Grenzen des Fussball – Distanzschüsse zwischen Zufall und Notwendigkeit

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Distanzschüsse sind oft Verzweiflungstaten Foto:Ashelia

Distanzschüsse sind Glück. Was mich daher bei der Sportstudiowahl zum Tor des Monats immer wieder stört, sind Tore, die aus der Distanz erzielt werden. Natürlich gehört dazu auch einiges an Talent den Ball in die richtige Richtung zu dreschen, allerdings sehe ich bei diesen Verzweiflungstaten oftmals mehr Glück als Verstand. Zumeist hätte die Situation oftmals intelligenter gelöst werden können und die Brechstange wäre besser im Gepäck geblieben.

Wenn wir überlegen, dass pro Bundesligasaison abertausende solcher versuchten Schüsse praktiziert werden, so können wir schlussfolgern, dass ja irgendwann Tore reingehen müssen. Diese Tore sehen wir dann im Tor des Monats. Deswegen verwundert es auch nicht, dass 2.Ligatore dabei sind und vollkommen unbekannte Spieler. Interessant wäre hier eine statistische Auswertung zu diesem Thema.

Aufgrund des Glücks solcher Schüsse aber prämiert das Sportstudio meiner Meinung zumeist nicht den besten Spieler, sondern denjenigen, der das größte Glück hatte. Der ein oder andere mag nun argumentieren, dass dieses aber die magischen Momente seien, die den Sport so interessant machen würden. Diese Meinung teile ich nicht. Das Verlangen des Menschen ist es doch, dass er Erfolge durch Leistung erzielt.

Bei jedem Spiel, dass von einer strategischen Ausrichtung geprägt ist, geht es daher darum zufällige Glücksmomente so weit wie möglich zu reduzieren. Da im Fussball mit der geringen Anzahl an Toren ein zufälliges Tor zum Beispiel tödlich sein kann, ist die Order in der Nationalmannschaft nicht zu foulen. Löw vermeidet hier lieber das Risiko eines „Lucky Punch“.

Aufgrung aber der Tatsache, dass Spiele durch tatsächliche Überlegenheit gewonnen werden, gefallen mir auch Spielzüge mit mehreren Stationen, die zu Toren führen. Diese zeigen auch, dass Fussball ein Teamsport ist und nicht aus Einzelaktionen besteht. Hier also meine Tore des Monats, die für mich jedes Fernschusstor überragen:

Die Spanier haben diese Spielweise natürlich mit ihrem Karusselspiel verstanden. Das heißt aber nicht, dass ich dieser Spielweise im Vergleich mit schnellen Konterspielzügen den Vorrang gebe. Es heißt nur, dass ich einen Teamsport sehen will und keine verzweifelten Hau-Drauf-Idioten.

Was heißt das für uns? Wir können Glück haben im Leben, je mehr wir allerdings im Team unsere Kräfte einsetzen, desto weniger sind wir abhängig von Glück und desto mehr kommt unsere Leistung zum Tragen. Dies gilt für die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Politik und die Bildung. Also nicht verzweifelt Lotto spielen, sondern Teambuilding ;)

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2 Antworten auf Grenzen des Fussball – Distanzschüsse zwischen Zufall und Notwendigkeit

  1. Sebastian sagt:

    Ich habe mir das auch schon öfter gedacht, dass diese Kunstschüsse, wobei die eigentliche Kunst hier ist, Glück zu haben, nichts mit dem Können zu tun haben.
    Andererseits, ist es doch so, dass nur Schüsse hineingehen können, die auch versucht werden.
    D.h., je mehr ich versuche, desto grösser meine Wahrscheinlichkeit. Das war ja auch ein Erfolgsrezept von Dortmund letztes Jahr, die haben eben einfach öfter geschossen und dadurch auch einfach ihre Tore gemacht. Die Bayern dagegen haben lange Zeit in der Saison, den Ball vor dem Tor hin und hergeschoben und dann knapp verloren, weil der Ball einfach nicht reinwollte.
    Da hätte der eine oder andere Schuss schon ganz gut getan.

    In Bezug auf unseren privaten oder beruflichen Erfolg heisst das dann wohl wir müssen einfach öfter etwas versuchen, solange bis wir dann den Kunstschuss erleben, der unser persönlicher Erfolg wird.

  2. Fibonaccie sagt:

    Hi Sebastian, ja das stimmt natürlich, dass ist auch eine Theorie von mir, je mehr Chancen ich mir erarbeite, desto mehr Tore mache ich. Allerdings ist das ja nicht immer richtig. Denk an den Europmeisterschaftssieg von Griechenland…
    Ich denke, Bayern wollte Barcelona mit der Ball-Dominanz und den negativen Laufwegen beim Gegner immitieren, wofür sie aber einfach nicht die Qualität haben. Dortmund hat nun allerdings auch nicht einfach auf das Tor mit der Brechstange gestürmt, sondern haben das Konzept der schnellen Konter unter 10 Sekunden gefahren. Die Frage bei den Torversuchen ist, wie diese zu Stande kommen.
    Ich glaube aus dem Fußball verabschiedet sich daher das Brechstangenkonzept, weil einmal vielleicht ein Kunstschuß hineingeht (wozu auch Talent gehört), aber langfristig keine Strategie verrät.

    Beim Erfolg ist es ähnlich, manche haben über Nacht Erfolg, aber darauf kann man nicht vertrauen, sondern man braucht die richtige Strategie.

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