Schicksalsphilosophien von Manager – Grenzen zwischen Zufall und Notwendigkeit – (Teil Zwei)

In einem meiner Beiträge hatte ich ja bereits über das Grenzen zwischen Zufall und Notwendigkeit im eigenen Lebensschicksal aus philosophischer Perspektive geschrieben. Wir können den Lottogewinn nicht einfach in das Reich der statistischen Unmöglichkeit verbannen, denn an uns selbst könnte sich der Zufall ja materialisieren. Insofern ist es nicht irrational auf das Beste zu hoffen, sondern Teil einer wahren Philosophie. Wie groß ist aber nun unser Beitrag dazu?

Montag:          Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Dienstag:        Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Mittwoch:      Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.
Donnerstag:  Lieber Gott, bitte lass mich im Lotto gewinnen.

Es vergingen Jahre des Betens bis mich irgendwann eine Stimme wie aus einem jenseitigen Off anfuhr: „Dann spiel doch endlich Lotto!“

Wie also verstehen wir unser Lebensschicksal aus philosophischer Perspektive? Ist es Zufall oder Notwendigkeit, was uns zustößt und widerfährt?

Hufeland 1797

Der Faden des Schicksals - Von wem wird er abgeschnitten?

Ist der Mensch eine gewebte Textur aus den Strängen des Universums, ein Lebensfaden, der uns aus dem Unverfügbaren (unbegrenzten) uns gegeben ist? Und ist der Mensch, der wir sind, ebenso unverfügbar mit all sein vermeintlich freien Entscheidungen, die wir eben nur vermeintlich frei nennen? Sind wir also nur Beobachter unseres eigenen Lebens und wird irgendwann ohne unser Zutun der Lebensfaden einfach abgeschnitten? Dies sind Fragen, die die Philosophie schon Jahrtausende begleiten und auch deshalb, weil sie immer nur wieder in den Grenzen einer einzelnen Person für sich philosophischgelöst werden können.

Oder sind wir als Menschen, wie der Philosoph Nietzsche es formulierte, das Seil über einem Abgrund, worauf wir zugleich als Hinübergehende das eigene Leben in die eigene Hand nehmen können und unser Lebensschicksal aus eigener Kraft verwirklichen?

Wir sind doch, selbst wenn wir alle unsere Erscheinungen unseres Lebens als notwendig erachten, zu gewissen Graden in Freiheit uns selbst übergeben. Das heißt selbst wenn wir vorgeblich philosophisch an den Determinismus glauben, müssen wir uns den ganzen Tag entscheiden und wollen auch von anderen zumindest doch als freie Person behandelt werden. Wir sagen zum Beispiel dem Ober im Restaurant nicht, dass er noch warten soll, bis sich unser Gehirn entscheidet, was wir essen. Darüberhinaus aber können wir gar entscheiden, wann wir unser Leben beenden. Inwiefern dies nun deterministisch in den Genen angelegt sein sollte, ist mir ein Rätsel.

Gut, die Blicke in unsere philosophisch vorausgesetzte Seele sind uns vom Geröll unserer eigenen Begriffe verstellt. Wir können selbst nicht zuverlässig beurteilen, ob die Denkmöglichkeit unserer Freiheit auch Wirklichkeit ist. Gleichsam setzen wir diese Freiheit ständig voraus, wenn wir uns entscheiden. Vor allem, wenn wir fragen, was wir tun oder wie wir handeln sollen. Gerade hier gehen wir dann ja auch davon aus, dass es gute und schlechte Entscheider gibt. Und glauben wir nicht an diese Entscheider? Es heißt, gerade im Management käme es nicht darauf an, die Zukunft vorherzusagen, sondern im richtigen Moment richtig zu entscheiden. Top-Manager sind doch Top-Entscheider. Aber was ist eigentlich unsere elitäre Gemeinschaft aus Entscheidern und Bestimmern? Dieser Frage möchte ich mich im Folgenden widmen.

Top-Manager haben irgendwann ihr eigenes Leben in die Hand genommen. Sie sind Herren ihrer Grenzen. Sie sind uns überlegen, denn sie haben die richtigen Entscheidungen getroffen. Sie sind Selfmademillionäre, die immer am Limit, am Rande der Gefahr leben. Sie sind mit ihrem Risikobewusstsein der Wirklichkeit immer einen Schritt voraus. Sie leben aus dem Bauch und dominieren noch den intelligentesten Superschurken.

Aber denken wir kurz nach: Sind Manager wirklich die Besten? Wenn VW einen neuen Top-Manager sucht, wen werden sie aus dem Schwarm der Lebensschicksale herausfischen? Den Besten, so mögen wir unterstellen, denn warum sollte ein Unternehmen nicht tatsächlich den Besten auswählen?

Tatsache ist, dass erfolgreiche Manager nicht die Intelligentesten sein müssen. Schauen wir uns die verschiedenen Biografien an, so haben diese zwar oftmals eine gute Bildungskarriere hinter sich, aber sie selbst zählten zumeist nie zu den Besten (ich muss hier den Einschub machen, dass ich keine empirischen Studien kenne, dieses aber durch Falsifikation der These, dass Top-Manager zugleich die intelligentesten Erdenbewohner sind, an diversen minderwertigen ARD-Talkshows überprüft habe). Aber warum ist Intelligenz nicht wichtig? Intelligenz müsste doch eigentlich die ideale Voraussetzung sein, um ein Unternehmen zu leiten. Nehmen wir an, dass Intelligenz das Vermögen bezeichnet, die Notwendigkeit in der Welt zu erkennen und so die drohenden Folgen abzuschätzen, sogleich aus dieser Erkenntnis auch das richtige Handeln umzusetzen, so wäre dies ja eine ideale Voraussetzung für Manager. Doch wir machen hier einen ganz entscheidenden Fehler, wenn wir auch nur im Ansatz unserer Gesellschaft vertrauen, dass in diesem Sinne der Beste ausgewählt worden ist. Manager werden nämlich nach Erfolg ausgesucht. Es werden Biografien beurteilt und dieses ist der entscheidende Fehler. Eine Wissensphilosophie spielt hier keine Rolle, sondern alles wird entschieden innerhalb falscher, pragmatischer Grenzen.

Nehmen wir also an, VW angelt sich in dem Fall also den Erfolgreichsten und macht diese, indem sie seine Biografie beurteilen. Der Erfolgreichste ist derjenige, der in seiner Vergangenheit bei anderen Unternehmen gute Entscheidungen getroffen hat. Gut, heißt hier, dass die anderen Unternehmen von seiner Entscheidung maßgeblich profitiert haben. Nun ist es aber so, dass wenn wir eine Millionen Affen täglich Entscheidungen treffen lassen würden, wir irgendwann einen Affen übrig hätten, der im Lauf seiner „Karriere“ immer alles richtig gemacht hätte. Insofern könnte VW nach diesem Auswahlkriterium auch durchaus einen Affen versehentlich anstellen (Denn sie stellen ja den an, der alles richtig machte und das heißt nicht, dass er auch intelligent ist). Das Lebensschicksal anderer also als Verwirklichungsgeschichte einer eigenen überlegenen Nutzung ihrer Freiheit zu betrachten, ist ein entscheidender Fehler. Es kann nämlich auch sein, dass der tatsächlich Beste, sich nach allen Gesetzen des Verstandes immer korrekt entscheidet, aber dennoch den Zufall gegen sich hat und damit eine minderwertige Karriere verlebt. Anhand des Lebensschicksals können wir nicht über Menschen urteilen, lautet die philosophische Konsequenz.

Ich hoffe, dass dieses philosophische Argument einsichtig macht, warum wir den Managern im TV nicht vertrauen müssen, denn ihre Lebensgeschichte muss nicht Zeichen ihres Könnens sein, sondern stellt aufgrund der Vielfalt der unterschiedlichen Lebensschicksale auf diesem Planeten nur ein Ausgewähltes dar.

Noch ein Beispiel: Wir hören ähnliches über den Vorzeige-Milliardär Howard Hughes aus Amerika. Dieser habe es verstanden seinen Verstand mit einem Höchstmaß an Risikofreude zu verbinden und so aus einem bescheidenen Ölerbe ein Flug- und Medienunternehmen von Weltrang aufzubauen. Doch ich möchte zu bedenken geben, dass es durchaus möglich ist, dass es Milliarden von Howard Hughes auf dieser Welt gab, die jedoch an der Grenze ihres Lebensschicksals alle gescheitert sein mögen. Wenn es denn nur einer schaffte, sollten wir diesen als hervorragendes Beispiel für eine ganze Gesellschaft auswählen?

*lach* Hervorragend. Amerikaner lieben das Risiko, heißt es. Sie leben an der Grenze. Aber eigentlich interessieren sie sich nur für die, die das Risiko überlebt haben. Die gleiche Idiotie erleben wir bei den russischen Milliardären, die den Anarcho-Turbokapitalismus der 90er überlebt haben und nun behaupten sie wären eben die Stärksten gewesen. Dass aber aus einer Menge von vielen Millionen Russen notwendig ein paar Milliardäre übrig bleiben müssen, bedenken sie dabei nicht.

Wenn wir über die Grenzen der Menschheit aus Sicht der Philosophie nachdenken, müssen wir also die Kriterien zur Bewertung der Leistungsfähigkeit überdenken. Herausragende Biografien sind hiermit kein Schlüssel, um Menschen zu bewerten, denn in einem Universum durchzogen von undurchdringbarer Zufälligkeit (ob nun nur scheinbar oder wirklich) muss es notwendig herausragende Biographien geben.

Dank an alle, die mich bereits unterstützt haben.

Norman Schultz

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Grenzen zwischen Zufall und Notwendigkeit und die Philosophie

http://www.youtube.com/embed/wrsrMTJWmoA

Es gibt Dinge, die nennen wir „Zufall“ und in der Regel drückt dieses Wort eine Gegebenheit aus, die wir nicht erklären können oder zumindest noch nicht erklären können. Wir meinen damit aber zwei Sachverhalte. Zum Einen meinen wir, wenn etwas auch hätte anders passieren können und wir unter keinen Umständen eine wissenschaftliche Vorhersage des Ereignisses hätten treffen können. Zum Anderen meinen wir, dass wir etwas noch nicht erklären können, da wir annehmen, dass es für alles einen rationalen Grund geben muss, sei es ein physischer Grund (die Welt) oder ein hyperphysischer Grund (Gott). Vor diesem doch philosophischen Grund stehen auch die Aphoristiker Schlange, nur um uns zu erklären, dass der Zufall ja eigentlich eine noch nicht erkannte Notwendigkeit sei.

Aphorismen zum Zufall und zur Notwendigkeit

So formuliert Marie von Ebner-Eschenbach, eine österreichische Schriftstellerin Zufall sei, „die in Schleier gehüllte Notwendigkeit.“ Ambrose Bierce weiß es noch genauer und ergänzt, Zufall sei „ein unvermeidliches Ereignis, das auf unveränderlichen Naturgesetzen beruht“. Und auch ein Philosoph wie Voltaire meldet sich zu Wort und schreibt: „Zufall ist ein Wort ohne Sinn; nichts kann ohne Ursache existieren.“ Eines haben alle Aphorismen gemeinsam: Sie sind alle mehr oder weniger falsch. Gut, das ist etwas hart formuliert, doch alle behaupten, dass der Zufall immer durch eine wie auch immer geartete Naturnotwendigkeit erklärbar wäre. Das philosophische Problem aber an der Sache ist doch: Woher weiß ich, dass ein mir begegnendes Phänomen tatsächlich von einer kausalen Ursache abgeleitet werden kann, also, dass Zufall tatsächlich einen Grund hat?

Das Wissen über den Zufall (ein Problem der Philosophie)

Nun ich weiß, dass etwas kein Zufall ist, wenn ich die Ursache kenne. Wenn ich aber die Ursache kenne, dann macht es keinen Sinn mehr überhaupt von Zufall zu sprechen, denn dann ist es Notwendigkeit. Ich kann daher nicht entscheiden, ob die Phänomene, die ich als zufällig einschätze, tatsächlich zufällig sind oder aber einer höheren Notwendigkeit folgten. Alle unsere philosophischen Aphoristiker hier ignorieren also, dass sie angesichts einer anscheinend unerschöpflichen Welt in Verlegenheit geraten sind und nun meinen sie erkennen es noch nicht, aber es sei dennoch Notwendigkeit. Statt diese Verlegenheit einzugestehen, wollen sie die Welt nach nur einem Gesetz denken, nämlich diesem: Alles was ist, hat einen notwendigen und hinreichenden Grund. Der berühmte Satz vom Grunde der Philosophie also, der uns als vierter Grundsatz der Logik über den Weg läuft. Im Gegensatz zu den ersten drei Sätzen der Logik hat dieser einen besonderen Status. Der Satz vom Grunde ist nämlich ein halb logischer und halb empirischer Satz. Oh ja, während wir die ersten 3 Sätze der Logik aus einem hermetisch gegen die Welt verschlossenen Hirn heraus denken können und so zum Beispiel alle Sätze der Mathematik, ohne die Welt zu kennen, in diesem Hirn, bewaffnet mit den 3 logischen Sätzen, zu Stande bringen können, so denken wir im Gegensatz mit dem Satz vom Grunde auch immer schon die Welt. Und mehr noch, wir brauchen diesen Satz um Welt überhaupt zu denken und vorzustellen. Achja ich weiß, das mag für den ein oder anderen jetzt philosophisch zu kompliziert werden, aber einer stelle sich doch eine Welt vor, die eben nicht nach dem Satz vom Grunde geschehe, also eine Welt, in der nichts Ursache von etwas wäre, aber alles dennoch irgendwie ist.

Chaos-Goeree

Die Grenzen der Ordnung und die philosophische Vorstellung vom Chaos

Eine Welt ohne Gründe also: Wir müssten uns ein Chaos denken, was also keiner grundhaften Ordnung entsprechen dürfte. Keine Unordnung würde diese Szenerie zum Ausdruck bringen, denn die Unordnung der weltlichen Dinge ist auch eine Ordnung. Alles Seiende ist schon ein Zuviel, wenn Chaos vorgestellt werden soll. Versuchen Sie doch lieber Leser, sich drei Farben vorzulegen und diese so chaotisch wie möglich anzuordnen. Und jedes Kind wird sofort sagen, dass sie aber ein schönes Muster produziert hätten. Die obige Darstellung versucht deswegen, mit der Vorstellung einer Nichtsblase zu operieren, aber auch da kommt der Verstand an seine Grenzen und muss, um den Gegenstand überhaupt behaupten zu können, wieder seine Ordnungsmuskeln spielen lassen: Das chaotische Nichts ist doch so noch gebannt in einer Kugel, die über einer Welt der Verwüstung schwebt. Nichts ist noch weniger als der kleinste Gedanke vom Nichts, den wir denken können. Verstand, Vorstellung, alles zuviel. Selbst die Philosophie kann hier nicht weiterhelfen.
Die Jahreszeiten, die Chronos mit dem Glück ihrer Geburt für seine gestiftete Ordnung huldigen
Die Jahreszeiten, die Chronos mit dem Glück ihrer Geburt für seine gestiftete Ordnung huldigen

Der philosophische Blick auf das Chaos

Dennoch sehen wir: Chaos ist dem Verstand doch im Mindesten Nichts und aus diesem Nichts-Chaos, Urknall sei dank, entsteht so etwas wie Ordnung. Diese Ordnung aber lässt als unhintergehbares Prinzip keine noch so philosophische Vorstellungen von einem Davor vom Chaos zu. Wir leben im goldenen Zeitalter der Ordnung, wo wir mit dem Verstand alle Zufälle zu ihrer Notwendigkeit bringen wollen und müssen, wenn wir die Welt nur begreifen wollen und nicht selbst in Phantasmen leben wollen. Doch wieso haben wir dann doch eine Idee vom Chaos? Schauen wir mit dem Blick der Philosophie in die Mythologie. Das Chaos verwirkte sich, um doch irgendwie zu sein und brachte Chronos hervor, der fortan den Dingen ihren „chrono-logischen“ Lauf gab (Bild oben von Bartolomeo Altomonte cc_by_sa 2.0 Quelle: wikicommons). Diese Reste des Chaos, welches nun erst in der Ordnung ist, sind noch in uns, wenn wir denn philosophisch hinter die Ordnung der Dinge zurückfragen. Was war denn vor der Erde? Was war vor dem Sonnensystem? Was war vor der Galaxis? Was war vor dem Universum? Was war vor der Zeit? Was war vor dem Urknall? Der Verstand und sein „chronisches“ Denken schickt uns stets einen Grund weiter in den Ab-Grund der Unendlichkeit. Ohne Beginn befinden wir uns mit einem Schlage in den unendlichen Weiten einer Ordnung. Doch dann fragen wir: Was war vor der Ordnung? Und auch, wenn wir keine Antwort haben, so ahnen wir, dass es selbst nicht Ordnung war. Die Ordnung kann sich als Prinzip nicht selbst ordnen, begründen. Und so begreifen wir die Welt, wir tragen Sie mit unserer Logik, können aber den Grund der Logik selbst nicht in dieser Logik sehen. Und nun wissen wir nicht mehr: Denkt denn nur unser Verstand die Erscheinungen der Welt als notwendig aneinander gereiht und sind sie tatsächlich einfach nur Zufall oder sind die Erscheinungen der Welt wirklich notwendig? Da wir aber die Erscheinungen, so wie wir sie denken, all zu oft unkritisch als wirklich annehmen, stoßen sich nur wenige Philosophen an dieser Frage. Ich will es nochmal so formulieren: Es könnte doch auch sein, dass alle als notwendig-gedachten Phänomene in Wirklichkeit nur die Abfolge des Zufalls wären und so kommen wir zu dem umgekehrten Ergebnis, nämlich nicht „Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit“, sondern „Die Notwendigkeit ist der in Schleier gehüllte Zufall.“
Wie ist nun zu entscheiden zwischen Zufall und Notwendigkeit? Am konkreten Objekt können wir es nicht beweisen, so zeigte aber doch zum Beispiel der Philosoph Kant, dass es notwendige Bedingungen der Möglichkeit von Gegenständen geben muss, damit wir überhaupt Erkenntnisse haben können. Dieses aber, wie auch den Aspekt des Zufalls werde ich an anderer Stelle weiterbehandeln
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Grenzen des Sehens und optische Täuschungen – Kleine Sehschule der Philosophie (Teil 3)

Da wir unserem Sehsinn in der Regel die erste Welterkenntnis zuordnen, so „sehen“ wir nicht, dass wir uns mit den Sinnen eben auch nur eine sinn-konstruierte Welt aneignen. Die Grenzen der Philosophie bedenken wir hier nicht. Es mag sein, dass wir die Welt niemals anders denken können als durch die Vorstellung des Sehens, den Moment des Gegebenen, dennoch (wie in meinem Artikel zur Blindheit gezeigt) wir verstellen uns den klaren Blick auf die Grenzen unseres Wissens und diskriminieren den sogar den Blinden und sprechen ihm die geordnete Welterfahrung ab.

Besteht die Welt aus Bildern (philosophische Sehschule)

Die Welt besteht nicht aus Bildern, die an unserem Auge vorbei huschen. Aus Gegenständen vielleicht, aber selbst hier ordnen wir nur ein Gewühl von wahrscheinlichen Affektionen zur einer einheitlichen Strukturen. Das Folgende Bild verdeutlicht daher, womit unser Gehirn eigentlich die ganze Zeit beschäftigt ist, während wir mit unseren Augen durch die Welt wandern. Es ordnet und strukturiert und manchmal verwirrt es sich dabei selbst.

http://farm3.static.flickr.com/2281/2255015074_18dfeb3cdd.jpg

Für Erklärungen und mehr dieser Illusionen siehe auch: http://www.michaelbach.de/ot/mot_rotsnake/index.html

Das erste Mal als ich diese Bewegungen der endlos rollenden Räder sah, stellte ich mir in meiner Verblüffung einen Menschen aus dem Mittelalter vor, dem ich voller Stolz dieses magische Objekt auf einem Blatt Papier zeigen würde. Für alle, die es also nicht glauben können: Es ist keine Animation, druckt euch das Ganze auf Papier aus und seid einfach nur von der „Animation“ eines ruhenden Objektes beeindruckt. Ist das Ganze nun ein Sinneseindruck?

Was macht unser Gehirn beim Sehen

Was passiert? Nun, so wie es in den Artikeln heißt, passiert beim Sehen weit mehr, als nur das Einnehmen einer starren Perspektive, denn wir müssen ständig unseren Körper und seine Bewegungen zum Sehen selbst vermitteln, sowie auch die Bewegung unserer Augen. Wenn ich zum Beispiel auf diesen Monitor hier schaue und ständig meine Augen bewege, welch verwackeltes Bild mag das ergeben, wenn ich dieses auf euren Monitor jetzt übertragen würde? Einen guten Film würde die Sehrichtung mit Sicherheit nicht ergeben. Wir hätten noch verwackeltere Bilder als uns Handykameras weltweit ohnehin schon auf Youtube liefern. Aus dem selben Grund müssen wir bei der Malerei auch erst das Sehen lernen, lernen unser Sehen zu verstehen (wie bereits in meinem Blogbeitrag zu den Maltechniken angedeutet)

Philosophie des Sehens

Warum erscheint uns die Welt also nicht ganz und gar verwackelt? Weil unser Gehirn ständig unsere eigenen Bewegungen und die Bewegungen der Augen herausrechnet, aber das hat nun mal seine Grenzen. Bilden wir uns also ganz philosophisch eine Theorie vom Sehen, dann müssen wir bedenken, dass der Begriff „Theorie“ selbst abgeleitet von einem Sehbegriff nämlich von der Anschauung ist. Folgende etymologische Klärung zeigt dies auf:

„Die Etymologie lehrt, dass der Begriff Theorie bereits sehr alt und dem Griechischen entlehnt ist: théa bezeichnet „das Anschauen“, horáein meint „sehen“. Dabei ist die Verwandtschaft zum griechischen Wort für „Gott“, théos, kein Zufall. Er ist derjenige, der unablässig auf die Menschheit herabschaut. Das Adjektiv theoretikós beschreibt eine innere Geisteshaltung, etwas gedanklich zu erfassen. Heute manifestiert sich diese Haltung beim Theoretiker.“ (Quelle: http://www.wissenschaft-online.de/astrowissen/theorie.html)

Wir versuchen also wie ein Gott auf eine Welt herabzublicken, vergessen aber, dass wir mit der Blickrichtung als gedachtes, unabhängiges Subjekt plötzlich weltlos sind. Die Philosophie kann sich aber nicht zu einem neutralen Beobachtungspunkt verkleinern, wenn dann nur eine so genannt transzendentale Perspektive eröffnen. Aber Philosophen, die die Welt nicht in den Blick bekommen, sind metaphysisch obdachlos. Ist es also möglich die Welt in den Blick zu bekommen?

Die Welt in den Blick bringen (Sehschule der Philosophie)

Der Philosoph Apel würde sagen, wir verbleiben im zweiten Bewusstseinsparadigma, wenn wir immer nur die Welt durch bildlich konstituierte Objekte vorstellen würden und dazu einen subjektiven, weltlosen Beobachter dächten. Stattdessen empfiehlt er uns, das dritte Paradigma, was die Welt durch Begriffe und Sprache weiter entschlüsseln soll. Keineswegs bedeutet dies, dass die Welt sprachlich ist, aber Sprache ist die letzte Ebene, so meint Apel zu beweisen, auf der wir uns Welt überhaupt vorstellen können und auch mit höherer Sicherheit vorstellen können als es eine bloße Bildtheorie erlaubt. Ich will diese Philosophie der Transzendentalpragmatik hier nicht weiter erläutern, aber sie bildete auch die Grundlage für das moderne Verständnis der Bundesrepublik, da der Philosoph Habermas diese mit seiner Diskursethik stark in die Frankfurter Schule integrierte. Und die Frankfurter Schule ist mit Sicherheit ein Herzstück unseres Denkens, wenn auch zuweilen ein ungeliebtes.

Was sehen Blinde?

Wir können die Frage auch vereinfachen: Was sieht also ein Blinder, wenn er denkt? Achja richtig, für uns, die eben an den einen Sinn gefesselt sind, bleibt scheinbar nur übrig zu glauben, dass er immer nur auf eine schwarze Leinwand glotzt und generell einer beeindruckenden ontologischen Eigenschaft beraubt ist.

Wir diskriminieren Blinde, wenn wir behaupten wir dächten in Bildern. Stattdessen behaupte ich: Wir konstruieren! Wie diese Gegenstandskonstitution möglich sei, ist eine kompliziertere Frage. Wir würden gerne wie Gott aus dem Olymp auf uns herabschauen und unser endloses Sisyphos-Denken zur Konstruktion der Konstruktion der Konstruktion der Konstruktion der Konstruktion… (ad infinitum) beenden. Und so rollen wir oft den Stein der Weisen auf die Weltbühne und posaunen, dass wir nichts wissen können. Mit diesem Stein kommen wir aber auch nicht einfach den Berg hinauf. Vielleicht gibt es noch so genannte reflexive Projekte, die zumindest Teilerkenntnis liefern, darüber möchte ich jetzt aber nicht philosophieren. Persönlich sage ich nur so viel: ich glaube schon, dass wir zu wissen im Stande sind, aber dieses Wissen ist nicht als Seiendes in der Vergangenheit, sondern will als Ereignis immer wieder neu gedacht sein. Schon gar nicht ist unser Wissen aber reines Sehen.

Nochmal zum Punkt, wenn wir also sehen, so denken wir bereits. Wir erzeugen die Welt, indem wir alles um uns herum vermitteln. Wenn ich zum Beispiel auf die Tischecke hier schaue, so weiß ich, dass das ganze ein 90° Winkel ist, aber ich sehe sie nicht als 90° Winkel. Was ein Maler sofort weiß, muss ich erst in mir ergründen. Ich würde sagen es ist ein spitzer Winkel oder ein stumpfer? Der Gegenstand ist immer schon mit meiner Raumerfahrung verknüpft und untrennbar von dieser. Deswegen geraten wir in Verlegenheit, wenn uns so unbekannte Dinge wie die rollenden Räder auf Blättern begegnen. Die Welt ist eine vermittelte und nicht unmittelbare und das ist auch der einzige Grund, warum wir uns über die Welt Gedanken machen müssen. Wir sehen die Welt nicht, sie ist nicht einfach da und ein Bild. Sie liegt nicht zu unseren Füßen, sondern verwebt sich mit uns und ist verschmolzen in uns. Dabei versucht sie doch auch nur sich selbst zu fassen, wenn sie denn nur Teil in uns wird. Die Welt ist ein mit der Geburt sich öffnendes Auge in uns, dass versucht sich selbst zu sehen und das Leuchten des eigenen Sinnes erst wieder vergessen muss. Diese Gedanken aber sind nichts weiter als die Suche der Philosophie.

Was ist die Welt innerhalb der Grenzen unserer Philosophie?

Die Grenze der Menschheit ist nicht ihre Sinnlichkeit, sondern die Vermitteltheit durch Sinne. Eine Auseinandersetzung mit der Welt zählt und nicht das starre Glotzen. Unser Körper ist da viel näher als der Gedanke des Bildes. An anderer Stelle, in einem anderen Beitrag müssen wir aber auch noch von diesem Körper abstrahieren. Bis dahin schauen wir uns aber an, was uns ein blinder Körperbeherrscher uns zeigen kann. Al Pacino verkörptert den gewöhnlichen Liebhaber im blinden Tangotänzer. So gut im Übrigen, dass er einen Oscar gewinnt und wir uns selbst nicht mehr sicher sind, was von den Dreien, größter Liebhaber, Tangotänzer, Blinder denn nur gespielt sein soll. Nach langem Überlegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass er nur eines von dreien ist. Entweder ist er blind, ein Frauenheld oder Tänzer. Aber welches nur?

Die Dialogszene auf Deutsch

http://www.youtube.com/v/dBHhSVJ_S6A

Die Bewegung selbst sehen wir nicht im Bild, nur die Vermitteltheit der Bilder lässt uns Bewegung erfahren. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Norman Schultz

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Über die Grenzen unserer Sinne hinwegsehen – Kleine Sehschule der Philosophie (Teil1)

http://www.flickr.com/photos/foxtongue/2657434642/

Es gibt philosophische Fragen, die, so abstrus und hypothetisch diese auch sind, sich jeder schon irgendwie einmal gestellt hat. So auch diese Frage: „Auf welchen ihrer fünf Sinne würden Sie verzichten?

Unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze

Auf das Sehen wird wohl niemand verzichten, denn das Sehen gilt doch als der direkteste Eindruck vom Raum und als Grundlage für Orientierung in einer gegebenen Welt, und so kann doch nicht auf diesen Sinn verzichtet werden. Und verwendete nicht sogar unser Over the Top- Philosoph Kant in seiner so genannten Transzendentalen Ästhetik den Begriff „Anschauung“ als Grundlage einer jeglichen Erkenntnis? „Anschauung“, einen doch wohl eindeutigen Sehbegriff! Aber ist dies ein eindeutiger Sehbegriff innerhalb der Philosophie? Er meinte hiermit wohl eher das Gegeben-Sein eines Gegenstandes überhaupt, der doch dann erst für unseren Verstand unendlich (entgrenzt) differenzierbar wird. Nicht aber, dass wir etwas als Bild direkt sehen. Es scheint den unachtsamen Lesern nur oftmals so, als meinte der Philosoph Kant das Sehen eines Gegenstandes, so, dass wenn ich zum Beispiel eine Rose sehe, gleichzeitig auch ein vollständiges Bild von ihr besitzen würde. So simpel war es bei dem Philosophen allerdings nicht, denn mein Gehirn wäre demnach nichts weiter als ein Fotoapparat, der die Welt als Fotoalbum digitalisiert. Vielmehr geht es aber um die erwähnte Tatsache, dass ich die gesammelten und von mir erzeugten „Bilder“ zerteilen und wieder zusammensetzen kann. So auch die Rose: Dornen und Blüte, Blattfasern und Blatt, Größe und Farbe. Mit anderen Worten: Mit der gesehenen Rose schauen wir eine uns unendlich differenzierbare gegebene Größe an. Wir setzen die Grenzen, in der Art wie wir die Welt begrenzen.

Die Grenze des Alltagsverstandes: (Ein Bild hält uns gefangen)

In unserem Alltagsverstand sagen wir jedoch grob, wir sähen ein Bild. Dieses sagen wir aber vor allem, weil wir denken, das Sehen gäbe uns Bilder. Wir denken die Bilder würden aus einer Realität kommen, die auch wesentlich Bild sei und deswegen sei auch der Raum selbst gefüllt mit Dingen, die nur bildhaft sein können. Allein aber durch die Tatsache, dass wir Dinge gegeben haben, folgt noch nicht, dass wir sie differenzieren können. Dier Philosoph Kant schlussfolgert daher, dass das Bild, was wir auseinandernehmen können, ja doch aus Teilen als Ganzes zusammengesetzt sein muss. Der Mechanismus der Zusammensetzung findet daher nicht im Sehen statt, sondern innerhalb der Grenzen des menschlichen Denkens.

Philosophische Askese: Wie wäre es nicht zu sehen?

Wenn wir nun aber vom Bilder-Sehen ausgehen, wie dunkel und leer geräumt, stellen wir uns dann den Raum eines Blinden vor. Er tappt permanent im Dunkeln. Wir stellen es uns so vor, als hätte jemand die Augen geschlossen und als würde dieser dabei versuchen, von A nach B zu kommen. [Das Experiment kann ich übrigens nicht empfehlen. Als ich klein war, versuchte ich mal von der Schule auf diese Weise nach Hause zu kommen. Nicht nur, dass ich mich hoffnunglos in irgendwelche Richtungen schickte, ich wäre gar fast von den Autos über die Grenzen der Zeit (soll heißen umgebracht) katapultiert worden.] Die unbegrenzte Dunkelheit hält den Blinden angeblich gefangen.

Aber mehr noch als die Unmöglichkeit eines Blinden sich in einer Welt vorzustellen, ist es für uns zu glauben, dass diese Blinden Qualitäten wie „rot“ oder „blau“ denken könnten. Noch schlimmer trifft es die Taub-Blinden, die nach unseren Maßstäben von der Welt vollständig abgeschnitten sind. Eingegrenzt in dem leeren Quaree des Nichts von sich selbst. Als Kind beispielsweise konnte ich mir nie vorstellen, dass diese sich überhaupt eine philosophische Vorstellung vom Sein machen könnten. Ich dachte, sie wären in ein dunkles Körperverlies eingelassen, ohne jegliche Differenzierungskraft dazu verurteilt, die Muster an der inneren Gehirntapete zu zählen. In unserem Biologiebuch war immer eine Abbildung einer Taubblinden für die ich nicht mehr als Mitleid empfand. Um so erstaunlicher empfand ich es, dass es sogar eine taubblinde Philosophin (Helen Keller) gäbe, die über eine Handtastsprache kommuniziere und von allem sich eine Vorstellung machen könne, auch von Ontologie. Eine Entgrenzung im Geist, der doch die Welt immer wieder in sich erklärt und damit nur philosophisch sein kann.

Vielleicht haben wir es also garnicht mit Bildern zu tun (Hier beginnt die Philosophie)?

Wir entwickeln schnell ein gewisses Überlegenheitsdenken, aufgrund des einfachen Sehens und formulieren dann unseren Groll, wenn die Welt mal nicht damit übereinstimmt. So gibt es beispielsweise Gruppen wie „Du redest in Worten, ich denke in Bildern“ oder gar nur „Ich denke in Bildern!“. Wenn wir aber nur den Bildern vertrauen, dann können wir wohl nur sehr schwer zu reifen Erkenntnissen kommen. Der Weg zur Philosophie wäre verstellt. Denken in Bildern, da frage ich mich, was Leonard Euler die letzten zwanzig Jahre seines Lebens tat. Vollkommen erblindet, blühte sein mathematisches Denken auf. Es zählt als seine produktivste Schaffensperiode, der wir angeblich auch Zahlen wie e verdanken. Eine Entgrenzungsleistung in der Blindheit. Ich glaube nun nicht, dass die „Ich denke in Bildern!“-Menschen dieses Verhältnis e in der Natur schon so gesehen hätten, es ist eine Relation, die erst der Verstand in die Welt setzt.

Sagen wir es so: Wir haben zwar etwas Gegebenes, aber gleichwohl ist es doch zu imprägniert mit Denken und Sprache, dass wir diese beiden Gegebenes und Sprache (Denken) nicht ohne weiteres auseinanderhalten können.

Bildsprache (Philosophie der Sprache)

Ein Monument der Bildsprache hat dabei übrigens Terry Pratchett in die Welt gestellt. Sätze wie „Das Gedächtnis ballte die Faust und rammte sie in die Magengruben des Gewissens“ erzeugen Bilder, die noch weit über den erfahrbaren Grenzen eines Sehenden liegen und zeigen, dass die Welt mehr als ein raumartiges Ge-Bild-e ist.
[In einer bemerkenswerten Fleißarbeit legt übrigens der Autor der folgenden Seite alle Wortbilder von Terry Pratchett dar: http://www.die-scheibenwelt.de/pratchett-sib.html (Nur für die, die Zeit zum Stöbern haben.)]

Mit den Wortbildern von Pratchett zeigt sich Folgendes: Die Welt ist mehr als nur Bild, nämlich zunächst eine für unsere Erkenntnismittel unauflösliche Legierung aus Sprache und Gegebenem [ich folge hier einem internen philosophischen Realismus von Hilary Putnam nach Kantischer Deutung (nur für die, die sich für die philosophischen Hintergründe interessieren)].

Das heißt: Eine Rose ist zwar gegeben, aber in ihr Bild fällt doch nicht nur ihre Existenz, sondern auch das ganze Spektrum ihrer Möglichkeiten: das Nicht-Sein, das werdende Sein, das Vergehen, die Verortung in einer Welt als Ganzes mit ihren Grenzen. Und dieses Ganze der Zeiten (der Erfahrung), dass wir immer mit jedem Gedanken voraussetzen müssen, passt wohl kaum in Bilder; es ist nur schwer begrenzbar. Wie wir es drehen und wenden, die Rose ist nicht nur ein Bild, sondern das Ganze ihres Seins in einem noch größeren Sein und wird daraus für uns erst verständlich. (Wuh und das Sein in einem noch größeren Sein – genug Mystik? Ich will die Gedanken hier nicht dröge entwurschteln)

Die Grenzen der Welt sind keine Bilder

Ach, liebe Leser, ich weiß, ich werde zu philosophisch und in meinen Fingern juckt es schon Kant und Hegel, als auch Heidegger heranzuziehen. Aber soviel sei noch dazu gesagt: Der Glaube, dass die Welt aus Bildern bestünde, geht meines Erachtens auf einen Fehlschluss zurück.
Weil wir in einem jahrtausendewährenden Prozess herausgefiltert haben, wie wir eine Augenrealität auf Papieren nachkonstruieren, Bilder malen, glauben wir nun auch die Welt bestehe aus Bildern. „Klar…“, heißt es „…was auf einem Bild abbildbar sei, muss auch selbst ein Bild sein.“ Jedem, der aber schon mal unter Mühen versucht hat, sich eines Bildes in den Gegenständen zu bemächtigen, weiß, dass die eigentliche Erzeugungsleistungen darin liegt, unser Auge erstm einmal zu verstehen. Und unsere Jahrtausende währende Kultur hat das in der Malerei zum Beispiel erreicht. Wer aber immer noch glaubt, dass die Dinge so einfach wie Bilder wären, solle sich fragen, warum die Ägypter immer so merkwürdig in der Gegend rumstanden. Denn diese Bilder müssten ja der Realität entsprechen.
Und selbst, wenn wir nun auf unser inneres Sehen zu sprechen kommen, sage ich nur noch soviel: Dieses Auge, das innere Sehen, ist mehr als nur ein Bild-en. Der Philosoph Wittgenstein formulierte zu der Problematik: „Ein Bild hielt uns gefangen…“, das heißt die Grenze des menschlichen Seins und des Denken ist keineswegs die Bildhaftigkeit, aber sie nimmt uns ein, vielleicht unentwirrbar. Kant erfasste diese schwer zu differenzierende Legierung aus Gegeben-Sein und Denken, als er sinngemäß sagte die Begriffe sind ohne Anschauungen leer, aber noch schlimmer die bloßen Anschauungen ohne Begriffe (ohne Denken) sind blind. Die Blindheit liegt also nicht in unserem Sinn verborgen, sondern in unserem Denken. Die Anschauungen bei dem Philosophen Kant, was wir zunächst fälschlich als Bild verstehen, drückt nur den Status des Gegegeben-Seins aus, der sinnvolle Begriff aber einer Rose etwa, kann von uns nur gedacht werden. Die Rose ist kein Bild. Wir sehen also irgendwie schon Bilder, ja, aber das Bild ist ein wesentliches Erzeugnis des Denkens durch die Einbettung des Gegebenen in all unsere Erfahrung. Das Gegebene verstehen wir nur in den Grenzen des Denkens und erst dort können wir es entgrenzen.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn Sie diesen Blog abonnieren. Den zweiten Teil zu den Grenzen des Sehens können sie auch gerne auf diesem Blog lesen, aber auch die Beiträge zur Behinderung sollten für sie interessant sein.

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Grenzen des Lesbaren – Daniel Kehlmann und die Dozentur für Weltliteratur in Köln

 Okay, das wird ein langer Beitrag zur Philosophie des Lesens und deswegen die Essenz gleich am Anfang: Ich werde aus Protest gegen Frau Professor ZENSIERT Marquez’ Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“ nicht lesen. Es tut mir leid, dass ich hierfür einen so berühmten Mann in meinen Protest mit einbeziehen muss und womöglich hätte ich ihn einfach nicht gelesen, wenn ich Frau Professor ZENSIERT nicht kennen gelernt hätte. Aufgrund der enormen Buchmengen und Weltliteraturen sowie individuellen Philosophien sind dem privaten Lesen Grenzen gesetzt. Dies ist aber den Berufslesern nicht klar und sie reagierne mit Arroganz. Deswegen entschuldigen Sie bitte Herr Marquez, da ich sie nicht wirklich kenne und hier instrumentalisiere, aber ich hoffe, dass auch sie die Gründe dafür verstehen werden.

Daniel Kehlmann und die Dozenzur für Weltliteratur

Daniel Kehlmann ist im Mindesten der nächste Literatur- und Friedensnobelpreisträger und Super-Philosoph aus Deutschland. Jedenfalls müsste seine Karriere in diesen Schritten vorangehen, wenn wir den Ausführungen von Prof. Dr. Günter Blamberger an diesem Abend, den 8.10.10, glauben. Denn nach dessen Aussage, sei der Platz Deutschlands im UN-Sicherheitsrat auf ein Gespräch von Daniel Kehlmann und dem UN-Generalsekretär zurückgegangen.

„Kehlmann holt den UN-Sicherheitsratssitz für Deutschland“

Die Personifizierung des Ernstes: Schopenhauer - so ernst sahen die Gäste aus (Foto:wikipedia)

Die Personifizierung des Ernstes: Schopenhauer - so ernst sahen die Gäste aus (Foto:wikipedia)

Eine gute Schlagzeile. Doch Kehlmann nun amtlicher Würdenträger, Dozent für Weltliteratur, stellte bei seiner Antrittsvorlesung sofort richtig, dass er sich lediglich mit seinem Kollegen Eugenides unterhalten hätte. Wie diese Geschichte entstanden sei, wüsste er auch nicht. Und so begann er seine Antrittsvorlesung als großer „Literator“ (wie seine Stelle auch elitär bezeichnet worden ist).

Doch der große „Literator“, Daniel Kehlmann, mittlerweile ja weltberühmt, schaffte es nicht einen großen Hörsaal zum Platzen zu bringen. Viele Leere Plätze und dazu schläfrige Pflichtbesucher verteilten sich auf den Rängen. Vielleicht waren zweihundert bis dreihundert Leute anwesend, und mindestens die Hälfte davon, so behaupte ich, waren aufgrund ihrer Karriere hier. Die Lage war also ernst. Die Lage war wirklich ernst.

An Daniel Kehlmann lag es zumindest nicht, dass die wenigen Besucher mit ernster Miene kamen. Er legte seine Interpretation zu der Stilistik von Gabriel Garcia Marquez’ „Hundert Jahre Einsamkeit“ vor:
Er richtete seine Aufmerksamkeit auf allerlei Kuriositäten, die in diesem Roman zum Tragen kamen. Während ich und meine Begleiter jedoch regelmäßig lachten, schien der Saal von der entfalteten Ironie des magisch-unwirklich wirklichen Lebens im Roman und der kuriosen Erzählweise nichts zu merken. Starre Mine und ernstes Dreinschauen beherrschten den Saal und kratzten an den Grenzen zur Langeweile. Auch ein paar Dahinschlummernde waren zu entdecken. Wirklich Daniel Kehlmann hat eine wunderbare Vorlesung gehalten, gespickt mit allerlei Kuriositäten und interessanten Beobachtungen. Doch zumindest auch so ausgetüftelt, dass Prof. Blamberger ihm gleich eine Professur in Köln anbot. Den Großteil der Zuschauer erreichte das aber nicht. Es fragt sich und darauf möchte ich im Wesentlichen eingehen, warum nicht? Weiterlesen
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Philosophische Grenzbetrachtung zum Unfall bei Wetten dass..?

Zu meinem Beitrag Die Philosophie und die Grenzen des Machbaren (zum tragischen Unfall bei Wetten dass..?)  kann ich nur soviel sagen: Ich bin als Philosoph fasziniert von den Grenzen des Machbaren und ich bin der Überzeugung, dass „Wetten dass…“ und der Unfall beim Autoüberspringen noch lange nicht an der Grenze des Machbaren war:

http://www.youtube.com/embed/1VJll3cfDEM

Natürlich “Wetten dass…” ist eine Unterhaltungsshow, andere Risikounternehmer wie Boxer oder nach philosophischer Überzeugung Lebensmüde sind Sportler. Dort geschehen auch Unfälle bei einer Unterhaltungsshow darf das offensichtlich nicht passieren. Aber so einfach ist diese Unterscheidung an den Grenzen nicht. Wir wollen doch bei Wetten auch etwas besonderes erleben, Grenzen der Menschheit, eine Philosophie der Überbietung. Wir wollen doch nicht darauf wetten, dass einer, wie schon geschehen, 20 Würstchensorten am Geschmack erkennt oder die noch bessere Wette am Würstchenwasser. Jeder Weinkenner oder 3- Sterne- Koch würde darüber lachend zu seinen Spezialitäten zurück gehen. Ich möchte auch nicht sehen, wie sich jemand die Ergebnisse der Bundesliga Saison von 1970 bis heute erinnert, wenn Daniel Tammet sich Pi bis auf 10.000 Stellen nach dem Komma merkt. Gut Fernsehen ist ein Medium für den Durchschnitt. Aufgrund der Zuwendung zu breiten Massen müssen viele Interessen bedient werden und dadurch bekommen wir ohnehin vom Fernsehen selten Grenzen gezeigt, aber das ist ein anderes Thema.

Was beachte ich also philosophisch bei den Grenzgängern? Wie sieht die Philosophie „Grenzgänger“ aus? Wenn ein Seiltänzer über den Grand Canyon spaziert, dann spüre ich die Gefahr in meinem Körper, er geht auch für mich hinüber. Grenzgänger spazieren daher an den Grenzen auch für uns als Gattungswesen. Dann beachte ich philosophisch die Lebensleistung, die nur gewisse Spitzenleistungen hervor bringen können. Die wirklich erfolgreichen Boxer sind zum Beispiel entgegen vieler Annahmen regelrechte Asketen. Jahrelanges Entsagen, um den Körper auf ein Leistungsniveau zu bringen, das nur einem gerecht wird, dem Weltmeister. Spitzenleistungen sind nicht dem Moment geschuldet, sondern einem entbehrungsreichen Lebenslauf. Was muss zum Beispiel Damien Walters alles geplant und trainiert haben, um diese Sprünge mit dieser Präzision zu bringen?

http://www.youtube.com/embed/cNvJy0zoXOY

Es sieht gefährlich aus, aber die Vielzahl der Sprünge zeigt auch, welche Überlegenheit sich Walters gegenüber der Gefahr erarbeitet hat und wir uns auch hinsichtlich vieler Gefahren unseres Lebens erarbeiten können. Es ist motivierend zu sehen, dass Grenzen, so unmöglich sie scheinen, unter Übung eventuell überwindbar sind. Wir haben es mit der Philosophie der Überwindung und einer Philosophie der Selbststeigerung zu tun.

Extremsport als Philosophie der Selbsterkenntnis

Die Besteigung der größten Berge haben gezeigt, dass die menschliche Leistung, das menschliche physische Leben nochmal überragt. Reinhold Messner verlor seinen Bruder am Nanga Parbat. Sein Bruder wollte ihn nicht alleine den Berg besteigen lassen, folgte ihm, doch Messner plante einen Durchstieg, den er aufgrund schlechten Wetters auch durchführen musste. Dieser Durchstieg machte ihn schließlich weltberühmt. Er zeigte, welche lebensfeindlichen Bedingungen überwunden werden können, doch dabei verlor er seinen Bruder, der ihm aus falschen Eifer gefolgt war. Womöglich war Messner besser vorbereitet. In der Einsamkeit der Berge, berichtet Messner häufig, geht es um die philosophische Selbsterfahrung des Menschen, wo er sich seiner Physis erst vollkommen bewusst wird. In der Gefahr erfährt der Mensch sich selbst. Es zeigt also wie nah die Grenze zwischen Möglichem und Unmöglichen gewesen sein muss und belehrt uns als Menschen über den Aufstieg in eine möglich unmögliche Zukunft. Genau diese Selbsterfahrungen machen aber Philosophie aus.

Jackie Chan formulierte es ähnlich: Sein Körper wird sterben, aber seine Legende (so pathetisch das auch klingen mag) wird ihn ewig leben lassen. Die letzte Grenze des Machbaren ist nämlich die Zeit selbst. Der Mensch selbst ist zwar in dieser Zeit körperlich vergänglich, aber in der Zeit überlieferbar (Das war ja Thema im letzten philosophischen Blogbeitrags „Zeit -Grenze des Menschseins)

In den Filmen von Jackie Chan kommt diese Lebensleistung als überlieferte Philosophie zum Ausdruck. An der chinesischen Oper ausgebildet, erwarb er unter ständigem Training eine enorme Körperbeherrschung. In seiner jungen Karriere galt er als verrückt, machte gefährliche Stunts. Das brachte ihm schnellen Ruhm. Während seiner vielen Stunts hat er sich womöglich jeden Knochen gebrochen und weiß nach eigener Aussage nun, dass man sich jeden Knochen auskugeln kann, so zum Beispiel auch Becken- und Wangenknochen. Bei einem relativ simplen Stunt wäre er fast gestorben, dennoch machte er weiter. Entstanden sind dabei bewundernswerte filmische Leistungen, die obwohl er nun alt ist, immer im Gedächtnis der Martial Arts Kunst verbleiben werden:

http://www.youtube.com/embed/idYCwve240Q

Jackie Chan besteht als lebendes Beispiel, wohin der Durchschnittsmensch sich bringen kann. Als eingeübter Großmeister der Kampfkunst überragt er alles bei uns nur Angelernte, aber nicht mit dem Leben Aufgesogene. Als Jackie Chan bei den durchschnittlichen Wetten bei “Wetten dass…” teilnahm, handelte es sich um eine „waghalsige Wette“. Jemand wettete, dass er es schaffen würde mit rohen Eiern in der Hand Steine zu zerschlagen, ohne dass dabei die Eier zu Bruch gehen würden. Die Wettkandidatin schaffte es nicht; Jackie Chan, der ja Zeit seines Lebens in solcherlei Körperbeherrschung investiert hatte, zeigte ihr dann, wie es geht.

http://www.youtube.com/embed/gDODlPyc3KY

Was bewundern wir also philosophisch? Die Wette bei “Wetten dass…” war machbar, der Unfall tragisch. Ich glaube, es waren unglückliche Umstände, der Wettkandidat gut vorbereitet. Die Zufälligkeiten eines Lebens in der Zeit waren gegen ihn, vielleicht war er nervös, abgelenkt etc. Ich behaupte aber, wenn niemand mehr bereit ist die Grenzen der Menschheit zu erkunden, dann werden wir alle nur noch am Samstag auf der Coutch sitzen und keine Alternative mehr zum Durchschnittsfernsehen wie „Wetten dass…“ haben. Wir bewundern den Überstieg zu dem, was wir noch nicht sind, aber vielleicht werden können und das ist der Grundgedanke der Philosophie.

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Zur Philosophie der Zeit – Grenze des Menschseins

Philosophie der Zeit kann sich nur mit dem Sinn von Zeit befassen, dieser Sinn aber ist menschlich. Was ist Zeit? Die Zeit ist zunächst zwar als Mitbringsel einer Welt nur in uns Menschen gedacht, aber doch vielmehr noch als Grenze unseres Daseins körperlich begriffen. Zeit ist Körper, Altern, Vergehen. Also denken wir mal über die Zeit als Grenze philosophisch nach. Kann das Verschwendung sein? Zeit sparen, wäre ja auch geboten, wenn Zeit denn so wichtig ist. Macht es Sinn über die Zeit nachzudenken, anstatt sie zu nutzen?

Wie ich meine Zeit als Philosoph verschleudere

Gut, besseres Schnürsenkel binden spart Zeit (zu sehen in meinem letzten Blogeintrag: Energiesklaven) – 4 Tage im Leben – aber wie gehen wir tatsächlich mit unserem Alltag um, in dem wir ja keine Zeit haben? Ich lebe da gemäß eines (angeblich?) Chinesischen philosophischen Sprichwortes:

Am Abend wird der Faule fleißig.

Durch viele kleine, aber hoch spezialisierte Techniken zerhacke ich mir meinen Arbeitsalltag: Eine Buchseite umblättern, dann E-mails checken, einen an Bedeutung explodierenden Gedanken festhalten und dabei nachdenklich wie ein Philosoph dreinschauen (es sind keine Süssigkeiten mehr im Haus), bei Spiegel-Online oder bei Zeit.de surfen, telefonieren, zum Kühlschrank gehen (und wieder einsame und enttäuschte Gedanken denken), ein paar Noten am Klavier spielen, mal kurz 4 Stunden was kochen, nochmal E-mails checken, schnell nach draußen und genau eine Schokolade kaufen und morgen wieder eine, schnell mal Fernsehen und schnell ist der Tag vorbei und vor Müdigkeit schaffe ich gerade die nächste Buchseite, wobei ich eigentlich, ja eigentlich… Es ist höchste Eisenbahn… Der Zeitdruck macht einen dann zum Zeitfahrer und einer liest in der Pause, schreibt die Nacht durch, studiert Philosophie, liest in der Straßenbahn, alles nur, um sich über sich selbst zu ärgern. Der Fall ist klar: Rufen Sie das Zeitlabor an! Ich brauche einen Arzt, der Zeit für mich verschreibt. Wofür? Um E-mails zu checken, Spiegel-Online, Zeit.de, zu philosophieren und so weiter… Wir vernichten alle so viel Zeit in uns. Bei uns kommt der Energieerhaltungssatz an seine Grenze, denn in der Regel liegen wir wie potentielle Energie auf dem Sofa und irgendwann am Lebensende ist diese Sofaenergie dann auch verbraucht. Und das Nichts, was wir erschaffen haben, lässt ein altes Wort der Philosophie in uns zu seiner Bedeutung kommen: Verdruss.

(Verdruss, eine Freundin von mir aus China, muss seit 2 Jahren als Beamtin, den Fall eines unrechtmäßig aufgestellten Tores behandeln, der Aufwand in China ist nicht zu vergleichen mit Passagierschein 38 a oder 36 b (ihr wisst schon Asterix)…) Gut, ungeordnete Gedanken, aber ich habe ja keine Zeit. Die Zeit so unbekannt, tragen wir mit der Welt alle auf unserem Atlaswirbel wie eben Atlas im Nacken. Zeitdruck genau dort, wo wir selbst nicht hinsehen können. Einen Arzt? Der Philosoph, heißt es, sei auch immer ein Arzt seiner Zeit. Hier aber in neuen Bedeutung. Zeit und Tugend hängen zusammen. Brauchen wir Zeitmanagement? Eine Philosophie der Zeit für die unhintergehbaren Grenzen der Zeit in uns?

Einige dieser Zeitmanagementprobleme behandelt Randy Pausch. Aber der von sich selbst Genervte wendet ein: Nein, nicht schon wieder jemand, der etwas zum Zeitmanagement sagen muss! To-do-Listen abhaken macht nun mal nicht so glücklich wie Schokolade und Sopranos schauen. Und dennoch: Randy Pausch lebt an seiner eigenen Zeitgrenze, denn er ist krebskrank. Es klingt sehr makaber, aber wer könnte besser eine Vorlesung über Zeitmanagement halten, als jemand, der selbst keine Zeit mehr im existentiellsten, philosophischen Sinne hat.

Randy Pausch ist 2008 in Pittsburgh verstorben. Dennoch hat er an einer Grenze weiter gearbeitet, der Zeit in uns, die letzte unverstandene Grenze, noch weiter entfernt als die Zukunft und nur begreifbar in der Philosophie. Welche Zeit haben wir also?

Die Philosophie und die Grenze der Zeit

Der Sinn von Sein lehrt uns Heideggers Philosophie ist… Trommelwirbel… die Zeit! Die Zeit? Gut, okay, aber was ist der Sinn der Zeit? *Trommelwirbel* Nichts! Nichts? Der Philosoph Heidegger entwirft alle unsere „Sorgen“ vor dem Horizont der Zeit… Was also ist Zeit? Ich kann hier diese Grenze nicht abhandeln, da ich nicht zu stark in die Abgründe der Unverständlichkeit abdriften möchte, deswegen eine simple Frage: Wieviele eurer Freunde haben prinzipiell keine Zeit? Ich glaube, es gehört mittlerweile zum Prestige keine Zeit zu haben, denn wer zu viel hat, ist in der Regel unbedeutend. Dazu gehören dann in der Regel: Rentner oder die angeblichen Zeitmillionäre, Hartz IV-Empfänger.

Die Zeit neigt sich dem Ende, wenn das Licht der Zeit, die Schatten unserer Lebensereignisse länger und länger werden lässt, dann essen wir entweder vor dem Sonnenuntergang im Schaukelstuhl „after eight“  oder trauern mit Verdruss philosophisch einem ungelebten Leben hinterher, einer verpassten, der verpassten Chance. Aber was sag ich? Mir fehlt hierfür ja noch die Lebenserfahrung. Ist das denn Trost, dass diese Lebenserfahrung einer erwirbt, wenn er auf dem Sofa liegt? Leider interessiert sich so selten jemand für das Palaver der Sofakrieger und Maischbergerzuschauer. Obwohl…

http://www.youtube.com/embed/ai5sVftlrXQ

Der Dalai Lama wirkt da übrigens auch nicht erleuchtender… Obwohl:

http://www.youtube.com/embed/O26wu9aCg_g

Ja, der Herr hat es auch ohne Verarsche schon schwer, denn von kaum einem anderen wird jeder Satz sofort in einem Buch veröffentlicht und unter die Leute gebracht. Schweigen wäre bei ihm nur Silber, denn das Reden ist Gold. Ich wünschte bei mir würden sie aus jedem Satz ein Sprüchebüchlein zusammenstellen und so gut verkaufen.

Die wahre Grenze ist ernst (die ernste Philosophie)

Aber zurück zum Thema, nachdem wir wieder etwas Zeit verbraten haben. Das philosophische Gedicht von Hermann Broch „Denn das Wahre ist ernst“ bringt es noch am besten zum Ausdruck. Allerdings weiß ich nicht, wieviel ich hiervon davon zitieren darf, aufgrund urheberrechtlicher Fragen. Nur mal eine Nebenbeianmerkung: Selbst Zitate im Profil können ein teures Nachspiel haben. Aber wir finden uns damit ab und denken daran, dass Zitate in früherer Zeit verpöhnt waren. Ganz unoriginelle Leute waren das, die da zitierten. Aber hier geht schon wieder die Zeit flöten…

Hermann Broch schreibt also:

„Es verblassen des Abends die Farben der Landschaft, auch die
heitersten,
und sie zeigt ihre ernsten Linien,
wenn der dunkelnde Ölbaum gegen des Himmels Dämmergrau steht“

Okay, Wink mit dem Zaunpfahl, es geht um das Altern und die viele an uns wie Wind vorbeistreichende ungenutzte Zeit. Was aber bleibt? Broch schließt:

„Dann wird der Stein zum Kristall, das Tagewerk aber ruht im
Ernste zum wahren Bleiben.“

Der Ernst also übergibt die Zeit wie einen Krug gefüllt mit Traditionen und Wissen an die nächste Generation. Das alltgägliche Steinernde erlangt die Bedeutung in seiner Zukunft. Der Stein wird Kristall. Zeitmanagement also für das Wirkliche, so lehrt es auch Randy Pausch, denn trotz Krebserkrankung blieb er Professor und lehrte, arbeitete, versuchte seine Zeit zu nutzen, und vor allem etwas weiterzugeben. Wieviel Zeit bleibt uns also? Die Zeit ist nicht das unendeckte Land der Zukunft, sondern die Grenze alles Bekannten und Unbekannten. An dieser Grenze der Menscheit wird alles ernst, auch die Heiterkeit. Ein letzter Atemzug und mit dieser Grenzleistung sind wir Geschichte, fallen zurück in das Nichts, aus dem wir kamen. Wie ernüchternd hieß es noch bei dem Philosophen Alfred Eisleben: „Ein Leben in die hohle Hand geschissen“. Was bleibt von uns?

Geschichte und Philosophie

ich erinnere nur an die Geschichte eines chinesischen Kampfmönches, der als er anseinem Nacken das Schwert seines Freundes in seinen Hals dringen spürte, dennoch den Meuchelmord überbrückte und alle seine Gedanken in die Meditation versank. Je tiefer das Schwert seinen Hals durchschnitt, desto schneller schickte er die Gedanken durch die Meditation und je schneller er meditierte, desto langsamer wurde die Zeit um ihn herum, bis die Zeit stehen blieb, in seiner Zeit. Tatsächlich ist er niemals gestorben, weil er sich in den Horizont der Zeit selbst bringen konnte. De facto ist er tot. Die vollkommene Reflexion (und das ist auch eine Mahnung an die Philosophen) holt selbst die Zeit ein.

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Nachtrag:

Was ich noch Spektakuläres entdeckt habe. Das Geheimnis der Zeit endlich… REVEALED. It is UNBELIEVEABLE. Das Geheimwissen selbst wird nun endlich entborgen. Ab Januar in ihren Kinos:

http://www.youtube.com/embed/V7Ymh7j_cn0

Die Idee des Geheimwissens (The great TIME-MANAGEMENT-SECRET) basiert darauf mit so wenig wie möglich Aufwand, soviel wie möglich Effekt zu erzielen. „Effizienz“ lautet das Stichwort. Wir bleiben aber bei unserer Formel „ein Prozent Inspiration und (in Zahlen) neunundneunzig Prozent Transpiration“.

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Grenzen der Kunst – Zur Philosophie von Material und Fortschritt

Es heißt ja die Kunst konnte sich in ihrer heutigen Profession nur entwickeln, weil mit der Zeit Materialien günstiger wurden. Tatsächlich dürfte zu erwarten sein, dass die Höhlenmaler nicht viele Farben zur Auswahl hatten und sich daher nur in einer beschränkten Gestaltungsdimension befanden. Experimente waren limitiert. Aber selbst diese Grenzen einer Kunst und ihrer Philosophie sind als diese Grenzen überschreitbar wie folgendes Video zeigt:

Feinen Sand dürfte es auch zu anderen Zeiten schon gegeben haben. Daher kann es sein, dass auch die Höhlenmaler schon zu einigen perspektivischen Leistungen in der Lage waren. Die Materialsteigerung war also nicht alleiniger Grund für das Kunstvermögen und so zeigen uns die Malereien des Mittelalters, dass simple Methoden, die selbst 16 Jährige heute schon beherrschen, erst entdeckt werden mussten und nicht das Material ausschlaggebend war. Wir erweitern unsere Grenzen und nicht das Material gibt uns die Möglichkeit zu ferneren Grenzen vorzudringen. Dies fordert geradezu zu einer Kunstphilosophie heraus, die die Grenzen der Kunst bedenkt. Hinter einer solchen Grenzerweiterung verbirgt sich aber das Vermögen der Vernunft oder besser das Vermögen der Philosophie.

Was hat die Grenzen der Malerei erweitert?
Wie also ist es Menschen möglich über ihre physische Umwelt, die vorrangig aus begrenzten Ressourcen/Materialen besteht, hinauskommen? Offensichtlich begrenzt das Material nicht. Warum sind Künstler heute zu so vielem in der Lage? Ist es vielleicht die neue Auswahl an Talenten bei Milliarden von Menschen? Oder katapultieren wir uns in eine sich unendlich überbietende Kultur, die einfach aus der ständigen Aufbietung von neuen Memen besteht?

Den Einwand, dass sich die großen Genies der Steinzeit uns nicht überliefert haben (dass wir also von den Höhlenmalern ja keine Sandmalereien hätten übrig behalten können), glaube ich nicht, denn auch die Meister des Mittelalters zeichneten noch sehr diskussionsbedürftig (obwohl natürlich dennoch großartige Leistungen möglich gewesen sein mögen, wie beispielsweise Landvermessung).

Wie können wir es also philosophisch interpretieren, dass wir solange die Kunst im Material nicht entdeckt haben? Sogar der Ketchupkünstler, mein früheres Berufsziel, wurde zum Beispiel schon realisiert. Warum aber wurden solche Kunstwerke nicht früher produziert?

Die Materialien der Kunst können also so vielfältig philosophisch gedacht werden, wie die Welt Tatsachen und Artefakten selbst aufbieten kann. Warum aber ist es so schwer, das Neue zu entdecken? Sind wir nur starre Denkfabriken, die wie Maschinen immer wieder und wieder wiederholen?

Bitte erzählt mir, wie ihr Neuen! Wie können wir Neues bewirken? Ich verstehe dies als Ideenbasar, der hiermit und mit diesem Philosophieblog eröffnet ist. Letztlich wird sich aber nur zeigen, dass das Neue sich nur als Philosophie verstehen lässt und das Neue verschwindet immer wieder im Unbegrenzten der Philosophie. Philosophie ist unsere Lebenshaltung, sie ist die „Art“ (Kunst) wie wir die Welt entdecken. Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ihr meine Beiträge zu allen offenen Horizonten per E-mail verfolgen wollt. Ich verspreche euch, dass ihr so zu vielen umfassenden Grenzen unserer Menschheitsgeschichte versorgt werden. Vielen Dank

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