Weisheit (Teil1) – Woran erkennen wir Weise? (Genies Teil 6)

In diesem Beitrag m├Âchte ich ├╝ber Weisheit nachdenken. Da vor allem Meditierende als weise gelten, m├Âchte ich fragen, ob diese tats├Ąchlich weise sind. Hier stehen wir vor einem Problem, denn wie erkennen wir, ob jemand weise ist? Wie erkennen wir ├╝berhaupt, dass Meditationen einen Sinn haben? Bei beiden Beantwortungen wird sich zeigen, dass wir wenig Gr├╝nde haben, jemandem zu glauben, dass er weise sei, denn es geht immer um innere nicht beweisbare Wahrheiten. Schlie├člich werden wir dabei auf charismatische Pers├Ânlichkeiten wie beispielsweise Charles Manson zu sprechen kommen, die behaupten erleuchtet mithin weise zu sein und damit sogar Anh├Ąnger ihrer abstrusen Theorien gefunden haben. Die Frage wird leiten: Wie haben sie das geschafft? Der gesamte Beitrag ist sehr skeptisch geworden, obwohl ich Bewunderung f├╝r die Askese in mir besitze. Dieses aber muss in einem anderen Beitrag er├Ârtert werden. Ansonsten empfehle ich, auf meinem Blog zur Askese zur├╝ckzugreifen.

Der Weg der Weisheit scheint kein einfacher zu sein. Um zur Meisterschaft aufzusteigen bedarf es 30.000 ÔÇô 40.000 Stunden der Meditation, zumindest sofern wir den fern├Âstlichen Weisheitslehren folgen. Weisheit ist lernbar lautet die Divise, das hei├čt aber im g├╝nstigsten Fall k├Ânnen wir es innerhalb von 5 1/2 Jahren bei 15 Stunden Meditation am Tag schaffen. Bei einer Stunde am Tag, die wir daf├╝r frei r├Ąumen k├Ânnten, l├Ągen wir bei 82 Jahren. Angesichts dieser immensen Zahlen k├Ânnen wir die Gr├╝nde erahnen, warum wir Weisheit mit wei├čen B├Ąrten und hohem Alter verbinden. Diesen Mut zur Meisterschaft k├Ânnen wir wohl kaum mehr vergleichen mit dem, was wir in der westlichen Welt an Mastertiteln verteilen – Meister der K├╝nste. Was aber zeichnet unter all denen, die Weisheit suchen, erfahrene Meditierende aus?

Rembrandts Weiser im Elfenbeinturm

Es hei├čt, Meditierende sind in der Lage ihre Aufmerksamkeit hoch zu fokussieren. Sie k├Ânnen, wie es Singer, der bekannte Neurowissenschaftler, bei Scobel zum Thema Meditation er├Ârtert, Zust├Ąnde des so genannten L├Âsungsbewusstseins ein- und ausschalten und gar ├╝ber Stunden der Meditation hinweg halten. In diesem Zustand erzeugen sie ein H├Âchstma├č an Stimmigkeit und versp├╝ren keine Unruhe.
Der Laie steht nun jedoch vor diesen religi├Âsen Entsagungsriten, vor der Landschaft der Elfenbeint├╝rme, aus denen die Weisen blinzeln, und fragt sich zweifelnd: Ist das genug, um 15 Stunden vor einer wei├čen Wand zu starren? Eine Erleuchtung, die dann nur als Resutltat hat, dass ich als Mensch in einer Ecke sitze und zufrieden bin? Kann das reizen?

Drei Gr├╝nde, warum ich das f├╝r fragw├╝rdig halte: Erstens bezweifle ich, dass hier eine vern├╝nftige Relation zwischen Zweck und Mittel erf├╝llt ist. Die geopferte Zeit erscheint mir zu viel. Zum Zweiten glaube ich, dass wir nicht Zufriedenheit wollen, sondern Weisheit, die eben die Einsicht in die unabdingbare, wirkliche Welt bef├Ârdert, von der sich Meditierende aber zur├╝ckziehen m├╝ssen. Sie gehen in eine innere W├╝ste und entsagen mit ihren Meditationsriten der Au├čenwelt auf Jahre hinaus. Zum Dritten glaube ich, dass wir, insofern wir die Einsicht in die Welt als Weisheit erhalten, unser innerstes moralisches Bewusstsein und damit das Pflichtbewusstsein zum Erwachen bringen, was wir mit blo├čer Meditation nicht schaffen w├╝rden. Dieses Pflichtbewusstsein besagt n├Ąmlich, dass wir uns nicht einfach so aus der Gesellschaft zur├╝ckziehen d├╝rfen, sondern diese in ihrem Zusammensein bef├Ârdern m├╝ssen. M├Ânche, die dann den ganzen Tag mit einem kleinen Besen herumlaufen und den Weg s├Ąubern, damit sie kein Leben vernichten, sind zwar bewundernswert in ihrer Askese, doch angesichts der vielen ungenutzten Energien, die sie dabei verschwenden, wenig hilfreich. Dar├╝ber hinaus frage ich, ob der Zustand der inneren Zufriedenheit nicht einem h├Âheren Egoismus entspringt. Darf das Ziel der Zufriedenheit als Grund f├╝r den R├╝ckzug aus der Gesellschaft gelten? Muss nicht gerade das ethische Genie, sich bis auf das letzte Hemd entkleiden und mit aller zur verf├╝genden Kraft die Verbesserung der Menschheit anstreben als sich in einer Suche nach sich selbst zu verlieren?

Um es klar zu stellen, Weisheit leuchtet mir als erstrebenswertes Gut ein, auch wenn ich an dieser Stelle noch nicht genau sagen kann, was Weisheit bedeutet, die Religionen aber, die sich im Umfeld einer oftmals unzul├Ąssig beanspruchten Weisheit stiften, schrecken mich ab und damit auch die Meditationslehren. Wonach bewerten wir denn die Erleuchtung dieser Meditierenden? Ihre Behauptung, dass die Weisheit in ihnen ist, ist mir zu wenig und viele Resultate ihres Wirkens sehe ich nicht. Hierauf m├Âchte ich etwas st├Ąrker reflektieren.

Der blo├če Glaube an die weisen, meditierenden M├Ąnner erscheint mir aus den genannten Gr├╝nden problematisch. Mit der Hoffnung (jenem Gef├╝hl, dass alles gut wird, egal wie es tats├Ąchlich seinen Lauf nimmt) geben wir diesen weisen M├Ąnner all zu oft einen Vertrauensvorschuss, der die gesamte menschlich erfahrbare Welt ├╝bersteigt. Mit unserem Glauben an diese weisen M├Ąnner hieven wir sie in eine transzendentale Welt, in der schlie├člich nur Erleuchtete ihren Platz haben. Treu dem Prinzip, dass nur ein Meister einen Meister erkennen k├Ânnte, so sind wir bereit alle Aussagen als weise und durchdacht, nein sogar als erleuchtet einzusehen. Wir k├Ânnen es nur „noch“ nicht verstehen. Ich jedoch glaube nicht an diese dubiosen Genies der un├╝berpr├╝fbaren Innerlichkeit und damit auch nicht an das Ph├Ąnomen einer von au├čen verstehbaren Erleuchtung. Warum?

Ich will das mal mit einer Anekdote kl├Ąren. Als ich zum wiederholten male von einem Campuschristen von Gott ├╝berzeugt werden sollte, sagte ich ihm, dass die islamische Religion genau dieselben Anspr├╝che vertrete, n├Ąmlich, dass ihr Gott der wahre Gott sei. Also fragte ich, warum ich nun seiner Religion und der einmaligen Beweisschrift, dem Buch seiner B├╝cher, Glauben schenken sollte. Da antwortete er mir, dass man sp├╝re, wenn Muslime von ihrer Religion erz├Ąhlten, diese Muslime eben nicht authentisch w├Ąren. Und genau hier liegt das Problem, woher wissen wir denn, dass jemand die Wahrheit sagt, also authentisch ist? Wenn wir es nur von au├čen beurteilen, was er von sich innerlich bezeugt, so k├Ânnen wir nur unseren eigenen Schl├╝ssen glauben, vertrauen aber mehr als wir wissen. Wenn ich zum Beispiel sage, Gott habe zu mir gesprochen oder meinetwegen nur, dass die Wahrheit in mir sei, warum sollte mir jemand glauben?

Nun hei├čt die Antwort des Christen und wie auch bei anderen Religionen, dass diese Menschen, die die Wahrheit sprechen, authentisch seien. So gilt zum Beispiel auch Osho als authentisch – seines Zeichens Religionsstifter. Wenn ich diesen Herren allerdings sehe, dann frage ich mich immer nur, ob es gut ist, so lange nicht zu blinzeln. Aber seht selbst.

Was sehen wir hier also? Wir sehen einen Mann, der es auf mir g├Ąnzlich unverst├Ąndliche Weise geschafft hat, viele, viele Anh├Ąnger um sich zu scharen und so ein Millionendollarimperium aufzubauen. Seine Flotte von 93 Rolls Royce, die er angeblich f├╝r seinen R├╝cken ben├Âtigte (schwerer Bandscheibenvorfall) oder auch, die er hatte, um den anderen ihre Fokusierung auf diesen Aspekt des Materialismus zu demonstrieren, oder auch als Ironie auf die amerikanische Lebensweise, sagt schon ihr ├╝briges aus. Gut, ich rede wenig ├╝ber seine Lehre und tue ihm vielleicht Unrecht, aber hinsichtlich seiner Lehre, sehe in ihm nur einen Mann, der viel redet und an dessen Lippen seine Anh├Ąnger ganz bieder kleben. Der Mann redete so viel und so werden heute noch B├╝cher ver├Âffentlicht, da einfach alles mitgeschnitten wurde, was er gesagt hat. Auch heute noch viele Jahre nach seinem Tod werden damit gute Verkaufszahlen erzielt. Sanyasin d├╝rfen ├╝brigens reich sein und es ist eine Religion, die sich auch sehr gut vermarkten kann.

Aber zur├╝ck zum Thema, woher wei├č ich, dass jemand erleuchtet ist? Wenn ich jemandem glaube er sei erleuchtet, dann entweder weil ich selbst glaube, zumindest einen Teil dieser Erleuchtungsenergie in mir zu besitzen oder weil ich mir sehr wohl bewusst ├╝ber das dunkle Gew├Âlk meiner unbekannten Seele bin, die mir so undurchdrinbar verzweifelt erscheint, so dass ich jedem Dahergelaufenen einfach glauben will, dieses um der eigenen Erl├Âsung willen. Erleuchtete beleuchten also eher mein Dunkel, als dass sie tats├Ąchlich Licht in die Welt bringen. Ich behaupte also, dass die Authentizit├Ąt in beiden F├Ąllen nur im Auge des Betrachters liegt. Doch sind das Kriterien, wenn sie denn aus mir kommen? Nein, denn diese Kriterien sind subjektive Kriterien. Hinzu kommt, dass der Begriff der Erleuchtung hier zumeist ein zutiefst menschlicher ist, n├Ąmlich nicht der Wunsch nach Wissen ├╝ber die Welt, sondern einfach nur der Wunsch nach eigener Zufriedenheit. Wenn sie denn wenigstens etwas besonderes k├Ânnen w├╝rden. Zum Beispiel mit einem Schlage Superrechner w├Ąren, Klavier spielen k├Ânnten, ohne Training alle Bewegungen replizieren k├Ânnten, dann w├╝rden sie mich von ihrer Erleuchtung ├╝berzeugen k├Ânnen. In der Regel behaupten sie allerdings nur (vielleicht auch sehr charismatisch), dass sie etwas k├Ânnen (das werden wir sp├Ąter noch bei Charles Mansons sehen). Wie soll dieser Beweis nun aber aussehen, wenn er nicht ├Ąu├čerlich sein darf? Wie wollen sie mich ├╝berzeugen?

Es hei├čt: Jeder, der sich leidenschaftlich einer Sache verschrieben habe, beginne in der Sache zu flie├čen. Er flie├čt um den Gegenstand des zu Erkennenden und wird zum Erkennen selbst und das zu Erkennende zu ihm. Wir w├╝rden also sehen, dass der Meditierende etwas Erleuchtung an sich habe, denn er sei in den Fluss der Welt hinabgestiegen und so werde das Verh├Ąltnis zwischen ihm und Welt aufgehoben und er ganz Welt ohne Differenz, zum Fluss der Welt selbst. Herzlichen Gl├╝ckwunsch! Ein Mensch gewinnt sich selbst, wo er sich doch eigentlich an die Welt verloren hat. Ob wir diesen Selbstgewinn von au├čen beurteilen k├Ânnen, m├Âchte ich bezweifeln, denn wir k├Ânnten uns ja t├Ąuschen. Zum Aspekt der Selbstaufl├Âsung in Welt hatte ich dar├╝berhinaus schon eingewendet: Selbst wenn diese Zust├Ąnde immense Zufriedenheit und Einheitserfahrungen mit der Welt in den Meditierenden ausl├Âsen, was sagt uns, dass dieses erstrebenswert w├Ąre? Es k├Ânnte also zun├Ąchst sein, dass die Erleuchteten sich selbst t├Ąuschen.
Das Kriterium der Wahrheit sei hier nun aber, dass wir sp├╝ren, dass die Meditierenden im Fluss mit sich selbst seien (auch wenn sie sich selbst t├Ąuschen). Doch was hie├če diese Einheit mit sich selbst nun? Zun├Ąchst ist es nur ein menschliches Kriterium. Denn wir beurteilen einen erstrebenswerten Zustand von Menschen, nicht aber die Welt selbst in diesen Menschen. Einheit bedeutet also, dass der Mensch sich dabei wohl f├╝hlt. Selbst, wenn diese Menschen dabei behaupten, die Welt erkannt zu haben, dann doch nur als Menschen. Die Einheit der Welt ist also eine menschliche. Beweise, dass sie die wirkliche Welt erkannt h├Ątten, bleiben schlielich auch aus, denn das w├╝rde bedeuten, dass sie ├╝berpr├╝fbare Vorhersagen ├╝ber die Welt mit 100% Zielsicherheit machen k├Ânnten. Da sie das nicht k├Ânnen, hei├čt das, dass sie nur die innere Welt meinen k├Ânnen. Aber mixen wir mal beide Arugmente zusammen: Wodurch k├Ânnen wir hier nun bei dieser inneren Welt ausschlie├čen, dass das Menschliche, der Wunsch nach Zufriedenheit, der den Meditierenden vielleicht sogar selbst t├Ąuscht, uns hier nicht zur gesamten, wirklichen Einheitsschau im Weg steht? Warum sind diese M├Ânche, die in den Abgrund der Meditation hinabgestiegen sind, nicht einfach nur einer Traumillusion der inneren Zufriedenheit erlegen und geben diese jetzt an uns authentisch wieder und t├Ąuschen damit auch uns? Und warum sollten wir ihnen mehr abnehmen als diese innere Illusion? Wir m├╝ssten also eine Antwort haben, warum die Meditierenden sich nicht selbst t├Ąuschen und zum zweiten, dass sie uns nicht t├Ąuschen.

Betrachen wir es zudem f├╝r einen Moment nur biologisch: Das Gef├╝hl der Zufriedenheit und Einheit ist ein Belohnungsmechanismus, der uns anhalten soll, etwas zu schaffen. Wenn wir diesen Belohnungsmechanismus nun selbst regulieren k├Ânnen, warum sollten wir noch etwas anderes tun? Wir w├╝rden uns im Zufriedenheitsmodus verlieren und wie eine senile Person auf Drogen ruhig gestellt von uns selbst im Gl├╝ck verloren gehen. Dar├╝berhinaus w├Ąren wir unter Umst├Ąnden ├╝ber jeden Zweifel erhaben, dass dieses falsch sein k├Ânnte. Und badabing wirken wir authentisch. Tats├Ąchlich ich rede von der Gefahr, dass die Menschheit sich im Gl├╝ck und in der Zufriedenheit verliert, einem Wachtraum, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, weil wir dieses Gef├Ąngnis der positiven Gef├╝hle selbst wollen w├╝rden. Authentizit├Ąt kann also t├Ąuschen, selbst wenn sie wahr w├Ąre. Es gibt keine Sicherheit vor einer m├Âglichen Selbstt├Ąuschung, so wahr es sich auch anf├╝hlen mag.

Authentizit├Ąt ist also in dreifacher Hinsicht fragw├╝rdig: Wir k├Ânnen einem subjektiven Wollen erliegen und uns selbst t├Ąuschen, wir k├Ânenn von anderen get├Ąuscht werden und die denen wir glauben k├Ânenn sich selbst t├Ąuschen. F├╝r alle drei T├Ąuschungen gibt es keine L├Âsung in der Gef├╝hlswelt der inneren Zufriedenheit. Ich behaupte daher: Nur, dass rationale Gef├╝hl, das Gef├╝hl des Verstandes kann uns vor einer Aufl├Âsung im Hormonbad unseres K├Ârpers in der Welt bewahren und zur Pflicht der menschlichen Wirklichkeit f├╝hren, auch wenn wir dabei unsere eigene Zufriedenheit riskieren. Weisheit w├╝rde diese Einstellung meiner Meinung bedeuten. Ob es dieser Weg des Verstandes allerdings ein sicherer ist, das wei├č ich allerdings auch nicht, denn der Verstand k├Ânnte uns ja auch mit seinem Denken t├Ąuschen. Alle L├Âsungsans├Ątze, die ich hier kenne (Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Heidegger, Brandom), betrachte ich als gescheitert.

Sind zufriedene Menschen nun weise? *lach* Ich ziehe jeden Nobelpreistr├Ąger jedem noch so Erleuchteten vor, denn die Religionen, so lange es sich bei ihren Vertretern nicht um ethische Ausnahmetalente handelt, sind prinzipiell ein Gesch├Ąft, das wenige Resultate vorzeigt und sind daher auch schlicht nicht beweisbar. Was n├╝tzen mir die zufriedenen Menschen, die sich ├╝ber die Welt nicht mehr emp├Âren und jede noch so abstruse Situation mit innerer Genugtuung und einem senilen L├Ącheln beantworten? Zudem hatte ich schon so langweilige Abende mit Leuten, die vorgaben die Wahrheit zu kennen. Von Weisheit habe ich da wenig gesp├╝rt. Der R├╝ckzug vom Leben und die Einkehr in sich selbst, in die Wachheit fordern ihren Tribut. Der klare Geist, der Himmel ohne Wolken, die verschmolzene Einheit aller Dinge ohne Dingkonstante, was soll diese bringen au├čer Zufriedenheit f├╝r das eigene Leben? Welchen Sinn h├Ątte dieser Sinn f├╝r das eigene Leben, wenn er abgesehen von der eigenen Sinngebung keinen Sinn h├Ątte? Und so haben diese Menschen mich wenig inspiriert.

In einem meiner n├Ąchsten Beitrag muss ich also ├╝ber den Sinn der Zufriedenheit und den Sinn der Weisheit nachdenken, der bedeutet, dass wir eben nicht nach eigener Zufriedenheit streben, sondern nach mehr. Dieses Mehr bedeutet, dass wir unsere eigenen Grenzen erforschen. Zun├Ąchst aber m├Âchte ich nochmals ├╝ber den Glauben an den Erleuchteten nachdenken und hinterfragen.

Menschen, die als erleuchtet gelten, werden oftmals von den Anh├Ąngern als sehr charismatische Pers├Ânlichkeiten beschrieben. Dieses Kriterium allerdings unterliegt historischen Schwankungen, so gilt Osho als charismatisch, Hitler und eben auch Charles Menschen. Ich glaube sehr wohl, dass unter den richtigen historischen Bedingungen es immer Menschen geben wird, die diese Menschen als charismatisch empfinden, aber das ist nur der Bezug auf eine historische Pers├Ânlichkeit, wir haben als historische Pers├Ânlichkeiten wenig M├Âglichkeiten ahistorisch und sogar nicht anthropozentrisch zu beurteilen. Nun k├Ânnte nat├╝rlich einer behaupten, dass diese Menschen charismatisch sind, weil sie eine innere Wahrheit tragen. Gut, das mag sein, ist allerdings wie er├Ârtert nicht ├╝berpr├╝fbar, damit w├Ąre sein Glaube nur ein Glaube, der keine ├ťberzeugungskraft bes├Ą├če. Im ├╝brigen w├Ąre die innere Wahrheit, insofern sie ├╝berpr├╝fbar w├Ąre, eine ├Ąu├čere Wahrheit. Hierin besteht ja auch der Schutz vor einer wissenschaftlichen ├ťberpr├╝fung, indem immer auf ein Inneres un├╝berpr├╝fbares, weil nicht Beobachtbares, zur├╝ckgegangen wird. Dies hat zur Konsequenzen, dass wenn jemand es denn nur schafft Charisma, das hei├čt innere Wahrheit zu zeigen, nicht mehr unterschieden werden kann, ob es wirkliches Charisma oder T├Ąuschung ist. Mein westlicher Zweifel allerdings l├Ąsst diese Menschen nicht mehr zu. Ich glaube nicht daran, dass Menschen in ihrem Inneren das gro├če Ganze erkannt haben, insofern sie nicht angeben k├Ânnen wie. Das Kriterium der Authentizit├Ąt ist daher, wie auch schon ausf├╝hrlich er├Ârtert, ein sehr problematisches. ├ťbrigens selbst Heidegger, einer der gr├Â├čten Denker der Philosophiegeschichte, glaubte an Hitler aufgrund seines Charismas. Nachdem Jaspers fragte, wie er diesem Verr├╝ckten nur Glauben k├Ânne, antwortete Heidegger: Ja, verr├╝ckt, aber sieh dir seine H├Ąnde an. Ebenso galt auch Charles Manson, der Mann, der die Frau von Roman Polanski Sharon Tate (die damals angeblich sch├Ânste Frau der Welt) brutal ermorden lie├č, als charismatisch bei seinen Gespielinnen. Sie haben sich immerhin zu einem brutalen Mord inspirieren lassen und glauben auch heute noch an ihn, weswegen eine seiner Anh├Ąngerinnen auch die M├Âglihchkeit der vorzeitigen Entlassung verwehrt bekommen hat. Sie t├Âteten eine Frau, die im 8 Monat schwanger war und stachen ohne Skrupel in ihren Bauch. An den Kommentaren im Internet k├Ânnen wir erkennen, dass es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die die kindischen Eskapaden von Manson bewundern. Soll das etwas Charisma sein?

Die ├ťberzeugung mit der Manson sich selbst vermittelt, bestimmen sein Charisma nach Au├čen und ich bin ├╝berzeugt, dass auch ich in Gegenwart von ihm weiche Kniee bekommen w├╝rde. K├Ânnen wir nun aber sagen, dass dieser Mann in einer Einheit mit sich besteht und innere Wahrheit besitzt? Anh├Ąnger von Helter Skelter, seiner Religion, w├╝rden das. Er ist schlie├člich nach eigener Aussage der wiedergeborene Jesus. Ich sehe nichts weiter als einen Spinner, der mit ein paar Momenten Menschen verwirrt. Doch, was wohl andere ├╝berzeugt, ist, dass Manson vollkommen ├╝berzeugt von sich ist. So glaubt er, dass sich in ihm nichts wiederholt und er st├Ąndig das Neue aus sich herausproduziert (was ich im ├╝brigen als das einzige Kriterium f├╝r ein Genie ansetzen w├╝rde). Dabei merkt er nicht wie seine „Dance-Moves“ klar dem Bild der 60er – 70er entsprechen. Von der Entwicklung der Au├čenwelt des Tanzes (au├čerhalb seines Gef├Ąngnisses) hat er wenig mitbekommen.

Ich sehe in diesem Tanz eine Person, die ├╝berzeugt ist von sich und sich dabei nur l├Ącherlich macht. Aber zum Problem: Wir sind in einem historischen Kontinuum eingebettet und was wir produzieren, bezieht sich immer auf die sprachlichen Vorgaben, von denen wir uns vielleicht etwas entfernen, auf die wir aber eingebettet in die Kultur immer bezogen bleiben. In diesem Sinne ist auch die sprachliche Vorgabe des Tanzes, diejenige von der Manson sich nicht l├Âsen kann. Das Charismatische ist wahrscheinlich, dass er es schafft, seinen Anh├Ąngern aber zu vermitteln, dass er diese Einzigartigkeit des Neuen bes├Ą├če. Seine Anh├Ąnger k├Ânnen wom├Âglich die historische Gebundensein ihres Denkens nicht durchdringen und glauben daher Manson. Alles sei neu, sagt er ja selbst und warum sollte er sie, der so authentisch ist, anl├╝gen? Ich denke auch, dass die Tradition bei Gr├Â├čen wie Beethoven immer eine Rolle spielt. Deswegen h├Ârt sich die Musik von Beethoven dem Genie auch wie Klassik an. Auch die Evolution des Tanzes unterliegt den Gesetzen dieser Evolution der Meme (Wie es Dawkins nennen w├╝rde, wie schon in meinem Beitrag zur Schwarmintelligenz dargestellt) . So hat beispielsweise auch die Entdeckung der K├Ârperwelle zu den diversesten Auspr├Ągungen des Tanzes gef├╝hrt. Ein Mem von dem sich T├Ąnzer heute nicht mehr so leicht l├Âsen k├Ânnen.

Hier k├Ânnten wir nun einige Elemente zusammentragen, die sich in immer bessere Tanzstile integriert haben. Insofern w├Ąre ein weitere Beitrag ├╝ber die memetische Evolution des Tanzes interessant. Um es aber kurz zu machen, immer wenn wir jemandem aufgrund einer un├╝berpr├╝fbaren Authentizit├Ąt glauben, ist die Gefahr gro├č, dass wir einem absoluten Spinner aufsitzen. Auch Guttenberg galt ja aufgrund seines Charisma mithin seiner Authentizit├Ą bei der Bev├Âlkerung und so konnten auch Beweise gegen seine Person nicht beeindrucken. Wir fragen daher abschlie├čend: „Wie erwecken wir den Eindruck, dass wir weise sind?“

Was k├Ânnen wir hieraus schlussfolgern? Erstmal hat Bill Clinton einen Guttenberg gebaut hat, denn ohne Fu├čnote handelt es sich um ein Plagiat. Ansonsten: Um weise zu klingen, Grammatik gelernt bei Yoda du musst haben.

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