Philosophische Grenzbetrachtung zum Unfall bei Wetten dass..?

Zu meinem Beitrag¬†Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum tragischen Unfall bei Wetten dass..?)¬†¬†kann ich nur soviel sagen: Ich bin als Philosoph fasziniert von den Grenzen des Machbaren und ich bin der √úberzeugung, dass ‚ÄěWetten dass‚Ķ‚Äú und der Unfall beim Auto√ľberspringen noch lange nicht an der Grenze des Machbaren war:

http://www.youtube.com/embed/1VJll3cfDEM

Nat√ľrlich ‚ÄúWetten dass‚Ķ‚ÄĚ ist eine Unterhaltungsshow, andere Risikounternehmer wie Boxer oder nach philosophischer √úberzeugung Lebensm√ľde sind Sportler. Dort geschehen auch Unf√§lle bei einer Unterhaltungsshow darf das offensichtlich nicht passieren. Aber so einfach ist diese Unterscheidung an den Grenzen nicht. Wir wollen doch bei Wetten auch etwas besonderes erleben, Grenzen der Menschheit, eine Philosophie der √úberbietung. Wir wollen doch nicht darauf wetten, dass einer, wie schon geschehen, 20 W√ľrstchensorten am Geschmack erkennt oder die noch bessere Wette am W√ľrstchenwasser. Jeder Weinkenner oder 3- Sterne- Koch w√ľrde dar√ľber lachend zu seinen Spezialit√§ten zur√ľck gehen. Ich m√∂chte auch nicht sehen, wie sich jemand die Ergebnisse der Bundesliga Saison von 1970 bis heute erinnert, wenn Daniel Tammet sich Pi bis auf 10.000 Stellen nach dem Komma merkt. Gut Fernsehen ist ein Medium f√ľr den Durchschnitt. Aufgrund der Zuwendung zu breiten Massen m√ľssen viele Interessen bedient werden und dadurch bekommen wir ohnehin vom Fernsehen selten Grenzen gezeigt, aber das ist ein anderes Thema.

Was beachte ich also philosophisch bei den Grenzg√§ngern? Wie sieht die Philosophie¬†„Grenzg√§nger“ aus? Wenn ein Seilt√§nzer √ľber den Grand Canyon spaziert, dann sp√ľre ich die Gefahr in meinem K√∂rper, er geht auch f√ľr mich hin√ľber. Grenzg√§nger spazieren daher an den Grenzen auch f√ľr uns als Gattungswesen. Dann beachte ich philosophisch die Lebensleistung, die nur gewisse Spitzenleistungen hervor bringen k√∂nnen. Die wirklich erfolgreichen Boxer sind zum Beispiel entgegen vieler Annahmen regelrechte Asketen. Jahrelanges Entsagen, um den K√∂rper auf ein Leistungsniveau zu bringen, das nur einem gerecht wird, dem Weltmeister. Spitzenleistungen sind nicht dem Moment geschuldet, sondern einem entbehrungsreichen Lebenslauf. Was muss zum Beispiel Damien Walters alles geplant und trainiert haben, um diese Spr√ľnge mit dieser Pr√§zision zu bringen?

http://www.youtube.com/embed/cNvJy0zoXOY

Es sieht gef√§hrlich aus, aber die Vielzahl der Spr√ľnge zeigt auch, welche √úberlegenheit sich Walters gegen√ľber der Gefahr erarbeitet hat und wir uns auch hinsichtlich vieler Gefahren unseres Lebens erarbeiten k√∂nnen. Es ist motivierend zu sehen, dass Grenzen, so unm√∂glich sie scheinen, unter √úbung eventuell √ľberwindbar sind. Wir haben es mit der Philosophie der √úberwindung und einer¬†Philosophie der Selbststeigerung zu tun.

Extremsport als Philosophie der Selbsterkenntnis

Die Besteigung der gr√∂√üten Berge haben gezeigt, dass die menschliche Leistung, das menschliche physische Leben nochmal √ľberragt. Reinhold Messner verlor seinen Bruder am Nanga Parbat. Sein Bruder wollte ihn nicht alleine den Berg besteigen lassen, folgte ihm, doch Messner plante einen Durchstieg, den er aufgrund schlechten Wetters auch durchf√ľhren musste. Dieser Durchstieg machte ihn schlie√ülich weltber√ľhmt. Er zeigte, welche lebensfeindlichen Bedingungen √ľberwunden werden k√∂nnen, doch dabei verlor er seinen Bruder, der ihm aus falschen Eifer gefolgt war. Wom√∂glich war Messner besser vorbereitet. In der Einsamkeit der Berge, berichtet Messner h√§ufig, geht es um die philosophische Selbsterfahrung des Menschen, wo er sich seiner Physis erst vollkommen bewusst wird. In der Gefahr erf√§hrt der Mensch sich selbst. Es zeigt also wie nah die Grenze zwischen M√∂glichem und Unm√∂glichen gewesen sein muss und belehrt uns als Menschen √ľber den Aufstieg in eine m√∂glich unm√∂gliche Zukunft. Genau diese Selbsterfahrungen machen aber Philosophie aus.

Jackie Chan formulierte es √§hnlich: Sein K√∂rper wird sterben, aber seine Legende (so pathetisch das auch klingen mag) wird ihn ewig leben lassen. Die letzte Grenze des Machbaren ist n√§mlich die Zeit selbst. Der Mensch selbst ist zwar in dieser Zeit k√∂rperlich verg√§nglich, aber in der Zeit √ľberlieferbar (Das war ja Thema im letzten philosophischen Blogbeitrags „Zeit -Grenze des Menschseins)

In den Filmen von Jackie Chan kommt diese Lebensleistung als √ľberlieferte Philosophie zum Ausdruck. An der chinesischen Oper ausgebildet, erwarb er unter st√§ndigem Training eine enorme K√∂rperbeherrschung. In seiner jungen Karriere galt er als verr√ľckt, machte gef√§hrliche Stunts. Das brachte ihm schnellen Ruhm. W√§hrend seiner vielen Stunts hat er sich wom√∂glich jeden Knochen gebrochen und wei√ü nach eigener Aussage nun, dass man sich jeden Knochen auskugeln kann, so zum Beispiel auch Becken- und Wangenknochen. Bei einem relativ simplen Stunt w√§re er fast gestorben, dennoch machte er weiter. Entstanden sind dabei bewundernswerte filmische Leistungen, die obwohl er nun alt ist, immer im Ged√§chtnis der Martial Arts Kunst verbleiben werden:

http://www.youtube.com/embed/idYCwve240Q

Jackie Chan besteht als lebendes Beispiel, wohin der Durchschnittsmensch sich bringen kann. Als einge√ľbter Gro√ümeister der Kampfkunst √ľberragt er alles bei uns nur Angelernte, aber nicht mit dem Leben Aufgesogene. Als Jackie Chan bei den durchschnittlichen Wetten bei ‚ÄúWetten dass‚Ķ‚ÄĚ teilnahm, handelte es sich um eine ‚Äěwaghalsige Wette‚Äú. Jemand wettete, dass er es schaffen w√ľrde mit rohen Eiern in der Hand Steine zu zerschlagen, ohne dass dabei die Eier zu Bruch gehen w√ľrden. Die Wettkandidatin schaffte es nicht; Jackie Chan, der ja Zeit seines Lebens in solcherlei K√∂rperbeherrschung investiert hatte, zeigte ihr dann, wie es geht.

http://www.youtube.com/embed/gDODlPyc3KY

Was bewundern wir also philosophisch? Die Wette bei ‚ÄúWetten dass‚Ķ‚ÄĚ war machbar, der Unfall tragisch. Ich glaube, es waren ungl√ľckliche Umst√§nde, der Wettkandidat gut vorbereitet. Die Zuf√§lligkeiten eines Lebens in der Zeit waren gegen ihn, vielleicht war er nerv√∂s, abgelenkt etc. Ich behaupte aber, wenn niemand mehr bereit ist die Grenzen der Menschheit zu erkunden, dann werden wir alle nur noch am Samstag auf der Coutch sitzen und keine Alternative mehr zum Durchschnittsfernsehen wie „Wetten dass…“ haben. Wir bewundern den √úberstieg zu dem, was wir noch nicht sind, aber vielleicht werden k√∂nnen und das ist der Grundgedanke der Philosophie.

Lest auch meinen Blog zu Asketen, an den Grenzen des Bewusstseins oder meine anderen Beitr√§ge zu den Grenzleistungen. Abonniert bitte meinen Blog, wenn es euch gef√§llt. Bitte kommentiert oder teilt mir Anregungen f√ľr weitere Themen mit.

Emailadresse eintragen:
weil ihr so auf dem Laufenden bleibt
Dieser Beitrag wurde unter Grenzen des Machbaren abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort auf Philosophische Grenzbetrachtung zum Unfall bei Wetten dass..?

  1. Pingback: Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum tragischen Unfall bei Wetten dass..?) – Philosophie EntGrenzen – Die Wissenschaft der Wissenschaften

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.