Was ist „Game of Thrones“ und was sagt unsere Unterhaltungsindustrie über uns selbst aus?

Im folgenden Video habe ich die Musik von Game of Thrones kurz analysiert. Persönlich war ich anfangs nicht sehr begeistert von der Musik, aber mittlerweile hat sie sich in meinem Kopf festgesetzt. In dem Video vergleiche ich die Komposition mit Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“, das eine ähnliche Kompositionsstruktur aufweist, allerdings deutlich mehr Spannung in die Komposition bringt.

Was ist denn Game of Thrones?

Game of Thrones? Das ist das „Mittelalter-Dallas“, in dem verschiedene Herrscher um den eisernen Thron kämpfen. In diese Fantasy-Welt wurden Drachen, Untote, Helden, Krüppel, Riesen, Hexen und Magier gestopft und deren Geschichten mit Enthauptungen, Inzest, Intrigen und Vergewaltigungen angerreichert.

Wichtiger aber ist, dass die Serie eine weltweite Diskussionsgemeinschaft erschaffen hat, die sich mit der tieferen Bedeutung nahezu religiös auseinandersetzt. Die Serie ist so auch Quell unzähliger Memes.

 „Winter is coming“, das Familienmotto der Starks, wurde demnach schon für viel Spot und Witz verwendet. Tatsächlich steht es für die mytologische begründete Angst von einer Untotenarmee vernichtet zu werden. Diese Untoten sollen den ewigen Winter bringen. Am vergangenen Sonntag hatte sich nun die lang ersehnte oder vielleicht eher gefürchtete Schlacht um Winterfell zwischen Menschen und Untoten ereignet. Hier zum Beispiel eine meiner Lieblingsszenen: 

Viel zu sehen gab es nicht. Die Serie wurde mittlerweile so dunkel gedreht, das man teilweise sehr nah an den Computer musste und es besser in absoluter Dunkelheit schaute. Es handelte sich schließlich um die Ankunft des Night-Kings. Auf die Zuschauer konnte da wenig Rücksicht genommen werden. Und was ist passiert?

SPOILER: Der Night-King ist nun tot und es stellt sich heraus, dass es in der Serie vielleicht doch um den Eisernen Thron geht. Während in der ersten Staffel noch der Hauptcharakter verstarb, traut man sich das im Finale dann doch nicht mehr. Die Erwartung an die Serie wurden deshalb gedeckelt. Bada Binge fasst die Ereignisse der letzten Episode sehr gut zusammen.

Wer sich gerne in die Diskussionsgemeinschaft einklinkt, der kann dies bei Bada Binge tun, einer Diskussionsrunde von RocketbeansTV. Hier wird die dritte Episode der achten Staffel bis ins Detail diskutiert:

Mittlerweile hat sich im Internet eine private Kommentargemeinschaft gefunden, die alle Serien hinsichtlich ihrer Qualität auswertet. Unzählige Videoessays analysieren die Sendungen dabei auf ihre Philosophie hin. Aber warum ist Game of Thrones ein solcher Erfolg? Die Serie selbst wurde zuvor zelebriert, weil sie nicht gängiger Charakterentwicklung folgte. In der Zeit wird dies so zusammengefasst:

ACHTUNG SPOILER ERSTE STAFFEL „Zuschauer weltweit werteten diese Folge als Einschnitt in die klassische serielle Erzählweise. Mit der Enthauptung von Ned Stark (Sean Bean), einer der Hauptfiguren und einem Sympathieträger der ersten Staffel, endete für die Zuschauer jede Gewissheit auf einen geordneten Serienverlauf. Alle wussten nach dieser Hinrichtung: Jede Figur könnte die nächste sein.“ https://www.zeit.de/kultur/film/2019-04/game-of-thrones-best-of-episoden-begriffe/seite-2

Aber warum ist es eigentlich so überraschend, dass [SPOILER: Ned Stark, gespielt von Sean Bean, stirbt]? Sean Bean ist doch bekannt als lebender Spoiler, weil er in jedem seiner Filme stirbt. Auf Youtube macht man sich darüber mit einem Death-Reel lustig:

Rest in Peace Sean Bean, 1959-1986, 1989, 1990, 1991, 1992, 1994, 1995, 1998, 2000, 2001, 2002… Mittlerweile wäre es ein Plottwist, wenn Sean Bean nicht stirbt.

Aber zurück zu Game of Thrones. Zunächst also wurde mit Erwartungen gebrochen und einer der Hauptcharaktere starb gleich zu Anfang. Nun aber in der dritten Episode der 8ten Staffel wurde mit der Erwartung gebrochen, dass Erwartungen gebrochen werden. 

Wann aber wird nun mit der Erwartung gebrochen, dass Erwartungen von Erwartungen gebrochen werden?

Die Serie hat viele andere neuartige Elemente und bricht mit Taboos. Eine gute Zusammenfassung der Serie und viele Hintergründe, wie zum Beispiel dass die Englische Queen sich nicht auf de Eisernen Thron setzen darf, gibt es bei der ZEIT.

Das Verhältnis von Filmgeschichte und Lebensgeschichte

Wie gesagt, mittlerweile gibt es viele Videoessays auf Youtube, in denen sich Kommentatoren mit der Philosophie von Hollywoodfilmen oder Serien auseinandersetzen. Natürlich ist die popkulturelle Aufarbeitung von philosophischen Themen nicht immer gelungen oder zumeist nicht immer durchführbar. Erzählen ist immer ein Kompromiss gegenüber dem nur Gedachten der Philosophie. Es liefert Anreize und Fragen kann aber keine konsistente Philosophie aufweisen. Was mich daher eher an Filmanalysen reizt, sind nicht die von Kommentatoren philosophisch aufbereiteten Inhalte, sondern die Frage, wie die Filme für unsere Zeit stehen. An welchen Knöpfen versuchen sie an uns zu drehen? Was sagen unsere Unterhaltungsmedien indirekt über uns aus? Ich glaube wir können vermittels von kulturellen Produkten unsere Zeit besser verstehen.

Wolfgang M. Schmitt jun. tut genau dies auf seinem Channel Filmanalyse. Was bedeutet es beispielsweise, dass wir im Kino fortan von Superhelden gerettet werden? Hat es mit der religiös- transzendentalen Obdachlosigkeit zu tun. Marvel als neue mythologische Erzählreligion? Schmitt stellt hier sehr interessante Thesen auf:

Filme sind in diesem Sinne keine eigenständigen Werke, sondern Teile unserer Geschichte. Sie referenzieren sich selbst und wir verwenden weiter in unserem Leben. Sie überliefern keine eigenständige Bedeutung, sondern verdecken unsere Selbstmanipulation.

Rambo als Kulturgut

Bei dem Film Rambo wird dies deutlich. Ursprünglich war es ein Vietnamkrieg-kritischer Film, der dann in der Reihe zu purem, amerikanischem Patriotengemetzel verkam. Es gehörte zu der Kindheit der 80er Rambo zu schauen.

Ein Freundeskreis lässt daher den zukünftigen Ehemann für den Junggesellenabschied einen Tag lang als Rambo erleben. Der Film, der ihre gemeinsame Kindheit begleitet hat, ist Teil der Lebensvorstellung. Mit Kritik des ursprünglichen Films hat es daher nichts mehr zu tun. Trotzdem ist es natürlich recht unterhaltsam.

Die Umsetzung ist bei kleinem Budget natürlich schwer durchzuhalten. Vor allem aber der Anfang ist es wert geschaut zu werden.

Was besser gelingt ist die Fanproduktion „Rambo – The Musical“. Mittlerweile auf Youtube gesperrt, versteht es, dass Rambo hohler Kulturtrash ist, der am besten noch im durchkommerzialisierten Genre des Musicals verwurstet wird.

Ein anderer Kanal, der über die Hintergründe von Filmen erzählt, ist WTF happened to this Movie. Zwar ist das ganze weniger kulturkritisch, liefert aber interessante Details. Zum Beispiel zeigt es, warum Waterworld, dem letzten großen Film ohne CGI, an den Kinokassen so schlecht erging. Der Aufwand für den Film war jedoch enorm:

Unter diesen Prämissen: Was denkt ihr, wofür Game of Thrones in unserer Zeit steht?

Einschub: „It’s gonna be May“

Es ist Mai, deswegen muss ich hier den Lesefluss unterbrechen. Ich weiß nicht, ob dieses Meme in Deutschland bereits bekannt ist. In einem der unzähligen Boygroup-songs sollte Justin Timerberake wohl besonders „swag“ aussehen. Der Satz „It’s gonna be me“ hörte sich dann für viele wie „it’s gonna be may“ an und ist seitdem Teil der amerikanischen Popkultur.

In diesem Blog geht es um philosophische Perspektiven, die ich bin Bezug auf unsere Gesellschaft entwickle. Wenn ihr mir folgen wollt, dann added mich auf Facebook oder tretet der Facebookgruppe bei. EinRSS-Feed ist auch vorhanden. Bitte liken oder sogar weiterteilen :)

Dr. Norman Schultz, Mainz, Mai 2019.

 

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