Der Fall Dominik Polonski und die Grenzen der Heilung – Woher wissen wir, dass ein Heiler wirklich ein Heiler ist?

Nachdem dem Cellisten Dominik Polonski ein Viertel seines Gehirns entfernt worden ist, kann er seine Beine nicht mehr bewegen. Doch dann h√∂rt er die ganze Nacht Melodien von Bach, ohne Unterbrechung. Den n√§chsten Tag kann er seine Beine wieder bewegen. Dann ein R√ľckschlag er hat einen Gehirntumor, der als austherapiert gilt. Zusammen mit Martin Busch, der Hypnose zur Ver√§nderung der inneren Haltung in Kombination mit der Feldenkraismethode anwendet, schafft er es schlie√ülich den Krebs zu besiegen. Bei der Feldenkreismethode sollen die inneren Bilder mit k√∂rperlichen Bewegungen verbunden werden.¬†Dominik Polonski erz√§hlt: „Der Arzt nahm die Untersuchungsergebnisse in die Hand und begann zu weinen. Er dachte es w√§re das Ende, doch dann sagte der Arzt, dass der Tumor verschwunden w√§re und er sich nicht erkl√§ren k√∂nne, wie das von statten gegangen w√§re.“

Der Film √ľber unglaubliche Heilungen (Dominik Polonski)
Obwohl der ganze Film sehr interessant ist, lohnt es sich besonders bei 24:20 spezielle das Schicksal von Dominik Polonski anzuschauen:

Viele Menschen sehen in den Ereignissen dieses Filmes den Beweis, dass die „westliche“ Medizin prinzipiell fraglich ist und es andere ‚ÄěM√§chte‚Äú zwischen Erde und Himmel gibt. ‚Ganzheitlich‚ ist mittlerweile zum Schlagwort geworden, womit jeder Wikipedia-Akademiker glaubt, den Medizinern um Lichtjahre voraus zu sein. Und auch die Mediziner kommen in Verlegenheit und formulieren: ‚ÄěWer heilt, hat Recht.‚Äú Doch k√∂nnen wir bei eintretender Heilung gerechtfertigt von Heilern sprechen?

Wenn ich beispielsweise einen Schnupfen habe und jemand kommt zu mir und sagt mir, er w√ľrde mich heilen. Wenn dann den n√§chsten Tag der Schnupfen verschwunden ist, woher wei√ü ich, dass der Heiler Ursache der Heilung und nicht meine Selbstheilung im Laufe der Zeit war?

F√ľr den Wissenschaftler ist diese Frage leicht zu beantworten, denn der Wissenschaftler schaut sich einfach an, mit welcher Erfolgsquote ein Heiler in vielen, vielen F√§llen arbeitet. Dieses mit genauen Fragen und Fallzahlen, die ein Einzelner aus seiner subjektiven Perspektive heraus einfach nicht erreichen kann. Insofern wir selbst die Welt nur beobachten, k√∂nnen wir vielleicht auf 10 Bekannte zur√ľckgreifen, bei denen ein Heiler vielleicht (so genau fragen wir ja nie nach) erfolgreich war. 10 Menschen k√∂nnen aber immer noch Zufall sein; eine zuverl√§ssige Statistik k√∂nnen wir daraus nicht basteln. Zudem fehlt uns der Charakter einer Doppel-Blind-Studie. Wenn der Heiler n√§mlich darauf spezialisiert ist, Schnupfen zu heilen und tats√§chlich bei 100 von 100 erfolgreich ist (wobei diese Fallzahl bei Normalverteilung der Versuchsteilnehmer schon verl√§sslicher ist), so kann es immer noch sein, dass diese Menschen ohne √§u√üeres Einwirken einfach gesund geworden sind. In einer Doppel-Blind-Studie vergleichen wir nun jedoch die Gruppe eines Heilers mit einer Gruppe, in der jemand nur vorgibt, ein Heiler zu sein. Wenn in beiden Gruppen die „Heiler“, die gleiche Erfolgsquote, das hei√üt hier in diesem Fall die gleiche Zeit ben√∂tigen, so gilt der Heiler nicht als wahrer Heiler. Er heilt nur mit der Zeit, w√§re er nicht da, w√ľrde die Zeit ebenso die Wunden heilen.

Nach dem Beobachtungsprinzip aber, das ganz und gar nicht mit westlichem Denken zu tun hat, sondern mit der Art wie wir die Welt beurteilen, lassen sich Scharlatane aufdecken. Wenn jemand behauptet er k√∂nnte heilen, aber nur in einem von tausend F√§llen Erfolge nachweisen kann, so liegt ist mit gr√∂√üter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er nicht heilen kann. Wenn jemand in 1000 von 1000 F√§llen die gr√∂√üten Krebsleiden beseitigt, dann w√ľrde jeder noch so ‚Äěwestliche‚Äú Mediziner ihm vertrauen. Dieses Denken und nicht das von Hobby-Esoterikern vielfach unterstellte ‚Äěwestliche‚Äú Denken einer physikalischen Weltvorstellung dominiert die Wissenschaft.

Medien √ľberh√∂hen Spontanheilungen (statistisches Wissen fehlt)
√úberlegen wir nun, welche F√§lle uns in aspektorientierten Medien begegnen, so sind es genau die F√§lle, in denen es zu spontanen Heilungen kommt. Die Medien haben kein Interesse von F√§llen zu berichten, in denen unspektakul√§r einfach mal nichts passiert. Wer w√ľrde sich das auch anschauen? Dominik Polonski kann daher ein au√üergew√∂hnlicher Einzelfall sein. Die Ursache f√ľr seine Heilung muss nicht die Therapie gewesen sein. Daher m√ľssen wir vorsichtig sein, wenn wir Einzelf√§lle heranziehen und sollten uns prinzipiell ein bisschen Gelehrsamkeit im Bereich der Statistik aneignen und diese Statistiken auch einfordern. Der Film liefert hier keinerlei Hinweise und so behaupte ich, insofern ich viel Filme gesehen habe, dass die Filmemacher sich auch niemals mit statistischem Wissen belastet haben und somit unser wichtigstes Instrument zur Beurteilung von Heilungschancen au√üen vor lassen. Diese grundlegende Bildungsfrage, dass wir n√§mlich dieses Grundinstrument zur Beurteilung der Welt ben√∂tigen, wird selbst in der Schule ausgespart, stattdessen wissen Lehrer teilweise selbst nichts mit den angeblich ‚Äěwestlichen‚Äú Denkern anzufangen.

Schlussfolgerungen zu Spontanheilungen
Aufgrund meiner theoretischen Pr√§missen, √ľberzeugt mich der Heilungsverlauf von Dominik Polonski dennoch. Ich glaube daran, dass wir erlernen m√ľssen unser Inneres in Einklang mit unseren K√∂rper zu bringen. Ich glaube daran, dass wir in unserem K√∂rper m√ľssen wohnen k√∂nnen und dass wir unserem K√∂rper durch falsche Gedanken schaden. Wer mit Techniken wie Autogenem Training (das im √úbrigen tats√§chlich mit statistischen Methoden erforscht worden ist) oder anderen Entspannungstechniken vertraut ist, der wei√ü, dass sich auch sonst unbemerkte K√∂rperfunktionen wie beispielsweise der Herzschlag kontrollieren lassen. Ich glaube also auch, dass wir mit positiven Bildern unseren K√∂rper heilen k√∂nnen und mit schlechten schaden. Wie weit dieses Verm√∂gen allerdings reicht, muss tats√§chlich in Beobachtungsstudien √ľberpr√ľft werden. Zun√§chst habe ich nur eine Theorie, die mir sehr plausibel erscheint. Das Wichtige aber ist zu erkennen, dass sie deswegen nicht wahr sein muss. Plausibilit√§tstheorien sind meistens sehr einleuchtend, m√ľssen aber nicht wahr sein. So haben Eskimos beispielsweise auch nicht drei Milliarden W√∂rter f√ľr Schnee, sondern nach direkter Forschung nur drei. Auch bei Dominik Polonski zeigt sich, wie er hilflos versuchte, den Tumor als Vorstellung eines Steins mit allen m√∂glichen Werkzeugen zu zerschlagen. Es half nicht. Die Frage ist also: Welche Techniken helfen? Aufgrund irgendeines individuellen Glaubens sind wir jedenfalls nicht schon in der Lage Ratschl√§ge zu erteilen.

Die Frage ist somit auch: Auf wen sollen wir vertrauen? Wer ein bisschen mit Statistik vertraut ist, weiß wohin er sich wenden muss.

Ausblick zu meinem Blog
Wir m√ľssen die Grenze unseres Heilungsglauben erkunden. Diese Grenze unseres Wissens √ľber den eigenen K√∂rper kann nicht durch Plausiblit√§tsthreorien bestimmt werden. Was aber k√∂nnen wir √ľber uns selbst wissen? Wir, die ja wissen und doch auch f√ľhlen?

Was ist die viel beschworene¬†Einheit von K√∂rper und Geist?¬†Wir m√ľssen in uns die Grenzen zur Welt ausmachen und diese Grenzen befinden sich nicht nur dort, wo unser K√∂rper vermeintlich eine Au√üenwelt trifft. Auch wir in uns selbst sind wie ein Pendel mal n√§her mal weiter entfernt von unserem K√∂rper und von uns selbst. Wir k√∂nnen auf unseren K√∂rper einwirken, wir k√∂nnen unseren K√∂rper aus Antrieb bewegen, aber wir k√∂nnen zugleich nicht √ľber unseren K√∂rper hinaus und sind ihm ausgeliefert, wenn wir beispielsweise krank werden. Wie k√∂nnen wir zudem ein Selbst sein? Wie k√∂nnen wir wollen, was wir wirklich wollen?

Schlie√ülich k√∂nnen wir auch an uns verzweifeln und nicht wissen, was wir wollen. Denn so wie Jesus in der ‚ÄěHeilung‚Äú von Lazarus‚Äô K√∂rper schon feststellte, ‚Äědiese Krankheit ist nicht zum Tode‚Äú. Die wesentlichere Heilung muss vielleicht wesentlich in uns selbst stattfinden. Hier m√∂chte ich aber nicht irgendeine selbstgebaute Esoterik oder Religion heranziehen, sondern nur durch Fragen den Gegenstandsbereich umgrenzen und damit den Beweisdruck auf die vermeintlich so wahren Esoteriken erh√∂hen.

weiterf√ľhrende Gedanken hierzu sind zu finden unter: http://auf-der-hoehe-der-zeit.blogspot.com/2011/02/geistheiler-vs-pillendreher.html

 

 

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