Die Philosophie der Automatisierung – Grenzen des automatischen Bloggens

Steel Vertorama

Spionageaufnahme der ersten Blogmaschine (CC_Foto: Marty.FM)

Mit der richtigen Internetphilosophie lassen sich Milliarden verdienen, zumindest wenn jemand die Infrastruktur erfindet, auf die alle angewiesen sind. So mit Sicherheit geschehen bei dem Facebookgr√ľnder, Marc Zuckerberg. Durch geschickte Deprivatisierung privatisierte der amerikanische Privatmann das Private. Ein philosophisch dialektischer Geniestreich. Da erh√§lt einer Milliarden, weil er eine billige Plattform zur richtigen Zeit auf den richtigen Kasten bringt. Auch Google muss schlie√ülich mit dem neuen GooglePlus in die Philosophie des Social Networkings vorsto√üen, um sich hier nicht alle Butter vom Brot nehmen zu lassen. Es geht dennoch ganz unphilosophisch um das Schn√∂de, das Geld.

Netzwerkerphilosophie

Social Networking ist zu einer Kernkompetenz von Websitebetreibern geworden. Wer es schlie√ülich in den Google-Suchlisten nicht nach ganz oben schafft, der bekommt vielleicht Besucher √ľber dir richtige Netzwerkphilosophie. Dieser Wunsch nach Verdiensten ver√§ndert √§hnlich wie Facebook die Netzstruktur. Die Grenzfrage ist: Wie nachhaltig?

Grenzen des Internets

Das Internet bedient mit den neueren Verdienstm√∂glichkeiten einen Goldrausch. So zum Beispiel im Falle des Affiliate-Marketings, hier bekommt ein Seitenbetreiber Provision, wenn sich ein Interessent f√ľr ein von ihm beworbenes Produkt auf einer verlinkten Seite entscheidet. So investieren mittlerweile viele Sch√ľler mit inhaltsleeren Mode- und Fotoblogs, Techniknerds, Babyinhaber oder andere Freizeitbesitzer kr√§ftig in den Aufbau einer eigenen Bloglandschaft, wo sie dann allerlei Produkte an andere Nutzer weiterempfehlen. Philosophie des Hirnlosbloggens ist das teilweise. In dem unentdeckten Land des Sozialen kann noch tiefer noch Gold gegraben werden, als Zuckerberg und Google das schon taten. So vernetzen sich die Seitenbetreiber, gr√ľnden Facebook-Fan-Pages, twittern oder nutzen andere „Tools“ zum Aufbau ihrer Popularit√§t. Dabei entsteht neben Facebook und Google eine weitere Infrastruktur des Netzes. Die Philosophie lautet: „Blogge und werde reich!“ Vielleicht sind hierbei nicht die gro√üen Goldbrocken zu entdecken, aber vielleicht, so lautet das Ziel vieler Netz-Entrepreneurs, ein Nugget in Form einer passiven Einkommensquelle. Aus diesem Grund geht der Pioniergeist soweit, dass erstmal jedes Areal abgesteckt und abgegrenzt werden muss. Die Fahndung nach Nischensuchw√∂rtern f√ľr Google l√§uft. Das Areal k√∂nnte ja¬†fruchtbares Ackerland bieten, vielleicht¬†Bodensch√§tze beherbergen oder sogar eine √Ėlquelle sein. Diese Suchbewegungen von Netzgoldgr√§ber zwingen bereits zur Regulationen, so m√ľssen beispielsweise f√ľr das Beantragen einer neuen Domain mit den Folgezeichen wie zum Beispiel „hamburg“ Schutzgeb√ľhren von bis zu 100.000 Euro erhoben werden. Der Traum ist klar, warum sich im Fluss der Realit√§t die H√§nde bei der Goldsuche schmutzig machen, wenn die Nuggets in den Internetflatlands verborgen liegen und vom heimischen Computer aus gesucht werden k√∂nnen. Bloggervorbilder werben dabei mit der 4 Stunden-Wochen-Philosophie. Das Ziel: Mit geschickter PR sein Leben bezahlen lassen, indem der Blogger schlie√ülich einfach nur dar√ľber berichtet, wie er Produkte benutzt und frei ist. Wer letztlich die Zeche zahlt ist kein Teil dieser Halbschuhphilosophie.

Geld verdienen mit dem Geldverdienen (Eine philosophische Meditation √ľber die Leere?)

Auf der Suche nach der passenden H√§ngematte, bieten die Blogger dabei selten Mehrwert. Ohnehin verdienen die meisten Blogs damit Geld, indem sie anderen erkl√§ren, wie mit Blogs Geld zu verdienen sei. Peer Wandiger mit selbstst√§ndig im Netz ist hier wom√∂glich ein gutes Beispiel. Zu erz√§hlen wie mit Berichten √ľber Geld verdienen, Geld zu verdienen ist, da dreht sich schon manche Gedankenschraube im Hirn. Es ist doch eigentlich schon merkw√ľrdig, wenn ich einen Blog dar√ľber schreiben w√ľrde, wie wir philosophieren oder? Den Vorwurf machte schon der Philosoph Hegel an den Philosophen Kant. Wir m√ľssen beginnen. Gut Peer Wandiger verdient.¬†Wenn aber das Geld nur in den Kreisl√§ufen des Sinnlos-Bloggens verbleibt, so hat davon wohl niemand etwas. Aussichtsreich ist das Bloggen daher noch nicht. Bloggerrevolutionen sind das eine, Blogunternehmer, die nur das Bloggen als Bloggen preisen, das andere. Fr√ľher – so habe ich mir sagen lassen – ist der Mensch f√ľr sein¬†Geld arbeiten gegangen. Heute denkt er nach und glaubt, dass mit gen√ľgend Grips die Welt schon f√ľr ihn arbeitet. Wenigen ist klar, dass das immer nur f√ľr Wenige gelten kann. Sie fragen nicht wer dabei am Ende notwendig der Dumme sein muss.

Das Leben eines Netzphilosophen

Wie sieht aber der Alltag eines Netzphilosophen des Sinnlosbloggens aus, wenn er denn seinen Blog aufbaut, um reich zu werden? Wir fassen mal die wichtigsten Schlagwörter zusammen:

Wenn ein Netzphilosoph Leute auf seinem Blog haben will, dann sagt er nicht etwa Besucher werben, sondern da wird vor allem etwas¬†generiert¬†(dieses Wort ist mittlerweile so popul√§r geworden, dass auch Politiker mit dieser Wortpatronenh√ľlse um sich schie√üen). Was¬†generiert¬†der Netzphilosoph dabei? Genau, nicht etwa Besucherstr√∂me, sondern¬†Traffic. Was der Netzphilosoph dazu tun muss, ist vor allem einerseits¬†„unique Content“ zu ver√∂ffentlichen, was im Wesentlichen bedeutet, dass er einzigartige Inhalte produziert. Allein in seinem St√ľbchen Inhalte zu produzieren reicht aber nicht, deswegen muss der Netzphilosoph andererseits seine Seite an die Googlesuche anpassen, auf¬†Bloggish¬†hei√üt das dann¬†SEO-optimieren, wobei¬†SEO¬†schon¬†Search-Engine-Optimization¬†hei√üt. Diese aber zu optimieren, ist sicher auch nicht verkehrt, also hei√üt es seo-optimieren. Zur¬†SEO¬†geh√∂rt es auch entsprechende¬†Linkbuilding-Strategien einzusetzen, was bedeutet, dass der Netzphilosoph von anderen Netzphilosophen, die dieselbe Sinnlosigkeit verfolgen, erh√∂hrt wird und ihn dann mit einem Link w√ľrdigen. Geschieht das, erh√§lt der Netzphilosoph sodann einen lieben¬†Backlink. Die Backlinks pushen ihn wiederum bei Google nach oben, was ihm vielleicht mehr Leser verschafft, die dann umgekehrt ein¬†Social Bookmark¬†setzen, was hei√üt, dass die Nutzer es auf Netzwerken wie Facebook anderen Nutzern empfehlen. Hat der Netzphilosoph schlie√ülich genug¬†Traffic¬†mit solchen¬†Site-Boosts generiert, entschlie√üt er sich endlich seine Seite zu¬†monetarisieren. Das hei√üt einfach, er will damit Geld verdienen (√ľberraschenderweise hat sich nicht die k√ľrzere Redeweise des¬†Monetisierens¬†durchgesetzt). Verdient er ein bisschen Geld, will der Netzphilosoph im Verh√§ltnis zu den Besuchern immer mehr Geld durch die Besuche. Dies bedeutet dann, er erh√∂ht die¬†Konversionsrate. Schlie√ülich, wenn der Netzphilosoph all diese Dinge erreicht und sein Reich der Leere entfaltet hat, m√∂chte der er den Blog soweit wie m√∂glich¬†outsourcen¬†(billige¬†400-Euro-Netzphilosophen¬†einstellen) oder aber seinen¬†Blog automatisieren¬†und hier wird es interessant, denn auf einmal entscheidet sich der Netzphilosph, dass das Internet mit seiner Infrastruktur f√ľr ihn arbeiten soll. Und hier wird das Ommmmmmm, die Leere, der Netzphilosophen unendlich, denn nun soll das Internet die hohle Phrase der Netzphilosophie ¬†reproduzieren. Wie man mit Bloggen √ľber das Bloggen blogg, wenn man bloggt.

Blogautomatisierung – eine Philosophie f√ľr das Hohle

Das Stichwort hei√üt¬†Blogautomatisierung.¬†Der Blogger will dabei nat√ľrlich alle T√§tigkeit f√ľr seinen Blog auslagern. Den unique Content l√§sst er dann von billigen Schreiber produzieren, w√§hrend er das Geld f√ľr die Arbeit einnimmt, da er ja die Idee hatte und er schlie√ülich auch das Risiko trage. Ohne den Alpha-Blogger w√ľrde es ohnehin diesen Blog nicht geben. Blogautomatisierung hei√üt aber auch, dass der Blog √ľber bestimmte Werkzeuge im Internet auf allen SocialNetworks ohne viel Arbeit verbreitet wird.

Viele Blogger hoffen insgeheim, dass sich die n√§chtlichen Stunden vor den Texten auszahlen. Doch hier kommt die Crux: Mittlerweile gibt es Blogs, die vollkommen automatisiert erstellt werden. Dabei wird das Internet durchforscht und auf eigenen Blogs ver√∂ffentlicht. Ich hatte in dieser Hinsicht auch schon das Gl√ľck, dass ich viele Teile meines Blogs www.entgrenzen.de auf Englisch (mit schlechter Google-√úbersetzung) entdecken durfte, ohne dass meine Urheberrechte angegeben worden sind.

Zu welchen Grenzen der Netzphilosophie driften wir also? Die Automatisierung des Internets geht weiter. Wenn Computer uns jetzt schon bei Jeopardy schlagen und schon teilweise generierte Texte im Internet verbreiten, ist folgende Frage nicht mehr ganz so stupide: Wie lange wird es dauern bis Computer Inhalte so schnell und so vielf√§ltig genieren, dass diese damit das Internet dominieren? Nein, das passiert nicht, weil immer noch die Wirklichkeit des Bloggers im Mittelpunkt steht. Dennoch: Wenn wir mal schauen, welche d√§mlichen Codes wir √ľberall eingeben m√ľssen, nur damit wir einen Kommentar oder √§hnliches ver√∂ffentlichen k√∂nnen und nicht Spamroboter alles verun√ľbersichtlichen, dann fragt sich einerseits ganz simpel, wie lange wird es dauern bis auch diese Codes geknackt sind und hei√üt noch mehr:¬†Vielleicht ist die Ausbildung zum Texter aller Art heute schon hoffnungslos veraltet, da Computer in 20 bis 30 Jahren diese Aufgabe ganz √ľbernehmen oder – um n√§her am Thema zu bleiben – das Internet so automatisiert worden ist, dass wir einfach nur noch in einer Textschw√§mme den Bezug zu den richtigen Bloggern nicht finden werden. Auch dann mag es andere L√∂sungen geben, aber die neue Un√ľbersichtlichkeit geht mit dem Bloggen in eine neue Richtung. Was der Philosoph Habermas noch in den 80ern als die neue Un√ľbersichtlichkeit bezeichnete, greift hier wohl erneut.


Der ein oder andere mag mich nun als realit√§tsfern schimpfen, aber wie auch lange Zeit behauptet worden ist, dass noch keine bedeutende Neuerung in einer Schacher√∂ffnung von einem Computer entdeckt worden ist (was schon lange geschehen ist) und dieses nicht ohne Weiteres m√∂glich sei, so kann jetzt behauptet werden, dass ein automatisiertes Internet nicht m√∂glich sei. Was vielleicht noch wilde Verschw√∂rungstheorie ist, muss aber nicht abwegig sein. Ich rede von Maschinen, die kreative Jobs ¬†√ľbernehmen. Nein, ich mahne nicht weltfremd davor, aber die W√ľnsche der Blogger, die gerne alles automatisieren deuten dort hin und die ersten Automatikblogs dr√§ngen schon in diese merkw√ľrdige Richtung. Unique Content ist vielleicht bald der tippende Affe (Computer) auf einer Schreibmaschine, der auch mal hin und wieder einen Shakespeare erwischt.

Norman Schultz

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Dieser Beitrag wurde unter Grenzen der Menschheit, Philosophie & Kulturgrenzen, Philosophie der Prothetisierung abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.