Von der Weisheit und den Mönchen (Teil 2)

Der letzte Beitrag war mit dem Wort „Weisheit“ betitelt, stattdessen ging es aber um das innere Erleuchtungsfeuer der Mönche, das oftmals mit Weisheit gleichgesetzt wird. Auch heute werden wir noch über die Mönche nachdenken.

Im Meer der Meditation versunken, schwimmen Mönche auf dem See der inneren Seele und tauchen in die Tiefen ihrer Wirklichkeit. Dort finden sie die in sich ruhende Flamme der Zufriedenheit – eine Flamme, die auf dem Weg des Seins nur sich selbst verbraucht. Ich thematisierte diese innere Flamme und hinterfragte die ontologische Gewähr für das Leuchten aus den Tiefen des Seelengewässers. In den Elementen von Feuer und Wasser sollte die Einheit für die Zufriedenheit liegen. Zwar lässt nun aber dieses helle Feuer den Seelentaucher umso intensiver erkennen, wie dunkel die Schatten der Sinnlichkeit sind, doch woher wissen wir, dass das innere Erleuchtungsfeuer, das wie eine olympische Fackel der Weisheit an Generationen von Suchenden weitergegeben wird, nicht selbst Täuschung ist? Diese innere Zufriedenheit, die die Meditierenden erfahren, lenkt doch die Schüler der Weisheit aus der Wanderung in die unbekannte Welt ab. Anstatt verweilen die Suchenden in der Ernüchterung eines streblosen Meditierens vor Steinen und weißen Wänden. Zufriedenheit verkommt dabei zur Selbstunterdrückung des strebenden Weltgeistes. Das aber rechtfertigen die Mönche mit der Einsicht in die Harmonie. Fortan ist die Welt schön. Im Gleichklang aller Gefühle mit dieser inneren Schönheit verliert die wirkliche Welt ihre Bedeutung. Und hier haben wir angeschlossen, warum sollte dieses Positive auch gut sein?

Dzogchen
Die Welt leuchtet im Innern des Meditierenden

Ich möchte mal ein biologisches Argument bringen. Es könnte doch sein, dass der Hang zur Unzufriedenheit zwar keine persönliche Bedeutung besitzt, wohl aber wichtig ist für das Überleben der menschlichen Gattung. Die These würde besagen: Nur durch die Unzufriedenheit gab es in der menschlichen Gattung Wesen, die immer geneigt waren Bestehendes zu kritisieren und somit Verbesserungen anregten. Dadurch aber konnte die menschliche Gattung überhaupt überleben, da sie immer auf potentielle Gefahren vorbereitet blieb. Die Konsequenz ist nun, dass das persönliche Unglück zwar tragisch ist, aber für die Entwicklung der Menschheit von entscheidender Bedeutung war. Somit könnte es sein, dass wir die Unzufriedenheit in uns gar nicht kurieren können. Gut, dieses Argument ist biologisch und ich argumentiere nur nach der Denkmöglichkeit einer Unzufriedenheit. Ich versuche mit einem biologischen Argument der Unzufriedenheit einen Sinn zu geben. Ob das tatsächlich der Fall ist, das weiß ich nicht.

Ich möchte zudem einwenden, dass vor allem die Einsicht in das Erdulden des eigenen Lebensschicksals auch hervorragend zu den Machtstrukturen in autoritären Systemen passt. Warum die Dinge verändern wollen, wenn wir sie einfach in Zufriedenheit akzeptieren können?

Die Frage transformiert sich also: Ist es möglich, dass Mönche von ihren inneren Entdeckungen zum Narren gehalten werden? Dass alles Wissen, das sie hält, nur ein okkultes Objekt ist und sie eigentlich von der wirklichen Welt abhält? Was wäre meine Alternative? Es scheint als würde ich für eine Mobilmachung im Bereich des Wirklichen plädieren, einen grenzenlosen Erfindergeist, der sich über die Lethargie der inneren Schwärmerei hinweg auf die Welt konzentriert. Und tatsächlich ich bin der Meinung, dass wir als Menschen die Anlage haben, uns durch Übung ständig über uns hinaus zu heben. Ich denke, dass genau diese Fähigkeit Quell der menschlichen Kulturgeschichte ist. Wir wollen das Bessere in die Welt bringen und dieses Unterfangen ist in uns grenzenlos – eine Besteigung der inneren Berge, der Kampf mit den Schweinhunden unserer Unterwelt. Wir kämpfen mit unserer Zufriedenheit der Faulheit und orientieren uns über diese Welt in die Zukunft hinein. Zufriedenheit lässt uns in die Mittelmäßigkeit zurückfallen.

Wir könnten meine Mobilmachungsansprüche auch noch größer denken: Wir wollen das Universum optimieren. Wir wäre es beispielsweise, wenn eine zukünftige Supermenschheit alle Gegenstände im Universum einsammelt und wohlgeordnet nach eigenen Zwecken auslegt? Ein umgebautes Universum also. Das ist eine irrsinnige Phantasie, aber was trieb wohl Mendelejew an, als er das Periodensystem der Elemente strukturierte? Die Wohlordnung des Universums hat er hiermit begonnen, indem er bereits ein Ordnungsprinzip für die auffäligen Elemente unserer Wirklichkeit zurechtlegte. Aber um ehrlich zu sein, ich weiß es auch nicht. Ist denn bei dieser Phantasie nicht ebenso die Zufriedenheit an der Struktur am Werke, und zwar die Zufriedenheit, die die Mönche bereits in sich gefunden hatten?

Und dennoch: Die Phantasien unserer inneren Kraft denken die Welt immer ein Stückchen weiter als sie ist. Wo Chaos war, soll das Licht der inneren Erkenntnis leuchten und nicht nur verschlossen im Seelenkämmerchen des Meditierenden vor sich hinflackern. Wir träumen mit den Lampen der Wissenschaft in uns andere hellere Wirklichkeiten, die wir auch umsetzen. Wir richten die Scheinwerfer unserer Vernunft weiter als dieses innere Seelenleuchten und nutzen es als innere Energie, um zu wirken. Wir sind Menschen, die sich an die Grenzen des physisch Machbaren aus einem Innen herantasten und mit ihren Handlungen eingefleischte Wirklichkeiten zerfasern und neu gruppieren. Ich behaupte damit, dass das Innere sinnvoll an einem Außen sein kann und zwar dann, wenn es wirkt. Das Außen, so wie es uns begegnet reibt an dem was Inneres ist, nämlich unseren Träumen und Wünschen und aus dieser Grundspannung heraus sind wir. Im Außen einfach zu zerfließen, bedeutet sich das Außen, so wie es ist, als das Richtige einzureden. Aber Menschen können dieses Außen in ihrer Anlage überbieten und neu formieren, verändern, neues entdecken und erforschen. Dieses entfällt bei den Meditationsreligionen.

Ich gebe dem Meditierenden daher nicht Recht, dass alles zerstaubt in ein Nichts zurückfällt. Gut, vielleicht ist es der Menschheit nicht vergönnt, jemals über ihre Grenzen hinauszukommen und wir irren verzweifelter als Odysseus durch die Welt, wobei wir im Gegensatz zu Odysseus die Heimat noch nicht kennen oder gar keine haben. „Metaphysische Obdachlosigkeit“ nennt das der Philosoph übrigens. Sollte tatsächlich der Reichtum des Menschen wirklich zu Staub zerfallen, so haben die meditierenden Mönche Recht gehabt. Doch sie können hierfür keine Gewissheit liefern, nur Scholastik des Verstandes. Warum aber sollte es die Menschheit nicht doch in die Ewigkeit schaffen? Der nihilistische Pessimismus der Mönche betrachtet diese Gedanken letztlich als ein Glasperlenspiel von unreifen Seinskindern. Wir bauen ein paar Sandburgen. Das Imperium aus Dreck ist unser Zuhause. Aber unabhängig davon, ob es Menschenschicksal ist unsterblich zu werden oder in die hohle Hand des Nichts zurückzufallen, ist vielleicht das Experimentieren an der Welt mehr als der innere Rückzug. Vielleicht haben die Phänomene, auch wenn sie wieder im Dunkel der Zeit zurücksinken, doch eine befreiende phänomenologische Kraft, die sie in uns entfalten. Ich möchte daher zwei Kunstbewegungen gegenüberstellen. Die Kunst der Mönche und die Kunst, die sich in den Arbeitsmeditationen der westlichen Welt profiliert hat.

Wir sehen hier, wie die Mönche ein in stundenlanger Kleinstarbeit mit Sand gezeichnetes Mandala zurück in den Staub werfen. Eines können sie dabei aber nicht auslöschen, die innere Qualität, die sie dabei alle in sich gesammelt haben und auch in uns gesetzt haben. Diese innere Qualität hat sich aber am Außen bewährt und erst aufgebaut.

So möchte ich hier die Parallele zur Kochkunst ziehen – der Investition von Stunden in ein Moment, dass uns nicht nur satt machen soll. Kochen ist wie das gezeichnete Mandala, nur dass es in uns kulturgeschichtlich gewürdigt wird als eine Leistung der Menschenvernunft auf ihrem Weg durch das Sein und vielleicht sogar als Moment auf dem Weg in die Unsterblichkeit (so pathetisch das klingen mag)

Mit dem Außen des Kochens möblieren wir unser Inneres und machen es reicher. Wir träumen dabei nicht nur von der Kunst, sondern die Kunst bewährt sich an der Welt und als ein Außen an unserem Innen. Damit aber sind die westlichen Künste in ihren Meditationen weitervorgedrungen als die Mönche, denn unsere Meditationskünste sind auf die Welt gerichtet, die mit ihren Qualitäten niemals nur als ein Nichts gedacht werden kann.

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Weisheit (Teil1) – Woran erkennen wir Weise? (Genies Teil 6)

In diesem Beitrag möchte ich über Weisheit nachdenken. Da vor allem Meditierende als weise gelten, möchte ich fragen, ob diese tatsächlich weise sind. Hier stehen wir vor einem Problem, denn wie erkennen wir, ob jemand weise ist? Wie erkennen wir überhaupt, dass Meditationen einen Sinn haben? Bei beiden Beantwortungen wird sich zeigen, dass wir wenig Gründe haben, jemandem zu glauben, dass er weise sei, denn es geht immer um innere nicht beweisbare Wahrheiten. Schließlich werden wir dabei auf charismatische Persönlichkeiten wie beispielsweise Charles Manson zu sprechen kommen, die behaupten erleuchtet mithin weise zu sein und damit sogar Anhänger ihrer abstrusen Theorien gefunden haben. Die Frage wird leiten: Wie haben sie das geschafft? Der gesamte Beitrag ist sehr skeptisch geworden, obwohl ich Bewunderung für die Askese in mir besitze. Dieses aber muss in einem anderen Beitrag erörtert werden. Ansonsten empfehle ich, auf meinem Blog zur Askese zurückzugreifen.

Der Weg der Weisheit scheint kein einfacher zu sein. Um zur Meisterschaft aufzusteigen bedarf es 30.000 – 40.000 Stunden der Meditation, zumindest sofern wir den fernöstlichen Weisheitslehren folgen. Weisheit ist lernbar lautet die Divise, das heißt aber im günstigsten Fall können wir es innerhalb von 5 1/2 Jahren bei 15 Stunden Meditation am Tag schaffen. Bei einer Stunde am Tag, die wir dafür frei räumen könnten, lägen wir bei 82 Jahren. Angesichts dieser immensen Zahlen können wir die Gründe erahnen, warum wir Weisheit mit weißen Bärten und hohem Alter verbinden. Diesen Mut zur Meisterschaft können wir wohl kaum mehr vergleichen mit dem, was wir in der westlichen Welt an Mastertiteln verteilen – Meister der Künste. Was aber zeichnet unter all denen, die Weisheit suchen, erfahrene Meditierende aus?

Rembrandts Weiser im Elfenbeinturm

Es heißt, Meditierende sind in der Lage ihre Aufmerksamkeit hoch zu fokussieren. Sie können, wie es Singer, der bekannte Neurowissenschaftler, bei Scobel zum Thema Meditation erörtert, Zustände des so genannten Lösungsbewusstseins ein- und ausschalten und gar über Stunden der Meditation hinweg halten. In diesem Zustand erzeugen sie ein Höchstmaß an Stimmigkeit und verspüren keine Unruhe.
Der Laie steht nun jedoch vor diesen religiösen Entsagungsriten, vor der Landschaft der Elfenbeintürme, aus denen die Weisen blinzeln, und fragt sich zweifelnd: Ist das genug, um 15 Stunden vor einer weißen Wand zu starren? Eine Erleuchtung, die dann nur als Resutltat hat, dass ich als Mensch in einer Ecke sitze und zufrieden bin? Kann das reizen?

Drei Gründe, warum ich das für fragwürdig halte: Erstens bezweifle ich, dass hier eine vernünftige Relation zwischen Zweck und Mittel erfüllt ist. Die geopferte Zeit erscheint mir zu viel. Zum Zweiten glaube ich, dass wir nicht Zufriedenheit wollen, sondern Weisheit, die eben die Einsicht in die unabdingbare, wirkliche Welt befördert, von der sich Meditierende aber zurückziehen müssen. Sie gehen in eine innere Wüste und entsagen mit ihren Meditationsriten der Außenwelt auf Jahre hinaus. Zum Dritten glaube ich, dass wir, insofern wir die Einsicht in die Welt als Weisheit erhalten, unser innerstes moralisches Bewusstsein und damit das Pflichtbewusstsein zum Erwachen bringen, was wir mit bloßer Meditation nicht schaffen würden. Dieses Pflichtbewusstsein besagt nämlich, dass wir uns nicht einfach so aus der Gesellschaft zurückziehen dürfen, sondern diese in ihrem Zusammensein befördern müssen. Mönche, die dann den ganzen Tag mit einem kleinen Besen herumlaufen und den Weg säubern, damit sie kein Leben vernichten, sind zwar bewundernswert in ihrer Askese, doch angesichts der vielen ungenutzten Energien, die sie dabei verschwenden, wenig hilfreich. Darüber hinaus frage ich, ob der Zustand der inneren Zufriedenheit nicht einem höheren Egoismus entspringt. Darf das Ziel der Zufriedenheit als Grund für den Rückzug aus der Gesellschaft gelten? Muss nicht gerade das ethische Genie, sich bis auf das letzte Hemd entkleiden und mit aller zur verfügenden Kraft die Verbesserung der Menschheit anstreben als sich in einer Suche nach sich selbst zu verlieren?

Um es klar zu stellen, Weisheit leuchtet mir als erstrebenswertes Gut ein, auch wenn ich an dieser Stelle noch nicht genau sagen kann, was Weisheit bedeutet, die Religionen aber, die sich im Umfeld einer oftmals unzulässig beanspruchten Weisheit stiften, schrecken mich ab und damit auch die Meditationslehren. Wonach bewerten wir denn die Erleuchtung dieser Meditierenden? Ihre Behauptung, dass die Weisheit in ihnen ist, ist mir zu wenig und viele Resultate ihres Wirkens sehe ich nicht. Hierauf möchte ich etwas stärker reflektieren.

Der bloße Glaube an die weisen, meditierenden Männer erscheint mir aus den genannten Gründen problematisch. Mit der Hoffnung (jenem Gefühl, dass alles gut wird, egal wie es tatsächlich seinen Lauf nimmt) geben wir diesen weisen Männer all zu oft einen Vertrauensvorschuss, der die gesamte menschlich erfahrbare Welt übersteigt. Mit unserem Glauben an diese weisen Männer hieven wir sie in eine transzendentale Welt, in der schließlich nur Erleuchtete ihren Platz haben. Treu dem Prinzip, dass nur ein Meister einen Meister erkennen könnte, so sind wir bereit alle Aussagen als weise und durchdacht, nein sogar als erleuchtet einzusehen. Wir können es nur „noch“ nicht verstehen. Ich jedoch glaube nicht an diese dubiosen Genies der unüberprüfbaren Innerlichkeit und damit auch nicht an das Phänomen einer von außen verstehbaren Erleuchtung. Warum?

Ich will das mal mit einer Anekdote klären. Als ich zum wiederholten male von einem Campuschristen von Gott überzeugt werden sollte, sagte ich ihm, dass die islamische Religion genau dieselben Ansprüche vertrete, nämlich, dass ihr Gott der wahre Gott sei. Also fragte ich, warum ich nun seiner Religion und der einmaligen Beweisschrift, dem Buch seiner Bücher, Glauben schenken sollte. Da antwortete er mir, dass man spüre, wenn Muslime von ihrer Religion erzählten, diese Muslime eben nicht authentisch wären. Und genau hier liegt das Problem, woher wissen wir denn, dass jemand die Wahrheit sagt, also authentisch ist? Wenn wir es nur von außen beurteilen, was er von sich innerlich bezeugt, so können wir nur unseren eigenen Schlüssen glauben, vertrauen aber mehr als wir wissen. Wenn ich zum Beispiel sage, Gott habe zu mir gesprochen oder meinetwegen nur, dass die Wahrheit in mir sei, warum sollte mir jemand glauben?

Nun heißt die Antwort des Christen und wie auch bei anderen Religionen, dass diese Menschen, die die Wahrheit sprechen, authentisch seien. So gilt zum Beispiel auch Osho als authentisch – seines Zeichens Religionsstifter. Wenn ich diesen Herren allerdings sehe, dann frage ich mich immer nur, ob es gut ist, so lange nicht zu blinzeln. Aber seht selbst.

Was sehen wir hier also? Wir sehen einen Mann, der es auf mir gänzlich unverständliche Weise geschafft hat, viele, viele Anhänger um sich zu scharen und so ein Millionendollarimperium aufzubauen. Seine Flotte von 93 Rolls Royce, die er angeblich für seinen Rücken benötigte (schwerer Bandscheibenvorfall) oder auch, die er hatte, um den anderen ihre Fokusierung auf diesen Aspekt des Materialismus zu demonstrieren, oder auch als Ironie auf die amerikanische Lebensweise, sagt schon ihr übriges aus. Gut, ich rede wenig über seine Lehre und tue ihm vielleicht Unrecht, aber hinsichtlich seiner Lehre, sehe in ihm nur einen Mann, der viel redet und an dessen Lippen seine Anhänger ganz bieder kleben. Der Mann redete so viel und so werden heute noch Bücher veröffentlicht, da einfach alles mitgeschnitten wurde, was er gesagt hat. Auch heute noch viele Jahre nach seinem Tod werden damit gute Verkaufszahlen erzielt. Sanyasin dürfen übrigens reich sein und es ist eine Religion, die sich auch sehr gut vermarkten kann.

Aber zurück zum Thema, woher weiß ich, dass jemand erleuchtet ist? Wenn ich jemandem glaube er sei erleuchtet, dann entweder weil ich selbst glaube, zumindest einen Teil dieser Erleuchtungsenergie in mir zu besitzen oder weil ich mir sehr wohl bewusst über das dunkle Gewölk meiner unbekannten Seele bin, die mir so undurchdrinbar verzweifelt erscheint, so dass ich jedem Dahergelaufenen einfach glauben will, dieses um der eigenen Erlösung willen. Erleuchtete beleuchten also eher mein Dunkel, als dass sie tatsächlich Licht in die Welt bringen. Ich behaupte also, dass die Authentizität in beiden Fällen nur im Auge des Betrachters liegt. Doch sind das Kriterien, wenn sie denn aus mir kommen? Nein, denn diese Kriterien sind subjektive Kriterien. Hinzu kommt, dass der Begriff der Erleuchtung hier zumeist ein zutiefst menschlicher ist, nämlich nicht der Wunsch nach Wissen über die Welt, sondern einfach nur der Wunsch nach eigener Zufriedenheit. Wenn sie denn wenigstens etwas besonderes können würden. Zum Beispiel mit einem Schlage Superrechner wären, Klavier spielen könnten, ohne Training alle Bewegungen replizieren könnten, dann würden sie mich von ihrer Erleuchtung überzeugen können. In der Regel behaupten sie allerdings nur (vielleicht auch sehr charismatisch), dass sie etwas können (das werden wir später noch bei Charles Mansons sehen). Wie soll dieser Beweis nun aber aussehen, wenn er nicht äußerlich sein darf? Wie wollen sie mich überzeugen?

Es heißt: Jeder, der sich leidenschaftlich einer Sache verschrieben habe, beginne in der Sache zu fließen. Er fließt um den Gegenstand des zu Erkennenden und wird zum Erkennen selbst und das zu Erkennende zu ihm. Wir würden also sehen, dass der Meditierende etwas Erleuchtung an sich habe, denn er sei in den Fluss der Welt hinabgestiegen und so werde das Verhältnis zwischen ihm und Welt aufgehoben und er ganz Welt ohne Differenz, zum Fluss der Welt selbst. Herzlichen Glückwunsch! Ein Mensch gewinnt sich selbst, wo er sich doch eigentlich an die Welt verloren hat. Ob wir diesen Selbstgewinn von außen beurteilen können, möchte ich bezweifeln, denn wir könnten uns ja täuschen. Zum Aspekt der Selbstauflösung in Welt hatte ich darüberhinaus schon eingewendet: Selbst wenn diese Zustände immense Zufriedenheit und Einheitserfahrungen mit der Welt in den Meditierenden auslösen, was sagt uns, dass dieses erstrebenswert wäre? Es könnte also zunächst sein, dass die Erleuchteten sich selbst täuschen.
Das Kriterium der Wahrheit sei hier nun aber, dass wir spüren, dass die Meditierenden im Fluss mit sich selbst seien (auch wenn sie sich selbst täuschen). Doch was hieße diese Einheit mit sich selbst nun? Zunächst ist es nur ein menschliches Kriterium. Denn wir beurteilen einen erstrebenswerten Zustand von Menschen, nicht aber die Welt selbst in diesen Menschen. Einheit bedeutet also, dass der Mensch sich dabei wohl fühlt. Selbst, wenn diese Menschen dabei behaupten, die Welt erkannt zu haben, dann doch nur als Menschen. Die Einheit der Welt ist also eine menschliche. Beweise, dass sie die wirkliche Welt erkannt hätten, bleiben schlielich auch aus, denn das würde bedeuten, dass sie überprüfbare Vorhersagen über die Welt mit 100% Zielsicherheit machen könnten. Da sie das nicht können, heißt das, dass sie nur die innere Welt meinen können. Aber mixen wir mal beide Arugmente zusammen: Wodurch können wir hier nun bei dieser inneren Welt ausschließen, dass das Menschliche, der Wunsch nach Zufriedenheit, der den Meditierenden vielleicht sogar selbst täuscht, uns hier nicht zur gesamten, wirklichen Einheitsschau im Weg steht? Warum sind diese Mönche, die in den Abgrund der Meditation hinabgestiegen sind, nicht einfach nur einer Traumillusion der inneren Zufriedenheit erlegen und geben diese jetzt an uns authentisch wieder und täuschen damit auch uns? Und warum sollten wir ihnen mehr abnehmen als diese innere Illusion? Wir müssten also eine Antwort haben, warum die Meditierenden sich nicht selbst täuschen und zum zweiten, dass sie uns nicht täuschen.

Betrachen wir es zudem für einen Moment nur biologisch: Das Gefühl der Zufriedenheit und Einheit ist ein Belohnungsmechanismus, der uns anhalten soll, etwas zu schaffen. Wenn wir diesen Belohnungsmechanismus nun selbst regulieren können, warum sollten wir noch etwas anderes tun? Wir würden uns im Zufriedenheitsmodus verlieren und wie eine senile Person auf Drogen ruhig gestellt von uns selbst im Glück verloren gehen. Darüberhinaus wären wir unter Umständen über jeden Zweifel erhaben, dass dieses falsch sein könnte. Und badabing wirken wir authentisch. Tatsächlich ich rede von der Gefahr, dass die Menschheit sich im Glück und in der Zufriedenheit verliert, einem Wachtraum, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, weil wir dieses Gefängnis der positiven Gefühle selbst wollen würden. Authentizität kann also täuschen, selbst wenn sie wahr wäre. Es gibt keine Sicherheit vor einer möglichen Selbsttäuschung, so wahr es sich auch anfühlen mag.

Authentizität ist also in dreifacher Hinsicht fragwürdig: Wir können einem subjektiven Wollen erliegen und uns selbst täuschen, wir könenn von anderen getäuscht werden und die denen wir glauben könenn sich selbst täuschen. Für alle drei Täuschungen gibt es keine Lösung in der Gefühlswelt der inneren Zufriedenheit. Ich behaupte daher: Nur, dass rationale Gefühl, das Gefühl des Verstandes kann uns vor einer Auflösung im Hormonbad unseres Körpers in der Welt bewahren und zur Pflicht der menschlichen Wirklichkeit führen, auch wenn wir dabei unsere eigene Zufriedenheit riskieren. Weisheit würde diese Einstellung meiner Meinung bedeuten. Ob es dieser Weg des Verstandes allerdings ein sicherer ist, das weiß ich allerdings auch nicht, denn der Verstand könnte uns ja auch mit seinem Denken täuschen. Alle Lösungsansätze, die ich hier kenne (Platon, Aristoteles, Kant, Hegel, Heidegger, Brandom), betrachte ich als gescheitert.

Sind zufriedene Menschen nun weise? *lach* Ich ziehe jeden Nobelpreisträger jedem noch so Erleuchteten vor, denn die Religionen, so lange es sich bei ihren Vertretern nicht um ethische Ausnahmetalente handelt, sind prinzipiell ein Geschäft, das wenige Resultate vorzeigt und sind daher auch schlicht nicht beweisbar. Was nützen mir die zufriedenen Menschen, die sich über die Welt nicht mehr empören und jede noch so abstruse Situation mit innerer Genugtuung und einem senilen Lächeln beantworten? Zudem hatte ich schon so langweilige Abende mit Leuten, die vorgaben die Wahrheit zu kennen. Von Weisheit habe ich da wenig gespürt. Der Rückzug vom Leben und die Einkehr in sich selbst, in die Wachheit fordern ihren Tribut. Der klare Geist, der Himmel ohne Wolken, die verschmolzene Einheit aller Dinge ohne Dingkonstante, was soll diese bringen außer Zufriedenheit für das eigene Leben? Welchen Sinn hätte dieser Sinn für das eigene Leben, wenn er abgesehen von der eigenen Sinngebung keinen Sinn hätte? Und so haben diese Menschen mich wenig inspiriert.

In einem meiner nächsten Beitrag muss ich also über den Sinn der Zufriedenheit und den Sinn der Weisheit nachdenken, der bedeutet, dass wir eben nicht nach eigener Zufriedenheit streben, sondern nach mehr. Dieses Mehr bedeutet, dass wir unsere eigenen Grenzen erforschen. Zunächst aber möchte ich nochmals über den Glauben an den Erleuchteten nachdenken und hinterfragen.

Menschen, die als erleuchtet gelten, werden oftmals von den Anhängern als sehr charismatische Persönlichkeiten beschrieben. Dieses Kriterium allerdings unterliegt historischen Schwankungen, so gilt Osho als charismatisch, Hitler und eben auch Charles Menschen. Ich glaube sehr wohl, dass unter den richtigen historischen Bedingungen es immer Menschen geben wird, die diese Menschen als charismatisch empfinden, aber das ist nur der Bezug auf eine historische Persönlichkeit, wir haben als historische Persönlichkeiten wenig Möglichkeiten ahistorisch und sogar nicht anthropozentrisch zu beurteilen. Nun könnte natürlich einer behaupten, dass diese Menschen charismatisch sind, weil sie eine innere Wahrheit tragen. Gut, das mag sein, ist allerdings wie erörtert nicht überprüfbar, damit wäre sein Glaube nur ein Glaube, der keine Überzeugungskraft besäße. Im übrigen wäre die innere Wahrheit, insofern sie überprüfbar wäre, eine äußere Wahrheit. Hierin besteht ja auch der Schutz vor einer wissenschaftlichen Überprüfung, indem immer auf ein Inneres unüberprüfbares, weil nicht Beobachtbares, zurückgegangen wird. Dies hat zur Konsequenzen, dass wenn jemand es denn nur schafft Charisma, das heißt innere Wahrheit zu zeigen, nicht mehr unterschieden werden kann, ob es wirkliches Charisma oder Täuschung ist. Mein westlicher Zweifel allerdings lässt diese Menschen nicht mehr zu. Ich glaube nicht daran, dass Menschen in ihrem Inneren das große Ganze erkannt haben, insofern sie nicht angeben können wie. Das Kriterium der Authentizität ist daher, wie auch schon ausführlich erörtert, ein sehr problematisches. Übrigens selbst Heidegger, einer der größten Denker der Philosophiegeschichte, glaubte an Hitler aufgrund seines Charismas. Nachdem Jaspers fragte, wie er diesem Verrückten nur Glauben könne, antwortete Heidegger: Ja, verrückt, aber sieh dir seine Hände an. Ebenso galt auch Charles Manson, der Mann, der die Frau von Roman Polanski Sharon Tate (die damals angeblich schönste Frau der Welt) brutal ermorden ließ, als charismatisch bei seinen Gespielinnen. Sie haben sich immerhin zu einem brutalen Mord inspirieren lassen und glauben auch heute noch an ihn, weswegen eine seiner Anhängerinnen auch die Möglihchkeit der vorzeitigen Entlassung verwehrt bekommen hat. Sie töteten eine Frau, die im 8 Monat schwanger war und stachen ohne Skrupel in ihren Bauch. An den Kommentaren im Internet können wir erkennen, dass es offensichtlich immer noch Menschen gibt, die die kindischen Eskapaden von Manson bewundern. Soll das etwas Charisma sein?

Die Überzeugung mit der Manson sich selbst vermittelt, bestimmen sein Charisma nach Außen und ich bin überzeugt, dass auch ich in Gegenwart von ihm weiche Kniee bekommen würde. Können wir nun aber sagen, dass dieser Mann in einer Einheit mit sich besteht und innere Wahrheit besitzt? Anhänger von Helter Skelter, seiner Religion, würden das. Er ist schließlich nach eigener Aussage der wiedergeborene Jesus. Ich sehe nichts weiter als einen Spinner, der mit ein paar Momenten Menschen verwirrt. Doch, was wohl andere überzeugt, ist, dass Manson vollkommen überzeugt von sich ist. So glaubt er, dass sich in ihm nichts wiederholt und er ständig das Neue aus sich herausproduziert (was ich im übrigen als das einzige Kriterium für ein Genie ansetzen würde). Dabei merkt er nicht wie seine „Dance-Moves“ klar dem Bild der 60er – 70er entsprechen. Von der Entwicklung der Außenwelt des Tanzes (außerhalb seines Gefängnisses) hat er wenig mitbekommen.

Ich sehe in diesem Tanz eine Person, die überzeugt ist von sich und sich dabei nur lächerlich macht. Aber zum Problem: Wir sind in einem historischen Kontinuum eingebettet und was wir produzieren, bezieht sich immer auf die sprachlichen Vorgaben, von denen wir uns vielleicht etwas entfernen, auf die wir aber eingebettet in die Kultur immer bezogen bleiben. In diesem Sinne ist auch die sprachliche Vorgabe des Tanzes, diejenige von der Manson sich nicht lösen kann. Das Charismatische ist wahrscheinlich, dass er es schafft, seinen Anhängern aber zu vermitteln, dass er diese Einzigartigkeit des Neuen besäße. Seine Anhänger können womöglich die historische Gebundensein ihres Denkens nicht durchdringen und glauben daher Manson. Alles sei neu, sagt er ja selbst und warum sollte er sie, der so authentisch ist, anlügen? Ich denke auch, dass die Tradition bei Größen wie Beethoven immer eine Rolle spielt. Deswegen hört sich die Musik von Beethoven dem Genie auch wie Klassik an. Auch die Evolution des Tanzes unterliegt den Gesetzen dieser Evolution der Meme (Wie es Dawkins nennen würde, wie schon in meinem Beitrag zur Schwarmintelligenz dargestellt) . So hat beispielsweise auch die Entdeckung der Körperwelle zu den diversesten Ausprägungen des Tanzes geführt. Ein Mem von dem sich Tänzer heute nicht mehr so leicht lösen können.

Hier könnten wir nun einige Elemente zusammentragen, die sich in immer bessere Tanzstile integriert haben. Insofern wäre ein weitere Beitrag über die memetische Evolution des Tanzes interessant. Um es aber kurz zu machen, immer wenn wir jemandem aufgrund einer unüberprüfbaren Authentizität glauben, ist die Gefahr groß, dass wir einem absoluten Spinner aufsitzen. Auch Guttenberg galt ja aufgrund seines Charisma mithin seiner Authentizitä bei der Bevölkerung und so konnten auch Beweise gegen seine Person nicht beeindrucken. Wir fragen daher abschließend: „Wie erwecken wir den Eindruck, dass wir weise sind?“

Was können wir hieraus schlussfolgern? Erstmal hat Bill Clinton einen Guttenberg gebaut hat, denn ohne Fußnote handelt es sich um ein Plagiat. Ansonsten: Um weise zu klingen, Grammatik gelernt bei Yoda du musst haben.

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Der interessanteste Mann der Welt (the most interessting man of the world)

Seine Legende geht im voraus, gleichsam der Blitz dem Donner vorrausgeht. Er ist der interessanteste Mann der Welt. Seine Geschichte hört sich an wie ein mit Schönschrift überzogener Tierkadaver. Seine Persönlichkeit ist die Urquelle des Charma und Charme. Er ist die Uridee des Charisma. Ererinnert an den alten Fischer aus Hemingways „Der alte Mann und das Meer“, der einst tagelang mit einem Mann armdrückte und schließlich gewann und so nun auch mit dem Fisch seines Lebens kämpft. Und sieht dieser Mann nicht verdächtig nach Ernest Hemmingway aus?


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Da sein Blut zu 95% aus Testestoron und zu 5% aus Alkohol besteht, fragen wir uns, wie er sich überhaupt noch relaxed im Schaukelstuhl auf seiner Terasse zurückziehen kann. Aber deswegen ist ja sein Wochenendsitz immer draußen in der Wildnis, wo er umgeben von Wildnis mit seiner Shot-gun auf Gefahr wartet. Er geht spät schlafen und steht früh auf, nur um mehr Zeit mit sich selbst zu haben. Einige Menschen reisen in ihr Innerstes, um dort ihre innere Kraft zu finden; er ist diese innere Kraft. Was lehrt uns nun dieser Mann? Das: Wenn uns die Natur schon nicht mit der Gabe des Gut-Aussehens ausgestattet hat, kann es nur ein Ziel im Leben geben: Der interessanteste Mann der Welt zu werden.

Da wir nicht alle so gut Englisch sprechen wie er Russich in Französisch, werde ich mal ein wenig übersetzend zur Seite stehen: Sogar seine Feinde führen ihn als Notfallnummer. Er hat keine Angst seine femmine Seite zu zeigen, wenn er eine hätte. Seine Mutter hat ein Tattoo, auf dem steht „son“. Im Museum darf er die Kunst berühren. Aber seht besser selbst, denn mir steht nicht zu über ihn zu reden, denn er ist der interessanteste Mann der Welt.

Wir können uns wohl nicht besser motivieren als das Einzigartige noch nicht Produzierte hervorzubringen, einen eigenen Anteil in die Welt miteinzubringen, der vorher noch nicht da war. Genau auf diese Einzigartigkeit hebt das Interessante an. Wenn wir interessante Dinge wollen, so wollen wir über unsere Grenze des Bekannten hinaus.

Und was meint der „Most-Interessting-Man-of-the-World“ über pick-up-lines?

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Genies (Teil 5) – Der Adelsschlag auf den Kopf, um Genie zu werden.

Mit einem Schlag auf den Kopf zum Genie, der Traum eines jeden Boxers.

Mehr zu diesem Buch hier.

Genies, an ihnen schweben Zahlen am inneren Auge vorbei, zerwurzeln, quadrieren und quadrupolieren sich, sie sind Artisten in einer geheimen Welt der Zahlenlogik. Sie schwärmen von der Schönheit der Zahl Pi (und lesen am Wochenende schon mal Telefonbücher oder die neue Ausgabe von Pi). Sie fliegen harmonisch über die innere, blühende Landschaft der Logik. Sie kennen die Musik, wie niemand sonst auf der Welt. Technisch gibt es für sie keine Begrenzung. Das Genie übt schließlich nicht. Jede Melodie, einmal gehört, wird sofort und zwar verbessert reproduziert. Darüber hinaus besitzen sie eine innere sprudelnde Quelle, die ständig das neue in die Welt hinaus jagt? Sie verstehen Farben und Formen der Welt so, dass jeder Bleistiftentwurf die Welt in schwärmerischer Verzückung hinterlässt. Ihre Kunst berührt, nimmt gefangen. Ihre Worte sind Gedichte, sie reden keinen Unfug, aus ihren Gesprächen schreibt man Bücher. Sie verstehen die Psychologie ihres Gegenübers und sind immer einen Gedanken voraus. Sie erinnern sich an jedes Detail aus ihrem Leben, können beliebig Erinnerungen ins Gedächtnis rufen.

Wer würde nicht ein von Natur gegebenes Genie sein wollen? Auch wenn hier die Grenzen immer nur in Bezug auf unser gegenwärtiges Können definiert werden, denn letzten Endes sind es doch nur menschliche, noch keine göttlichen Wünsche (was mir wieder in Erinnerung bring, dass ich etwas über Superhelden schreiben wollte). Für einen wurde aber ein Teil dieser Begabung Realität als Orlando Sorrell mit 10 Jahren einen Baseball an den Kopf gefeuert bekommt (die Dinger sind echt hart, für alle die sie nicht kennen) kann er sich nach dem Erwachen von nun an an alles erinnern, was geschieht:

Ähnlich erging es dem Schläger Tommy McHugh. Seine Hände sind zertrümmert von vielen Schlägereien, doch nach einem Schlaganfall kann sich seine Seele plötzlich in der Kunst entfalten.

Ein anderes beeindruckendes Beispiel liefert Tony Cicoria. Nachdem ihm ein Blitz durch ein Telefon ins Gesicht schlug, kann er nicht mehr aufhören Klaviermusik im inneren seines Kopfes zu hören. Er weiß nicht, wo diese Musik herkommt, aber er beginnt sie zu spielen. Er diese Musik als eine kontinuierlich sprudelnde Quelle, die in ihm ausbricht und er ist, dass die Musik der einzige Grund war, warum er zurückgekommen war (Nahtoderlebnis halt). Der Auftrag der Musik lässt ihn fortan eine Doppelexistenz: Nach außen lebt er das Leben eines Chirurgen, nachts aber spielt er unaufhaltsam Klavier

Das Schicksal des Genies wirft in uns also die Frage auf, ob wir nicht alle diese verschütteten Energien besitzen und diese bei Bedarf aus uns hervorholen können. Wer wünscht sich nicht, dass er mit einem Schlage diese ungeteilte Energie in sich spürt? Doch eines wird bei dieser Genialität unterschätzt. Der Erfolg kommt nicht durch die Inspiration sondern ist zu 99% Transpiration. In diesem Sinne müssen wir üben. Dieses Üben aber bringt uns eine Charakterschulung. Wenn wir nämlich nicht mit dem genialen Gehirn geboren sind, so wissen wir doch, dass alle Leistungen, die wir erwerben auf unseren unnachgiebigen Charakter zurückgehen. Vielleicht sollten wir uns deswegen statt angeborener Genialität eher Charakter wünschen.

Hier die anderen Links zum Genie:

Von den mathematischen Genies
Von der Relevanz des Unsinns
Vom medizinischen Genie
Die Genialität des Neuen in uns

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Schwarmintelligenz – Wir bauen das größte Gehirn aller Zeiten

„Wir bauten das größte Gehirn aller Zeiten, wir vernetzten uns in einem globalen Geflecht aus Datenleitungen zu einem Supergehirn, dessen Nervensystem das Internet war und wir tanzten wie kleine fensterlose Monaden darin. Wir befeuerten uns mit Informationen. Eine Information die reizte hatte Aktivierungspotenzial und aus einer Tendenz wurde ein Trend, aus einem Trend eine Entwicklung, aus einer Entwicklung entstammte Wandel. Aus dem Wandel ging die Emergenz des größeren Seins hervor, ein eigenständiges Sein, das anders als wir war.“ (Aus Eisleben, Alfred: Kriege der neuen Welt. Stuttgart 2009:52)

Längst ist der Schwarm der Gedanken über die Welt hereingebrochen. Unablässig denkt das Menschengeschlecht hierbei über eine gedankliche Ausdehnung ihrer Grenzen nach, unbewusst jedoch. Was noch ungeformte Materie ist, soll bald unter dem Bannstrahl des Denkens Gedanke werden. Alles Umgebende transformieren wir dabei zu einem menschlichen Milieu. Und so kann einer noch so weit wandern, immer waren vor ihm schon Menschen da, die im Mindesten Wege angelegt haben und die Welt anverwandelt haben. So sitzen wir mittlerweile in mit uns redenden Räumen, die so sprachlich aufgepumpt sind, dass wir kaum noch einen Gegenstand finden, den wir als natürlich bezeichnen würden.

A Bergfinken 105
Nach welchen Prinzipien bilden sich Schwärme in der Natur?

Diesen Prozess der Umwandlungen erkannte Richard Dawkins (teilweise) als er die kulturellen Gedankeneinheiten, die sich über den Planeten hinwegbewegen und produzieren, „Meme“ nannte. Ein Mem ist dabei alles, was sich von selbst an Gedanken durch die Menschheit hinwegreicht. Dazu gehören Bücher, Wissen, Musik, Bewegungen, Ideen und vieles mehr. Doch welche von diesen Memen überleben? Meme unterliegen wie auch die Gene einem natürlichen Selektionsprozess. Wir produzieren tagtäglich viel Ausschuss an Memen. Wenn die Berechnungen der Verhaltensforscher stimmen, so kämen wir auf einen Anteil von über 99% an Wiederholungen. Jedes Neugeborene ist da kreativer, wenn es einfach nur rum liegt. Wenig Neues begleitet uns also, und wenn dann etwas neu sein soll, dann muss es eine leicht zu reproduzierende Information sein, damit das angebundene Mem überlebt. Dieses kann dann im Übrigen alles sein. Selbst ein verkehrt herum aufgesetztes Basecap, das, so besagt es die Legende, nach einem Spiel in den USA aus den 60er seinen Siegeszug bis zu den Feldarbeitern nach China zurücklegte. Aber auch Beethovens Einleitung zur 5. Sinfonie wäre ein solches Mem.

Angesichts der neueren Entwicklungen wird der Gedanke der Meme nun modifiziert und erhält die Bezeichnung „Teme“. Teme sind die reproduzierten Einheiten der Technik, die ihren Siegeszug ansetzen ohne dabei von Menschen bewusst hervorgebracht zu werden. Die von uns nach kulturellen Maßstäben transformierte Natur entwickelt ein Eigenleben, das uns nicht mehr nur geistig erfasst, sondern tatsächlich reale eigenständig funktionierende Substrate besitzt. Der Dämon der Technik verselbstständigt sich, wird lebendig. Wenn wir so wollen, könnten wir uns tatsächlich vorstellen, dass wir mit all unseren Interaktionen in der Welt des Internets einen Superorganismus erzeugen, der zwar uns als Verstoffwechsler bedarf, selbst aber als eigene Einheit angesehen werden muss. Irgendwann, so könnte die These lauten, bedarf er unserer nicht meht. Stanislaw Lems Solaris entwirft ja diese Phantasie von einem Planeten, der mit einer gallertartigen Masse überzogen ist, deren einziges Sein im pausenlosen Berechnen und Erdenken besteht. „Solaris“ erzählt die Geschichte einer unreflektierten Wissenschaftsforschung, wobei der Planet mit der rechnenden Masse das leblose Pendant zu den hoffnungslosen Wissenschaften bildet. Ja, Teme sind ein erschreckender Gedanke, weil hier das Bedenken des Seins eine untergeordnete Rolle bekommt und damit auch die Menschlichkeit in ihrem Wert gemindert wird. Die Gefahr besteht, dass dieses Bedenken des Menschen überhaupt verschwindet. Diese technikkritischen Gedanken aber sollen uns hier nicht weiter interessieren.

Was sich nun mit der kollektiv gespeisten Intelligenz der Meme offenbart sind natürlich soziale Prozesse. Das Entstehen von Wikipedia, das viele einzelne Interessen vereint, dennoch aber höchstkomplex von niemand Einzelnem mehr überschaut wird, stellt ein Tem dar. Wenn jemand sich den Spaß macht und in Wikipedia einen Artikel mit grobem Unfug ausstattet, so ist dieser in Minuten wieder repariert und es ist dabei unerheblich, wer es gewesen ist. Immunologisch ist Wikipedia wohl ganz gut ausgestattet, ein gigantischer Organismus mit allerlei Funktionen im Leib. Wir sind dabei nicht mal mehr Organ, sondern nur noch Verstoffwechsler. Die Technik benutzt uns in diesem Sinne, um zu leben. Die Schwarmintelligenz der Internetnutzer bringt ganz neuartige Formationen des Netzseins hervor. Dabei löst Facebook langsam das Fernsehen, das Radio und die Zeitung als Leitmedien ab. Die Internetriesen sammeln ananym Informationen, wobei auch nicht mehr bekannt ist, wer hinter diesen Strategien eigentlich steckt. Aus diesem Grund wirkt wohl der folgende Sketch auch komisch wie unheimlich zugleich.

Das verstreute Wissen der Menschheit wird in einem Superorganismus gebündelt, dessen expansive Größe noch nicht erforscht ist. Was wäre wenn das Internet eines Tages Bewusstsein entwickelt und uns nicht mehr braucht? *lach* Ich weiß das ist lächerlich, aber warum nicht? Die Anformung des Universums an den Geist hat erst begonnen und wir mögen uns vorstellen, dass das Universum in einer riesigen Singularität verschmolzen nur noch ein einziges Superhirn ist. Natürlich macht diesen rumspinnen Spaß (:

Interessant sind aber die realen Konsequenzen: Wer hätte gedacht, dass vermittelst eines einfachen Wikis eine ganze Doktorarbeit im Null komma Nichts auf Plagiate abgeprüft wird? Ein einzelner Wissenschaftler hätte hierzu mehrere Monate gebraucht (vgl. http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/Plagiate) und mit Sicherheit nicht so viele Plagiate gefunden.
Die Seite Lobbypedia listet auf, welcher große Staatsmann zu welcher Organisation zuzuordnen ist (www.lobbypedia.de/index.php/Hauptseite). Des Weiteren lässt Facebook mit seiner Öffentlichkeit für die Massen, die Staatsmächte der Welt zittern.

Soziale Vernetzung befördert Demokratie und bringt mehr Gerechtigkeit – bis jetzt. Die Schwarmintelligenz entwickelt Formen auf die wir als Einzelne wie in einem Vogelschwarm nur noch wenig Einfluss haben:

Es bleibt also abzuwarten, was sich aus den Internetformationen an Gebilden hervortun wird. Zu dem Guttenbergfall können wir definitv festellen, dass die Resultate positiv waren. Betrügern wird es in Zukunft schwer, sich vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen, wie es auch schon Wikileaks gezeigt hatte. Die Frage ist nur, was hier wie ein Eigenleben entwickelt.

Zu dem Wikiprinzip und dem Guttenbergskandal empfehle ich noch meinen anderen Blog http://auf-der-hoehe-der-zeit.blogspot.com/2011/02/plagiate-bei-guttenberg-und-klimawandel.html
Ansonsten sind hier noch ein paar interessante Videos zu dem anonymen Google-Riesen:

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Der Fall Dominik Polonski und die Grenzen der Heilung – Woher wissen wir, dass ein Heiler wirklich ein Heiler ist?

Nachdem dem Cellisten Dominik Polonski ein Viertel seines Gehirns entfernt worden ist, kann er seine Beine nicht mehr bewegen. Doch dann hört er die ganze Nacht Melodien von Bach, ohne Unterbrechung. Den nächsten Tag kann er seine Beine wieder bewegen. Dann ein Rückschlag er hat einen Gehirntumor, der als austherapiert gilt. Zusammen mit Martin Busch, der Hypnose zur Veränderung der inneren Haltung in Kombination mit der Feldenkraismethode anwendet, schafft er es schließlich den Krebs zu besiegen. Bei der Feldenkreismethode sollen die inneren Bilder mit körperlichen Bewegungen verbunden werden. Dominik Polonski erzählt: „Der Arzt nahm die Untersuchungsergebnisse in die Hand und begann zu weinen. Er dachte es wäre das Ende, doch dann sagte der Arzt, dass der Tumor verschwunden wäre und er sich nicht erklären könne, wie das von statten gegangen wäre.“

Der Film über unglaubliche Heilungen (Dominik Polonski)
Obwohl der ganze Film sehr interessant ist, lohnt es sich besonders bei 24:20 spezielle das Schicksal von Dominik Polonski anzuschauen:

Viele Menschen sehen in den Ereignissen dieses Filmes den Beweis, dass die „westliche“ Medizin prinzipiell fraglich ist und es andere „Mächte“ zwischen Erde und Himmel gibt. ‚Ganzheitlich‚ ist mittlerweile zum Schlagwort geworden, womit jeder Wikipedia-Akademiker glaubt, den Medizinern um Lichtjahre voraus zu sein. Und auch die Mediziner kommen in Verlegenheit und formulieren: „Wer heilt, hat Recht.“ Doch können wir bei eintretender Heilung gerechtfertigt von Heilern sprechen?

Wenn ich beispielsweise einen Schnupfen habe und jemand kommt zu mir und sagt mir, er würde mich heilen. Wenn dann den nächsten Tag der Schnupfen verschwunden ist, woher weiß ich, dass der Heiler Ursache der Heilung und nicht meine Selbstheilung im Laufe der Zeit war?

Für den Wissenschaftler ist diese Frage leicht zu beantworten, denn der Wissenschaftler schaut sich einfach an, mit welcher Erfolgsquote ein Heiler in vielen, vielen Fällen arbeitet. Dieses mit genauen Fragen und Fallzahlen, die ein Einzelner aus seiner subjektiven Perspektive heraus einfach nicht erreichen kann. Insofern wir selbst die Welt nur beobachten, können wir vielleicht auf 10 Bekannte zurückgreifen, bei denen ein Heiler vielleicht (so genau fragen wir ja nie nach) erfolgreich war. 10 Menschen können aber immer noch Zufall sein; eine zuverlässige Statistik können wir daraus nicht basteln. Zudem fehlt uns der Charakter einer Doppel-Blind-Studie. Wenn der Heiler nämlich darauf spezialisiert ist, Schnupfen zu heilen und tatsächlich bei 100 von 100 erfolgreich ist (wobei diese Fallzahl bei Normalverteilung der Versuchsteilnehmer schon verlässlicher ist), so kann es immer noch sein, dass diese Menschen ohne äußeres Einwirken einfach gesund geworden sind. In einer Doppel-Blind-Studie vergleichen wir nun jedoch die Gruppe eines Heilers mit einer Gruppe, in der jemand nur vorgibt, ein Heiler zu sein. Wenn in beiden Gruppen die „Heiler“, die gleiche Erfolgsquote, das heißt hier in diesem Fall die gleiche Zeit benötigen, so gilt der Heiler nicht als wahrer Heiler. Er heilt nur mit der Zeit, wäre er nicht da, würde die Zeit ebenso die Wunden heilen.

Nach dem Beobachtungsprinzip aber, das ganz und gar nicht mit westlichem Denken zu tun hat, sondern mit der Art wie wir die Welt beurteilen, lassen sich Scharlatane aufdecken. Wenn jemand behauptet er könnte heilen, aber nur in einem von tausend Fällen Erfolge nachweisen kann, so liegt ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass er nicht heilen kann. Wenn jemand in 1000 von 1000 Fällen die größten Krebsleiden beseitigt, dann würde jeder noch so „westliche“ Mediziner ihm vertrauen. Dieses Denken und nicht das von Hobby-Esoterikern vielfach unterstellte „westliche“ Denken einer physikalischen Weltvorstellung dominiert die Wissenschaft.

Medien überhöhen Spontanheilungen (statistisches Wissen fehlt)
Überlegen wir nun, welche Fälle uns in aspektorientierten Medien begegnen, so sind es genau die Fälle, in denen es zu spontanen Heilungen kommt. Die Medien haben kein Interesse von Fällen zu berichten, in denen unspektakulär einfach mal nichts passiert. Wer würde sich das auch anschauen? Dominik Polonski kann daher ein außergewöhnlicher Einzelfall sein. Die Ursache für seine Heilung muss nicht die Therapie gewesen sein. Daher müssen wir vorsichtig sein, wenn wir Einzelfälle heranziehen und sollten uns prinzipiell ein bisschen Gelehrsamkeit im Bereich der Statistik aneignen und diese Statistiken auch einfordern. Der Film liefert hier keinerlei Hinweise und so behaupte ich, insofern ich viel Filme gesehen habe, dass die Filmemacher sich auch niemals mit statistischem Wissen belastet haben und somit unser wichtigstes Instrument zur Beurteilung von Heilungschancen außen vor lassen. Diese grundlegende Bildungsfrage, dass wir nämlich dieses Grundinstrument zur Beurteilung der Welt benötigen, wird selbst in der Schule ausgespart, stattdessen wissen Lehrer teilweise selbst nichts mit den angeblich „westlichen“ Denkern anzufangen.

Schlussfolgerungen zu Spontanheilungen
Aufgrund meiner theoretischen Prämissen, überzeugt mich der Heilungsverlauf von Dominik Polonski dennoch. Ich glaube daran, dass wir erlernen müssen unser Inneres in Einklang mit unseren Körper zu bringen. Ich glaube daran, dass wir in unserem Körper müssen wohnen können und dass wir unserem Körper durch falsche Gedanken schaden. Wer mit Techniken wie Autogenem Training (das im Übrigen tatsächlich mit statistischen Methoden erforscht worden ist) oder anderen Entspannungstechniken vertraut ist, der weiß, dass sich auch sonst unbemerkte Körperfunktionen wie beispielsweise der Herzschlag kontrollieren lassen. Ich glaube also auch, dass wir mit positiven Bildern unseren Körper heilen können und mit schlechten schaden. Wie weit dieses Vermögen allerdings reicht, muss tatsächlich in Beobachtungsstudien überprüft werden. Zunächst habe ich nur eine Theorie, die mir sehr plausibel erscheint. Das Wichtige aber ist zu erkennen, dass sie deswegen nicht wahr sein muss. Plausibilitätstheorien sind meistens sehr einleuchtend, müssen aber nicht wahr sein. So haben Eskimos beispielsweise auch nicht drei Milliarden Wörter für Schnee, sondern nach direkter Forschung nur drei. Auch bei Dominik Polonski zeigt sich, wie er hilflos versuchte, den Tumor als Vorstellung eines Steins mit allen möglichen Werkzeugen zu zerschlagen. Es half nicht. Die Frage ist also: Welche Techniken helfen? Aufgrund irgendeines individuellen Glaubens sind wir jedenfalls nicht schon in der Lage Ratschläge zu erteilen.

Die Frage ist somit auch: Auf wen sollen wir vertrauen? Wer ein bisschen mit Statistik vertraut ist, weiß wohin er sich wenden muss.

Ausblick zu meinem Blog
Wir müssen die Grenze unseres Heilungsglauben erkunden. Diese Grenze unseres Wissens über den eigenen Körper kann nicht durch Plausiblitätsthreorien bestimmt werden. Was aber können wir über uns selbst wissen? Wir, die ja wissen und doch auch fühlen?

Was ist die viel beschworene Einheit von Körper und Geist? Wir müssen in uns die Grenzen zur Welt ausmachen und diese Grenzen befinden sich nicht nur dort, wo unser Körper vermeintlich eine Außenwelt trifft. Auch wir in uns selbst sind wie ein Pendel mal näher mal weiter entfernt von unserem Körper und von uns selbst. Wir können auf unseren Körper einwirken, wir können unseren Körper aus Antrieb bewegen, aber wir können zugleich nicht über unseren Körper hinaus und sind ihm ausgeliefert, wenn wir beispielsweise krank werden. Wie können wir zudem ein Selbst sein? Wie können wir wollen, was wir wirklich wollen?

Schließlich können wir auch an uns verzweifeln und nicht wissen, was wir wollen. Denn so wie Jesus in der „Heilung“ von Lazarus’ Körper schon feststellte, „diese Krankheit ist nicht zum Tode“. Die wesentlichere Heilung muss vielleicht wesentlich in uns selbst stattfinden. Hier möchte ich aber nicht irgendeine selbstgebaute Esoterik oder Religion heranziehen, sondern nur durch Fragen den Gegenstandsbereich umgrenzen und damit den Beweisdruck auf die vermeintlich so wahren Esoteriken erhöhen.

weiterführende Gedanken hierzu sind zu finden unter: http://auf-der-hoehe-der-zeit.blogspot.com/2011/02/geistheiler-vs-pillendreher.html

 

 

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Inception – Das Neue in uns (Genies Teil 4)

Der Oscar für das beste Drehbuch 2011 geht an… „Inception“… Davon bin ich zu 100% überzeugt [Update: Damit habe ich dann meinen 100% Hollywoodsachverstand bewiesen :D). Sicher ist der Film ein effektsicheres, megalobombastisches Hollywoodspektakel (wer jedoch ernsthaft Philosophie betreiben will, sollte Brandom lesen). Der Film aber explodiert mit seiner Kraft an den Gedanken, legt eine parasitäre Idee ins Bewusstsein, die sich nicht mehr ohne weiteres ablegen lässt und aus der sich mehr und mehr Reflexionen und mehr als nur Reflexionen entfalten. Doch dazu gleich mehr, hier erstmal der Trailer, denn schon dieser hätte einen Oscar verdient:

Hier nochmal ein Trailer auf Deutsch

Mir reicht es schon die Musik zu hören. Hierfür wird auch Hans Zimmer seinen zweiten Oscar erhalten. In allen neueren Filmen vernehmen wir bereits den Inception charakterisierenden breiten, dunklen Bass als neues Stilmittel. Ich wette, wir werden dieses Stilmittel in Zukunft immer häufiger hören. Wer von der Musik aus dem Trailer noch nicht überzeugt ist, soll sich nur Folgendes ansehen:

Gut, ich möchte nun nicht den zähen Inception-Interpretationen anschließen, die immer nur das Ende des Filmes weiterspinnen. Einige Websites spezialisieren sich ja darauf (http://www.negativ-film.de/2010/07/inception-interpretationen-und.html). Ich muss hier also keinen Spoiler-Alarm durchführen, da es mir nicht um eine von vielen möglichen Interpretationen des Filmes geht. Ehrlich gesagt finde ich ziemlich unerheblich, was der Film letztlich für eine konsistente Geschichte abliefert. Ich interessiere mich ohnehin recht selten für Plots. Vielmehr geht es mir, um den Gedanken, der sich hinter einer Inception und damit auch in diesem Film verbirgt. Ich sehe nämlich in einer Inception mehr als nur eine Idee, die einfach und klar uns veranlasst unser Leben nach dieser Idee auch zu realisieren. Eine Inception ist nicht einfach nur ein unreflektierter Anfang. Die Frage nach der Inception birgt die Frage in sich, warum wir überhaupt etwas beginnen.

Also leiten wir zunächst mal den Begriff „In-ception“ her, indem wir uns den Begriff „Per-ception“ anschauen. Was im Deutschen zumeist als Wahrnehmung bezeichnet wird, findet im Englischen zwei Übersetzungen: „Sensation“ und „Perception“. Die „Sensations“ bezeichnen die Gesamtheit der einströmenden Sinneseindrücke und von denen haben wir angeblich 30.000 die Sekunde (ich weiß nicht, ob das stimmt, wenn ich aber an den Geschmack auf meiner Zunge, an die Hose an meinen Beinen, an die Coutch, auf der ich sitze, an meine Haare, an die Wärme des Raumes denke, so merke ich, dass hier einiges vorbewusst an Sinneseindrücken in mir lagert und einem Bewusstsein wie ein unbemerkter Wind vorbeiweht). „Perception“ bezeichnet demgegenüber die „Wahr-Nehmung“. Wörtlich verstanden also, dass wir etwas „für wahr nehmen“ und damit etwas aus seiner Verborgenheit in die Gegenwart des Denkens bringen. Dieses Etwas sind die Sensations. Der Gegenstand, ein Tisch zum Beispiel, setzt sich ja aus vielen Sensations zusammen, seine Position im Raum, seine Dichte, seine Oberflächenbeschaffenheit, seine Tiefe, seine Fühlbarkeit auf der Haut, seine Farbe, seine Wärme oder Kälte, seine Bewegung oder Ruhe. Wir müssen uns klar machen, dass unser Gehirn diese vielfältigen Sinneseindrücke zusammensetzt und die eine Wahrnehmung vom Tisch unter einen reproduzierbaren Begriff bringt (wir könntes es meinetwegen auch „Konzept“ nennen).  Das Wort „Tisch“ trifft natürlich nicht wirklich „den Tisch“, aber im Alltag reicht uns eine perzeptionelle Annäherung, der Begriff oder das Konzept aus und so gibt es eben viele Tische in der Welt, aber nur einmal „diesen Tisch“ hier.

Ach, was soll das also? Nun, wie wäre es denn, wenn wir in einen Traum ohne Ausweg aus uns selbst versunken wären? Jetzt wird es kompliziert, denn wir müssten uns fragen, woher hätten wir unsere Vorstellungen? Ich behaupte nämlich unsere Vorstellungen wären gänzlich leer ohne sinnliches Dawieder und durchgängig weltlich Bestimmtes, nämlich ohne Sensations. Gleichwohl wir nämlich im Traum durchaus mit den Konzepten unserer Perceptions umgehen, so haben wir doch keine neuen Sensations. Unser Wach-Bewusstsein lehnt sich schließlich zurück und lässt das reine Denken der Erfahrungen hantieren. Wir wäre es wenn wir ewig im Traum eingeschlossen wären? Wir würden uns irgendwann in der Langweile des Kombinierbaren verlieren, würden aber niemals mehr von einer neuen Qualität der Welt berührt werden. Denn nur was das Bewusstsein in der Welt als sinnliche Sensation erfährt, kann es auch wahrnehmen und somit im Traum auch denken. Nehmen wir die Farbe „rot“ als Beispiel. Sie hat eine eigene Qualität, die wir zwar nach ihrem Sein und Nicht-Sein beurteilen können (sie ist nämlich die Farbe „rot“, im Gegensatz zu allen Farben, die sie nicht ist, wie grün, blau, schwarz usw. somit ist diese Farbe systematisch in uns denkbar), doch wir können nicht das sinnliche Faktum der Farbe selbst in unseren Begriffen beschreiben. In der Wirklichkeit ist sie einfach da und wirk auf uns, ja sie wirk. Wir könnten zum Beispiel im Gegenzug annehmen, dass wir uns eine Farbe denken, die es unter bestimmten Bedingungen geben muss, das hieße aber nicht, dass es sie gäbe. Nehmen wir an, wir würden Grün nicht kennen, sondern nur Blau und Gelb, könnten wir daraus eine sinnliche Erfahrung wie Grün ableiten? Preisfrage, welche Farbe kommt raus, wenn ich grün, blau, gelb und rosa mische? Na? Na? :D

Wir würden nochnichtmal viel Nutzen aus einem kombinierbaren Gedanken ziehen, denn es verbliebe nur eine Phantasie. Wir können das Sinnliche nicht erschließen.

Dieses winzige Moment an Realität also, das mit Begriffen nur umgrenzbar ist, nicht aber erreichbar, nennt sich die letzte einfache Qualität. Und jetzt kommt die alles entscheidende Frage: Ist diese „Qualität“ Produkt unseres Geistes oder ist sie vorher schon in der Natur. *lach* Der Naturalist sagt, klar sie ist Natur und deswegen in uns. Der unreflektierte Idealist hingegen behauptet, wofür müssen wir sie dann versuchen zu erkennen? Sie muss also in unserem Geist sein. Die Welt ist auf einmal entweder Geist oder Natur.

Inception CC

Die Philosophie des Anfangs von der richtigen Welt (CC_Foto:Von h.koppdelaney)

Ist alles um uns herum Traum des federbettenden Geistes, der uns auf eine Reise mitgenommen hat oder der harte Beton des realen Nichts auf den wir knallen? Sind wir selbst nur ein Phänomen der größten Kettenreaktion aller Zeiten? Sind wir hier in einer Realität ohne Freiheit gefangen oder haben wir uns in der Endlosigkeit eines freien Geistes verirrt. *lach* Ungeachtet dessen müssen wir doch aber fragen: Woher empfangen wir das Neue, gleich ob im Geist oder in der Natur?

Kompliziert, aber genau diese Fragen stellt Inception. Nicht explizit, nein, aber der Moment ist enthalten. Wir haben also „Sensations“ und „Per-ceptions“ interpretiert, nun aber ist die Frage: Was ist eine „In-ception“?

Wir haben gesehen, dass die Perceptions immer nur das Wahr-nehmen einer Sensation darstellen. Es verbleibt unklar, ob wir dabei uns selbst oder die Realität wahrnehmen. Wir wissen nicht genau, was Sensations sind, wir wissen aber, dass selbst wenn diese geistig sind, wir diese nicht vollständig kontrollieren können. Sensations treffen uns, ob wir wollen oder nicht.  Auch ein Idealismus geht von einem unverfügbaren Gegebenen aus, von einer Qualität an sich. Nun erscheint es aber so, dass wir diese Qualität mit unseren begrifflichen Fixationen immer nur neu wahr-nehmen, aber nie neu erschaffen. Und seien wir mal ehrlich, wie oft überlegen wir, was wir kochen sollen und es erscheint uns als gäbe es in dieser Welt keine Qualität an Essen mehr, die uns erfreuen würde, weil jeder Seinsmoment des Speisens schon verkostet wurde? Wir sind satt von der Welt, gelangweilt. Wie oft behauptet der Gymnasialkunstlehrer, es gäbe nichts Neues mehr, weil alles nur noch Rekombination wäre? Selbst die Philosophie sei ja aus diesem Grund nur eine gewaltige Fußnote zu Platon. Aber hier kommt der entscheidende Moment: Gibt es eine Inception? Das heißt können wir eine Idee erschaffen, die nicht aus dem Unverfügbaren, sondern aus uns und nur aus uns selbst stammt? Vermögen wir einen Anfang zu leisten für eine Welt, die unsere ist? Können wir das Neue unter der Sonne hervorbringen? Wenn dem so wäre, dann wäre es gleich, ob wir in der Realität oder im Traum lebten, denn wir würden wieder erschaffen und könnten Grenzen vermittels des Neuen verwinden. Die Grenzen der Menschheit sind durch das Neue, jetzt noch unbekannte erweiterbar. Und das möchte ich als Genie bezeichnen, der es vermag dieses neue zu erkunden.

Was sind also neue Ideen? Und genau hier hat der Film Recht. Eine Idee ist mehr als nur Kausalität, wir lassen Städte, Romane, Traumwelten, virtuelle Realitäten, Scheinwirklichkeiten, Zahlen, Wissenschaften entstehen. Wir wirken mit diesen Ideen auf die Realität ein. Der Gedanke der Emergenz spielt hier eine Rolle, das heißt, dass wir etwas bewirken, was in seinem Ausgang offen war und durch kein Kausalgesetz hätte vorhergesagt werden können. Und selbst wenn uns die Neurowissenschaft lehrt, dass selbst unsere alltägliche Entscheidungsfreiheit Kausalgesetzen unterliegt, so hoffen wir doch zumindest auf diesen neuen Beginn auch in unserem Leben. Diesen Moment der Kreativität, wo uns etwas Neues gegeben wird oder etwas Neues in uns entsteht. Der Ausbruch aus den Spiralen des Alltags. Das ist, was wir erfahren wollen und das ist es doch wonach so viele suchen. Es heißt eine Farbe zu sehen, die wir noch nie gesehen haben. Etwas Neues probieren, zu schmecken, eine neue Musik zu vernehmen, die wir noch nie gehört, uns von einem neuen Menschen überraschen lassen, etwas Neues von der Welt erwarten, das wir noch nicht kennen. Stehen wir nicht deswegen auch auf? Doch dieses Neue ist so einfach und klar, so leicht einsehbar wie eine Melodie. Es ist ein neuer Ton, ein neuer Raum, eine neue Welt, etwas das sich so in uns legt, so dass wir aus der Rekombination dessen neue Welten aufsteigen sehen.

Wo beginnen wir also, wenn wir nicht bei der Erfahrung beginnen?

Genau das und damit möchte ich schließen, bietet der Film „Inception“, deswegen hat dieser Film auch den Oscar als bester Film verdient.

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Genies (Teil 3) – Von der Hoffnung Sinnvolles zu tun

Wir haben ja nun gesehen, dass das Genie sich nicht in die sinnlosen Bereiche entfaltet. Solche Menschen würden wir als Inseln bezeichnen. Was relevant ist, ist wie sich der Begabte mit seinen Fähigkeiten in die Gesellschaft integriert, denn nur dort erlangt die Fähigkeit Sinn und Bedeutung.

Immer wieder sprechen wir von den Genies, immer wieder wollen wir die Wunderkinder sehen. Ist Akrit Jaswal einer von ihnen? Mit 10 Monaten konnte er schon sprechen. Mit 7 Jahren hatte er bereits einen höheren IQ als Einstein (146). Dabei ist er nur ein Junge aus einem Bergdorf am Fuße des Himalayas. Doch hinter seinem Lächeln verbirgt sich vielleicht eine der außergewöhnlichsten Begabungen unseres Jahrhunderts. Wir sagen nur, hoffentlich ist er uns nicht böse gesonnen und rettet die Welt ;)

Wir haben also Glück gehabt, denn er will den Krebs besiegen.

Gut, ich sollte mich nicht lustig darüber machen. Natürlich ist er ein einzigartiges Talent ausgestattet mit dem Pathos, die Welt zu verbessern. Diese hohen Ziele, die häufig belächelt werden, sind für mich einziges Zeugnis von Intelligenz, gleich wie Intelligenz gemessen wird.

Rembrandt Heilung der Schwiegermutter des Petrus
Die wirklich Form der Intelligenz: Rembrandt “Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus“ Quelle: wikicommons

Und machen wir uns nichts vor, warum studieren denn Menschen in Deutschland Medizin? Weil sie grundlegend die Gesellschaft reformieren wollen oder weil sie einen sicheren Job wählen, der eine Menge Geld bringt? Gut, womöglich gibt es einen Aufschrei der Arztvereinigungen, wenn ich behaupte, dass Ärzte viel verdienen. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie das tun. Ein Durchschnittseinkommen von 164.000 Euro jährlich ist doch nicht zu unterschätzen (Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-07/aerzte-honorare-gestiegen), auch wenn dieses Einkommen nur die Honorare Brutto bezeichnet und davon nochmal Praxis und Praxiskräfte so wie Praxisausstattung bezahlt werden müssen. Doch dann kommen wieder die Privatpatienten und die Pharmaverträge hinzu. Bei den Jammerdebatten werden dann immer wieder Ärzte heranzitiert, die sehr wenig verdienen. Bei dem Durchschnittseinkommen handelt es sich dann aber wohl nur um ein Umverteilungsproblem. Wenn dann argumentiert wird, dass diese Ärzte ja sehr lange studiert hätten, dann kann ich versichern, das haben andere auch, die nicht unbedingt blöder waren. Die Gier ist groß und ich erinnere daran, dass nicht alle den Krebs besiegen wollen. Mir fällt dazu nur der Ausspruch einer Ministerin ein: „Ich kann sie nicht alle zu Millionären machen.“

Das Witzige am zweiten Teil über unser Genie ist im Übrigen wie die Ärzte vorgestellt werden, nämlich wie diese zu dramatischer Musik noch dramatischer in die Kamera schauen ;) Einfach mal beim Schauen drauf achten ;)

Im dritten Teil zeigt sich übrigens, dass unser Genie doch einen sehr selbstbezüglichen Forschehrgeiz entwickelt hat, denn die Lösung wie er Krebs besiegen will, sei noch sein Geheimnis. Also kein gottgeborener Albert Schweizer, sondern karriereinteressiert? ;)

Nach weiteren IQ-Tests ist Akrid enttäuscht, ist er vielleicht doch nicht das von Gott versprochene Genie?

Leider ist der Traum vom Warp-Speed-Genie gestorben. Ausgebremst. Akrid ist 1993 geboren, doch die Spur des Genialen verliert sich. Vielleicht kommt er in der Zukunft mal vorbei und rettet die Welt, aber das Genie ist er wohl nicht. Vielleicht gibt es auch gar keine Genies, sondern nur immer differenziertere Arbeitsteilung? Es gibt außergewöhnliche Leistungen das ist war, aber ob diese noch in den gegenwärtigen Wissensstand so integriert werden können, das ein Einzelner noch die Welt auf den Kopf stellen kann, möchte ich bezweifeln. Nicht ohne Grund gehen die Nobelpreise der letzten Zeit mehrere Forscher. Das Problem wird wohl sein, dass Alfred Nobel festlegte, dass diese nur an drei Forscher vergeben werden dürfen. Zu Akrid lässt sich nur sagen, dass er, wenn denn seine Motivation echt ist, einen zu bewunderenden Willen hat, Gutes zu tun. Von dieser Intelligenz bräuchten wir mehr.

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Genies (Teil 2) – Die Relevanz des Sinnlosen?

Toussaint, D. Foucaultsches Pendel cc_by-sa 2.0 Quelle: wikicommons
Das Foucaultsche Pendel stellt ein geniales Experiment dar, bei dem die Scheinkräfte der Erdrotation an jedem Ort der Erde außerhalb des Äquators dargestellt werden können. Die Abweichung der Pendelbewegung weist auf die Erdrotation hin.
 Anders als dieses Experiment unseren Wissensstand vermehrt hat, ist der Wert anderer Wissenschaften fraglich. Gerade die Vermehrung von Verschwörungstheorien, da jeder ja mittlerweile das Internet entdeckt, um seine empirisch ungesicherten Theorien zu verbreiten. Die Spitze der Esoterik bildet dabei wohl die neue Medizin. Wer viel, viel, nein ganz viel Zeit hat, kann sich das ja antun:

Es gibt ja auch Menschen, die Oliver Stone Verfilmung glauben oder noch besser glauben Dan Browns „Da Vinci Code“ sei ein Sachbuch. Daher schrieb Umberto Eco auch eine Persiflage auf dieses postmoderne Phänomen der zerstückelten Wahrheiten. In diesem Sinne ist Eco der Dan Brown für die Menschen, die noch ein Stückchen weiter hinter die Kulissen blicken wollen. Eine Theorie kann nämlich jeder erfinden, wichtig ist es jedoch, wie wir diese testen. Da die meisten Menschen diesen Sachverhalt nicht wissen, glauben sie so zum Beispiel auch immer noch das Eskimos 3 Milliarden Wörter für Schnee haben. Ist ja auch plausibel, die hocken ja den ganzen Tag im Schnee. Das solche Thesen aber durch einfach Beobachtung in anderen Fällen durch Beobachtung und statistische Auswertung widerlegt werden können, bezeichnen andere als westlicher Wissenschaftsaberglaube. Worin allerdings in Beobachtung der Ereignisse ein Mythos bestehen soll, ist mir unklar. Natürlich behaupte ich, dass wir schon aus diesem Grund, dass wir Theorien testen sollten, als erstes über Erkenntnistheorie nachdenken müssen. Es geht nämlich nicht darum, Wissen sinnlos zu vermehren, sondern darum Wissen in die gegenwärtig offenen Horizonte sinnvoll zu integrieren. Ecos Roman bietet eine wundervolle Stelle zu der sinnlosen Wissensvermehrung, die ich einst noch abtippte, um mir das Zehnfingersystem beizubringen. Leider weiß ich nicht, ob ich diese hier komplett einspeisen darf, deswegen werde ich sie nacherzählen. Super ich weiß :)

In Ecos Roman geht es darum, dass die Protagonisten Verschwörungstheorien erfinden, die schließlich aus der Phantasterei heraus nicht mehr als wahr oder falsch entschlüsselt werden können. Der Eintritt in diese schizophräne Welt, lässt letztlich die Wirklichkeit verschwimmen. Hier ein Teil, was die Protagonisten nebenbei an Wissen sinnlos vermehren:

(…)
„Hör mal, Jacopo, mir ist noch was Gutes eingefallen: Zigeunerische Urbanistik,“
„Schön“, sagte Belbo bewundernd. „Ich dachte gerade an aztekische Reitkunst.“
„Wunderbar. Aber tust du die jetzt in die Potiosektion oder zu den Adynata?“
„Mal sehen“, sagte Belbo, kramte in einer Schublade und zog ein paar Blätter heraus. „Die Potiosektion…“ Er blickte auf und sah meine Neugier. „Die Potiosektion ist, wie der Name sagt, die Kunst des Suppenschneidens. Aber nicht doch, wo denkst du hin“, wandte er sich an Diotallevi, „die Potiosektion ist doch keine Abteilung, sondern ein Fach, wie die Mechanische Avunculogration und die Pilokatabase, beide in der Abteilung Tetrapilotomie.“
            „Was ist Tetralo…“, fragte ich zögernd.
„Die Kunst, ein Haar in vier Teile zu spalten. Diese Abteilung enthält die Lehre unnützer Techniken, zum Beispiel die mechanische Avunculogration, die lehrt die Konstruktion von Maschinen zur Tanten und Onkelbeglückwünschung. Wir schwanken noch, ob wir auch die Pilokatabase in diese Abteilung einordnen sollen, das ist die Kunst um ein Haar zu entwischen, was ja nicht ganz unnütz ist, oder?“
Die Sache macht Spaß. Die Fremdwortklauberei und Hausiererei kann tatsächlich die Hormone wallen lassen. Und ein bisschen Hormonie muss schon sei. Natürlich und ich bitte darum, können wir diesen Sachverhalt auch zahllosen Intellektuellen Nerdbebrillten unterstellen (*sichpeinlichberührtdienerdbrillezurechtrückend*).  Mit Fremdwörtern zu hantieren ist aber keine Wissenschaft. Dementsprechend geht es also weiter:
„Ich bitte Sie, sagen sie mir doch endlich, wovon sie da eigentlich reden!“ flehte ich.
„Ganz einfach, Diotallevi und ich projektieren eine Reform des Wissens. Wir planen eine Fakultät der vergleichenden Irrelevanz, in der man unnütze oder unmögliche Fächer studieren kann. Die Fakultät zielt auf die Reproduktion von Gelehrten mit der Fähigkeit, die Anzahl der irrelevanten Disziplinen ad infinitum zu steigern..“
Und haben wir nicht dieses Gefühl, der Steigerung irrelevanten Wissens, wenn wir alte Sprachen studieren müssen, um einen Doktortitel zu erlangen? Ach, die Universitäten vermehren unkontrolliert nutzloses Wissen. Ich habe ja nichts gegen alte Sprachen, habe ja selbst viele alte Sprachen studiert, kann aber aus meiner Lebenserfahrung urteilen, dass ich diese Zeit lieber für moderne Fremdsprachen investiert hätte. 10 Gründe um Latein zu lernen lalala… blablabla…, argumentieren dann die Lehrer, die ja sonst keine Berechtigung hätten, Latein zu unterrichten. Vor allem dass Latein den Verstand schule, rückt dabei in den Fordergrung. So kognitiv anspruchsvoll ist Latein nun aber auch nicht, denn jede Sprache kann an die Grenze des Verstehbaren und Anspruchsvollen rücken. Und dann gibt es mit Sicherheit auch ein paar Genies ihrer persönlichen Privatsprachen, aber wen interessiert das? Wen interessiert eine Sprache, die nur einer spricht? Wir können dann doch nicht von unseren Kindern verlangen, dass sie Latein aus Lust am Spaß lernen. Ein paar Gründe, warum sie jetzt Latein und nicht Spanisch lernen, sollten schon sein. Da muss ich aber sagen, dass diese Gründe für moderne Fremdsprachen oftmals stärker sind.
Es bliebe uns noch zu sagen, dass Latein wie Kunst und Kultur keinen Sinn haben muss. Gut, alles Unnütze ist dann also Kunst? Nein, jeder der sich mit alten Sprachen beschäftigen will, sollte dafür auch die Möglichkeit haben, aber diese gesellschaftlich zu erzwingen, so wie viele Schulen jetzt wieder Latein vermehrt anbieten, halte ich für unnötig. Bildung ist nicht Latein. Und Latein bringt uns mehr Zeitverschwendung als Nutzen. Eco schreibt also weiter über dieses sinnlos vermehrbare Wissen:
„Und wie viele haben sie schon?“
„Vorläufig Vier, aber die könnten bereits alles denkbare Wissen enthalten. Die Abteilung Tetrapilotomie hat propädeutische Funktion, sie schärft den Sinn für die Irrelevanz. Eine wichtige Abteilung ist die der Adynata oder Impossibila. Zum Beispiel Zigeunerische Urbanistik oder Aztekische Reitkunst… Das Wesen der Disziplin ist das Verständnis der tieferen Gründe ihrer Irrelevanz und, in der Abteilung Adynata, auch ihrer Unmöglichkeit.
Hier haben wir einstweilen Morphematik des Morsens, Geschichte der antarktischen Agrikultur, der Montessorieschen Dokimasie, Assyrisch- Babylonische Philatelie, Technologie des Rades in den präkolombianischen Reichen, Ikonologie der Blindenschrift, Phonetik des Stummfilms…“
„Was halten sie von einer Psychologie der Massen in der Sahara?“
„gut“ sagte Belbo.
„Gut“ bekräftigte Diotallevi mit Überzeugung. „Sie müssten mitarbeiten. Der Junge hat Talent was, Jacopa?“
„Ja habe ich gleich gemerkt. Gestern Abend hat er mit großem Scharfsinn dumme Gedankengänge ersonnen. Aber machen wir weiter, wo das Projekt ihn ja scheint’s interessiert. Was hatten wir noch gleich in die Abteilung Oxymoristik getan? Ich finde den Zettel nicht mehr“
            Diotallevi zog ein Papier aus der Tasche und fixierte mich mit sentenziöser Sympathie. „ In der Oxymoristik geht es wie der Name sagt, um die Selbstwidersprüchlichkeit der Disziplin. Deswegen gehört meines Erachtens die Zigeunerische Urbanistik hierhin…“
            „nein“ widersprach Belbo, „nur wenn es Nomadische Urbanistik wäre. Die Adynata betreffen empirische Unmöglichkeiten, die Oxymoristik befasst sich mit begrifflichen Widersprüchen.“
            „Na schauen wir mal. Was hatten wir denn in die Oxymoristik getan? Hier: Institutionen der Revolution, Parmenideische Dynamik, Heraklitische Statik, Spartanische Sybaritik, Institutionen der Volksoligarchie, Geschichte der Innovationen der Traditionen, Tautologische Dialektik, Boolesche Eristik…“
            Jetzt fühlte ich mich herausgefordert: Darf ich eine Grammatik der Devianz anregen?
            „Schön! Schön!“ riefen beide und machten sich eifrig ans Schreiben.
Ich behaupte also, dass es in jeder dieser Disziplin Genies, Meister ihres Fachs geben mag, aber wir brauchen sie nicht alle. Was also ist ein modernes Genie. Die Relevanz des Unsinns erscheint mir eher zur Belustigung da zu sein, aber wir sollten schon über die Berechtigung unserer Forschungen nachdenken können und nicht ständig behaupten, wir brauchen eine freie Wissenschaft, denn die Gelder und die Zeit sind nicht unendlich.

Könnte es sein, dass wir den Geniebegriff auch deswegen verabschiedet haben, weil die alten Genies sich teils in diese Sinnlosigkeit verirrt haben?  Wir brauchen eine Wissenschaft, die ständig ihren Bezug zur Praxis wahrt! Gut, das ist radikal formuliert, aber ohne Rechtfertigungsdruck werden Forschungsgelder verschwendet und diese zu verschwenden, können wir uns angesichts der gesellschaftlichen Probleme noch nicht leisten.

http://www.classless.org/2009/06/03/vergleichende-irrelevanz/

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/04/das-foucaultsche-pendel.php
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Der Sport und die Weltrekorde

Der Jagd nach Rekorden sind biologische Grenzen gesetzt. Und so glauben wir, dass ein Weitspringer vor 100 Jahren die gleiche Leistung hätte erzielen können wie heute. Was haben wir also heute verbessert? Die Ernährung oder die Trainingsmethoden?

Eine interessante Gegenhypothese zur permanenten Überwindung der menschlich biologischen Grenzen liefert die Sendung Quarks. Demnach sind Weltrekorde vorrangig Ergebnisse einer Normalverteilung, nicht aber einer Steigerung der verbesserten Übepraxis zu verdanken. Wenn nämlich bedeutend viele Versuche durchgeführt werden, so muss es auch extreme Ausreißer geben. Diese extremen Ausreißer nennen wir Rekord.

Gut, okay, beeindruckend. Man muss sich ja nur überlegen, dass diese Typen einmal durch ein durchschnittliches Wohnzimmer hindurch springen. Diese Ausreißer werden bald nur noch mit einer durch eine veränderte Biologie überboten werden. Der Weltrekordhalter (seit 16 Jahren) Powell behauptet wohl in Unkenntnis der Grenzen des Menschen: „Weltrekorde sind dazu da, gebrochen zu werden.“  Doch ohne gewisse Verformungen der menschlichen DNA erscheint dies sehr unwahrscheinlich. Dennoch formuliert er hiermit einen Imperativ, den der Sport uns offenbar aufnötigt: Jeder Horizont ist eine Herausforderung. Wir sollen uns selbst überwinden. Wie aber überwinden wir uns? Ich behaupte entweder wir überwinden uns im Geist oder in unserer Natur.

Bundesarchiv Bild 183-R96374, Berlin, Olympiade, Jesse Owens beim Weitsprung
Der Weltrekord als extermer Ausreißer? Wie weit können wir uns noch steigern?

 

Den vom Sitzkissensitzen verbrauchten Durchschnittsathleten (ausgestattet mit One-Pack) überfordern Spitzenleistungen. Während Asketen die Bestleistungen erbringen gibt er sich mit alltäglicher Gemütlichkeit zufrieden. Genau genommen aber, hätte auch unser Gemütlichkeitsveteran nichts dagegen im Alltag mit gottgegebener Leichtigkeit zu brillieren. Dieses zeigt sich darin, dass uns Faulen die lächerlichsten Sportgeräte verkauft werden:

Wie erreichen wir Spitzenleistung?
Am besten ist es also wir tun nichts für unsere Leistung. Wenn aber jemand nichts für seine Muskelatur und Sportlichkeit tun müsste, so wären alle mit dieser Muskulatur und Sportlichkeit ausgestattet. Es geht also garnicht um die Überwindung einer biologischen Grenze, sondern der Überwindung der Trägheitsgesetze unseres Körpers durch menschlichen Willen.

Sport ist eine Herausforderung an die menschliche Natur der Gemütlichkeit, und diese Natur sollen wir uns selbst Untertan machen. Die Askteten treiben es hier auf die Spitze. Der Körper wird zu einer formbaren Masse des Willens und damit auch Ausdruck desselben.

Zugleich hört es sich an, als wäre bei diesem Sport auch ein Teil von Arnies Gehirn verbraucht worden.Wir fragen, ob es sich wirklich um Askese handelt, wenn der Arnold dabei fast vor Orgasmen explodiert. In uns ist es doch eingeimpft, dass Askesen keine Spaß machen dürfen. Spitzensport soll die Opferbereitschaft für das Ziel das Beste zu erreichen sein. Wir bewundern Askesen!

Nichts destotrotz sind Körperkünstler („MEIN KÖRPER IST EIN KUNSTWERK!“) in der Kritik. Der Dopinggedanke vergiftet hier unsere Bereitschaft zu bewundern. In der Süddeutschen heißt es dazu: „Wer seinen Körper künstlich verbessert, verletzt das Prinzip der Askese.“ Wenn bereits im Amateursport schon gedoped wird, nur um ein paar Bekannte auf die Plätze zu verweisen, so können wir uns vorstellen, wozu Individuen bereit sind. Die folgenden erschreckenden Beispiele zeigen Bodybuilder, die ihre Realität verloren haben, nicht auszudenken, wie sie bereit wären ihr Genom zu modifizieren.

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Diese Beispiele sind real und gehen zurück auf den übermäßigen Einsatz von Steroiden. Hier regt sich Abscheu. Wir bewundern Asketen und nicht künstliche Rekorde.

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