Archiv fü Kategorie Philosophie der Prothetisierung

Philosophie und Behinderung – Gründe warum Behinderte die Stärkeren sind

27. Januar 2012

Behinderte haben die größere Nähe zur Philosophie. Mit den Mängeln des Lebens konfrontiert, im Kampf um die angebliche Normalität stehen sie immer schon im Kampf der Überwindung ihrer selbst. Wo Menschen auf den Plateaus ihres Glücks mit Hautunreinheiten nicht ins Reine kommen, dort versuchen Armlose, Blinde, Taube, Gelähmte und seelisch Geschädigte weitaus höhere Hürden zu überwinden. Der Behinderte ist daher der Starke unserer Gesellschaft. Aber wer ist der Behinderte?

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Körperentgrenzen und Philosophie der Technik – Zur Verflechtung von Wirtschaft und Technik

24. Dezember 2011

Das mit Pflöcken nicht eingrenzbare Meer, so sah der Philosoph Aristoteles die Zukunft. Schon die Antike formulierte philosophisch explizite Technikkritik und diese Technikkritik dominiert auch zu großen Teilen eines meiner favourisierten und doch zumeist sehr philosophischen Genres, da es sich mit den Grenzen der Menschheit auseinandersetzt: Das Science-Fiction-Genre.

Die Einleitung von “Deus Ex: Human Revolution” ist meines Erachtens künstlerisch als auch philosophisch gelungen, so kombiniert der Film doch den Mythos des Ikarus und den philosophisch-wissenschaftlichen Forschergeist des 17. Jahrhunderts (ausgedrückt in dem berühmten Bild von RembrandtDie Anatomie des Dr. Tulpe“) mit dem Technikpessimismus der Gegenwart. Die philosophische Selbstüberschätzung einer sich über alle Grenzen hinwegsteigernden Menschheit wird hier Thema.

Rembrandts Anatomie des Dr. Tulp

Die Darstellung einer anatomischen Schauveranstaltung gemalt von Rembrandt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Stellung der Philosophie gegen Prothetisierung und genetisches Entgrenzen der Transhumanisten

24. Dezember 2011

In der Philosophie wird gegen die Phantasien der Prothetisierung und dem Entgrenzen des Körpers natürlich regelmäßig Stellung bezogen:

“Ob wir uns als verantwortliche Autoren einer eigenen Lebensgeschichte betrachten und uns gegenseitig als »ebenbürtige« Personen achten können, hängt in gewisser Weise auch davon ab, wie wir uns anthropologisch als Gattungswesen verstehen. Können wir die genetische Selbsttransformation der Gattung als Weg zur Steigerung der Autonomie des Einzelnen betrachten – oder werden wir auf diesem Wege das normative Selbstverständnis von Personen, die ihr eigenes Leben führen und sich gegenseitig die gleiche Achtung entgegenbringen, unterminieren?“ (Habermas. Die Zukunft der menschlichen Natur 2001:55)

Habermas verweist hiermit auf die Gefahren der Gentechnik, nämlich auf eine Unterminierung unseres Gattungsverständnisses. Im Weiteren versucht er dieses Gattungsverständnis aus der Art, wie wir Freiheit und Autonomie immer schon in der Kommunikationssituation voraussetzen, abzugewinnen. Genetische Manipulation würde dann nach Habermas den Ungeborenen, das Recht auf eine Zufälligkeit der eigenen Lebensbedingungen absprechen.

Das Argument ist meines Erachtens eher schlank, da Habermas in seiner Theorie Letztbegründung ablehnt (dies war das Thema meiner Magisterarbeit). Dass wir durch die Anwendung der genetischen Manipulation die Freiheit der Individuen nehmen, halte ich zudem für weit ausgeholt. Probleme ergeben sich eher, wenn wir überlegen, dass hier womöglich zwei Klassen-Gesellschaften entstehen werden: Menschen, die das Geld haben im genetischen Supermarkt shoppen zu gehen und denen, die dieses Geld nicht besitzen. Wir sehen ja heute schon, wie sich die Reichen immer mehr in die Sphäre der Schönheit verabschieden, während wir “Armen” unserem Altern im Spiegel hilflos zusehen müssen. Schönheit wird zunehmend bezahlbar. Wer würde es von diesen Menschen nicht danken, die Nase gleich vor der Geburt gestaltet haben zu bekommen (ui angesichts dieser neuen Techniken reicht wohl die Deutsche Grammatik nicht mal aus, um adäquat pränatale Eingriffe zu beschreiben). Es ist für mich daher eher ein Gerechigkeitsproblem.

Die Transhumanisten

Die Phantasien aber gehen weiter: In den 60ern als ja die Forschung noch relativ unbedarft operierte, schlugen US-amerikanische Mediziner vor, den Menschen an die Atmosphäre des Weltalls anzupassen. Eine für mich ästhetische Idee im Übrigen, dass Menschen durch die lebensfeindlichen Weiten des Weltalls spazieren. Warum nicht auch organisch technische Raumschiffe? In Wikipedia heißt es hierzu:

“Mit Hilfe von biochemischen, physiologischen und elektronischen Modifikationen sollten Menschen als „selbstregulierende Mensch-Maschinen-Systeme“ im Weltraum überlebensfähig sein.” (http://de.wikipedia.org/wiki/Cyborg#cite_note-4)

Wir gehen also einer immer größeren biologischen Umrüstung des Universums entgegen, insofern wir diesen schon hochgerüsteten Gedanken nochmals extrapolieren. Nicht nur ein Universum, was mit Menschen bevölkert ist, sondern ein Universum, das in Gänze dem menschlichen Leib unter seiner Verfügungsgewalt angeeignet worden ist.

Die Transhumanisten formulieren es hierzu wie folgt:

„Wir können höhere Gipfel erklimmen, wenn wir nur unsere Intelligenz, unsere Entschlossenheit und unseren Optimismus dafür einsetzen, die menschliche Puppe zu durchstoßen. Die Evolution hat trotz unserer Bemühungen unser Verhalten in bestimmte Richtungen geleitet, die in unser Gehirn eingearbeitet sind. Unsere Körper und Gehirne beschränken unsere Kapazitäten.(Max More: Vom biologischen Menschen zum posthumanen Wesen)

Das uns umschließende Gattungswesen “Mensch” mit seiner begrenzten Vernunft, soll nun also wie eine alte Actionfigur aus den 70ern bei Seite gelegt werden, wie eine Hülle abgestreift werden.

Auf zum Übermenschen?

Ich möchte dazu soviel sagen: Angesichts der realen Probleme muss der Zukunftschor noch nicht angestimmt werden. Zunächst stellt sich die Frage, ob eine Gesellschaft Gentechnik überhaupt verantworten kann. Die Extropianer, wie sich die Transhumanisten auch nennen, wollen eine neue Philosophie für das neue Millenium kreieren, fragen aber nicht, ob wir überhaupt schon für ihre Technikphantasien moralisch bereit sind. Es leitet mich folgende Intuition: Wenn die Atombombe 10 Jahre früher erfunden worden wäre und das in Deutschland, dann… Technik ist nicht per se etwas schlechtes, ob wir jedoch das technisch Machbare auch mit den gegenwärtigen Mitteln der Vernunft einholen können, bleibt unbeantwortet. Die Teleologien der post-, trans- oder Was-auch-immer-Humanisten jedenfalls verlieren über ihre Idealvorstellungen hinaus, die Bodenhaftung. Metaphysische Zielsetzungen lassen vergessen, dass das Sein immer noch ungeklärt vor ihren Füßen liegt. Warum sollte ein bevölkertes Universum die viel dringendere Sinnfrage nach dem Sein lösen? Ich gehe zwar nicht soweit wie Habermas und bezeichne Science Fiction als Jugendträume pubertierender Philsophen, denn ich lasse mich gerne von den Fragen des Menschenmöglichen faszinieren, lehne aber eine biologische Steigerungsinterpretation von zum Beispiel Nietzsches Lehre vom Übermenschen ab.

“Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr getan, ihn zu überwinden?” (Friedrich Nietzsche “Also sprach Zarathustra”)

Ob die Überwindung des Menschen hier als eine technische Bestückung des Humanum beziehungsweise eine Humanisierung des Universums gemeint ist oder aber die Überwindung als ein Aufstieg zur Moral interpretiert wird, unterscheidet zwischen naivem Science-Fiction und ernstzunehmender Zukunftsforschung. Naiv an die Wunder der Technik zu glauben jedenfalls, halte ich nicht für den Weg. Dennoch aber zu fragen, ob wir mit der Technik nicht zu einer besseren Gesellschaft im Rahmen des Moralischen kommen können, ist für mich ein wesentliches Element einer jeden Vernunft.

Was kann Technik bewirken?

Wenn wir den Menschen also als eine Puppe betrachten, die durchstoßen werden muss, so müssen wir sehr wohl auch fragen, ob wir uns mit dem Durchstoßen nicht selbst auch verlieren, vielleicht religiös betrachtet, einen letzten Seinsfunken in uns auslöschen und das Feuer der Seele, das sich vielleicht in uns gefangen hat, durch ein barbarisches System ersticken. Die Risiken, und da hat Habermas wohl recht, sind groß.

Die Metapher der zu durchstoßenden Puppe jedoch bringt uns zurück zu der Zukunftsmusik, die alle 80 Jährigen mit schlecht funktionierender, künstlicher Hüfte hoffen lässt: Steve Austin, astronaut, a man barely alive, eine alte Actionfigur aus den 70er Jahren mit künstlichen Beinen. Dennoch 60 Meilen pro Stunde in der Spitze würde Usain Bolt mit 4 Sekunden auf 100 Metern wie eine Schnecke zurücklassen.

schaut euch einfach an, wie Bolt schon vor dem Sieg feiert ;)

Steve Austin ist aber tatsächlich eine Puppe aus der Mottenkiste, eine abgewetzte Spielfigur der 70er. Dennoch kämpft er als ewig Laufender für das Gute, eine Zielbestimmung, die sich aus keiner Technik ableiten lässt, ein Gedanke, der nur aus Freiheit hervorgebracht werden kann. Daher bewundern wir Steve Austin immer noch.

Wie steht es also mit der Prothetisierung der Menschen? Steve Austin, der Mann mit der künstlichen Hüfte und den bionischen Beinen würde zumindest jede Paralympics gewinnen. Und womöglich werden wir Zukunft bei Behindertensportarten bessere Leistungen sehen, als bei Olympia. Dies ist wohl die erste Veränderung, der wir entgegen gehen. Wann werden also die ersten Menschen ihre Beine abnehmen lassen, um bessere Beine zu bekommen?

Egal, denn wer hätte etwas dagegen, wenn es so ästhetisch aussieht wie bei Steve Austin. Also bis zum nächsten mal und unten im Kasten den Blog abonnieren und bitte weiterempfehlen.

Die Philosophie der Automatisierung – Grenzen des automatischen Bloggens

17. September 2011
Steel Vertorama

Spionageaufnahme der ersten Blogmaschine (CC_Foto: Marty.FM)

Mit der richtigen Internetphilosophie lassen sich Milliarden verdienen, zumindest wenn jemand die Infrastruktur erfindet, auf die alle angewiesen sind. So mit Sicherheit geschehen bei dem Facebookgründer, Marc Zuckerberg. Durch geschickte Deprivatisierung privatisierte der amerikanische Privatmann das Private. Ein philosophisch dialektischer Geniestreich. Da erhält einer Milliarden, weil er eine billige Plattform zur richtigen Zeit auf den richtigen Kasten bringt. Auch Google muss schließlich mit dem neuen GooglePlus in die Philosophie des Social Networkings vorstoßen, um sich hier nicht alle Butter vom Brot nehmen zu lassen. Es geht dennoch ganz unphilosophisch um das Schnöde, das Geld.

Netzwerkerphilosophie

Social Networking ist zu einer Kernkompetenz von Websitebetreibern geworden. Wer es schließlich in den Google-Suchlisten nicht nach ganz oben schafft, der bekommt vielleicht Besucher über dir richtige Netzwerkphilosophie. Dieser Wunsch nach Verdiensten verändert ähnlich wie Facebook die Netzstruktur. Die Grenzfrage ist: Wie nachhaltig?

Grenzen des Internets

Das Internet bedient mit den neueren Verdienstmöglichkeiten einen Goldrausch. So zum Beispiel im Falle des Affiliate-Marketings, hier bekommt ein Seitenbetreiber Provision, wenn sich ein Interessent für ein von ihm beworbenes Produkt auf einer verlinkten Seite entscheidet. So investieren mittlerweile viele Schüler mit inhaltsleeren Mode- und Fotoblogs, Techniknerds, Babyinhaber oder andere Freizeitbesitzer kräftig in den Aufbau einer eigenen Bloglandschaft, wo sie dann allerlei Produkte an andere Nutzer weiterempfehlen. Philosophie des Hirnlosbloggens ist das teilweise. In dem unentdeckten Land des Sozialen kann noch tiefer noch Gold gegraben werden, als Zuckerberg und Google das schon taten. So vernetzen sich die Seitenbetreiber, gründen Facebook-Fan-Pages, twittern oder nutzen andere “Tools” zum Aufbau ihrer Popularität. Dabei entsteht neben Facebook und Google eine weitere Infrastruktur des Netzes. Die Philosophie lautet: “Blogge und werde reich!” Vielleicht sind hierbei nicht die großen Goldbrocken zu entdecken, aber vielleicht, so lautet das Ziel vieler Netz-Entrepreneurs, ein Nugget in Form einer passiven Einkommensquelle. Aus diesem Grund geht der Pioniergeist soweit, dass erstmal jedes Areal abgesteckt und abgegrenzt werden muss. Die Fahndung nach Nischensuchwörtern für Google läuft. Das Areal könnte ja fruchtbares Ackerland bieten, vielleicht Bodenschätze beherbergen oder sogar eine Ölquelle sein. Diese Suchbewegungen von Netzgoldgräber zwingen bereits zur Regulationen, so müssen beispielsweise für das Beantragen einer neuen Domain mit den Folgezeichen wie zum Beispiel “hamburg” Schutzgebühren von bis zu 100.000 Euro erhoben werden. Der Traum ist klar, warum sich im Fluss der Realität die Hände bei der Goldsuche schmutzig machen, wenn die Nuggets in den Internetflatlands verborgen liegen und vom heimischen Computer aus gesucht werden können. Bloggervorbilder werben dabei mit der 4 Stunden-Wochen-Philosophie. Das Ziel: Mit geschickter PR sein Leben bezahlen lassen, indem der Blogger schließlich einfach nur darüber berichtet, wie er Produkte benutzt und frei ist. Wer letztlich die Zeche zahlt ist kein Teil dieser Halbschuhphilosophie.

Geld verdienen mit dem Geldverdienen (Eine philosophische Meditation über die Leere?)

Auf der Suche nach der passenden Hängematte, bieten die Blogger dabei selten Mehrwert. Ohnehin verdienen die meisten Blogs damit Geld, indem sie anderen erklären, wie mit Blogs Geld zu verdienen sei. Peer Wandiger mit selbstständig im Netz ist hier womöglich ein gutes Beispiel. Zu erzählen wie mit Berichten über Geld verdienen, Geld zu verdienen ist, da dreht sich schon manche Gedankenschraube im Hirn. Es ist doch eigentlich schon merkwürdig, wenn ich einen Blog darüber schreiben würde, wie wir philosophieren oder? Den Vorwurf machte schon der Philosoph Hegel an den Philosophen Kant. Wir müssen beginnen. Gut Peer Wandiger verdient. Wenn aber das Geld nur in den Kreisläufen des Sinnlos-Bloggens verbleibt, so hat davon wohl niemand etwas. Aussichtsreich ist das Bloggen daher noch nicht. Bloggerrevolutionen sind das eine, Blogunternehmer, die nur das Bloggen als Bloggen preisen, das andere. Früher – so habe ich mir sagen lassen – ist der Mensch für sein Geld arbeiten gegangen. Heute denkt er nach und glaubt, dass mit genügend Grips die Welt schon für ihn arbeitet. Wenigen ist klar, dass das immer nur für Wenige gelten kann. Sie fragen nicht wer dabei am Ende notwendig der Dumme sein muss.

Das Leben eines Netzphilosophen

Wie sieht aber der Alltag eines Netzphilosophen des Sinnlosbloggens aus, wenn er denn seinen Blog aufbaut, um reich zu werden? Wir fassen mal die wichtigsten Schlagwörter zusammen:

Wenn ein Netzphilosoph Leute auf seinem Blog haben will, dann sagt er nicht etwa Besucher werben, sondern da wird vor allem etwas generiert (dieses Wort ist mittlerweile so populär geworden, dass auch Politiker mit dieser Wortpatronenhülse um sich schießen). Was generiert der Netzphilosoph dabei? Genau, nicht etwa Besucherströme, sondern Traffic. Was der Netzphilosoph dazu tun muss, ist vor allem einerseits “unique Content” zu veröffentlichen, was im Wesentlichen bedeutet, dass er einzigartige Inhalte produziert. Allein in seinem Stübchen Inhalte zu produzieren reicht aber nicht, deswegen muss der Netzphilosoph andererseits seine Seite an die Googlesuche anpassen, auf Bloggish heißt das dann SEO-optimieren, wobei SEO schon Search-Engine-Optimization heißt. Diese aber zu optimieren, ist sicher auch nicht verkehrt, also heißt es seo-optimieren. Zur SEO gehört es auch entsprechende Linkbuilding-Strategien einzusetzen, was bedeutet, dass der Netzphilosoph von anderen Netzphilosophen, die dieselbe Sinnlosigkeit verfolgen, erhöhrt wird und ihn dann mit einem Link würdigen. Geschieht das, erhält der Netzphilosoph sodann einen lieben Backlink. Die Backlinks pushen ihn wiederum bei Google nach oben, was ihm vielleicht mehr Leser verschafft, die dann umgekehrt ein Social Bookmark setzen, was heißt, dass die Nutzer es auf Netzwerken wie Facebook anderen Nutzern empfehlen. Hat der Netzphilosoph schließlich genug Traffic mit solchen Site-Boosts generiert, entschließt er sich endlich seine Seite zu monetarisieren. Das heißt einfach, er will damit Geld verdienen (überraschenderweise hat sich nicht die kürzere Redeweise des Monetisierens durchgesetzt). Verdient er ein bisschen Geld, will der Netzphilosoph im Verhältnis zu den Besuchern immer mehr Geld durch die Besuche. Dies bedeutet dann, er erhöht die Konversionsrate. Schließlich, wenn der Netzphilosoph all diese Dinge erreicht und sein Reich der Leere entfaltet hat, möchte der er den Blog soweit wie möglich outsourcen (billige 400-Euro-Netzphilosophen einstellen) oder aber seinen Blog automatisieren und hier wird es interessant, denn auf einmal entscheidet sich der Netzphilosph, dass das Internet mit seiner Infrastruktur für ihn arbeiten soll. Und hier wird das Ommmmmmm, die Leere, der Netzphilosophen unendlich, denn nun soll das Internet die hohle Phrase der Netzphilosophie  reproduzieren. Wie man mit Bloggen über das Bloggen blogg, wenn man bloggt.

Blogautomatisierung – eine Philosophie für das Hohle

Das Stichwort heißt Blogautomatisierung. Der Blogger will dabei natürlich alle Tätigkeit für seinen Blog auslagern. Den unique Content lässt er dann von billigen Schreiber produzieren, während er das Geld für die Arbeit einnimmt, da er ja die Idee hatte und er schließlich auch das Risiko trage. Ohne den Alpha-Blogger würde es ohnehin diesen Blog nicht geben. Blogautomatisierung heißt aber auch, dass der Blog über bestimmte Werkzeuge im Internet auf allen SocialNetworks ohne viel Arbeit verbreitet wird.

Viele Blogger hoffen insgeheim, dass sich die nächtlichen Stunden vor den Texten auszahlen. Doch hier kommt die Crux: Mittlerweile gibt es Blogs, die vollkommen automatisiert erstellt werden. Dabei wird das Internet durchforscht und auf eigenen Blogs veröffentlicht. Ich hatte in dieser Hinsicht auch schon das Glück, dass ich viele Teile meines Blogs www.entgrenzen.de auf Englisch (mit schlechter Google-Übersetzung) entdecken durfte, ohne dass meine Urheberrechte angegeben worden sind.

Zu welchen Grenzen der Netzphilosophie driften wir also? Die Automatisierung des Internets geht weiter. Wenn Computer uns jetzt schon bei Jeopardy schlagen und schon teilweise generierte Texte im Internet verbreiten, ist folgende Frage nicht mehr ganz so stupide: Wie lange wird es dauern bis Computer Inhalte so schnell und so vielfältig genieren, dass diese damit das Internet dominieren? Nein, das passiert nicht, weil immer noch die Wirklichkeit des Bloggers im Mittelpunkt steht. Dennoch: Wenn wir mal schauen, welche dämlichen Codes wir überall eingeben müssen, nur damit wir einen Kommentar oder ähnliches veröffentlichen können und nicht Spamroboter alles verunübersichtlichen, dann fragt sich einerseits ganz simpel, wie lange wird es dauern bis auch diese Codes geknackt sind und heißt noch mehr: Vielleicht ist die Ausbildung zum Texter aller Art heute schon hoffnungslos veraltet, da Computer in 20 bis 30 Jahren diese Aufgabe ganz übernehmen oder – um näher am Thema zu bleiben – das Internet so automatisiert worden ist, dass wir einfach nur noch in einer Textschwämme den Bezug zu den richtigen Bloggern nicht finden werden. Auch dann mag es andere Lösungen geben, aber die neue Unübersichtlichkeit geht mit dem Bloggen in eine neue Richtung. Was der Philosoph Habermas noch in den 80ern als die neue Unübersichtlichkeit bezeichnete, greift hier wohl erneut.


Der ein oder andere mag mich nun als realitätsfern schimpfen, aber wie auch lange Zeit behauptet worden ist, dass noch keine bedeutende Neuerung in einer Schacheröffnung von einem Computer entdeckt worden ist (was schon lange geschehen ist) und dieses nicht ohne Weiteres möglich sei, so kann jetzt behauptet werden, dass ein automatisiertes Internet nicht möglich sei. Was vielleicht noch wilde Verschwörungstheorie ist, muss aber nicht abwegig sein. Ich rede von Maschinen, die kreative Jobs  übernehmen. Nein, ich mahne nicht weltfremd davor, aber die Wünsche der Blogger, die gerne alles automatisieren deuten dort hin und die ersten Automatikblogs drängen schon in diese merkwürdige Richtung. Unique Content ist vielleicht bald der tippende Affe (Computer) auf einer Schreibmaschine, der auch mal hin und wieder einen Shakespeare erwischt.

Norman Schultz

Grenzen des Sports – Philosophie der Selbststeigerung

26. August 2011

Das waren ungefähr 52 Meter. Tatsächlich werden andere Springer als Weltrekordhalter gelistet, wobei hier anzumerken ist, dass diese sich die Beine brachen. Viele glauben ja, das Problem sei die Wasseroberfläche und der Mensch müsste nur geschmeidig in die Wassermenge eindringen. Tatsächlich aber ist das Problem, dass der Springer das Wasser auch verdrängen muss, das Wasser hat dafür aber eine zu hohe Dichte. Je höher die Geschwindigkeit desto mehr wirkt sich die Wassermasse auf den Körper aus. Die Luft drückt es beispielsweise aus den Lungen, so dass Ohnmacht und Ertrinken auch keine Seltenheit sind. Bei 50 Metern muss der Springer von mehr als 100 km/h auf 0 reduzieren, was bei der Verdrängung des Wassers eine enorme Belastung für den Körper darstellt. Daher halte ich auch nur einen Weltrekord für bemerkenswert, wenn dieser ohne Verletzungen erfolgt wie bei Dana Kunze. Die englische Wikipedia hingegen zitiert den Fall von Harry Froboess, der angeblich aus 110 Metern von einem Zeppelin aus in den Bodensee gesprungen sei und damit immer noch im Guinessbuch der Rekorde gezählt werde:

Friedrich Harald August Froboess (1899 – 1985) born on 10.23.1899 in Dresden, Germany, was a German stunt diver, and high diver. Diving from an early age, his mother taught him to be a “jumping fish” and his father taught him gymnastics. Froboess won many championships. He did stunt doubling for many stars in silent film. In the end he could only compete with himself jumping from higher and higher bridges and towers into water, finally culminating in a jumped 361 feet (110 m) into Lake Constance from the airship Graf Hindenburg on June 22, 1936. This record still stands in the Guinness book of records. http://en.wikipedia.org/wiki/Harry_Froboess

Ich halte diesen Sprung für sehr unwahrscheinlich, allerdings lehrt die Seite wiki-how wie Stürze aus Höhen von 25 bis 75 Metern zu überleben seien. Bei der Anleitung irritiert mich Punkt 5, der vor allem empfiehlt “Relax!” Interessant ist auch, dass es eher wahrscheinlich ist, einen Sturz auf Land als auf Wasser aus unwahrscheinlichen Höhen zu überleben. Von den vielen Überlebenden solcher Stürze ist übrigens auch bekannt, dass die Mehrzahl der Selbstmörder es sich während des Sturzes nochmal anders überlegt.

Crater Lake

Sprünge aus hoher Höhe überleben? Foto: Andy Spearing

Lese ich diese Empfehlungen so kann ich mir wieder vorstellen, dass Frohbös tatsächlich diesen Sprung durchgeführt und überlebt hat. Dennoch sind die Grenzen des menschlichen Körpers weitesgehend ausgereizt, was sich auch darin zeigt, dass der Rekord im High Diving seit nunmehr 20 Jahren Bestand hat. Für die Philosophie des Sport kann die Augmentation des Höher, Schneller, Weiter daher nicht gelten, es sei denn Doping und bioprothetische Aufstockung gehört zur Philosophie eines Spitzensportlers. Unvorstellbar, dass sich Gesunde darauf einlassen. Wohl allein die Paralympics werden hier auftrumpfen. Es fragt sich nur, warum sich “Behinderte” in Zukunft die doch begrenzten Werkzeuge des Menschen bereitstellen lassen werden. Wie es auch schon Affen mit drei Armen gibt, werden hier wohl noch einige Überraschungen ins Haus stehen. Dem begrenzen Gedanken, dass nur Arme und Beine ersetzt werden, hatte ich ja schon in meinem letzten Artikel zur Philosophie der Prothetisierung eine denkbare Philosophie des Entgrenzens zur Seite gestellt, auch wenn dies durchaus kritisch geschah.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und nach wie vor würde ich mich freuen, wenn ihr den Artikel weiter gefällt, so er denn gefallen hat.

Norman Schultz

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Philosophie der biologisch-technischen Entgrenzung – weitere Gedanken zur Prothetisierung und Augmentation

26. August 2011

Das Video erhebt schlussendlich die Erfahrung zur neuen Realität. Das ist natürlich philosophisch betrachtet Unfug, da Erfahrungen gepaart mit dem Denken bereits Realität bilden und es ohne überhaupt keine Erkenntnis geben würde. Die Idee allerdings, dass Erfahrungen verkauft werden, erweist sich als interessant, inwiefern diese Erfahrungsverkäufe sich aber von simplen Drogendeals unterscheiden sollten, eröffnet der Film nicht. Ohnehin besteht die menschliche Lebensqualität nicht unbedingt darin, auf einer Vergangenheit als Traumkissen zu ruhen, sondern besteht in der menschlichen Freiheit, sich für verschiedene Zukunften entscheiden zu können. Drogen geben diese Möglichkeit nicht.

Entgrenzen der menschlichen Ausstattung (Prothetisierung)

Allerdings ist es auch schwierig über die Zukunft nachzudenken. Das Internet ist so zum Beispiel in den stolzesten Zukunftsvisionen der 50er nicht in Ansätzen aufgetaucht. Es lassen sich viele Dinge andenken, ob wir aber die Zukunft, welche der Philosoph Aristoteles als das grenzenlose Meer, das von keinen Pflöcken begrenzbar sei, ertasten, ist eine Frage, die nur in der Zeit ihre Antwort finden kann. Dennoch können wir mutmaßen, dass die Entgrenzen ganz andere Level erreichen werden. Bedenken wir die Entgrenzungen der plastischen Chirurgie und der verlorenen Furcht vor dem Skalpell, dann erscheint es schnell plausibel, dass sich die Fragen nach der menschlichen Konstitution verändern werden. So gibt es mittlerweile einen Menschen, der sich freiwillig die Hand hat abnehmen lassen hat, um eine bionische Hand zu erhalten.

Die Szenarien der 90er verwiesen ja noch auf einen Kampf zwischen Maschinen und Menschen. Die Gegenüberstellung zwischen einer entgrenzten Entwicklung der Maschinen und deren künstlicher Intelligenz kulminiert im damaligen Zukunftsdenken schließlich in einer letzten Schlacht. Die Dystopie erzählt von dem Drama, dass der Mensch aus seinem Lebensprinzip heraus, aus seiner einzigen Freiheit, eine Gewalt entwirft, die ihm sonst immer nur als Natur gegenüberstand. Die Unberechenbarkeit besteht in den nur kalkulierenden und rechnenden Maschinen, die der Mensch selbst entwickelte. Während in früheren Generationen noch die Natur der unbekannte Dämon war, so sind es in den 90ern die Maschinen, die einfach nur den Menschen vernichten wollen.

Aber warum will die Maschine vernichten? Warum die Biologie aus der Materie verdrängen? Nur um dann bis in alle Ewigkeit mit sich selbst Schach zu spielen? Ist die Frage nach der Zukunft nicht viel eher die Frage nach bereits erwähnter technisch-biologischer Verschmelzung?  So verfasste Susan Blackmore, bekannte Memforscherin, doch Folgendes:

“Überall um uns herum vermehren sich Techno- Meme und bereiten sich darauf vor, die Kontrolle zu übernehmen. Sie selbst wissen es nicht, denn sie sind einfach egoistische Replikatoren, und sie tun, was alle egoistischen Replikatoren tun: Sie lassen sich kopieren, wo immer und wann immer es geht, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen.”

Ahnungslose Blogger automatisieren bereits ihre Blogs, um das Web mit Informationen zu überschwemmen. Selbst dieser Blog wurde bereits auf English publiziert, ohne meine Erlaubnis. Es wird Content von Roboterarmeen produziert, von Programmen, die vernetzen und sinnlos vor sich hinbloggen. Nicht ohne Grund müsst ihr bereits überall diese Sicherheitsabfragen eingeben. Dennoch wird es kein Kampf zwischen Mensch und Maschine werden, denn die letzte Sinndimension hält noch der Mensch als Schöpfer aus Freiheit. In Ahnlehnung an Dawkins‘ Theorie von den Memen (das sind kulturelle Minimalinformationen, die allein durch Anwesenheit überleben – Beethovens erste Motivgruppe der fünften Synfonie zählt beispielsweise dazu) entwickelt Blackmore den Gedanken der Teme.

Blackmore sieht bereits das Zusammenspiel von Temen, Memen und Genen voraus. Daher ist es wahrscheinlicher, dass Menschen sich zu einer Symbiose mit Maschinen erweitern und die biologischen Grenzen zu geteiltem Wissen im Netz erweitern. Die Entgrenzung erfolgt daher in beide Richtung: sowohl in die technische als auch in die biologische Richtung. Die Freiheit des Menschen gewinnt mit der zunehmenden Kontrolle der Kausalität zunehmend mehr Spielräume im Universums bleibt aber auf das Universum zurückverwiesen. Das Universum gewinnt sich zunehmend am Menschen.

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Die Zukunft der Menschen? (Foto: steevithak)

Wie muss die Entgrenzung aber gedacht werden? Ist es eine bloße Replikation von Körperorganen, die den Organen selbst nachgeahmt werden oder steuern wir auf eine Welt der Individualkörper zu? Es ist gut denkbar, dass die angestammte Menschästhetik nicht alle Individuen als notwendig schön erachten, so beobachten wir ja auch vollständige Körpertätowierungen, die der Unfreiheit der menschlichen Haut ein ästhetisch künstliches Pendant entgegen setzen. Kugeln, die sich Menschen unter die Haut transplantieren und körperfeindliche Selbstverstümmlungsrituale offenbaren Wünsche, sich von fleischigen Manteln in Entgrenzung zu entledigen. Und hatte nicht auch schon Hugo Ball seine öffentliche Selbstverstümmlung als Entgrenzung des menschlichen Geistes gefeiert? Seine Philosophie lautete “Mit dem Herz auf der Stirn und der Tinte unter Haut”. Entgrenzen wir also schließlich mit der modernen Bionik die Sinne?

In einem Forum zur Frage was Blindheit sei, erklärte ein Blinder, was für ihn Sehen bedeute. Hinter seiner Blindheit dürften wir so keine schwarze Leere vermuten. Er erklärt, dass wir versuchen sollten, durch unseren Hinterkopf zu sehen. Was sehen wir also dabei? Dies wäre die Erfahrung eines Blinden. Und so müssen wir überlegen, dass unsere sinnliche Erfahrung entgrenzbar ist. Stellt euch vor, ihr habt nochmal ein drittes Auge und dann noch eine Auge und insgesamt einen Zirkel an Augen um euren Kopf herum. In der Folge Augen, die das Internet als Gegenwartsbewusstsein seiner selbst besitzt – überall. Nehmen wir an, eure gesamte Sinnlichkeit würde sich bewusst auf EINE räumliche Welt beziehen und diese Welt hätte keine Grenzen. Diese spezifische Welt wäre keine genuin menschliche mehr, aber vielleicht dem Wesen des menschlichen Geistes, der menschlichen Philosophie gemäß? Die Welt würde Wille werden. Ohne philosophisch-ethische Bedenken sind diese Gedanken nicht durchführbar (Dies war das Thema meiner Magisterarbeit). Sollen wir uns letztlich entgrenzen? Ist es vielleicht schließlich nur Lebensglück, das uns bestimmen sollte? Sollten wir in einer Philosophie der Enthaltsamkeit uns wieder um Lagerfeuer versammeln und in Höhlen wohnen? Ich glaube kaum und schließe daher mit Schopenhauer:

„Ein glückliches Leben ist unmöglich: das Höchste, was der Mensch erlangen kann, ist ein heroischer Lebenslauf.“ (Artur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung)

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Vielen Dank

Norman Schultz

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Grenzen des Körpers – Philosophie der Prothetisierung

22. August 2011


Es heißt, wenn die Frau aus den 70ern Steve Austin laufen sah, brauchte sie sofort eine Zigarette. Heute ist der 6 Millionen Mann als eine Ikone des Laufens in Zeitlupe bekannt. Steve Austin läuft an den Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit. Wenn wir früher auf dem Schulhof miteinander rangelten, dann machten wir immer die obligatorisch futuristischen Geräusche, die stets den Gebrauch seiner bionischen Körperteile begleiteten: »TCHtchtchtch TCHtchtchtch«. Allein diese Studien zum Gebrauch von Bionik haben sich in unser kollektives Gedächtnis gebrannt. Aber noch mal zur Erinnerung: Wer war Steve Austin überhaupt?

Steve Austin, astronaut, a man barely alive. Gentleman! We can REBUILT him. We have the technology. We have the capabality to make the worlds FIRST Bionic man, Steve Austin will BE that man, better then he was before … BETTER! STRONGER! FASTER!

Nach einem lebensbedrohlichen Absturz hat Steve Austin schwere Verletzungen erlitten, doch anstatt ihm ein eingegrenztes Leben zuzumuten, entscheidet sich das amerikanische Militär, Steve Austin zu einem Cyborg erster Güte umzurüsten. Die Beine, der rechte Arm und sein Auge werden durch bionische Körperteile ersetzt und machen ihn zu einer unbesiegbaren Waffe, die nun als 6 Millionen Dollar Mann durch die 70er Jahre läuft.

Günstig, Günstig – Die 6 Millionen Dollar Familie (Bionik mit Rabatt)

„Moment mal!“ schießt es einem dabei durch den Kopf. „6 Millionen Dollar?“ Selbst wenn wir einen Inflationsrechner bemühen, dann würde Steve Austin heute 24 Millionen Dollar kosten, kaum vorstellbar bei den Preisen für künstliche Hüften schon. Doch tatsächlich, es geht noch billiger:

Eine ganze Familie also mit bionischer Ausstattung und das zum Schnäppchenpreis von 6 Millionen Dollar. Da fragt man sich doch, von welchem Trödelmarkt diese Teile zusammengekauft wurden. Hier das ganze noch mal wegen der guten Musik auf English:

Eines ist jedenfalls klar, die amerikanische Krankenversicherung ist dafür nicht aufgekommen. Zu dem Preis muss der „geniale Wissenschaftler“ wirklich genial gewesen sein. Er generierte mit den Mitteln und Möglichkeiten eine unschlagbare Elitekampftruppe. Nicht auszudenken, was er mit den 300 Milliarden Etat für die Verteidigung der USA anstellen würde.

Prothetisierung des Menschen (die Grenze der Körperphilosophien)

I am a cyborg

Gut, was soll das Ganze jetzt? An der Sache ist nun interessant, wie unbedarft wir eigentlich mit der Prothetisierung des Menschen umgehen. Im Grunde genommen fragt sich doch, inwiefern der Mensch eigentlich noch Mensch ist, wenn sein gesamter Körper einem Austausch von technischen Apparaturen zum Opfer gefallen ist oder überhaupt was von der äußeren Natur verändert werden kann, ohne die innnere Natur zu gefährden.

Soviel zur Klärung: Im Fall von Steve Austin und den Bionic Six haben wir es noch mit Cyborgs zu tun, die je nach dieser Definition übrigens 10% der heutigen amerikanischen Bevölkerung ausmachen (Siehe Hayles, K.: The Life Cycle of Cyborgs: Writing the Posthuman. In: Chris Hables Gray (Hrsg.): The Cyborg Handbook. New York/London 1995: 321–335). Wirklich schockierend ist das nicht. Demgegenüber aber waren die Bösen dieser Serien dann immer durch Androiden verkörpert, also reinen Robotern, die jedoch meist kaum mehr von Menschen zu unterscheiden waren. Der Terminator von James Cameron etwa symbolisierte die “Schreckensphantasie” einer gewissenlosen, gnadenlosen Kampfmaschine ohne moralischen Sinn, aber doch in Menschengestalt. Der philosophisch-moralische Gedanke, der sich hier verbirgt, ist der: So lange noch ein Mensch, die Apparaturen unter Kontrolle hat, die Technik nicht ihr Eigenleben entwickelt, kann die Welt funktionieren. Die simple Unterscheidung lautet: Gut ist der Mensch, die Technik aber Böse. So war auch der schockierenste Moment der 70er folgende 6-Millionen-Dollar-Mann-Episode:

Neben der grandiosen Musik von damals schauen wir uns den lächerlichen Kampf mit den weit ausholenden Schlägen der 70er an. Dennoch die Szene zählte damals zu den „high shocking moments“ wie aus einigen Kommentaren hervorgeht. Zum Beispiel:
“The episode where Steve knocks off the robot’s face was a very disturbing scene back in 1974 and scared me to death.”, “I literally panicked when I saw the faceless robot.” oder “I was just a tot when this aired but I remember having all sorts of faceless people in my dreams after watching that.”

Die gesichtslose Technik als Bedrohung

Die aufkommende Panik legt eine tiefe Verknüpfung zu unserem Gattungsverständnis nahe. Gesichtslose Roboter, die uns bis in die Träume hinein verfolgen, können doch nur Böses wollen, das heißt nicht nur uns, sondern uns als Menschen überhaupt vernichten. Gesichtslose Roboter sind nämlich bedrohlich, weil sie keine Menschen mehr sind. Sie haben nicht mal mehr Gesichter als Identifikationsflächen.

Welche unterschwelligen Minderwertigkeitsgefühle werden wohl transportiert, wenn wir einer größeren Macht hilflos unterlegen wären? So zehrt zum Beispiel Steven Spielgbergs Film “War of the Worlds” gerade doch davon, dass die Menschen mit all ihrer Technologie hilflos gegenüber einer anonymen (gesichtslosen), außerirdischen Macht stehen. Die Menschen werden ohne überhaupt zu erfahren warum, einfach nur vernichtet.

Die Philosophie der bedrohlichen Übertreibung aus der Zukunft

Die Serie “6 Million Dollar Man” versuchte diesen Status des spektakulär, befremdlich Futuristischen aufrecht zu erhalten und brachte immer abstrusere Geschichten hervor. Im Folgenden kann ich daher auch nicht den wohl abgedrehtesten Plot der Filmgeschichte vorenthalten:

Steve Austin verteidigt sich gegen Verdächtigungen. Außerirdische, die seit 250 Jahren hier seien, hätten sein Gedächtnis gelöscht und würden mit einem Augenblinzeln durch die Zeit reisen, nebenbei haben sie Big Foot entführt. Sie wollen Big Foot benutzen, um ein energetisches Schutzschild zu bauen. Darüberhinaus verabreichten sie Steve eine Wunderdroge (Neotraxin), was alle Krankheiten heilen kann. Zudem haben sie den Boran 3 gestohlen, der soweit ich mich erinnere, ein gefährlicher Super-Panzer war. Ach, ich will diesen super-abstrusen Brei nicht erklären. Seht selbst! Nur so viel voraus in der Grundschule ergab das alles Sinn:

Die Serie war im Übrigen viel erfolgreicher als Raumschiff Enterprise, die bereits nach 3 Jahren wegen mangelnder Quoten abgesetzt worden war. Die Absurdität hatte damals Konjunktur (was ich für heute auch nicht unbedingt leugnen will). Was mit den Science-Fiction-Serien aufkam, war die Idee, dass wenn wir aufgrund unserer Natur bestimmte Grenzen nicht überkommen können, dann doch wohl durch eine technische Ausstattung, die wir uns direkt implantieren. Die Philosophie der Prothetisierung war geboren. Damals machte ja noch die erste Herztransplantation Furore, die den Chirurgen in Amerika selbst zum Superstar werden ließ. Auch die künstliche Befruchtung gehörte neuerdings zum technisch Machbaren und daher zum medizinischen Inventar. Dementsprechend weit und ohne viel Beachtung von philosophisch-ethischen Aspekten gingen daher die Autoren auch mit einem meiner Lieblingscharakter vor: Dem Coolsten Typen überhaupt Goose von den GALAXY RANGERS:

Galaxy Rangers English

Galaxy Rangers Deutsch

Dass Shane Gooseman als genetische produzierte Lebensform aus dem Erbmaterial von Menschen gewonnen worden war, hatte damals kein Aufsehen erregt. Und es war eine Kindersendung. Goose entstammte einem genetischen Experiment der Regierung. Dabei konnte er sich vor einer Vergasung, die die Mutation bei den “Testobjekten” beschleunigen sollte, in Sicherheit bringen. Die anderen Testobjekte waren danach stärker, was ihre Fähigkeiten anbelangte, aber auch aggressiver und damit für das Militär nutzlos. Goose kam frei unter der Auflage, einer Spezialeinheit, den Galaxy Rangers, zu helfen, die neuen Grenzen der Galaxis zu verteidigen und die anderen Versuchsobjekte in die Gefangenschaft zu übergeben (die im Übrigen aus Einfrosten bestand). Goose, als genetisch überlegen, konnte nun seine äußere Gestalt kontrollieren und sich an die unterschiedlichsten lebensfeindlichen Milieus anpassen. Er konnte vor allem eine schier unbesiegbare Gestalt annehmen.

Philosophisch-Ethische Bedenken?

Wenn wir früher auf dem Schulhof wählten, wer wir denn von den Galaxy Rangers sein wollten, so wählten wir stets Goose, ohne überhaupt ethische Bedenken zu haben. Genetische Veränderung? Pah! Na klar, wollten wir diese haben. Warum nicht von seinen Eltern besser ausgestattet werden und schneller, höher, weiter kommen als alle anderen? Stattdessen haben wir einiges an Erbkrankheiten, krumme Nasen und Beine erhalten.

In meinem anderen Beitrag zur Die Stellung der Philosophie gegen Prothetisierung und genetisches Entgrenzen beleuchte ich die ethische Dimension dieser Fragestellung. Vor allem das Argument von Jürgen Habermas gegen genetische Modifikation und pränatale Selektion spielt dort eine Rolle.

Vielen Dank und abonniert, wenn ihr möchtet meinen Blog.

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