Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum Unfall bei Wetten dass..?)

FĂĽr Philosophen steht wohl die ethische Frage aus, ob die die Wette bei „Wetten dass…“ vor einem Jahr philosophisch– ethisch vertretbar war? Die Grenze des Machbaren erzeugt den besonderen Reiz, unsere Steigerbarkeit daran stets zu beweisen. Wie hält es sich also mit der Philosophie der Steigerbarkeit? Zunächst jedoch möchte ich angesichts des tragischen Unfalls bemerken: Es war richtig die Show abzubrechen. AuĂźerdem möchte ich betonen, dass ich nichts ĂĽber den Wettkandidaten weiĂź und wĂĽnsche, dass er es ohne bleibende Schäden ĂĽbersteht.

Lillian Boyer,stunt flying acrobat

Philosophie an der Grenze Foto:ADiamondFellFromTheSky

Nun aber zu der anderen philosophischen Frage: Welche extremen Handlungen vom Einzelnen, der sein eigenes Leben ĂĽberzeugt an der Grenze des Machbaren lebt, können wir in einer Gesellschaft zulassen? Hinsichtlich der Gerechtigkeit ist es zum Beispiel philosophisch fraglich, ob wir Krankenleistungen fĂĽr jene mitfinanzieren, die sich wissentlich in Gefahr bringen, die eine Philosophie der Grenzen leben. Hinsichtlich des Opfers seiner eigenen LebensfĂĽhrung andererseits mĂĽssen wir allerdings den VerunglĂĽckten annehmen und verpflegen. Solcherlei philosophische Fragen der eigenen LebensfĂĽhrung haben immer schon ein moralisches Spannungsfeld eröffnet. Wo sind die Grenzen fĂĽr den Einzelnen in seiner Gesellschaft zu ziehen? Wie vertragen sich gesellschaftliche Forderung und WĂĽnsche des Einzelnen? Sind bestimmte extreme LebensfĂĽhrungen mit unseren moralischen Standards der Philosophie vereinbar? Im Fall von „Wetten dass..?“ kommt wohl erschwerend zu diesen philosophischen Fragen die Tatsache hinzu, dass wir Grenzleistungen mit Aufmerksamkeit honorieren. Aufmerksamkeit ist in unserer Medienlandschaft das erste Zahlungsmittel. Haben wir also den Unfall als Gesellschaft herausgefordert und den Einzelnen an seine Grenzen getrieben?

Die Grenzen und fĂĽr die Philosophie der Freiheit beim Einzelnen

Welche Grenzen sollen also für die Grenzerkundung gesetzt werden und welche Grenzen fordern wir als Gesellschaft? Die erste Mondmission zum Beispiel war eigentlich ein Himmelfahrtskommando und eine Grenze, die wir immer wieder überschritten würden wollen sehen. Juri Gagarin starb bei einem Testflug, ebenso Otto Lilienthal, Flugpionier. Es ist doch so: Bestimmte Grenzleistungen bringen unsere Gesellschaft voran. Gut, diese Leistungen bringen uns philosophisch betrachtet nach Gründen einer instrumentellen Vernunft voran, einer Vernunft, die nur das Wohl der Vielen aber nicht das Gute selbst im Blick hat. Ist es zum Beispiel gerecht hier die Opfer des technischen Fortschritts zu loben, so wie der Philosoph Hegel es tat, als er im Lauf der Geschichte die Toten der Kriege als notwendige Opfer in einem vernünftigen Lernprozess bezeichnete? Abgesehen von Hegels philosophisch extremen Beispiel haben wir mit Sicherheit mehr Gründe die Opfer anzuerkennen, die unsere Gesellschaft voran bringen, aber ob es besser ist, muss eine längere Diskussion zur Ethik und Philosophie anschließen. Aus welchen Gründen fordern wir uns also zu den Grenzen heraus? Diese Grenzen sind für die menschliche Vernunft schwer zu ziehen, auch für die Philosophie, doch ich argumentiere für die Freiheit der Einzelnen, die diese Grenzen auskundschaften wollen.

Zur Philosophie des Boxens

Persönlich möchte ich soviel dazu sagen: Ich weiß nicht, was konkret richtig ist. Beim Boxen bin ich zum Beispiel der Überzeugung, dass es verboten sein sollte. Und dennoch: Solange das Boxen nach gesellschaftlichem Konsens noch erlaubt ist, schaue ich es. Im Kampf Klitschko gegen Brewster war es beispielsweise faszinierend, dass Klitschko vom Ringrichter stehend K.O. gesprochen wurde. Zunächst hatte Klitschko wie immer den Kampf überlegen geführt. Kaum Treffer musste er kassieren. Mit hängender Deckung (wie heutzutage immer) dirigierte er Brewster durch den Ring (so übrigens auch bei Klitschkos Comeback in Köln gegen Brewster, dass ich live sehen konnte). Doch dann kam der Moment, in dem er Brewster nah am K.O. hatte und er wollte es erzwingen, überpeste. Brewster ging nicht zu Boden und Klitschko investierte zu viel Energie. Mit einem Male drehte sich das Blatt und Klitschko hatte Brewster nichts mehr entgegen zu setzen. In der 5. Runde dann ein Niederschlag. Klitschko wurde angezählt, er konnte sich allerdings noch halten, boxte noch aus dem Unterbewusstsein, um die Runde zu überstehen. Sein Wille war in diesem Moment stärker als sein Bewusstsein. Am Ende dieser 5. Runde aber gab ihm Brewster noch einen unfairen Schlag nach dem Gong auf den Hinterkopf. Klitschko konnte sich noch aufraffen, aber der Schiedsrichter sprach ihn an und er reagierte nicht mehr. Er reagierte auch später nicht mehr, aus dem Unterbewusstsein hätte er den Kampf jeodch noch weiter geführt, er stand ja. Klitschko danach als Glaskinn verspottet, hatte sich meiner Meinung nichts vorzuwerfen, denn wirklich K.O. war er nicht. Der Sieg für Brewster lautete daher auch nur technischer K.O.

Der Kampf zeigt, dass in uns mehr Energie steckt als unser Körper uns bei Bewusstsein zugesteht. Irgendwann entscheidet ja dein Körper, ein bestimmtes Hirnareal, dass du nicht mehr kannst und schickt dich in eine Bewusstlosigkeit. Die Bewusstlosigkeit bedeutet aber nicht, dass dein Herz hätte aufgehört zu schlagen, dass deine vitalen Funktionen ausgesetzt hätten. So gibt es Boxer die kassieren können und Boxer mit Glaskinn. Der eine wird wie ein Baum gefällt, der andere haut dir mit seinem Zementkinn die Faust kaputt. Gerade diese Boxkämpfe von Boxern, die aufgrund ihres Willens nicht K.O. gehen sind bedenklich. Denn sie lassen nicht zu, dass weder Trainer noch Gehirn das Handtuch werfen. Sie kennen ihre Grenze nicht. Daher wird heute aus philosophisch ethischer Sicht von Ringrichtern eine Grenze gezogen. Früher dauerten Profikämpfe noch über 50 Runden es wurde nicht wie heute aus ethischen Gründen abgebrochen oder nach 12 Runden die Punkte ausgezählt. Wie erkennen aber auch, dass das Boxen ein Vermarktungsgeschäft geworden ist. Boxer werden womöglich auch etwa deswegen nicht mehr verheizt, weil sich gesunde Menschen als Stars aufbauen lassen. Kurz: Das bringt mehr Geld. Für Wetten dass heißt dies wohl, dass die Wette aus philosophischer Sicht nicht hätte durchgeführt werden sollen, aber lest mehr dazu auf meinem zweiten Beitrag dazu: Philosophische Grenzbetrachtung zum Unfall bei Wetten dass..? 

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2 Antworten auf Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum Unfall bei Wetten dass..?)

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