Mein Pittsburgh und der Zeitgeist – Novembernous 2014: Stimmen und Notizen von Eisleben und Harwey zu unbedeutenden Geschehnissen (Teil 1)

Pittsburgh Skyline

Zeitgeiststadt Pittsburgh, meine intellektuelle Wahlheimat... Foto by Robpinion (Own work) CC BY-SA 3.0

Romane m√ľssen f√ľr mich mit der Traurigkeit von vergehenden Novembertagen beginnen. Mit ihnen zieht ein Gewittergem√ľt auf, ein Seelensturm, den es durchzuhalten gilt. Aus einer inneren Reflexionspower heraus erkennen diese traurigen Seelen den Verfall der Geschichte, die falsche Verwirblung im Machtspiel und irgendwann steht der Leser im Auge des Sturmes und versteht. November sind leise und historisch passiert in ihnen wenig, wie in allen Monaten eigentlich, aber geschichtlich passiert etwas in diesen Seelen. Es verschieben sich die Gletscher der Zeit durch die Seelen hindurch und sie, die Seelen, m√ľssen hinaus, hinaus zur See, zu dem unruhigen Meer, zu dem unruhigen Meer, das die Unruhe in den Herzen zu aller erst bewegte. So beginnt Melville sein Buch Moby Dick¬†in eben dieser Weise:

„Whenever it is a damp, drizzly November in my soul; […] then I account it to get to sea as soon I can.“

Dann genau dann zieht es die M√§nner zur See, sie fordern Geschichte, ein Abenteuer, eine Welt, f√ľr die es sich lohnt zu leben. Der November zieht ins Abenteuer und hier beginnen, diejenigen, die gerne Abenteurer w√§ren, doch eigentlich feige sind, weil zuviel Reflexion ihr Herz beseelt. W√§hrend wir Gl√ľck zumeist einfach nur konsumieren, entsteht im nordisch, kalten Gem√ľt, bei diesen Menschen, die sich im Herbst zur√ľckziehen und Leser werden, eine negative Verdopplung der Welt. Es geschieht hier die wirkliche Geschichte, weil die Welt eine Welt ist, an die wir uns erinnern sollen. Denn Geschichte, so hei√üt es auch bei Wikipedia, sind die Aspekte der Vergangenheit, die vom Menschen erinnert und gedeutet werden und im November beginnt eine Reflexion, die irgendwann am Neujahrstag ihr Finale haben soll. Geschichte ist eine √§u√üere Welt von Innen heraus. Geschichte, das sind Romane, das ist unser Leben in Seinsmomenten innerlich abgelichtet, in die Gehirnschale gepresst und in Worten wiederum ausgedr√ľckt. Problem ist nur, dass wir das f√ľr gew√∂hnlich selten tun, wenn wir gl√ľcklich sind. Geschichte entsteht am Ungl√ľck der Menschen.

Diesen Monat also spazierte – denn, was sollte ein November anderes hergeben? – ich mit John Harwey (Professor an verschiedenen Colleges hier) am Carnegy Museum (Pittsburgh) vorbei und als¬†¬†Vin Diesel¬†¬†ebenso wie eine verlorene Seele vorbeispazierte, fragten wir uns, ob dies f√ľr uns ein historischer Moment war.

2008-05-25 Pittsburgh 133 Oakland, Carnegie Museum of Art - Museumof Natural History (2671453205)

Carnegie war ein Multimilliad√§r, der irgendwann Amerika mit seinem Geld √ľberschwemmte. Es ist amerikanische Tradition, nachdem die Arbeiter ausgebeutet waren, es in die Welt zur√ľckzupusten (Foto von Allie_Caulfield from Germany CC-BY-2.0)

Hier in Pittsburgh also spazieren Stars √ľber die Stra√üen, aber warum? Pittsburgh ist eine raue Stadt mit Geschichte und auch eine Stadt, durch die immer der Glamour des Reichtums hindurchwehte. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten die reichsten Menschen der Welt in Pittsburgh und √ľberschwemmten es mit Geld. Der Himmel in Pittsburgh verdunkelte sich im 20. Jahrhundert – vom Rauch der Stahlschmieden, die Geld brachten und Pittsburgh in eine doppelte Geselschaft spalteten – so wurde die raue Stahlschmiede bald zu einer Stadt mit Novembergeist umgeschmolzen. Gescheiterte Existenzen und Geld f√ľr Kultur rissen die Seelen in die Geschichte fort. Hier am Grunde der verlassenen Schicksale, in einem Schmelztiegel aus arm und reich entstand eine andere Geschichte. M√§nner wussten nicht wohin mit dieser Gr√∂√üe, suchten, lie√üen sich f√ľr den Vietnamkrieg rekrutieren, doch schufen unter dem rauen Arbeiterpathos eine verletzliche Seele, die genug Kraft zur Reflexion hatte. In Pittsburgh sollte fortan Geschichte sein.

Die Stahlvergangenheit gab Pittsburgh mehr Br√ľcken als Venedig und mit der Anreicherung durch Geist wurde Pittsburgh das Zentrum der Gegenwartsphilosophie. Es w√§re also falsch von Zufall zu sprechen, dass die fortschrittlichsten Ideen der Gegenwart in vielen Bereichen aus Pittsburgh kommen. Es passt, dass irgendwo hier eine Nachfahrin Hegels in einem Buchladen arbeitet und es ist als h√§tte der Weltgeist sich in Pittsburgh niedergelassen, um traurig zu sein und um trotz aller Geschichtlichkeit ein bodenst√§ndiges Leben zu f√ľhren.

Nicht nur Batman wurde in Pittsburgh¬†gedreht, nicht nur¬†Christina Aguilera¬†kommt von hier, nicht nur dass die Pinguins und Steelers gewinnen die nationalen Meisterschaften, es ist auch nicht, dass Zombieamerika seine Urspr√ľnge in Pittsburgh hat und die ersten Zombiefilme hier gedreht wurden (ich sehe Menschen aus Tarantinos Gemetzeln oftmals hier beim Einkaufen), Pittsburgh hat au√üerdem die Wahl zum ¬†schlechtesten, amerikanischen Akzent gewonnen und ist laut Economist dennoch die most liveable City in den USA.

Nun aber John und ich spazierten durch den beeindruckenden Herbst Pittsburghs, durch den Shenley Park hinter Carnegie Mellon, durch den Herbst, der nirgendwo so „bl√ľht“ wie her und neben der Frage, ob wir jemals so eiskaltcool wie Vin Diesel mit Schwei√üerbrille sein werden und warum die wildwachsende Haarkranzglatze au√üer Mode gekommen ist, √ľberlegten John und ich, ob es im 19. Jahrhundert noch ein Jahr gab, ein einziges Jahr, in dem nichts Weltbewegendes geschah, ein Jahr, in dem die Geschichte einfach anhielt, der Weltgeist eine Pause machte.

Plato-raphael

Irgendwann kam Platons Haarkranzglatze einfach au√üer Mode und wom√∂glich geschah das in einem November. Einschub Maja: "Ich wei√ü √ľberhaupt nicht, was M√§nner haben, wenn sie eine Glatze bekommen. Ich w√ľrde einfach Vin Diesel werden."

Gleiches gilt jedoch auch f√ľr heute: W√§hrend die Medien uns heute mit angeblichen Nachrichtenbeben √ľberw√§ltigen, fragt sich, ob diese Dauereruption in der Medienlandschaft tats√§chlich von Geschichte berichtet oder einfach nur Zeit kostet. Zumindest gilt es bei der modernen Geschichte, die angeblich wie ein Vulkan brodelt, als amoralisch, wenn man sein Interesse an Nachrichten verweigert. F√ľr meinen Teil brauche ich schon l√§ngere Zeit nicht mehr das w√§rmende Medienlagerfeuer am Abend, f√ľr mich ist das keine Vulkanglut und ich brauche keine externe W√§rme, um mich aktualisiert, ubgedated und demokratisch zu f√ľhlen. Im Folgenden gibt es also Einblicke in meine, zugegeben idealisierten, Gespr√§chsnotizen und Einf√ľgungen von Korrespondenzen aus dem November zu sehen. Aber vielleicht findet sich darin ein wenig Novembergeist aus Pittsburgh.

Was war also die historische Dimension eines kalten, traurigen Novembers?

John Harwey: Zumeist erscheint Geschichte nicht im Horizont unserer Medien. Diese ver√∂ffentlichen nur geschichtliches Fastfood. Der Todessch√ľtze von Osama Bin Laden ver√∂ffentlichte so ungefragt seine Identit√§t (Verweis hier). Ein kurzes Echo im Mediengebirge, aber die Tatsache das ein Mensch einen anderen t√∂tet, ist nur relevant, weil es kommuniziert wird.

Abgesehen davon aber stellt dieser Moment tats√§chlich eine historische Qualit√§t dar. Auf der einen Seite, ist es ebenso unbedeutend wie ein L√∂we, der seine Beute rei√üt, zugleich aber ist es die moralische, spezifisch-menschliche Frage nach Mord, die medial in den USA jedoch nicht diskutiert wird, was eher auf ein pr√§moralisches Stadium und ungeschichtliches Moment hindeutet. Stattdessen instrumentalisieren die Medien den T√§ter, um zu fragen, ob es legitim ist, geheime Informationen zu ver√∂ffentlichen und ob er nun um sein Leben f√ľrchten muss, weil ihn die Terroristen ja kennen. Nat√ľrlich k√∂nnen wir den Helden nicht verurteilen, denn das Individuum wird hier medial gewichtet und verschwindet dann hinter der Schablone des Helden, die wiederum die Frage nach der Moral hier g√§nzlich verdeckt. Gesellschaften aber, die ihre Moralsysteme nicht in Frage stellen, haben keine Geschichte. Das geschichtliche Moment ist also, dass sich der Weltgeist hier gerade nicht zeigt.

Anmerkung Norman Schultz: Wie also ging es mit der T√∂tung von IHM zu? Nun, das k√∂nnen wir ganz n√ľchtern berichten:

Nach der Beschreibung des Todessch√ľtzen hatte sein LEADER, der Kopf des T√∂tungskommandos, bereits Osama Bin Laden verfehlt, so dass unser Held, von dem wir wie ein Homer berichten, mit einer Heldenrolle in den Raum hinein hechtete und den dreckigen Halunken, der sich auch noch hinter eine seiner Frauen versteckte, niederstreckte. Durch sein Nachtsichtger√§t konnte er das B√∂se eindeutig identifizieren und mit einem pr√§zisen Vollstreckungsschuss brachte er den Amerikanern die ersehnte Rache. Damit hatte der Todessch√ľtze den Hinterbliebenen vom 11. September sein Versprechen eingel√∂st und gezeigt, dass die Amerikaner Gerechtigkeit besitzen. Gerechtigkeit als Waffe der Verletzten.

Norman Schultz: Die nackte Wirklichkeit der Zeit gibt es nicht. Das sind nur die erotischen bis pornographische Phantasien von Historikern und Bibelgl√§ubigen. Unsere Wirklichkeit wird durch die mediale Schneiderei gut eingekleidet, bis zur Unkenntlichkeit modisch frisiert. Die Wahrheit ist, dass die Wahrheit, als K√∂nigin der Wissenschaft, in unserer Welt nicht nackt sein kann. Sie w√§re vielleicht zu √∂de und langweilig oder aber immer relativ zu unserem gegenw√§rtigen Gerede. Die Wahrheit w√§re nach der Moral von T√∂tung in einem Diskurs zu fragen, in einem Diskurs, in dem nichts als gekl√§rt gilt, alles sich wenden. Wahrheit darf nicht aktual, sondern muss prozedural betrachtet werden (ich kann hierzu das Buch von meinem Professor aus K√∂ln, Edmund Braun, empfehlen: Der Mensch vor seinem eigenen Anspruch).¬†Doch die √Ėffentlichkeit fragt nach Helden, R√§chern und Ruhm, nach dem Glanz des Momentes und nicht nach der g√§hnenden Langeweile und knarrenden Weite von Ewigkeiten, die sich in Diskursen als das fortw√§hrende Spiel unserer Sinnsuche enth√ľllen.

John Harwey: Unser moralisches Mikroskop wird niemals die St√§rke f√ľr tiefgreifende, moralische Fragen haben, die n√§mlich in die Ewigkeit der Unendlichkeit m√§andern. Wir k√∂nnen nur verschwommene R√§nder f√ľr den Zeitgeist sichtbar machen. Das Ewige entzieht sich der simplen Sichtbarkeit. F√ľr die Medien ist dies untauglich. In der √∂ffentlichen Meinung und dies gilt auch f√ľr Verschw√∂ungstheorien sollen die Dinge konkret sein, Gesellschaften lassen sich aber nun mal nicht im Ganzen und in Detailsch√§rfe zugleich deutlich machen, das kann nur die Dialektik, die im Diskurs unvereinbare Argumente durcheinanderw√ľhlt, aufr√ľttelt und sensibilisiert. Die Gesellschaft ist kein Gegenstand, sie kann nicht einfach betrachtet werden, und zwar ist sie genauso kein Gegenstand wie Tische und St√ľhle keine Gegenst√§nde sind. Die Gesellschaft muss dynamisch bleiben, so dynamisch wie die Wirklichkeit.


Norman Schultz: Ich wei√ü noch wie ich mich mit einem Standardphilosophen in K√∂ln, definitiv kein Novembergeist, √ľber den Linguistic Turn¬†unterhielt und er mir vorhielt, dass er bei allem, was ich sage nur mit dem Kopf sch√ľtteln k√∂nne. Es war schlicht alles, was ich sagte f√ľr ihn falsch. Dabei sind dies genau die Positionen von Brandom, die ich vertrete, einem Philosophen, bei dem er dann doch gerne studieren wollte und der ja als gro√üer Zeitgeist aus Pittsburgh gilt. Es ist etwas schwer f√ľr Menschen zu begreifen, dass der Gro√üteil der Wissenschaft im Moment davon ausgeht, dass Objekte eher Resultate sind von der Art, wie wir die Welt begreifen, wie unser Gehirn operationalisiert und wie wir uns in Diskursen austauschen. Es sind nicht erst Objekte in der Welt und dann begreifen wir sie. Unser Zugriff auf die Realit√§t muss daher anders rekonstruiert werden und da ist der Begriff „Objekt“ sehr schwammig.

John Harwey: Genauso ist ein weitere Punkt, dass Verbrechen soziale Entit√§ten sind, die eben keine Objekte sind. Verbrechen entstehen immer im Verborgenen von Gesellschaften und √ľbersteigen unklare Grenzen. Viele von uns wandern in Grauzonen: Ist es zum Beispiel angemessen Tiere zu essen? Menschen, die ungeschichtlich argumentieren, kennen hier ein klares „Ja“, ganz einfach weil der Mensch f√ľr sie bereits feststeht und ein Raubtier sein muss. F√ľr andere mag der Mensch noch nicht festgestellt sein und angesichts der Bedrohung durch k√ľnstliche Intelligenz, die Hawking nun sichtbar macht, ist es vielleicht auch Selbstschutz nach einer angemessenen Ethik f√ľr Beute zu fragen. Ist es angemessen Tiere zu essen? Wir sollten dar√ľber l√§nger diskutieren und nicht zum Alltag √ľbergehen, dem gleichen Alltag, der uns andere Menschen ohne Gerichtsverfahren t√∂ten l√§sst. Alles, was nicht rational in Diskursen durchgekaut wird, m√ľssen wir daher Irrationalismus nennen.

Die Amerikaner haben kein Instrument, um hinter ihrer Rache eine gesetzlose Tötung zu sehen, so wie wir wenig Argumente haben, die Moral von Tierrechten festzustellen. Weil also der Ursprung von Verbrechen im Verborgenen liegt, an einem blinden Fleck unseres Sichtfelds, haben viele dieser Verbrechen oft noch keinen, wirklichen Platz in uns, wir kennen einfach ihre Dimension nicht und wir wissen nicht, wie der Mensch sich vor dem Forum der Geschichte verantworten werden muss (ein Gedanke, den Plessner ja stark machte).

Norman Schultz: Unser analytische Blick ist verstellt durch konfuse Gef√ľhle, die aus der Gr√∂√üe des ewigen Moments hervorstr√∂men. W√ľrden wir aber nur im Moment leben, so f√§nde keine Geschichte statt und de facto g√§be es keine Geschichte. Geschichtslosigkeit ist Irrationalismus und die, die meinen wir s√§hen nur mit dem Herzen gut, diejenigen sehen nicht, das Herzhandlungen oftmals eben auch Spontant√∂tungen sind. Nachrichten reduzieren Geschichte auf den Moment, er muss klar sektierbar und berichtbar sein. Aber das Herz muss aus der Gegenwart gehoben werden und sich dialektisch mit dem Verstand entwickeln. Das Tier das Geist hat, soll eins mit sich werden. Wegen des Irrationalismus aber ist es f√ľr die Amerikaner auch kein wirkliches Verbrechen sich spontan zu r√§chen. Spontane Rache ist ein ungeschichtlicher Moment, ein Augenblick, in dem etwas passiert und doch passiert nichts in der Geschichte. Rache ist eine schlichte Reaktion, die Gleichgewichte eines metaphysischen Kharmas herstellend darf. Ein g√§nzlich absurder Gedanke und der Weltgeist f√§llt zur√ľck in ein animalisches Moment. Wenn hier in diesem November Geschichte geschah, dann war es nur ein R√ľckschritt, dass wir uns den Blick auf Wirklichkeiten verbauen. Wenn in diesem November Geschichte geschah, dann war es eher die Geschichte davon wie keine Geschichte geschah.

Alfred Eisleben (schriftlicher Kommentar zu diesen Notizen):

Geschichtlich sind es heute auch die ausbleibenden Entwicklungen und vielleicht ist das unsere Geschichte, die mein Freund Derrida im Hinblick auf die Demokratie als Autoimmunisierung erkannte (Der Verweis bezieht sich womöglich auf Derridas letztes Werk Rogues, zu Deutsch Schurken). Das heißt Systeme versuchen, einen Ewigkeitstatus zu erreichen, indem sie wirkliche Veränderung verhindern. Das Verborgene soll auch weiter im Verborgenen bleiben, damit alles so weiter gehen kann, wie bisher. Das ist die Tyrannei, die ja Platon schon am weitesten von der Wahrheit entfernt sah.

Norman Schultz (Anmerkung zur Notiz von Alfred Eisleben):

Die ausbleibende Aufhebung der Verj√§hrungsfristen bei sexualisierter Gewalt ist mit Sicherheit eine solches Verfehlen. Sexualisierte Gewalt verschwindet hinter dem kindlichen Erinnerungsverm√∂gen und kommt oftmals nicht zur Anzeige, daher haben wir auch keine Informationen √ľber die Auswirkungen (unbeachtete Argumente, die ich verfasst habe, dazu hier¬†bei netzwerkB). Verdr√§ngung ist ein Element von unterdr√ľckenden Gesellschaften.

Anmerkung Alfred Eisleben: Genauso soll die angestrebte Total√ľberwachung der Menschheit eine Unvermeidlichkeit darstellen, doch die Wirklichkeit des Verbrechens bleibt immer im Verborgenen. Deswegen wei√ü niemand genau, wie politische Wirklichkeit wirkt. Total√ľberwachung ist schlicht nicht m√∂glich, weil wir nur begrenzte Verarbeitungskapazit√§ten haben, wir die Geschichte machen. Wir sollten uns nicht auf alle Details einlassen, sondern das Ganze der Moral besprechen. Deswegen ist es auch f√ľr die Medien schwierig, aus der √úberkomplexitit√§t in entsprechenden Abst√§nden Skandale zu produzieren, weil es keine Skandale gibt, sondern nur sehr komplexe Sachverhalte. F√ľr den Durchschnittskritiker aber ger√§t die Frage nach den Verantwortlichen zu einer Frage nach dunklen Verschw√∂rern. Der Verschw√∂rer aber ist nur ein Strohmann f√ľr die Unerkl√§rlichkeiten, die sich aus super-komplexen Systemen ergeben. Fr√ľher nahmen wir daf√ľr den Teufel an, heute sind es menschlich widerw√§rtige Seelen, die unter dem Deckmantel von Wirtschaftskartellen operieren sollen.

Als Resultat sind die entdeckten Skandale dann das, was weder wahr noch gänzlich falsch ist und was Aristoteles die Meinung nannte. So ist Schröder ein Genosse der Bosse und Merkel käuflich. Diese Meinungen sind gesprächstauglich, weil sie klar abgegrenzte Inhalte anbieten. Die Zeit aber wird meines Erachtens nicht bestimmt durch das, was Meinungen transportieren, sondern durch die komplexen Mechaniken, die Meinungen nicht repräsentieren können.

Anmerkung John Harwey hierzu: Da kommen die zwischenmenschlichen T√∂tungskommandos gelegener, denn offensichtlich hatte der M√∂rder Bin Ladens einem der Hinterbliebenen von September 11 versprochen, IHN zu t√∂ten. Es sind also nicht die Drohnen, die in afghanischen Teezeromonien einschlagen, die die Medien reizen. Dies ist aber nicht, weil die Medien dies wollen und Schattenm√§nner √ľber ein Verdunklungsunternehmen verf√ľgen, sondern weil die Medien genauso von der Dynamik des Geredes ergriffen sind. Jeder, der meint Klarheit ein f√ľr alle male produzieren zu k√∂nnen, ger√§t dabei in eine Sackgasse.

Aus allem gesagten ergibt sich aber, dass es nicht die Oberfl√§chen sind, die von Bedeutung sind. Daher ist Guantanamo weiterhin das Ereignis, das dieses Jahr bestimmt. Es ist die Unmenschlichkeit die eher Kontinuit√§t besitzt. Dieser Moment aber ist nicht direkt medientauglich, denn Unmeschlichkeit braucht seine Bestimmung am Ewigen. Es ist absehbar, dass das Thema im historischen R√ľckblick die Amerikaner als Friedensmacht herausfordern muss, aber dazu m√ľssen wir erstmal die Geduld haben uns auf das Ewige einzulassen. Und wer hat die Geduld um sich ewig zu binden? Insofern sich das Ewige nicht als Event vermarkten l√§sst, gibt es wenig Berichtenswertes. Man stelle sich eine Sendung vor: Das Ewige – Live!

ENDE Teil 1

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Norman Schultz

Pittsburgh, November 2014

 

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