Zur Philosophie vom System und den drei höchsten Begriffen – Zum Sinn des Weblogs „Entgrenzen“

Dieser Blog über die Philosophie mag den Anschein erwecken, dass eine Systematik in der Fülle der philosophischenSchnipsel, die sich hier anhäufen, verfehlt werde. Um dies zu beurteilen, bedürfen wir aber erstmal des Wissens, was ein System ist:

Zum Einheitsort aller Erkenntnis

Zum Einheitsort aller Erkenntnis (CC_by_SA Norman Schultz)

Ich erinnere mich noch sehr wohl, dass ein Professor der Soziologie nach Luft schnappte und ins Stammeln kam, als ich ihn konkret fragte, was ein System sei. Ein sehr launischer Professor, der gar eine Mitstudentin in der Sprechstunde zum Weinen brachte, als er ihr schroff zu verstehen gab, dass sie sich nicht vorbereitet hätte. Dabei erfüllt der Mann seine eigenen Konditionen nicht.

Ich kann nicht beantworten, was ein System ist, nur soviel:

Die philosophische Frage nach den Gründen

Wir stellen ja tagtäglich Fragen, zumindest sollten wir dies, insofern wir uns für Persönlichkeitsentwicklung offen halten wollen. Dabei erforschen wir die Gründe von Erscheinungen. Warum bin ich so fröhlich? Was ist der Sinn des Lebens? Warum? Ich verstehe nun die Philosophie als die Wissenschaft, welche sich explizit mit der Frage nach dem Grund beschäftigt. Ehrliche Philosophie ist dabei für mich eine Philosophie, die offen zugibt, dass der Grund zumindest noch nicht erkannt worden ist.

Da nach Kants bekannter transzendentaler Wende nicht mehr der Grund an sich zur Debatte steht, sondern nur noch die Art wie wir Dinge erkennen, ist die Philosophie auf die Erforschung unserer Erkenntnisgrenzen zurückgewichen. Dies heißt: Wir gehen mit Gegenständen um, ohne ihre Gründe zu kennen und womöglich können wir dies nicht. Wir sagen nicht, die Natur hat Gott geschaffen oder uns hat die Natur geschaffen. Besonders wenn wir durch die Philosophie mit den letzten Gründen betraut sind, sind wir enthaltsam (deswegen halte ich ja noch eine ambitionierte Philosophie als Wissenschaftsgrundlegung für ein Pflicht in jedem Unterricht).

Wie aber ist dieser Umgang mit Dingen möglich, wenn wir Dinge nicht bis in ihr Wesen hinab verstehen? Nun die Möglichkeit besteht in der Tatsache, dass wir Dinge alle systematisch nach Prinzipien ordnen. Ein System ist also die Vorstellung, dass alle Gründe, die wir erforschen, ihre Ordnung nach einem Prinzip besitzen und daher uns zugänglich werden. Die Philosophie hat sich nun über viele Jahrhunderte an dieser Frage abgearbeitet, was das grundlegende Prinzip sei.

Was sind die Grundpfeiler eines philosophischen Systems?

Diese philosophische Frage ist weitaus schwerer zu beantworten, doch es erscheint mir folgerichtig, die Begriffe als Prinzip zu bedenken, die die höchstmöglichen Begriffe sind. Welche könnten diese sein? Nun, es müssen die Konzepte sein, bei denen es nicht mehr erlaubt ist, über diese hinauszugehen, über die sich nicht mehr hinausdenken lässt. Dabei könnten wir zunächst fragen, was steckt hinter allen Phänomenen?

Viele reduzieren hier schnell auf den Begriff der Materie, da sie nach eigenem Bekunden Materialisten sind. Genau benommen machen sie aber nur eines: Sie ordnen die Erscheinungen, die ihnen begegnen nach dem Prinzip der Materie. Ob aber die Welt, wirklich nur nach dem System „Materie“ verstanden werden kann, dies können sie zumindest nicht beweisen. Für meinen Teil habe ich selbstverständlich nichts gegen dieses Ordnungsprinzip, denn gerade in den Naturwissenschaften ist es die einzige Erkenntnisquelle. Das Prinzip setzt voraus, dass es für alle Phänomene, einen kausalen Grund gibt. Damit ist allerdings für jeden Grund wiederum ein kausaler Grund zu suchen. Der letzte Grund bleibt ungeklärt und damit müssen die Materialisten doch ihr letztes Prinzip unbegründet im Weltraum stehen lassen. Im Grund sind sie dann Idealisten, denn sie halten das Prinzip ihres Denkens für das Prinzip der Welt.

Der zweite höchste Begriff, der doch mit dem Prinzip der Kausalität oder Materie immer wieder einen Anfang leistet, ist daher der Begriff der Freiheit. Wir setzen die Kausalitäten in der Betrachtung der Gegenstände aus Freiheit und damit brauchen wir die Gegenstände nicht betrachten, wie sie ihrem wirklichen Ursprung nach sind. Wir vermuten auch nur, dass die Gegenstände einen letzten Grund haben. Jeder Materialismus entspringt dabei einer Setzung aus Freiheit. Nun will ich hierauf keine Esoterik aufbauen, denn ich verabscheue derlei unbegründete und unphilosophische Disziplinen, die nur irgendwelche Prinzipien durcheinanderschmeißen. Wohl aber möchte ich deutlich machen, dass wir dieses Prinzip der Freiheit jeden Tag voraussetzen, wenn wir handeln. Es mag sein, dass wir ultimativ gesprochen nicht frei sind und auch das Prinzip der Freiheit einem Prinzip der Materie unterordnen könnte. Letztlich aber fehlt uns dafür der letzte Beweisgrund.

Wir sehen, dass wir bei Denken der höchsten Begriffe (Materie und Freiheit) sehr schnell zu zwei sehr wiedersprüchlichen Prinzipien gekommen sind (Wir können diese höchsten Begriffe auch als „Welt“ und „Ich“ bezeichnen). Da letztlich nun aber diese Prinzipien als Begriffe auch denkbar sind, muss es, insofern es ein System gibt, einen ihnen höheren Begriff geben, der ihr phänomenales Erscheinen rechtfertigt und hier wäre die Einheit des Systems überhaupt zu vermuten. Dieser höchste Begriff: Nun den verrate ich nicht, da viele ihn aus ihrem Horizont schon entfernt haben, weil sie meinen das Prinzip der Materie wäre der höchste Begriff aller Zeiten.

 Zur Frage des Systems dieses Blogs

Systemphilosophien wurden stark kritisiert. Dennoch ganz in Abweis ist ihr Anspruch nicht zu bringen. Es fragt sich, ob dieses Universum einem einheitlich erfassbaren Prinzip folgt oder wir der Willkür eines Zufalls aufgesessen sind und ganz zufällig stimmen all unsere Gedanken bisher mit den auftauchenden Phänomenen überein. Könnte es wirklich sein, dass unser Gehirn uns vor der Kulisse eines einstürzenden Himmelspalasts, den ein zufällige Spülung im Universum entworfen hat, fortwährend betrügt? Dann sind wir nur eine sinnentleerte Sammelstelle für gebrauchte Momente eines zufälligen Universums. Wir würden nur ein wenig Hoffnung in uns konservieren, um doch das Häufchen Elend mit Sinn zu füllen. Wir wären ein Sammelsurium aus unnötigen Gedanken, dazu verdonnert, uns Sinn zu geben ohne die Gewissheit, dass selbst diese Selbstsinnstiftung Bestand hätte.

Dieser Blog aber versucht final ein System der Phänomene nach dem Prinzip der menschlichen Überbietungskunst in allen Facetten zu erspüren, auch wenn dem Autor das einheitlich systematische Prinzip noch nicht klar ist. Weil das Prinzip noch nicht klar ist, wird es auch fortwährend nur aneinandergereihte Reflexionen mit Verweis auf die Philosophie geben.

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