Archiv fü Kategorie EffizienzPhilosophien

Schnellschreiben und Selbststeigerungsphilosophie

13. Januar 2012
Wohin führt die Geschwindigkeitsphilosophie? CC_Foto h.koppdelaney

Wohin führt die Geschwindigkeitsphilosophie? CC_Foto h.koppdelaney

Philosophen schreiben viel (wie meine treueren Leser mit Sicherheit schon bemerkt haben). Da ich schon sehr früh feststellte, dass ich auf eine Welt der Vielschreiber gekommen war, habe ich mir sehr früh angewöhnt, das Zehnfingersystem zu nutzen. Ich habe damals damit geübt, Musikeranekdoten aus Büchern über die Sommerferien für mein eigenes Archiv abzutippen. Damals wusste ich noch nicht, dass das Internet diese Tätigkeiten überflüssig machen würde. Ich habe mir damals damit das Zehnfingersystem selbst beigebracht, es gleicht aber dem Zehnfingersystem zu 100 Prozent. Im Sinne einer Effizienzphilosophie folgte ich simpel der Idee, für die dieselbe Taste stets den selben Finger zu benutzen.

Vorteile einer Effizienzphilosophie

Zumeist kann ich Menschen nicht verstehen, die darauf bestehen, dass ihre Adlersuchtechnik in ähnlicher Geschwindigkeit funktioniere wie das Zehnfingersystem. Ihr System ist dabei willkürlich und ineffizient. Oftmals besteht ihr System aus einer einstudierten Gewohnheit, wobei diese einfach nicht abgelegt werden soll, da die eigene Philosophie auch irgendwie trägt. Das Gehirn möchte sich nicht unbedingt verändern, sondern bei alten Routinen bleiben. Die Mühe eines Ausweises der Vorteile eines Zehnfingersystems möchte ich hier auch aus diesem Grund nicht machen, daher zitiere ich kurz und bündig Wikipedia dazu: Lesen Sie den gesamten Eintrag »

Zur Lernphilosophie – Wie lernen wir richtig?

12. Januar 2012

Durch merkwürdige Zufälle bin ich bei meinem Studium zunächst nicht nur bei der Philosophie gelandet, sondern auch beim Sprachenlernen. Obwohl ich mich in der Schulzeit niemals für Sprachen interessiert habe, sind es gar alte Sprachen im Studium geworden. Nach der Auseinandersetzung mit dem Philosophen Wittgenstein und dem Philosophen Heidegger erschien es mir damals zwingend logisch, die Grundlagen unseres Wissens in unserer Sprache zu suchen.

“Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt” (Wittgenstein)

“Die Sprache ist das Haus des Seins, in ihm wohnend der Mensch.” (Heidegger)

Diese Sätze der zwei Philosophen hatten damals eine Überzeugungskraft, die ich aus heutiger philosophischer Sicht ablehnen würde. Ich glaube heute nicht mehr an eine besonders ausgeprägte sprachliche Relativität, wonach wir die Welt stark gefärbt durch unser sprachliches Raster wahrnehmen. Dennoch folgte ich damals dieser Philosophie und so wollte ich an die Grundlage der Sprache überhaupt, die mir in ihrem Ursprung verborgen schien. So lernte ich also Grundlagen der Indogermanistik, Latein, Gothisch, Hethitisch, Altjapanisch und Griechisch.

Lernen und Erleuchtung (zur Lernphilosophie)

Lernen und Erleuchtung (zur Lernphilosophie) CC_Foto: Norman Schultz

Lesen Sie den gesamten Eintrag »

Schlagwörter:

Zum Tod von Vera Birkenbihl – Philosophie des gehirngerechten Lernens

5. Dezember 2011

Im Alter von 65 Jahren ist Vera Birkenbihl, die Entwicklerin einer gehirngerechten Lernphilosophie, gestorben. Da ich Birkenbihl für eine der besseren Gehirngymnastikerinnen halte, Grund genug endlich einen Beitrag über sie und ihre Philosophie in Angriff zu nehmen. Im Folgenden ist ein längerer Vortrag von ihr, der mich einfach von ihr überzeugt hat.

Natürlich fragt sich bei Birkenbihl in erster Linie, was an dem Marketingbegriff “gehirngerecht” eigentlich wirklich dran ist. Im Segment der Personality-Trainer toben sich ja so manche Hobbyphilosophen aus, denen jeder Begriff recht genug ist, solange er sich vermarkten lässt. Da sollen die Damen und Herren schon mal 60 Sekunden tagsüber beim Toilettengang lächeln, um ein fröhlicheres Leben zu führen und jede Krankheit in ihrem Leben als Chance zur Veränderung begrüßen. Die Zielgruppe ist damit bestimmt. Gerade die Sieger-Philosophie der Positiv-Denken-Branche hat diese zu einer Anlaufstelle für selbstzweifelnde Manager gemacht, die sich in der Midlifecrisis suchen oder in der anstehenden Karriere für sich die richtige “Philosophie” suchen. Doch auch der gute Bildungsbürger, der sich dem Prestige des Denkens und Philosophierens verpflichtet fühlt, wärmt bei Seminaren, so er sich diese leisten kann (2.000 Euro für einen Seminarplatz ist nicht selten) gerne die Vorlesungssitze. Vera Birkenbihl zählte mit ihrer Philosophie sicher auch zu den Gurus, wohl aber besaß ihre Philosophie Esprit, Humor und war weniger vom ausbeuterischen Unternehmertum der Branche geprägt, was sie allerdings nicht hinderte mit ihrer Theorie dennoch Millionärin zu werden.

Woran erkennen wir nun aber Unfug oder gehaltvolle Lern- oder gar Lebensrezepte? Diese Frage ist keineswegs leicht, dennoch möchte ich jedem Leser einen leichten Test nahelegen, wie er Konzepte von angeblichen Gurus überprüfen kann: Lesen Sie den gesamten Eintrag »

Schlagwörter: ,

Philosophie des Schlafes – Nur noch 2 Studen schlafen pro Tag (Teil II)

24. Oktober 2011

Die Effizienzphilosophie eines Steve Palina war Thema des letzten Beitrages. Es ging darum, wie der Mensch nur noch zwei Stunden Schlaf brauchen würde. Das Schlafmodell sieht hier vor, dass im Abstand von 4 Stunden jeweils nur noch 20 Minuten geschlafen wird. Hier gilt es nur noch den REM-Schlaf zu nutzen und schon reicht es, um den ganzen Tag wie ein durchgängig gelebtes Leben zu erfühlen. Selbst die REM-Schlaf-Phasen, heißt es, können bewusst geträumt werden.

Polyphasenschlaf und Gesundheit

Natürlich fragt sich der kritische Leser, ob dieser polyphase Schlaf mit der Gesundheit zu vereinbaren sei. Ich erinnere mich an einen Artikel im Spiegel, den ich vor ca. 10 Jahren las. Dort ging es um einen Mann, der seit 6 Monaten nicht geschlafen hatte. Ein Darmbakterium hatte auf wundersame Weise den Weg ins Gehirn angetreten und dort ein bestimmtes Areal lahmgelegt, das für die Einschlaffunktion zuständig war. Dennoch nach 6 Monaten Schlafentzug erfreute sich dieser Mann bester Gesundheit. Nur seine Konzentration war am Boden. Sein Alltag bestand im Grunde aus Halluzinationen. Das Phänomenale beim polyphasen Schlaf ist allerdings, dass nach einer Eingewöhnungszeit von 2 Wochen die Konzentration auf höchstem Niveau bleibt. Steve Palina beschreibt dies als würde er 24 Stunden bei den Dingen bleiben können. Ich wäre fasziniert von der Idee nicht mehr von Morpheus die schönsten Jahre meines Lebens geraubt zu bekommen. Es wäre endlich Platz für 24 Stunden Philosophie :) Lesen Sie den gesamten Eintrag »

Schlagwörter: ,

Zur Philosophie des polyphasen Schlafs – Nur noch 2 Stunden am Tag schlafen

23. Oktober 2011

Zu einer umfassenden Philosophie gehört natürlich die Einbeziehung des Ganzen. Dabei ist es wichtig, dass wir nicht nur das zeigen, was sich ohnehin schon zeigt, sondern, dass wir das zeigen, was sich gerade nicht zeigt. Das Sein wäre ein solcher Punkt. Ein anderer weniger philosophisch abgehobener Aspekt wäre aber mit Sicherheit auch der Schlaf. Wir wissen wenig über diesen unliebsamen Freund, außer dass wir in der Regel nicht da sind, wenn er da ist. Morgens kommen wir dann zumeist zurück und merken zumindest, dass er unseren Körper in der Weise abgewohnt hat, so dass wir uns erstmal gründlich reinigen müssen. Schlaf hat die Eigenschaft, dass er sich als Phänomen für uns in der Regel nicht zeigt.

Zur Philosophie des Schlafes

Ein wesentliches Strukturmerkmal von Städten und Wohnungen ist dem Aspekt zu verdanken, dass Menschen Rückzugsräume benötigen und ihrer Hassliebe ein Domizil anbieten müssen. Die Ausstattung für Schlaf ist daher ein wichtiges Kriterium (unserem Hassfreund soll ja wohl bei der Sache sein) und so strukturieren wir unsere Wohnungen. (Ich muss allerdings eingestehen, dass ich diesen “Freund” seit Jahren schlecht behandle und mir oftmals eine Isomatte für ihn als ausreichend erscheint). Städte sind so auch nicht nur aus philosophischer Freiheit errichtet worden, sondern immer auch mit Bezug auf biologische Notwendigkeiten strukturiert. Schlaf bestimmt unsere Gesellschaft tiefgreifend und wir bemerken es nicht, da wir zumeist nicht da sind, wenn der Schlaf da ist. Bei jeder noch so freien Philosophie müssen wir bedenken, dass der Schlaf in der Regel ein Drittel unserer Philosophie und eines bewussten Lebens stiehlt. Das “Ich denke, also bin ich” hatte nie einen Zugang zu der Phrase “Ich schlafe, also…” Es ist schon ein unheimlicher Gast, der sich da in unserem Leben und unserer Philosophie ausbreitet:

Die vormalige Grafik bezieht sich auf das Verhältnis unseres Schlafes zu den Wachzeiten während eines Tages, einer Woche, eines Monats oder während eines Lebens (oder während einer Philosophie). In der Regel verpennen wir ein Drittel unseres Lebens.

Ich selbst habe Schlaf immer schon als Form der Zeitverschwendung angesehen. Doch wenn ich mich dann bis in die morgendlichen Stunden durch die Philosophie arbeitete und der Kopf mal zwischen zwei Buchdeckeln oder auf der Tastatur sein Ruhekissen fand (ganz neuerlich schlafe ich auf dem Küchenboden ein), musste ich zu oft einsehen, dass Schlaf eine sehr gute Alternative ist. Dann empfängt einer doch den Schlaf nur um nicht mit seiner Zerklüfftung in der Zerstreutheit allein zu sein. Es ist als, ob wir doch den Schlaf für unsere Philosophie bräuchten, obwohl er doch eigentlich nicht viel dafür getan hat.

Zur Philosophie der Effizienz

Als Philosoph weiß ich, wie wichtig das kontinuierliche Arbeiten ist. Allein durch Kreativität lassen sich Wissenslücken nicht ausgleichen. Auch viele Studien innerhalb der Genieforschung bestätigen, dass die von uns als gemeinhin anerkannten Genies zumeist auch Produktivlinge waren. Mit der Produktivität kommt die Übung und mit der Übung fällt irgendwann ein Meister aus seinem Bett. Mit der Strenge der Lebensführung verbinden wir ja dann auch immer eine Philosophie. Nicht umsonst, denn bis ins 19. Jahrhundert zeichneten sich Philosophen durch eine ungewöhnliche Härte und Weltfremdheit aus, denn zumeist verweigerten sie sich ja den Freuden des Lebens. Philosophie war gleichzusetzen mit Askese. Im Zeitalter der Barphilosophien ist allerdings jede Lebensform Grund genug um sich Philosoph zu schimpfen. Hündisch umlaufen ja die Besserwissertrolle Denkmonumente und markieren alles mit ihrem Erleuchtungsurin. Wie dem auch sei ein Lob der Meinungsfreiheit war auch immer ein Lob der Durchschnittlichkeit (gleich ob der Durchschnitt bei 250 IQ oder 50 IQ liegt). Dass wir Trolle haben, verdanken wir sicherlich einer Intellektualisierung der Gesellschaft und glücklicherweise wissen wir, dass diese auch schlafen müssen.

Mit der Differenzierung unserer Berufsfelder, mit der Profession der Philosophie haben sich auch unterschieliche Regionalphilosophien herausgearbeitet. Seit Jürgen Klinsmann hat ja auch der Fußball eine Philosophie. Gleichwohl erhalten sich die Lebensphilosophien auch ihre asketischen Ressorts. Die Verbesserungsphilosophie von Steve Palina gehört mit Sicherheit dazu (auch wenn er mit seinem halbwissenschaftlichen philosophischen Idealismus der Philosophie nichts gutes tut). Steve ist effizient und macht mehr als effizient zu sein. Warum der bekennende Atheist (Gott aus Systemperspektive zu bedenken, steht nicht in seinem Sinn) die Mühen der systematischen Verbesserung des eigenen Lebens auf sich nimmt, lässt sich nur schwer erschließen. Vielleicht verbessert er sich nur, um sich zu verbessern. Er ist Frühaufsteher, Veganer, Work-Aholic, Moralist und seit schon längerer Zeit Polyphasenschläfer, was in den USA sogleich den denkwürdigen Titel “Übermenschenschlaf” erhält:

 

6 mal 20 Minuten am Tag und die REM-Schlafphase sorgt für Konzentration. Tiefschlaf, das ist die beeindruckende Einsicht brauchen wir nicht. Wenn wir also den Weg zum Übermenschenschlaf antreten, so werden wir bald das Bett aus unseren Schlafgefilden verbannen können. Der Freund hat nur noch ein Besuchsrecht, aber wohnen darf er bei uns nicht mehr.

(Weiterführende Informationen zur Effizienzphilosophie eines Steve Palina sind zugleich bei der deutschen Übersetzung von Steves Blog zu finden: http://assets0.stevepavlina.de/polyphasenschlaf-wie-man-nur-2h-taeglich-)

Ich halte viel von solcher Effizienz, denn es gibt mehr Lebenssinn. Wenn wir dann noch so effizient wären und Geschlechtsverkehr tatsächlich nur zur Fortpflanzung einsetzen würden, dann würden wir in diesem Universum noch einiges bewegen können. Nun gut, ihr bemerkt, dass mich ein gewisser Freund von der sinnvollen Erstellung dieses Beitrages abhalten will. Ich werde mich wohl besser nicht zu der Frage der Sexualität äußern und den letzten Satz ziehe ich zurück. Den zweiten Teil zur Philosophie des Schlafes muss es also morgen geben.

Ich weiß, dass viele von euch, an dem Effizienzgebären stören? Vielleicht können wirfroh sein, dass der Schlaf die Menschen zumindest ein Drittel ihrer Zeit von der Welt abhält. Vielleicht würde ja die Effizienzphilosophie letztlich ihr Gegenteil bedeuten: Nur noch mehr Menschen, die Welt mit ihrer Selbstmörderparty bis zur Apokalypse verwüsten. Die Liebe zum Menschen bedarf wohl zunächst noch einer eigenartigen Negation ihrer selbst im Menschen. Dazu sind wir wohl noch nicht in der Lage und daher werden viele auch nicht Steve Palina vollends verstehen.

Norman Schultz

Philosophie und Grenzen des Zeitmanagement – Zeitdruck im Kopf

15. Oktober 2011
Titian - Allegorie der Zeit - Der Januskopf der Zeit

Titian - Allegorie der Zeit - Der Januskopf der Zeit

Nicht nur für Manager ist Zeit von jeher eine Herausforderung, sondern auch für die Philosophie. So merkte der Philosoph Augustinus noch an:

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ – Confessiones lib. 11

Der Philosoph Augustinus verstand damit die Zeit als den nur durch unsere Existenz erfahrbaren Hintergrund aller Welt, der nicht in die Form einer Antwort zu bringen war. Zeit war philosophisch vor allem ein Maß für das göttlich Geschaffene durch Gott, aber nicht ursächlich erklärbar, sondern einfach mit allem da. Für Gott aber waren alle Momente der Gegenwart nichts anderes als Ewigkeit. Diese göttliche Ewigkeit blieb für den Menschen in seiner theoretischen Sprache undurchdringbar. Vergangenheit war damit nur Erinnerung und Zukunft allein Erwartung, Gegenwart jedoch sollte gelebt werden.

Wohin also stürzten diese ganzen Räume, die da in der Zeit hinter uns bisher versanken? Wo ist der Steinzeitmensch heute? Wo befindet sich Augustinus? In einem verlassenen Zimmer hinter unserem Rücken? Ist er noch da, nur in einer anderen Zeit? Ist die Zukunft schon geschehen oder wird sie noch geschehen?

Diese philosophischen Fragen, die auch Augustinus trieben, konnten mich nie wirklich fesseln, da es für diese kaum einen Halt gibt, um mit einer Philosophie weiterzuforschen. Zeit ist die Grenze unseres Seins und Denkens: Der Sinn von Sein, das Woher der Verstehbarkeit von Welt ist Zeit, selbst aber verbleibt die Zeit Nichts. Ein dunkler Fleck in unserer Erkenntnis.

Die Physik mochte naturgemäß diese philosophische Nichtserkenntnis nicht. Dennoch gab auch die physikalische Messbarkeit von Phänomenen schließlich wenig Auskunft über das Wesen der Zeit. Ist Zeit ein unendlich teilbares Kontinuum oder eine Menge von diskreten und isolierbaren Momenten? Der Philosoph lächelte natürlich über die Versuche der Physik aus der Empirie allgemeingültiges Wissen darüber ableiten zu wollen. Wie sollte aus der Erfahrung mehr als Erfahrungswissen, das grundsätzlich fallibel ist abgeleitet werden? Die Physik stieß wieder und wieder an diese Grenze und es stellte sich heraus, dass wir zur Aufklärung des Zeitphänomens zu allererst in uns selbst hineinzuforschen haben. Eine Aufgabe der Philosophie, zugleich aber auch der Streitpunkt, ob die Zeit in uns vorfindbar ist.

Die Philosophie der Zeit

Die Zeit in uns können wir zumindest nicht verleugnen. Die verlebte Zeit zieht den ein oder anderen in allen Gliedern. Er trauert dann einer ungenutzten Vergangenheit hinterher und es stellt sich heraus, dass die Zeit und ihr “Es war einmal” das Märchen des Lebens ohne Happy End erzählt. In der Philosophie bekannten sich vor allem die Vorlaufenden in den Tod zu dieser Interpretation. Wir wollen die Tragödie der Zeit eigentlich nicht. Wir wollen aus unseren verbleibenden Tagen einen Strom machen, an dem wir in Ruhe unter einem Bäumchen sitzen und zuschauen, was dort alles so herunterfließt. Wir wollen noch einmal auf unserem Weinberg sitzen und der Traube beim Reifen zuschauen. Wir wollen wie der Philosoph Goethe bei Wein und Gesang Frauen Hexameter auf den Rücken zeichnen. Wir wollen Müßiggang in einer Zeit, die keine philosophische Befürchtung mehr zulässt. Wir wollen ein zeitloses Paradies. Im Grunde aber verachten wir die Zeit und wollen damit das nicht, was uns selbst ausmacht, wir wollen uns selbst nicht. Denn ist es nicht gerade der Zeitdruck, der uns zum Handeln motiviert? Würden wir ewig leben, so könnten wir doch auch alles auf Morgen verschieben. Überhaupt etwas zu tun, wäre sinnlos.

Gerade die Mönche versuchen daher gerade mit der asketischen Prokrastination in Professionalität die Sinnlosigkeit soweit zu treiben, dass nur noch das Wesen der Zeit verbleibe. Sie versuchen die Zeit in ihrem treibenden Wesen zuzulassen und sie nicht zu managen. Zeitmanager sind aber in der Regel gegen die Zeit. Diese fruchtlose und realitätsferne Idee der Abschaffung der Zeit beherrscht deren Philosophie. Zeitdrücke entstehen in der Regel aber nur, wenn Dinge wichtig sind. Die Politik kann davon ein Lied singen.

Zeitmanagementphilosophie

Beim Zeitmanagement geht es nicht darum seine Zeit tatsächlich als Zeit zu leben, wie wir erwarten sollten, sondern vor allem darum Zeit zu sparen. Die hohlphilosophische Botschaft des Anfangs lautet dabei zwar stets “Zeit kann man nicht sparen.” Aber wirklich ernst meint diese Phrase kein Zeitmanagementphilosoph. Natürlich dieses verrinnende Wesen der Zeit, das sich noch durch jede Sanduhr als feiner Sandstrahl hindurch schneidet, dieses zarte Pflänzchen der kindlichen Entwicklung, dieses ausgeprägte Geäst in den Falten des Alters, nein dieses kann nicht in der modernen Sparmentalität an Zeitbörsen angelegt werden, aber dem Zeitdruck positiv begegnen tun auch sie nicht. Statt Zeitsparer werden wir zu Zeitfahrern, die Welten jagen. Was also empfehlen uns die Gurus dabei in aller Regel? Soviel wie möglich, so schnell wie möglich machen.

Was ist jetzt aber eigentlich mein philosophisches Problem? Ich habe natürlich nichts dagegen seinen Alltag zu strukturieren und zu takten und halte dieses Vorgehen oftmals für sehr sinnvoll. Steve Palina ist ja hierin ein Experte. Nach seiner Sicht muss er alles schneller machen. Schneller Zähneputzen, schneller kochen, schneller Schnürsenkel binden, schneller lesen und schneller leben (?).

Problematisch an den meisten Theorien ist jedoch zunächst, dass diese vor allem ein Schlachtfeld um die Gunst der Manager darstellen. Angebliche Gurus wie beispielsweise Seiwert nehmen für ein Wochenendseminar gerne 2000 Euro pro Teilnehmer (eine Auseinandersetzung mit einer Professorin dazu unter meinem Beitrag zu Daniel Kehlmann und die Grenzen des Lesbaren). Hier aber hört der Spaß auf, denn was dort verkauft wird, ist zumeist nichts weiter als Gewäsch ohne empirische Datenbasis. Diese Zeittheorien kann jeder entwickeln, aber sind diese durch Studien belegt? Nein. Doch ungeachtet dieser empirischen Mängel ist mein Problem wiederum ein anders.

Wie auch mit meinen Beiträgen zum Schnelllesen dargelegt, ergibt es oftmals wenig Sinn sinnvolle Dinge schneller zu tun. Die Geschwindigkeit unseres Verstehens gibt den Weg vor und wir sollten uns vor allem an die schwierigen Dinge heranwagen, dort aber spart sich dann kaum mehr Zeit, weil jeder Denkschritt ein notwendiger wird. In der Philosophie belohnt sich gerade die sorgsame Langsamkeit und der übertriebene Selbstanspruch auch noch das vertrackteste Problem auseinanderzuklamüsern. Aber auch die Effizienz ist nicht mein Punkt.

Es mag sein, dass wir manche Dinge schnell erledigen müssen. Ein Zeitmanagementseminar setzt aber voraus, dass der Sinn unserer Zeit bereits bestimmt ist. Und hierin liegt das wesentliche Problem. Vielen Menschen haben kein Zeitproblem, sondern stecken in einer Sinnkrise. Genaugenommen steht die gesamte Menschheit in dieser Sinnkrise, aber dazu später mehr. Vielmehr bedarf es daher vor jedem Zeitmanagementseminar der noch viel wichtigeren Frage, inwiefern wir an uns arbeiten wollen und inwiefern wir diese Arbeit wollen. Zeitmanagement würde viel eher einen philosophische Ethos voraussetzen. Stattdessen bringen wir nicht der Menschheit bei wie der Zeithorizont für alle gerecht nach philosophischer Maßgabe eines guten Lebens (Ethos) gestaltet wird, sondern vor allem wie wir Dinge schneller machen als andere. Wenn dann ein Manager 2000 Euro für so ein Seminar ausgeben kann, während andere nicht mal 500 Euro im Monat zur Verfügung haben, dann haben wir tatsächlich ein Problem. Wir wäre es denn, wenn wir die Zeit aller Individuen erschöpfend gebrauchen würden und dann auch noch für sinnvolle Dinge? Dies würde auch bedeuten, dass die Zeit eines jeden Menschen etwas wert ist und nicht nur die des Managers, der es sich leisten kann. Ressourcen verschwenden wir also nicht mit unserer Zeit, sondern damit, dass wir vor allem eins nicht sind: gerecht.

Die Zeitersparnis treibt derweil merkwürdige Blüten. Vor allem von Möchtegernerfolgreichen lässt sich da einiges von Geld abknapsen. Folgendes Video soll uns also auch helfen, schneller durch das Leben zu eilen.

Steve Palina hat hierzu einen “bemerkenswerten” Artikel geschrieben: http://www.stevepavlina.com/blog/2011/04/watch-online-videos-in-half-the-time/. Obzwar ich Steve bewundere, so frage ich mich doch, wo er mit seinem prinzipiellen Atheismus am Ende eigentlich landen möchte. Zu dem Video selbst frage ich mich, warum es nicht schon im Zeitsparmodus versendet worden ist. Meiner Auffassung sind Videos, die sich im Zeitsparmodus anschauen lassen, zumeist nicht der Mühe wert, sie zu schauen.

An und für sich ja ist das wunderbar, habe ich doch selbst schon zu viele Filme im Modus der Langeweile verbracht und ich hätte sie vorspulen sollen. Wohl aber wäre die sorgsame Auswahl des Gelabers eher angebracht gewesen als diese Effizienzvorgaukelei. Videos sind doch ohnehin nur eine geringe Informationsquelle, die vielleicht in Phasen mangelnder Konzentration angebracht wäre. Wenn ich etwas jedoch wirklich tiefgründig philosophisch recherchieren will, dann muss immer noch das altmodische Buch herhalten. Aber wie gesagt, um die Formen der Effizienz geht es nicht. Wir haben in unserer Gesellschaft ein ganz anderes Effizienproblem, das tief in eine philosophische Ethik zurückgreift. Vor allem das philosophische Gerechtigkeitsproblem, dass wir uns als Menschheit in einer Sinnkrise befinden und offenbar Erfolg bedeutet, das Falsche zu tun (nämlich luxuriös Ressourcen zu verbrauchen), dies sind die Probleme die wir als erstes bedenken müssen. Wofür sollten wir denn alles immer schneller tun? Für Wein, Weib und Gesang, um Frauen den Hexameter auf den Rücken zu zeichnen? Nun letztlich weiß ich es auch nicht, aber das vom Philosophen Apel transzendental abgeleitete Kriterium das Überleben der Menschheit zu sichern, erscheint mir als erste notwendige Tat, Zeit auch für andere Generationen zu gewinnen und nicht nur für uns selbst.

Doch auch der Aspekt der Meditation in der Zeit kann eine Rolle spielen. Da wir ohnehin für die falschen Dinge Zeit sparen, müssen wir auch mal fragen, ob Prokrastination wirklich so schlimm sei. Das folgende Video zeigt uns, dass die Zeithygiene uns letztlich nur von der eigentlichen Zeiterforschung, wie sie die Philosophie seit den Mönchsriten verfolgt, abhält.

Schlagwörter: ,

Die Philosophie und die Rechengenies – von Zahlenbänder und Recheninseln

12. Oktober 2011

Wir hören den philosophischen Zauber eines scheinbar unzertrennlichen Zahlenbandes, das am Gehör entlang rast. Ein Zahlenkaninchen, das der Magier aus dem Hut, aus seinem Gehirn, aus einer Philosophie des Ganzen hervorzaubert. Rüdiger Gamm einer der Savants, die keine nennenswerten autistischen Defizite aufweisen. Dennoch war er als Rechengenie schlecht in der Schule. War er unterfordert?

Der philosophische Sinn unserer Grenzleistungen

Seien wir mal ehrlich: Was bringt uns das Kalenderrechnen, das heißt wie Gamm zu jedem beliebigen Datum den passenden Wochentag zu wissen? Was bringt es uns, in die Dimensionen der Zahlen vordringen zu können? Im Gehirn hat er Ergebnisse von 200.000 Zwischenlösungen gespeichert, nur was würde uns diese Rechenausstattung wirklich nutzen? Für eine Philosophie Platons wären es Schattenspiele an der Wand, ohne zu erkennen, dass die Sonne im Rücken noch überhaupt nicht erkannt worden ist. Die Genies können daher nur Philosophen sein, die so zum Beispiel versuchen den Seinsgrund der Mathematik zu entbergen. Dieses philosophische Unterfangen ist wohl der eigentliche Mount Improbable, zum Rechengiganten aufzusteigen hingegen, heißt doch gleichzeitig zum Zahlenidioten zu werden, der womöglich den philosophischen Bezug zum Ganzen verliert.

Der Rechenidiot ist eine Insel der menschlichen Naivität, die auf einem Zahlenmeer schwimmt. Er ist Sklave einer entkoppelten, inneren, unnachgiebigen Welt des Rechnens, ein beständiger innerer Rechenschieber, der das Leuchtfeuer seiner Neuronen im Glanz der Mathematik nicht aufhalten kann. Philosophisch besehen müssen wir uns daher keinem Zahlenreich unbewusst ausliefern und nur mit der Unendlichkeit des Rechnens innerlich möblieren. Wir wollen doch philosophisch mehr sein als die sturre innere Notwendigkeit der Rechenregeln in uns zu erforschen. Gewiss mit den Primzahlen kommen gewisse Zahlengeheimnisse in unsere innere Zahlenwelt und allein das System der Dekadik bringt uns einen Schleier der Zahlenmystik, aber auch das sind nur Schatten an den Wänden der Welt und keine Philosophie. Es geht natürlich um mehr als nur um das Rechnen.

Es heißt hinter jedem Phänomen versteckt sich die Welt der Zahlen, aber könnte es nicht auch genau umgekehrt sein, dass die Phänomene (Phänomene sind philosophisch das nur Erscheinende) uns die Welt der Zahlen zufällig liefern, die wirkliche Welt aber eine ganz andere ist.

Die Welt des Rechnens als realerer Teil einer doch manchmal ausufernden abstrakten Mathematik lässt uns nach diesen Zahlen auch in der Wirklichkeit suchen, aber sind Zahlen real? Ist alles Zahl wie es Pythagoras noch philosophisch mutmaßte? Dies wäre die philosophische Frage und dies wäre Philosophie.

 

Fotothek df tg 0000047 Architektur ^ Mathematik ^ Allegorie ^ Waage ^ Vermessungsinstrument ^ Messzirke

Kein Gedankenmessi, sondern die Ordnung des philosophischen Geistes soll uns leiten!

Ich bewundere Gamm für seine Fähigkeit und wünschte mir auch diese enormen Fähigkeit, aber was würde ich dann als Philosoph tun? Draußen die Blätter an den Bäumen zählen, die Muster der Tapeten genau kennen? Würde es mir nützen, mich erfolgreicher im Beruf und Privaten machen? Würde es der Menschheit auf ihrem Weg in die Demokratie und Gerechtigkeit nutzen? Auf der Spur der Genies also fragen wir, was uns denn wirklich nützt, denn verschrobene Spezialbegabungen gibt es in Hülle und Fülle. Ich frage stattdessen, welches Genie ist wirklich als Genie zu bewerten und da glaube ich, warten wir noch auf die richtigen Philosophen. Der Maßstab der Nützlichkeit gilt hier natürlich auch als problematisch. Denn es heißt auch bei Philosophen immer wieder, wir interessieren uns in den Wissenschaften für die Dinge ohne Grund  und aus purer Neugier. Dieses sei das geheime Band, das alle Wissenschaften zusammenhält. Neugier halte gegen die Nützlichkeit her.

Ist das aber philosophisch schon plausibel? Denn wenn ein Mathematiker behauptet, er interessiere sich zunächst für Formeln aus purer Neugier, so glauben wir doch, dass diese Form seines Interesses höher zu bewerten ist als das Interesse des alten Ehepaars, das in ihren Vitrinen Tassen und Teddybären sammelt. Wir bewerten den Mathematiker höher als den Idioten, der die Schmelzpunkte aller Materialien auswendig lernt. Und wenn uns jemand erklärt, er wolle für läppische 30 Milliarden etwas über den Ursprung des Universums in Erfahrung bringen, würde uns aber im gleichen Atemzug versichern, dass dieses uns niemals etwas nützen würde, warum sollten wir diese Ausgaben tätigen? Mir würden Unmengen an Projekten einfallen, die ich unterstützen könnte. Wir wollen doch keinen Gedankenmessis, die jeden Gedanken, weil sie sich mit anderen verknüpfen abspeichern. Wir wollen die Ordnung aller Teile in einem Ganzen und dies ist Philosophie. Letztlich ist es also nicht Neugier, sondern der höchste Seinsgrund, der uns treibt.

Da wir als Menschen aber nur begrenzte Zeit haben, wäre es ein verfehltes Leben, wenn sich herausstellen würde, das unsere gesamte Rechenschieberei nur das gleichsam ästhetische Werk von emsigen Ameisen war, die einer nie gesehenen Königin gedient haben. Wer wollen wir also sein? Diese philosophische Frage steht in Kontakt zu unserem täglichen Handeln. Es ist unsere eigene Grenze, denn wir müssen uns fragen, was wir mit unserem Leben tun wollen, weil wir nur begrenzte Zeit haben. Dies ist auch eine philosophische Frage nach dem Ganzen. Der Sinn des Seins liegt in der Zeit, die wir haben. Und nach diesem Maßstab müssen wir auch das Genie bewerten. Denn sinnlose Fähigkeiten gibt es überall, welches sind aber die Fähigkeiten und Innovationen, die die Menschheit wirklich braucht? Hier lautet meine Antwort: Wir brauchen Philosophie!

Schlagwörter: , ,

Schnelllesen – Philosophie und die Grenzen des Lesbaren (Teil 3)

7. Oktober 2011
Reading monk - Lesender Mönch in Dharamsala

Schnelllesen heißt vor allem effizien lesen (CC_Foto:Von alles-schlumpf)

Schnelllesen erscheint mir als eine sehr elitäre Veranstaltung. Offensichtlich ist dieses Bildungsgut für eine Oberschicht reserviert, die auch das nötige Kleingeld hat (12.000 Euro für einen Seminar mit unzureichender Erfolgsaussicht? Selbst Juristen haben da höhere Erfolgsaussichten während ihres Studiums). Philosophisch betrachtet ist das nicht gerecht, denn trotz meiner vorherigen Kritik Schnelllesen ist eine Technik, die höchst effektiv ist, andererseits aber wohl wenig bekannt. Mein Lösung wäre es hier Trainingsprogramme von staatlicher Seite kostengünstig bis kostenlos einzurichten . Erfolgreiche Teilnehmer verpflichten sich dann in weiteren Seminaren dieses Wissen an andere weiterzugeben, insofern sie kostenlos teilnehmen. Der komparative Vorteil für unsere Gesellschaft wäre immens.

In den letzten Beiträgen hatte ich zu diesen elitären Veranstaltungen ja noch zusätzlich angemerkt, dass die Geschwindigkeiten von 6.000 Wörter pro Minute nicht für jedwede Literatur gelten vor allem nicht für Philosophie. Unser Verstehen diktiert die Geschwindigkeit. Philosophisch betrachtet ist das Verstehen die Grenze der Welt. Bei belletristischer Literatur allerdings ist unser Verstehen oftmals unterfordert. Wir kämpfen uns vor allem durch ein Gestrüpp von Redundanz (ein Grund, warum ich das Lesen von nicht-philosophischen Romanen nie wirklich genießen konnte). Mit der amerikanischen Philosophie allerdings kommt ein Zug in die Philosophie, wobei behauptet wird, dass Texte besonders einfach sein müssten. Zu gewissen Graden stimme ich diesem Sachverhalt auch zu, wir sollten immer bestrebt sein Sachverhalte so einfach wie möglich darzustellen. In der Regel aber sind die einfachen Dinge, auch die Dinge, die jeder schon weiß. In der Folge sind die einfachen Dinge auch oftmals die langweiligen Dinge. Ohne Herausforderung geht einer durch die Ödnis der Gedanken. Mein Philosophieprofessor sagte zu uns Studenten immer, es tue ihm leid, er interessiere vorrangig für die schweren Texte. Erst diese Texte ermöglichen das Vorankommen.

Der Trend zur Einfachheit führt zu vielen Papierbergen. Philosophische Bibliotheken beispielsweise werden zu grenzenlosen Papierlandschaften. Wer sollte das alles lesen? Kim Peak, der als Autist eine enorme Geschwindigkeit beim Lesen hatte, las jeweils mit einem Auge eine Buchseite, aber selbst er schaffte es “nur” auf 10.000 Bücher in seinem Leben. Der Schlüssel zum Erfolg liegt daher nicht unbedingt in unserer Lesegeschwindigkeit, sondern in unserer Leseeffizienz. Was aber sollten wir daher lesen? Die möglichst einfache Literatur? Wo nicht mehr die Klassiker in ihrer Strukturtiefe erforscht werden, sondern immer nur wieder das dargestellt wird, was ohnehin schon klar ist, dort werden wir keine interessanten Gedanken finden. Dort werden wir uns langsamer bewegen als wir könnten.

 Was ist Redundanz?

Ich selbst konnte meine Schnelllesegeschwindigkeit auf 1000 Wörter pro Minute steigern, dies war allerdings nur für sehr redundante Literatur möglich, wo ich aus dem Zusammenhang den nächsten Schritt immer schnell erschließen konnte. Daher müsste die Angabe genauer heißen: Ich habe einen Range von ca. 30 – 1000 Wörtern pro Minute. Um das mal zu verdeutlichen: Euch ist bestimmt dieser Text bekannt:

"Nach eienr Stidue der Cmabridge Uinverstiaet, ist es eagl in wlehcer Reiehnfogle die Bchustebaen in Woeretrn vokrmomen.  Es ist nur withcig, dsas der ertse und lettze Bchusatbe an der ricthgien Stlele snid. Der Rset knan total falcsh sein und man knan es onhe Porbelme leesn. Das ist so, wiel das mneschilcge Geihrn nihct jeedn Bchustbaen liset sodnern das Wrot als gaznes."

Sehr überzeugend oder? In der Erklärung heißt es dann ganz plausibel, dass das Gehirn immer nur den ersten und letzten Buchstaben brauche, um ein Wort zu identifizieren. Nun wer das glaubt, ist einem klassischen Plausibilitätsargument aufgesessen, denn er versuche sich mal an folgendem Text:

“Der ainemglele Gtarusdnz alelr drei Aoiglnean buehrt auf der neoitgenwdn Eenhiit der Atepropeipzn, in Asnhnueg alles mcghiöeln eehipsrimcn Btsuewenißs, (der Wemnhhnaurg,) zu jdeer Zeit, fcilolgh, da jene a priroi zum Grunde lgeit, auf der stnhysihetecn Eniheit aellr Encnhsurigeen ncah irehm Vesihtsrnäle in der Zeit. Dnen die uhrnrgclspüie Azptipeerpon bziheet sich auf den ienernn Sinn (den Iebngriff alelr Vtruonengllse), und zwar a priroi auf die Form dlseebsen, d. i. das Vilärneths des meilgninaafgtn eihirspemcn Buwistßenes in der Zeit. In der uihrrpcüglsenn Apetizporepn soll nun alle deeiss Magnliantfgie, senien Zäveihetslsrntein nach, veiriegnt wrdeen; denn dseeis sagt die tnannredtalzese Eihenit dlersbeen a prorii, utenr wehlcer alels steht, was zu meneim (d. i. meienm eiineng) Ernnsistekne greeöhn slol, mtihin ein Getnesgand für mich wdeern knan. Disee scnyesthihte Eihinet in dem Zrslsnhetiieätve alelr Whhnnrueeamgn, wchlee a poirri bmmeistt ist, ist aslo das Getsez: daß alle eehpiimrscn Zimtbngimuseteen uentr Regeln der aengebn Zmnsietbteiumg stehen msesün, und die Aigaleonn der Ehrraufng, von dneen wir jetzt hleadnn weolln, messün delrgecihen Relegn sein.”

Dieser Textabschnitt zeigt Kants philosophische Behandlung der Analogien der Erfahrung und ich glaube kaum, dass ihr durch diesen Text durchgekommen seid. So viele Fremdwörter enthält er nicht, allerdings ein geringes Maß an Redundanz. Kant argumentiert philosophisch streng logisch, dies hat zumindest den Vorteil, dass sich nicht ganz so vieles wiederholt. Nun die Interpretation solcher Textabschnitte füllt selbst wieder Bände, aber nicht weil der Philosoph Kant sich unbedingt so kompliziert ausdrückte, sondern weil das Problem selbst unglaublich schwer zu fassen ist. Immerhin nimmt die “Kritik der reinen Vernunft” 700 Seiten in Anspruch. Kant selbst formulierte, dass man es ihm verzeihen möge, dass er auf Beispiele an der ein oder anderen Stelle verzichtet hätte, aber es war ihm daran gelegen, den wissenschaftlich-philosophisch erforschbaren Ansatz erstmal aufzuschreiben, damit wir dann daran weiter forschen können. Bei schwierigen Problemen müssen wir daher zunächst auch durch die Dunkelheit einer noch unfertigen Sprache. Worte müssen für diese Probleme noch erfunden werden und hier spielt sich der texteffiziente Inhalt der Philosophie ab, es geht um eine Grenzbestimmung dessen, was wir noch nicht kennen können.. 

Beim Lesen solltet ihr also effizient erkennen, was ist relevant und was ist redundant. Wer dieses schafft, ist schon ein gutes Stück weiter und spart viel Zeit. Lesegeschwindigkeit ist nicht alles, auch wenn ich es gerne in der Weise von Kim Peak oder Sean Adams könnte.

 Norman Schultz

Zum Tod von Steve Jobs und zur Philosophie der Einfachheit

6. Oktober 2011
Steve "Moses "Jobs Delivers Tablet

Gebote der Einfachheit (CC_Foto: Photo Giddy)

Steve Jobs ist tot. Eine Nachricht, die die Meldungen über die Verleihung der Nobelpreise übertönt. Hätte Jobs mit seinem Schaffen einen Nobelpreis verdient? Wohl kaum. Nicht Wissen, das der Menschheit unwahrscheinliches Fortkommen in der Überwindung ihrer Grenzen bringt, spielte bei ihm eine Rolle, sondern eine gut durchdachte Marketingphilosophie.

War es Wissen um das Ganze des Vertriebs, was Jobs zum Milliardär machte oder war er nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort? War es Zufall oder Notwendigkeit, dass er mit seinem Wesen vorankam? Die Wiedererfindung des Alten machte Jobs zu einer Ikone. Angeblich gehörte es zu seinen wesentlichen Einfällen beim Iphone den Stift “einfach” wegzulassen; schlicht auf den Finger zur Bedienung zu setzen. Diese Einfachheit ist dann bei Applejüngern als philosophisches Programm gefeiert worden. Ist dies heute schon genial? Er selbst sagte über seine Fähigkeiten bezeichnendes “Wir waren ziemlich schamlos beim Stehlen großer Ideen” (Steve Jobs zurückgetreten – Vom Erfinder zum Revolutionär in Serie – Bild 3 – Wirtschaft – sueddeutsche.de).

Steeve Jobs ist tot. Eine simple Nachricht begleitet die simplen Ideen eines simplen Mannes. Er selbst erfand sich bald als einfacher Mann, der schlicht im schwarzen Rollkragenpulli und mit Jeans die Einfachheit erklärte. Die Nachrufe mögen sich in alle Richtungen verteilen, jedoch mehr als Einfachheit hat er nicht erreicht. Rentiert hat es sich zumindest: Das Wirtschaftsmagazin Forbes Magazine schätzte sein Vermögen 2011 auf 8,3 Mrd. US-Dollar.

Das Mysterium Apple basierte hiernach vor allem auf der Philosophie, dass ein minimalistisches Programm Zeitersparnis verschafft. Die Eleganz liegt seit jeher in der Philosophieder Einfachheit, weil sie längeres Nachdenken verhindert. Es ist einfach gut, weil es so gut ist. Diese Philosophie der Einfachheit verdanken wir jedoch nicht Jobs, wohl aber den Briten und Amerikanern. In einer beispiellosen Ablehnung der “typisch-deutsch” strukturierten idealistischen Programme brachten britische und amerikanische Philosophen die Philosophie der Einfachheit auf den Weg. Die These von Ockams Rasiermesser besagte klar und deutlich, dass sich bei zwei konkurrierenden Thesen, wir uns im Zweifel für das Einfachere entscheiden sollen. Der Philosoph Russel schließlich wehrte sich gegen die Hegelianische Philosophie und postulierte schlicht und ergreifend, dass die Realität vor allem aus einfachen Dingen bestand. Angesichts einer überkomplexen Welt sicher eine Alternative. Der Blick verengt sich jedoch zur Schmalspurphilosophie ohne notwendige Skepsis.

Die Philosophie der Einfachheit bietet für den Durchschnittsbürger nicht mehr als den wohligen Ort der Ausgeglichenheit und Harmonie, aber wenig Realität. Es ist wohl daher auch wesentlich, dass wir uns gerade mit Jobs Philosophie der Einfachheit in die elektrifizierte Welt flüchteten, die ohnehin einfacher und aufgeräumter erschien. Für Amerikaner kam diese Philosophie gerade recht. Die Welt scheint nur kompliziert, im Grund aber wäre alles auf Einfachheit reduzierbar. Die Republikaner machten das jeden Wahlkampf auf das Beste zu ihrem Thema, auch sie profitierten von der Philosophie der Einfachheit. Diese Einfachheit wird ihnen auch diesmal den Wahlerfolg sichern.

Warum war Apple am Ende besser als Microsoft? Schlicht, weil Apple einfach besser war. Die Jünger brauchten keine Erklärungen. Gleiche Gründe bekommen wir ja geliefert, wenn wir die Werbesprüche zum Iphone hören. Auf die Frage, was eigentlich ist, wenn wir kein Iphone haben, bekommen wir die Antwort, “dann hast du kein Iphone”.

Wenn Menschen schnell und einfach verstanden werden, dann sind sie Rockstars. Nicht der Philosoph ist der Held unserer Zeit, nicht der Komponist, der Jahre über seinen Ausdruck forscht, sondern der Herr, der seine Politik oder Philosophie schnell auf den Punkt bringt. Das amerikanische Flair des schnellen Erfolgs in einer Philosophie der Einfachheit repräsentierte Jobs wie auch andere. Was in der amerikanischen Philosophie Gang und Gäbe ist, dass einfache Texte präferiert werden, setzte sich auch klar als Marketingphilosophie durch. So ist wohl auch die Parodie um den amerikanischen Traum zu verstehen, die der Film Forrest Gump aufzeigte. Forrest Gump wollte nie den Erfolg, weil er allerdings so einfach war, bekam er den Erfolg und so kaufte Forrest Gump auch Apple.

Die Philosophie der Einfachheit war auch der Grund warum Applejünger seit jeher so nervten. Wie Anhänger einer Sekte, die das Heil in unendlicher Liebe und Urschreien zu finden wussten, so wussten Applejünger, dass nur ein Apple das Leben erleichterte. Sie wirkten teilweise inspiriert und borniert wie Jünger von einem Jesus-Treffen. “Selig sind die Armen des Geistes, denn ihres ist des Himmelsreich.” predigte Jesus noch in der Bergpredigt und anderes predigte Jobs seinen Jüngern auch nicht. Apple machte diese Einfheitsphilosophie und Religion zu einem Konzern, der mehr wert ist als die amerikansiche Footballleaque oder mehrere Apollomissionen. Ohnehin ist nach heutigen Ermessen Apple mehr wert als alle Nobelpreise zusammen und das macht den Tod von Steve Jobs zu einem medialen Ereignis. Dabei ist es so einfach, ein einfacher Mann mit einer einfachen Vision ist gestorben.

Auch einer der Erforscher des Krebsleidens ist dieser Tage gestorben. Er erhielt hierfür den Nobelpreis, anders als Jobs aber hatte er keine einfachen Lösungen parat, sondern konnte das wesentliche Problem nicht lösen. Einfachheit verdrängt im Denken das Komplexe, das Komplexe aber bedrängt unser Denken. Die Hymne an den Minimalismus drückt wohl Eric Saties Gymnopedie am besten aus (auch wenn Satie kein Minimalist ist). Das Ganze in der Spannung der Einfachheit muss tiefer gehe. Diesem inneren philosophischen Gehalt seines Stückes kam ein Marketingphilosoph wie Steve Jobs niemals auf die Spur. Jobs Philosophie der Einfachheit schaffte es nie diese Einfachheit im Ganzen zu denken, sondern bezog sie nur auf eine Marketingstrategie. Apple bringt kein Seelenheil und hat keine Botschaft. Was sich auch für die Applejünger nach und nach enttarnte, war, dass Apple nur ein weiterer Big Player im Spiel um das Einfachste der Gesellschaft war, nämlich das Geld.

Ein Mann ist gestorben. Dies ist tragisch, aber es ist auch nichts einfacher als diese Nachricht. Mehr Botschaft gibt es in dieser Nachricht eigentlich nicht.

 

Grenzen des Lesens und die Philosophie – Schnelllesen (Teil2)

4. Oktober 2011
The Simple Joy Of Reading

Philosophie des Schnelllesens? (CC_Foto: Von Martin Gommel)

Im letzten Beitrag hatte ich mich ja zu den dubiosen Kehrseiten und Grenzen des Schnelllesens geäußert. Diesen verquasten Theorien von Menschen im Selbststeigerungswahn fehlt die Skepsis der Philosophie. Eine philosophische Wissenschaftstheorie würde der gesamten Gesellschaft nicht schaden und ich wundere mich, dass dies in der Schule keine Rolle spielt. Derweil beschränken sich die Menschen auf den Austausch von Argumenten, während die philosophische Wertung dieser Argumente in Bezug auf das Ganze mehr bringen würde. Genau dann würde nicht viel übrig bleiben von den meisten Heilsversprechen der Speedreader und Mental Coaches. Obwohl ich aber auch aus Erfahrung den meisten Schnellleseversprechen skeptisch gegenüber stehe, stellt sich mir dennoch die Frage, ob es im Gehirn Hebel gibt, die einfach umgestellt, alte Grenzen des Geistes überwinden lassen. Ist es möglich sein Gehirn zu tunen oder wie einen Muskel zu trainieren?

Nun im Bereich des Schnelllesens gibt es zumindest Menschen, die zu außergewöhnlichen Leistungen in der Lage sind. Der Verdacht liegt nah, dass nicht nur Kim Peak, sondern tendenziell auch andere Menschen in der Lage sind, dieses zu erlernen. So wie eine philosophische Grundeinstellung oder das Klavierspiel durch Übung möglich sind, sollten doch andere Grenzleistungen möglich sein. Klären wir also mal zum Schnelllesen ein paar Fragen

Kann mit Schnelllesetechniken auch ein philosophisch schweres Buch vernascht werden?

Mit einer Geschwindigkeit von 10.000 Wörtern pro Minute kann dieses nicht möglich sein, es sei denn derjenige besitzt hinzukommend noch ein außergewöhnliches Maß an Intelligenz. Der reine Lesevorgang bedeutet ja nicht, dass wir damit schon verstanden hätten. Wohl aber stellt die meiste Belletristik mit ihrer Redundanz, das heißt der beständigen Wiederholung derselben Gedanken eine Unterforderung dar, so dass es vorstellbar ist, diese mit hoher Geschwindigkeit aufzunehmen. Bei der Philosophie hingegen bedarf es eines Höchstmaßes an genauem Überlegen als auch der entsprechend philosophischen Wertung der Gedanken. Das reine Lesen eines philosophischen Werkes ist daher keine Vermehrung von Wissen, sondern Zeitverschwendung.

An dieser Stelle kann sogleich auch mit dem Mythos aufgeräumt werden, das Wissen eine bloße Aufnahme von Daten wäre. Gut, das ist den meisten hier schon bekannt, es kommt philosophisch betrachtet allerdings auch darauf an, einen Gegenbegriff in Bezug auf das Ganze zu entwickeln. Ein moderner Wissensbegriff wurde von dem Linguisten Gerd Antos aus Halle entwickelt. Für alle die dieser Wissensbegriff in seiner groben Konzeption interessiert habe ich diesen auf meinem Philosophieblog “Fahrenheit” hinterlegt.

Es sei hier soviel gesagt, dass ihr mit viel Lesen meines Erachtens nicht intelligenter oder weiser werdet. Die Verknüpfung des Gelesenen zu eigenen Texten ist für mich als Philosophen das entscheidende Kriterium. Daher ist das Thema des Schnelllesens wohl auch nur für Menschen geeignet, die sich schnell Überblicke verschaffen müssen. Einer gesamtphilosophische Sicht ist damit allerdings nicht erreicht. Genauer bedacht kann ich aber das schnelle Lesen wohl helfen, überflüssige Literatur schnell zu selektieren. Hier aber kommen wir eher zum Thema Leseeffizienz.

Wie schnell kann ich lesen?

Die Lesegeschwindigkeiten müssten genauer in einem Range angeben werden. Mein Range beträgt derzeit 30-1000 Wörter pro Minute. Bei philosophischer Literatur lese ich extrem langsam, obwohl es zumeist auch sehr lohnend ist, bei nicht-philosophischer Literatur, wo ich den Bereich von 1000 Wörtern pro Minute vordringe, hätte ich mir die Lektüre zumeist auch sparen können. Dies ist aber vielfältig von meinen Interessen abhängig. Für einen Germanistikstudenten mit Schwerpunkt auf Deutsche Literatur kann es sehr sinnvoll sein, sich bestimmte einfache Literatur schnell reinzuziehen.

Wie teuer sind solche Seminare?

Nach etwas älteren Recherchen entsinne ich mich auf einen Preis von 12.000 Euro für verschiedene Trainingstreffen und telefonisches Coaching über einen Zeitraum von 6 Monaten. Ich erzähle dies allerdings nur aus der Erinnerung. Für Autodidakten lautet die schlechte Nachricht, dass sie Grenzen über 1000 Wörtern pro Minute nicht erreichen werden, da eine ganz andere Art zu lesen erlernt werden muss. So geben auch die Michelmanns einen qualitativen Sprung von 1000 WpM zu 6000 an. Bis 1000 Wörter pro Minute könnt ihr euch mit den alten Techniken Möglichkeiten maximal steigern. Für Geschwindigkeiten von 4000 Wörtern pro Minute ist allerdings eine ganz andere Technik nötig. Der Lernprozess ist sehr aufwändig, da ihr erstmal Text lest, aber nichts versteht. Der Trainer achtet dann darauf, ob ihr alle Bewegungen richtig durchführt, die Augen werden beispielsweise mit speziellen Videokameras abgefilmt. Es kommt darauf an, zunächst nur die Bewegungen zu verinnerlichen und dies über einen langen Zeitraum.

Bei einer kleinen Stichprobe deren Auswertung ich entdecken konnte, betrug die Erfolgsquote allerdings auch nur um die 15%. Das heißt es ist eine hohe Risikoinvestition mit einer fragwürdigen Gewinnausschüttung. Vielleicht kauft ihr euch lieber einen Kleinwagen, um eure Zeit bei öffentlichen Verkehrsmitteln zu sparen?

Zweitägige Seminare mit mehreren Teilnehmern zum simplen Geschwindigkeitssteigern kostet ca. 100 Euro. Diese Techniken könnt ihr allerdings autodidaktisch erwerben, was für viele immerhin noch eine 2 bis 4-fache Zeitersparnis bedeutet. Habt ihr früher ein Buch in einer Stunde gelesen, so könnt ihr es dann in 15 Minuten. Zudem nehmt ihr die Inhalte besser und nachhaltiger auf. Wie gesagt für komplexe Stoffe gilt aber vor allem langsames und verstehendes Lesen.

Wo finde ich echtes Schnelllesen?

Lasst euch von den Seiten im Internet nicht verwirren, die wollen euch nur etwas verkaufen. Auf den Seiten diverser Schnelllesetrainer heißt es da:

“Es ist, als ob mein Gehirn seinen Turbolader eingeschaltet hat – und das nicht nur beim Lesen! Ich kann jedem nur empfehlen, eins der Seminare mitzumachen! Man lernt mit Leichtigkeit und viel Spaß – eben gehirngerecht.”

Die Michelmanns sind wohl die erfahrensten Trainer im Schnelllesen, allerdings möchte ich mich auch nicht für diese Seite verbürgen. Darüberhinaus ist die Seite der Deutschen Gesellschaft für Schnelllesen wohl eine erste Anlaufstelle.

Was bringt Schnelllesen für anspruchsvolle Projekte wie Philosophie?

Eine Philosophie des Schnelllesens kann es in der Philosophie selbst nicht geben. Die Lesegeschwindigkeit ist hier nicht steigerbar, sondern immer abhängig von der Geschwindigkeit des Verstehens. Während wir von Bellestristik oder simpler technischer Literatur in der Regel selbst noch mit Geschwindigkeiten von 20.000 Wörtern pro Minute unterfordert wären, so überfordert eine Seite des Philosophen Kant den Verstand auf Jahre hinaus. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass wir in der Philosophie nicht hier oder dort über ein Problem sprechen, sondern das Ganze in seinen Grenzen versuchen zu denken. Schnelllesen mag uns dabei helfen, sinnvolle von sinnloser Literatur schnell zu trennen, die Grenze dieser Unterscheidung legt aber das Denken mit seiner Zielorientierung auf die Vernunft und dies ist die Geschwindigkeit der Philosophie. Die Philosophie ist damit die Konstante, zu der sich all unser Denken in seiner möglichen Geschwindigkeit verhält.

Vielen Dank Norman Schultz.

 

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...