Philosophie Live – Zwischenbericht von den Mondlandschaften in Pittsburgh

Der Mond ist aufgegangen (By r b from san mateo, ca, USA (Outhouse) CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0) via Wikimedia Commons

Live - Der Mond ist aufgegangen (By r b from san mateo, ca, USA (Outhouse) CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0) via Wikimedia Commons

Eine zweitausendj√§hrige Geschichte verdient wohl auch einen Live-Ticker zum aktuellen Stand in der ehrw√ľrdigen Wissenschaft: Universit√§ten sind Talentlosigkeitsschmieden, in denen noble Professoren ihre Studenten solange foltern, bis diese bereit sind die Mater an anderen fortzusetzen. Alles geschieht heute klinisch rein in Anz√ľgen. Nicht mehr die Folterkammer sichert den Glauben an das System, sondern das Klassenzimmer.

Da die Philosophie kaum Methoden besitzt Hypothesen zu pr√ľfen, ist alles methodische Besteck allenfalls Zeichen von Zivilisation, ohne praktische Belange in der Philosophie. Eher sind wir unge√ľbt darin und pieksen uns gegenseitig an spitzen Gabeln.¬†Daher zeigt man gerne sein Besteck, doch isst lieber mit den H√§nden, um sich nicht selbst zu verletzen. Der Barbarismus hat sich daher gerade an seiner Wurzel √ľberlebt. Philosophen haben immer noch keine Methode, um die Methode zu beweisen und verlieren sich daher in Machtspielen. (Bareknucklefight)

Elitarismus versteckt sich dabei hinter pathetischem Ernst. Die meisten Philosophen leben auf Friedh√∂fen und schreiten von Denkmal zu Denkmal, dann stellen sie sich vor, wie Philosophen damals √ľber Friedh√∂fe gegangen sind und an noch gr√∂√üere Philosophen dachten. Damals war sowie so alles besser, denn sie wussten noch, was das Sein war. Heute wissen wir das nicht mehr.

1707 Homann and Doppelmayr Map of the Moon - Geographicus - TabulaSelenographicaMoon-doppelmayr-1707

In diesen Landschaften ist alle Welt langsamer von http://www.geographicus.com/mm5/cartographers/doppelmayr.txt Public domain, via Wikimedia Commons

Nat√ľrlich gibt es noch eine andere Philosophie. Die Philosophen, die dann den Bezug zur Tradition verlieren und nur noch in der Gegenwart vom Problembewusstsein leben. Diese glauben alle Gedanken an einem inneren Rechenschieber auf vorausgesetzte Realit√§t zu beziehen und schon w√ľrden wir einer langersehnten besseren Welt entgegenrechnen.

Die Frage ist eher, wie sich die Philosophie noch in ihre Rolle als Wissenschaft des Staunens erarbeiten könnte. Zugleich spreche ich nicht von den größeren Philosophen, sondern von den Landschaften der Passion. Die Passion Rechtzuhaben gehört in eine Zunft, die sich immer schon als Stellvertreter der Wahrheit feierten. Mit pastoralem Ehrgeiz sind sie zu den endlichen Geistern gestiegen, um ihnen ihr Leben zu erklären. Dennoch konnten Philosophen niemals mehr als Bettler werden. Der Philosoph ist angewiesen auf das Wohlwollen der Gesellschaft.

In Pittsburgh wird nur vorgetragen. Die Amerikaner, die sich als Erfinder des interaktiven Klassenzimmers r√ľhmen, bestechen nur durch den Zwang zum schreibenden Studenten. Zehn Essays f√ľr einen Bachelorstudenten in 15 Wochen plus Abschluss- und Midtermexamen sind nicht selten (das f√ľr einen Kurs neben anderen 4). Ansonsten werden die B√ľcher hier nur so durchgerockt, wobei kaum Zeit zum Atmen bleibt und viele Differenzierungen auf der Strecke bleiben. Philosophie ist hier eine hektische Veranstaltung.

 

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Die Planetenbahnen der Logik (Attribution: See page for author Public domain, via Wikimedia Commons

Kein Wunder also, dass ich heute ein „angenehmes“ Gespr√§ch mit einem republikanischen Anwalt hatte, der mir erkl√§rte, warum wir Guantanamo brauchen. Er w√ľrde mich ja irgendwo verstehen: Schlie√ülich war er auch mal jung. Ich antworte, dass es sehr viel √§ltere Menschen als ihn gebe, die es wohl schafften j√ľnger als er zu bleiben. Kant w√§re ein Beispiel, der K√∂nigsberger hatte aber, wie ich hinzuf√ľgte, in seinem Stadtgef√§ngnis niemals so viel Erfahrung wie er. Das Universalisierungsgebot f√ľr moralische Anspr√ľche halte ich als haltbar, das aber wurde nicht verstanden.

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Geld zirkuliert und die Reichen bereisen die Welt, um sich als Pragmatiker auszuzeichnen. Alles in hektischer Langeweile und Sinnlosigkeit. Der Reichtum hat noch nie die Gerechtigkeit, sondern nur die Selbstgerechtigkeit vermehrt.

Ansonsten bin ich Zeitfahrer, der die Zeit mit Gedanken jagt. Anstatt sie zu erfassen, sp√ľre ich nur den Zeitdruck im Kopf. Ich m√∂chte daher auf meine wenige Online-Aktivit√§t verweisen. Bei Pinterest habe ich ein Board zur¬†Philosophie¬†angelegt. Interessanter mag aber mein Board zum Leben eines Gentleman sein:¬†http://pinterest.com/fibonaccie/the-life-of-a-gentleman/. Das sind Tr√§ume. Ach und ja Tr√§ume sind der Grund, warum wir die Realit√§t nicht m√∂gen. Vom Boden der Realit√§t steigen sie wie Ballons in die L√ľfte und wir wissen nie, ob die Erde eines Tages vielleicht doch mit abhebt.

Soviel zum Stand der Philosophie live aus Pittsburgh

Norman Schultz, Phd. News

 

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