Zur Philosophie und zum Veganismus – Wir brauchen die billige Sojawurst

Majas Sojawursttest

Majas Sojawursttest

Da Maja sich nun auch zur Sojawurst bekennt, ist nat√ľrlich auch die Philosophie aus ihrer formalen Halsstarre zu zwingen und endlich ein lange ausgebliebener Blick auf die Ethik des Philosophen zu werfen. Aber erst mal zum Thema:

Maja stellt auf ihrem Blog www.pusteblumenbaby.de sehr richtig fest, dass den meisten es wom√∂glich nicht an Verstand fehle, sondern an √úberwindungskunst und Gewohnheit. Bei der Frage nach veganer Ern√§hrung sei dies √§hnlich, hinzukommt, dass Menschen hier wom√∂glich auf Genuss verzichten m√ľssten. Daher besteht wohl wenig Hoffnung, dass sich an der Massentierhaltung etwas √§ndert.

Die Kunst der √úberwindungs- und¬†Motivationsphilosophie habe ich ja vor allem in den letzten Beitr√§gen behandelt. Genuss geht √ľber Gef√ľhl, Verstand und Vernunft. Daher geht es nicht mit dem Einsehen einher, dass wir uns Verhalten √§ndern, sondern mit der √Ąnderung unserer Gewohnheit. Dass die gegenw√§rtige Massentierhaltung zum Beispiel wohl in verschiedenster Weise dem Planeten nicht f√∂rderlich ist, braucht wohl nicht mehr erw√§hnt oder philosophisch erl√§utert werden, stattdessen verteidigen die Gewohnheitstiere vehement den Egoismus ihrer Lebensweise, wohl aber aus Rationalit√§t und nicht aus Vernunft (das Modell der kognitiven Dissonanz k√∂nnte hier angebracht werden, bleibt aber einem anderen Artikel vorbehalten)? Die eigentliche Philosophie zeigt hier nat√ľrlich schnell, dass wir uns in Widerspr√ľche verstricken, wenn wir denn den Egoismus verteidigen, aber dazu fehlt leider vielen Menschen die Geduld sich √ľberhaupt ihre Widerspr√ľche vor Augen zu f√ľhren. In der Routine des Alltags lebt es sich in der Regel gut (auch mit Widerspr√ľchen) und so st√∂√üt auch folgendes Argument von vielen Talkshow Teilnehmern oftmals auf Verst√§ndnis beim Publikum: „Aber das machen doch alle so.“ Dieser Satz ist dicht gefolgt von meinem philosophischen¬†Favoriten¬†„Das haben wir schon immer so gemacht.“ Dem Gewohnheitstier ist es leichter seine alte Verhaltensweise zu rechtfertigen als wom√∂glich schwierigere aber richtigere in Angriff zu nehmen.

Mal ein Beweisfoto: CC_Foto vegetarians-dominate-meat-eaters-01

Mal ein Beweisfoto: CC_Foto vegetarians-dominate-meat-eaters-01

Der Mensch und seine Ablehnung der Moralphilosophie

Menschen sind Gewohnheitstiere und daher verteidigen sie zumeist nicht das philosophisch Gerechte und Vern√ľnftige, sondern ihre Bequemlichkeit, denn Gewohnheiten abzu√§ndern ist reichlich unbequem. Es ist wohl nicht ohne Grund, dass Steve Pavlina als Guru der Pers√∂nlichkeitsphilosophie sich hier zum Veganismus als einer der ersten aufgeschwungen hat. Essen ist immer eine √úberwindung wert, vor allem, wenn es um die Gesundheit und die Selbstbezwingungskraft geht. Doch halt, ich argumentiere nicht, dass Veganismus ges√ľnder ist. Studien deuten eher daraufhin, dass Vegetarier am l√§ngsten leben (gemeint ist die Gie√üener Ern√§hrungsstudie). Doch ¬†derart bemerkenswerte Unterschiede sind bei Veganern nicht zu erkennen, so dass diese bereits mit 60 aufgrund verkehrter Ern√§hrung ableben w√ľrden. Anerkannte Weltmeister setzen ja auf diesen Ern√§hrungsstil (so zum Beispiel Alexander Dargatz oder Iron Mike Tyson), da dieser mehr Leistung verspricht. Aber es geht mir, wie gesagt, nicht um Gesundheit, denn gleichwohl ich glaube, dass Veganismus unges√ľnder als Vegetarismus ist, ern√§hre ich mich dennoch vorwiegend vegan und dies aus philosophisch-ethischen Gr√ľnden. Dabei muss ich mich vor allem √ľberwinden, denn f√ľr mich gibt es nichts genussvolleres als Fleisch. Es geh√∂rt daher bei mir schon eine Portion Selbstverachtung zur Selbstachtung der Moral als Philosoph. Das Moralische muss das Amoralische immer erst besiegen. Denn w√ľrde sich der Geist ohne Schwierigkeit von der Unart trennen, dann w√§ren wir allesamt Engel. Nein, das Moralische ist immer schwieriger zu verfolgen, leider m√∂gen Menschen daher das Philosophisch-Moralische nicht so gern.

Was ist uns im Weg?

Was uns aber im Weg ist (wie auch bei vielen anderen Selbstmotivationen), dies ist der Genuss. Es geht daher bei der Frage, ob Fleisch oder nicht, keineswegs um Gesundheitsaspekte. Dies stellt Maja in ihrem Blog sehr richtig dar. Ihrer Ansicht w√ľrden wir genauso wenig, gesundes Fleisch wie Gem√ľse essen, wenn es nicht schmecken w√ľrde. Fleisch schmeckt und Sojaprodukte haben dieses Geschmacksniveau oftmals nicht, so viel kann ich best√§tigen. Neben dem hohen Preis f√ľr Soja ist dies das Hauptproblem. Mal ehrlich, wenn ich sagen w√ľrde: Ich habe hier ein Produkt, das ist mindestens genauso gesund und schmackhaft wie Fleisch, daf√ľr aber √∂kologisch und ethisch vertretbar, wer w√ľrde dann zum Fleisch greifen? Es ist also eine Frage der Ersatzprodukte und dort geht es um Geschmack.

Ersatzprodukte

Bei einigen Produkten hat die Ersatzindustrie allerdings entscheidend aufgeholt. So geht es bei Maja auch um die Wurst und der Gedanke ist formidabel und sollte Verbreitung erfahren: Sojaw√ľrste schmecken wahnsinnig gut (dies kann ich best√§tigen und hiermit meine ich die Wiener von Taifun, daf√ľr sind diese allerdings sauteuer). Wenn die Sojawurst nun aber g√ľnstiger als die Billig-Ja-Wurst w√§re, dann w√ľrden die Leute doch zur billigeren Wurst, die genauso geschmacksintensiv ist, greifen. Wir brauchen also eine billige Sojawurst, die im Regal neben den anderen W√ľrstchen steht. Sie muss dabei schmecken und billiger (!) sein. Bei der Werbekampagne sehe ich schon G√∂tz Werner (Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und DM-Milliad√§r) seine Ethikkarte ausspielen: Keine Tiere, kein Antibiotika, ergo DM rettet die Welt und es ist gesund.

Warum also und da gebe ich Maja Recht, warum ist die Sojawurst so verdammt teuer? Schlie√ülich hat dies ja unser ehrw√ľrdiger Altbundeskanzler Conny Adenauer in seinem Patentwahn nach dem ersten Weltkrieg schon erfunden, vor allem weil Fleisch rar und teuer war. Mal √ľberlegen: Wir pumpen das Soja ins Tier, um Fleisch zu produzieren. Da m√ľsste doch die Sojawurst billiger sein, wenn wir das Soja nicht erst durch ein ganzes Tier hindurchpumpen. Ist sie aber nicht: Vier W√ľrste von Taifun kosten ca 4 Euro, w√§hrend die Ja-Billig-Wurst schon f√ľr 40 cent auf 100 Gramm zu haben ist.

Die Sojawurst muss billiger werden!

Wir gr√ľnden also eine Sojapartei und ich bin sicher, Adenauer w√§re unser erstes Mitglied gewesen. Nat√ľrlich muss es kein Lifestyle Soja aus dem Biofunpark sein, sondern es reicht schlichtes Soja. Denn wenn alle Menschen auf billige Sojaw√ľrste umsteigen w√ľrden, dann brauchen wir den Regenwald nicht mehr weiter holzen. Wenn jeder Mensch auf der Welt sein philosophisch verbrieftes Recht auf die Sojawurst mit Ketchup bekommt, dann sinkt die Fleischproduktion und Anbaufl√§chen bleiben zur extensiveren und dann √∂kologischeren Sojanutzung √ľbrig: Also erst Sojaw√ľrste billig machen, dann auf Bio umsteigen.

Wie billig k√∂nnt ihr also Sojaw√ľrste produzieren? Wir die erste Sojawurstpartei Deutschland bitten um Anregung.

Philosophie und die Sojawurst

Mit der Sojawurst betrete ich hier also in meinem Blog endlich philosophisch-ethisches Terrain, in dem ich mich zu eigenem Handeln bekenne. Ich möchte wieder vegan leben. Momentan bin ich zu 99% Vegetarier (bei 365 Tagen im Jahr) und zu schätzungsweise 50% Veganer.

Philosophisch w√§re hier nat√ľrlich noch mehr zu bemerken: Ethik und Moral sind keine Fragen der Intelligenz also des Verstandes, sondern der philosophischen Vernunft. Vernunft aber ist der h√∂chste Einheitsort des Denkens und einer der wom√∂glich letzten Bestimmungsgr√ľnde der Philosophie. Veganismus scheint mir keine Frage des Verstandes, sondern der Vernunft in Anbetracht des Lebens. Aus diesem Grund geh√∂re ich auch zu jenen Vertretern, die glauben, dass eine vegane Lebensweise die h√∂chste Form der eigenen Freiheit bedeutet. Freiheit daher, weil wir uns so zur Freiheit aller Freiheiten in der Welt verhalten. Alles andere w√§re Macht. Mit Freiheit erm√∂glichen wir jedem Lebewesen, seine Freiheit in einem geordneten Gef√ľge der Welt einzunehmen und damit bringen wir die Welt auf ihren Grundsatz der Vern√ľnftigkeit, n√§mlich Freiheit erst zu gew√§hren. Kompliziert hm… Schweitzer formulierte dies bekanntlich derart:¬†‚ÄěIch bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.‚Äú Und auch wenn der Philosoph Schweitzer in der Kritik steht, seine Philosophie leicht naiv ausfiel, so war er doch ein Vorreiter in der Menschheitsgeschichte, derer wir bed√ľrfen. Leben als absoluter Wert der gegenseitig gew√§hrten Freiheit, dies war die Vern√ľnftigkeit, die auch aus dem Philosophen Schweitzer sprach.

Dumm war der Mann Schweitzer keineswegs. Im Alter von 38 Jahren war er bereits dreifach promoviert, habilitiert und Professor bevor er sich dann zu seinem eigentlichen philosophisch-ethischen Schaffen bewegte. Nun warum setzt sich aber derartige Vernunft nicht durch (die nat√ľrlich manchmal falsche Resultate erzeugt. Dies habe ich hier im Blog unter den Folgen guten Willens und negativen Konsequenzen abgehandelt) ? Zur Antwort der Frage w√ľrde es reichen, wenn jeder sich fragt, wie es mit seiner Vernunft im Einklang mit der Welt steht und ob es unabh√§ngig vom Genuss vernunftgem√§√ü ist, Tiere zu schlachten, obwohl es vielleicht schon seit Adenauer die Sojawurst h√§tte geben k√∂nnen.

Also ruhig bei Facebook sharen oder vielleicht gr√ľndet ihr die Supersojawurstgruppe und ladet mich und Maja ein :)

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