Die Philosophie und Grenzen des Lesens – Von der Weltfremdheit

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Von den Grenzen der Lesephilosophie (CC_Bild: h.koppdelaney)

„Seinen Horizont umstellen BĂŒcher. Schnell gleiten seine Blicke ĂŒber die Seiten, behutsam blĂ€ttert er um. “ Der Kampf mit den Worten fĂ€nde ohne Waffen statt.“, so heißt in einem alten Artikel des Rheinischen Merkur von 1969. Damals entdeckte die Menschheit die Möglichkeit des Schnelllesens. John F. Kennedy konnte so angeblich schon als SchĂŒler von Evelyn Wood in unglaublicher Geschwindigkeit die Tageszeitung durchblĂ€ttern.

Im Artikel ĂŒber den vergessenen Philosophen Alfred Eisleben heißt es weiter: „Nur das gezielte Schauen und ein gutes GedĂ€chtnis dienen dem Meister. Tausend Seiten pflĂŒgt er in fĂŒnf Stunden durch. Der Philosoph  Alfred Eisleben trĂ€gt den schwarzen GĂŒrtel in der Philosophie des Lesens.“

Seine Wohnung gleiche dabei einer Bibliothek, die WĂ€nde mit BuchrĂŒcken tapeziert. LĂ€chelnd spreche der Hochgeschwindigkeitsphilosoph vom „Feinkostladen fĂŒr das Gehirn“, zwar wĂŒrde er niemals die BĂŒcher verkaufen, Gedanken verteile er allerdings gratis. Nach einem kleinen Rundgang durch seinen heiligen BĂŒcherpalast, lĂ€sst er sich vor dem Journalisten an seinem Schreibtisch nieder. Zwischen den TĂŒrmen von Nachschlagewerken wirke er, wie ein souverĂ€ner Herrscher auf seinem Thron. Nicht bibliomanisch, sondern nur bibliophil sieht er seine Beziehung zu den „in das Wort gelassenen Gedanken“. Wertvolle SammlerstĂŒcke ĂŒber Byzantinistik, und eine signierte Erstausgabe von Thomas Mann „Die Buddenbrooks“ zieren seine Sammlung. Vorrangig interessiere ihn aber der Inhalt, da nicht das Sammeln ihm Leidenschaft sei, sondern die Philosophie Lesen.

„Schon am frĂŒhen morgen wandelt er auf den philosophischen Spuren Kants „fĂŒr den Geist die kalte Dusche“. Mittags bewĂ€ssert er mit CĂ©lan sein „Metaphernbiotop“. Abends bereitet er mit einem ruhigen Rilke die Nacht vor. Regnet es, zieht er oft russische Literatur aus einem seiner SchrĂ€nke, meistens Dostojewski.Um Eleganz zu verspĂŒren, bevorzugt er Franzosen. Quillt in ihm der Drang nach Erlebnis, so wĂ€hle er einen Amerikaner. FĂŒr die kleine Pause zwischendurch, als „Neuronensnack“, empfehle sich Morgenstern und Forderungen nach HĂ€rte pariert er mit Hemingway, „denn“, so fĂŒgt er hinzu „viele seiner BĂŒcher gleichen einem mit Schönschrift ĂŒberzogenem Tierkadaver“. Kurz: FĂŒr jeden Anlass besitzt der Philosoph Alfred Eisleben das passende Buch.

Enthusiastisch erzĂ€hlt er von Oblomow, „Literatur fĂŒr Gelangweilte“. Stunden fĂŒr Stunden einfach nur sitzen und nachdenken, vor allem darĂŒber, welches Buch als nĂ€chstes in Angriff zu nehmen sei. Der Philosoph Alfred Eisleben ist ein BĂŒcherjunkie, wie er nur im Buche steht. WeltentrĂŒckt, nennt er die Literaten „kleine Weltenbaumeister“, so ist es nicht verwunderlich, dass er Thomas Mann als seinen philosophischen Ziehvater angibt. Der „literarische Actionphilosoph mit dem metaphysischen Flammenwerfer“, garantiere stets „ein kortikales KettensĂ€genmassaker“. Mit realistischer Gelassenheit und teutonischem Tiefsinn komponiere Mann oftmals einen ĂŒberwĂ€ltigenden philosophischen Showdown aufs Papier.

Phantasmen aller Art durchspĂŒlen die Hirnwindungen des Philosophen Alfred Eisleben. Entwickelt er solche Bilder, kann er sein Lachen kaum verbergen. NatĂŒrlich weiß er das Literatur nicht der RealitĂ€t entspricht, dennoch erreiche so die Überlieferung eine höhere QualitĂ€t. Mit ernster Miene formuliert er:„Schrift verleiht dem Denken Dauer.“ Jedes Buch leiste einen Beitrag zum großen philosophischen GesprĂ€ch, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Alles Abseitige, Verbrecherische, meist Entsetzliche werde als Teil einer menschlichen Möglichkeit gezeigt, in das menschlich Verstehbare zurĂŒckgeholt.

Beim Lesen werde der unverhohlene Blick in das intime Interieur einer Seele gewĂ€hrt, „aber“, so betont Eisleben, „je mehr sich der Horizont durch Lesen erweitert, desto mehr ungelesene BĂŒcher brechen in die Welt.“ Am Ende seines Lebens werde nicht nur der Tod ihm Erfurcht abverlangen, auch die vielen ungelesen BĂŒcher werden schwer im Gewissen liegen.

Seine Welt dreht sich um die gebundenen Gedanken, die auf das Blatt geworfenen Worte, um eine RealitĂ€t anderer Gesetze, wo wir wissen, dass es immer der Held ist, der am Anfang seinen Weg beginnt. SpĂ€ter möchte er sich in diese Welt einschalten, sich durch den Geist der BĂŒcher mit Philosophie ewig vergegenwĂ€rtigen. Momentan beschĂ€ftige ihn noch die VergangenheitsbewĂ€ltigung. Philosophiestudien ĂŒber die Philosophen Kant, Hegel und Heidegger soll die Zeit der nĂ€chsten Jahre fĂŒllen. Danach wird sich zeigen, ob der Philosoph Alfred Eisleben von der Kunst des Lesens zu der Meisterschaft des Schreibens emporsteigt, ob alles eingeatmete in ihm selbst Atem entwickelt. Soviel viel stand jedenfalls schon damals im Vorfeld fest, den Nobelpreis wĂŒrde er ablehnen.“

Soviel also zum Entdeckerdrang und AufwĂ€rtsstreben der Schriftgelehrten. Das Thema des Schnelllesens aber interessiert: In den nĂ€chsten BeitrĂ€gen werden wir uns also um die Schnelllesetechniken bemĂŒhen. Wenn ihr es nicht verpassen wollt, könnt ihr ja gerne abonnieren (haha).

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