König der Langeweile – Gottschalks letzte Sendung „Wetten dass..?“

"Wetten dass..?" Kunstwerk der Langeweile (CC_Foto)

"Wetten dass..?" Kunstwerk der Langeweile (CC_Foto)

Gottschalks Erben tun sich schwer. Die Philosophie der 80er Jahre Show-Unterhaltung lässt ein modernes Publikum kalt. Da wird eine Sendung rumgereicht, die noch 8 Millionen Zuschauer schauen und keiner will sie haben. In ihrem Blog www.pusteblumenbaby.de hat Maja ja schon einige Gründe aufgezeigt, warum diese Sendung schwerer zu vermitteln ist, als ein Müllmann auf einer elitären Partnerbörse für Singles mit Niveau. Das Problem die Sendung ist ein Tempel der Langeweile. Nirgendwo werden Stars so unbedeutende Fragen gestellt und nirgendwo wird Langeweile so lange transzendiert bis es Meditation ist. Aber da geht der Schwiegervater Thomas Gottschalk mit einer alten Dame schwanger, die er abgehalftert noch an den Mann bringen will und kann nicht mal mit einer noch stattlichen Mitgift einen Heiratsschwindler finden. Das sinkende Flaggschiff, die letzte große ZDF-Samstag-Abendunterhaltung, ist wie eine Titanic auf ihrer letzten Fahrt. Da werden auf dem Deck noch die Stars hin und her kutschiert, während der Eisberg der Zeit längst die Löcher in den Rumpf gerissen hat und Gottschalk schon im Rettungsboot sitzt. Einzig Stefan Raab, das größte Ego der Welt, könnte der Showphilosophie wohl noch neues Leben einhauchen und mit anarchischer Laune die langweilige Philosophie gehörig überarbeiten.

Maja hat ganz Recht: Zu lange sind die Zuschauer einer blonden Frisur aus den 80ern treu geblieben und haben sich aus Tradition einer langweiligen Showphilosophie hingegeben. Die Philosophie der Sendung war schon vor Jahren kaum frischer als ein Kartoffelsalat von letzter Woche. Mit spießbürgerlicher Oberflächlichkeit lässt sich kein Gegenwartspublikum mehr halten. Längst sind die Mittelschichten, die seichte Unterhaltung und Oberflächenphilosophie bedürfen, in die spießbürgerlichen Randzonen abgewandert. Pluralismus sei dank, gibt es nun den Spießbürger in allen Facetten. Das Spießbürgertum hat sich so sehr differenziert und ist auch in Bioläden, im alternativen Zentrum, unter Sportlern, Jazzmusikern und gar unter Gewalt-Hip-Hopern zu finden. Für das Spießbürgertum lässt sich demnach auch nicht mehr eine Philosophie zusammenzimmern. Mit oberflächlichen Fragen und einem Durchschnittsmoderator kommt eine Sendung am Samstagabend dabei nicht an die ersehnte Jugend und ihr Spießbürgertum heran.

Dabei ist die Konkurrenz auch nicht so wahnsinnig groß. Auf RTL findet unter dem Titel „Das Supertalent“ eine Show des Gewöhnlichen statt. Zumeist steht dann am Ende ein Sänger in der Gunst des Publikums, der weniger Talent hat als ein Wellensittich. Das Schlimmste aber ist, dass eine Slyvie van der Vaart wie ein fleischgewordenes Oxymoron den Titel „Supertalent“ kontrastiert. Demnach findet Sylvie van der Vaart auch immer alles „Ganz super“, weil es „Ganz super“ ist. Ihr einziges Talent ist dabei vollkommen talentfrei zu sein. In der Show darf Dieter Bohlen dann noch einen markigen Spruch, den er sich vor der Sendung aufgeschrieben hat, runterleiern und schon ist der Spießbürger bedient und eine erfolgreiche Showphilosophie etabliert. Hier ist der Spießbürger in seiner selbstherrlichen Fähigkeit alles beurteilen zu können, wohl aufgehoben. Gerade das Jurorenprinzip regt dabei den Durchschnittsphilosophen zu Einschätzungen der künstlerischen Begabungen an. Dabei wird alles an Durschnittstalent über die Bühne gekarrt, was es so gibt. Die Pseudobeteiligung der Zuschauer aber begründet wohl den Erfolg und fehlt bei „Wetten dass..?“ Wenn dort die Stars wie lebensgroße Fotografien über das Sofa geschoben werden, ein paar Musik-Acts wie Bühnenbilder wirken und wenn in billigen Wetten jemand 20 Würstchenwasser am Geschmack erkennt, dann bleibt wohl nur der, der schon eingeschlafen ist am Bildschirm oder eben den Fernseher aus irgendeiner verqueren Tradition heraus anschaltet.

Der Konkurrenz versuchte Thomas Gottschalk einst mit einer spektakulären Wette zu entkommen und nahm dann mit einem tragischen Unfall seinen Hut. Seitdem schwebt das Geisterschiff der Deutschen Fernsehunterhaltung auf Abschiedstour durch Deutschland. Im Übrigen würde ich die Sendung gerne übernehmen und dort ein paar Grenzwissenschaftler und Grenzsportler einladen. Diese gibt es nämlich und würden dem Wettcharakter der Sendung gut tun. Zu Zeiten des Internets tun sich ganz neue Möglichkeiten auf. Mit dem Budget der Sendung könnten durchaus einige Youtubestars ausfindig gemacht werden und in gute Wetten hinein erfunden werden. Keine lahmen Wetten mehr, sondern wirkliche Wetten, bei denen nicht klar ist, dass wenn ich eine Woche übe, das auch könnte.

Meine Herren so schwer kann das doch wohl nicht sein oder? Hier meine Vorschläge für mögliche Moderatoren: Der Hulk, Obama, Ein Osama Bin Laden-Imitator, Kurt Krömer, ein Oktopus, Peter Sloterdijk oder am besten Chuck Norris.

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2 Antworten auf König der Langeweile – Gottschalks letzte Sendung „Wetten dass..?“

  1. Maja Mummer sagt:

    Ich bin für den Oktopus ;)

  2. Pingback: Tischsalto-Springer sind Wettkönig bei “Wetten dass..?” – Wette gewonnen, es war zum Schreien langweilig – Pusteblumenbaby erziehen

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