In der seiner Halbzeitpause spielt der Superbowl und Frauen lassen für ihn den Klodeckel hochgeklappt. Die Rede ist vom interessantesten Mann der Welt.
Es tut mir sehr leid, dass es in letzter Zeit sehr ruhig, um diesen Blog geworden ist. Bis zum Juli wird sich dieses auch nicht großartig verändern, denn ich arbeite gerade daran der interessanteste Mann der Welt zu werden. Neben diesem Hobby aber stehen auch noch andere Projekte an, die mir alle in der Summe viel Zeit nehmen. Obwohl ich Zeit immer aufbringen kann, denn es lässt sich immer etwas abknapsen, ist der Druck bei diesen Projekten (den ich mir selbst auferlege), auch so hoch, dass ich in meiner Freizeit immer das Gefühl habe, meine Zeit zu verschwenden. Daher liegen alle Hobbys brach. Nähere Erläuterungen dazu wird es ab Juli geben, wo ich diese Serie wieder zuverlässig fortsetzen werde. Es stehen interessante Themen an: Die Arktis-Expedition muss noch ausgewertet, das Universum beschrieben werden, Verschwörungstheorien werden im Mittelpunkt stehen und die 10 wichtigsten philosophischen Fragen der Gegenwart möchte ich thematisieren. Schließlich habe ich ja bei Robert Brandom studiert, dem angeblich interessantesten Philosophen der Gegenwart (das ist natürlich sehr angeberisch, aber vielleicht gibt es den Lesern vertrauen in meine Person). Bis dann erstmal Norman :)
Umverteilung und kommunistische Revolution als Lösung?
Nach Wikipedia leben die meisten Hungernden in Asien und der Pazifikregion (524 Millionen), danach kommt Afrika südlich der Sahara mit 206 Millionen Hungernden. Lateinamerika hat noch 52 Millionen und der nahe Osten 38 Millionen. Die meisten Hungernden leben demnach in den Entwicklungsländern (820 Millionen). In den Schwellenländern seien es hingegen nur 25 Millionen, wobei es in den Industrieländern noch 9 Millionen Hungernde gibt.
Weltkarte des Hungers Quelle:wikimedia
Ich hatte bereits angedeutet, dass diese Zahlen zunächst nur geringfügig Aufschluss über das tatsächliche Problem des Hungers geben, denn da es „nur“ 8,8 Millionen Hungertote gibt, so fragt sich doch, was uns diese Zahlen sagen sollen. 8,8 Millionen Hungertote im Jahr bedeutet nämlich „nur“ 0,34% der Weltbevölkerung. Natürlich sind die absoluten Zahlen der tatsächlich Leidenden nicht zu vernachlässigen und es muss gelten, jeden vermeidbaren Tod eines Menschen zu verhindern, aber stellt es sich womöglich heraus, dass der Hungertod ein Randphänomen unserer Gesellschaft geworden ist und nicht mehr zu den Vorboten der Apokalypse gezählt werden muss? Wenn wir strukturell über 0,34% der Bevölkerung nachdenken, so dürfte sich bei der tatsächlichen Großräumigkeit der Welt dieses Problem schwerlich durch Spenden beheben lassen, denn die Frage ist: Wohin mit dem Geld? Umgekehrt wird eine Umverteilung der weltweiten Reichtümer von Superreichen vielleicht mehr Gerechtigkeit ermöglichen, wohl kaum aber ausreichen, um die Welt mit umfassendem Wohlstand zu versorgen. (Ich werde bei Gelegenheit konkrete Berechnungen dazu vorstellen. Mit relativ groben Schätzungen gehe ich davon aus, dass wir mit einer weltweiten Revolution und der Entmachtung der Reichen ungefähr 1000 Euro für jeden Erdenbürger im Jahr mehr zu Verfügung hätten, müsste dieses aber nochmal konkret überprüfen. Vielmehr springt zumindest nicht für den Einzelnen heraus. Es gibt leider sehr wenig Reichtumsforschung. Der kommunistische Gedanke aber, dass eine Umverteilung Wohlstand für alle bedeuten würde, ist meines Erachtens falsch. Wir würden stattdessen mehr Leistungsgerechtigkeit vielleicht herstellen können, ob dieses aber ungerechte Revolutionen mit Gewalt rechtfertigt, die mit viel Blutvergießen geführt werden müssten oder ob überhaupt der Aufwand einer Revolution mit den Resultaten aufgerechnet werden kann, habe ich in meine Überlegungen noch garnicht berücksichtigt. Es ist zumindest problematisch, Revolutionen zu fordern, auch wenn sie eine gerechtere Gesellschaft, als wir sie jetzt haben, erzeugen würden, denn Revolutionen sind teurer und der Ertrag ist gering.)
Planwirtschaftliche Vorhaben
Zunächst hört sich die Hungerdebatte sehr alarmierend an, doch wenn dann einer das Problem angehen will, so ist sogleich unklar, wo es angegangen werden soll. Es geht nämlich nicht um Nahrungslieferungen in Krisengebiete (die finden statt). Bei dem Problem des Welthungers geht es viel eher um die Frage eines Wirtschaftsprogramms für die ganze Welt und ob dieses überhaupt planwirtschaftlich gelöst werden kann. Die größte Hungerskatastrophe der Welt fand in China im Jahre 1959-61 statt. Da man dachte, dass eine zentrale Planungsstelle die vielen kleinen Ortschaften regulieren könnte und so große unnatürliche Umsiedlungsprojekte in Gang brachte, starben in der Folge ca 15 bis 45 Millionen Menschen (http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Sprung_nach_vorn).
„Der große Sprung nach vorn“ entpuppte sich als einer der grausamsten Flops zentraler Planwirtschaft. Größere Hungerskatastrophen hatte die Welt zuvor noch nicht gesehen.
Die Parteien hatten durchaus positives im Sinn, doch auch der Glaube an die Kontrollierbarkeit der Staaten entspringt derselben Quelle wie der Glaube an die Kontrollierbarkeit der Natur.
Hier zeigt sich gerade der Vorteil einer freien Marktwirtschaft, dass der Einzelne nah dran ist und Risiken viel besser kalkulieren kann, weil er sie auch immer für sich selbst mitkalkuliert. 7 Milliarden Menschen können nun mal besser rechnen als eine zentrale Planungsstelle. Dass auf der anderen Seite eine vollkommen freie Marktwirtschaft dieses Prinzip wieder mit der Bildung von Großkonzernen und niemals rechtfertigbaren Gehältern ad absurdum führt, muss natürlich kritisiert werden. Die Zeschlagung von Kartellen ist hier überaus notwendig. Die Tatsache aber, dass eine vollkomen freie Marktwirtschaft nicht funktioniert, ist noch kein Grund auf die unsichtbare Hand der Selbstorganisation im unteren Bereich zu verzichten. Selbst Kuba geht nun diesen Weg der unteren Selbstorganisation. Damit aber müssen wir womöglich einsehen, dass die Hungerproblematik ebenso ein diffizielles, strukturelles Problem darstellt, das sich nicht durch Plakataktionen lösen lässt. Das Problem des Hungers ist meines Erachtens nur die Konsequenz der größten volkswirtschaftlichen Frage: Wie bauen wir eine gerechte und funktionierende Welt? Diese Frage lässt sich nicht allein mit dem Glauben an Umverteilung beantworten, sondern bedarf auch einer noch besseren funktionierenden Wirtschaft weltweit. Denn eines wird von den Linken oftmals vergessen: Die Wirtschaftlichkeit dient dem Menschen, indem Lebensbedingungen verbessert werden. Es muss nur verhindert werden, dass Einzelne Ungerechtigkeiten innerhalb dieses Systems ausnutzen. Aber gut auch diese Vorschläge sind grob und nur schemenhafte Skizzen, mir kommt es allerdings auch einfach nur darauf an Hunger nicht als das Ziel dunkler Männer im Hintergrund auszudeuten, sondern als ein Problem, das nur durch bessere Wirtschaftlichkeit beseitigt werden kann.
Bürgerkriege als Ursachen mangelnder Wirtschaftlichkeit in Afrika
Schnell werden für den Welthunger europäische Agrarsubventionen und Rohstoffspekulanten als Ursachen herangezogen. Diese vielleicht konkreten Ursachen erklären vielleicht, warum die Existenzbedingungen von Bauern in den Regionen bedroht sind, nicht aber, warum es zu Hunger als strukturellem Problem kommt, denn genug Nahrung gibt es auf der Welt. Wenn Essen günstiger produziert werden kann, dann ist es auch sinnvoll dieses zu tun, da so generell auch mehr Essen für alle Bevölkerungsschichten bereitgestellt werden kann. Die Wirtschaftskraft wird gestärkt, da mehr Arbeitskapazitäten für andere Arbeiten zur Verfügung stehen. Die Frage ist nur: Was machen die Afrikaner mit den komparativen Vorteilen? Sie investieren es in unnötige Kriege. Statt Investionen in Bildung zu tätigen, zerstören Bürgerkriege die Möglichkeit, die Gesellschaft fundamental vom bloßen Agrarproduzenten zu lösen. Und erst diese Abhängigkeit vom Agrarmarkt bedingt die unsicheren existentiellen Umstände. Hilfslieferungen von Nahrungsmitteln bringen da nicht weiter und auch nicht die Reduzierung von Agrarsubventionen (obwohl das natürlich gerecht wäre). Die Abhängigkeit bliebe dieselbe.
Es stellt sich bei der Hungerbekämpfung tatsächlich die Frage, wie sich die von Hunger bedrohten Gesellschaften strukturell verändern sollten. In der Moderne zeigt sich, dass gerade Länder, in denen es viele Rohstoffe gibt, Opfer von Bürgerkriegen werden. Die Frage der Verteilung der Rohstoffe überfordert zumeist die Regierungen und löst verschiedenste Konflikte zwischen den Staaten aus, die um große Rohstoffreserven konkurrieren. Die vielen verschiedenen Ethnien in den afrikanischen Staaten, die vielen Bevölkerungsschichten verursachen Bürgerkriege. Es könnte also sein, dass das Welthungerproblem in Afrika weniger mit einer postkolonialistischen Politik der Industriestaaten zu tun hat, als vielleicht vielmehr mit der Organisationskraft dieser Länder nach innen. Eine einheitliche Stimme Afrikas würde einiges nützen, dies setzt aber voraus, dass die vielen Länder lernen, Differenzen zu überwinden und sich als ein Kontinent zu begreifen. Gerade in den letzten Jahren zeigt sich ein Erstarken der wirtschaflichen Kraft in Afrika aufgrund genau dieser spärlichen Anfänge der Geschlossenheit. Wirtschaftlicher Aufschwung ist wie es Roslin gezeigt hat das beste Mittel gegen Armut, wie dieses allerdings durchzusetzen ist, lässt sich bei Millionen von Akteuren schwer berechnen und vorhersagen. Hier sollte niemand seinen eigenen Sachverstand überschätzen, denn die Interaktionen von Millionen von Menschen vorherzusagen, ist für den normalen Verstand ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist aber genauso abstrus zu behaupten, dass einzelne Männer in Europa oder Amerika die Kleinhaltung dieser Staaten durchsetzen könnten. Natürlich gibt es Menschen, die ihre Interessen vertreten, ein einheitliches Afrika könnte aber weder von Amerikanern, von Russen, Europäern oder Chinesen unterdrückt werden.
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Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Ich werde das Hungerproblem noch unter dem Aspekt des Hungerkünstlers behandeln. Zunächst aber war es mir wichtig, diesen Beitrag als Frage nach der Grenze der eigenen Existenz zu stellen und die Bedeutung des Hungers in einer modernen Gesellschaft zu hinterfragen. Dabei hat sich gezeigt, das Welthunger zunächst ein überschätztes Problem ist und zum Anderen ein Problem, das langfristiger Lösungsstrategien bedarf. Zumindest können wir meines Erachtens nicht behaupten, dass Probleme wie derzeit in Japan als akute Probleme medial ungerechtfertigt Aufmerksamkeit verlangen und Hunger aufgrund von Desinteresse unter den Tisch fallen. Ich freue mich über andere Meinungen, also kommentiert :)
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Nun muss meines Erachtens ein weltweiter Hilfseinsatz für den Kampf gegen die Strahlung folgen. Ob die Japaner dieses wollen, ist die Frage. Die stolzen Japaner fürchten womöglich ihr Gesicht zu verlieren, aber dieses wäre dramatisch. Wir brauchen die UN im Katastrophengebiet, um eine Strahlung für ganz Asien begrenzen zu können.
Schauen wir uns die Lage an:
Die 50 verbliebenen Arbeiter kämpfen ihren verlorenen Kampf. So heldenhaft diese Versuche sind, es ist nun notwendig weiträumig zu evakuieren. Der Kampf der Arbeiter ist nur noch Schadensbegrenzung, um die Folgen der Kernschmelze zu minimieren. Machen wir es uns klar: In Japan entsteht gerade langsam und bedächtig ein hochradioaktiv verseuchtes Gebiet. Die Kühlflüssigkeiten die Japan nun aus Nordkorea ordert, erscheinen mir daher dazu da, die bevorstehende Schmelze so zu begrenzen, dass die Folgen geringer sind. Dass die Schmelze verhinderbar ist, glauben wohl nur noch wenige. So haben auch die Amerikaner Löschmittel geschickt, in der Taz findet sich dazu folgendes Zitat: „Diese Löschmittel sind sicher Borsalze, die man nach einer solchen Explosion aus einem Hubschrauber abwerfen könnte, um eine atomare Kettenreaktion zu verhindern.“ (http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/das-ist-nur-noch-sterbehilfe/) Meine Vermutung ist also, dass diese Borsalze einfach nur noch einschränken sollen. Diese können aus Hubschraubern abgekippt werden und das Umfeld für den Bau eines Sarkophages bereiten. Der Bau eines bzw. von 5 Sarkophagen muss damit jetzt beginnen. Diese Einsicht stellt damit eine Herausforderung nicht nur für Japan und auch nicht mehr nur für Asien, sondern für die gesamte Welt.
Die spärlichen Informationen über diese Lage deuten auf Selbiges hin. Krisenmanagement bedeutet, alle Informationen sofort an die Öffentlichkeit zu leiten. Katastrophenmanagement, scheibchenweise zu informieren, um Evakuierungsmaßnahmen vorzubereiten. Erst am Freitag wird wahrscheinlich über das gesamte Ausmaß aufgeklärt werden. Dieses ist in der Katastrophenforschung der Kulminationspunkt. Wir können also annehmen, dass der Krisenstab von der Katastrophe ausgeht. Dies bedeutet eben zwei Dinge: Evakuierung und Bau eines Sarkophags.
Evakuierung:
In Tschernobyl gab es Städte, die zwar 300 km entfernt waren, aber dennoch verstrahlt worden sind. Tokyo ist 250 km von Fukushima entfernt. Nun ist es utopisch 40 Millionen Menschen (immerhin die Hälfte der deutschen Bevölkerung) zu evakuieren. Wo sollten diese untergebracht werden? Aber was soll mit ihnen umgekehrt passieren? 40 Millionen Strahlungskranke sind genauso schwer zu verwinden. Also unter allen erdenklichen Mitteln evakuieren.
Bau eines Sarkophags:
Die Bedienungsmannschaften werden geopfert und es fragt sich, was sie in Fukushima noch erhalten können. Worum geht es ihnen? Im Grunde können sie nur die Auswirkungen der Kernschmelze begrenzen. Ich schätze die Lage so ein, dass einige Reaktoren bereits aufgegeben worden sind und es nun darum geht, die anderen so gut wie möglich zu erhalten. Dieses begrenzt die Strahlung und macht den Bau eines Sarkophages „leichter“. Unter den Arbeitern opfern auch amerikanische U.S. Militärs ihr Leben. Warum? Auch die Amerikaner haben Angst vor einer Wolke, dennoch denke ich auch, dass es sich um eine Form der Solidarität handelt, die über Landesgrenzen und Nationalitäten hinaus geht. Die Menschheit überwindet ihre individuellen und nationalen Grenzen. Dieses bedarf es nun. Es sollten weltweit Freiwillige aufgerufen werden. Auch die Einbeziehung anderer Staaten ist hier sinnvoll. So haben die Russen schon Erfahrung im Umgang mit einer solchen Katastrophe. Das zynische Resultat heißt aber dennoch: Ohne Menschen, die ihr Leben opfern, wird es nicht gehen (vgl. http://diepresse.com/home/panorama/welt/642122/Die-50-Helden-von-Fukushima) http://www.alexeimakartsev.de/blog/index.php ). Ob diese Opfer Freiwillige sind oder das Militär herangezogen wird, ist der Knackpunkt. Was wenn es nicht genug Freiwillige gibt? Nach den Strahlungswerten zu urteilen, müssten die Arbeiter in Fukushima jetzt schon so stark verstrahlt sein, dass statistisch 50% von diesen in den nächsten 30 Tagen sterben werden (http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenkrankheit). Ein Einsatz des Militärs würde demzufolge bedeuten, dass viele sterben werden. Es handelt sich also um einen Kriegseinsatz. (Was bereits anlaufen sollte: Ich gehe nicht davon aus, dass genügend Ausrüstung für Strahlenvorfälle vorhanden ist. Zumindest sollten die Militärs weltweit mit ihrer Ausrüstung spenden.)
Aufgabe der Staatssouveränität für das Katastrophengebiet:
Es muss doch gefragt werden, warum das Militär nicht schon viel früher die Kontrolle über die Reaktoren übernommen hat. Es muss auch gefragt werden, warum es so unmöglich war neue Notstromaggregate in die Region zu bringen. Diese Fragen gelten aber nun für eine Nachkatastrophenzeit. Tatsächlich muss nun das zögerlichen Handeln beendet werden. Die lebensverlängernde Maßnahmen eines im Sterben liegenden Reaktors dienen nur noch der Vorbereitung der Schadensbegrenzung. Japans gemächliche Teezeremonie führt zum Gesichtsverlust, denn sie hätten längst nach weltweiter, internationaler Hilfe anfragen müssen. Allein konsequent wäre es nun, die Staatssouveränität für das Katastrophengebiet aufzugeben und den Katastrophenfall der UN zu übergeben, so dass nun der Bau eines Sarkophages unter internationaler Beteiligung und Aufbietung aller Ressourcen beginnen kann. Das verstrahlte Areal bedarf vieler Arbeitskräfte und natürlich ist es fragwürdig, wer dort hin soll. Es handelt sich jedoch, so wie es Prof. Lengenfels gestern im Heute-Journal feststellte, um einen Militäreinsatz wie im Kriegsfall. Soldaten müssen also zu den verseuchten Gebieten (wenn es keine Freiwilligen gibt) und so gut wie möglich aufräumen, um die Verstrahlung zu begrenzen und eine beständig strahlende Gefahrenzone, die ganz Asien auf Dauer verseuchen könnte, einzudämmen.
Ergänzung: 16.03.11 15:12 Uhr: Mittlerweile hat das Militär das Wasser in den Reaktorschütten wieder ausgesetzt, da die Strahlung zu hoch ist. Somit stellt sich die Frage, was mit der verstrahlten Gegend passiert.
Frage: Könnte nicht aus Angst vor radioaktiven Wolken der Himmel gereinigt werden? Wenn Peking den Himmel während der olympischen Spiele gesäubert hatte, um „sauberes“ Wetter zu bekommen, so müsste dies doch auch in Japan möglich sein. Dieses könnte doch radioaktive Wolken verhindern oder? Ich weiß es nciht, bitte kommentiert, wenn ihr Informationen hierzu oder zum Bau des Sarkophags habt. Danke.
Nach Angaben der Zeit hat die Betreiberfirma Tepco begonnen, den Großteil der Arbeiter in Sicherheit zu bringen. So seien rund 800 Mitarbeitern im AKW Fukushima-1 von denen etwa 750 abgezogen worden sind. Das heißt nur noch 50 Mitarbeiter befinden sich in den Kraftwerken (vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-03/japan-atom-strahlen)
Währenddessen kritisierte Ministerpräsident Kan die Betreiberfirma Tepco. Zunächst werde er nicht von der aktuellen Lage unterrichtet: „Das Fernsehen berichtet von einer Explosion. Aber dem Büro des Premiers wird eine Stunde lang nichts gesagt“ und er fügt hinzu: „Was zum Teufel ist hier los?“ Darüber hinaus verlangt er von der Betreibergesellschaft Tepco, ihre Mitarbeiter nicht aus der Anlage abzuziehen (vgl. http://www.faz.net/s/RubB08CD9E6B08746679EDCF370F87A4512/Doc~E17FED35744A5423794A4184C2A1AF88B~ATpl~Ecommon~Sspezial.html)
Mich wunderte an der Sache, dass nicht schon längst das Militär die Kontrolle über das Kraftwerk übernommen hatte. Hätten nicht umfangreiche Planungen zum Errichten eines Sarkophags wie in Tschernobyl beginnen müssen?:
„Am Dienstag, dem Tag Fünf der Fukushima-Katastrophe, riss Premier Naoto Kan, 64, die Geduld. Er setzte sich in seinen Dienstwagen und ließ sich in die Zentrale von Tokyo Electric Power Company (Tepco) in Tokio fahren. „Was ìst hier eigentlich los?“, schrie er die verdatterten Manager des außer Kontrolle geratenen Kernkraftwerks Fukushima an. „Auf euch kommt es jetzt an, ein Rückzug ist nicht denkbar, reißt euch zusammen!“
Nach weiteren Angaben von Spiegel-online habe Kan nun (längst überfällig) einen gemeinsamen Krisenstab von Kabinett und Tepco eingerichtet. Damit soll wohl die mangelnde Inkompetenz abgestellt werden.
Über die Evakuierungsmaßnahmen erfahren wir: Kleidung wird in Sondermüllbeuteln verpackt, Menschen mit Seifenlauge gewaschen. Geigerzähler schlagen aus. Hochmodernisierte Regionen werden verlassen und was den Menschen bleibt ist Nichts. Der japanische Börsenindex bricht zusammen. Doch die dringenste Frage welche „Bioroboter“ sollen nun zum Einsatz kommen?
In einem Interview erklärt ein Arbeitspsychologe, warum die Arbeiter überhaupt noch im Kraftwerk arbeiten (http://www.zeit.de/karriere/beruf/2011-03/interview-arbeitspsychologe-fukushima). Vor allem greifen wohl Rationalisierungsvorstellungen, dass die Dinge schon nicht so schlimm sein werden. Zudem seien die Japaner beherrscht von einer strengen Unterordnung. Die Angst das Gesicht zu verlieren, weil man sich aus dem Staub macht, lässt sie wohl dort weiter kämpfen.
So heißt es gestern noch bei Phoenix, dass ein Arbeiter, der an der Pumpe stand, angeblich kurz weg gegangen sei, und irgendwann kein Benzin mehr in der Pumpe gewesen sei, wodurch es zu einer erneuten kritischen Situation kam. I
Ganz im Kantischen Sinne könnte die Pflicht zum Gesetz als Schutznorm für die Menschheit zum wahrhaft guten Handeln motivieren. Tatsächlich war es nach Kants Auffassung vom Guten immer schwierig zu entscheiden, ob jemand das Gute im Sinn hatte oder eher gut war, um Anerkennung oder Selbstbestätigung zu erhalten. Was wäre es aber hier? Sein eigenes Leben auf’s Spiel zu setzen, um andere Menschen zu schützen, ist wohl eine der außergewöhnlichsten Leistungen menschlichen Lebens.
Dennoch kann sich wohl niemand leisten, Menschen nach Fukushima zu schicken, denn diese Umstände sind ja nicht mit den Risiken von Feuerwehrmännern zu vergleichen, wobei das Risiko im Sichtbereich kalkulierbar ist. Jeder in der Gefahrenregion wäre einer schleichenden Verstrahlung ausgesetzt, die sich unsichtbar wie ein dunkler Schleier über seine Zukunft legt, ein Tod auf Raten also. Und wer würde hier seine Freiheit so wählen, dass er letztlich die Freiheit für die anderen aufgibt.
Dies erinnert nur daran wie, so lächerlich das klingen mag, Spock sein Leben für die Enterprise gab und sich dem Strahlentod aussetzte. Dieser Mut wäre wohl bei einer Atomkatastrophe größer als die Aufopferungsbereitschaft bei anderen Katastrophen und das ist wohl das einzige, was hier noch gelernt werden kann.
Wie Spock also sagte: „The needs of the many out weigh the needs of the few.“
Utilitaristische Einsichten sind wohl die wahren Grenzen der menschlichen Natur, denn hier muss sich der Einzelne als singuläres Ich überwinden und rational einsehen, dass das Leben mehr ist als nur das Eigene.
Ungeachtet dessen ist wohl die Konstruktion eines Sarkophags (und so wie es aussieht, werden wohl 4 benötigt) wohl eine der großen Herausforderungen (für jeden, der mir dazu gute Informationen schicken könnte, wäre ich sehr dankbar). Im Folgenden ein paar der spärlichen Informationen, die ich dazu finden konnte.
Ein kurzer Bericht über den Sarkophag heute (noch 3500 Arbeiter arbeiten dort)
Eine kurze Einschätzung zur Brüchigkeit des Sarkophages heute:
Zwar gibt es immer mehr Aufnahmen vom Tsunami, aber nur geringfügig wertvolle Informationen. Es werden zwar mehr und mehr Augenzeugen interviewt und es wird uns immer besser erklärt, wie eigentlich ein Reaktor funktioniert, doch je mehr Nachrichten ich zu diesen Themen sehe und je mehr sich die Nachrichten und Beiträge, teilweise neugemixt wiederholen, desto weniger informiert fühle ich mich. Endloses Expertengelaber, wobei im Grunde nicht viel gesagt wird. Es schaut beinah so aus als wohnten wir einer gemächlichen japanischen Teezeromonie bei. (zu den japanischen Fehlinformationen und den Fluchtbewegungen der Arbeiter aus dem Kraftwerk http://limits-of-human-nature.blogspot.com/2011/03/das-leben-der-vielen-wiegt-mehr-als-das.html)
Nun halte ich es für unangebracht über andere Themen zu bloggen, so lange hier wesentliche Fragen nicht geklärt sind. Doch es fragt sich, ob diese Fragen überhaupt gestellt werden, bis es zur Kernschmelze kommt: Was sind die Grenzen der Hilfe? Die Japaner teilen alle ausländischen Hilfsorganisationen den Gebieten zu, die nicht vor der atomaren Katastrophe bedroht sind, doch wer hilft dann in den bedrohten Gebieten? Das Fernsehen ist ein Oberflächenmedium, doch auch das Internet bietet keine weiteren Informationen. „Die Zeit“ zeigt nur, was schon lange bekannt ist, stattdessen werden Debatten über deutsche Atomkraftwerke geführt, die durchaus auch noch morgen geführt werden könnten. Dünn sind die Nachrichten über die Evakuierung, dünn die Informationen über die Arbeiter im Kernkraftwerk selbst, wenig Einblicke zu den Betroffenen der Verstrahlung. Dabei stellen sich konkrete Fragen: Müssen wie in Tschernobyl 600.000 – 800.000 Liquidatoren zum Einsatz kommen? Bereitet sich die Regierung darauf vor oder werden dann nichts ahnende Soldaten verheizt? Es gibt mittlerweile weitere Kraftwerke, die der Gefahr einer Kernschmelze entgegen gehen. Wie sieht dort die Katastrophenvorbereitung aus? Alle Medien spekulieren über eine Kernschmelze, aber niemand sagt, was dann am besten getan werden muss und welche Konsequenzen dieses für Japan haben wird. Welche Szenarien sind möglich? Genau das interessiert uns doch. Wir wissen doch mittlerweile, dass ein Gau beziehungsweise Supergau so gut wie bevor steht. Wird Tokyo/Japan riesige Fluchtbewegungen erleben? Wie können andere Länder helfen? Eine deutsche Hilfsorganisation ist aufgrund der atomaren Gefahr wieder abgereist, das Technische Hilfswerk ist geblieben. Was können wir bei einer Kernschmelze tun? Wie schnell kann ein Sarkophag gebaut werden?
Währenddessen sind die einzig interessanten Informationen, Informationen über moderne Erdbebenwaffen, so wie die Aussage des japanischen Wirtschaftsministers, dass die Japaner Hedge-Fonds unbegrenzt zugreifen lassen haben, weil ihnen die USA mit Erdbebenangriffen auf Atomanlagen gedroht hat. Sind diese Informationen seriös? Ich möchte es nicht glauben und kann es nicht glauben. Doch bei schlecht recherchierenden Journalisten, die ja die Mittel und Möglichkeiten haben, bietet es sich an, sich gerade bei Verschwörungstheoretikern zu informieren. Der Youtuber Conrebbi macht immer wieder gute Beiträge über Verschwörungstheorien, wobei er wenig interpretiert und viele Fakten liefert. Dennoch bin ich mir unsicher, aber seht seinen Beitrag zur Erdbebenwaffe. Conrebbi ist auf jeden Fall zu empfehlen (hab meine Meinung geändert, Beiträge dazu in Kürze):
Leider haben diese Beiträge nur entfernt mit meinem Thema „Grenzen der Menschheit“ zu tun. Die Grenzen der Menschheit liegen zwar in der Gefahr, die permanent von der Natur als auch von der Natur des Menschen ausströmt, aber ich mache diese Bezüge wenig deutlich. Klar, es steht aus, ob wir einer der größten Katastrophen der Menschheit entgegen gehen, denn offensichtlich sind noch mehr Atommeiler in Gefahr. Ich kann angesichts des Geschehens aber leider nicht über andere Themen berichten. Am Ende wenn mehr Informationen zur Verfügung stehen, werde ich die Berichte zum Erdbeben zusammenfassen und meinem Thema anpassen, um über die Gefahr nachzudenken. Wenn ihr euch noch für Erdbebenwaffen interessiert, ist auch der folgende Beitrag interessant: http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2008/05/gibt-es-eine-erdbebenwaffe.html
Mit Fukushima habe ich begonnen zu bloggen. Damals vertraute ich noch in unsachgemäßer Weise auf die Informationen aus dem Internet. Im Folgenden liste ich kurz auf, welche Fragen, ich mir damals gestellt habe, was die Situation war, welche Schlussfolgerungen ich gezogen habe und was ich daraus heute lerne.
Situation:
Nach einem Erdbeben und einem Tsunami drohte in Fukushima der SuperGau. Deutsche Helfer waren auf dem Weg nach Tokyo. Die japanische Regierung versäumte Evakuierungen der Region um das Kraftwerk.
Fragen:
Wer soll in dieser Region arbeiten, um den Schaden zu begrenzen?
Wird es globale Auswirkungen geben?
Wieviel ‚Menschenmaterial‘ muss eingesetzt werden, um die Menschheit zu retten?
Brauchen wir einen Sarkophag?
Rückblick auf Tschernobyl:
Die Konstruktion des Sarkophags in Tschernobyl wird als eines der größten Bauprojekte aller Zeiten bezeichnet. Es dauerte immerhin drei Monate, da zahlreiche Liquididatoren verschiedenste Materialien in den Reaktor gekippt hatten, um dann mit den Arbeiten zu beginnen. Diese Liquidatoren wurden auch als Bioroboter bezeichnet.
Wo ein diktatorisches System aber noch seine Arbeitskräfte verheizen konnte, ohne das jemand große Frage stellte, fragte sich wer diese Aufgabe in Japan eigentlich übernehmen sollte. Was denken die Helfer, die nun nach Japan kommen? Was sind die Grenzen, der Hilfe, die ein Mensch geben kann? Die Reporter deckten sich damals mit Jodtabletten ein als würde man bei einem Feuer schnell ein Glas Wasser trinken.
Falsche Schlussfolgerungen:
Ich bin damals vom schlimmsten ausgegangen und habe für ein größeres Eingreifen plädiert. Am Ende zeigt sich, dass Informationsberichterstattung zur Dramatisierung neigt und wir dadurch wahre von unwahren Informationen nicht mehr unterscheiden können. Die politischen Systeme haben im Nachgang diesen Umstand genutzt. Die Seite der Betreiberfirma ‚Tepco‘ war überlastet, da sie womöglich aufgrund der weltweiten Anfragen überlastet war (http://www.tepco.co.jp/nu/f1-np/press_f1/index-j.html). In autokratischen Systemen mobilisiert man heute den Nationalstolz um solche Probleme abzustellen und Wahrheit ‚verfassungskonform‘ zu gestalten.
Wahrheit wird gestaltet.
Dr. Norman Schultz, Juli 2019 Mainz (Original März 2011, Köln)
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Um es vorweg zu sagen, das Universum ist verdammt leer. Es gibt ungefähr ein Teilchen pro Kubikmeter. Immerhin ein Teilchen, mag da der ein oder andere sagen, doch ungeachtet dieser Leere ist das Universum, wie Douglas Adams schon wusste, auch noch verdammt groß. Sein Travelguide „Per Anhalter durch die Galaxis“ beginnt mit folgenden Worten:
„Das Universum ist groß. Verdammt groß. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gewaltig, ungeheuer, umwerfend groß es ist.“
Dennoch wollen wir hier mal beginnen uns das Universum vorstellbar zu machen. Damit beginnen wir heute und setzen das demnächst fort. Jahre sind wohl für solche Denkprojekte angemessener, denn allein schon unsere Milchstraße vorzustellen ist ein gigantisches Denkmanöver. Wir beginnen aber mal einfach damit und schauen, ob wir es demnächst mit ähnlichen Verfahren auch schaffen, uns das Universum vorzustellen.
Die Milchstraße ist Leer
Also, das Universum ist, wie schon gesagt, verdammt leer, aber auch die Milchstraße ist eine gähnende Leere. Stellen wir uns ein sehr, sehr leichtes Schneetreiben auf einer Fläche von 10 km Durchmesser vor. Das müssten, wenn ich mich nicht irre, ungefähr 70 Quadratkilometer sein. Dieses entspricht also ungefähr einer Fläche von Manhattan (und einer läuft lange durch Manhattan, das kann ich aus Erfahrung sagen). Nehmen wir als an, das Schneetreiben ginge ungefähr 1 Kilometer hoch, dann kämen wir, insofern es sich um unsere Galaxie die Milchstraße handelt, auf ungefähr 3 Schneeflocken pro Kubikmeter. Die Sonne wäre in diesem Modell 10 Nanometer groß. Sie befindet sich also knapp im Sichtbarkeitsspektrum eines Elektronenmikroskops. Sie ist allerdings kleiner als ein Virus. Das heißt wir würden das „wilde“ Schneetreiben um uns herum nicht einmal bemerken.
Das Universum ist nun noch viel, viel, viel leerer (vergleiche entnommen von http://www.wer-ist-gott.org/fragen-antworten/blog-post/2009/11/17/unvorstellbare-groesse/). Es ist so einsam im Universum. Wochenendausflüge mit der Familie sind da nicht zu empfehlen. Es ist schlimmer als der Grand Canyon, während man dort wenigstens noch auf ein großes Loch starrt, gibt es im Universum einfach nur unglaubliche gähnende Leere. Metaphysische Obdachlosigkeit ist da wohl vorprogrammiert. Wir sind verloren im Universum, eine Nadel im Heuhaufen, wäre bei weitem, bei weitem einfacher zu finden als wir.
Gut, unsere Galaxie ist also ganz schön leer, wie groß ist aber nun unsere Galxie? Hoimar von Ditfurth verdeutlicht die Größe der Galaxie. In seinem Buch ist eine Abbildung eines Spiralnebels zu finden, der mit unserer Galaxie vergleichbar ist. Die längste Ausdehnung unserer Galaxie beträgt demnach circa 150.000 Lichtjahre. (Leider habe ich das Buch gerade nicht hier in Köln. Und es fehlt die Fotografie. Ich bitte das zu entschuldigen). Folgende Fotografie dürfte äquivalent sein.
ein Spiralnebel (Quelle: Wikimedia)
Zumindest sollten diese 150.000 Lichtjahre auf der Fotografie ungefähr 15 Zentimeter, also ein durchschnittliches Lineal lang sein. Wenn wir nun mit einer Stecknadel in diesen Spiralnebel hineinstechen, so ergibt sich ein ungefähr 1 Milimeter großes Loch. Dieses Loch würde in seiner Größe ungefähr 1000 Lichtjahren entsprechen. Ein Raumschiff also, das mit Lichtgeschwindigkeit fliegen würde, bedürfte mindesten 1000 Jahre, um dieses Loch zu durchqueren (vgl. Hoimar von Ditfurth: Am Anfang war der Wasserstoff).
Wir würden mit diesem Durchstechen im Übrigen auch einiges an Sternenschrott produzieren. Da ist es doch gut zu wissen, dass der nächste Stern Alpha Centauri nur 4,36 Lichtjahre entfernt liegt. Wenn wir dann noch wissen, dass der größte Komet und Himmelskörper im All mit 3 Lichtjahren Ausdehnung die Entfernung gut ausfüllen würde, dann hört sich das Universum doch wieder kuschelig nah an. Aber ich möchte nochmal an die Schneeflocken erinnern. Das Universum ist nun so groß, dass diese Biester da locker alle Platz haben. Es ist gänzlich unvorstellbar, dass wir selbst mit Lichtgeschwindigkeit das Universum jemals durchqueren.
Nun haben wir uns also unsere Galaxie vorgestellt. Doch wir haben bei unserer Vorstellungsreise durch das Universum noch nicht mal das Haus verlassen. Im galaktischen Maßstab sind wir noch nichtmal aus dem Bett aufgestanden (vgl. Lesch, Harald http://www.youtube.com/watch?v=yJkZMXKQehg). Selbst bei Andromeda, der nächsten Galaxie, wobei wir dorthin erstmal 2,6 Millionen Jahre durch ödes Nichts fliegen würden, wären wir noch nicht mal an der Gartentür unseres Hauses angekommen. Wir treffen hier auf Schwierigkeiten, wir können das nämlich nicht mal mehr mit irgendwelchen Kirschkernen und Verhältnissen erklären. Das Universum ist einfach mal so unvorstellbar groß, es ist eine natürliche Grenze unseres Denkens, weil es aller Vorstellungskraft davon eilt und ich rede nur vom beobachtbaren Universum.
Das folgende Video versucht dennoch die Größe des Universums zu verdeutlichen, aber irgendwann steigen wir einfach aus, wir verlieren den Faden, die Relation.
Wir sind also jetzt so weit, dass wir uns vorstellen, dass das Universum einsam und leer ist. Wir wissen nicht nur das, sondern wir wissen auch: Es ist auch verdammt schwer vorstellbar und ich rede nur vom sichtbaren Universum, wo jeden Lichttag neue Phänomene hinzukommen. An dieser Denkgrenze kommen wir dann schnell auf den Gedanken, dass wir doch alle verbunden sind, denn der Kosmos ist auch in uns. Wir sind Teil desselben, was überhaupt erst die beobachtbaren Gegenstände ausmacht. So fragen wir uns natürlich auch, was die einheitliche Substanz ist, die alles zusammenhält und so schauen wir nicht mehr ins Universum hinaus, sondern in uns hinein, in unsere Atomstruktur und unsere Erkenntnisfähigkeiten und fragen gelegentlich nach dem Sein. Vielleicht können wir ja, auch wenn wir uns nicht alles im Universum vorstellen können, wenigstens die darin vorkommenden Elemente gruppieren und sortieren und uns so eine Vorstellung von der Struktur des Universums erarbeiten. Dennoch bleibt hinsichtlich aller Einheit mit dem Kosmos und dieses Forscheroptimismus‘ immer die Frage, ob wir in uns einen Rest an Differenz haben, der nicht auf das All reduzierbar ist, einen Funken an Individualität, der von keinem Gedanken erfasst werden kann und damit nicht sortiert werden kann. Vielleicht sind wir die uns spezifische Raum-Zeit-Stelle, die doch von allem anderen verschieden sein muss, vielleicht gehört diese Differenz nicht ursprünglich zum Universum und ist Grundlage unserer Erkenntnis und somit ist das Universum prinzipiell nicht denkbar. Vielleicht ist es aber auch wieder nur unter der Einheit möglich und real, da wir ansonsten keiner Gegenstände teilhaftig werden könnten. Mit diesen Fragen verstricken wir uns in eines der Kernprobleme der Philosophie, der Frage nach dem Verhältnis zwischen Einheit und Differenz. Welches ist als das höhere und grundlegendere Element zu bezeichnen? Gibt es sie wirklich oder sind sie Teil unseres Verstandes? Die Antworten darauf können aber nicht durch Beobachtungen gewonnen werden, und das weder durch Beobachtungen des Universums noch durch Beobachtungen unserer Psyche. Nur eine Transzendentalphilosophie könnte hier etwas leisten, wenn sie denn möglich ist. Das Problem ist einfach: Wir sind Teil, der versucht das Ganze zu denken, das Ganze kann aber nicht in unsere Sinnlichkeit gebracht werden, noch in unseren Verstand, wie also das Ganze denken? Die Teilhaftigkeit mag als metapyhsische Obdachlosigkeit verstören, doch wie wir es schon aus dem letzten Blogbeitrag erfahren haben, vielleicht ist es auch die Grundlage dafür, dass unser Leben überhaupt spannend ist.
Optimistischer zeigen sich da auch wieder die Schwergewichte der Physik. In dem nächsten AutopitchingVideo „We are all connected“ steuert sogar Richard Feynman ein paar Rhythmen der „Symphony of Science“ bei (er sitzt an den Percussions;).
Im nächsten Teil werden wir also versuchen uns die Größe des Universums vorzustellen. Leider ist mein Computer heute automatisch runtergefahren (ohne mich zu fragen) und hat mal eben ein Word-Programm geschlossen, wodurch ich alles neu schreiben musste. Die Recoveryfunktion wurde seltsamer Weise nicht ausgeführt, wodurch nun 22 Dokumente futsch sind und auch dieser Blogbeitrag war hin. Vielen Dank! Aber diese Kleinheit des Denkens im letzten Winkel des Universums, das bisschen Staub und Schmutz, das sich anschickt, das Universum zu verstehen, sollte sich von diesen Ereignissen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Robert Gernhart wusste diesbezüglich schon: Schmutz kann man nicht beschmutzen. Das bisschen Sternenstaub sollte sich von seiner Kleingeistigkeit nicht verrückt machen lassen oder? :)
Reinhold Messner sagte einst, dass er seine eigene Heimat sei. In der Gefahr der Berge, wo jeder Schritt tödlich sein könne entdecke der Mensch sich selbst bei sich selbst.
Angesichts einer Außenwelt, die dem Menschen jederzeit das Leben abringen würde, kann der Mensch sich als unverrückbaren Seelenstein festsetzen. Er tritt in die Ruhe der Angst.
Tatsächlich die Gattung „Mensch“ kämpft sich in das innere eines Weltorkans vor. In diesem Auge der Ruhe konnten ein Menschengeschlecht zu sich selbst einkehren. Wir sind selbst Auge geworden, das nach draußen in die Gefahr blicken kann oder sich zurück in die falschen Heimaten der Gemeinschaft zurückzieht, so als wäre Stabilität nicht nur ein Menschenrecht, sondern ein Naturrecht.
Metaphysisch, heißt es, sind wir obdachlos, das heißt wir wissen nicht, wo unsere Heimat ist. Zunächst haben wir nur uns selbst und den Anderen. Hier reden wir uns Mut zu. Im Alltag suchen wir nicht die Gefahr. Das Leben am Limit würde verständlicherweise zu viel Stress bedeuten. Doch schon Heidegger erkannte, dass nur das Vorlaufen in den Tod die tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Menschen selbst und der Menschheit bringen könne.
Der Versuch das Ganze zu erfassen. Quelle: wikimedia, Camille Flammarion, L’Atmosphere
Denn es gibt mehr als nur uns, als verkrampfte Pop-Musik oder elitäre Kulturspektakel, mehr als die tagespolitischen Scharmützel um Guttenberg und Westerwelle. Es gibt mehr als die Mode einer sich feiernden Kultur als die Internetphänomene von gelangweilten Menschen. Wir müssen uns den Fragen stellen, was diese Welt, die glücklich machen kann und überrascht, tatsächlich ist, denn es wird uns immer wieder bewusst werden, die Welt selbst ist gefährlich.
Um es mal anders zu verdeutlichen: Da unser Körper selbst Welt ist, erfahren wir die Gefahr in der Krankheit am eigenen Leib. Die Gefahr ist das potentiell Tödliche für uns und solange wir sterblich sind unentrinnbar. Heidegger erkennt hierin nun, dass in der Gefahr auch das Rettende wachse, denn hier beginne das Denken. Jenseits der Sinne im Denken wird uns die Gefahr bewusst und vielleicht ist sie bezwingbar. Doch welche Gefahr meinen wir? Die Gefahr des Bergsteigers, des Fettleibigen, des Glutamatverzehrers, das Temposünders? Nein, wir stehen der abstrakten Gefahr unser Leben zu verfehlen gegenüber. Die Gefahren sind teilweise größer als die existentiellen Fragen, die wir uns stellen (was ziehe ich heute nur an?). Ich möchte nur darauf verweisen, dass sich gerade die Erdachse verschiebt, warum wir mittlerweile eine Art arabischen Mond in Europa beobachten können, ob dieses noch Konsequenzen für uns hat, ist eine schwierige und schwerwiegende Frage. Zudem bedrohen Veränderungen des Magnetfeldes der Erde oder der Supervulkan im Yellow Stone National Park unser individuelles Existieren, sogar das Existieren unserer ganzen Gattung. Darüber hinaus ist die menschliche Gattung und alles Leben angesichts einer sich aufblähenden Sonne oder sich annähernder Galaxien noch der großen Frage des Überlebens überhaupt ausgesetzt. Das Universum ist je genauer wir nachdenken ein sehr feindlicher Ort und so finden sich vielleicht Liebende, Horden, Dörfer, Städte und Nationen, um sich vielleicht auf Zeit eine Heimat zu geben, eine Kultur zu finden, Mode zu explorieren, je weiter wir allerdings über diese abgesteckten Gebiete des Heimischen hinaus denken, desto stärker sehen wir die Unheimlichkeit des Ganzen. Im Auge des Orkans können wir ein Auge öffnen und mit uns öffnet auch das Universum ein Auge. Es blickt mit uns in seine Atempause. Wir haben Zeit. Und als Sternenstaub beobachten wir den Sternenstaub in all seinen Facetten und Ausprägungen. Doch was wir im Ganzen sehen, wenn wir dazu bereit sind, ist die Gefahr des Universums, das Denken des ungewissen Ganzen.
Die Welt erkennt der Mensch zunächst nach den Maßstäben der inneren, möglichen Selbsterkenntnis. Doch so sehr wir zu der inneren Angst und dem letzten Subjektkern reisen können, die Grenzen des Universums sind weiter als unsere Anschauung, weiter als der Teil unserer Beobachtung, weiter als unser Denken. Das Gefährliche am Universums wird daher auch unvorhersagbar, weil es sich immer nur in Teilen offenbart. Es ist größer als uns Denken und unser Denken bleibt nur Teil. Das Ganze ist nicht mehr sinnlich, nicht mehr fassbar, nicht mehr denkbar. Die Gefahr ist somit stets abstrakt und entzieht sich. So zeigten die Chinesischen Philosophen stets in das Nichts des Alls, dem Abstraktum schlechthin, um von aller Sinnlichkeit abzulenken, doch sie wussten nie zu sagen, wie sie vom Zeigen selbst den Blick abwenden sollten, um ohne Sinnlichkeit und Denken das abstrakte am Universum, dessen Sein zu auszuweisen. Auch das Ganze wird nur in einem Teil des Universums als Teil gedacht. Ein Universum in die Verwinklungen des Menschenhirns gequetscht, bleibt letztlich sinnlich und nur denkbar, damit aber ist es nicht das Ganze.
Nun haben wir nicht den Blick für das Ganze müssen aber dennoch in diesem Ganzen leben. Wie kann dieses gehen? Richard Feynman (Schwergewicht der Quantenforschung) kann hierzu nur ausführen: „Der Spaß fängt erst dann an, wenn man die Regeln kennt. Im Universum aber sind wir momentan noch dabei, die Spielanleitung zu lesen.“ Und es kommt so weit, dass wir die unverstandenen Spielfiguren sind, ohne überhaupt eine Ahnung davon zu haben, was wir eigentlich spielen und wo das Spielfeld sich hinbewegt. Wie haben uns spezialisiert wie in einem überdimensionalen „Mensch! Ärger dich nicht!“, Konkurrenten auszuschalten, die Schlossallee und Parkstraße zu erreichen, oder unseren Character hoch zu leveln. Wir versuchen eine mögliche, innere Heimat zu bauen, ein Haus, das nicht mehr den Göttern, sondern nur uns gehört. Das Ziel des Ganzen kennen wir nicht, wir wissen nicht wohin mit unserem Verhalten, das wir einfach mal sind, und das Schlimmste daran ist, dass wir immer wieder zu den Gedanken kommen: Vielleicht verhalten wir uns falsch Was also ist unsere Aufgabe?. Mehr noch, wenn diese Frage nicht nur ethisch, also auf uns bezogen ist, sondern moralisch wird: Unser verfehltes Leben kann das verfehlte Leben unserer Gattung bedeuten.
Als spielende Kinder des Universums, die einmal den Ernst gefunden haben, haben wir im Universum selbst keinen Halt mehr. Wir finden keine gottgleichen Eltern, die sich durch Denken oder Sinne erschließen lassen. Wenn jemand dann in sternenklaren Nächten das Nichts des Weltalls über sich zusammenstürzen sieht, die Grenzen der Horizonte als schwarzes Nichts kennenlernen muss, ihm das Nichts begegnet, dann fragt er sich, wo er seine Augen für die andere Welt öffnen muss, doch er hat nur seine Augen und er sieht nichts. Die Einsamkeit des in Unwissenheit Zurückgelassenen weckt das Interesse an der Natur und die Suche nach Antworten. Leider ist es wie in der schlechten Serie „Lost“: Jedes Rätsel wird irgendwann beantwortet, immer aber durch ein nur noch größeres Rätsel. Wir puzzeln ein Puzzle mit Milliarden von Teilen und haben Fragmente wissen aber nicht, ob wir irgendwann ein Bild erhalten. Womöglich ist das Bild, das wir erhalten könnten, dann ohnehin nicht mehr auf denkbare Informationen reduzierbar und so groß wie das Universum selbst.
Letztlich bleibt uns dann nur der Gedanke das Universum, so wie es sich uns zeigt, zu sortieren. Mit diesem Gedanken haben wir aber in uns nur einen Supermessi geboren, der glaubt das Universum unter Kontrolle zusammenhalten zu können. Die Wissenschaft baut die Schränke und Karteikästen, legt Kataloge vom Universum an und nimmt sich des Unverfügbaren an. Sie will ein Tier zahm machen und domestizieren, in Computer einsperren. Die Wildheit der Natur will sie in der Ordnung aufheben. Letztlich aber sind alle bisherigen Versuche Ergebniskosmetik am Kosmos (Kosmos abgeleitet vom griechischen Wort für das Schöne). Die Wissenschaft erhofft sich damit Einblicke in den Spielplan und tatsächlich sie baut Augen, die wir noch nicht besitzen, aber mehr als neue Gefahren und ein bisschen mehr Ablenkung von diesen hat sie bis jetzt nicht erkannt. In der Introspektion des Universums selbst hat sich das Universum bis jetzt nur als Abgrund des Unwissens im Menschen entdeckt. Aber wie es im folgenden Video gleich heißen wird: „Manche empfinden diese Gedanken alle als sehr verstörend, doch andere empfinden das als aufregend.“
Das Hubbleteleskop blickt ein paar Milliarden Lichtjahre weit Quelle: Wikimedia
Genug des flammenden Schreibens vom Weltuntergang und der Weltfremdheit unseres Denkens, genug von der Gefahr. Im nachfolgenden die Meinungen einiger Schwergewichte der Wissenschaft mit Autotunepitching, so dass wir eine Symphony of Science erhalten. Ich bin der Meinung, dass alle Vorlesungen in Zukunft mit Autopitching gehalten werden sollten, um uns für die die Ästehtik der Gefahr, nämlich das Denken, sensibler zu machen.
„Das ist nicht nur eine Fernsehproduktion. Das ist ein wahres Gemetzel.“ sagte Hermann Maier, der Doppelolympiasieger im Riesenslalom und Super-G. Im Wettlauf zum Südpol tritt der österreichische Herminator nun gegen das Deutsche Team unter Führung von Markus Lanz und Joe Kelly an (Joe Kelly ist irgendwie immer dabei, wenn es um Extreme geht). Der 400 km Gewaltmarsch ist ab sofort jeden Dienstag um 20:15 Uhr im ZDF zu bewundern. Und tatsächlich ist die Sendung nicht zu unterschätzen. Anscheinend handelt es sich nicht um das Weichspülfernsehen von RTL und dessen Ausruhdschungelcamp, sondern um den ernsthaften Versuch an die Grenzen der eigenen Leistung zu gehen. Markus Lanz, meines Erachtens einer der besten Talkshowgastgeber im Deutschen Fernsehen, weil er im Gegensatz zu Maischberger, Illner und Plasberg vernünftige, kritische und oftmals auch heikle Fragen stellt und sich selten mit ungenauen Antworten zufrieden gibt, zeigt hier, dass er nicht nur jemand ist, der gut aussieht und sich im Durchschnittsfernsehen profiliert. Er zeigt, dass er als ganze Persönlichkeit ernst genommen werden sollte, ernster zumindest als viele andere gehypte Moderatoren.
http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons“ href=“http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Antarktis.jpg“>
Land ohne Leben, die Antarktis (Quelle: wikimedia)
Natürlich stellen sich hier sogleich kritische Fragen. Zum Beispiel, ob dies nur der Beginn der touristischen Erschließung der Pole ist. Es sind nun mal nicht mehr viele Flecken auf der Erde übrig, die kein menschmanipuliertes Milieu darstellen und somit eine Herausforderung sind. Doch wenn sich auf einer kleiner werdenden Erde und ihrer technischen Erschließung die Popularisierung nicht aufhalten lässt, so ist der Vorteil, dass der Weg an die Grenzen der Leistung entsprechend dokumentiert wird. Zudem wartet noch ein ganzes Weltall auf uns, das noch viel härtere Bedingungen zu bieten hat ;)
Der härteste Ort der Welt, aber ist zunächst die Antarktis. Das Klima vergleichbar mit einer Höhe von 3000 Metern (30% weniger Sauerstoff) und die tiefen Temperaturen, sowie Stürme werden kaum an anderen Orten erreicht. Selbst der Nordpol, so heißt es, sei gemütlicher. Während der Sendung ermahnt der englischer Führer die Gruppe, die angesichts der harten Bedingungen langsam ihre Motivation verliert, schließlich: „Ihr müsst überlegen, das ist die kälteste, windigste und lebensfeindlichste Gegend der Welt, deswegen seid ihr doch hergekommen.“ Nun drängt sich die Frage auf: Warum aber gehen Menschen in die Gegenden, die selbst nicht mehr lebbar sind? Warum an die Grenzen stoßen, und einmal durch die Hölle gehen, wenn im Hades nicht mal die Geliebte wartet? In unserem Wohlstand könnten wir es uns doch bequem machen. Die Askesen sind dem Wohlständler fremd. Dabei gibt es an den Grenzen der Welt, so heißt es, die Grenzen des Körpers zu erleben und das kann weit aus mehr sein als die Grenzen des Kölner Nachtlebens ;)
Zugegeben mein Verweis auf die Askese als Grund ist noch zu ungenau. Auszüge aus dem Tagebuch von Reinhold Messner, der 1989-1990 zusammen mit Arved Fuchs die erste Antarktis Durchquerung zu Fuß erreichte, geben weitaus bessere Einsichten (vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13507440.html). Im Gegensatz zu dem ZDF-Team legten die beiden eine Laufstrecke von 2800 km und nicht nur 400 km zurück.
Zunächst schreibt Messner einiges über die Gefahren und die Kälte. Die Aufzeichnung enthalten dabei ein Minimum an Gejammer. Das Schlimmste scheint für Messner zu sein, dass er Arved ständig motivieren muss, weiter zu gehen, ansonsten beklagt er sich über den Wind. Die Tagebuchaufzeichnungen könnten dabei aber auch tatsächlich meine sein, als ich im Winter in Pittsburgh jedes mal 20 Minuten durch die Kälte eine Brücke (-10° Celsius) überqueren musste und einen kleineren Berg hinaufsteigen musste, um zur Universität zu gelangen. Ich bin schon ein Jammerlappen. Der Eintrag zum 6. Februar gibt Aufschluss über Gründe einer solchen Antarktisexpedition:
„Dienstag, 6. Februar: Nordwind und Hunger! Wir laufen zwei Stunden und viermal 75 Minuten. Wenn ich bedenke, daß wir 80 Schritte in der Minute laufen und jeder Schritt Schmerzen im Fuß, im Knie, in den Hüftgelenken, in den Schultern, in den Ellenbogen verursacht [Anmerkung von mir: Die Schlitten sind sehr schwer, ein Schlitten ist gebrochen und die Gurte sind nicht optimal eingestellt und scheuern; am Grad des Gejammers könnte es bis hierin übrigens noch aus meinem Tagebuch sein], sind das bei 6000 Schritten pro Stunde zu viele Schmerzen, um sie zu ertragen. Würde mich jemand zwingen, diese elende Schinderei zu Ende zu gehen, ich hätte schon aufgeben. Aber wir taten und tun es freiwillig.“
Die Quintessenz lautet also: Durch Zwang und äußere Gründe sind Extremleistungen nicht zu erreichen, sondern nur durch die Freiheit in uns. Auch wenn es keine Gründe geben mag, um eine solche Expedition in Angriff zu nehmen (und ich schließe aus, dass in diesen Extremen Anerkennungssucht eine Rolle spielt, wie vielleicht bei Amundsen dem ersten Südpolbezwinger unterstellt werden könnte, der allerdings auch ein größeres Team, sowie Schlittenhunde dabei hatte). Die Freiheit des Menschen ist unser einziger Grund, eingewöhnte Lebensräume zu verlassen und das, was nicht notwendig ist, in Angriff zu nehmen. Nur in dieser Freiheit, so Messner, birgt sich unser Schutz vor Verzweiflung. Doch diese Freiheit müssen wir wählen und wir können sie nur im Nicht-Notwendigen wählen.
Die Antarktisexpeditionen werden im Übrigen im Winter durchgeführt. Da ist es wärmer auf der Südhalbkugel. -30° Celsius sind leichter zu ertragen als -87° Celsius in der Spitze. Die Ausnahmetemperatur kann als Condition I im folgenden Video bewundert werden. Es sieht ungefähr so aus als würde jemand die Tür zur Hölle öffnen:
In den nächsten Beiträgen werde ich noch ein bisschen mehr zu den Antarktisexpedition schreiben und auch auf den grandiosen Roman von Stan Nadolny “Die Entdeckung der Langsamkeit” zu sprechen kommen. Bis dahin ;)
Nachdem ich mich in den letzten Beiträgen recht negativ über die Weisheit der Mönche geäußert habe, vor allem die Weltflucht kritisiert habe, möchte ich nun die angeblichen Leistungen der Shaolin kritisch betrachten. Mein Hauptargument gegen den Rückzug von der Welt war ja schlicht die Zweck-Mittel-Relation. Der Weg zur Erleuchtung absorbiert in der Art zu viele Energien. Der völlige Rückzug von der Welt zeigt keine weltlichen Resultate mehr. Mönche, die dann nur noch mit einem Handfeger herumlaufen, um den Weg zu reinigen, würden in unseren Straßen einfach nur als Irre belächelt werden. Von den Shaolin hingegen werden außergewöhnliche Leistungen vollbracht. Schaolin-Mönche erwerben durch jahrelanges, hartes Training äußerste Körperbeherrschung und zeigen damit die körperlichen Dimensionen ihrer Meditation.
Eine Kanalisierung des Chi soll hier die Leistung ermöglichen. Es heißt die „westlichen Wissenschaften“ (was immer das auch bedeuten soll) hätten keine Erklärung dafür. Mit dem Verweis auf schier Unglaubliches sollen wir von der Kraft der Meditation überzeugt werden. Um uns dann den letzten Anstoß zu geben, werden jede Menge Pseudoerklärungen mit Esoterischem Unfug gemixt. So erfahren wir im folgenden Beitrag beispielsweise, dass die Energie bei den Mönchen einfach mal so in den Bauchraum runterfällt. Wahnsinn!
Ahja, die Energie ist jetzt also unten. Nur welche Energie? Hat er etwa das unmessbare Chi gemessen? Läuft das Gehirn jetzt ohne Energie? Was soll das Ganze?
Um es klar zu stellen, solcherlei Zustände können auch durch andere Verfahren erreicht werden (ich weiß natürlich nicht genau, um welche Messung es sich handelte), wobei es nicht notwendig ist, sich auf Chi zu konzentrieren. Erstaunlich ist nur mit welcher bewussten Kontrolle Mönche dieses oftmals vollführen können. Dennoch hier werden einfach ein paar wissenschaftliche Argumentationen mit ein paar schiefen Wörtern in Verbindung gebracht und voilá wir bewundern das Mysterium der Shaolin. Von schlechter Esoterik lässt sich das kaum mehr unterscheiden.
Ungeachtet der esoterischen Darlegung, aber müssen wir fragen, was denn diese Shaolin-mönche nun auszeichnet, was westliche Menschen unter Umständen nicht können sollen. Wenn das Chi denn so kraftvoll ist, dann müssten doch diese Supermeditierer bei den olympischen Spielen jeden Bereich abräumen. Fakt aber ist, dass hier westliche Athleten oftmals auch ohne ihr Chi sehr gute Erfolge ausweisen. Vielleicht haben also die Leistungen der Mönche nichts mit dem Chi zu tun, sondern sind einfach durch Training erreichbar.
Nun liegt die Aufmerksamkeit immer auf den Bruchtests. Mit bloßen Gliedmaßen werden ganze Betonblöcke zertrümmert. Aber könnte es vielleicht sein, dass Eisenstangen auf dem Kopf zu zerschlagen, einfach im Bereich dessen liegt, was mit der richtigen Technik jeder kann? Offenbar bestehen auch andere Menschen spektakuläre Bruchtests, zwar konzentriert, aber wohl ohne Vorstellung vom Chi.
Natürlich respektiere ich die Leistungen der Shaolin. Die Aufopferung und Askese ist bewundernswert, aber es gibt keine nennenswerten Untersuchungen, die die Shaolin von einer guten Akrobatik- oder Kampfsporttruppe aus Köln unterscheiden. Angesichts der generellen Skepsis gegenüber diesen Supermenschen fragen ich nun also: Was ist der Sinn von Meditation. Sind wir dadurch wirklich leistungsfähiger?
Es scheint also, als würde uns die Meditation nur etwas mehr Ruhe im Umgang mit unserem Leben liefern. Ob aber wirklich Leistungsdefizite damit ausgeglichen werden, muss durch gute soziologische Erhebungen untersucht werden. Ob wir dadurch Superkräfte im Körper entwickeln, könnte doch auch an den Sporthochschulen untersucht werden. Wir brauchen einfach mehr Daten und nicht irgendwelche singulären Beobachtungen oder irgendwelche journalistischen Recherchen.
Dennoch möchte ich eins betonen: Ein sehr sinnvolles Kriterium für die Leistung eines Menschen ist für mich das Kriterium der Askese. Askese drückt nämlich die Bereitschaft aus, auf bestimmte Güter zu verzichten, um höhere Ideale zu erreichen. Askese zeigt an, dass etwas nicht leicht zu erhalten ist. Hieran sehen wir, ob es jemand ernst meint und der Wille Leid zu empfangen, um Höheres zu erreichen, stellt für mich den ersten Schritt zur Weisheit dar. Wenn also die Meditation letztlich Askese bedeutet, dann kann diese wohl in gewisser Hinsicht als positiv bewertet werden, denn die Einstellung zielt auf Höheres. Die Frage, die bestehen bleibt, ist schlicht, ob dem Zweck die Mittel angemessen sind. Das heißt Meditation soll nicht den völligen Rückzug aus der Welt bedeuten. Auch Kant warnte uns aus diesen Gründen vor der Introspektion, da diese zu Schwärmerei und Phantasterei führe (http://fibonaccie.blogspot.com/2011/02/kant-und-das-schweigen.html). Ganz so skeptisch sehe ich diese nicht, meine aber Meditation muss weltbezogen bleiben. Warum daher Meditationen nicht als moderne Form der Therapie untersuchen? Der freie Horizont, das Lebensglück des einfachen sich Freiatmens, um noch größere Aufgaben bewältigen zu wollen; nach der inneren Quelle der Motivation, die niemals mehr versiegt, zu graben, was sollte ich daran schlecht heißen? Und dass unter dem wolkenlosen, inneren Himmel der Meditation schließlich auch der Ich-kern schmilzt und das Panorama der Welt zur Ganzheitserfahrung wird, mithin Ethik nun als Lebensaufgabe verstanden wird, das sind alles Dinge, die ich als sehr positiv erachte. Aus diesen Gründen unterschätze ich den Sinn der Meditation nicht, solange dabei nicht sowas herauskommt: