Archiv fü Kategorie Seinsphilosophie

Von meiner Philosophie zur Kunst – Hiken mit Emily und Mireille und der Songwriter Bob Bennett.

9. Juli 2016

Zusammen mit dem Songwriter Bob Bennett (rechts)

Zum Stand der Dinge: Es ist viel passiert, vierter Juli, Leute wurden dabei in Downtown erschossen, dann die Proteste der Schwarzen wegen der weiteren Polizeigewalt gegen sie. Was soll ich dazu sagen? Nun, es sind zunächst Dinge, die banal erscheinen. Ich habe einerseits Bob Bennett, einen Songwriter, getroffen und andererseits war ich mit Mireille und Emily hiken, wobei ich mir hier etwas mit meiner Fotografie auseinandersetze und meiner oberflächlichen Art Dinge als schön zu sehen.

Bob Bennett entstammt einem Amerika, das uns in Deutschland selten begegnet. Während in Deutschland der Schlager und die Countrymusik eher in die Nebengleise der Unter-Unterhaltung verschoben werden und dementsprechend unmotiviert auf Konsumentenwünsche zugeschneidert werden, hat sich die Amerikanische Liedermacherszene seit Jahrzehnten als authentisch gehalten. Die Liedermacher gehen eben auf Tour, durch kleine Clubs und Kirchen. Sie erzählen dort von ihrem Leben, versuchen berührende und originelle Geschichten zu finden. Sie machen Kontakt mit den Menschen. Der Folksong hat dabei eine erzählerische Dimension, die das Lebensgefühl einer anderen Region durch Amerika übermittelt. Die Songs verbinden ein räumlich zerklüftetes Amerika, das sich in Melodien und Songs wiederfindet. Es war schön Bob Bennett bei der Familie von George Mazariegos zu treffen.

Irgendwie bin ich glücklich, so viele Leute hier zu treffen, die so Großes erreichen. George transplantiert kleinen Kindern und Babys Lebern und Nieren, wobei ich es wirklich faszinierend fand, dass er dies bei solche kleinen “organischen Entitäten” durchführen kann.

 

 

 

 

Ich möchte gerne die folgenden Songs von Bob Bennett teilen und hoffe, dass ihr Zeit findet, sie zu hören. Die Art und Weise, wie er mit wenigen Worten so erlebbare Geschichten schreibt, ist beeindruckend.

Im ersten Song geht es um die Freundschaft zweier Kinder, die mit ihrer Fantasie ihrer Kindheit begegnen. Der zweite Teil des Songs beschreibt dann den überraschend banalen Tod seines Freundes im mittleren Alter. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, aber die Lyrics lassen sich hier finden: https://www.musixmatch.com/de/songtext/Bob-Bennett/The-Kings-of-Summer-Street

Ich weiß nicht warum, aber das Lied “The View from Here” erinnert mich an die Einsamkeit des Reiselebens. Manchmal liege ich in Betten, die gerade frisch bezogen in einem doch sehr kargen Zimmer stehen. In Amerika hört man dann nachts die Grillen enorm laut Zirpen und die Züge dröhnen in der Ferne. Bob schafft es in diesem Lied, den kleinen Dingen im Leben eine Bedeutung zu geben und das ohne viele Worte oder eben so plakativ wie ich zu sein:  http://lyrics.christiansunite.com/lyrics_1621_1.shtml

Bobs erfolgreichster Song ist “The heart of the matter“, was soviel heißt wie das Wesen der Dinge. Es ist nicht mein Favourit, aber zeigt eine sehr rhythmische Seite von ihm.

2. Ich empfinde in Bennetts Musik eine erzählerische Komponente, die mir Dinge über das Leben sagt, ohne sie sogleich konkret zu erfassen. Es ist ein Gefühl, das nicht oberflächlich Klischees bedient, sondern eine fragende Haltung zurücklässt. Ist das nun Kunst? Meiner Auffassung ergibt sich Kunst aus einem bestimmten, gelebten Leben und kann nicht über die technische Finessen erworben werden. Mit der steigenden “Denkkraft” von Computern, die Höchstleistungen (wie zum Beispiel im Go) erreicht, werden wir uns auf eine persönliche Komponente, das heißt auf das Zwischenmenschliche besinnen müssen. Wir werden in Zukunft einfach keine Genies mehr oder brilliant sein. In diesem Sinne gerät Ethik zu dem uns auszeichnenden Charakteristikum. Da ich mich nun dem Fotografieren widme, ist diese Frage der Kunst für mich relevant.

Hier sind daher ein paar Bilder, die ich mit Mireille und Emily während einer Wanderung aufgenommen habe.
And in the Midst of Everything there is a river
Das Problem ist, dass meine Fototechniken genau darauf basiert, bestimmte Harmonien herauszuheben. Ich isoliere und versuche Momente zu entdecken, die einem allgemeinen Klischee von “Schön” entsprechen und genau in diesem Sinne bin ich kein Künstler. Jeder, der sich hier auf die Technik fixiert, hat die eigentliche Aufgabe seiner Kunstnicht verstanden. Nun ist dieses Ästhetische eben deswegen mein Hobby. ‘Hobby’ ist ein wirklich unschönes Wort und bezeichnet eine Nebensächlichkeit. Was kann nun wirkliche Kunst?

Sie kann verbinden, Menschen zu ihren Emotionen herausfordern und die Empathie in ihnen aufzeigen, wie es in einem Artikel auf Quarz angemerkt wird. Kunst muss nicht schön sein, sondern sie zeigt an und bringt uns zu neuen Einsichten in unsere Persönlichkeit.

Bennett ist deswegen ein Künstler, weil er mich empathisch macht, weil er mit dem Ästhetischen etwas in mir berührt. Das Schöne kann etwas in uns aufbrechen und unsere Herzen wieder erleichtern, uns für das, was nicht schön ist, vorbereiten, uns Momente des Schmerzes abnehmen. Vielleicht ist darin eine letzte Funktion des Ästhetischen zu finden: es kann uns zurück zur Empathie führen. So legen es auch neuere Forschungen dar: Empathie ist eine Wahl. Das Problem ist auch, dass wir oftmals dem einzelnen Schicksal Mitgefühl entgegen bringen können, während sich bei dem statistischen Umstand kaum Wimpernzucken einstellt. Kunst kann das ändern und unsere Empathie durch das Ästhetische schulen. In Amerika sagt man: One death is a tragedy. One million deaths are a statistic.” Kunst aber geht über die Statistik hinaus. Vielleicht hilft uns das auch irgendwann den Rassismus in Amerika zu verstehen?

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Norman Schultz, Pittsburgh Ende Juni

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Philosophie und Grenzen des Zeitmanagement – Zeitdruck im Kopf

15. Oktober 2011
Titian - Allegorie der Zeit - Der Januskopf der Zeit

Titian - Allegorie der Zeit - Der Januskopf der Zeit

Nicht nur für Manager ist Zeit von jeher eine Herausforderung, sondern auch für die Philosophie. So merkte der Philosoph Augustinus noch an:

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“ – Confessiones lib. 11

Der Philosoph Augustinus verstand damit die Zeit als den nur durch unsere Existenz erfahrbaren Hintergrund aller Welt, der nicht in die Form einer Antwort zu bringen war. Zeit war philosophisch vor allem ein Maß für das göttlich Geschaffene durch Gott, aber nicht ursächlich erklärbar, sondern einfach mit allem da. Für Gott aber waren alle Momente der Gegenwart nichts anderes als Ewigkeit. Diese göttliche Ewigkeit blieb für den Menschen in seiner theoretischen Sprache undurchdringbar. Vergangenheit war damit nur Erinnerung und Zukunft allein Erwartung, Gegenwart jedoch sollte gelebt werden.

Wohin also stürzten diese ganzen Räume, die da in der Zeit hinter uns bisher versanken? Wo ist der Steinzeitmensch heute? Wo befindet sich Augustinus? In einem verlassenen Zimmer hinter unserem Rücken? Ist er noch da, nur in einer anderen Zeit? Ist die Zukunft schon geschehen oder wird sie noch geschehen?

Diese philosophischen Fragen, die auch Augustinus trieben, konnten mich nie wirklich fesseln, da es für diese kaum einen Halt gibt, um mit einer Philosophie weiterzuforschen. Zeit ist die Grenze unseres Seins und Denkens: Der Sinn von Sein, das Woher der Verstehbarkeit von Welt ist Zeit, selbst aber verbleibt die Zeit Nichts. Ein dunkler Fleck in unserer Erkenntnis.

Die Physik mochte naturgemäß diese philosophische Nichtserkenntnis nicht. Dennoch gab auch die physikalische Messbarkeit von Phänomenen schließlich wenig Auskunft über das Wesen der Zeit. Ist Zeit ein unendlich teilbares Kontinuum oder eine Menge von diskreten und isolierbaren Momenten? Der Philosoph lächelte natürlich über die Versuche der Physik aus der Empirie allgemeingültiges Wissen darüber ableiten zu wollen. Wie sollte aus der Erfahrung mehr als Erfahrungswissen, das grundsätzlich fallibel ist abgeleitet werden? Die Physik stieß wieder und wieder an diese Grenze und es stellte sich heraus, dass wir zur Aufklärung des Zeitphänomens zu allererst in uns selbst hineinzuforschen haben. Eine Aufgabe der Philosophie, zugleich aber auch der Streitpunkt, ob die Zeit in uns vorfindbar ist.

Die Philosophie der Zeit

Die Zeit in uns können wir zumindest nicht verleugnen. Die verlebte Zeit zieht den ein oder anderen in allen Gliedern. Er trauert dann einer ungenutzten Vergangenheit hinterher und es stellt sich heraus, dass die Zeit und ihr “Es war einmal” das Märchen des Lebens ohne Happy End erzählt. In der Philosophie bekannten sich vor allem die Vorlaufenden in den Tod zu dieser Interpretation. Wir wollen die Tragödie der Zeit eigentlich nicht. Wir wollen aus unseren verbleibenden Tagen einen Strom machen, an dem wir in Ruhe unter einem Bäumchen sitzen und zuschauen, was dort alles so herunterfließt. Wir wollen noch einmal auf unserem Weinberg sitzen und der Traube beim Reifen zuschauen. Wir wollen wie der Philosoph Goethe bei Wein und Gesang Frauen Hexameter auf den Rücken zeichnen. Wir wollen Müßiggang in einer Zeit, die keine philosophische Befürchtung mehr zulässt. Wir wollen ein zeitloses Paradies. Im Grunde aber verachten wir die Zeit und wollen damit das nicht, was uns selbst ausmacht, wir wollen uns selbst nicht. Denn ist es nicht gerade der Zeitdruck, der uns zum Handeln motiviert? Würden wir ewig leben, so könnten wir doch auch alles auf Morgen verschieben. Überhaupt etwas zu tun, wäre sinnlos.

Gerade die Mönche versuchen daher gerade mit der asketischen Prokrastination in Professionalität die Sinnlosigkeit soweit zu treiben, dass nur noch das Wesen der Zeit verbleibe. Sie versuchen die Zeit in ihrem treibenden Wesen zuzulassen und sie nicht zu managen. Zeitmanager sind aber in der Regel gegen die Zeit. Diese fruchtlose und realitätsferne Idee der Abschaffung der Zeit beherrscht deren Philosophie. Zeitdrücke entstehen in der Regel aber nur, wenn Dinge wichtig sind. Die Politik kann davon ein Lied singen.

Zeitmanagementphilosophie

Beim Zeitmanagement geht es nicht darum seine Zeit tatsächlich als Zeit zu leben, wie wir erwarten sollten, sondern vor allem darum Zeit zu sparen. Die hohlphilosophische Botschaft des Anfangs lautet dabei zwar stets “Zeit kann man nicht sparen.” Aber wirklich ernst meint diese Phrase kein Zeitmanagementphilosoph. Natürlich dieses verrinnende Wesen der Zeit, das sich noch durch jede Sanduhr als feiner Sandstrahl hindurch schneidet, dieses zarte Pflänzchen der kindlichen Entwicklung, dieses ausgeprägte Geäst in den Falten des Alters, nein dieses kann nicht in der modernen Sparmentalität an Zeitbörsen angelegt werden, aber dem Zeitdruck positiv begegnen tun auch sie nicht. Statt Zeitsparer werden wir zu Zeitfahrern, die Welten jagen. Was also empfehlen uns die Gurus dabei in aller Regel? Soviel wie möglich, so schnell wie möglich machen.

Was ist jetzt aber eigentlich mein philosophisches Problem? Ich habe natürlich nichts dagegen seinen Alltag zu strukturieren und zu takten und halte dieses Vorgehen oftmals für sehr sinnvoll. Steve Palina ist ja hierin ein Experte. Nach seiner Sicht muss er alles schneller machen. Schneller Zähneputzen, schneller kochen, schneller Schnürsenkel binden, schneller lesen und schneller leben (?).

Problematisch an den meisten Theorien ist jedoch zunächst, dass diese vor allem ein Schlachtfeld um die Gunst der Manager darstellen. Angebliche Gurus wie beispielsweise Seiwert nehmen für ein Wochenendseminar gerne 2000 Euro pro Teilnehmer (eine Auseinandersetzung mit einer Professorin dazu unter meinem Beitrag zu Daniel Kehlmann und die Grenzen des Lesbaren). Hier aber hört der Spaß auf, denn was dort verkauft wird, ist zumeist nichts weiter als Gewäsch ohne empirische Datenbasis. Diese Zeittheorien kann jeder entwickeln, aber sind diese durch Studien belegt? Nein. Doch ungeachtet dieser empirischen Mängel ist mein Problem wiederum ein anders.

Wie auch mit meinen Beiträgen zum Schnelllesen dargelegt, ergibt es oftmals wenig Sinn sinnvolle Dinge schneller zu tun. Die Geschwindigkeit unseres Verstehens gibt den Weg vor und wir sollten uns vor allem an die schwierigen Dinge heranwagen, dort aber spart sich dann kaum mehr Zeit, weil jeder Denkschritt ein notwendiger wird. In der Philosophie belohnt sich gerade die sorgsame Langsamkeit und der übertriebene Selbstanspruch auch noch das vertrackteste Problem auseinanderzuklamüsern. Aber auch die Effizienz ist nicht mein Punkt.

Es mag sein, dass wir manche Dinge schnell erledigen müssen. Ein Zeitmanagementseminar setzt aber voraus, dass der Sinn unserer Zeit bereits bestimmt ist. Und hierin liegt das wesentliche Problem. Vielen Menschen haben kein Zeitproblem, sondern stecken in einer Sinnkrise. Genaugenommen steht die gesamte Menschheit in dieser Sinnkrise, aber dazu später mehr. Vielmehr bedarf es daher vor jedem Zeitmanagementseminar der noch viel wichtigeren Frage, inwiefern wir an uns arbeiten wollen und inwiefern wir diese Arbeit wollen. Zeitmanagement würde viel eher einen philosophische Ethos voraussetzen. Stattdessen bringen wir nicht der Menschheit bei wie der Zeithorizont für alle gerecht nach philosophischer Maßgabe eines guten Lebens (Ethos) gestaltet wird, sondern vor allem wie wir Dinge schneller machen als andere. Wenn dann ein Manager 2000 Euro für so ein Seminar ausgeben kann, während andere nicht mal 500 Euro im Monat zur Verfügung haben, dann haben wir tatsächlich ein Problem. Wir wäre es denn, wenn wir die Zeit aller Individuen erschöpfend gebrauchen würden und dann auch noch für sinnvolle Dinge? Dies würde auch bedeuten, dass die Zeit eines jeden Menschen etwas wert ist und nicht nur die des Managers, der es sich leisten kann. Ressourcen verschwenden wir also nicht mit unserer Zeit, sondern damit, dass wir vor allem eins nicht sind: gerecht.

Die Zeitersparnis treibt derweil merkwürdige Blüten. Vor allem von Möchtegernerfolgreichen lässt sich da einiges von Geld abknapsen. Folgendes Video soll uns also auch helfen, schneller durch das Leben zu eilen.

Steve Palina hat hierzu einen “bemerkenswerten” Artikel geschrieben: http://www.stevepavlina.com/blog/2011/04/watch-online-videos-in-half-the-time/. Obzwar ich Steve bewundere, so frage ich mich doch, wo er mit seinem prinzipiellen Atheismus am Ende eigentlich landen möchte. Zu dem Video selbst frage ich mich, warum es nicht schon im Zeitsparmodus versendet worden ist. Meiner Auffassung sind Videos, die sich im Zeitsparmodus anschauen lassen, zumeist nicht der Mühe wert, sie zu schauen.

An und für sich ja ist das wunderbar, habe ich doch selbst schon zu viele Filme im Modus der Langeweile verbracht und ich hätte sie vorspulen sollen. Wohl aber wäre die sorgsame Auswahl des Gelabers eher angebracht gewesen als diese Effizienzvorgaukelei. Videos sind doch ohnehin nur eine geringe Informationsquelle, die vielleicht in Phasen mangelnder Konzentration angebracht wäre. Wenn ich etwas jedoch wirklich tiefgründig philosophisch recherchieren will, dann muss immer noch das altmodische Buch herhalten. Aber wie gesagt, um die Formen der Effizienz geht es nicht. Wir haben in unserer Gesellschaft ein ganz anderes Effizienproblem, das tief in eine philosophische Ethik zurückgreift. Vor allem das philosophische Gerechtigkeitsproblem, dass wir uns als Menschheit in einer Sinnkrise befinden und offenbar Erfolg bedeutet, das Falsche zu tun (nämlich luxuriös Ressourcen zu verbrauchen), dies sind die Probleme die wir als erstes bedenken müssen. Wofür sollten wir denn alles immer schneller tun? Für Wein, Weib und Gesang, um Frauen den Hexameter auf den Rücken zu zeichnen? Nun letztlich weiß ich es auch nicht, aber das vom Philosophen Apel transzendental abgeleitete Kriterium das Überleben der Menschheit zu sichern, erscheint mir als erste notwendige Tat, Zeit auch für andere Generationen zu gewinnen und nicht nur für uns selbst.

Doch auch der Aspekt der Meditation in der Zeit kann eine Rolle spielen. Da wir ohnehin für die falschen Dinge Zeit sparen, müssen wir auch mal fragen, ob Prokrastination wirklich so schlimm sei. Das folgende Video zeigt uns, dass die Zeithygiene uns letztlich nur von der eigentlichen Zeiterforschung, wie sie die Philosophie seit den Mönchsriten verfolgt, abhält.

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Die Philosophie und die Rechengenies – von Zahlenbänder und Recheninseln

12. Oktober 2011

Wir hören den philosophischen Zauber eines scheinbar unzertrennlichen Zahlenbandes, das am Gehör entlang rast. Ein Zahlenkaninchen, das der Magier aus dem Hut, aus seinem Gehirn, aus einer Philosophie des Ganzen hervorzaubert. Rüdiger Gamm einer der Savants, die keine nennenswerten autistischen Defizite aufweisen. Dennoch war er als Rechengenie schlecht in der Schule. War er unterfordert?

Der philosophische Sinn unserer Grenzleistungen

Seien wir mal ehrlich: Was bringt uns das Kalenderrechnen, das heißt wie Gamm zu jedem beliebigen Datum den passenden Wochentag zu wissen? Was bringt es uns, in die Dimensionen der Zahlen vordringen zu können? Im Gehirn hat er Ergebnisse von 200.000 Zwischenlösungen gespeichert, nur was würde uns diese Rechenausstattung wirklich nutzen? Für eine Philosophie Platons wären es Schattenspiele an der Wand, ohne zu erkennen, dass die Sonne im Rücken noch überhaupt nicht erkannt worden ist. Die Genies können daher nur Philosophen sein, die so zum Beispiel versuchen den Seinsgrund der Mathematik zu entbergen. Dieses philosophische Unterfangen ist wohl der eigentliche Mount Improbable, zum Rechengiganten aufzusteigen hingegen, heißt doch gleichzeitig zum Zahlenidioten zu werden, der womöglich den philosophischen Bezug zum Ganzen verliert.

Der Rechenidiot ist eine Insel der menschlichen Naivität, die auf einem Zahlenmeer schwimmt. Er ist Sklave einer entkoppelten, inneren, unnachgiebigen Welt des Rechnens, ein beständiger innerer Rechenschieber, der das Leuchtfeuer seiner Neuronen im Glanz der Mathematik nicht aufhalten kann. Philosophisch besehen müssen wir uns daher keinem Zahlenreich unbewusst ausliefern und nur mit der Unendlichkeit des Rechnens innerlich möblieren. Wir wollen doch philosophisch mehr sein als die sturre innere Notwendigkeit der Rechenregeln in uns zu erforschen. Gewiss mit den Primzahlen kommen gewisse Zahlengeheimnisse in unsere innere Zahlenwelt und allein das System der Dekadik bringt uns einen Schleier der Zahlenmystik, aber auch das sind nur Schatten an den Wänden der Welt und keine Philosophie. Es geht natürlich um mehr als nur um das Rechnen.

Es heißt hinter jedem Phänomen versteckt sich die Welt der Zahlen, aber könnte es nicht auch genau umgekehrt sein, dass die Phänomene (Phänomene sind philosophisch das nur Erscheinende) uns die Welt der Zahlen zufällig liefern, die wirkliche Welt aber eine ganz andere ist.

Die Welt des Rechnens als realerer Teil einer doch manchmal ausufernden abstrakten Mathematik lässt uns nach diesen Zahlen auch in der Wirklichkeit suchen, aber sind Zahlen real? Ist alles Zahl wie es Pythagoras noch philosophisch mutmaßte? Dies wäre die philosophische Frage und dies wäre Philosophie.

 

Fotothek df tg 0000047 Architektur ^ Mathematik ^ Allegorie ^ Waage ^ Vermessungsinstrument ^ Messzirke

Kein Gedankenmessi, sondern die Ordnung des philosophischen Geistes soll uns leiten!

Ich bewundere Gamm für seine Fähigkeit und wünschte mir auch diese enormen Fähigkeit, aber was würde ich dann als Philosoph tun? Draußen die Blätter an den Bäumen zählen, die Muster der Tapeten genau kennen? Würde es mir nützen, mich erfolgreicher im Beruf und Privaten machen? Würde es der Menschheit auf ihrem Weg in die Demokratie und Gerechtigkeit nutzen? Auf der Spur der Genies also fragen wir, was uns denn wirklich nützt, denn verschrobene Spezialbegabungen gibt es in Hülle und Fülle. Ich frage stattdessen, welches Genie ist wirklich als Genie zu bewerten und da glaube ich, warten wir noch auf die richtigen Philosophen. Der Maßstab der Nützlichkeit gilt hier natürlich auch als problematisch. Denn es heißt auch bei Philosophen immer wieder, wir interessieren uns in den Wissenschaften für die Dinge ohne Grund  und aus purer Neugier. Dieses sei das geheime Band, das alle Wissenschaften zusammenhält. Neugier halte gegen die Nützlichkeit her.

Ist das aber philosophisch schon plausibel? Denn wenn ein Mathematiker behauptet, er interessiere sich zunächst für Formeln aus purer Neugier, so glauben wir doch, dass diese Form seines Interesses höher zu bewerten ist als das Interesse des alten Ehepaars, das in ihren Vitrinen Tassen und Teddybären sammelt. Wir bewerten den Mathematiker höher als den Idioten, der die Schmelzpunkte aller Materialien auswendig lernt. Und wenn uns jemand erklärt, er wolle für läppische 30 Milliarden etwas über den Ursprung des Universums in Erfahrung bringen, würde uns aber im gleichen Atemzug versichern, dass dieses uns niemals etwas nützen würde, warum sollten wir diese Ausgaben tätigen? Mir würden Unmengen an Projekten einfallen, die ich unterstützen könnte. Wir wollen doch keinen Gedankenmessis, die jeden Gedanken, weil sie sich mit anderen verknüpfen abspeichern. Wir wollen die Ordnung aller Teile in einem Ganzen und dies ist Philosophie. Letztlich ist es also nicht Neugier, sondern der höchste Seinsgrund, der uns treibt.

Da wir als Menschen aber nur begrenzte Zeit haben, wäre es ein verfehltes Leben, wenn sich herausstellen würde, das unsere gesamte Rechenschieberei nur das gleichsam ästhetische Werk von emsigen Ameisen war, die einer nie gesehenen Königin gedient haben. Wer wollen wir also sein? Diese philosophische Frage steht in Kontakt zu unserem täglichen Handeln. Es ist unsere eigene Grenze, denn wir müssen uns fragen, was wir mit unserem Leben tun wollen, weil wir nur begrenzte Zeit haben. Dies ist auch eine philosophische Frage nach dem Ganzen. Der Sinn des Seins liegt in der Zeit, die wir haben. Und nach diesem Maßstab müssen wir auch das Genie bewerten. Denn sinnlose Fähigkeiten gibt es überall, welches sind aber die Fähigkeiten und Innovationen, die die Menschheit wirklich braucht? Hier lautet meine Antwort: Wir brauchen Philosophie!

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Seinsphilosophie – Der Autismus und die Grenzen der Welt

28. August 2011

Autismus ist also eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns. Anders kann Autismus aber auch einfach als abweichende Informationsverarbeitung gedeutet werden. Die Autisten macht dies deutlich. Für sie ist die eingeschlossene Welt ihrer Informationsverarbeitung ein eigener philosophischer Kosmos. Ich sehe allerdings zwischen beiden Bereichen einen Unterschied. Lesen Sie den gesamten Eintrag »

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