Schicksalsphilosophien von Manager – Grenzen zwischen Zufall und Notwendigkeit – (Teil Zwei)

In einem meiner Beitr√§ge hatte ich ja bereits √ľber das Grenzen zwischen¬†Zufall und Notwendigkeit im eigenen Lebensschicksal aus philosophischer Perspektive geschrieben. Wir k√∂nnen den Lottogewinn nicht einfach in das Reich der statistischen Unm√∂glichkeit verbannen, denn an uns selbst k√∂nnte sich der Zufall ja materialisieren. Insofern ist es nicht irrational auf das Beste zu hoffen, sondern Teil einer wahren Philosophie. Wie gro√ü ist aber nun unser Beitrag dazu?

Montag:          Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Dienstag:        Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Mittwoch:      Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Donnerstag:  Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.

Es vergingen Jahre des Betens bis mich irgendwann eine Stimme wie aus einem jenseitigen Off anfuhr: ‚ÄěDann spiel doch endlich Lotto!‚Äú

Wie also verstehen wir unser Lebensschicksal aus philosophischer Perspektive? Ist es Zufall oder Notwendigkeit, was uns zustößt und widerfährt?

Hufeland 1797

Der Faden des Schicksals - Von wem wird er abgeschnitten?

Ist der Mensch eine gewebte Textur aus den Str√§ngen des Universums, ein Lebensfaden, der uns aus dem Unverf√ľgbaren (unbegrenzten) uns gegeben ist? Und ist der Mensch, der wir sind, ebenso unverf√ľgbar mit all sein vermeintlich freien Entscheidungen, die wir eben nur vermeintlich frei nennen? Sind wir also nur Beobachter unseres eigenen Lebens und wird irgendwann ohne unser Zutun der Lebensfaden einfach abgeschnitten? Dies sind Fragen, die die Philosophie schon Jahrtausende begleiten und auch deshalb, weil sie immer nur wieder in den Grenzen einer einzelnen Person f√ľr sich philosophischgel√∂st werden k√∂nnen.

Oder sind wir als Menschen, wie der Philosoph Nietzsche es formulierte, das Seil √ľber einem Abgrund, worauf wir zugleich als Hin√ľbergehende das eigene Leben in die eigene Hand nehmen k√∂nnen und unser Lebensschicksal aus eigener Kraft verwirklichen?

Wir sind doch, selbst wenn wir alle unsere Erscheinungen unseres Lebens als notwendig erachten, zu gewissen Graden in Freiheit uns selbst √ľbergeben. Das hei√üt selbst wenn wir vorgeblich philosophisch an den Determinismus glauben, m√ľssen wir uns den ganzen Tag entscheiden und wollen auch von anderen zumindest doch als freie Person behandelt werden. Wir sagen zum Beispiel dem Ober im Restaurant nicht, dass er noch warten soll, bis sich unser Gehirn entscheidet, was wir essen. Dar√ľberhinaus aber k√∂nnen wir gar entscheiden, wann wir unser Leben beenden. Inwiefern dies nun deterministisch in den Genen angelegt sein sollte, ist mir ein R√§tsel.

Gut, die Blicke in unsere philosophisch vorausgesetzte Seele sind uns vom Geröll unserer eigenen Begriffe verstellt. Wir können selbst nicht zuverlässig beurteilen, ob die Denkmöglichkeit unserer Freiheit auch Wirklichkeit ist. Gleichsam setzen wir diese Freiheit ständig voraus, wenn wir uns entscheiden. Vor allem, wenn wir fragen, was wir tun oder wie wir handeln sollen. Gerade hier gehen wir dann ja auch davon aus, dass es gute und schlechte Entscheider gibt. Und glauben wir nicht an diese Entscheider? Es heißt, gerade im Management käme es nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern im richtigen Moment richtig zu entscheiden. Top-Manager sind doch Top-Entscheider. Aber was ist eigentlich unsere elitäre Gemeinschaft aus Entscheidern und Bestimmern? Dieser Frage möchte ich mich im Folgenden widmen.

Top-Manager haben irgendwann ihr eigenes Leben in die Hand genommen. Sie sind Herren ihrer Grenzen. Sie sind uns √ľberlegen, denn sie haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Sie sind Selfmademillion√§re, die immer am Limit, am Rande der Gefahr leben. Sie sind mit ihrem Risikobewusstsein der Wirklichkeit immer einen Schritt voraus. Sie leben aus dem Bauch und dominieren noch den intelligentesten Superschurken.

Aber denken wir kurz nach: Sind Manager wirklich die Besten? Wenn VW einen neuen Top-Manager sucht, wen werden sie aus dem Schwarm der Lebensschicksale herausfischen? Den Besten, so mögen wir unterstellen, denn warum sollte ein Unternehmen nicht tatsächlich den Besten auswählen?

Tatsache ist, dass erfolgreiche Manager nicht die Intelligentesten sein m√ľssen. Schauen wir uns die verschiedenen Biografien an, so haben diese zwar oftmals eine gute Bildungskarriere hinter sich, aber sie selbst z√§hlten zumeist nie zu den Besten (ich muss hier den Einschub machen, dass ich keine empirischen Studien kenne, dieses aber durch Falsifikation der These, dass Top-Manager zugleich die intelligentesten Erdenbewohner sind, an diversen minderwertigen ARD-Talkshows √ľberpr√ľft habe). Aber warum ist Intelligenz nicht wichtig? Intelligenz m√ľsste doch eigentlich die ideale Voraussetzung sein, um ein Unternehmen zu leiten. Nehmen wir an, dass Intelligenz das Verm√∂gen bezeichnet, die Notwendigkeit in der Welt zu erkennen und so die drohenden Folgen abzusch√§tzen, sogleich aus dieser Erkenntnis auch das richtige Handeln umzusetzen, so w√§re dies ja eine ideale Voraussetzung f√ľr Manager. Doch wir machen hier einen ganz entscheidenden Fehler, wenn wir auch nur im Ansatz unserer Gesellschaft vertrauen, dass in diesem Sinne der Beste ausgew√§hlt worden ist. Manager werden n√§mlich nach Erfolg ausgesucht. Es werden Biografien beurteilt und dieses ist der entscheidende Fehler. Eine Wissensphilosophie spielt hier keine Rolle, sondern alles wird entschieden innerhalb falscher, pragmatischer Grenzen.

Nehmen wir also an, VW angelt sich in dem Fall also den Erfolgreichsten und macht diese, indem sie seine Biografie beurteilen. Der Erfolgreichste ist derjenige, der in seiner Vergangenheit bei anderen Unternehmen gute Entscheidungen getroffen hat. Gut, hei√üt hier, dass die anderen Unternehmen von seiner Entscheidung ma√ügeblich profitiert haben. Nun ist es aber so, dass wenn wir eine Millionen Affen t√§glich Entscheidungen treffen lassen w√ľrden, wir irgendwann einen Affen √ľbrig h√§tten, der im Lauf seiner ‚ÄěKarriere‚Äú immer alles richtig gemacht h√§tte. Insofern k√∂nnte VW nach diesem Auswahlkriterium auch durchaus einen Affen versehentlich anstellen (Denn sie stellen ja den an, der alles richtig machte und das hei√üt nicht, dass er auch intelligent ist). Das Lebensschicksal anderer also als Verwirklichungsgeschichte einer eigenen √ľberlegenen Nutzung ihrer Freiheit zu betrachten, ist ein entscheidender Fehler. Es kann n√§mlich auch sein, dass der tats√§chlich Beste, sich nach allen Gesetzen des Verstandes immer korrekt entscheidet, aber dennoch den Zufall gegen sich hat und damit eine minderwertige Karriere verlebt. Anhand des Lebensschicksals k√∂nnen wir nicht √ľber Menschen urteilen, lautet die philosophische Konsequenz.

Ich hoffe, dass dieses philosophische Argument einsichtig macht, warum wir den Managern im TV nicht vertrauen m√ľssen, denn ihre Lebensgeschichte muss nicht Zeichen ihres K√∂nnens sein, sondern stellt aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen Lebensschicksale auf diesem Planeten nur ein Ausgew√§hltes dar.

Noch ein Beispiel: Wir h√∂ren √§hnliches √ľber den Vorzeige-Milliard√§r Howard Hughes aus Amerika. Dieser habe es verstanden seinen Verstand mit einem H√∂chstma√ü an Risikofreude zu verbinden und so aus einem bescheidenen √Ėlerbe ein Flug- und Medienunternehmen von Weltrang aufzubauen. Doch ich m√∂chte zu bedenken geben, dass es durchaus m√∂glich ist, dass es Milliarden von Howard Hughes auf dieser Welt gab, die jedoch an der Grenze ihres Lebensschicksals alle gescheitert sein m√∂gen. Wenn es denn nur einer schaffte, sollten wir diesen als hervorragendes Beispiel f√ľr eine ganze Gesellschaft ausw√§hlen?

*lach* Hervorragend. Amerikaner lieben das Risiko, hei√üt es. Sie leben an der Grenze. Aber eigentlich interessieren sie sich nur f√ľr die, die das Risiko √ľberlebt haben. Die gleiche Idiotie erleben wir bei den russischen Milliard√§ren, die den Anarcho-Turbokapitalismus der 90er √ľberlebt haben und nun behaupten sie w√§ren eben die St√§rksten gewesen. Dass aber aus einer Menge von vielen Millionen Russen notwendig ein paar Milliard√§re √ľbrig bleiben m√ľssen, bedenken sie dabei nicht.

Wenn wir √ľber die Grenzen der Menschheit¬†aus Sicht der Philosophie nachdenken, m√ľssen wir also die Kriterien zur Bewertung der Leistungsf√§higkeit √ľberdenken. Herausragende Biografien sind hiermit kein Schl√ľssel, um Menschen zu bewerten, denn in einem Universum durchzogen von undurchdringbarer Zuf√§lligkeit (ob nun nur scheinbar oder wirklich) muss es notwendig herausragende Biographien geben.

Dank an alle, die mich bereits unterst√ľtzt haben.

Norman Schultz

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8 Antworten auf Schicksalsphilosophien von Manager – Grenzen zwischen Zufall und Notwendigkeit – (Teil Zwei)

  1. Sebastian Prestele sagt:

    Ich stimme mit Dir ueberein, dass die Auswahlkriterien bei Managern nicht immer ganz klar sind, allgemein wird ja bei Einstellungsgespraechen sehr viel Wert auf Zeugnisse und dergleichen gelegt, davon halte ich nicht viel.
    Ich finde aber auch, dass es ein riesiger Unterschied ist, ob jemand ein erfolgreicher Manager wird, also den Karriereweg in einer Firma einschlaegt, oder sich ein eigenes Firmenimperium aufbaut.
    Das sind ganz andere Typen, das Risiko, die Einstellung und die Glaubenssaetze sind dabei ganz anders.
    Alles nur auf Statistik zu reduzieren und jemand der etwas in seinem Leben erreicht hat, die Besonderheit abzusprechen, finde ich falsch. Auch wenn statistisch gesehen, nur eine kleine Anzahl von Menschen grosse Erfolge feiern koennen, so hat doch jeder die Moeglichkeit es zu versuchen.
    Der Unterschied besteht dann darin etwas unternommen zu haben, dafuer gearbeitet zu haben, Risiken eingegangen zu sein, Fehler gemacht und aus diesen gelernt zu haben etc.
    Genau das macht den Unterschied aus, ob man in der Statistik am oberen oder unteren Rand wiederzufinden ist, oder in der breiten Masse.
    Wer sich in sein statistisch vorgegebenes Schicksal fuegt, der braucht sich auch nicht wundern, wenn er genau das bekommt.
    Ich waehle den Weg mir mein Schicksal selbst zu gestalten und mich am Ende am oberen Ende der Statistik wiederzufinden.

  2. Anonymous sagt:

    ich lege eine veto gegen beitragsk√ľrzungen ein. ich will bis zum ende meines daseins noch gutes und sch√∂nes und wahres und viel √ľber managerschicksale lesen.

    und sonst: manager selbst zu befragen, scheint mir auch kein gutes mittel zur managerselbsteinschätzung zu sein: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,570603,00.html

    k

  3. Fibonaccie sagt:

    Hm… Ich glaube ich differenziere das etwas anders. Du musst wissen, ich komme aus einer Familie, in der sich trotz hoher Leistungsbereitschaft der Untergang nicht mehr vermeiden lie√ü. Vielleicht w√§re sogar Thomas Manns "Buddenbrooks" etwas f√ľr dich, da es urspr√ľnglich "Verfall einer Familie" hei√üen sollte. Nein, das ist keine wirkliche Empfehlung, es ist sehr dr√∂ge und langweilig. Das Buch setzt aber genau bei der Frage an, was eigentlich Erfolg ist. Was ist Erfolg? Wir m√ľssen hier erstmal notwendige und hinreichende Bedingung unterscheiden. Ich glaube bei der notwendigen Bedingung "Risikobewusstsein, Leistungsbereitschaft und Glaube an sich selbst" stimme ich mit dir weitesgehend √ľberein, auch wenn sich das noch differenzieren lie√üe. Wichtiger ist aber die "hinreichende Bedingung". Aus eigener Erfahrung wei√ü ich, dass die besten und st√§rksten eben auch scheitern k√∂nnen und zwar an zuf√§lligen Bedingungen. Die Gesellschaft und die Umwelt ist ein entscheidender Faktor, da diese Gesellschaft und Umwelt aber zuf√§llige Faktoren sind, kann ich, wenn ich das Ph√§nomen eines Managers beobachte, nicht mehr unterscheiden, was ihn aus der Masse der leistungsbereiten Menschen herausgehoben hat. Ich rede also nicht √ľber den Manager, sondern √ľber die Gescheiterten.

    Das hei√üt daher nicht, dass ich deswegen eine erfolgreiche Person prinzipiell diskreditiere, dennoch bin ich skeptisch, wenn er behauptet, dass dieses allein sein Erfolg war und er die restlichen Bedingungen vernachl√§ssigt. Am zynischsten erscheinen mir die Behauptung der russischen Milliad√§re, die behaupten Sie h√§tten sich aufgrund ihrer √ľberragenden F√§higkeiten durchgesetzt. In Wirklichkeit haben sie aber in den Wirren des anarchischen Gemetzels in Russland Gl√ľck gehabt, am Ende √ľbrig geblieben zu sein. Dass sie nat√ľrlich dennoch Risikobewusstsein und Leistungsbereitschaft brauchten, um sich darauf √ľberhaupt einzlassen bezweifle ich nicht.

    Ein Ph√§nomengehalt l√§sst sich im √ľbrigen immer im Hinblick auf Notwendigkeit und Zufall denken. Das h√§ngt einfach mit der Art zusammen, wir unsere so genannte transzendentale Logik strukturiert ist. Aber mal zu deiner Haupthypothese: Erfolg kann nur auf innerem Erfolg basieren.

    Diese These empfinde ich als sehr richtig. Bei dem Innen entfallen n√§mlich tats√§chlich die Schranken von Notwendigkeit und Zufall, denn es ist kein Ph√§nomen. Die Entscheidung ein gl√ľckliches Leben zu f√ľhren, ist eine freie Entscheidung eines sich damit selbst setzenden Ichs. Ob es dann aber die Welt oder deine Verstandesschl√ľsse in der Folge gut mit dir meinen, ist eine andere Frage. Aber es ist noch etwas weiteres in der Hypothese enthalten: N√§mlich so z√§hlt auch nur der Erfolg, der auf moralischem Selbstbewusstsein basiert. Dieses ist f√ľr mich der wichtigste Punkt, damit grenze ich n√§mlich einerseits den Lottogewinner als positives Beispiel aus, da er nicht selbstbestimmt (wenigstens von den Intentionen her) gehandelt hat und ich grenze den Manager aus, dem die Folgen seiner Handlung egal sind und f√ľr den nur sein Erfolg z√§hlt.

    Pers√∂nlich muss ich sagen, dass ich Erfolg genau an diesen inneren Qualit√§ten messe und dementsprechend habe ich Freunde, die vielleicht die besten Quantenphysiker der Welt sind, aber auch Freunde, die ihre Erfolge auf moralischen, musikalischen oder k√ľnstlerischen Ebenen erreichen oder eben auch scheitern; immer aber sich an ihrem Willen zur Handlung messen. Ein Mensch zum Beispiel den ich bewundere ist Marc, der in Harvard Wirtschaft und Theater studiert hat (ja die Kombination hat mich auch √ľberrascht) und nun einen Garten am Haus seiner Eltern in Pittsburgh unterh√§lt. Der innere Erfolg wurde ihm mit einem Schlage wichtiger als die gesamte Oberschicht von Boston.

    Die Frage ist doch auch, wie du bei deiner Theorie die Gescheiterten einordnest, die trotz guten Willens und Leistungsbereitschaft, dann doch in der Gosse gelandet sind.

  4. Fibonaccie sagt:

    Katharina,

    es ist tats√§chlich so, dass Management nicht mit den hellsten besetzt ist. Das kann verschiedene Gr√ľnde haben, entweder wir messen Intelligenz falsch, Intelligenz ist nicht so wichtig f√ľr die Entscheidungsprozesse oder wir messen Intelligenz gut und diese ist auch f√ľr Entscheidungsprozesse im Management wichtig, aber unser System funktioniert falsch. Ich tippe auf letzteres, da es Studien gibt, die zeigen, dass Manager, die viel mit Statistiken arbeiten und in diesen Bereichen Abschl√ľsse besitzen, eine im Schnitt 5% h√∂here Dividende einfahren. Was in Managementdimensionen einfach mal der Abstand von einer Galaxis ur anderen ist.

  5. Sebastian Prestele sagt:

    Hatuerlich haben die Gesellschaft und die Umwelt einen Einfluss auf den Erfolg einer Person. Allerdings sind diese externen Faktoren ausserhalb unseres Einflusses.
    Nun gibt es aber Menschen, die alle Vorraussetzungen dafuer haetten, um erfolgreich zu sein und es nie u etwas bringen, und andere, die trotz der denkbar schlechtesten Startbedingungen aussergewoehnliches erreichen.

    Da sich externe Faktoren aber unserem Einfluss entziehen, wird nur derjenige Erfolg haben koennen, der sich auf die Faktoren konzentriert, die in seinem Einflussbereich liegen.

    Im Gegensatz zu Tieren, die immer durch eine Reiz-Reaktion Kette gesteuert werden, hat ein Mensch, die Moeglichkeit, aufgrund seiner Selbsterkenntnis, diese Handlungskette zu unterbrechen. Proaktivitaet im urspruenglichen Sinne, wie von Viktor Frankl, einem Psychiater und Neurologen, der in Theresienstadt und Ausschwitz ueberlebte, beschrieben, drueckt dies so aus:

    "die bewusste Steuerung des eigenen Verhaltens unabh√§ngig von √§u√üeren Einfl√ľssen, indem das Schema von Reiz und darauf folgender Reaktion durchbrochen wird"

    http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Frankl

    Dementsprechend haben wir die Moeglichkeit unser Leben unabhaengig von aeusseren Einfluessen zu gestalten.

    Desweiteren, ist gegenwaertiger Erfolg keine Garantie fuer anhaltenden Erfolg. Donald Trump, amerikanischer Milliardaer, der zwischenzeitlich mit mehreren Milliarden verschuldet war und danach ein Turn-around hinlegte der ihn wieder zum Milliardaer machte, begruendet seinen Absturz damit, sich selbst ueberschaetzt und den Fokus verloren zu haben.

    Ein ganz wichtiger Faktor fuer den Erfolg ist auch das Warum? Was ist das Motiv, das mich antreibt etwas zu erreichen, ohne zu wissen, was das Motiv ist, wird man immer Gefahr laufen, bei Erreichen des angestrebten Erfolges in ein Loch zu fallen, da man zwar Erfolg hat, aber dieser Erfolg nicht im Einklang mit den tiefer liegenden Motiven des eigenen Daseins in Einklang sind.
    Dies ist der Fall, bei Managern, die ohne Ruecksicht auf Verluste ihren eigenen Weg gehen. Oder Millionaere, die sich nur auf das Geld verdienen konzentriert haben und dann ploetzlich festellen, dass sie Jahre ihres Lebens damit verbracht haben Geld anzuhaeufen, das ihnen auch kein Glueck gebracht hat, weil Familie und Freunde auf der Strecke geblieben sind und sie alleine mit ihrem Geldspeicher sind.

    Abschliessend zur Frage der gescheiterten Existenzen in meiner Theorie.
    Nun kenne ich hier in Thailand eine ganze Reihe von Menschen, die aus sehr armen Verhaeltnissen kommen und sich richtig hochgearbeitet haben. In der gleichen Familie gibt es aber auch Schmarotzer, die in den Tag hineinleben und sich von der restlichen Verwandtschaft durchfuettern lassen und den Alkohol und Drogenkonsum finanziert bekommen.
    Hier gibt es einen riesigen Unterschied in der Einstellung, den Zielen, dem Uberwinden von Widerstaenden, dem √úberwinden der eigenen Zweifel, der eigenen Faulheit etc. Die urspruenglichen Vorraussetzungen waren gleich.

    Bzgl. der Leistungsbereiten, die in der Gosse lande. Ich hoffe Du meinst Gosse dabei, bildlich, denn in Deutschland muss niemand auf der Strasse landen. Jeder hat das Anrecht auf Unterstuetzung und ein Dach ueber dem Kopf. Wer diese Hilfe nicht in Anspruch nimmt, ist nich bereit ein minimum an Aufwand zu leisten, um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Wer wirklich 100% gewillt ist zu arbeiten und etwas zu erreichen, der wird dies immer schaffen. Der Unterschied liegt dann darin, bin ich wirklich bereit alles daf√ľr zu tun, oder eben nur mit Einschraenkungen.

  6. Fibonaccie sagt:

    Sieh mal Sebastian, ich stimme doch mit dir √ľberein: Es ist wichtig sein Leben selbst bestimmen zu wollen. Reiz-Reaktions-Ketten durchbrechen zu wollen und zwar unabh√§ngig davon, was mit dem Au√üen passiert. Das ist erstmal ganz klar normativ und da stimme ich dir jederzeit zu.

    Jetzt aber machen wir einen weiteren Schritt und wir gehen in die Ebene der Wirklichkeit. Und da k√∂nnen wir das auf folgende Behauptung reduzieren: Wenn Person X Handlung Y tut, dann wird sie das Ergebnis Z erzielen. Und ich behaupte dieser Allsatz ist empirisch nicht haltbar, weil die Restriktionen nicht ber√ľcksichtigt sind. Die abh√§ngigen Variablen sind nun X und Z. Y legst du fest mit Hanldungsbereitschaft und Motivation.

    Um diesen Allsatz zu beweisen, m√ľssten wir eine Gesellschaftsanalyse durchf√ľhren und den Erfolg messen. Mit Einzelbeispielen (Donald Trump) w√ľrden wir die Wahrheit von Alls√§tzen nur andemonstrieren, aber nicht beweisen.

    Hm… nehmen wir doch mal einen anderen Fall, damit du verstehst, was ich meine.
    Wenn eine Person X Lotto spielt, dann gewinnt Sie im Lotto. Jetzt nehme ich mir genau die Lottogewinner aus der Urne aller Spieler heraus und beweise der Satz ist wahr. Wir k√∂nnten das Beispiel auch f√ľr andere Modelle durchspielen.

    Zum Beispiel wenn eine Person X als Soldat im Krieg vorsichtig k√§mpft, dann √ľberlebt sie. Der Krieg hat nun sehr starke so genannte Restriktionen, die es oftmals vom Zufall abh√§ngig machen, ob man √ľberlebt oder nicht.

    Nehmen wir deinen Allsatz: Wenn eine Person X an ihren Erfolg glaubt und leistungsbereit ist, dann hat sie Erfolg. Nun greife ich mir genau die Personen raus f√ľr die dieser Satz gilt. Das ist einfach wissenschaftlich nicht korrekt.

    Nun m√ľsstest du entweder eine Statistik liefern, die den Satz beweist, denn mit Plausibilit√§t k√∂nnen wir vieles beweisen (Plausibilit√§t dient in der Wissenschaft zur Gewinnung von Hypothesen oder zur Pr√ľfung von normativen Geltungsanspr√ľchen), das hei√üt aber noch lange nicht, dass es so ist. Daher muss eine physikalisch plausible Theorie auch immer erst im Experiment best√§tigt werden. Ein Grund warum Higgs noch nicht den Physiknobelpreis gewonnen hat. Nach seiner Theorie k√∂nnte es n√§mlich so ein Higgsteilchen geben, aber solange es nicht experimentell best√§tigt ist, wissen wir das nicht.

  7. Fibonaccie sagt:

    Die Satistiken sind schwer zu erlangen. So weit ich wei√ü, gibt es in Deutschland nur einen Professor, der sich mit Eliteforschung auseinandersetzt. Anstatt dich aber auf deinen Allsatz zu konzentrieren, k√∂nntest du √ľberlegen, welche Restriktionen k√∂nnten gelten? Dass zu durchdenken, w√§re einfach wichtig. Wenn du das tun wirst, dann h√§ttest du allen anderen Motivationsb√ľchern einen entscheidenden Punkt voraus. Wir m√ľssen Restriktionen analysieren, die manchmal leider nicht durchbrechbar sind. Nehmen wir mal ein paar harte Restriktionen: Geboren in Sierra Leone, schlechtes Umfeld, hohe Kriminalit√§t, schlechte Nahrungsmittelversorgung. Sobald es eine Hungersnot gibt, ist es vorbei mit dem Erfolg; wenn du an die falschen Leute ger√§tst, wirst du Opfer. Aber nehmen wir an du f√ľhrst ein langes Leben und kommst nicht in Konflikte. Dennoch kommst du nicht hoch. Wenn wir unterstellen, dass es Einzelf√§lle, die das schafften gab, dann haben wir den Lottogewinner aus der Urne herausgegriffen. Daher gibt es nun Kleinkreditprogramme, die den Menschen erm√∂glichen Kleinunternehmen aufzubauen und siehe da, wesentliche Restriktionen sind beseitigt und die Menschen werden erfolgreich.

    Die Frage also ist, welche Restriktionen können unseren Erfolg verhindern?

    Dein Allsatz m√ľsste aber bedeuten, dass du anhand der Motivationen und Leistungsbereitschaft unabh√§ngig von der Schichtzugeh√∂rigkeit eine Vorhersage in unserer Gesellschaft machen k√∂nntest, wer in 20 Jahren die 1000 reichsten Menschen sein werden.

    Es ist wichtig hier nicht einzelfallspezifisch, sondern soziologisch zu denken, wenn du Aussagen √ľber die Gesellschaft machst. Deutschland kann zum Beispiel so hinsichtlich der Chancengerechtigkeit analysiert werden. Dinge wie Leistungsbereitschaft und Motivation lassen sich messen und dabei zeigt sich, dass eben bestimmte Personen, zum Beispiel Personen mit Migrationshintergrund geringe Chancen bekommen, obwohl sie gleiches leisten.

    Aber gehen wir mal einen Schritt zur√ľck. Ich denke du m√ľsstest die Ebene unterscheiden, die du analysierst. Machst du eine Hypothese √ľber die Gesellschaft oder √ľber die Freiheit des Menschen, ein selbstbestimmtes Leben f√ľhren zu wollen. Zweiteres ist keine empirische Diskussion, sondern nur durch Denken unabh√§ngig von der Gesellschaft zu erreichen und da stimme ich dir zu.

  8. Sebastian Prestele sagt:

    Danke f√ľr Deine ausf√ľhrlichen Kommentare.
    Grundsaetzlich, geht es mir darum, dass jeder Mensch die Freiheit hat ein selbstbestimmtes Leben zu f√ľhren. Dies ist unabh√§ngig von den Umst√§nden, da pers√∂nliches Gl√ľck und Erfolg, individuell verschieden sind und aus dem inneren entstehen.

    Dies ist f√ľr mich die Erkl√§rung, warum es immer wieder auch Beispiele von Menschen gibt, die widrigster Umst√§nde zum Trotz, ein gl√ľckliches, erfolgreiches selbstbestimmtes Leben f√ľhren. Umgekehrt aber auch Massen an Menschen aus der reichen und der Mittelschicht der Industrienationen, die offensichtlich mit allen M√∂glichkeiten geboren wurden, dennoch ein unzufriedenes, ungl√ľckliches Leben f√ľhren.

    Dass bestimmte Restriktionen, wie von Dir als Beispiel vorgeschlagen aufgewachsen in Sierra Leone, die Wahrscheinlichkeit Erfolg zu haben, sehr stark beeinflussen, ist unbestreitbar. Die Startbedingungen f√ľr jeden Menschen zu verbessern geh√∂rt zu den gr√∂ssten Aufgaben dieser Welt, die Bek√§mpfung von Korruption, die ich hier t√§glich erlebe, das Bereitstellen von Minikrediten, kostenlose Schulbildung etc., dies ist alles sehr wichtig und richtig.
    Die Verbesserung der Lebensbedingungen und damit der Startvorraussetzungen wird es mehr Menschen erm√∂glichen, ein selbstbestimmtes Leben f√ľhren zu k√∂nnen.

    Die Betonung liegt dabei auf können, denn nur weil es die Möglichkeit gibt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese auch genutzt wird.
    In einem Land wie Deutschland, in dem jeder das Recht hat auf freie Schulbildung, das Recht auf eine Wohnung, es gibt finanzielle Unterst√ľtzung durch den Staat, etc. Das sind Vorraussetzungen von denen jeder in einem Entwicklungsland nur tr√§umen kann. Leider gibt es in Deutschland aber eine breite Masse an Menschen die sich lieber dar√ľber beschwert, dass die Unterst√ľtzung, die sie erhalten nicht genug ist, als aktiv etwas an ihrer Situation zu √§ndern. Ich rede dabei nicht nur von den unteren sozialen Schichten.

    Nat√ľrlich ist es auf den 1. Blick schwieriger f√ľr jemanden, der am unteren Ende der sozialen Leiter steht sich √ľberhaupt vorzustellen und daran zu glauben, dass mehr erreichbar ist. Aber diejenigen, die sich entschieden haben, mehr aus ihrem Leben zu machen, trotz der Umst√§nde haben dies in aller Regel auch erreicht. Daf√ľr gibt es zahlreiche Beispiele.

    Ich kann meine Theorie, die ja nicht meine ist, sondern von sehr vielen Motivationstrainern, erfolgreichen Menschen etc. vertreten wird nicht wissenschaftlich fundiert belegen. Ich bin ja auch kein Wissenschaftler.

    Es wird wohl nicht m√∂glich sein eine Formel daf√ľr aufzustellen, da neben den restriktiven externen Bedingungen, auch restriktive innere Bedingungen gegeben sein k√∂nnen. Ich kann z.B. noch so leistungsbereit sein und mein Leben √§ndern wollen, wenn ich aber davon √ľberzeugt bin, dass ich dies sowieso nicht schaffen werde, dann wird dies mit gr√∂sster Wahrscheinlichkeit eintreffen.

    Ich persönlich glaube dabei an das Konzept der subjektiven Realität. Dabei gibt es nur ein Bewusstsein, welches das eigene ist. Alles und jeder in der eigenen Realität ist dabei eine Projektion der eigenen Gedanken.

    Deine Anregung, die geltenden Restriktionen zu untersuchen, die ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben f√ľhren zu k√∂nnen, beeinflussen, werde ich aufnehmen. Da ich dieses Thema f√ľr sehr interessant und auch wichtig erachte, sollte man, und da hast du vollkommen recht, es auch von verschiedenen Seiten betrachten und versuchen eine fundierte Grundlage zu schaffen.

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