Philosophische Grenzbetrachtung zum Unfall bei Wetten dass..?

Zu meinem Beitrag Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum tragischen Unfall bei Wetten dass..?)  kann ich nur soviel sagen: Ich bin als Philosoph fasziniert von den Grenzen des Machbaren und ich bin der Überzeugung, dass „Wetten dass…“ und der Unfall beim Autoüberspringen noch lange nicht an der Grenze des Machbaren war:

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Natürlich “Wetten dass…” ist eine Unterhaltungsshow, andere Risikounternehmer wie Boxer oder nach philosophischer Überzeugung Lebensmüde sind Sportler. Dort geschehen auch Unfälle bei einer Unterhaltungsshow darf das offensichtlich nicht passieren. Aber so einfach ist diese Unterscheidung an den Grenzen nicht. Wir wollen doch bei Wetten auch etwas besonderes erleben, Grenzen der Menschheit, eine Philosophie der Überbietung. Wir wollen doch nicht darauf wetten, dass einer, wie schon geschehen, 20 Würstchensorten am Geschmack erkennt oder die noch bessere Wette am Würstchenwasser. Jeder Weinkenner oder 3- Sterne- Koch würde darüber lachend zu seinen Spezialitäten zurück gehen. Ich möchte auch nicht sehen, wie sich jemand die Ergebnisse der Bundesliga Saison von 1970 bis heute erinnert, wenn Daniel Tammet sich Pi bis auf 10.000 Stellen nach dem Komma merkt. Gut Fernsehen ist ein Medium für den Durchschnitt. Aufgrund der Zuwendung zu breiten Massen müssen viele Interessen bedient werden und dadurch bekommen wir ohnehin vom Fernsehen selten Grenzen gezeigt, aber das ist ein anderes Thema.

Was beachte ich also philosophisch bei den Grenzgängern? Wie sieht die Philosophie „Grenzgänger“ aus? Wenn ein Seiltänzer über den Grand Canyon spaziert, dann spüre ich die Gefahr in meinem Körper, er geht auch für mich hinüber. Grenzgänger spazieren daher an den Grenzen auch für uns als Gattungswesen. Dann beachte ich philosophisch die Lebensleistung, die nur gewisse Spitzenleistungen hervor bringen können. Die wirklich erfolgreichen Boxer sind zum Beispiel entgegen vieler Annahmen regelrechte Asketen. Jahrelanges Entsagen, um den Körper auf ein Leistungsniveau zu bringen, das nur einem gerecht wird, dem Weltmeister. Spitzenleistungen sind nicht dem Moment geschuldet, sondern einem entbehrungsreichen Lebenslauf. Was muss zum Beispiel Damien Walters alles geplant und trainiert haben, um diese Sprünge mit dieser Präzision zu bringen?

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Es sieht gefährlich aus, aber die Vielzahl der Sprünge zeigt auch, welche Überlegenheit sich Walters gegenüber der Gefahr erarbeitet hat und wir uns auch hinsichtlich vieler Gefahren unseres Lebens erarbeiten können. Es ist motivierend zu sehen, dass Grenzen, so unmöglich sie scheinen, unter Übung eventuell überwindbar sind. Wir haben es mit der Philosophie der Überwindung und einer Philosophie der Selbststeigerung zu tun.

Extremsport als Philosophie der Selbsterkenntnis

Die Besteigung der größten Berge haben gezeigt, dass die menschliche Leistung, das menschliche physische Leben nochmal überragt. Reinhold Messner verlor seinen Bruder am Nanga Parbat. Sein Bruder wollte ihn nicht alleine den Berg besteigen lassen, folgte ihm, doch Messner plante einen Durchstieg, den er aufgrund schlechten Wetters auch durchführen musste. Dieser Durchstieg machte ihn schließlich weltberühmt. Er zeigte, welche lebensfeindlichen Bedingungen überwunden werden können, doch dabei verlor er seinen Bruder, der ihm aus falschen Eifer gefolgt war. Womöglich war Messner besser vorbereitet. In der Einsamkeit der Berge, berichtet Messner häufig, geht es um die philosophische Selbsterfahrung des Menschen, wo er sich seiner Physis erst vollkommen bewusst wird. In der Gefahr erfährt der Mensch sich selbst. Es zeigt also wie nah die Grenze zwischen Möglichem und Unmöglichen gewesen sein muss und belehrt uns als Menschen über den Aufstieg in eine möglich unmögliche Zukunft. Genau diese Selbsterfahrungen machen aber Philosophie aus.

Jackie Chan formulierte es ähnlich: Sein Körper wird sterben, aber seine Legende (so pathetisch das auch klingen mag) wird ihn ewig leben lassen. Die letzte Grenze des Machbaren ist nämlich die Zeit selbst. Der Mensch selbst ist zwar in dieser Zeit körperlich vergänglich, aber in der Zeit überlieferbar (Das war ja Thema im letzten philosophischen Blogbeitrags „Zeit -Grenze des Menschseins)

In den Filmen von Jackie Chan kommt diese Lebensleistung als überlieferte Philosophie zum Ausdruck. An der chinesischen Oper ausgebildet, erwarb er unter ständigem Training eine enorme Körperbeherrschung. In seiner jungen Karriere galt er als verrückt, machte gefährliche Stunts. Das brachte ihm schnellen Ruhm. Während seiner vielen Stunts hat er sich womöglich jeden Knochen gebrochen und weiß nach eigener Aussage nun, dass man sich jeden Knochen auskugeln kann, so zum Beispiel auch Becken- und Wangenknochen. Bei einem relativ simplen Stunt wäre er fast gestorben, dennoch machte er weiter. Entstanden sind dabei bewundernswerte filmische Leistungen, die obwohl er nun alt ist, immer im Gedächtnis der Martial Arts Kunst verbleiben werden:

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Jackie Chan besteht als lebendes Beispiel, wohin der Durchschnittsmensch sich bringen kann. Als eingeübter Großmeister der Kampfkunst überragt er alles bei uns nur Angelernte, aber nicht mit dem Leben Aufgesogene. Als Jackie Chan bei den durchschnittlichen Wetten bei “Wetten dass…” teilnahm, handelte es sich um eine „waghalsige Wette“. Jemand wettete, dass er es schaffen würde mit rohen Eiern in der Hand Steine zu zerschlagen, ohne dass dabei die Eier zu Bruch gehen würden. Die Wettkandidatin schaffte es nicht; Jackie Chan, der ja Zeit seines Lebens in solcherlei Körperbeherrschung investiert hatte, zeigte ihr dann, wie es geht.

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Was bewundern wir also philosophisch? Die Wette bei “Wetten dass…” war machbar, der Unfall tragisch. Ich glaube, es waren unglückliche Umstände, der Wettkandidat gut vorbereitet. Die Zufälligkeiten eines Lebens in der Zeit waren gegen ihn, vielleicht war er nervös, abgelenkt etc. Ich behaupte aber, wenn niemand mehr bereit ist die Grenzen der Menschheit zu erkunden, dann werden wir alle nur noch am Samstag auf der Coutch sitzen und keine Alternative mehr zum Durchschnittsfernsehen wie „Wetten dass…“ haben. Wir bewundern den Überstieg zu dem, was wir noch nicht sind, aber vielleicht werden können und das ist der Grundgedanke der Philosophie.

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