Archiv fü Kategorie Grenzen der Musikphilosophie

Reflexionen zu den Grenzen der Musikphilosophie – Freiheit als Einheit der Musik bei Beethoven

20. September 2011
Craig - 1970

Die Musik innerhalb der geordneten Grenzen einer rein menschlichen Philosophie? (CC_Bild:rchappo2002)

Im letzten Beitrag zum musikphilosophischen Gehalt der Musik haben wir, ich als Philosoph und Kiril Stankow als Dirigent, den Gottesbezug der Musik Bachs herausgestellt. Exemplarisch stand hierfür die Fuge. In jeder Faser einer Fuge war der Bezug auf das Ganze, das nicht erklingende, aber nach Gesetzen in ihr angelegte Höhere, gegeben. Die Akkorde waren kein Geschrammel oder hirnlos aneinandergereiht, sondern aus den einzelnen Melodielinien ergab sich die Sphäre des Harmonischen, das nur aus der göttlichen Entfaltung Ordnung erhielt. So ordnete sich die Freiheit der Melodien doch untereinander in einem zwar nie vollständig klingendem, aber doch in einem angelegten harmonischen Ganzen. Der göttliche Ruhepol war musikphilosophisch die Harmonie des Ganzen. Dieser Ruhepol strahlte undurchdringlich und unzerstörbar im Hintergrund und gab von einem tauben Fleck des Ohres aus der Musik ihre Einheit. Wie ein musikalischer Äther, auf dessen Grund sich Musik nur entfalten konnte, ordnete sich die Musik nach geläufiger philosophischer Wahrheitsauffassung in Gott, der selbst aber nur als notwendiges für das Ganze gedacht, aber nicht selbst Gegenstand war. Da nun Gott weder sinnlich gegeben, noch intellektuell zu einem Zeitpunkt bestimmt war, war der Bezug auf Gott transzendental, das heißt, er war philosophisch gesehen die Bedingung der Möglichkeit, dass Harmonie überhaupt ihre Einheit in der sinnlichen Wahrnehmung fand. Wir können die Frage auch einfacher fassen, warum suchen wir in der Musik nach Harmonie? Warum hören wir in der Welt überhaupt so etwas wie Musik, denn Musik ist doch in ihr niemals direkt enthalten. Der Bach, der Baum, sie machen Geräusche, aber die Musik kommt irgendwie in die Welt, nur wie?

Der Mensch drängt in den Mittelpunkt der Musikphilosophie

Mit dem Durchbruch der Unterhaltungsmusik und der Erkenntnis, dass der Ramsch für die Masse mehr Geld bringt als das filigrane Luxusprodukt für die wenigen intellektuell abgehobenen Reichen, veränderte sich die Musik in ihrem philosophischen Anspruch. Die einsetzende Revolutionen und das Hinterfragen gesetzter Machtansprüche ließ das Sakrale und dessen philosophischen Anspruch in den Hintergrund treten. Fortan sah sich der Mensch nicht mehr vordergründig als Geschaffener, der im Rücken eine unverwundbare Harmonie vorfand, sondern rückte sich als unvollkommener Schöpfer in den Mittelpunkt. Geniekulte entstanden, worin sich vor allem die menschliche Befreiung von Naturgesetzen ausdrückte. Jeder Mensch strebte nach oben in die Freiheit und damit war auch der Grundstein für die Loslösung von den Harmonien gelegt, die sich bis ins 20. Jahrhundert durchsetzte. Dies zunächst intellektuell. Ins Duell mit der Schöpfung trat ein menschlich, schöpfender und in seiner zukünftigen Geschichte unendlicher Geist, der alle Zeitenwenden des Alls nach klassischem Ideal durchwehen sollte. Aus den Dienern der Musik wurden Meister musikalischer Ewigkeitssprachen; Ziel war die Unsterblichkeit im menschlich gefertigten Kunstprodukt der Musik. Ganz übertrieben klassisch-philosophisch ging es um unsterbliche Musik, die aus der Freiheit des Genies entstammte und es mit den Göttern aufnahm und so auch mit den angeblich gottgeschaffenen Harmonien.

Der Mensch wollte sich fortan in den Dimensionen seiner eigenen Schaffenskraft definieren und nicht mehr aus einem fernen Kosmos nur die göttliche Musik als göttliches Geschenk in Empfang nehmen. Mit der Kraft des egozentrischen Weltbildes schwand in parallelen Zyklen auch die bis dahin im Kontinuum währende Geschichte. Geschichte wurde instabil und wie dies für die Philosophien der Völker galt, so wohl auch für die Philosophie der Musik. Revolution bestimmte alle Entwicklung. Schließlich dramatisierte sich die Instabilität der Philosophie und Geschichte bis zu dem Gedanken mit allen Gesetzen zu brechen, was sich schließlich bei Wagner in aller Deutlichkeit zeigen sollte. Zunächst aber war die musikphilosophische Frage, was der Musik überhaupt ihre Einheit gab, wenn denn Gott nicht mehr dabei sein durfte. Das befreiende Element innerhalb der Geschichte sollte dabei selbst als philosophisches Ideal dienen. Befreiung wurde zum wesentlichen Thema der Musik. Nicht mehr Gott war der Grund musikalischer Kraft, sondern der Mensch mit seiner befreienden Schaffenskraft. Idealtypisch kann dies zunächst in seinen Anfängen bei Beethoven gezeigt werden.

Die Freiheit als Ideal der Musikphilosophie bei Beethoven

Bei Beethoven gehen – der Revolution zur Freiheit gemäß – starre Konventionen der Klassik unter, ohne jedoch dass die Stücke an organischer Ganzheit verlieren. Der Tondichtung entsprechend rückt Beethoven die einzelnen Passagen hin und her, um sie dann dennoch in einem organischen Ganzen nämlich unter einer Idee zu verdichten. Zeitgenossen beschreiben wie Beethoven in akribischer Detailarbeit versuchte jede kleinste Nebenstimme mit thematischer Energie aufzuladen. Dabei werden zwar noch Strukturprinzipien der Sonatenhauptsatzform deutlich, aber zugunsten einer organischen Einheit des thematischen Materials gebeugt. Über die erreichte Differenzierung der einzelnen Instrumentengruppen innerhalb der Klassik, gab Beethoven jedem Instrument seine Bedeutung innerhalb einer philosophischen Ganzheit der Musik. Kein Ton ohne seinen Bezug auf ein Ganzes. Da aber der göttliche Äther als einheitlicher Bezugsort verschwunden war, wählte Beethoven den Bezugspunkt der Freiheit, die sich im Menschen verbarg, denn auch wenn die Revolution zur Freiheit aufbrach, so sollte doch Musik nicht einem Chaos übergeben sein.

Beethoven nur ein Tonmaler, der die Welt nachahmt?

Die Vermutung liegt nah, dass die Welt als einheitlicher Klangteppich einen Rahmen für die Musik lieferte. Beethovens Pastorale orientierte sich ja beispielsweise an der Dynamik eines Dorfes. Ein musikalisch-philosophischer Naturalismus bot sich an, nach dem wir nur biologisch auf Musik fixiert seien und ihr letzter Sinn nur das Glücksempfinden bei der harmonischen Einordnung in die Natur sein könne. Demnach lag unser Bezug zur Welt in einem biologisch begründeten Unwohlsein, insofern wir in der Stadt waren, aber tiefe Verbundenheit, wenn wir zu den Ursprüngen zurückkehrten. “Zurück zur Natur”, hatte der Philosoph Rousseau postuliert. Aus der geschichtlichen Entwicklung ergaben sich natürlich auch schon diese ersten technikphilosophische Tendenzen, die in Lagerfeuerromantik das moderne Stadtleben unter Beschuss nahmen. Dies traf aber nicht auf Beethoven wie auch nicht auf die deutsche Philosophie zu.

Beethoven selektierte doch die Klänge aus dieser Welt, aus der Natur heraus. So entschied sich Beethoven bei der Pastorale beispielsweise für den Zusatz „Mehr Ausdruck der Empfindung(en) als Malerei“. Beethoven kopierte nicht einfach nur gedankenlos die Äußere Unordnung der Welt, denn auch der Zusammenhang der Natur findet erst seine Energie in der schöpferischen Betrachtung durch den menschlichen Geist.  Mit Beethovens Ernst der Naturinterpretation kommt auch die Kritik an seinem Lehrer Haydn zum Ausdruck, denn nicht die Melodie als simpelste Einheit der Musik, um die sich dann das Geflecht von Harmonien herumrankt,  steht im Mittelpunkt, sondern die Gesamtheit einer durch Freiheit geleiteten Interpretation. Es ging nicht um die einzelne Stimme, die von einem klappernden Rehlein aus einer kargen Winterlandschaft entlehnt war. Die kleinste musikalische Einheit ist bei Beethoven nichts weiter als das gesamte Stück, das nur unter einer menschlichen Idee seine Einheit findet. Alles hängt mit allem zusammen. Da ist das Dorf nicht einfach nur eine Beschreibung, sondern die Gesamtheit aller Sätze immer auf jede einzelne Phrase der Komposition zurückbezogen und für Beethoven nur gesamtphilosophisch unter der Voraussetzung menschlicher Freiheit zu verstehen. Der Mensch mit seiner Freiheit und nicht die Natur selbst, waren der Grund der Harmonie. Verdeutlichen wir das mal: Es ist doch zum Beispiel sehr fragwürdig, ob Konzerte von klassischen Orchestern für Hunde Erfolg hätten. Verstehen diese denn die menschgeformte Harmonielehre? Auch wenn es eine wohl für die moderne Mülleimerexperementiermusik ein spannendes Experiment wäre, Konzerte für Hund zu veranstalten, die Musik war nur aus einem bestimmten Bewusstsein heraus verstehbar.

Da aber der Mensch erst in Freiheit der Musik in ihrer Gesamtheit ihre Bedeutung gab, konnte die Musik auch nicht schon als musikalischen Trostpflästerchen für blessierte Seelen gelten. Musik drückte eher die Seele selbst in ihrer Freiheit, das Ganze zu geben, aus. Doch wie vereint sich der positive Gedanke der Freiheit mit den vielen düsteren Stimmungen der Werke Beethovens? Freiheit, das war auch immer die Ungewissheit, denn Freiheit ist auch immer ein Mangel an Notwendigkeit. Die philosophische Orientierungslosigkeit war schon immer die Gefahr in der Freiheit selbst. Die Fixierung auf Glücksversprechen, wo Musik als billiges Narkosemittel verstanden wäre, konnte ihrer Rolle bei Beethoven also nicht gerecht werden. Neben dem persönlichen Lebensglück war das unerbittliche Suchen innerhalb der Freiheit immer noch als philosophisch-dialektische Gegenseite des Glücks verortet.

Da nun weder Welt noch Glück im Fokus standen, so ist beispielsweise die sechste Sinfonie, die Pastorale, keinesfalls Programmmusik. Die Welt des Dorfes selbst ist noch nicht Einheit, sondern ungeordnetes Gewühl. Der Mensch gibt dieser Welt ihre Bedeutung und somit ist Musik zu keinem Zeitpunkt Abbildung der Welt, sondern der menschlichen Freiheit entsprungen. Die Wegbereitung des menschlichen Interpretationsdynamik in diesem Werk findet ihren ironischen Ausdruck dann beispielsweise darin, dass der Kuckuck bei Beethovens Pastorale unüblich durch eine große Terz seinen Ausdruck findet. Die Ironie mag nicht auffallen, wird aber umso bedeutender, wenn wir bedenken, dass diese Interpretation Mahler zu einem Kuckuck in seiner 1. Sinfonie inspirierte, der fortan in der Quarte kuckuckte. Welt ist ganz der idealistischen Facon der damaligen Zeit interpretiert.

Die 9.Sinfonie als die philosophische Frage nach der Einheit in der Vielfalt

Im Gegensatz zu der Frage der Tondichtung steht die 9. Sinfonie wohl exemplarischer für das Schaffen Beethovens. Hier zeigt sich deutlicher die Unruhe, die sich doch auch in der Musik ausbreitet, wenn Einheit in der Freiheit nicht sofort gefunden wird. Es mag wohl nicht zu weit philosophiert sein, wenn wir gerade daher den damals unkonventionell letzten Satz mit einem Chor vorfinden, weil hier doch zum Abschluss der Mensch eigens Thema wird. Verfolgen wir die leeren Quinten der Einleitung zu ihrer Ausreifung eines ersten unruhigen Themas durch das Geflecht der vielen unruhigen Stimmen durch alle Sätze hindurch, so erscheint letztlich das Ringen um die Einheit nur in einer menschlichen Befreiung zu liegen. Aus dem ungeordneten Kosmos der Klänge steigt das Thema des freien Menschen auf. Die Revolution der Form kommt zur Revolution der Menschen, die mit den Worten und erst in ihrer Einheit als Menschheit über den Gott über dem Himmelszelt spekulieren kann. Ganz kann der göttliche Horizont musikphilosophisch nicht verschwinden. Zentrum der Harmoniereform, die nun die zukünftige Musikgeschichte bestimmen wird, ist jedoch die Freiheit des schaffenden Menschen. Bei Wagner werden wir dies noch viel deutlicher sehen.

Mit der Frage nach der Einheit in der Vielfalt ist auch bis heute die Grundfrage der Philosophie beschlossen und welche die Postmoderne bei ihren philosophischen Bemühungen der Wahrheitssuche bestimmt. Auch wenn Gott als einendes Thema aus den philosophischen Horizonten der Musik verschwindet, so ist der Einheitsgedanke bei Beethoven in Klarheit enthalten (und damit philosophisch zu Ende gedacht letztlich auch der Gottesbezug). Eine Gewährleistung der Einheit wohl aber gibt es auch bei Beethoven nicht. Freiheit ist kein Garant für eben diese Freiheit und schon gar nicht für Lebensglück. Neben allem Heorismus mischt sich Beethovens Musik immer mit dem gleichzeitigen Überschwang der Emotion, die doch die Fehlschläge von Revolutionen hervorrufen. In der Freiheit liegt eher Gefahr begründet, denn so konnten auch die großen Revolutionen, die ja doch die Freiheit des Menschen feierten, der Welt bis jetzt keine geordnete Einheit geben. Kommunismus, Linke, Gutmenschentum alle philosophischen Ideale waren immer mit metaphysischer Naivität überladen. Noch hadern wir mit den Konsequenzen unserer überschwänglichen Freiheit und suchen die Befreiung. Musik im Gegensatz zu den großen Revolutionären der Weltgeschichte scheiterte aber nur als Komposition ohne große Wunden zu hinterlassen. Und hören wir genau hin, so überbetonte auch Beethoven das Thema der Freiheit nicht als Heilversprechen, sondern als offene Entwicklungsfrage innerhalb der Menschheit und der Musikgeschichte.

Mit dem Gesagten lässt sich nun der  Gehalt von Beethovens neunter Sinfonie mit anderer philosophischer Geisteshaltung hören. Zur Demonstration dieser neunten Sinfonie habe ich ein Beispiel rausgesucht, in der Gott persönlich versucht, das Werk zu entfalten und der philosophischen Frage mit größtmöglicher Klarheit gerecht zu werden. Wohl kann Gott nur Meister des Bombastischen sein und dies ist, wie Musiker im Allgemeinen wissen, Karajan.

Stellen, die nicht für Jugendliche unter 18 Jahren geeignet sind, habe ich gekürzt. Spaß bei Seite, ich habe mal durchgehört und die Reihenfolge stimmt nicht, also müsst ihr euch leider das ganze bei Youtube selbst zusammensuchen.



Schallmauern (Grenzen) in der Musik – Speedmetal to your Limits

2. August 2011
Red Rule

Wo liegen die Grenzen der Musik? Foto: eriwst

Die Grenzen der Musik meinen viele schnell mit Geschwindigkeit zu durchbrechen. Die Musiker, die nicht so schnell spielen können, halten davon natürlich umgekehrt nichts. Ich lasse mich auch gern von Geschwindigkeit faszinieren, sehe es aber eher selbst eigenständige Disziplin. Was hier die Grenzen in der Musik meines Erachtens sind, möchte ich darstellen.

Der Film “Shine – Der Weg ans Licht”

In diesem Film geht es um das musikalische Talent David Helfgott, der unter dem übertriebenen Ehrgeiz seines Vater (Oscarnominierung für Armin Müller-Stahl) eine schwere Persönlichkeitsstörung entwickelt und erst im späten Alter ein Comeback als Musiker erlebt. Der Film greift diese biografischen Fixpunkte auf und wandelt diese zu einer Geniegeschichte.

Im Film steht ein technisch anspruchsvolles Stück von Rachmaninov, das dritte Klavierkonzert, im Mittelpunkt. Aber auch dem Hummelflug kommt als besonders kurzem, aber schnellem Stück Bedeutung zu. Es ist keineswegs unmöglich zu spielen, aber den nicht versierten Musikfreund fasziniert schnell die Geschwindigkeit.

Ein sehr guter Film über den Weg eines verkannten Genies. Wer allerdings David Helfgott einmal auf Aufnahmen gehört hat, der kennt das Problem des Films: Die Frage, ob David Helfgott ein Genie ist oder nicht. Aber das soll hier nicht Thema sein, denn es geht nicht um Genies, sondern um das, was uns schnell und atemberaubend fasziniert: Geschwindigkeit. Wie schnell kann denn überhaupt das zugegeben technisch nicht so schwer zu beherrschende Stück akkurat gespielt werden. Hier der Weltrekord vom Metalchampion persönlich. Damit durchbricht er wirklich eine Grenze der Musik:

Wer schonmal seinen Kopf bei cica 160 km/h aus einem Autofenster gehalten hat, dem dürfte der letzte Sound sehr bekannt vorkommen. Im Grunde genommen besteht die Darbietung aus nur noch einem Ton (bzw. einem Tönen)… Eins und ja… das war’s… Jeder Hummel dürfte es bei der Geschwindigkeit die Flügel in Fetzen reißen.
Die Geschwindigkeitsgrenze ist hier wohl als Schallmauer etabliert. So stellt der User “BlackListHK” deswegen auch fest:

“if you guys want to become fast like him, check it out his middle finger when he playing.”

Wie sollte wir es anders sagen: Der Mittelfinger zeigt die unüberbietbare Geschwindigkeit an. Es heißt, erst an den Instrumenten der Musik können wir erkennen, dass eben aus der tierischen Pranke, Pfote oder Klaue von einst, so etwas wie eine Hand werden konnte. Die hier auf wohlgemerkt künstlerische Weise den Mittelfinger ausfährt.  Tatsächlich dachte ich viel zu häufig, wenn ich mir einige Straßenexemplare unserer Gattung angeschaut habe, dass wir nur Affen wären, die ihren Daumen nach innen bewegen könnten. Das Gefühl hat mich auch dann nicht verlassen wenn ich Bands wie Man-o-War sah (live- yeah). Aber gut wer hätte gegen diese Testosteronshow auch etwas einzuwenden (außer vielleich Alice Schwarzer). Das einzig paradoxe an Man-o-War aber ist (die ja nach eigener Aussage schnellste und lauteste Band der Welt), dass sie mit ihren Geschwindigkeitsrekorden in irgendeinerweise ironisch sein wollen (also jedenfalls weiß niemand, ob er sie ernst nehmen soll). Das einzig ironische daran aber ist wahrscheinlich, dass Man-o-War nicht ironisch sind. Hinsichtlich unserer technischen Begabungen aber bringt der User “kmal2t” die Essenz und Konsequenz der Leistung von dellavega, unserem Metalchampion, auf den Punkt:

“that was motherfucking disturbing at 320 bps…I think we’ve now found out what the limits to guitar wanking are…now that we’ve reached that wall can we get back to having guitar be enjoyable instead of a dick measuring contest?”

Nachdem also diese Grenzen der Geschwindigkeit ausgelotet worden sind, können wir uns nun endlich wieder der Frage der Musikalität zuwenden (und nicht unbedingt Man-o-War), die ja oftmals in jugendlicher Bewunderung des Menschenmöglichen auf der Strecke bleibt.

Es gab übrigens schon ein ähnliches Beispiel in der Musik, als Sviatoslav Richter die Geschwindigkeitssucht seiner Kollegen mit seiner Interpretation der 4. Chopin Etüde (op.10) besiegte und gleichzeitig widerlegte.


In knapp eineinhalb Minuten entspricht das zwar nur einer Schlagfrequenz von 216 Beats per Minute, aber auch Kissin hat das Stück mit nur 185 bpm nicht schneller gespielt:


Persönlich halte ich eine Geschwindigkeit von 150-180 bpm für angemessen. Untere Geschwindigkeiten entwickeln für das Stück nicht die angemessene Gewalttätigkeit, die im Übrigen auch von kaum einer Aufnahme im Internet eingefangen wird. Hier muss einer tatsächlich die Meister noch einmal selbst hören, um zu wissen, was bei dem Stück “live” für unglaubliche Wellen auf den Körper treffen. Eine höhere Geschwindigkeit aber zählt wohl eher zum erwähnten Dick-measuring-contest.

Soviel zu den Grenzen der Musik an dieser Stelle, wobei ich gespannt bin, ob diese Geschwindigkeitsschallmauer nochmal ausgereizt wird. Bitte kommentiert kräftig oder abonniert den Blog, besonders wenn ihr mehr über solche und ähnliche Grenzphänomene erfahren wollt. Bitte schickt mir Videos dazu oder gebt mir Tipps für weitere Themen. Fibonaccie.

Abschließend noch eine meiner Meinung wirklich gute Interpretation vom Hummelflug am Klavier:

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