Das Nichts vermarkten: Der Philosoph Herr Tutorial

Nothing is Accomplished

Nichts (CC_Foto: Von Rafael Pe√Īaloza)

W√§hrend die westliche Philosophie ihre Gedankenkraft aus der Grundlegung des Seins bezog, weidete sich die √∂stliche Philosophie, an einer Philosophie des Nichts. Erst der Philosoph Hegel erkannte die metaphysische Oszillation zwischen beiden Konzepten und empfahl eine Philosophie des Werdens und entwickelte daher die Idee einer vermittelten Unmittelbarkeit, einem immer schon vollzogenen √úbergang zwischen Sein und Nichts. Eine Philosophie des Nichts wie es der Buddhismus f√ľr sich beanspruchte, war daher vielleicht religi√∂s, aber diese Religion konsistent vor philosophischen Anspr√ľchen aufrecht zu erhalten, erscheint auch mir ein Ding der Unm√∂glichkeit, da das Nichts immer in ein Seiendes umschl√§gt, insofern es postuliert wird.

Es ist wie die Geschichte vom Meister (aus dem zweiten Buch des Philosophen Sua Ten), der nach jahrzehntelanger, erfolgloser Meditation, um das Nichts zu erfahren, schlie√ülich mit den Worten „Nichts“ verstarb. Dennoch geh√∂rt der angedeutete √úberschlag ins Nichts zu unserer Welt, denn vor allem im Internet zeigt sich, dass gerade Hohlheit, die Umschlie√üung von Nichts, das hei√üt reines Marketing Erfolgsm√∂glichkeiten bietet.

Wir k√∂nnten es auf Gesellschaften so sehen, dass wir uns fortw√§hrend im R√ľckgang auf das Nichts befinden und das Sein nur in kurzen Momenten aufsteigen lassen. So verstehe ich auch die Selbststeigerungsphilosophien nach dem Philosophen Sloterdijk. Es gibt die h√∂chste Aussichtsplattform des Genies nicht. Wir k√∂nnen nicht √ľber der Welt mit dem absoluten Wissen hinausblicken. Durch √úbung kommen wir nicht h√∂her hinaus als unser K√∂rper und Geist es vermag, aber das fortw√§hrende Entwickeln aus dem Nichts, das ich war, bringt in die Seiendheit, die ich sein will. Zielstellung ein Philosophie ist daher, wie wir an uns selbst werden.

Malewitsch war wohl der erste, der nur noch die Form am Kunstmarkt bediente: Schwarzes Quadrat auf weißem Grund (CC_Foto: Von tea610)

Malewitsch war wohl der erste, der nur noch die Form am Kunstmarkt bediente: Schwarzes Quadrat auf weißem Grund (CC_Foto: Von tea610)

Das Nichts im Internet

Das Internet weist nun Steigerungsm√∂glichkeiten und auch Abstiege auf. Heute interessieren uns die Abstiege. Um das ganze mal methodisch-philosophisch zu beginnen: Zun√§chst k√∂nnen wir die Form und den Inhalt des Internets unterscheiden. Zur Form geh√∂rt mit Sicherheit die Suchmaschinenoptimierung, um auf Google mehr Klickraten zu erzielen, auf der anderen Seite steht der Content. Nun d√ľrfte relativ klar sein, dass hochqualitativer Content nur von wenigen verstanden wird.¬†Hegels¬†Philosophie¬†h√§tte im Internet genauso wenig Klickraten wie Einsteins Relativit√§tstheorie erzeugt.¬†Qualitativer Content ist daher nicht unbedingt finanziell attraktiv, einziges Kriterium ist hier, dass der Content schnell und weit verbreitet wird. Wir k√∂nnen also radikal mit der Idee des Contents brechen, wenn wir Geld verdienen wollen. Zwar bringt auch qualitativer Content Besucher, aber wenn Marktmechanismen verstanden sind, dann ist dies √ľberfl√ľssige Arbeit an der Sache. Wir arbeiten daher lieber an der Form.

Philosophie des Geld verdienens im Internet

Insofern es den Menschen daher um Geld verdienen im Netz geht, so kann ich nur empfehlen, nach au√üen den Schein des qualitativen Contents aufrecht zu halten und damit die Resonanzkraft des Internets zu nutzen. Menschen haben mit Sicherheit gerne das Gef√ľhl, dass ihre Sache Qualit√§t hat. Ziel muss es dabei sein, die bl√∂de Masse so anzusprechen, dass sie sich bei der Sache aufgewertet f√ľhlt. Die bl√∂de Masse muss daher angesprochen werden, da diese aufgrund von relativer Bedingungen der Intelligenz immer mehr vorhanden und in der Mehrheit sind. (Im √ľbrigen ist die Frage, ob wir hier die Subjektivit√§t durchdringen k√∂nnen und vielleicht dieser Artikel nicht auch zur bl√∂den Masse gez√§hlt werden muss).

Als Beispiel f√ľr die bl√∂de Masse kann ich nun aber auch (endlich) Herr Tutorial heranziehen, der als Youtube- Guru die Sache mit dem Leben wohl endg√ľltig verstanden hat (aber dazu kommen wir noch). Mit plumpen Marketingmethoden hat Sami Silmani sich zu dem bekanntesten und erfolgreichsten Videoblogger Deutschlands aufgeschwungen. Als einer der ersten hatte Herr Tutorial erkannt: Um Geld im Internet zu verdienen, sollte wesentlich auf die Form wert gelegt werden. In dieser Hinsicht ist Herr Tutorial eine naturgeborene Marketingmaschine, ein Moderationsroboter, der selbst nicht viel zu sagen hat, aber wei√ü, wie er als Internetanimator Zuschauer bindet. Banale Tipps (wie heize ich meinen Haarstyler auf, wie f√ľhre ich eine Beziehung, obwohl ich noch nie eine Beziehung hatte und wie finde den Sinn des Lebens ¬†darin, gl√ľcklich zu sein) werden mit einem „Hallo Leute“, „Bitte abonnieren“, „Daumen Hoch“ und dem obligatorischen Dauergrinsen in Fr√ľhst√ľcksfernsehlaune aufbereitet.¬†In Sami Silmani haben hohen Klickraten eine Form bekommen und so motiviert er die Internetgemeinschaft, ihm nachzueifern. Tutorials so banal sie auch sind, dienen als Kescher, um unter den Bl√∂den zu fischen. Als Nichtbl√∂der kann sich das niemand antun, aus diesem Grund verzichte ich wie im Fu√üball auch auf Videobeweise, denn ich denke bis zu diesem Textabschnitt sind mir per se nur die Nichtbl√∂den gefolgt (allerdings nur insofern ich nicht selbst bl√∂d bin).

Sinnvolle Arbeit?

Wie Paris Hilton beispielsweise nur sich selbst zu Markte trug – sie war ber√ľhmt, weil sie ber√ľhmt war – so zehrt auch Herr Tutorial von den Teenagertr√§umen, die einen Nichtsnutz suchen, der im Gegensatz zu ihnen selbst wenigstens ber√ľhmt ist. Sascha Pallenberg (der mit seinen Netbooks-News wenigstens Inhalte produziert) sch√§tzte einst sein monatliches Einkommen k√ľrzlich auf einen hohen f√ľnfstelligen Betrag. Da fragt sich ebenso plump, ob unser Geld im unfruchtbaren Sumpf der dumpfen Mode-, Beauty und Anti-Pickelindustrie eines Herr Tutorial zirkulieren sollte. Nein, ich bin der Meinung der freie Markt verteilt seine Gelder sinnlos und auch wenn die Planwirtschaft ihre Defizite aufgrund der √úberkomplexit√§t der M√§rkte hat, so erzeugt der freie Markt ebenso nutzlose Redundanz wie eben Herr Tutorial. Sollten die Gelder nicht eher Wissenschaftler unterst√ľtzen, die damit Krebsmedikamente herstellen? Aber halt diese plumpe, marxistische Andeutung meinerseits wird bereits widerlegt, denn Herr Tutorial kann gar Krebs heilen, wie die Stuttgarter Zeitung k√ľrzlich unreflektiert feststellte:

Stuttgart – Die Diagnose war niederschmetternd: Krebs. Fortgeschrittenes Stadium. Das junge M√§dchen, das bis dahin ein unbeschwertes Leben f√ľhrte, war verzweifelt. Statt aufzugeben und sich ohnm√§chtig ihrem Schicksal zu f√ľgen, loggte sich die Erkrankte beim Online-Videoportal Youtube ein – und fand dort die Clips von Sami Slimani alias „Herr Tutorial“. „Ich kann euch nur einen Tipp geben, und der ist, positiv zu bleiben“, r√§t der adrett frisierte 20-J√§hrige seinen Zuschauern dort. „Die Art, wie ihr eure Probleme l√∂st, h√§ngt von eurer Einstellung ab.“

Dieser geniale Rat, zeigte Wirkung:

„Das M√§dchen war ger√ľhrt und ermutigt zugleich. In ausweglosen Situationen sind es oft die kleinen Dinge, die helfen. Die Therapie verlief erfolgreich, der K√∂rper begann wieder zu funktionieren, und die Geheilte dankte noch vor ihrem Arzt demjenigen, der ihr in dieser Zeit am meisten geholfen hatte. „Das war schon eine heftige Sache, als ich davon erfuhr“, erz√§hlt Sami betroffen. „Mir wurde zum ersten Mal richtig bewusst, was ich mit meinen Videos erreichen kann und welche Wirkung es hat, wenn ich die Clips bei Youtube einstelle.“

Insofern sind die Millionen, die an Herr Tutorial gehen, gerechtfertigt. Als zuk√ľnftige Krebstherapie sollten wir daher Herr Tutorial verschreiben, der Mann bewirkt Wunder. Seine S√§tze von strahlender Weisheit, bringen selbst Krebszellen zum Schrumpfen. Wie aber reagiert Herr Tutorial auf meine Neidkritik?

nothing

Nichts CC_Foto: Von loop_oh

Nein, das Leben habe ich mit Sicherheit noch nicht verstanden, aber zumindest so viel mitgenommen, dass es nicht um Geld geht. Da ich schon in den USA gelebt und dort Philosophie studiert¬†habe, kann ich nur sagen, dass der HerrTutorial sich ein v√∂llig einseitiges Bild von den USA gemacht hat. Die Konservativen kritisieren ihn nicht, weil sie selbst aus Schei√üe Geld machen. Ich lebte in einem recht heruntergekommenen Viertel in den USA und dort war Geld verdienen tats√§chlich lebensnotwendig und zwar durch Arbeit, die den Leuten in die Knochen ging. In den USA geht es n√§mlich vorrangig ums Geld verdienen, weil es national beinah als einziger Lebenssinn akzeptiert wird. Nun bin ich zwar auch von der Lebensweise in den USA positiv √ľberzeugt, allerdings ist mir das Sozialsystem zuwider. Mir ist klar, dass sobald ich in den USA kein Geld mehr verdiene, sich die Gesellschaft f√ľr mich nicht mehr interessiert. Herr Tutorial zeigt allerdings, dass er von Gesellschaft wenig versteht, denn diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft die Geld auf Kosten von anderen macht (soviel sollte √ľber die USA bekannt sein). Im √úbrigen bedarf Herr Tutorial genau dieser Menschen, die nichts zu tun haben, denn andernfalls w√ľrden sie sinnvolle Dinge tun, anstatt seine Show zu sehen und ihm f√ľr Nichts einen Urlaub in den USA zu spendieren.

An und f√ľr sich erkennt HerrTutorial daher nicht, dass er mit seinen leeren Botschaften, zwar macht, was ihm Spa√ü macht, dass er aber im Grunde genommen mit Geld verdienen Geld verdient (und das macht Spa√ü, wenn es im Leben nur um Geld geht). Vielmehr als die schiere Freude noch mehr Abonennten zu haben und noch mehr Abonennten zu bekommen ist in seinen Videos nicht enthalten, die Tipps sind f√ľr Bl√∂de. Und da ist sie wieder die Philosophie der Hohlheit, die Philosophie des Nichts, die sich nicht konsistent durchhalten l√§sst, aber vielleicht schafft es Herr Tutorial?

Das endloses Ges√ľlze eines Herr Tutorials, der ein Jugendzimmer ohne B√ľcher und Inhalt pr√§sentiert und vor allem mit einer aufgesetzten Art der Gesellschaft Zeit stiehlt, kann doch nicht wirklich interessieren. Vielleicht erkennt Herr Tutorial ja selbst, dass er nur ein Star ist weil er ein Star ist und vielleicht erkennt er ja tats√§chlich irgendwann, dass seine Videos ohne seine Fans Nichts sind. Zumindest erscheint mir dies der Grund, war er im folgenden Video weint.

Youtubestars sind heute nur noch Stars, weil sie Stars sind, so wie eine Rose, eine Rose, eine Rose ist. Also im Sinne von Herr Tutorials Formerkenntnissen, derer sein tatsächlicher Verdienst ist (aus Nichts Kohle zu machen): Schreibt mir eure Meinung, abonniert, twittert weiter, gebt den Beitrag einen Daumen hoch, shared bei Facebook, postet eine Videoantwort und seid beim nächsten Mal wieder dabei, vielen Dank an meine Fans, denn ohne euch wäre ich nichts (nirgends trifft dieser Satz deutlicher ins Mark als bei Herr Tutorial).

Norman Schultz

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3 Antworten auf Das Nichts vermarkten: Der Philosoph Herr Tutorial

  1. Tommy sagt:

    Hallo Norman,

    nachdem ich irgendwo etwas √ľber ihn gelesen hatte, habe ich mir ein paar Videos von HerrTutorial angeschaut und bin am Rande auf Deinen Beitrag hier gesto√üen. Ich glaube zu verstehen was Du sagst, allerdings wurde mir beim Lesen nicht klar, aus welchem Grund Du es sagst, oder welchen Nutzen der geneigte Leser aus Deinem Artikel ziehen k√∂nnte.

    Vielen d√ľrfte beim Betrachten von Samis Videos unmittelbar klar werden, dass er nicht der gr√∂√üte Denker ist, und dass der Inhalt sich der Form seiner Beitr√§ge weit untergeordnet pr√§sentiert (das ist Pop! Verdi & Co. machten es genauso‚Ķ). Ferner ist weithin bekannt, dass man auf Youtube gutes Geld verdienen kann. Diesbez√ľglich scheint mir Dein Statement eine Binse nach der anderen zu dreschen. Auch wirkt Deine Kritik der amerikanischen Gesellschaft platt und kurz gedacht, muss sich doch die gesamte westliche und ein Gro√üteil der restlichen Welt den Vorwurf einer ‚ÄěGesellschaft die Geld auf Kosten anderer macht‚Äú gefallen lassen. Irgendjemand bezahlt immer – wir sind es nicht.

    Plakativ kritisierst Du einen Mangel an Weisheit in den Sätzen des HerrTutorial, allerdings kann ich nicht erkennen, dass er jemals die Intention gehabt hätte, weise sein zu wollen (ebenso wenig wie eine Gesellschaftskritik der USA abzuliefern).

    Mir scheint es wenig hilfreich, das was HerrTutorial macht an Deinen Ma√üst√§ben messen zu wollen. Er ist kein Philosoph und will keiner sein. Er spricht von Spa√ü, seine Ausstrahlung scheint dem zu entsprechen, und anscheinend schafft er es wohl, bei seinen Fans ein positives Gef√ľhl zu erzeugen; siehe den von Dir zitierten Artikel in der STZ. Du vermutest, Teenager hingen HerrTutorial an, weil er ‚Äěim Gegensatz zu ihnen selbst wenigstens ber√ľhmt‚Äú sei. Gleicherma√üen unbelegt wage ich dem entgegenzusetzen, dass es ebendieses von ihm vermittelte positive Gef√ľhl sein k√∂nnte, das sie begeistert; mag der Inhalt seiner Beitr√§ge noch so einfach gestrickt sein. Pop eben.

    Vielleicht ist dies ein wesentlicher Unterschied zwischen Philosophen und Stars: Stars gelingt es, Lebensfreude zu vermitteln. Sie sind attraktiv und sympathisch. Sie begeistern die Massen. Philosophen können von sich zumeist keines davon behaupten.

    Tommy

    • Anonymous sagt:

      Die Kritik trifft nur halb. Zugegeben den Amerikamythos k√∂nnte ich st√§rker differenzieren, vor allem auch deswegen da ich das amerikanische Miteinander sehr sch√§tze. Aber es ist ein nicht zu untersch√§tzender Punkt, sich immer wieder klar zu machen, dass die Amerikaner gr√∂√üte Antreiber unserer gegenw√§rtigen Liberalisierung waren und da ist einigen nicht klar, was die Marktliberalisierung letztlich bedeutet. Es ist leider keine Binsenweisheit dieses immer wieder anzumerken, da noch zu viele auf der Seite von ungerechten Systemen stehen (das ich damit auch irgendwann alle anderen Ungerechtigkeit in diesem Begriff auft√ľrmen muss, ist mir klar). Es ist ebenso absolut keine Binsenweisheit einzusehen, dass wenn ein Europ√§er nach Amerika kommt, dort vor allem die sch√∂nen Seiten erlebt. Blogger, die Geld verdienen und die Freiheit loben. Nun dies habe ich nicht nur erlebt, da ich mich dort aktiv in Hilfsprojekten engagiert habe und eben auch in anderen Vierteln gewohnt habe. Ich war kein Campusstuditourist. Du hast zwar Recht, dass auch andere bezahlen, das meiste bezahlt die Welt allerdings an reiche Amerikaner und dies betrifft so auch beispielsweise die Umwelt. Sicher Thesen, die unendlichfach differenziert werden m√ľssen, aber auf einer kurzen Reflexionsebene bewahre ich diesen Blick, um sie einfach nur Herr Tutorial entgegen zu setzen.

      Zu deinem zweiten gewichtigeren Punkt: Ich lehne Pop ab. Denn Pop ist kein „eben“, es ist nicht „eben Pop“, sondern ein Abstieg in das Durchschnittliche, der in den Breitenmedien heroisiert wird. √úberaus problematisch erachte ich dabei, dass vor allem mit hohler Form und nicht mit Inhalten bestochen wird (und dies kritisiere ich am „Pop“. Dass da vielleicht ein YoutubeStar (was √ľbrigens viele der Deutschen Bev√∂lkerung nicht mal im Ansatz kennen – damit sind Binsenweisheiten leider relativ zu betrachten) mit Schei√üe Geld macht, erachte ich als verwerflich. Wo ist denn der Nettonutzen f√ľr die Gesellschaft? Wir stattdessen werfen einem Einzelnen Geld, dass aus den notwendigen Kreisl√§ufen verschwindet, f√ľr Unfug in den Rachen. Du willst nicht allen Ernstes behaupten, dass ein Video von Herr Tutorial Teenagern Lebenssinn gibt? Das w√§re dann nicht nur eine Binsenweisheit, sondern Irrglaube: Geordnete Sozialstrukturen, so zeigt gar die empirische Forschung, bedingen Gl√ľck, im Weiteren sind Medizin und Demokratie zu nennen. Aber ein HerrTutorial h√§tte Generationen gepr√§gt (ich lehne im √úbrigen auch BeatlePh√§nomene oder Beethovenhysterie ab). Dass Herr Tutorial Krebs heilt, ist h√∂chstens ein Marketinggag.

      Zu deinem weiteren Punkt: Philosophen brauchen nicht die Masse begeistern, da im Fortgang der Dialektik immer nur das n√§chste interessiert und zwar das, was noch nicht verstanden ist. Die Grundbildung und der Zug zur Hochebene ist das, was die Philosophie fundiert. Ich sehe mich nicht auf diesem Level, da ich hier noch mehr Bildung tanken muss, aber mein Ziel ist es, dass Banalit√§ten von der Fl√§che verschwinden oder sagen wir es so, dass gerade damit kein Geld verdient wird. Banalit√§t dieser Vorwurf wird auch mich betreffen und vielleicht ist dieser Beitrag zu HerrTutorial daher irrelevant. Banal. Daher eine biographische Notiz, womit ich mein Geld „mache“, was keineswegs viel Geld ist:

      Im Moment geht es in meiner wesentlichen Arbeit um die Abschaffung der Verj√§hrungsfristen bei sexualisierter Gewalt und einer Etablierung von gewaltfreier Erziehung. Ich will mein Herz nicht in der Marketingindustrie sehen und Schei√üe verkaufen. Angebote habe ich daf√ľr.

      Auf Moral beziehe ich alle Beitr√§ge. Und das mag dem einen moralisierend erscheinen, f√ľr mich ist es gesellschaftlich notwendig. Mehr noch es geht darum den Fluchtpunkt der Freiheit zu bedenken und damit meine Positionen auch zu revidieren und als Vergangenheit zu verabschieden.

      Masse begeistern, Attraktivit√§t, Sympathie, wie du sie erw√§hnst, sind dabei vielleicht Zeichen von charismatischen F√ľhrern in Deutschland oder Nordkorea aber nicht die erstrebenswerte Freiheit, die wir ben√∂tigen. Damit lehne ich Pop und die Stars, die mit diesen Eigenschaften aufsteigen, ab.

      Deine Argumentation ist sehr stringent und du kannst gut argumentieren. Du pickst dir die richtigen Kritikpunkte raus. Aber ein bisschen mehr Differenzierungskraft im Hinblick auf ein Ganzes w√ľrde ich mir von dir w√ľnschen (dir steht frei das Gleiche von mir zu w√ľnschen). Sag mir bitte, bevor du weiter argumentierst, was ist das Ganze? Lebensfreude?

      Norman Schultz

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