anstatt f√ľr gute Kompositionen. Aber das nur als Nebenbeiinformation. Der Grund warum ich diese Kombinationen wohl als √§sthetisch empfinde, ist, dass dabei ein Gef√ľhl der G√§nze eines Kosmos an Ideen erzeugt wird. Aber nicht alle Fans teilen diese Auffassung. Der Nutzer Viper-1082 vertritt in einem Science-Fiction-Forum dazu Folgendes:

Eine Einbeziehung fremder Scifi in das Star Trek-Universum mit seiner eigenen Chronologie w√ľrde nur zu Widerspr√ľchen bez√ľglich historischer und technologischer Entwicklung f√ľhren.

Deswegen sind (imho) die meisten Crossover auch entweder nur humoristisch angelegt oder erb√§rmliches Fanboygeschreibsel.“ http://www.scifi-forum.de/science-fiction/star-trek-allgemein/54262-widerspr-che-star-trek-universum.html

Viper-1082 macht auf eines der Hauptprobleme auf, denn die Geschichte w√ľrde allerlei Widerspr√ľche entfalten, wenn denn diese Kombinationen √úberhand n√§hmen. Der logische Satz vom Widerspruch (wonach Widerspr√ľche nicht logisch seien) war wohl schon fr√ľh, als die ersten Geschichten √ľber den Ursprung der Welt aufkamen, empfunden worden. Damals bek√§mpften sich die G√∂tter als Widerspr√ľche. Bei den monotheistischen Religionen dann wurde anders argumentiert, und zwar dass Gott dasjenige Wesen zwischen Geist und Materie sei, dass alle Widerspr√ľche der menschlichen Logik aushalten k√∂nne. Wir hingegen w√ľrden nur menschliche Widerspr√ľche erkennen, w√ľrden aber verstehen, k√∂nnten wir wie Gott denken. Obwohl Kant noch den Satz des Widerspruchs als gesetzt f√ľr die menschliche Logik annahm und damit eine Metaphysik nach gewissen Richtlinien verwehrte, so erkannte Hegel doch die Notwendigkeit aller Forschung in den Widersrpuch zu m√ľnden, da dieser Widerspruch den Gedanken der Wahrheit enth√§lt. Widerspr√ľche halten uns an, immer wieder neue Rechtfertigungen zu entwickeln und sichern damit den Fortgang unseres Wissens und unserer Geschichte.

Das Problem der Widerspr√ľche durchzieht die gesamte menschliche Vorstellungswelt und obwohl wir immer versuchen Widerspr√ľche zu vermeiden, sind sie tats√§chlich im Denken nicht zu vermeiden. Die so genannten Antinomien, das hei√üt die Widerspr√ľche, die sich notwendig in einem System ergeben m√ľssen, sind sogar nach einigen Theorien die Praxis unseres nat√ľrlichen Weltempfindens, unseres Bewusstseins. Geschichten enthalten so auch Widerspr√ľche, Widerspr√ľche in den Emotionen einer Person, im Denken, zwischen Parteien, Widerspr√ľche von verschiedenen Zielen und Geschichten. Geschichten erkl√§ren zwar immer R√§tsel, geben aber zugleich R√§tsel auf. Der Widerspruch ist das Movens und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute.

W√§re es nur eine Geschichte, die wir h√∂ren w√ľrden, die gr√∂√üte Geschichte aller Zeiten und h√§tten wir sie schon als Kinder einmal als Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommen, so m√ľssten wir keine anderen Geschichten mehr h√∂ren, aber die fortw√§hrende Geschichte wehrt fort, weil sie Fragen in Form von Widerspr√ľchen aufwirft. Und so ist der Widerspruch zugleich immer Antrieb kontradiktorischen Momente zu l√∂sen und so finden wir auch auf einer weiteren Star-Trek-Fanseite das Aufgreifen dieses Problems. Der Autor dort sieht weniger das Problem in der Vermischung verschiedener Erz√§hlstr√§nge, sondern in der Gr√∂√üe der bisherigen Star-Trek-Story, die immer wieder Probleme hervorbringt. Er benennt hierf√ľr folgendes Beispiel:

„Ein beliebtes Beispiel ist die Farbe des klingonischen Blutes. In „Star Trek VI“ noch rosa, wurde in der Serie „Deep Space 9″ pl√∂tzlich dunkelrot.“http://www.green-mole.com/artikel/index.htm?/artikel/canon.html

Wie wäre dieser Widerspruch nun zu lösen? 
 

„Man k√∂nnte jetzt zwar festlegen, dass der letzte Stand der ist der z√§hlt aber das ist nicht wirklich befriedigend. In Wahrheit sind immer beide Wahrheiten offiziell. Dem pflichtbewussten Fan bleibt hier nur die M√∂glichkeit sich selber Theorien zu √ľberlegen wie beide unterschiedlichen Fakten erkl√§rbar sind. Nat√ľrlich immer im Rahmen der vorhandenen ebenfalls offiziellen Informationen. Im genannten Fall des klingonischen Blutes k√∂nnte man vermuten, dass sich die Klingonen aufgrund irgendeines Zwischenfalls genetisch ver√§ndert haben und sich so die Farbe des Blutes ver√§ndert hat. Das w√ľrde auch ihr unterschiedliches Aussehen in TOS und den darauf folgenden Serien erkl√§ren. Wobei dann auch wieder die Frage auftritt warum sie in „Enterprise“ gleich aussehen wie in TNG. Aber das ist eine andere Geschichte √ľber die sich schon Generationen von Fans den Kopf zerbrochen haben.“ http://www.green-mole.com/artikel/index.htm?/artikel/canon.html

Geschichten sollen einheitlich sein, zugleich liegt uns aber eine Schwierigkeit inne, √ľberhaupt die Einheit der Wissenschaften und unseres Denkens ohne weiteres herstellen zu k√∂nnen. Vor diesem Problem stehen nun auch die Trekkies in vielfacher Weise. Interessant ist auch folgender Fall bez√ľglich der Bewegungen mit √úber- Lichtgeschwindigkeit bei Star Trek. Da Gene Rodenberry vor allem einen Widerspruch aufl√∂sen musste, n√§mlich die Frage, wie die Enterprise so weit fliegen k√∂nne, da selbst mit Lichtgeschwindigkeit wir Milliarden Jahre br√§uchten das Universum zu erkunden (und das Universum sich einfach schneller als mit Lichtgeschwindigkeit ausgebreitet hat), st√ľtzte sich Rodenberry zum Erz√§hlen seiner Geschichten auf den Warp-Antrieb. Hiernach erzeugt ein Raumschiff vermittels einer Warpspule eine Warpblase, wodurch der Raum und die Zeit um das Raumschiff herumgebeugt werden. Das Raumschiff bewegt sich daher nicht im Raum, sondern fliegt Abk√ľrzungen durch den Raum. Steigern wir nun die Warp Geschwindigkeit auf Warp 10, so bewegen wir uns mit unendlicher-facher Lichtgeschwindigkeit und sind an allen Orten im Universum zugleich. Hiermit k√∂nnen die Raumschiffe alles bereisen, was es im Universum zu erstaunen gibt. Ich wunder mich im √úbrigen, dass der Weltraumtourismus bei Star Trek nur so eine geringe Rolle spielt.

Nun ist allerdings einigen Autoren wieder die Fantasie gebrochen und sie erfanden höhere Warp-Geschwindigkeiten, um damit Zeitreisen zu erklären. Bei Wikipedia ist nun dazu folgendes zu finden:

„F√ľr die Berechnung der Geschwindigkeit dazwischen [Zwischen Warp 1 und Warp 10] wurden von Fans, Physikern und Star-Trek-Mitarbeitern in der Literatur diverse komplizierte Formeln ausgearbeitet. An diese Formeln hat man sich im Laufe der verschiedenen Produktionen aber nur selten gehalten. In den meisten Episoden bewegen sich Raumschiffe mit weit h√∂heren Geschwindigkeiten als es laut dieser Version der Warpskala m√∂glich w√§re. In in der Folge ‚ÄěGestern, Heute, Morgen‚Äú ist in einer alternativen zuk√ľnftigen Zeitlinie sogar von Geschwindigkeiten √ľber Warp¬†10 die Rede (Warpfaktor 13).“http://de.wikipedia.org/wiki/Warp-Antrieb#Wissenschaftliche_Sichtweisen

Interessant ist, was uns Wikipedia zum Umgang der Fans mit diesem Problem kund tut:

„Fans spekulieren, dass hierbei aber eine neue Skala verwendet worden ist.“

Warum schreibe ich das aber alles? Nun ich habe nat√ľrlich √ľber Bewegungen mit √úberlichtgeschwindigkeit geforscht, die als Projektionen in unserer Welt sogar gedacht werden k√∂nnen. Zum Beispiel: Wenn sich die zwei Spitzen einer Schere treffen, so bewegen sich die Projektionspunkte mit √úberlichtgeschwindigkeit, wobei hinzugef√ľgt werden muss, dass dort keine Masse mehr bewegt wird. Bei der Recherche bin ich auf den Erfinder des Warp-Antriebs Zefram Cochrane gesto√üen, der eine Bewegungstechnologie mit Warp-antrieb erfunden hat. Bleiben wir also bei der Geschichte:

Zefram Cochrane erfand gegen Mitte des 21. Jahrhunderts den Warp-Antrieb. Dies war die Zeit kurz nach dem Dritten Weltkrieg. Er verwendete einen Fusionsreaktor um Plasma zu erhitzen. Dieses schickte er dann durch so genannte Warp-Spulen und erzeuge damit die erste stabile Warpfeldblase. Er war damit der erste, der Warp 1 (Lichtgeschwindigkeit) fliegen konnte. Diesen Flug registrierte das vulkanische Forschungsschiff T’Plana Hath. In der Folge kam es zum friedlichen Kontakt zwischen Vulkaniern und Menschen. Cochrane erlangte danach gro√üen Ruhm in der Galaxis. Viele Schulen St√§dte und hin und wieder Planeten bbenannte man nach ihm. Seiner Ehren benannten Physiker die physikalische Warpfeldeinheit „Cochrane“.

Nat√ľrlich ist das nicht passiert. Problematisch bei der Erz√§hlung ist allerdings wie Wikipedie dokumentiert:

„Die Ereignisse um Cochranes Erfindung sind in Star Trek: Der erste Kontakt ausf√ľhrlich dokumentiert. Nach anderen Quellen (die Folge Metamorphosis aus dem Jahr 1967) erfolgte die Erfindung Cochranes allerdings schon im Jahr 2061. „

Star Trek Guys
Der Kampf mit den Widerspr√ľchen Foto: Matthew Sheean

Interessant empfand ich hierbei einzig die Wendung „Nach anderen Quellen“. Die L√∂sung der Fans besteht nun nicht mehr darin, die Star Trek Geschichte als einheitliche zu reparieren denn als zumindest real Gedachte muss sie dieses sein. Die Vorstellung von idealer Realit√§t l√§sst keine Spr√ľnge zu. Fragw√ľrdig ist jedoch der Zugriff auf die Natur und dieser ist in jedem Falle durch unsere Erkenntnis begrenzt. Daher ist die Geschichte in jedem Bereich immer nur durch die Sicherheit der Quellen gesichert. Die Erfindung von Geschichten ist daher immer als Quellenarbeit zu betrachten. Selbst die Naturwissenschaft muss ihre Quellen angeben, um ihr Wissen zu begr√ľnden.

Mit dieser Erkenntnis verh√§lt es sich so auch mit allen Wissenschaften. Die Frage steht nicht nach der Wahrheit, sondern die Frage besteht darin, wie wir mit allen Widerspr√ľchen umgehen und diese nach dem Ideal einer einheitlichen Natur vereinen. Dabei ist nicht die Koher√§nz unserer Gedanken das Hauptproblem, sondern die Frage, wie wir uns eigentlich auf die Quellen beziehen. Die Grenze der Menschheit ist hier also, der Versuch unsere Geschichte von Allem durch die einzelnen, bekannten Momente unserer Geschichte einer real gedachten Geschichte anzun√§hern. Bei Star Trek ist es so, dass wir nur einen Teil der Geschichte kennen, sie aber als Ganze verstehen wollen und so ist es auch bei uns Menschen √ľberhaupt: Wir kennen nur einen Teil unserer Geschichte, wollen sie aber immer als Ganze verstehen.

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Gruß Norman.

P.S. Merkw√ľrdiger Weise finde ich keinen Blog, der sich der Zusammenlegung von verschiedenen Serienuniversen auch nur in einem Artikel widmet. Gibt’s denn sowas? Wo sind die Nerds in Deutschland geblieben?

P.P.S. Hier noch die Erklärung warum George Lucas mit einem Schlag schlechte Filme machte:

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