Philosophie mit Roboterdenkern und Universalsprachen verabschieden

Tribute To Guitarist Pat Martino - Scan/Edit 03 07

Pimp my Brain (Effizienzphilosophie fürs Gehirn) (CC_Foto: Mikey G Ottawa)

Mein philosophsiches Plädoyer für Hollywood lässt sich also fortführen. Wer einmal in Kalifornien war, der weiß, dass die dortigen Menschen viel Philosophie getankt haben, um diese in alle Bereiche auch tatsächlich einfließen zu lassen. Philosophie ist dort zwar elitär, aber andererseits wollen auch alle elitär sein, ohne dabei abzuheben. Ein vierstelliger IQ wie im Film „Ohne Limit“ wäre mit Sicherheit auch in der Philosophie von großem Nutzen. Die Frage ist nur wofür.

Wir wissen, dass in der Philosophie nicht der scharfe Verstand, die Einheit unseres Wissens gibt, sondern die Vernunft in ihrer dialektischen Aufdeckung durch die Geschichte hinweg. Verstand ist immer ein bisschen weniger als das gesamtphilosophische Vermögen unserer Vernunft. Unser Verstand allein begreift nicht, warum es sinnlos ist, über das Vorher des Urknalls nachzudenken. Unser Verstand begreift nicht, dass er immer nur mit den Verstandeskategorien über sich selbst philosophiert und dabei unvermeidliche Fehler immer und immer wieder produziert.

Diese Einsicht der Philosophie geht auch unserem Protagonisten in „Ohne Limit“ ab. Die philosophische Einsicht durch diesen Filmverbleibt wohl nun darin: Auch Intelligenz schützt offenbar nicht vor Dummheit. Anstatt über die Fragehorizonte der Philosophie zu den wirklichen Fragen aufzusteigen, versucht der Protagonist sein soziales Umfeld zu kontrollieren und dies ziemlich naiv. Einer fragt sich, warum er, wenn er eine Sprache nur vom Hören lernen kann und Klavier in Perfektion innerhalb weniger Tage erlernt, nicht sofort die Pillen klont, dafür aber einen ahnungslosen Laboranten beauftragt. Einer fragt sich, warum er so komplizierte Wege gehen muss, um Geld zu verdienen. Einer fragt sich, warum er all (ich betone ALLE seine restlichen Pillen) in einer wahnsinnig geheimen Manteltasche aufbewahrt und diesen Mantel aus der Hand gibt. Peinlich dämlich zeigen sich die auf Superintelligenz gepimpten Drogenabhängigen in zu vielen Situationen. Die Schlussfolgerung lautet daher: Intelligente Menschen sind auch nicht unbedingt intelligenter.

Ach, aber für eine gelungene Dramaturgie braucht Hollywood immer noch das Blöde und wer eine ausgepfeilte Philosophie lesen will, der muss sich wohl immer noch mit den Philosophen Platon, Aristoteles, Kant, Hegel und Heidegger herumschlagen. Wenn dann aber einer akzeptiert, dass Superintelligente auch ziemlich blöd sein können, dann ist der Film aufgrund seiner grandiosen Idee ein philosophisches Highlight. Zudem motiviert der Film zu eigenem Nachdenken.

Philosophie des Verstehens

Was also können wir mit unserem Gehirn da oben anfangen? Die Philosophie fragt ja nach den Grenzen unserer Erkenntnis. Nun ich bin der Überzeugung, dass wir allein sehr wenig können. Das meiste Wissen ist soziales Wissen, was sich über eine lange Geschichte in unseren Sozialsystemen angesammelt hat. Dann kommt der Moment in der Menschheitsgeschichte, da verstehen wir unser Gehirn. Nach all meine Recherchen bin ich skeptisch geworden, dass einzelne Erleuchtete das Welttheater betreten und uns die Philosophie gründlich darlegen; es bedarf einer gemeinschaftlichen Philosophie des Verstehens. Die Hermeneutik hat ihr schon einiges geleistet.

Natürlich ist es Quatsch, dass wir nur 20% unseres Gehirns nutzen und es möglich wäre, mehr davon in Gebrauch zu nehmen. All die esoterischen Heilsversprechen der 90er sind mächtig überzogen. Zum Genie gehört vor allem eins: Arbeit. Der Philosoph Kant beispielsweise hat auch nicht mehr als eine ungeheure Verdichtung vorangegangener Philosophien erreicht. Ein hellerleuchtetes Gehirn, das bewirken eigentlich nur chemische Waffen, die die Dimension von epileptischen Anfällen bei Weitem übersteigen. Arbeiten könnten wir damit nicht mehr, sondern würden uns womöglich im Schmerz oder Autismus verlieren; uns zu Rechenidioten oder blindwütigen Sammlern verformen.

So wie nach den richtigen Meditationstechniken geforscht wird, forschen Forscher schon lange nach der richtigen Chemokeule zur Intelligenzerhöhung. Bei Youtube gibt es dann interessante Dokumente, wie CIA-Mitarbeiter auf LSD auf Bleistifte starren und einfach mal ihren LSD-Flash schieben. Die Gedanken zur Aktivierung unseres Gehirnpotenzials übersehen folgenden Aspekt: Die Reduktion auf das Wesentliche im Gehirn gibt Orientierung, nicht die Nutzung aller Synapsenenden.

Zu Computern in unserem Gehirn.

Dennoch glaube ich, dass bald schon Computer unsere Künste in der Philosophie überragen werden. Computer werden intelligenter und ich sehe keinen Grund anzunehmen, warum sie nicht irgendwann den Leistungen des Menschen auf allen Ebenen gleichziehen und sie dann überholen. Für mich stellt sich eher die Frage, ob die Rasse der Menschheit sich in Selbstkränkung zurückzieht oder den philosophisch-moralisch fragwürdigen Versuch der Bioaugmentation unternimmt. Wenn wir tatsächlich auf die Überlegenheit der Computer setzen, die uns positiv nützen werden, dann werden wir uns vielleicht auch – als dritte Option – irgendwann wie Zootiere selbst halten, weil wir die Beherrschbarkeit der Welt durch Computer selbst nicht mehr durchdringen können. Computer werden uns womöglich mit undurchdringbarer Rechenpower vorgeben, was wir nicht verstehen könn. Vielleicht liegt aber auch eine positive Hoffnung aus dem Dialog von Mensch und Maschine lernen zu können. Der Philosoph Heidegger versuchte dies ja als das Wesen der Technik zu bestimmen.

Zu den philosopischen Grenzen der Sprachen durch Superintelligenz

Als ich mich fragte, was ich harmloser Philosoph wohl mit der Superpower eines Megabrains machen würde, kam mir der Gedanke, dass ich einige Sprachen lernen würde. Dann fragte ich mich, wie wohl eine Gesellschaft aussehen würde, in der alle diese kleinen Pillen schlucken würden. Welche menschlichen Horizonte des Verstehens könnten wir dann durchbrechen? Wäre dies der nächste Schritt in unserer Wissensexpansion?

Mit diesen Intelligenzpillen könnten wir wie im Film „Ohne Limit“ Sprache erlernen, indem wir sie einfach nur hören. Dies würde letzten Endes bedeuten, dass wir überhaupt keine Sprache mehr lernen müssten, weil wir uns jeder Zeit sofort auf die Sprache des anderen einstellen könnten. Dies wäre wohl die größte Hoffnung der Philosophie endlich zu einer Universalsprache durchzudringen, die nur noch das Sagbare und Verstehbare enthält und alles Geschwätz in sich dialektisch verabschiedet. Die Folge wäre, dass wir keine Sprachen mehr hätten, sondern einfach nur noch miteinander sprechen müssten.

Fremdsprachen zu erlernen, wäre ab sofort kein kommerziell rentables Geschäft mehr. Dennoch scheint sich der Studiengang der Fremdsprachen auch ohne Wunderpillen zu verabschieden. Da ich gerade viel Zeit investiere, um Chinesisch zu lernen, schockiert mich etwas folgendes Video:

Douglas Adams Bubblefish lässt grüßen. Dieser kleine Fisch wird im Ohr der Anhalter in der Galaxis eingesetzt und übersetzt fortan alle Sprachen. Mit Google brauchen wir also bald keine Ultraintellegenz mehr, weil auch hier uns ein Computer das ganze intellektuelle Gedöhns einfach mal abnimmt. Irgendwann fangen Computer auch an für uns zu denken und zu philosophieren. Die Frage ist nur, was ich dann als armer Philosoph dann machen soll, wenn Philosophieroboter mir meine Professorenstelle klauen. Wenn die Kränkung durch Technik zu tief geht, muss ich wohl auch Komiker des seicht Menschlichen werden, soll heißen, ich werde Esoteriker werden müssen.

Norman Schultz

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Eine Antwort auf Philosophie mit Roboterdenkern und Universalsprachen verabschieden

  1. Anka sagt:

    Und zum Glück gibt es auch hier den winzigen Fehler, der uns schmunzeln läßt, weil er einem ziemlich perfekten Philosophen trotz wirklich sehr „ausgefeiltem“ Denken passiert. Wir sind eben Menschen und zum Glück keine Roboter. Anka

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